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29.7.1933 Erstes Blatt
 
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Samstag, 29.3U1U955

Nr. 175 (Elftes Blatt

183. Jahrgang

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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ungen Ungarns zu Italien eine

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Vertiefung und Der inner­

weitere

trieben, ist vergessen und versunken ohne jedes Blutvergießen. Die Arbeitsverhältnisse, begünstigt durch den ständischen Ausbau, haben sich mehr und mehr verbessert. Und so war es keine schönredne­rische Phrase, wenn Mussolini 1928 einmal sagte: Man soll nach dem Gesetz der Arbeit blicken, wie der gute Schiffer nach dem Kompaß."

Zehn Jahre zählt nun das Wirken dieses Man­nes am Staat, kaum dreißig sein Wirken in der Oesfentlichkeit. Und olles, was man dieser Oessent- lichkeit, vielem Staat, diesem erstaunlichen Manne selbst zu seinem großen Tag zu wünschen vermag, ist das, was er, wie anfangs erwähnt, in seinen eigenen Worten vor seinen engsten Mitarbeitern bekannte: daß es ihm vergönnt sein möge, den vollen großen Sieg des faschistischen Italienauf Erde und Meer", darüber hinaus den Durchbruch des von ihm geschaffenen Prinzips in der immer reifer dafür werdenden Welt in Gesundheit und Tätigkeit zu erleben.

scheu Standpunkt, der gelegentlich des Besuches in Rom von der italienischen Presse mit aller Energie unterstützt wurde, läßt alle jene versuche als aussichtslos erscheinen, die in der Richtung einer Einbeziehung Un­garns in das Sy st em der kleinen Entente oder eines noch zu schaffenden 0 st - locarno gemacht wurden. Gömbös hat in konsequenter Fortsetzung seiner anläßlich des Wiener Besuches zum Ausdruck gebrachten Po­litik alle Lösungen abgelehnt, die auch von ge­wissen österreichischen kreise., angestrebt worden sind und die, darin den Prager Plänen entspre­chend, auf eine politische Konstruktion im Do­nauraum abzielten, bei denen die Interessen

der Großmächte Deutschland und Italien in dem erforderlichen Umsong nicht gewahrt worden wären.

Der römische Besuch Gömbös hat die l o y a l e H a l» t u n g U n g a r n s b e st ä t i g t, das die U n t r a g- b q r r e i t solcher Projekte immer betont hat. Daß dauerhafte Lösungen der schwierigen Donausragen abseits von Deutschland und Italien nicht möglich sind, werden die Wirtschaftsverband­lungen in der kommenden Woche erkennen lassen, die ebenso einen Beweis der Interessenge­meinschaft zwischen Berlin, R o rn u n d Budapest erbringen werden, wie das für die politischen Fragen der jetzt beendete zweite Besuch Gömbös in der italienischen Hauptstadt getan hat.

Der ungarische Ministerbesuch in Rom.

Gömbös ist außerordentlich zufrieden. Kein Erfolg der Drahtzieher in Paris und Prag

JMß' Kamps gegen die NSDAP. Sesterreichs

Strafexpeditionen.-Spiheltum.-Oie gefährliche Kornblume.

Rom, 28.Juli. (WTB.) Der ungarische Minister­präsident Gömbös und der ungarische Außenmini­ster ft a n na , die mit ihrem Gefolge heute vormit­tag vom P a p st empfangen worden sind, haben heute abend Rom verlassen. Dor seiner Rück­reise nach Budapest hat der ungarische M i n i - sterpräsident vor der internationalen Presse eine kurze Erklärung folgenden Inhalts abgegeben: Meine Reise bezweckte, mit dem italienifajen Re­gierungschef die Lage in Europa zu besprechen. Ich bin außergewöhnlich befriedigt mit dem Resultat. Wir haben festgestellt, daß wir in allen fragen, sowohl in politischen, wie in den wirt­schaftlichen vollkommen einig sind. Ich gehe mit dem Bewußtsein aus Rom, daß es sich lohnt, im Sinne einer Friedenspolitik sympathisch für die ungarischen Interessen zu arbeiten."

Der römische Korrespondent desPester Lloyd" erklärt: Die hohe volitische Bedeutung der Begeg­nung Gömbös-Mussolini liegt darin, daß die B e -

den faschistischen Staat in seinen Grundformen auf­gebaut ... National und sozial sind die Leitmotive des faschistischen Staates. Beide gehören auf das Engste zusammen. Die nationale Idee erhebt sich zur Feier des Daterlandes und der großen Tradi­tion. Wahrhafte Volksgemeinschaft gilt ihr als höchster Wert. Und diese Wahrhaftigkeit liegt in einer Staatsordnung, welche die soziale Frage in dem Sinn löst, daß jedem wertvollen Glied der Gemeinschaft ein entsprechendes Arbeits­feld zugewiesen wird und an die Stelle des alten Stände- und Klassengeistes das korporative System der B e r u f s g e m e i n s ch a f t e n tritt, von denen jede einen eigentümlichen Wert re­präsentiert ... Trotz seiner antimarxistischen Ten­denz kann man ihn als den sozialsten Staats der Gegenwart bezeichnen ... Der faschistische Staat gibt dem sozialen Ganzen ein festes und gesichertes Gepräge, damit die Blüte des geistigen und _per- sönlichen Lebens sich ungestört entfalten kann."

Als nach 1928 die Weltkrise in ihren schwärzesten Abschnitt trat, stand Italien dem Unheil gerüstet gegenüber. Es gibt wenige Staaten, die mit solch verhältnismäßig geringfügiger industriellen und handelsmäßigen Derlustliste über diese Jahre weg­gekommen sind. Roch aber ist der Dau nicht in allen Einzelheiten zu Ende geführt. Solange es in der ganzen Welt noch Produktionsunordnung, Ab­satzstockungen, Arbeitslose gibt, wird ein Schatten dieses Chaos auch Italien überziehen^ Dem Duce jedoch ist es zuzuschreiben, daß diese schatten im­mer wieder oorüberzogen, daß im Gegenteil eine steigende politische und wirtschaftliche F e st i g u n g , begleitet von einem bemerkenswer­ten technischen, künstlerischen, wissenschaftlichen Auf- schwung auch von den erbittertsten Gegnern des Fa­schismus nicht aus der Welt geleugnet werden fann. Der Interventionskrieg, den hie italienischen Emigranten von Frankreich aus eine zeitlang be-

Deutsche Glückwünsche.

Berlin, 28. Juli. (WTB.) Reichsminister Dr. Goebbels sandte an Mussolini fol­gendes Telegramm: »Ew. Exzellenz sende ich zum 50. Geburtstage meine besten und herzlich­sten Grüße verbunden mit dem Wunsche, daß Ew. Exzellenz Leben und Gesundheit noch viele Jahrzehnte erhalten bleiben mögen für die glück­liche Zukunft Ihres Landes, zum Segen deS europäischen Friedens."

Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Reurath hat dem italienischen Ministerpräsi­denten zu seinem heutigen 50. Geburtstage eben­falls telegraphisch seine herzlichsten Glückwünsche übermittelt.

lichung erfahren. Zwischen den beiden Re- aierungschess kam im Zusammenhang mit den viel­leicht mehr theoretischen Erörterungen über die Systemisierung des Friedens im Donauraum" auch das Revisionsproblem zur Sprache, aber es wäre ein schwerer Fehler, anzunehmen, daß die­ses Problem der Hauptgegenstand der Beratungen aewesen wäre. Es ist natürlich, daß für jede politische Aktion Ungarns dieses Problem den perspekti­vischen Hintergrund bildet, und man greift sicherlich nicht daneben, wenn man Mussolini als den Träger der Rolle des freundschaft­lichen Vermittlers zwischen Ungarn und den Kontrahenten des Diermächtepaktes ansieht. Der ge­genwärtige Aufenthalt Gömbös in Rom ist von entscheidender Bedeutung für die zukünf­tige Politik Ungarns, nicht allein vom politischen, sondern auch vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus.

Ungarn bleibt konsequent!

Revision des Friedensdiktats. Keine Gemeinschaft mit der Kleinen Entente.

Kein Ostlocarno.

Berlin, 29. Juli. (ERB. - Funkspruch.) Der ungarische Ministerpräsident hat bei seiner Abreise von Rom mit bemerkenswertem Nachdruck die außergewöhnliche Zufriedenheit be­tont, die der Verlauf der römischen Besprechungen bei der ungarischen Delegation heroorgerusen habe. Die Tatsache, .daß Handelsminister F a b i n s i in der kommenden Woche nach Rom reifen wird, um den wirtschaftspolitischen Teil der Unterredun­gen fortzuführen, legt ja auch den Schluß nahe, daß das Ziel der Unterredung, eine Ueberein ft im­mun g der italienischen und der ungarischen Auf­fassungen in wichtigen politischen Fragen zu er­reichen, in weitem Umfange gelungen ist.

Das Ergebnis der Romreise Gömbös' ist eine neue Bekräftigung der traditionellen italienisch- ungarischen Freundschaft, die also auch ferner­hin ein grundlegender Faktor für alle Entwick­lungen im Donauraum bleiben wird. Damit sind alle die Kombinationen erledigt, die in den letz­ten Wochen hinsichtlich des Donauraumes in spekulativen Köpfen gewisser Mächte entstanden waren. Das konsequente Fe st halten Ungarns an seinem reoifionifti-

f o 3 i a l e, dann später, im damals österreichischen Tirol, was nationale Unterdrückung bedeutete. Und langsam formte sich seine Lehre, die beides. Soziales und Nationales, umfaßte. Er hockte als kleiner Korporal (damals schon war er so etwas wie ein Volksheld und hätte dies gewißnicht notig gehabt") im Dreck der Schützengraben am Isonzo, lag während eines grausamen Bombardements ver­stümmelt, unfähig sich zu rühren, m baufälligen Kriegshospitälern. Damals, als er schon nom ioo gezeichnet schien, und später, als er mit feinem Fmg- zeug abstürzte und sich fast das Rückgrat gebrochen hatte, wurde er gesund, er kam durch, weil er, wie Napoleon, es wo111e

Gestärkt, gestählt durch tausendfaches Leiden, durch hellhörig aufgenommene Erfahrung gesegnet mit blitzschneller Initiative und unermüdlicher Energie griff er zu, als das Nachkriegsitalien in teWm Wirrwarr aus den Fugen zu gehen drohte M t einer Truppe von 140 Mann eroberte er nicht nur dieMacht", sondern auch Herz und Verstand der überwältigenden italienischen Mchrheit. Fünf Jahre lang verblieb es ihm, diktatorisch regieren Ge­walt gegen Gewalt - aber er hatte das Wort Hegels in seiner ganzen Bedeutung begriffen daß brandige Glieder sich nichtmit. ^ndeIwchser heilen lassen". Der Platz, auf den die Geschichte ihn gestellt hatte, den Platz, von dem aus er d,e Ge­schichte zwang, funkelte zuweilen von Mut. Aber die Geschichte kann in unserem Kulturabschnitt nicht der Tummelplatz des allgemeinen weltumspannen­den Glückes sein. Und. was er in den.schweren, für ihn und für andere harten Jahren feiner Diktatur erreichte, was er aufbaute, das hat diese Opfer ge l°Was Mussolini aufbaute? Um die Worte von Prosesior Georg M e h l i s zu gebrauchen, der em mustergültiges Äuch über den Faschismus geschne- l ben hat:Die Gesetzgebung des Jahres 1928 hat

den. ebenfalls auf Grund einer vertraulichen An­zeige wurden im Dachgeschoß eines Gasthauses in St. Martin im Pongau (Salzburg) acht Natio- nalsozialisten von der Gendarmerie bei einer Be- sprechung überrascht. Diese sowie die Wirtin wur­den wegen verbotener politischer Betätigung ange­zeigt. Der Sicherheitsdirektor für Steiermark, Wieder, hat gefunden, daß

das Tragen frischer oder künstlicher Kornblu­men unter dasDerbst des Tragens jedweder Abzeichen der erwähnten Partei' fällt und hat die Kornblumen überhaupt verboten.

DieBefchmieruna"Jo lautet der amtliche Aus­druck von Häusern, Wänden, Telegraphenstangen usw. mit Hakenkreuzen und mit Inschriften dauert fort. Wegen diesesVerbrechens" wurden im L u n g a u im Lande Salzburg fünf Personen festgestellt und gegen sie das Ärafverfahrcn eingeleitet. Unter ihnen befindet sich der reichsdeutsche Staatsangehö­rige Paul Dayder, der nach Berlin abgereist sein soll.

Sicherheitsminister Fey in Graz.

Graz, 28. Juli (ERB) Sicherheilsminister Fey traf heute in der Hauptstadt von Steiermark zu einer Inspektion ein. Am Abend hielt er in der Jndustriehalle eine politische Rede. Während dieser Zeit explodierte am Opernring, an dein sich eine große Menschenmenge zu Kundgebungen gegen ben Minister F e y versammelt hatte, eine Trqnengasbombe. Fünf Personen wur­den verletzt, darunter ein Wehrmann des Bundes- Heeres erheblich. Die Ringstraße wurde von Polizei und Landjägerei geräumt.

Kommunistenverhastungen.

Wien, 28. Juli. Jrn Zusammenhang mit dem Weltrevolutionstag der Kommuni- st e n am 1. August hat die Polizei in Wien und in den Bundesländern zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen. Die Derhafteten sind meist ehemalige Funktionäre ihrr verbotenen Kommunistischen Partei und der Roten Hilfe. Sie haben durch mündliche Werbung und durch Flugschriften zu ungesetzlichen Handlungen ausge- fordert.

Wien, 28. Juli. (ERB.) Als neueste Art des Berfolgungskrieges gegen die Rationalsozialisten in Oesterreich scheinen militärische Strafexpeditionen eingesetzt zu werden. Eine solche wurde bereits m Herzogenburg in Riederösterreich durchge­führt, wo eine Kompanie Militär und ein großes Aufgebot von Gendarmerie in den Dienst ge­stellt wurden. Bei der seinerzeitigen Enthaftung von nationalsozialistischen Funktionären m St. Pölten hatten Rationalsozialisten von be­güterten Personen in Herzogenburg auch Eisen- bahnfahrkarten zur Fahrt nach St-Polten er- halten, wo den aus der Haft Entlassenen be­geisterte Kundgebungen bereitet worden waren. Wegen der dabei angeblich vorgekommenen Ge­setzwidrigkeiten wurden nun

über 200 Rationalsozialisten zur Vezirkshaupt- Mannschaft in Herzogenburg vorgeladen, um dort die über sie verhängten Strafen entgegenzu­nehmen.

Es wurden Geld- und Arreststrafen verhängt. Unter den Bestraften befinden sich Arbeiter und Angestellte, ein im Orte angesehener Zahnarzt, Geschäftsleute und drei Gattinnen von Indu- ftriellen. Daß aber auch das Spitzelwesen und Qlngebertum hoch im Kurse steht, be­weist ein« Warnung, welche die Bertrauens- männer der völkischen Bundesbahnangestellten an die Eisenbahner gerichtet haben, in der sie dar­auf verweisen, daß Angeber an der Ar­beit sind, um Opfer zu suchen.

Eisenbahnbeamte fahren von Bahnhof zu Bahn­hof, um die leitenden Beamten über die politische Gesinnung eines jeden einzelnen Bediensteten auszukundschaften.

Aus dieser Tatsache sind zum Teil auch die vielen Maßregelungen und Dienstentlassun- a e n bei den Bundesbahnen erklärlich, die jetzt täg­lich gegen Mitglieder der NSDAP, ausgesprochen werden. Man wird auch nicht fehlgehen, die Ent - Innungen von Angehörigen des Bun­des Heer es, die ebenfalls täglich zu verzeichnen sind, mit einem Spitzelwesen in d e r Wehr­macht, das besondersehrenvoll" ist, zu begrün-

Oer Führer des jungen Italien.

Zum 5V. Geburtstag Benito Mussolinis am 29. Fuli.

Manchmal, Kameraden, wenn ich, was wirklich selten geschieht, über das hinlänglich vereinzelte (Er­eignis meines Lebens nachdenke, so richte ich ein Gebet zum Allmächtigen, daß er meine Tage nicht beschließen möge, bevor meine Augen neu und leuchtender auf Erde und Meer gesehen haben die Größe des faschistischen Italiens." Dieser Schlußsatz aus der großen Rede des italienischen Staatsführers vom 8. Dezember 1928 ist mehr afe eine abschlie- ßende Redefloskel. Er ist zugleich ein politisches Programm und ein tief persönliches Bekenntnis.

In ihm drängt sich alles zusammen, was notwendig ist, um ein kurzes Bild jener einzigartigen Erschei­nung der heutigen Geschichte zu zeichnen, die der Welt in ihren trübsten Tagen eine neue Staatsidee und damit ein neues Ziel geschenkt hat.

Seit zehn Jahren aus Ringen und Bürgerkrieg hervorgegangen, steht das neue Italien heute da wie ein Block aus Eisen und carrarischem Mar- mor. Mit zäher Folgerichtigkeit hat sich aus einer revolutionären Minderheit, dann aus einer dikta­torisch regierenden Partei ein Staat von einer Ge­schlossenheit entwickelt, wie er bis auf den heutigen Tag vereinzelt im modernen Europa zu finden ist. Wie dieses Wunder in so kurzer Zeit sich gerade in einem rückständigen Land vollziehen konnte, in einem Land konservativer Verschwörer, beharrlicher Anarchisten, einem Land, das sein eigenes Schicksal seit Garibaldis Tagen kaum selber ernst genommen hatte, bas läßt sich in der Tat nur aus dem fanatischen Fleiß, der übermenschlichen Arbeit, der beherrschenden Persönlichkeit eines einzelnen Mannes erklären, der den Grundstein zu alledem gelegt hat. Ein Land ohne wesentliche Industrie, ohne nationale Sammlung, ohne zusammengefaßte Disziplin wurde im Laus einer fast lächerlich kurzen geschichtlichen Episode zum Bollwerk des Mittel- meeres, zu einer vollgültig imperalistischen Macht. Daß diese Macht fein Rausch ist, der verfliegt, das hat Italiens Schicksal, sein makelloser Weg durch die Weltkrise der letzten sechs Jahre deutlich be­wiesen.

Männer machen Geschichte, so pflegt man zu sagen. Nicht überall trifft dies zu. Ebenso oft machen in der Politik Kleider Leute, prägen die Zeiten erst in entscheidendem Maße die Charaktere, denen es weiter vorbehalten ist,Geschichte zu machen". Vor dem modernen Italien aber versagt das Gesetz dieser Wechselwirkung fast völlig. Von diesem Staat kann man den einzigartigen Staatsmann nicht ab­ziehen, der ihn formte. Das Hervorgehen der fa> Ichistischen Partei und des faschistischen Italiens ist im voraus vorgezeichnet durch den Mann, seine Ar­beit, seine Erfahrungen, seine Persönlichkeit, durch diese Unzahlsubjektiver Faktoren", die entscheidend in bas Geschick eines Millionenvolkes eingriffen.

Dieser Mann hat in sich bie Erfahrung sowohl der Arbeiterbewegung als auch der großbürgerlichen Machtpolitik der letzten hundert Jahre zu einem einzigartigen Extrakt verarbeitet. Sein Weg führte ihn in den fünfzig Jahren seines Lebens durch alle Höhen und Tiefen: geboren im Hause eines länd­lichen sozialistischen Agitators, erlitt er das Schick­sal Tausender unterdrückter Bauernsöhne des 19. Jahrhunderts. Die Welt, durch Handel und In- dustrie groß geworden, hatte für Millionen junger Mussolinis keinen Platz er mußte, wie so viele andere junge Schicksalsgenossen, auf die Wander­schaft gehen. Er hungerte auf deutschen Landstraßen, arbeitete als Maurer auf Schweizer Bauten, saß alsStaatsverbrecher" in italienischen, schweizeri­schen, österreichischen Gefängnissen. Er korrespon­dierte und konspirierte mit der sozialistischen Jugend der halben Welt, trank Tee mit alten Anarchisten, unterrichtete in ländlichen schulen italienif cfje Bauernkinder, von gleichem Blut, gleicher Abkunft Die er.

Von Nietzsche und Machiavell bis Karl Marx sam­melte er die revolutionierenden Gedanken seiner Zeit. Er begriff in harten Lektionen zuerst, was