Donnerstag, 8. August 1935
Nr. 183 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)
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Oie Hauptstadt der Bewegung
periodische LichterscheinungenamHimmel
Von Arthur Rhein.
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I Von nun an interessierte mich auch wissensmäßig die hohe Gesellschaft am nächtlichen Firma-
ment: wer jeder wäre, ob ein Planet oder ein Fix-
ich
ZU
Nachts, wann gute Geister schweifen, Schlaf dir von der Stirne streifen, Mondenlicht und Sternenflimmern Dich mit ewigem All umschimmern Scheinst du dir entkörpert schon Wagest dich an Gottes Thron.
tragische Vollendung. Der feurig-phantasievolle und dekadent-erregbare Künstlerfürst, der in .einer Welt der Unwirklichkeit und Begeisterung lebte, schuf dem gehetzten, ruhelos umhergetriebenen und finanziell zerrütteten Genie eines Richard Wagner ein königliches Asyl. Wenn auch diese in der Geschichte der Musik unvergleichliche Freundschaft später zusammenbrach, so wird der Name Wagners mit der künstlerischen Entwicklung Münchens für alle Zeiten verbunden bleiben, solange seine heroischdämonische Musik die Herzen der Menschen bewegt und erschüttert.
Heute ist München nicht nur als Kunststadt mit einer alten Tradition berühmt und gefeiert. Sein Deutsches Museum, die unvergleichliche tech- nische Schöpfung eines Mannes wie Oskar Miller, ist ein monumentales Denkmal des deutschen Arbeitsgenius. Vergessen wir aber vor allem nicht jenes erhabene und imposante „Hausder Deutschen Kunst", das an Stelle des abgebrannten Glaspalastes durch die Initiative des Führers errichtet wurde: in dieser künstlerisch-baulichen Tat ist das München von heute auf das eindrucksvollste verkörpert.
und die Feuerkugeln. Jene bewegen sich meist scharenweise unter sich selbst parallel, in langgestreckten elliptischen Bahnen um die Sonne; sind also Mitglieder unseres Sonnensystems. Diese dagegen kommen aus den fernsten Teilen des Weltalls und nur gelegentlich in unser Sonnensystem, besitzen größere Geschwindigkeiten und laufen meist einzeln. Die Feuerkugeln sind ungleich seltener, aber dafür auch viel prächtiger in ihrer Lichterscheinung. Das Aufleuchten der Sternschnuppen und Feuerkugeln kommt dadurch zustande, daß diese in die Atmosphäre der Erde gelangen und mit ungeheurer Geschwindigkeit, von der Erde angezogen, auf die Luft treffen (bis 40 km pro Sek.). Die einzelnen Sternschnuppen verdampfen! Durch den Aufprall der verdampfenden Moleküle auf die Luftmoleküle werden die äußeren Elektronen der ersteren aus ihrer normalen Lage gerissen, woben starke Lichtausstrahlung eintritt (ein Atom besteht aus einem positiv geladenen Kern und einer je nach dem Element verschiedenen Anzahl von neaativ geladenen Elektronen, welche um den Kern kreisen).
In welcher Höhe leuchten nun die Sternschnuppen? Die Atmosphäre der Erde ist rund 500 Kilometer dick. Die Sternschnuppen beginnen ungefähr bei 100 bis 150 Kilometer über der Erdoberfläche zu leuchten und erlöschen bei 50 bis 100 Kilometer Höhe. Das find nur Mittelzahlen, die sich natürlich verschieben können. Bei größerer Geschwindigkeit erfolgt das Aufleuchten früher und umgekehrt: bei
Erfolg der Buchbesprechung.
Eine schwedische Zeitung hat vor einiger Zeit unter ihren Lesern eine Umfrage veranstaltet, um von ihnen zu erfahren, durch welche Gründe sie zum Kauf von Büchern veranlaßt worden sind. Das Ergebnis dieser Erhebung zeigte, wie Dr. Grünbeck im „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" mitteilt, daß bei 30 v. H. der Leser Buchbesprechungen in der Zeitung, bei 12 v. H. Anzeigen, bei 8 v. H. der Titel, bei 7 v. H. Empfehlungen durch Freunde und Bekannte und bei nur 3 v. H. der Name des Verfassers den Anlaß zum Erwerb des Buches gegeben haben. Don den restlichen 40 v. H. wußte der Hauptteil nicht anzugeben, was eigen!»
ftern: wie die Bilder hießen, zu denen sie sich in unserer irdischen Sicht verbinden, und warum sie alle miteinander in so eigentümlich schiefer Kreisung den festen Polarstern umwandeln.
Und es stellte sich heraus, daß mein Verhältnis zu den „Blumen der Nacht", wie ein romantischer Dichter die Sterne genannt hat, durch das astronomische Interesse nicht etwa verarmte und an Innigkeit verlor, sondern daß es vielmehr nur noch reicher und lebendiger wurde. Der träumerische Hirtenblick über die lichtblühende Himmelswiese hin wurde von der reifen Andachtsschau des bewußten Auges an Beglückungskraft durchaus Überboten. Je mehr sich mir die namenlose und zerstreute Vielheit der blinkenden Lichter in das klare Bild der unerschütterlich begrenzten und benannten Sternenkarte ordnete, desto faßlicher wurde mir der Nachthimmel, und die Faßlichkeit erhöhte mir feine Schönheit, weil sich das Wunder des Firmamentes nun nicht mehr nur der Seele darbot, sondern zugleich den Geist ansprach.
Es war wie die Verwandlung beim Hören der Musik: wenn man sich bisher nur dunkel und unbestimmt im Gemüte von den Wogen der Töne hat mitwiegen lassen, und wenn man dann, eines Besseren belehrt, beginnt, den kunstreichen Tonfolgen und Harmonien mit hell wacher Aufmerksamkeit zu folgen: da wird man auch der vergeistigten Freude gewahr als einer Belohnung für den guten Willen, beim Empfang der Kunstschöp- fung selber auch zu ihrer Erfüllung mitzuwirken.
Sternbilder: 1. Adler, 2. Schlangenträger, 3. Schwan, 4. Leier, 5. Cepheus, 6. Cassiopeja, 7. Perseus, 8. Fuhrmann, 9. Stier, 10. Großer Bär, 11. Drache, 12. Kleiner Bär. — Sterne: 13. Polarstern, 14. Wega, 15. Capella, 16. Algol, 17. Plejaden.
macht ist ihre Beziehung zu den Kometen. Man kennt einige Kometen, die zu Sternschnuppenfällen Anlaß gegeben haben. Mancher wird sich noch an den 9. Otoder 1933 erinnern, wo ein reicher Sternschnuppenfall ftattfdnb, der auf einen an der Erde vorbeigehenden Kometen zurückzuführen war.
Hoffentlich haben auch in diesem Jahre, und besonders am 10. August, die Sternenfreunde
6.30:
8.10:
Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten.
Gymnastik. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sende»
Rundfunkprogramm
Freitag, 9. August:
Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik.
lich der letzte Anlaß zum Kauf gewesen war. Diese schwedischen Ziffern können natürlich nicht ohne weiteres verallgemeinert und vor allem nur mit größter Zurückhaltung auf andere Länder übertragen werden. Ihnen ist aber deutlich zu entnehmen, welche große Bedeutung der Leser den Buchbesprechungen in Zeitungen und Zeitschriften beimißt, eine Tatsache, die gerade für die Neuordnung des deutschen Buchbesprechungswesens von Belang ist.
reinen Herrscher der Nächte und milderten die Dunkelheit, wen der Mond sich versagte, durch ihre zartere Macht. Bei klarem und stillem Wetter spiegelten sich die größeren von ihnen auch noch in der ruhenden Tiefe des Sees wider, so daß die Hütte dann zauberhaft in einem nicht nur über ihr, son- dern auch unter ihr gestirnten Welträume lag wie in einer schimmernden Schale der Ewigkeit, die irdische Nähe vom unermüdlichen Sommerlied der Grillen erfüllt oder vom winterlichen Eulenruf aus dem schweigenden Walde durchbebt. Da erlebte ich vielen Malen jene magischen Verse:
bezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. Klaviermusik von W. A. Mozart. 16.30: Der Himmel im August. — Wie weit reicht die Macht unserer Sonne? Von Prof. E. Sittig, Frankfurt a. M. 16.45: Deutsche Arbeit und deutsches Ansehen im nahen Osten. Ein Bericht von Dr. K. Klinghardt, Frankfurt a. M. 17: Bunte Musik am Nachmittag. 18.30: „Lob der Eisenbahn in der deutschen Dichtung." Funkfolge von Auaust Kruhm. 18.45: Das Leben spricht! 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: Nationalsozialistische Weltanschauung und Rundfunk-Wirtschaft. Von Herbert Packebusch, Geschäftsführer der Reichs-Rundfunk» kammer. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. Johann A. Sixt, ein vergessener Klassiker. 21: Altpreußische Märsche. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.20: Das offizielle Rundfunkschrifttum. Sprecher: Dr. H. Waffenschmidt. 22.30: Sportschau der Woche. 22.45: Deutsche Fechtmeisterschaften, Funkbericht von den Säbel-Kämpfen.
Zeitschriften.
— „Deutsches Volkstum". Monatsschrift für das deutsche Geistesleben. Herausgeber Wilhelm Stapel und Albrecht Erich Günther. Auguftheft 1935. Einzelpreis 1,20, vierteljährlich 3,60 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. Das Heft ist dem Feriencharakter der Jahreszeit entsprechend, der Besinnung auf die tiefen Gründe des Lebens zugewandt. Dr. Albert Schott stellt das älteste der großen Epen der Weltgeschichte, die Gesänge von den beiden Freunden und Helden Gilgamesch und Engidu, als metaphysisches Vermächtnis eines Heiden vor. In dem Aufsatz „Parzival und das Reich" bringt Dr. Friedrich Knorr eine neue Deutung des Wolframschen Parzival. Dr. Wilhelm Stapel zeigt an Wilhelm Raabes großen Werken vom „Hungerpastor", von „Abu Telfan" und vom „Schüdderump", wie das große Lebensrätsel, das Geheimnis des Lebens und des Todes die Herzen heute wie vor Jahrtausenden bewegt.
— Wie der Hase läuft, darüber belehrt eine Darstellung in der Abteilung „Erforschung des Tieres" der Essener Ausstellung „Mensch und Tier", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem Menschen den Wert seiner Beziehungen zum Tier wieder stärker zum Bewußtsein zu bringen, lieber diese interessante Schau berichtet die neueste Nummer 4716 der Jllustrirten Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) in einem ausführlichen Beitrag von Otto Zielte, der durch zahlreiche Bildbeigaben eine Vorstellung von der Fülle des Gebotenen gibt. Von kulturhistorischem Interesse ist ein illustrierter Aufsatz über die Tätigkeit des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Der Artikel „Hochzeit in Japan" zeigt die Zeremonien-Freude des Fernen Ostens. Ein Kunstbeitrag behandelt das Schaffen des Malers und Radierers Otto Quante.
alte Tradition fortzuführen.
Dieses München, das noch vor wenigen Jahren j als blutleeres Schlagwort einer übriggebliebenen , ßiterätenclique von „Schwabing" dazu verurteilt - war, von der Erinnerung an die einstige Größe und Bedeutung zu zehren, erlebt heute wieder durch den Impuls und die geistige Willensrichtung Adolf Hitlers baulich und künstlerisch eine glänzende Wiedergeburt. Der Aufschwung dieser klassischen Kunststadt, I die in einem liberalistischen Zeitalter Gesicht und Tradition zu verlieren drohte, ist auch national- politisch von größter Bedeutung.
Denn München wird gerade durch die Betonung und Herausstellung seiner geschichtlichen und stam- mesmäßigen Eigenart imstande sein, auch für das gesamtdeutsche Erlebnis neue kulturelle Kraftquellen zu erschließen. Jene unselige Mainlinie, die das Deutsche Reich lange Zeit in zwei Lager spaltete und einen unheilvollen Gegensatz schuf, erhält so einen neuen produktiv-verbindenden Sinn.
Die historische Luft, die heute noch in Isar-Athen wie eine zauberhafte Atmosphäre den Fremden wie den Einheimischen umfängt, weht noch aus einer Zeit in unsere raschlebige Gegenwart, da München der Hort und das Asyl der größten deutschen Genies und Talente war. Aus dörflich-kleinen Anfängen, aus einer idyllisch-ländlichen Siedlung entstand das organische Wachstum einer der phantasiereichsten und produktivsten Städte der Welt, die Residenz eines mit Kunstsinn und schöpferischer Lebensbejahung begabten Fürstengeschlechts, der Tempel einer bahnbrechenden deutschen Kunst. So wurde München Sehnsucht und Heimweh, Erfüllung und Erinnerung für viele geniale Naturen, die aus dem alten Bauernboden, aus seiner Kraft und naiven Frömmigkeit, aus dem Glanz und der Herrlichkeit seiner Bauten, aus dem fröhlich-vitalen und urwüchsig-derben Wesen seiner Menschen Nahrung und Ansporn für ihr künstlerisches Schaffen sogen.
Schon im 15. Jahrhundert erlebte die mittelalter- liche Stadt ihre Blütezeit in Handwerk, Handel und Kunst. Dom und Rathaus wurden erbaut und die Stadt mit einem doppelten Mauergürtel umwehrt. Unter den großen Förderern Münchens, die den Grundstein zu feiner Entwicklung legten, war Her- z o g A l b r e ch t V. (1550—79) einer der bedeutend-
ften. Er gründete die Staatsbibliothek, das Münzkabinett, das Antiquarium und die Kunstkammer und zoa außer anderen großen Künstlern einen Orlando oi Lasso an seinen Hof. Der Mann aber, durch den München seinen eigentlichen unvergänglichen Ruf in der Welt erhielt, war König Ludwig!., der München zu einer Kunststadt von euro» päischer Bedeutung erhob. Aus der Zeit dieses musenfreundlicben Königs stammen die zahlreichen Prachtbauten, die heute von den Fremden aus aller Welt bewundert werden. Er zog die hervorragendsten Künstler an seinen Hof und legte damit den Grundstein zu einer schöngeistigen und gesellschaft- lickeu Tradition, aus der die Intimität und der Glanz eines sich stetig steigernden Kunstschaffens entstand. Wissenschaft und Dichtkunst waren es besonders, die in seinem Sohn Maximilian II. einen großzügigen und begeisterten Mäzen sanden. Dieses „Mäzenatentum" erlebte in der Gestalt des Bayernkönigs Ludwig II. eine letzte glorreich-
Münchens Wiedergeburt. !
Son Dr. W. Hillbring -
Wie bereits berichtet, hat der Führer Mün- ; chen zur Hauptstadt der Bewegung erhoben. । München, organisch emporgewachsen aus einer ; Synthese von Geschichte, Landschaft und Bauerntum, : war jahrzehntelang die klassische Heimstätte des deutschen Kulturlebens, ein Wallfahrtsort der Kunstfreunde, eine Stadt, die berufen war, die Rolle eines Weimar zu spielen. So wurde es im Laufe seiner Entwicklung immer mehr zu einem festen Begriff, der alles enthielt, was irgendwie mit Dingen der geiftigen und schöpferischen Kultur zusammenhing. Die Hauptstadt der Bewegung galt lange Zeit als die städtebauliche Verkörperung eines überlieferten Kulturbegriffes, als eine Stadt mit der Patina einer ehrwürdigen Vergangenheit und einer schöpferischen Tradition. Diese Tradition war es, die der Stadt ihr besonderes Gepräge und ihren arteigenen Charakter gab, einen Charakter, der sich von allen anderen Städten Deutschlands durch die Verschiedenheit des Stils, der Lebensformen und der kulturellen Haltung unterschied.
Wenn München zur „Hauptstadt der Bewegung" erhoben wurde, so bedeutet diese „Ernennung" eine Tat von kultureller und symbolhafter Bedeutung. In München nahm die nationalsozialistische Bewegung ihren Anfang, in den kleinen, romantischen Lokalen, der geschichtlich so farbigen und altertümlichen In-1 nenstadt wurden die ersten nationalsozialistischen Versammlungen abgehalten. Aus der verwinkelten Enge historischer Räume und Räumlichkeiten, aus der traditionellen Bäuerlichkeit eines seßhaft-geruhsamen und dennoch künstlerisch bewegten Volksstammes wuchs und entfaltete sich jener neue schöpferische Geist, der heute dazu auserkoren ist, die ver- I sunkene Vergangenheit dieser urdeutschen Stadt mit i einem neuen Kulturethos zu durchbluten und die;
größerer Masse ist der leuchtende Weg größer, Da das Verlöschen erst in tieferen Lagen vor sich geht. Selten geht die Lichterscheinung tiefer als angegeben; selbst bei den die Erdoberfläche erreichenden Meteoren tritt vorzeitiges Verlöschen ein; infolge des zu großen Luftwiderstandes wird der Lauf des Meteors so stark gehemmt, daß die Reibung zur Erzeugung einer Lichtwirkung nicht mehr ausreicht. Im allgemeinen ist der Lichtweg der Sternschnuppen 50 bis 100 Kilometer im Mittel lang. Hingegen können die Leuchtkugeln auf einige Hunderte von Kilometer sichtbar fein.
Erstaunlich gering ist die Masse einer Sternschnuppe. Sie läßt sich aus der ausge trahlten Energie und der Geschwindigkeit der'Stern chnuppe berechnen. Sie beträgt bei Den in der Luft völlig verdampfenden, in 150 Kilometer Höhe und nur 1,5 Sekunden lang aufleuchtenden Sternschnuppen ungefähr sechs Tausendstel Gramm. Das entspricht einem Radius von 0,6 Millimeter, wenn die Sternschnuppe aus Eisen besteht. Daraus geht hervor, daß es sich nicht um eine Verbrennung handeln kann; denn ein glühender Stecknadelkopf ist schon bei ganz kurzer Entfernung nicht mehr sichtbar.
Welche Stoffe eine Sternschnuppe zusammensetzen, ist sehr schwer zu sagen, da, wie schon erwähnt, die Sternschnuppen nicht auf die Erde gelangen und außerdem einer Spektraluntersuchung sehr schwer zugänglich sind. Doch hat sich beweisen lassen, daß sich wahrscheinlich nur Stoffe an ihrem Aufbau beteiligen, die auch auf der Erde vorkommen.
Jnteresfant ist noch eine Erörterung des Massen- Zuwachses der Erde durch die Sternschnuppen und Feuerkugeln. Es werden dafür rund 150 Tonnen für das Jahr angenommen; eine Zahl, die natürlich in keinem Verhältnis zum Gewicht der Erde steht.
Neben dem Perseidenschwarm und dem im November zu beobachtenden Leoniden- schwärm, dessen Radiationspunkt das Sternbild des Löwen ist, gibt es noch eine ganze Reihe von Radiationspunkten, aus denen in den verschiedenen Monaten Sternschnuppen zu kommen scheinen. Das Ausstrahlen nach verschiedenen Richtungen ist eine Wirkung der Perspektive und ist eine ähnliche Erscheinung, wie sie die parallelen Sonnenstrahlen darbieten, wenn sie zwischen den Wolken durchleuchten.
Was die Sternschnuppen weiterhin so interessant
Unter (Sternen.
Von Ernst Bacnieister.
Ein Zeugnis echter dichterischer Besinnlich- feit ist diese im Augustheft des „Inneren Reiches" veröffentlichte Betrachtung, der wir mit Erlaubnis des Verlages Albert Langen/Georg Müller in München den folgen Abschnitt entnehmen.
Eigentlich sollte jeder Mensch ein Verhältnis zu den Sternen haben, da er ja selber ein Sternbewohner ist. Aber wer beachtet die himmlischen Lichter in den künstlich überstrahlten Nachten der gro- ßen Städte, wo sie fast nur noch rechnungsweise, auf dem Papier der Astrologen, an die Dasems- anqst und -Hoffnung der Menschen verhökert werden.
Freilich hat auch mein Verhältnis zu den Sternen zwischen Häuserwänden und gewissermaßen auch in astrologischem Sinne seinen ersten merklichen Anfang genommen. Es ist schon lange her, daß ich in einer alten norddeutschen Stadt in einer engen Gasse wohnte, die mit ihrem unholden Rainen der Schicksalslage entsprach, in der ich mich damals befand. Sie hieß die Hundegasse. Dort kam ich eines Abends aus dem Theater nach Hause mit einem von der dargestellten Dichtung hochbeweg- ten Herzen und im Geiste über die Massen aufgeregt. Ein ungeheurer Tatendrang verband sich mit einer tiefen Verzweiflung über das Unerreichbare eines solchen Werkes, wie es mich soeben zugleich emporgerissen und niedergeschmettert hatte. Sich selber verzehrend glühte Wunsch und Wille. Aber siehe, als ich meine Augen wie zum Anruf helfender Mächte gegen den Nachthimmel aufhob, da stand im schmalen Giebelausschnitt meiner Hunde- qasse ein einzelner großer, sieghaft heller Stern. War es Hesperus. der Abendstern, ober der Jupiter ober ber Sirius? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, baß bieser Stern zur richtigen Stunbe am richtigen Platze für mich am Himmel ftanb, um mir ein kraft- unb mutspenbenbes Zeichen zu werben burch ben Zusammenklang mit meiner innerlichen Da-
Der"unausweichliche Zwang zu schöpferischer Le- bensbaltunq hat mich bann fern von ber Unruhe her Stäbte in bie Stille ber Natur geführt. Eine einsame Hütte auf freier Höhe über einem großen See würbe mein Wohnsitz Dort waren die Sterne unverkürnrnert burch menschliche Zwischenlichter bte
Dem zu astronomischen Beobachtungen Neigenben bietet ber Monat August mancherlei Interessantes. Neben ben zur Zeit sichtbaren Planeten (im Gegensatz zu ben selbstleuchtenben Fixsternen, besitzen bie Planeten keine eigene Leuchtkraft; sie strahlen bas Sonnenlicht zurück) Venus, Mars unb Jupiter, gegen Abenb am Westhimmel sichtbar, zieht sich von NO nach SW bas leuchtenbe Banb ber Milchstraße. Sie schließt ein bie Sterubilber Fuhrmann, Perseus, Cassiopeja, Cepheus, gabelt sich im Schwan und zieht einerseits durch Den Adler zu dem Schützen und anderseits durch den Schlangenträger gegen den Skorpion. (Siehe Abbildung.) Die Milchstraße setzt sich aus einer Unzahl von Sternen unb, wie wir von photographischen Aufnahmen wissen, auch aus leuch- tenben Gaswolken zusammen.
Das Sternbilb bes Perseus ist es nun, bas Gegenftanb unserer Beobachtungen sein soll. Um ben 10. August herum bemerken wir, scheinbar aus biesem Sternbilb fommenb, eine grofie Fülle von Lichtfunken, bie von einem gemeinsamen Punkte, bem sogenannten Rabiationspunkte, ausstrahlen. Dieser Auguststernschnuppen ber Perseiben, auch „Tränen bes heiligen Laurentius" genannt, scheinen bem Hauptstern bes Perseus, bem Algo l, zu entspringen. Um was hanbelt es sich nun bei biefen Lichterscheinungen?
Allgemein bezeichnen wir sie als M e t e o r e. Entsprechen!) ihres kosmischen Ursprungs unterscheibet man aber zwei Hauptgruppen: bie Sternschnuppen
Bei ben tragischen Dichtunasgestalten, bie mir in solchen Nächten aus ber gesammelten Seele auf- stauben, wirkte ber sternenhafte Ursprung auch noch in ber tageschwachen Werkausführung groß unb hilfreich nach.
Ich wundere mich felber, wie jahrelang ich mir, der leidenschaftliche Nachtspazierer, der ich immer war, den gestirnten Himmel nur eben als bas erheb enbe Schauspiel ber ewigen Lichter über bem Abgrunb ber Finsternis im allgemeinen gelten ließ, ahne mich um bie Namen ber Sternbiiber unb ber einzelnen Sterne, um ihre Bebeutung im Natur- ganzen unb ihr kosmisches Wesen zu bekümmern. Es war wie eine Scheu: als ob bas astronomische Wissen mir bte stumme Heiligkeit bieser menschenfernen Gebilbe beeinträchtigen unb bie bichterische Wogung zerstören würbe, bie ich über allen Verstaub hinaus von ihrer unaussprechlichen lieber» legenheit empfing.
Allzulange, scheint mir heute, blieben sie mir nur bie schweigeuben Herzvertrauten wie bem einfältigen Hirten auf bem Felbe. Aber allmählich stellten sich boch unwillkürlich unb uuabwehrbar auch die Namen ein. Vor allem, seit ich mich bazu verstaub, bie göttliche Einsamkeit meiner Hütte burch eine tägliche Zeitung menschlich zu verfärben. Darin kehrte alle vier Wochen bie astronomische Belehrung über ben Sternenhimmel bes Monats wieder unb von biesem Bilbuugsköber ließ ich mich meiner poetischen Einfalt entlocken.


