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Nr. 255 viertes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzriger für Tberheffen)Samstag, 28. Oktober syzz
Lugend und Hochschule.
Deutsches Kulturgut.
Nationale und internationale Aufgaben Der deutschen Wissenschaften.
Von Dr. Reinhard Hübner, Berlin.
Es ist selbstverständlich, daß die „nationale Revolution", jene Umwertung aller Werte, die weit über die Bezirke des rein Politischen hinaus- reicht, auch die stärksten Wirkungen auf die Wissenschaften wird ausüben müssen, Wirkungen, die sich keineswegs in personellen oder äußerlichen Gleichschaltungen erschöpfen können. Adolf Hitler hat auf dem Parteitag in Nürnberg erklärt, daß der Nationalsozialismus eine Weltanschauung sei, die als solche ihr entgegenstehenden Weltanschauungen einen unerbittlichen und unaufhörlichen Kampf ansagt.
Es könnte allerdings zweifelhaft erscheinen, ob die nationalsozialistische Weltanschauung irgend etwas zu tun hat mit der Wissenschaft, die doch mehr eine Technik der Erkenntnis als eine Weltanschauung zu fein scheint. Die Gesetze der Physik, die Beobachtung des gesunden oder kranken Menschen, ja selbst die erkennende Arbeit an den Formen und Veränderungen des menschlichen Zusammenlebens, was hat das mit Weltanschauungen, zumal mit denen politischer Art, zu tun? Eine Krankheit ist eine Tatsache, die vorerst einmal vollkommen vorurteilslos studiert werden muß. Aehnlich steht es mit vielen, mit fast allen Gebieten, die die Wissenschaft als Wissenschaft bearbeitet. Arbeitsweise und Arbeitsertrag werden aber — darin haben sicherlich die Verteidiger der sogenannten Freiheit der Wissenschaften recht — beeinträchtigt, wenn sich hier Urteile und Absichten in die wissenschaftliche Arbeit einschleichen, die nicht allein durch die Sache, der man dient, gewonnen und gerechtfertigt sind.
So sagt auch einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Wissenschaft, der Physiker Max Planck, daß die Wissenschaft ihrem Wesen nach international sei. Er fügt hinzu, die Geschichte jedoch zeige, daß die Wissenschaft ebenso wie die Kunst nur auf nationalem Boden gedeihe. Es gibt eine deutsche Wissenschaft, wie es eine englische, eine französische, eine amerikanische ober russische Wissenschaft gibt. Die Ziele aller dieser Wissenschaften sind die gleichen, und es wäre eine sinnlose Kraftvergeudung, wenn nicht jede nationale Wissenschaft von den anderen Wissenschaften lernen und deren Ergebnisse in der eigenen Arbeit mit verwerten würde. Eine der Erfindungen Hermann v. Helm Holtz s zum Beispiel, der Augenspiegel, wird in der ganzen Welt von den Aerzten benutzt; die von Newton gefundene Differentialrechnung gilt so gut in Deutschland wie in England oder in Amerika; und selbst die Philosophie Hegels hat nicht nur die Lehre des italienischen Fascismus, sondern auch die des russischen Bolschewismus entscheidend mit beeinflußt.
Doch gilt bei alledem, daß nur der Boden b er Nation und der Rasse auch in den Wissenschaften Ergebnisse zeitigt, die dann von der ganzen Welt ausgewertet und ihr nutzbar gemacht werden können. Echte Wissenschaft hat niemals geglaubt, daß ein nur auf sich gestellter Verstand, ein blasser Intellektualismus, genau so wenig wie in der Kunst ein leerlaufender reiner Aesthetizismus fruchtbare und fördernde Arbeit würden leisten können. Es ist nicht das kleinste Verdienst des Nationalismus, dieser Erkenntnis mit feinem alles überwindenden Glauben auch in den breiten Massen wieder zur Geltung gebracht zu haben. Wenn Hit - I e r in Nürnberg in diesem Sinne ausführte, es gäbe keine internationale Kunst, fo gilt das ebenso, recht verstanden, von der Wissenschaft.
Aber nicht nur Erkenntnis ist Aufgabe der Wissenschaft, sondern auch Erziehung. Wenn das eine ohne das andere auch nicht möglich ist, so nimmt doch in dem augenblicklichen Wissenschaftsbetrieb Deutschlands, auf den Universitäten und Hochschulen, die Erziehung gegenüber der Erkenntnis eine bedeutendere und ausschlaggebende Stel-
Lugend und Kolonialgedanke.
Von Dr. Alfred Lehmann.
Wenn der Kolonialgedanke Allgemeingut des Volkes werden soll, was der Fall fein muß, wenn ihm Erfolg befchieden fein soll, dann muß er vor allem in der Jugend Wurzel fassen. Denn die Generation, die jetzt als Eltern erscheint, hat noch ■nteil gehabt am Aufstieg unserer kolonialen Politik, ■at ihren wachsenden wirtschaftlichen Erfolg selbst Mebt, um aus eigenster Erfahrung heute noch zu Wssen, daß Kolonialland Heimatland ist. Es ist dieselbe Generation, die mit eigenem Blut auf Leben und Tod diesen Boden verteidigte, ohne jemals besiegt zu werden, lieber die Notwendigkeit von Kolonialbesitz zu sprechen, scheint Weiteren gegenüber überflüssig zu sein. Aber die Jungen, denen eine zwar kurze, aber erfolgreiche Kolonialtradition zerrissen ist, die nur von einer kolonialen Schuldlüge hören, die Jungen müssen von der bitteren Notwendigkeit des Lebensraumes im Osten und im Uebersee überzeugt werden.
Der Konteradmiral a. D. Lützow hat einmal den Kern des Kolonialgedankens in folgende Worte gekleidet: „Es ist nicht nötig, daß wir immer wieder schreien: Seefahrt ist not, ober: Gebt uns unsere Kolonien roieber; aber es ist not, baß jeber von uns, unb wenn er nachts um brei aus bem Schlaf geholt wirb, auf die Fragen, warum brauchen wir eine Marine, warum finb uns Kolonien nötig, eine feinem Bilbungsgrab <■ rtsprechende, klare, erschöpfend Antwort geben rann." Unb nun Hanb aufs Herz: Können wir bas? Unb wenn unsere Kinber fragen: wissen wir zu antworten? Unb unsere Kinber erst: haben bie eine Antwort bereit?
Vierzehn Jahre lang galt ber, der das Wort Kolonien im Munde führte, beinahe als Landesverräter — vierzehn Jahre lang galt Kolonialpolitik als Aeußerung reaktionärer Expansionsge- lüfte, als ob die äußere Form des Staates den Ausschlag über den Raumbegriff des Volkes zu geben habe. Vierzehn Jahre lang hat man die Kolonien ignoriert und den Gedanken an sie ersticken wollen.
Heute kommt es darauf an, den kolonialen Gedanken in der Jugend zu schüren. Nun hat es koloniale Jugendbünde in großer Zahl gegeben, unb es fei beileibe nichts gegen ihre bisherige Arbeit gesagt — im Gegenteil, wir banken es ihnen, wenn der koloniale Funke weiterglimmen konnte.
lung ein. Es braucht hier nicht näher ausg^führt zu werden, daß der Nationalsozialismus hier große und umwälzende Aufgaben noch vor sich hat.
Erziehung bedeutet heute bie Einarbnung bes Einzelnen in bie Volksgemeinschaft als ihr bewußtes Mitglied, ihr Ziel und Zweck ist die Steigerung und Erfüllung der völkischen Kraft. So sehr sich aber auch in diesem Zusammenhang die Wissenschaft stets bewußt sein muß, daß, wie es Minister Dr. Frick ausführte, Dienst an der Wissenschaft, Dienst am Volke ist, so sehr muß man sich davor hüten, daß die Wissenschaft als Wissenschaft darunter leidet. Der Wert der Wissenschaft gerade auch als Mittel zur Volkserziehung wird gemindert ober sogar hinfällig, wenn die Wissenschaft im letzten und besten Sinne bleiben kann.
Es kommt noch ein anderer, mehr äußerlicher Punkt hinzu: die deutsche Wissenschaft als außenpolitisches Propagandamittel. Ebenso wie Adolf Hitler die deutsche Kunst aufgerufen hat, gegen die Torheit und das Unrecht der Welt das Vaterland zu verteidigen, so ist dazu in gleicher Weise die Wissenschaft berufen. Wir machen uns ja kaum eine Vorstellung von der Propagandatätigkeit etwa der französischen, der italienischen ober der polnischen Wissenschaften für ihr Volk. Wir müssen alles tun, das Kapital von Vertrauen und Hochachtung, das sich die deutsche Wissenschaft bisher erworben hat, zu erhalten und zu mehren. Durch die Dezentralisation der Kulturpolitik war bisher in Deutschland eine derartige Aufgabe außerordentlich erschwert. Kulturpolitik trieben die einzelnen Länder, nicht das Reich. Das war für die kulturelle Außenpolitik aber ein schwerer Schaden. Hier wird man Abhilfe schaffen müssen. Einen Teil der geforderten Aufgabe hat schon übernommen und wird in noch vermehrtem Umfange weiterhin übernehmen das Propagandaministerium. Für bie Auslanbbeutschen wichtig finb bie Deutsche Aka- bemie in München unb bas Deutsche Aus -
lanbsinftitut in Stuttgart. In feiner inhakts- reidjen Schrift „Hochschulrevolution" (Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg) forbert Pros. Mann- b a r b t eine Zentralstelle etwa an ber Hochschule für Politik, bie ber gegebene Mittelpunkt für bie Ausländer sein soll, bie sich über bas politische unb wissenschaftliche Leden in Deutschlanb orientieren wollen. Darüber hinaus schlägt Mannharbt eine Reichsunioersität vor, bie bas Organ bes deutschen Volkes zu seiner Kulturentwicklung nach außen sein soll. Die Organisation ber beutschen Hochschulen, ber „Verdanb ber beutschen Hochschulen", hat schon von jeher seine befonbere Aufgabe in ber Pflege ber wissenschaftlichen Beziehungen zum Auslanb gesehen, unb biefe Aufgabe nach seiner Gleichschaltung erneut in ben Vorbergrunb gerückt. Man hat auch schon früher nach einem Reichskulturminister gerufen unb es bebauert, baß die Werbung für Deutschland durch bie deutsche Wissenschaft im Ausland fast allein durch bas Auswärtige Amt möglich war, besten Aufgabengebiete boch eigentlich auf einem anberen Felde liegen.
Jedoch sollte man bei allen biefen Vorschlägen unb Plänen eines nicht vergessen. Die beutsche Wissenschaft hatte trotz ber äußeren technischen Schwierigkeiten im Ausland einen guten Ruf, weil sie gute Leistungen zu bieten hatte. Man sollte gerabe im Zeitalter ber Propaganda daran denken, daß die beste Propaganda immer die hinter ihr stehende Leistung ist. Diese zu ermöglichen und zu steigern muß vor allem die Aufgabe der deutschen Wissenschaft sein, wenn sie in oer Welt für Deutschland werden und von Deutschland zeugen will. Die deutsche Wissenschaft ist einer der größten Aktivposten, den Deutschland in der Welt hat und von dem aus man viel wird tun können, um für Verständnis und Achtung vor dem neuen Deutschland zu werden. Wir haben die Verpflichtung, diesen Aktivposten zu erhalten unb zu steigern.
Tagung des snddeuWen Siudeuieuwerks in Kehl am Rhein.
Der Kreiswirtschaftsamtsleiter bes Deutschen Stubentenwerks teilt ben „Hessischen Studenten- briefen". Nachrichtenbienst für Hessen unb Hessen- Nassau, mit:
In Kehl am Rhein tagte bas Deutsche Stu» bentenroerf, bas seine verantwortlichen Leiter unb Geschäftsführer borthin zu einer Schulungstagung berufen hatte. Die erste Sitzung begann mit einer Ansprache bes Leiters bes Deutschen Stubentenroerfes Bresben, Pg. Dr. Streit. Er begrüßte bie Versammelten unb wies auf bie Be- beutung unb Arbeit ber Tagung hin. Besonderes Gewicht ist der Tatsache beizumessen, daß die Arbeit des Deutschen Studentenwerkes nun vollkommen mit den Plänen und Zielen der Deutschen Studentenschaft übereinstimmt. Der Redner begann mit einem einleitenden Referat über die Hauptarbeitsgebiete des Studentenwerks. Er ging auf die neuen Satzungen ein, wobei er besonders auf bie Verantwortlichkeit ber führenden Stellen zu sprechen kam. Man habe bie Führung ber einzelnen Wirtschaftskörper auf zwei Mann, einen Dozenten als Vorsitzenben unb einen Stubentcn als Leiter, verteilt. Der Geschäftsführer sei aber nur bem gesamten Vorstanb verantwortlich. Wichtig fei ferner ein gutes Vertrauensverhältnis.
Dr. Streit berichtete bann über bie einzelnen Aufgabengebiete ber Stubentenroerte, die er in folgende drei Gruppen teilte:
1. Förderung,
2. Gesundheitsdienst,
3. Wirtschaftliche Einrichtungen.
Die Förderung teilte er wiederum in bie Studien-
förberung einschließlich ber Studienstiftung, die Kameradschaftsförderung und die Gewährung von Darlehen.
Er betonte, daß es bei der Studienförderung hauptsächlich auf eine Verhinderung der Zersplitterung ankäme. Man wolle heute nicht Viele notdürftig unterstützen, sondern Wenige ausreichend. Man strebe also eine Konzentration auf den einzelnen an. Zur Studienstiftung teilte der Referent noch mit, daß in Zukunft die Auslese von einem nur aus wenigen Leuten bestehenden Ausschuß vorgenom- men werde. Unter Kameradschaftsförde- r u n g sei die Förderung von Studenten aus den Kameradschaftshäusern nach Gesichtspunkten schärfster Auslese unter Vermeidung jeglichen charitativen Charakters zu verstehen. — Di*e Grundlagen für den Gesundheitsdienst bildeten die P f li ch tu n tersuch u n g e n , die zweimal während des Studiums ftattfinben sollen, das erstemal vor der Immatrikulation, das zweitemal im 5. Semester. Des weiteren habe sich die Arbeit des Gesundheitsdienstes auf die gesundheitspolitische Schulung der Studentenschaft zu erstrecken. Zur Durchführung der Kranken- fürforge fei es notwendig, die verschiedenen Krankenkassen und Krankenversicherungen an den einzelnen Hochschulen in das Studentenwerk überzuführen, wodurch dann auch deren oft eigennützige Politik verhindert würde. —
Abteilungsleiter Dr. Brügelmann sprach über Förderung. Heute sei die Förderung des politischen und soldatischen Menschen Selbstverständlichkeit, weshalb nicht nur die Ablehnung der antinationalen Studenten zu erfolgen habe, sondern auch eine Ab
Aber wir wollen einmal ganz ehrlich sein: Ist nicht der koloniale Gedanke hier manchmal Aeußerlich- feit geblieben? Es wäre töricht zu leugnen, daß es Ausnahmen gegeben hat, und es wäre vermessen und undankbar, etwa die Arbeit mancher Lehrer und Erzieher in dieser Beziehung nicht ausdrücklich anerkennen zu wollen. Aber wie gesagt: vielfach stand äußerliche Räuber- und Seefahrerromantik über der letzten eigentlichen Aufgabe kolonialer Propaganda. Und hier — hier liegt die große Gefahr, die gebannt werden muß, und jetzt, wo die Jugend-Ko'lonialverbände geschlossen als Kolonialscharen in die Hitler-Jugend übergeleitet worden sind, auch gebannt werden wird.
Wir müssen aus der Kolonialliteratur, die für die Jugend bestimmt ist, jene gewisse Seeräuberromantik nehmen, die sich gelegentlich breit macht, müssen sie auf ein Niveau bringen, das eben ben Namen Literatur unb nicht Kolportage trägt. Den guten Willen bei vielen wollen wir nicht verkennen, unb nichts fei gesagt gegen bie Schilberung kolonialer ober maritimer Abenteuer, bie ber Wirklichkeit entstammen unb etwa in ber Entbeckungs- unb Eroberungszeit spielen, aber bie Möglichkeit, bie Wahrscheinlichkeit, bie Gewißheit bes Vorgetragenen muß vorhanben sein. Nichts sei auch gesagt gegen spannenbe Erzählungen von Jagben unb gefahrvollen Tierfang-Abenteuern, aber weg mit bem Jägerlatein, weg mit gestellten Filmen!
Schließlich seien auch keine Einwenbungen erhoben gegen manche gute Abenteuergeschichte, die eine kluge Phantasie ersonnen und eine geschickte Feder gestaltet hat. Aber die Lüge, die aus der Unmöglichkeit erwächst, unb bie Sehnsucht, bie aus der Vorspiegelung falscher Dinge entsteht, die sollen uns gestohlen bleiben!
Es muß einmal mit dem immer noch gewisse Kreise ziehenden Gedanken aufgeräumt werden: Kolonien, aha, eine Art Wildwest, wo der Revolver locker sitzt, und wer in die Kolonien gehen will, der vergesse heutzutage Handgranaten und Gasmaske nicht! Dergleichen Vorstellungen, obgleich nur in primitiven Hirnen möglich, schaden dem Kolomal- gedanken gewaltig, wenn es auch für den Augenblick so aussieht, als sei dieser von Abenteuern umwitterte Zustand gerade der Hauptanreiz für die jugendliche Kolonialbegeisterung. Wir müssen aber daran festhalten: nicht Abenteuerlustige sollen einmal in die Kolonien, bie wir über kurz ober lang mieber brauchen unb bekommen müssen, roanbern, sondern arbeitswillige, pflichtgetreue deutsche Män-
Iner, die sich ihrer zukunftsträchtigen Aufgabe da draußen voll bewußt finb. Zu Experimenten bürsten sich bie Kolonien in Zukunft weniger als je eignen. In bie Kolonien gehen, bas barf nicht bedeuten: verschwinben müssen ober wollen, fonbern muß heißen: schwierigste Pionierarbeit auf exponiertestem Posten für Deutschlanb leisten.
Gewinnung ber Jugenb für ben kolonialen Gedanken tut not, aber die Methode, mit der die Jugend an diese Dinge herangeführt wird, muß geboren fein aus dem innersten Wesen der neuen deutschen Weltanschauung. Kolonien sind nicht dazu da, persönliche Abenteuer zu erleben oder persönliche Reichtümer zu erwerben — sie sind da, um nichts anderes zu fein als Vaterland. Kein fremdes ober neues, nein, bas gleiche Laub, ber gleiche Boben, ben wir brauchen — unb solange wir ihn nicht haben, finb wir nicht gleichberechtigt. Die wirtschaftlichen Gründe, die uns zu kolonialer -Betätigung zwingen, sollen Gemeingut unserer Jugend werden; sie sollen im geographischen Unterricht eine besondere Ausgestaltung und Formulierung erfahren. Denn nichts anderes ist da der Kampf um Kolonien als der Kampf um ein Vaterland, das Deutschland heißt!
Muster für wissenschaftliche Arbeitslager.
Die erste Probe bestanden. — Vorbild für weitere ähnliche Einrichtungen.
Wesentlich von ben üblichen Arbeitslagern unterscheibet sich bas von ber Deutschen Stu« bentenschaft eingerichtete: es sollte nämlich ba° mit ber Versuch unternommen werben, neben den sonstigen Aufgaben vor allem das Wissenschaftliche weitestgehend zu berücksichtigen. Das erste dieser Art und vorbildlich für alle in Zukunft zu schaffende Stubentenlager ist bas in Lüchentin, einem kleinen pommerschen Dorfe bei Cammin, dicht an der Ostsee. Dort wurden 130 Studenten untergebracht. Außerdem wurden — und auch dies dürfte ohne Beispiel sein — eine Anzahl Italiener ihnen beigesellt, mit denen gemeinsam bie ersten Erfahrungen über bas wissenschaftliche Lager gesammelt werben sollten.
Im Probelager waren alle Fachschaften vertreten, in Zukunft wird man aber nur bie Stu» denken der gleichen Gruppen, also beispielsweise
lehnung derjenigen, die sich allein und einzig dem Fachstudium widmeten. Bei dem Problem der Auslese wies der Redner auf die Möglichkeit hin, Erkundigungen über den Charakter eines Studenten bei dem Arbeitslager unb bem stubentifchen Kamerabschaftsführer einzuholen. Wenn aber bann ber Betreffend zu Recht als würdig befunben war« ben fei, so solle man barauf achten, baß bie Förderung nicht nur über ein Semester, fonbern möglichst über bas ganze Stubium reiche. Stubentinnen sollen nur bann gefördert werben, wenn sie einem Stubium obliegen, bas nicht allein bem Manne vorbehalten sein soll. Söhne kinberreicher Familien finb soviel wie möglich zu unterstützen.
Der zweite Tag ber Schulungsbesprechung begann mit einem Vortrag von Dr. R ü h b e r g über ben Gesunbheitsbienst. Es hanbelt sich habet nicht mehr wie früher allein um bas Kranksein, fonbern auch um die Vorbeugung sowie die Nachbehandlung. Als wichtigstes Moment trete hier die Pflichtuntersuchung in den Vordergrund. Diese soll sich nicht nur auf eine einfache äußere Untersuchung beschränken, sondern sich auf eine eingehende mit Durchleuchtung und, falls notwendig, auch mit Röntgenaufnahmen erstrecken. Ganz neue einschneidende Maßnahmen wird die gesundheitspolitische Arbeit mit sich bringen. Es ist beabsichtigt, eine Auslesekommission zu bilden, ber in erster Linie zwei Aerzte, barunter ein Rassehygieniker, angehören, bie barüber bestimmt, ob jemanb, nach Gesundheits- unb Rassegesichtspunkten beurteilt, auf ber Hochschule angenommen werben soll. Auf biefe Weise soll verhindert werben, baß Leute mit an» ftetfenben Krankheiten unb minberroertiger Erb- Veranlagung immatrikuliert werben. Es wird angestrebt, daß jeder, ber sich zur Aufnahme in bie Hochschule melbet, eine Sippschaftstafel mit- Aubringen hat, in der die Krankheiten, an denen feine Vorfahren gestorben sind, eingetragen finb. Selbstverständlich sollen auch unheilbare Geschlechtskranke vom Studium ausgeschlossen werden, bei zeitweiser Erkrankung werden sie für bie Dauer ber Krankheit vom Stubium beurlaubt. In diesem Zusammenhänge wird eine gesetzliche Neuregelung ber ärztlichen Schweigepflicht notroenbig fein. Gegen bie Entscheibung ber Auslesekommission ist keine Berufung möglich. Bei Ablehnung wird- bie Entscheibung allen Hochschulen mitgeteilt, so daß eine zweite Melbung zum Stubium nicht mehr erfolgen kann. Stubenten, bie infolge späterer Erkrankung roieber exmatrikuliert werben müssen, fallen nach Möglichkeit bem Arbeitsamt überwiesen werben, bamit sie noch eine möglichst gute andere Beschäftigung erhalten.
Gerabe biefer letzte Punkt, die Einrichtung unb Arbeit der Auslesekommission rief eine lebhafte Debatte im Anschluß an ben Vortrag hervor. Vor allem würben Siebenten geäußert, baß man zu scharf bei der Beurteilung kränklicher und nicht rassegleicher Menschen vorgehen werde. Man einigte sich schließlich dahin, daß vorerst nur Menschen mit direkt schädlicher Erdveranlagung ausgeschieden werden sollten. Auch über bie Ernennung unb Zusammensetzung ber Kommission würbe lebhaft bis- tutiert, ba man sich allgemein darüber einig war, daß die Verantwortung riesengroß sei.
Die Arbeit wurde in Sonderbesprechungen fortgesetzt. Eine Gruppe unter Dipl.-Jng. Ulrich behandelte das Thema „Wirtschaftliche Einrichtungen". Es wurden eingehend Betriebsfragen der Sveise- küchen sowie die zweckmäßige Einrichtung der Ka- meradschaftshäuser besprochen. Eine zweite Gruppe behandelte unter Dr. Brügelmann die Fragen der Förderung, während eine dritte unter Dr. Rühbergs Führung über den Gesundheitsdienst, insbesondere die technische Durchführungsmöglichkeit der Krankenkassenübernahme sprach. Direktor Beck leitete eine Besprechung über sozial-studentische Arbeit und Jungakademikerhilfe. Die einzelnen Arbeitsgemeinschaften verfolgten den Zweck einer möglichst gründlichen Vertiefung der einzelnen Sachbearbeiter in die betreffenden Gebiete.
ausschließlich die Mediziner, die Juristen, bie Philologen usw. zusammenbringen, um baburch bie wissenschaftliche Ausbildung noch enger zu gestalten und mehr vertiefen zu können.
Selbstverständlich wurden die sportlichen Aufgaben nicht außer Acht gelassen: jeden Morgen wurden gemeinsame Uebungen dieser Art durchgeführt, dann ging es geschlossen zum Baden in ber Ostsee. Aber der weitere Tag gehörte boch in der Hauptsache bem Stubium. Erst abenbs traf man sich roieber auf bem Lagerplatz zur Plauber- unb Sing- ftunbe. Die Einteilung erfolgte nach bem Vorbild ber SA. in Gruppen und Zügen, bie übrige Erziehung nahm sich ebenfalls baran ein Beispiel.
Der Aufenthalt im Lager biente also nicht allein ber Erholung unb ber körperlichen Ertüchtigung, fonbern ebenso sehr bem ernsten, strebsamen Arbeiten. Allerdings rourbe biefe Arbeit ben meisten in einer Weise nahegebracht, baß sie ihnen schließlich auch zum „Vergnügen" rourbe. Zuerst kam es barauf an, bie Stubenten in ein ernsthaftes Verhältnis zur Wissenschaft zu bringen.
Ferner rourbe barauf gesehen, — unb in Zukunft wirb es noch mehr geschehen — daß Dozenten, hauptsächlich bie jüngeren, am Lager teilnehmen. Beim erstenmal hat man sich noch im großen und ganzen mit „Gästen" begnügt. Es tarnen von Berlin Professoren, Juristen, Germanisten, Statur» kundelehrer usw. nur zum vorübergehenden Besuch und hielten im Lager Vorträge. Aber nicht nur bas: sie wohnten auch bort, schliefen mit ber Jugenb gemeinsam im Zelt unb verbrachten ben übrigen Tag mit ihr, als gehörte sich bas so.
Mit allgemeiner Philosophie wurde angefangen; von Nietzsche unb seinen Forderungen ausgehend, kam man schließlich zu ben einzelnen Wissenschaften unb zu ben eigentlichen stubentifchen Aufgaben; hierfür würben bie Vorschläge ber Fachschaften zugrunbe gelegt unb für bie Zukunft noch genauer burch- gearbeitet.
In Lüchentin rourbe nur bas allgemein Gültige behanbelt; bies ergab sich schon zwangsläufig aus ber Teilnahme der verschiedenen Fachleiter. Später wirb aber eine einheitliche Zusammensetzung nach Fachgruppen und Fachschaften erfolgen, denn gerade darin sieht man die Aufgabe für die weitere Entwicklung bes Berufes. Man ist überzeugt, baß sie nur von ben Stubenten erfüllt werben kann: auch bies ist ein Gesichtspunkt bei der Erziehungsarbeit durch das Lager.


