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Nr. 285 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Aeitag,6.VezembeN935

Obecheffen

unserer Gemeinde Naturalien, die dem Evan­gelischen Schwesternhaus in Gießen

Climbach, 5. Dez. Die Viehzählung

des Ergebnis: 3 Pferde, 164 Stück Rindvieh, 124

I Der Sängerkranz, der' nun schon seit Jahrzehnten unter der Leitung seines jetzigen strebsamen Diri-

er-

zuheben sind.

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20000Lahre alte Jagdbeute entdeckt.

Umwälzende Forschungen deutscher Vorgeschichte. - Ein Gespräch mit dem Leiter des Altertumsmuseums in Kiel.

vom 5. Dezember 1934.

= Steinbach, 6. Dez. Diese Woche wurde hier der 70jährige verstorbene Landwirt und frühere Oelmüller Karl Friedrich Haas zu Grabe gebracht. Sein Tod weckt die Erinnerung an die Zeit des Weltkrieges. In den Kriegsjahren war er eine weit­bekannte Persönlichkeit, zu dem ebenso wie zu der anderen im hiesigen Dorfe damals bestehenden Oel- mühle, eine große Menge von Leuten aus der näheren und weiteren Umgegend kamen mit ihrem Fetthunger. Der Verstorbene hat es in dieser schwe­ren Zeit, die auch ungeheuere Anforderungen an seine Kraft stellte, verstanden, durch seine Hilfsbereit­schaft sich die Anerkennung aller zu erwerben.

0 Reiskirchen, 6. Dez. Am Sonntag be­gann die Kriegerkameradschaft des Kriegerver­eins Reiskirchen mit dem O p f e r f ch i e ß e n. Der Erlös kommt allein dem Winterhilfs­werk zugute. Aus der am Sonntag hier durch­geführten Sammlung und dem Verkauf der Edel- steinrofetten durch die Beamten, Handwerkmeister, Gesellen und Lehrlinge konnten 34 Mark dem Winterhilfswerk überwiesen werden. Die Abzeichen reichten nur zur Hälfte aus. Die dies­jährigen Konfirmanden sammelten am Mittwoch in

An der Tür redet sie mit dem Heiligen noch ein paar Wörtl. Der sagt laut und vernehmlich: I schreib mir's scho aus! Alles, was i hör von de zwoa Spitzbuam! Wia f' net brav san, kimm i und na steck i V in Sack. Da hilft na gar nix mehr...

Kettenrasselnd verschwindet er über ine Stiege.

Die Hausmeisterbuben sind nach dem kleinen An­fall von Angst begeistert von ihrem Niklo: Pfundig war er! Des war a richtiaer Böser! Sie mochten dieses schaurig-schöne Gruseln gleich leben mit ihrem wilden, kettenrasselnden Klaubaus.

genten, Herrn Albert Kasten, steht, hat in seiner rühmlichen Vergangenheit (es sei erinnert an die gelungenen Aufführungen von BruchsGlocke" und HaydnsSchöpfung") stets den Grundsatz verfolgt, solche Werke zu bringen, die zu seinen Kräften im rechten Verhältnis stehen, um so von vornherein eine wirklich erfolgreiche Aufführung zu gewähr­leisten. Das ist das Verantwortungsbewußtsein das durch die wahre Ehrfurcht vor der Kunst erzeugt wird. Den Hauptanteil an dem sehr guten Gelin­gen dieses Konzertes hat ohne Zweifel der Chor, der erfreulicherweise nicht an dem Hebel so vieler gemischter Chorvereinigungen, dem Mangel an Männerstimmen, krankt. Die Tongebung ist natür- lich und gesund, vor allem ist jedes Forcieren, be­sonders im Sopran, vermieden. Die einzehien Chöre waren sorgsam und genau studiert, rhythmisch fast ohne Tadel, sauber und klar in der Koloratur und der Linienführung, dynamisch so gestuft, wie es

die Musik jener Zeit fordert.

Die sehr umfangreiche Partie der Galatea hatte Fräulein Helga Schuchhardt übernommen. Ihre Stimme ist besonders in der Höhe recht ergiebig, weniger in den unteren Lagen, in denen sie sich gegen die Orchesterbegleitung oft nicht durchsetzen konnte. Sehr angenehm berührte der ausdrucks­volle Vortrag, der besonders dem berühmten Terzett und der Sicilianoarie zugute kam. Vor einem An­schleifen des Tones ist aber bei Händel zu warnen. Der Vertreter des Acis, Herr Rudolf Hille, besitzt eine gut gebildete Tenorstimme, sie ist zwar nicht groß, gewinnt aber durch eine vorbildliche Atem­technik. Prächtig war die Gestaltung des sterben­den Acis. Sehr gut in Sprache und Ton war der Polyphem des Herrn Wilhelm Greif. Daß die Partie etwas bühnenmäßig dargestellt wurde, be­sonders in dem Gebärdenspiel, war hier kein Feh­ler, da sie von dem Komponisten ja szenisch gedacht l%as Städtische Orchester zeigte auch hier seine Zuverlässigkeit. Klangsatt in den Streichern und sauber in den Holzbläsern (Oboen) konnte es m der Ouvertüre besonders seine Vorzüge ins hellste Licht setzen. Die Begleitung der Arien hätte hier und da etwas mehr Zurückhaltung vertragen Herr Kapellmeister Bräuer unterstützte gut am Flügel.

Herr Albert K a st e n , der ja die Hauptarbeit ge­leistet hatte, darf auch das Hauptverdienst an dem Gelingen für sich in Anspruch nehmen. Er führte Chor und Orchester sicher und ruhig über alle Klippen zum Erfolg.

Der Abend war dem Gedächtnis eines der größ­ten deutschen Musiker, Händel, gewidmet. Man

ein Bienenvolk. Ferner wurden für die Zeit vom 1. September bis 30. November 14 Kälbergeburten und 17 Hausschlachtungen an Schweinen ermittelt.

0 Allendorf a. d. Lumda, 5. Dez. Die am 3. Dezember in unserer Stadt vorgenommene Viehzählung hatte folgendes Ergebnis: Es waren vorhanden: 4 Fohlen, 35 Pferde, 110 Stück Jungrindvieh unter 2 Jahre alt, 484 Stuck älteres Rindvieh (Ochsen und Kalbinnen), 94 Stuck Schaflämmer, 280 Stück Schafe, 19 Zuchtsauen und -Eber, 694 Schweine und Ferkel, 16 Ziegenlämmer, 102 Ziegen, 2539 Hühner, Kücken und Hähne, 291 Gänse, 27 Enten, 1 Truthahn, 16 Bienenstöcke. Die am vergangenen Sonntag von den Gewerbe­treibenden und Beamten gemeinschaftlich zum Be­sten der Winterhilfe in unserer Stadt durchge­führte Sammlung ergab 53,45 Mark. Seit 1. Dezember ist in unserem Postwesen eine Aende- rung eingetreten. Die Beförderung, die seither durch die Bahn stattfand, erfolgt seit dieser Zeit mittels K r a f t f a h r p o st. Der Kraftwagen trifft zweimal am Tage hier ein und zwar vormittags gegen 7.30 Uhr und nachmittags gegen 18 Uhr. Die Ortsbe­stellung durch den Briefträger erfolgt jetzt zweimal täglich.

§ Mainzlar, 5. Dez. Die von den Konfirman­den hier durchgeführts Sammlung für die Ein­richtungen und Anstalten der Inneren Mis­sion ergab insgesamt zirka 16 Zentner Kartoffeln, 1% Zentner Gemüse und 18 Pfund sonstige Lebens­mittel. _. _

§ Staufenberg, 5. Dez. Für die Innere Mission wurden hier insgesamt zirka 6 Zentner Kartoffeln und zirka 3 Zentner Gemüse gesammelt.

y. Daubringen, 4. Dez. Ein 14tägiger, gut besuchter Mütterfchulungskursus der hie­sigen Frauenschaft, in dem Frl. Stroh- meier besonders über Erziehungsfragen sprach, und der auf Einladung auch von der hiesigen evangelischen Frauenhilfe rege besucht wurde, ging nun zu Ende und wurde durch eine Feier begangen. Der große Saal der Wirtschaft

schlossen.

Eberstadt, 5. Dez. Der langjährige Vor­sitzende des hiesigen GesangvereinsLie­derkranz", Wägermeister Heinrich Müller, feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Aus die­sem Anlaß brachte ihm der Verein unter Leitung des Dirigenten Georg S a m e s - Holzheim ein Ständchen. Der Ehrenvorsitzende des Vereins, Bür­germeister G ö r l a ch, übermittelte Glückwünsche und ein Geschenk. Wagnermeister Müller dankte für die Aufmerksamkeiten und lud die Ka­meraden zu einem Glase Bier ein.

* Lich , 5. Dez. Bei der Reichsgeldsarnm- l u n g gingen in unserer Stadt 202 Mark ein, die Sammlung der Beamten und Hand­werker für das WHW. erbrachte rd. 109 Mk.

* Villingen, 5. Dez. Der 14 Jahre alte Wal­ter Zimmer von hier erlitt bei einem Unfall einen Unterschenkelbruch. Der bedauernswerte Junge mußte nach Gießen in das Krankenhaus gebracht werden.

Kreis Schotten.

)-^( Ruppertsburg, 5. Dez. Dieser Tage wurde einer der ä l t e st e n Einwohner unseres Ortes, der 86jährige Altveteran, Landwirt und Makler Jost Meckel zu Grabe getragen. Der Krieger- und der Gesangverein, deren Mitbegründer er war, gaben dem Kameraden das letzte Geleit. Heber dem Grabe wurde eine Ehrensalve abgegeben. Die Grabrede hielt Pfarrverwalter D e b u s (Gon­terskirchen). Meckel machte als aktiver Soldat den Feldzug 1870/71 mit. An dem Geschehen unserer Zeit nahm er regen Anteil.

Kreis Büdingen.

* Nidda, 5. Dez. Bei einem Verkehrsun­fall erlitt der Holzarbeiter Arthur Jendrozeck von hier einen komplizierten Unterschenkelbruch, der seine Ueberführung nach der Klinik in Gießen er­forderlich machte.

ch Nidda, 2. Dez. Am Samstag fand im Hotel zur Traube" ein stark besuchter Kamerad- schastsabend der Kriegerkamerad- sch a f t statt. Man beschloß, am nächsten Sonntag ein Kleinkaliberschießen zum Besten des Winter- hilfswerks zu veranstalten. Für 40jährige Mit-

(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Dem verdienstvollen jungen deutschen Vor- geschichtsforscher Alfred R u st ist es gelungen, in Ahrensburg bei Hamburg eine altstein- zeitliche I ä g e r s i e d l u n g zu ent­decken. Professor Dr. Gustav Schmantes, der Leiter des Museums für vorgeschicht­liche Altertümer in Kiel, nahm daraufhin mit Unterstützung des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches an Ort und Stelle umfangreiche Ausgrabungen vor, die jetzt ab­geschlossen sind.

Iahrrav-Expedition nach Syrien.

Es war vor einigen Jahren", erzählt Professor Dr. Schmantes,als ich einen Vortrag über die Steinzeit hielt. Dabei fiel mir ein junger Mann namens Alfred Rust auf, der, obwohl nur ein einfacher Elektrotechniker am Hamburger Elek­trizitätswerk, für einen Laien ungewöhnliches In­teresse an der Vorgeschichtsforschung bewies. Bald darauf erschien R u st wiederholt bei mir, um mir seine Absicht anzukündigen, selbst Dorgeschichtsfor­scher zu werden. Trotz meines Abratens nahm sich der wissenschaftlich natürlich vollkommen ungeschulte junge Mann eines Tages einfach kurzerhand Ur­laub, bestieg sein Fahrrad und fuhr mit nur 200 Mark in der Tasche nach Syrien, um dort im Tale von Askalon, das ich seiner Zeit in meinem Vortrag ganz beiläufig erwähnt hatte, Ausgra­bungen oorzunehmen. Und Sie werden staunen tatsächlich kehrte der neugebackene Archäologe bald darauf mit ganzen Kisten eigenhändig ausge­grabener Altertümer aus der frühesten Steinzeit in die Heimat zurück. So nebenbei hat der junge For­scher, der eher einen Lehrstuhl an einer Universität als einen Meisterbrief des Elektotechnikergewerbes verdient, noch zur maßlosen Ueberraschung der gan­zen Fachwelt am Delberg bei Jerusalem eine ganze uralte Siedlung aufgedeckt. Noch zweimal wiederholte Alfred Rust seine Forschungs­expeditionen in den Orient. Dann kam er auf den Gedanken, daß doch eigentlich in Nord­deutschland ähnliche Funde aus der A l t ft e i n= zeit zu machen sein müßten. Auf diese merk­würdige Weise und dem Umweg über den Orient wurden die aufsehenerregenden Funde von Ahrensburg bei Hamburg gemacht."

4000 Renntiergeweihe in zwei Hundschichten.

Canbfrei» Gießen

Annerod, 5. Dez. Die Viehzählung hatte hier folgendes Ergebnis: Pferde 27 (29), Rindvieh 362 (380), Schafe 146 (140), Schweine 388 (419), Ziegen 104 (105), Hühner 1479 (1553), Gänse 46 (), Enten 2 (2), Truthühner 5 (5), Bienen­stöcke 13 (12), Kälbergeburten in den Monaten September, Oktober, November 51 (33), nicht be­schaute Hausschlachtungen 80 (98). Die Zahlen m den Klammern sind das Ergebnis der Viehzählung

Zum blauen Hecht" war völlig besetzt Der Abend gestaltete sich zu einem Bekenntnis der Gemeinde zum Dritten Reich und zum Christentum. Die Füh­rerin der Frauenschaft, Frl. Schlapp, hier, er­öffnete den Abend mit passenden Worten. Fräulein Strohmeier dankte der gastfreundlichen Ge­meinde, sprach über Familienerziehung und brachte das Sieg-Heil auf den Führer aus, worauf die Versammlung mit den beiden ersten Strophen des Deutschlandliedes antwortete. Passende Lieder und Deklamationen leiteten zu der Adventsfei e r über, wozu Pfarramtskandidat Damerau die Ansprache übernommen hatte, die sich in sehr ern­ster und eindringlicher Weise an alle Anwesenden richtete und mit andächtiger Spannung von allen mitangehört wurde. Die kurze Pause bis Aum Be­ginn des Krippenspiels wurde mit dem Gesang von Adventsliedern ausgefüllt. Das Spiel wurde glän­zend zur Darstellung gebracht. Mitglieder der Frauenschaft und des BDM. eiferten um die Wette. Um die musikalische Einübung der oft schwierigen, schönen, alten Weisen, die mit guter Stimme vor­getragen wurden, hatte sich Frau Balser, hier, verdient gemacht.

* Großen-Linden, 5. Dez. Heute vormittag ereignete sich hier an einer Straßenkrümmung ein Zusammen st zweier Autos. Die beiden Fahrzeuge wurden beschädigt, zum Glück blieben aber die Insassen unverletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

* Holzheim, 6. Dez. Dieser Tage fand in unserer Gemeinde ein Vortragsabend des Evangelischen Bundes statt, in dessen Mit­telpunkt die Ausführungen von Pfarrer G o n» t r u m (Watzenborn-Steinberg) über das Thema Wogegen kämpft Christus heute?" standen. Der Abend, der bei allen Zuhörern einen tiefen Ein­druck hinterließ, wurde mit dem Lutherlied be-

des Kranichs, die von Steinpfeilen durchbohrt waren. Es gab also schon vor 20 000 Jahren regel­rechte B l a 11 s ch ü s s e.

Merkwürdige Tieropfer.

Wohl die seltsamsten Funde aber sind in den Skeletten altsteinzeitlicher Renntiere zu erblicken, denen der Mensch damals große Felssteine in den Bauch gelegt hatte, worauf der Leid wieder zuge­näht und das ganze Tier ins Wasser versenkt wurde. Es handelte sich hierbei wahrscheinlich um eine der Wissenschaft bisher vollkommen unbekannte Opfer - oder Zauberzeremonie zur Be­schwichtigung erzürnter Gottheiten ober Dämonen. Vielleicht sind jedoch diese seltsamen Vorgänge auch als Dankopfer anzusehen, durch die das Jagdglück beschworen werden sollte.

Die Hauptbedeutung der einzigartigen Funde liegt in der Erkenntnis, daß die bedeutendsten Fundstätten der Vorzeit nicht, wie man bisher an- nahm, in Höhlen, sondern an den Wasserstellen am Rande des Jnlandseises zu suchen sind, wo der Steinzeitmensch seine Schlachtplätze, vielleicht sogar auch seine Wohnstätten hatte. Zur Zeit der ältesten uns bekannten menschlichen Kulturstufe, in der Alt­steinzeit, gab es nur die öde baumlose Tundra, auf der alle Waldtiere vollständig fehlten. Das Tundra- Ren unterscheidet sich daher auch, wie aus den Ahrensburger Funden hervorgeht, ganz deutlich von dem späteren Wald-Ren, das in der Zeit der lang­sam entstehenden Kiefernwälder der Nacheiszeit lebte. Eines der bisher dunkelsten Kapitel der Vor­zeitgeschichte, die Zeit zwischen dem Ende der Eis­zeit und dem Beginn der jüngeren Steinzeit, er­scheint nunmehr in neuem Licht und stellt hierdurch die Wissenschaft vor gänzlich neue Aufgaben und Arbeitsmethoden." J- M.

Oer Himmel auf Erden."

Den Inhalt dieses Films (Siegel Monopol) auch nur in Umrissen zu erzählen, würde ins Uferlose führen. Schwänke muß man nicht erzählen, sondern sehen. Aber denken kann man sich ungefähr, daß derHimmel auf Erden" in Wahrheit so ziemlich das Gegenteil ist. Das kommt auf die einfachste Weise dadurch zustande, daß einer vom andern denkt, jener sei der Richtige: aber der schlaue Zu­schauer lacht sich ins Fäustchen und weiß schon längst: es ist der Falsche. Auf die Voraussetzungen zu solchen Scherzen kann, wir sagten es schon, aus Raumgründen nicht näher eingegangen werden. Zahllose Filme und Operetten haben zahllose und bewährte Vorbilder dafür geliefert, und wenn die richtigen Leute darauf losgelassen werden, dann kann dieses Gesellschaftsspiel vor der Kamera eine hübsche Weile betrieben werden, bis endlich der mitleidige Zufall einem der Mitspieler auf den Trichter hilft und das Knäuel der Mißverständnisse holterdiepolter aufgewickelt wird, so wieder solide und menschenwürdige Verhältnisse geschaffen werden. Der Regisseur E. W. Emo hat den Ehr­geiz gehabt, die gegenwärtig prominentesten Komi­ker des Films gegeneinander auszuspielen: er hat also Hermann T h i m i g , Hans Moser, Heinz R ü h m a n n und Theo Lingen in seinem Ensemble versammelt und jedem die richtige Rolle in die Hand gedrückt. Das gibt eine probate Mischung: Lingen als nervöser Theaterdirektvr, der sich sogar dazu versteigt, seinem Star den Himmel auf Erden" nach eigener Auffassung vor­zusingen: Moser als aufgeregt nusselnder Gast­wirt aus Salzburg ist sehenswert: Thimig und Rühmann stürzen sich wechselseitig in die größ­ten Verlegenheiten, und mittendurch wandelt hoheitsvoll grollend Tante Adele (S a n d r o ck) auf Besuch. Lizzi Holzschuh, Julia Janssen und Rudolf Carl spielen auch mit. Robert Stolz schrieb die Musik. Das Ganze läuft seit gestern im Gloria-Palast mit einem unterhaltsamen Bei­programm, aus dem die Fox-Wochenschau und auf der Bühne das Varietö-Ballett Dorian hervor-

hat viel in diesem Jubiläumsjahr über ihn geschrie­ben, damit ijt's aber leider nicht getan, sondern getan ist etwas, wenn man die Konzerte, in denen er aufgeführt wird, auch besucht. Es war betrüb­lich, daß nicht mehr Musikfreunde den Weg in die Aula fanden und dem Meister und denen, die sich so wacker in seinen Denst gestellt hatten, die Ehre gaben. Wie läßt Wagner seinen Hans Sachs sa­gen?Ehret eure Meister!"a

Konzert desGälwerkranz".

Acis und Galatea" von G. F. Händel.

Nachdem Händel dem Studium entsagt hatte, um sich ganz der geliebten Musik zu roibmen, ging er an die damals unter Kaiser stehende berühmte Oper nach Hamburg, wo er erst als zweiter Geiger, später am Klavier, im Orchester mitwirkte. Sem Ruhm verbreitete sich bald, als feine eigene erste Oper mit großem Erfolg dort zur Aufführung kam. Um die italienische Oper kennenzulernen, begab er sich nach Italien, empfing dort auch viele Anregun­gen, und so kam es, daß er einen großen Teil seines Lebens und Wirkens dem Opernschaffen widmete, mit dem Erfolg, daß ihm dadurch später in London sein ganzes Vermögen verloren ging, als das Un­ternehmen verkrachte. Während seines Aufenthalts in Italien besuchte er auch Neapel und lernte dort die Sage von Acis und Galatea kennen, die er in Musik setzte. In späteren Jahren, als er sich bei einem Gönner auf dessen Landgut Cannons bei London aufhielt, bearbeitete er denselben Stoff erneut in unvergleichlich reiferer und schöner Fas­sung. In diesem Pastoral oder ©djaferjpiel bas neben erschütternder Tragik auch die Heiterkeit der hellenischen Götterwelt widerspiegelt, erblickten Han­dels Zeitgenossen eines seiner vollkommensten und gleichmäßig gearbeiteten Werke. In Deutschland b b es lange unbekannt. Erst spat kam es zu uns und wurde 1905 in Leipzig m szenischer Dar­stellung herausgebracht. In der letztvergangenen Zeit fand sich das Werk öfters auf den Konzert- ?olaen und das mit vollem Recht denn es zeigt uns den Meister, den wir sonst fast nur m seiner nathetifchen und heroischen Weise kennen, von einer anmutigen und liebenswürdig-heiteren Sette

^ dankenswerter Weise brachte es her 6an = aerfrans in feinem diesjährigen Konzert eben­es zur Aufführung und man hatte so Gelegen- heit" das eigenartige Stuck das zwi chen weltlichem Ai-ntnriiim und Oper steht (Handel hat es selbst oft szenisch aufgefütjrt) in lebendiger Darstellung kennen zu lernen.

Das Ergebnis der Ausgrabungen war wahrhaft Überwältigend. Man entdeckte nicht weniger als 4000 Rehgeweihe, Feuersteinwerkzeuge, Har­punen, Pfriemen und Pfeilspitzen, sowie sogenannte Riemenschneider, Handgriffe, in die feine Feuerstein­messerchen eingefügt sind. Es handelt sich hierbei um die ersten geschäfteten Flintgeräte der sogenann­ten älteren Steinzeit.

Oie ältesten Beile der Welt.

Eine große Ueberraschung bedeutete für die Fachwelt die Tatsache, daß viele von den Renntier- geweihen sich als Vorarbeiten zu Beilen erwiesen, bei denen der Hauptast des Geweihes als Handgriff diente, während der Seitenzweig zu einer Beilklinge zugeschnitten und zugeschliffen wurde. Es handelte sich in diesen Stücken um d i e ä 11 e ft e n Beile der Welt, die zu der Annahme berech­tigen, daß in Nordeuropa die Heimat der späteren Beilkulturen überhaupt zu suchen ist. Auch die Waffen und Handwerkszeuge verkörpern zweifel­los die ältesten, bisher bekannten der Welt. Manche der Stücke find bereits mit Ornamenten und Eigen­tumsmarken, ja sogar stilisierten bildlichen Darstel­lungen versehen. Man sand Röhrenknochen, aus denen das Mark mit Weidenhölzern sorgfältig her­ausgeschabt war, ein Zeichen, daß das Mark also schon damals als Leckerbissen hochgeschätzt war. Auch entdeckte man Brustknochen des Schneehuhns und

Bayerischer Nikolaus.

Don Julius Kreis.

Beim Hausmeister kommt heuer derNiklo". Die Hausmeisterbuben machen große Sprüche, wie sie den Niklo umeinandhauen, wenn er bös werden will. Und die Mutter sagt: Paßt's nur auf, os ßausbuam! Sei Ruatn hat er scho eigwoagt!

Die brauchen einen ganz Scharfen, die Buben! Und dieser scharfe Niklo ist die Waschfrau Beiz- berqer. Sie zieht sich mit Hilfe der Hausmeisterin unten in der Holzlege an. Den alten Pelzmantel vom Fuhrmann BeizbergeI und über den Kops als Kapuze einen Kohlensack. Eine bärtige, wilde Larve bindet sie sich vors Gesicht, und dicke Fäustlinge stülpt sie üoer die Hände. Dazu nimmt sie einen Reisigbesen als Rute und legt einen Zwei-Zentner- Kartosfelsack über die Schalter. Halt. Die Ketten nicht vergessen. Die sind auch noch aus dem alten Stall vom Beizberger. Ham mir s?I

Da rasselts und polterte die Treppe hinauf und pumpert wild an die Tür. Die Hausmeisterbuben verlieren doch ein bißl die Schneid! Und jetzt stapft er kettenklirrend herein, der Niklo, und brummt erfchröcklich: Ha! Seids do, ös zwoa Schlawiner! Des Bazi! Des Lumpen! Hab scho ghort von der Muatter, was ös für Umtreiber feios. Jlet hoamgeh vom Kindergarten! Aepfel aus n Keller mitqehlassen! D' Wand oschmiern,s Stiagnglander nunterrutfdjn Milchhaferl zerbr-cha! Ml in Feuer zündln! De Madln Nama nachschrein! Wart, i kimm euch! Und drohend schwingt der Niklo den Besen durch die Stube. Die zwei Angeklagten sind schon ganz klein geworden Jetzt langt der Niklo gar nach dem größeren, dem ärgsten WUd- fang, und sagt: So, an Pepi nimm i jetzt mit in mein Sack und sperrn amal a paar Tag ins Ratzen- tammerll... . .. .....

Da geben die beiden, die bis letzt in ängstlichem Trotz den Daumen im Mund, den Nikloan- aschiagelt" haben, klein bei. Dem Peperl laufen em paar dicke Tränen über die Backen, und er streckt die Hände abwehrend gegen den Gestrengen. Die Mutter sagt: Geh, Niklo, desmol wolln mir no laufn lassn! Wenn er verspricht, daß er recht brav ^Da Bets schö eier Vaterunser! Die beiden heben die Hände und beten ihr Gsetzlein.

Der Niklo brummt nochmal und schüttet dann aus dem Sack Nüsse, Aepfel und ein paar Lebkuchen auf den Boden. _ . . , , .

Gleich stürzen die zwei wie Geier darauf los! Da droht der Niklo nochmal mit dem Befn, und die Mutter mahnt: Schön teiln!

Man hat bisher in Deutschland lange Zeit ge­glaubt, der Heimatboden enthalte keine vorgeschicht­lichen Funde, die den in Westeuropa, insbesondere Frankreich, gemachten ebenbürtig wären. Alfred R u ft bewies indessen das Gegenteil. Er sagte sich ganz richtig, daß an den Wasserausläufern der riesigen Eisgletscher, die vor nunmehr 2 0 0 0 0 Jahren in Norddeutschland bis in die Nähe von Hamburg vorgedrungen waren, die günstigsten Le- ben5bf*':ngunqen für den Menschen der Vorzeit ge­gebenwaren. Darüber hinaus war anzunehmen, daß an diesen Stellen Uebcrrefte aus jener Zeit noch massenhaft im Boden verborgen ruhen mußten. Hierzu kam, daß in der Nähe des heutigen Ahrensburg bereits vor Jahren Fundstätten mit Feuer st eingeräten des Menschen der frühe­sten Steinzeit auf ehemals wohl hoch und trocken gelegenen Hüttenplätzen am Rande eines eiszeit­lichen Tunneltales entdeckt worden waren, dessen feuchte Wiesen noch darauf hindeuten, daß die eis­zeitlichen Anwohner von ihren Wohnplätzen aus ,

allerlei Abfälle in das Wasser geworfen hatten, zugefuhrt werden.

^n dieler Erkenntnis trieb Rust Hunderte v ° n Climbach, 5, Dez. Die V > e h z a h l u n g Bohrlöchern in den Erdboden, bis er in be- am 3. Dezember * ,unJer® a£te-1° 9iC?I trächtlicher Tiefe auf zwei durch eine fundlose Zone des Ergebnis: 3 Pferde 164 Stuck Rindvieh, 124 voneinander getrennte uralte Kulturschichten stieß. Schweine, 20 Ziegen, 575 Hühner, 36 Gan^und