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30.8.1933 Erstes Blatt
 
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Hr. 202 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 30. August (955

Jugend und Hochschule.

Rückblick auf -en 16 Deutschen Studententag in Aachen.

VonHanö^rihSchustef,tLind.rer.nat.,Gießen.

Von Ende Juli bis Anfang August fand in Aachen bzw. in Monschau der 16. Deutsche Studenten tag, der 1. Studententag im nationalsozialistischen Staate statt. Wenn auch schon einige Wochen seit der Tagung vergan­gen sind, so dürfte es doch von allgemeinem Interesse fein, in einer kurzen Gesamtüber- sjcht von einem Teilnehmer über die ganze Veranstaltung zu hören.

Tas deutsche Studentenlcben, das im Welt­kriege durch den restlosen Einsatz der deut­schen Studentenschaft eine Bewährung und Krönung erfuhr, nahm leider in großem Maße nach dem Kriege seinen Fortgang in einem trägen und uninteressierten Geiste des Liberalis­mus. Aber als der nationale Sinn in Deutschland wieder festeren Boden faßte, da war es wieder die SSt., die sich energisch sür die Ideen Adolf Hit­lers einsetzte. Der erste deutsche Stubentag, auf dem man Nationalsozialisten als Vertreter sah, war vor vier Jahren in Hannover, wo sie jedoch noch in verschwindender Minderheit waren. In nächsten Jahre 1930 war schon eine größere Zahl von na­tionalsozialistischen Studenten in Breslau zu sehen und ein Jahr später drangen die Nationalsozialisten auf dem Grazer Studententag bereits in den Vor­stand der DSt. ein. Bald nach dem Studententag von Graz übernahmen die Nationalsozialisten die Führung in der DSt. und zeigten im Jahre 1932 aus dem Königsberger Studententag, daß ein an- derer Wind in der DSt. weht. Was in Königsberg begonnen wurde, fand eine würdige Fortsetzung auf dem 16. deutschen Studententag in Aachen, denn jetzt konnte die DSt. aus ihrer Oppositions- ftellung gegen das vorige System herausgegeben und sich mit aller Straft einschalten in den Kreis aller aufbaubereiten Kräfte für ein nationalsozialisti­sches Deutschland. Der 1. Deutsche Studententag nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland fand in drei Teilen statt. Zuerst war ein mehrtägiges Schulungslager in Mon­schau, bann verschiebens Äunbgebungen in ber alten Kaiserstabt Aachen unb anschließend war eine Fahrt nach dem Studentenfriebhof Lange­rn a r ck unb burch Flanbern. Wie ''chon erwähnt ging bem Stubententag in Aachen ein Schulungs­lager in Monschau voraus, über bas ich hier zu­nächst kurz berichten will. *

In Autobussen ginge am frühen Morgen von Aachen, bem Treffpunkt aller Teilnehmer, fort, unb auf ber reichsbeulschen Straße, bie öfters burch bel­gisches Gebiet führt, gelangten wir nach Monschau (Montjoie), einem stillen Eiselftäbtchen hart an ber Westgrenze. Balb herrschte reger Betrieb auf ber alten Burg, bie trutzig über bas Rurtal emporragt, denn alle Führer ber örtlichen Stubentenfdjaften unb bie Amtsleiter waren hier zur ernsten Arbeit versammelt. Otad) kurzem Frühstück wurden alle Teilnehmer in Gruppen eingeteilt unb bie Quar­tiere bezogen, wer nicht in Zelten Platz sand, mußte seine Lagerstätte auf bem Stroh in ber Jugenbher- berge suchen. Kurz vor Mittag trat bas ganze La­ger im Viereck um ben Fahnenmast an, unb Böller­schüsse oertünbeten, daß bie Arbeit unb ber Dienst begann. Unter Gesang stieg bas rote Hakenkreuz­banner am Mast empor, und der Führer der DSt. cand. phil. Gerhard Krüger hielt die Eröffnungs­ansprache, in ber er besonbers betonte, baß wir Stubenten auch immer ber einfachen Männer in ber SA. unb SS. eingebent fein sollten, bie mit uns Schulter an Schulter für das nationalsozialisti­sche Deutschland gekämpft und geblutet hätten. Nach der Ansprache des Führers begannen gleich bie Vorträge, bie in ber Höhle ber Burg ftattfanben. Es tbaren zunächst Vorträge über Lanb unb Leute, Leden unb Treiben im Monschauer Gebiet. Dann kamen bie Amtsleiter ber DSt. zu Wort unb gaben bie neuen Richtlinien für bie zukünftige Arbeit ber DSt. bekannt. Auf bas Einzelne all biefer Vorträge näher einzugehen erlaubt ber Rahmen biefes Rück­blickes nicht. Was uns hier interessiert, ist bas, vor aller Welt klar zu stellen, baß ber Arbeiter der Stirn nichts anberes ist als der Arbeiter der Faust, unb baß sich beibe gleich achten unb verstehen müssen.

Wie ganz anders war doch dieser Stndcnten- lag! Schon rein äußerlich konnte man merken, daß es diesmal ein rein nationalsozialistischer Studententag war, denn alles nach außen hrn Wirkende wurde bewußt vermieden, und alle Teilnehmer waren im schlichten Braunhemd erschienen. Auch gab es keine parlamcntarttche Abstimmungen mehr mit langen Aussprachen, denn die Studentenschaft hat sich ja in ihrer neuen Stildentenvcrsassung unzweideutig zum Führcrprinzip bekannt, und so stand das ganze Lager im Zeichen echter soldatischer Zucht und Ordnung. Es sollte ja hier ein neuer Typ des deutschen Studenten gezeigt werden, der zwar noch nicht vollkommen ist, dem aber trotzdem die BegriffeGemeinschaft",Unterordnung" undBerantwortung" nicht mehr fremd waren. So war auch der ganze Dienst im Lager sol­datisch geregelt. Gemeinsame Zeiteinteilung, gemeinschaftliches Essen und Ruhen, gemein­same Arbeit, gleiche Erlebnisse förderten schnell die in der SA. und in der SS. uns bekannte Kameradschaft. Ganz kurz will ich mal den Verlauf eines Tages im Monschauer Lager schildern. Morgens früh 6 Uhr: Wecken und Antreten zum Frühsport. Im strammen Lauf gings die Burg herunter, durch Monschau durch, in das schöne Rurtal. Am Rand des Baches wurde eine Viertelstunde Gymnastik getrieben, dann war Schwimmen in dem kalten Gebirgs­bach. Nachdem man nun so richtig wach gewor­den war, marschierten wir mit frohem Gesang zurück zur Burg. Hier mußte man sich schnell anzichen, sein Lager in Ordnung bringen, Stie­fel putzen und dann wurde zur Morgenfeier angetreten und die Flagge wurde wieder ge­hißt. Anschließend war Kaffeefassen und nach dem Frühstück fanden dann die Vorträge und Einzelbesprechungen statt, teils in der Höhle der Burg, teils auf irgend einem alten Turm oder in irgend einer Ecke im Freien. Ein Trompetensignal gab bekannt, daß dieKüchen­bullen" mit ihrer Arbeit beginnen wollten, und so ging man in Reihen an denFleischtöpfen von Monschau" vorbei, wo man seinenSchlag' Esten in Empfang nahm. Gleich nach diejer

Arbeit" mußte man das Eßgeschirr wieder in tadellosen Zustand versetzen, was infolge Wastermangels nicht ganz einfach war. Nach dem Esten war meist eine kurze Ruhepause. So gegen 15 Uhr begannen dann wieder die Referate, die bis gegen 18 Uhr dauerten. Dann war meistens Appell im schattigen Burghof, wo der neue Dienstplan von dem Lagerleiter De t e ring bekannt gegeben und die einge­troffene Post verteilt wurde. Vor dem Abend­brot versammelten wir uns noch mal eine halbe Stunde in der Höhle zur Singstunde. Darauf wurde das Abendessen gefaßt und an­schließend war entweder wieder ein Vortrag oder ein gemütlicher Lagerabend bei Kaffee in der Höhle, oder es war mal für zwei Stunden Ausgang runter nach Monschau. Vorher wurde erst die Fahne wieder militärisch eingeholt, dann gings gruppenweise hinab in die Stadt. Da um 23 Uhr meistens Zapfenstreich geblasen wurde, sammelten wir uns wieder eine Vier­telstunde vor 23 Uhr an irgend einer Stelle in Monschau, und zurück gings in die Burg, wo innerhalb von zehn Minuten alles in größ­ter Ruhe war. Es war sicher nicht leicht, unge­fähr 300 Studenten in der Gewalt zu halten, aber es klappte alles wie am Schnürchen. Tag und Nacht wurde Wache am Burgeingang ge­schoben und so opferte manch einer drei Stun­den seines Schlafes. Keiner durfte das Weich­bild der Burg verlassen ohne Urlaubsschein vom Lagerleiter,' überhaupt war, wie schon oben erwähnt, alles soldatisch aufgezogen, des­halb war für die meisten das Leben und Trei­ben auf der Burg eine reine Lust. Hie und da sah man mal einen lieben Kommilitonen, dem ein solches Leben noch etwas fremd war, aber bald gewöhnte er sich auch ein. Eine nette Lehre für kommende Teilnehmer an Studenten- tagen war der Anblick der Kameraden, die statt mit Tornister mit Reisekofsern im Lager ein- trasen und denen hier entsprechend gehuldigt wurde. Es ist ein für alle Mal vorbei, daß der Student zu Studententagen fährt im Zivil­anzug, mit Mütze und Band, und in feudalen Hotels absteigt, um dann an den .Kongressen in irgendwelchen Stadtsälen teilzunehmen. Solche Bilder gehören nun endgültig der Ver­gangenheit an. Allzu schnell war der letzte Tag in Monschau herbeigekommen. Am Don­nerstagabend wurde zum letzten Male die

Lagerfahne feierlich eingeholt, dann gings noch mal runter ins Städtchen, wo eine gemeinsame Kundgebung mit der Bevölkerung stattsand. Anschließend hatte man Gelegenheit, mit den einheimischen SA.-Kameraden eine gemütliche Stunde zu verbringen. Punkt 24 Uhr, ab in die Falle und am Freitagmorgen 4 Uhr war Wecken und gleich darauf fuhren wir per Last­auto nach Aachen, dem anderen Orte unserer Tagung, aber nicht ohne noch mal einen Blick auf bas fdjlafenbe Monschau geworfen zu Jjaben.

In Aachen waren wir in der Talbot-Turn- hallc alle untergebracht, das Aachener Stu- dentenhaus sorgte hervorragend für gute und reichliche Verpflegung, und die gleiche Diszi­plin wie im Monschauer Lager galt auch hier in Aachen. Ter erste Vortrag in Aachen wurde im Saale des alten Kurhauses von Herrn Professor Bacumler, der ja den national­sozialistischen Studenten schon als alter Kämp­fer und Förderer bekannt war, über das ThemaStaat und Reich" gehalten. Gegen Abend war dann der feierliche Empfang der Deutschen Studenten im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit Begrüßungsanspra­chen des Herrn Oberbürgermeisters und des Rektors der Technischen Hochschule Aachen. Ter Führer der Deutschen Studenten dankte im Namen aller anwesenden Kameraden für den freundlichen Empfang und wies noch ein­mal kurz auf den Sinn des diesjährigen Studententages hin. Wir Studenten wollen sozialistisch fein und kennen nur einen Be­griffdeutscher Arbeiter". Anschließend wurde das alte historische Rathaus mit feinen Sehenswürdigkeiten und Schätzen besichtigt. Am folgenden Tag war morgens Freizeit, die die Teilnehmer zur Besichtigung des Aachener Domes und der Stadt benutzten. Am Nach­mittag sprach in Vertretung des preußischen Kultusministers Tr. Rust, der wegen der Führertagung nicht abkommen konnte, Herr Ministerialrat Dr. Haupt vom preußischen Kultusministerium zu der Studentenschaft über:Die Verpflichtung des deutschen Stu­denten im neuen Reich". Am Sonntag, dem 6. August, beteiligten sich alle Tagungsteil­nehmer und die Aachener Korporationen bei i der Einweihungsfeier des Krieger- e h re nm als der Stadt Aachen, daran schloß 1 sich ein gemeinsamer Umzug durch die Stadt

Das Kameradschastshaus.

Neue Wege der studentischen Erziehungsarbeit. - Keine Kaserne. - Das Ende des bürgerlichen Lebensstils.

Von Dipl. rer. pol. Ludwig Frih, Gießen.

(Nachdruck verboten.)

Auf dem letzten Deutschen Studenten- tag in Aachen, Anfang August 1933, der auch nach außen hin das Bild des neuen, durch die SA. geprägten Typ des deutschen Studenten ab­zeichnete. wurde die Frage der Neugestaltung des studentischen Lebens durch die Errichtung von K a- meradschaftshäusern lebhaft erörtert. Diese neue Einrichtung wird im kommenden Wintersemester 1933 34 bereits auch an der Hes­sischen Landesuniversität Gießen verwirklicht wer­den und der Universität wie der Studentenschaft seinen Stempel aufdrücken. Ein neuer studentischer Typ wird geschafsen, der sich in wesentlichen Punk­ten von dem, in unserer harten, kämpferischen, etwas unsentimentalen Zeit überwundenen, ro­mantisch schwärmerischen Typ des deutschen Stu­dentenAlt-Heidelberger" Prägung wohltuend abhebt. Man hat von demEnde des bürger­lichen Studenten" gesprochen. Wir weinen diesem Typ, der eine wandelnde Aufforderung zum Klassenkampf und Bolschewismus war, keine Träne nach. Die neuen Studenten, die im nächsten Winter in die Hochschule eintreten werden, sind zum Teil schon durch den Arbeitsdienst gegangen und ha­ben eine gute praktische ethisch-soziale Schulung genossen.

Das Kameradschastshaus stellt eine Fortsetzung der Erziehungsarbeit des Arbeitsdienstes dar. Es ist zunächst für das erste, evtl, auch für das zweite Semester vorgesehen. Da leider schon bedenkliche Berwässerungsversuche sich bemerkbar machen, nzuß von vornherein Klarheit geschaffen werden. Zunächst ist das Kameradschaftshaus keine Ka­serne. Dem Einzelnen soll genügend freie Zeit zu wissenschaftlichen Studien gegeben werden, die bis zu einem gewissen Grade sogar von der Füh­rung des Kameradschaftshauses beaufsichtigt und kontrolliert werden. Denn der neue Student muß sich stets darüber im klaren sein, daß er letztlich nicht auf Grund eines mehr oder weniger reich dotierten Monatswechsels studiert, sondern daß er vom deutschen Bolk auf die Hochschule geschickt wird, um hier seine Fähigkeiten zum Nutzen des deutschen Dolkes zu entfalten. Das Studium auf der Hochschule, die der Staat mit seinen Mitteln unterhält, ist ein Stipendium der Na­tion, der Volksgenossen schäft, dessen sich der einzelne erst würdig erweisen muh.

Der Dienstplan im Kameradschaftshaus hat Ähnlichkeit mit dem des Arbeitsdienstes: mor­gens 7 Ahr gemeinsames Auf stehen, Antreten zur Frühgymnastik, dann Waschen, Anziehen, Betten­machen, um 8 Ahr gemeinsamer Morgenkaffee, dann volle Hausruhe für diejenigen, die im Hause arbeiten, die anderen gehen zur Aniversität. Am 13 Ahr gemeinsames Mittagessen, nachmittags frei für wissenschaftliche Arbeit. Nach dem gemein­samen Abendbrot folgen an einzelnen Tagen Ar­beitsgemeinschaften, Singabende, Spielabende, SA.-Dienst usw. Die Belegschaft des Kamerad- schaftshauscs nimmt, soweit möglich, geschlossen an allen Veranstaltungen der Studentenschaft usw. teil.

Ganz besondere Bedeutung und Sorgfalt wird der politischen Erziehung beigemessen werden. Die Form der Arbeitsgemeinschaft bietet unter den vorhandenen gemeinsamen Lebens­bedingungen ideale Möglichkeiten. Diese Erzie­hung muß eine klare politisch-geistige Haltung der einzelnen Studenten zum Ziele haben. D'e D.leg- schast des Kameradschastshauses, auf dem auch die studentischen Amtswalter und nach Möglichkeit die Mitglieder der Dündischen Kammer der Stu­

dentenschaft wohnen werden, wird ein ständi - ges revolutionäres Element auf der Hochschule bilden und alle reaktionären Gegen­strömungen im Keime ersticken. So kann das Ka­meradschaftshaus ein Schritt auf dem Wege zur sozialistischenHochschule sein. Die Auf­teilung und Zusammenfassung in einzelne Kame­radschaften zu 10 bis 15 Mann unter einem Ka­meradschaftsführer wird die Gefahr derKa­serne" überwinden und die Gemeinschaft lebendig erhalten. Gleichzeitig wird die Bildung von Ka­meradschaften die bündische Gruppierung der Stu­dentenschaft fördern. Wenn der Student Arbeits­dienst und Kameradschastshaus durchlaufen bat, dann soll ihm bald die Freiheit gegeben werden, in der er sich bewähren muß, immer im Rahmen der durch die Gemeinschaft vorgezeichneten Mög­lichkeiten.

And die studentischen Korporatio­nen? Sie müssen wohl oder übel auf manche liebgewordene Einrichtung verzichten und sich ein» gliedern in die große Erziehungsarbeit. Darüber hinaus werden die Korporationen nach wie vor die Möglichkeit haben, ein eigenes Leben zu ent­falten und ihre Angehörigen besonders sorgfältig im Geiste des neuen Deutschland zu erziehen. Grundsätzlich faim jedoch für die Korporation der junge Student erst dann ganz zur Verfügung stehen, wenn er die große Gemeinschaft des Kameradschastshauses mit den gleichen Be­dingungen für alle, die bei den Korpara- tionshäufern naturgemäß nicht gegeben sind, er­lebt hat. Einige Korporationen sind schon dazu übergegangen, ihre Häuser sv umzugestalten, daß ihre gesamte Aktivitas im dritten und vierten Semester auf den Häusern in straffer Ordnung ähnlich dem Kameradschaftshaus zusammengefaht wird.

Es wird dem jungen Studenten die Möglichkeit gegeben, die Gemeinschaft zu erleben. Die liberale Vorstellung des einzelnen als Ausgangs­punkt und Wertmesser ist damit überwunden. Die Belegschaft des Kameradschastshauses tritt nur in Gruppen auf, nur die Gesamtleistung wird ge­wertet, auch beim Sport. Wer sich nicht in die Gemeinschaft einfügen kann, wird als Fremd­körper abgestoßen und von der Hochschule aus­geschlossen werden.

Das Kameradschaftshaus ist eine der Formen und Möglichkeiten der Erziehung der jungen Men­schen zur Volksgemeinschaft, zur Aeberwindung des gerade auf der Hochschule früher so all­mächtigen Standesdünkels und der Bildung einer einheitlichen geistigen Elite, die dazu berufen sein wird, die Neugestaltung unseres politischen, wirt­schaftlichen und völkischen Lebens entscheidend zu beeinflussen.

In Gießen wird im kommenden Wintersemester im neuen Studentenhaus (Hindenburghaus der Gießener Studentenschaft) ein Kameradfchafcshaus geschaffen werden, das in mancher Beziehung vor­bildlich genannt werden kann. Das Studenten­haus wird dadurch feiner eigentlichen Bestimmung, der studentischen Gemeinsckaft zu dienen, zugeführt. Gleichzeitig wird auch die Ani­versität in ihrem Weiterbestand gesichert, denn in Zukunft sollen die jungen Studenten nur noch solchen Hochschulen zugewiesen werden, die bereits Kamevadschaftshäufer besitzen. Dies ist um so wesentlicher, als die jetzt auf die Hochschule kom­menden Kriegsjahrgänge eine nicht unbedeutende Verminderung der Studentenschaft zur Folge ha­ben werden.

an. Am Sonntag mn 17 H6r sand bann im alten Kurhaus die Festsitzung statt. Das städtische Orchester umrahmte durch seine mit großem Beifall aufgenommenen Darbietungen würdig die Reden des Nachmittags. Im Mittelpunkt stand der groß angelegte grund­sätzliche Vortrag des Führers der Deutschen Studenten Gerb. Krüger über:Die poli­tische Verpflichtung der Studentenschaft". Dieser Vortrag, der in allernächster Zeit ja im Wortlaut in den studentischen Blättern zum Abdruck kommt, will ich hier nicht im Auszug wiedergeben, denn jedes Wort roav von solcher Wichtigkeit und Echtheit, daß es nicht möglich ist, dieses Referat in kurzen Sätzen wiederzugeben. Aber eins sei hier be­tont, diese Ausführungen ließen jeden Be- sucher der Festsitzung klar erkennen, daß Krüger eine Führerpersönlichkeit der stu­dentischen Jugend ist. Ans der Festsitzung sprachen noch der Vertreter der bulgarischen Studentenschaft und der Oberpräsident von, Rheinland. Am Abend fand dann als Abschluß ein gemeinsamer Fackelzug mit der RSBO. statt, der versinnbildlichen sollte, daß der Ar­beiter der Faust sowohl als der Stirn nichts anderes sind als deutsche Arbeiter, nur muß bei dem einen der Haß endgültig fallen und bei dem anderen der unbegründete Standes­dünkel restlos verschwinden. Mit dieser Kund­gebung auf dem historischen Platz zwischen Dom und Münster schloß der 16. deutsche Studententag ab.

Flandern-Fahri.

Im Anschluß an die Aachener Tagung fand dann eine Langemarck- und F l a n - d c r n f a h r t statt. Nachts ging es mit einem Sonderzug von Aachen ab und nach 6stündiger Fahrt kamen wir über Courtrai, Comines in Ypern, dem Ausgangspunkt der Flandern­rundfahrt, an. Gleich am Bahnhof merkte man, daß man in dem ehemaligen Kriegs­gebiet eingetroffen war, denn vor dem Bahn­hof stehen noch Kanonen und ein Tank ans dem Weltkrieg. Auch auf der späteren Rund­fahrt sah man in verschiedenen Städten und Dörfern noch Tanks und verrostete Geschütze. Nach kurzer Frühstückspause ein Gang durch Ypern selbst. Vor allen Dingen wurde die auf den Trümmern der zerschossenen Kirche wieder aufgebaute Kathedrale und das Tuch­haus besichtigt, ferner das Ehrentor, das die Engländer für ihre gefallenen Soldaten an dem Stadtausgang errichtet haben.

Von Bpern wurden die Teilnehmer mittels Reiseomnibussen zuerst nach Langemarck, dem Wallfahrtsort der deutschen Studenten, gebracht. In dem Ehrenhof des Heldenfriedhofs fand eine gemeinsame Gedächtnisfeier mit Kranz­niederlegung statt. Der Führer der DSt. sprach zu den Versammelten und ermahnte uns zur treuen Pflichterfüllung: er betonte, daß es im neuen Deutschland nicht auf die Leistung eines Einzelnen, sondern auf die der Gesamtheit an­komme. So, wie kein Kreuz auf dem Langemarck- sriedhof den Namen eines Gefallenen trägt, so müssen alle Kreuze als Ganzes für die Größe der Leistung und des Opfers betrachtet werden. Der Kriegerfriedhof in Langemarck ist ein Stück Deutschland mitten in Feindesland und ist in mustergültiger Ordnung gehalten, überhaupt kann man das von allen deutschen Heldenfriedhöfen, die wir in Belgien besuchten, sagen. Die eng­lischen Friedhöfe sind ebenso in schöner und wür­diger Verfassung.

Von Langemarck fuhren wir über Poelcapelle und durch den abgemähten Houthulster Wald nach Dixmuiden. Hier besichtigten wir den Todeskessel und das gewaltige Flamendenkmal. Don Dix- muiden gings über Doesinghe am Gasdenkmal vorbei nach Kemmel. Aus dem Kemmeler Berg wurde das Ehrenmal und die bärtigen Friedhöfe besucht. Gegen Abend kamen wir wieder in Bpern an, wo wir jetzt Gelegenheit hatten, uns mit der Bevölkerung zu unterhalten. Auf unsere Frage, was sie eigentlich jetzt von Deutschland und Adolf Hitler hielten, antworteten alle: Hitler will den Krieg wieder. Gleich brachten sie Zeitungen an, in denen man Hitler hinter einem Grabstein sehen konnte mit den Armen voller Waffen. Wir ver­suchten, ihnen den Irrtum auszureden und mach­ten ihnen klar, daß kein Wort davon wahr fei, sondern daß sie nur von Juden verhetzt wären. Einige beschwerten sich direkt über die unerfreu­liche Zunahme von jüdischen Geschäftsleuten in der letzten Zeit in Belgien, denn die Juden würden auch hier den Einzelhandel allmählich zugrunde richten. Sofort beim Unterhalten konnte man merken, ob man einen Wallonen oder Flamen sich gegenüber hatte, denn die Wallonen sind kurz und barsch, während die Flamen, die ja größtenteils antibelgisch eingestellt sind, sehr freundlich zu uns Deutschen waren. Der äußere Eindruck der neu aufgebauten Städte und Dörfer ist sehr schön, aber als Deutscher vermißt man sehr im Innern der Häuser und besonders im Innern der Hotels eine peinliche Sauberkeit und Ordnung. Ein für uns Deutsche nicht alltäg­liches Erlebnis sei hier noch festgehalten. Zuerst tranken wir zur Erfrischung vor einem Hotel in Bpern ein Glas Bier, das wir auf unserer gan­zen Tour durch Flandern nirgends kalt antrafen, und zahlten dafür 1,25 6fr.; beim Essen mußten wir im Innern des Lokals für dasselbe Bier 2,00 bfr. zahlen. Es soll in Belgien so Brauch sein, daß an einem Tisrch ohne Tischdecke das Bier billiger ist, als an einem bedeckten Tisch. Roch eins sei aus Bpem erzählt; dort werden alle Wägelchen von Hunden gezogen, sei es nun der Wagen eines Milchmannes oder die Karre eines Dienstmannes. Nachdem man noch einige Post­karten aus Belgien nach der Heimat geschrieben hatten ging es so langsam wieder nach dem Bahnhof zu, und unser Sonderzug brad)te uns alle wieder wohlbehalten nach dem doch schöne­ren Deutschland.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der dies­jährige Studententag mit feinem Lager in Mon­schau, mit seinen Kundgebungen in Aachen und mit der Langemarck- und Flandernfahrt eine wohlgelungene Veranstaltung der DSt. war, die eindeutig bewies, daß ein neuer Geist in der studentischen Jugend eingekehrt ist und daß un­ser ganzes Leben und Stteben nur einem Manne in Deutschland gilt, nämlich unserem Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler.