bett, des Reichsgründungstages und wies auf die Bedeutung dieses Tages hin. Sämtliche Darbietungen wurden in reichhaltiger Vortragsfolge von Angehörigen der „Hassiä'-Iugendgruppe und der „Hafsiä'-Äungmäbchengruppe bestritten. Zwei Theateraufführungen fanden den ungeteilten Beifall der Besucher. Daneben gab die Darstellung eines Heimabends durch die Iungrnädchengruppe Einblick in deren Tätigkeit. Mehrere Gedichtvorträge waren der Bedeutung des Abends angc» paßt- Den musikalischen Teil bestritt das „Hassia"-Iugendorchester der Iugendgruppe Lollar. 3m Lause des Abends konnte der Dezirks- jugendsührer D o n h a r d.Gießen, 7 Angehörigen der Hassia - Iugendgruppe Lollar (Heinrich Klinkel, Willi Fink, Robert Stahl, Ernst Moos, Ernst Geißler. Albert Schneider und Heinrich Hettche) die Hassia-Iugend-Eh- rennaoel für fünfjährige Zugehörigkeit zur Hassia ° Jugend überreichen. Der Dezirksvor- sitzende ehrte vier Vereinskameraden (Ludwig Geißler V„ Ludwig Hofmann V., Ludwig S ch a d e ck IV., und Heinrich Schwalm) mit dem Hassia-Abzeichen mit der goldenen Zahl „40“ für 40jährige, den Kameraden Justus St a n t mit dem Abzeichen mit der silbernen Zahl „25“ für 25jährige Dereinsangehörigkeit. Dezirksjugend- führer Don Hard, Gießen, war vom Hassia- Präsidium die Führer-Ehrennadel verliehen worden, die ihm durch den Dezirksvvrsitzenden am Wirkungsorte der ältesten Iugendgruppe des Be- K' s (zugleich die älteste der Kriegerkamerad-
t Hassia) überreicht wurde.
t Treis a. Lda., 27. 3an. Die hiesige Ortsgruppe der RSDAP. hielt in Wills Saal einen zahlreich besuchten Deutschen Abend ab. Aach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden K. Euler hielt Sturmführer Wendnagel - Gießen eine Ansprache, in der er die Ziele der Partei kurz auseinandersetzte. Den Hauptteil des Abends füllte die Aufführung von „Schlageters Tod“ aus; außerdem wurden noch zwei kleinere Einakter zur Darstellung gebracht
B e u e r n , 27. Jan. Hier fand das diesjährige Winterschießen der Kleinkaliberschützenvereine des Kreises Gießen- No r d des Verbandes Hessen-Nassau statt. Trotz der ungünstigen Witterung war die Teilnahme rege, die erzielten Resultate im allgemeinen befriedigend. Geschossen wurde in drei verschiedenen Körperlagen, stehend freihändig, kniend freihändig und liegend freihändig. Jeder Schütze gab neun Schuß ab, verteilt zu je drei auf die einzelnen Körperlagen. Die Ergebnisse waren: Wettkampfklasse I (Zungschützen) je drei Schützen pro Mannschaft: Rüddingshausen 202, Steinbach 194, Allendorf 147, Geilshausen 146 Ringe. Bester Iungschütze war Karl Kloos, Steinbach mit 84 Ringen. Wettkampfklasse II (Altschützen), fünf Schützen je Mannschaft: Allendorf (Lumda) 351, Steinbach 350 Ringe. Die Ergebnisse der übrigen Mannschaften blieben weit zurück. Bester Einzelschütze in der Wettkampfklasse II war L. Haas VI., Steinbach, mit 89 Ringen.
'Watzenborn-Steinberg, 26. Jan. Der Gesangverein,.Jugendfreund" - S.e'n- berg feierte am Sonntag im Gasthaus „Zur Krore" sein 45. Stiftungsfest. Aeben einer Reihe gut vorgetragener Ehöre gelangte auch ein heiteres Theaterstück zur Aufführung, das seine Wirkung nicht verfehlte. Der musikalische Teil des Abends war der Kapelle Schleuse übertragen, die mit ausgezeichneten Darbietungen aufwartete. Herr Robert Häuser (Steinberg) erfreute mit zwei Diolinsolis. Bei der ebenfalls dieser Tage abgehaltenen Generalversammlung des Vereins wurden außer 8 Mitgliedern, die für 25jährige Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden, vom Hessischen Sängerbund den Mitgliedern 3akob Sommer IV. und Georg Sommer V. für 40jährige aktive Tätigkeit im Verein die Bundesnadel mit der Zahl 40 überreicht.
f. Hungen, 27. San. Vor 10 Jahren wurde der hiesige Evangelische Mädchenbund gegründet. Um feine Leitung haben sich beson- NNVWlims Vornan von <5erf JRotfoberg.
(Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.)
14 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Als der Wagen in den Wald einbog, beugte Herr von der Ledde sich plötzlich zu ihr. Sein heißer Atem strich über sie hin. Seine Stimme flackerte.
„Ich kann es einfach nicht glauben, daß der stolze, kühle Achern Ihr Glück bedeutet, gnädige Frgu. Ich glaube nicht, daß er Sie anbetet, wie ich es getan hätte. Warum mutet er Ihnen zu, sich in diesem Winkel zu begraben? Für eine schöne Frau ist Berlin, Paris, Aizza, Monte und so weiter da. Aber niemals dieses abgeschlossene Landleben. Sie haben durch diese Heirat an sich gesündigt, gnädige Frau.“
Edelgarde von Achern fühlte, daß der Mann an ihrer Seite ihren Gatten herabsehen wollte, sie fühlte auch, daß es ein Unrecht war, wenn sie diese Worte noch länger anhörte. Ihre Gedanken liefen rückwärts. Harry von Achern kalt? O nein, sie erschauerte in Gedanken an die erste Zeit ihrer' Ehe. Aber doch hatte von der Ledde recht. Der kürzliche Auftritt hatte als Grund dasselbe, was der Mann neben ihr jetzt gesprochen. Ihr Trotz erwachte. S)etr von der Ledde hatte recht! Ihr Mann hatte kein Recht, sie hier in Achern versauern zu lassen. Die vierzehntägige Hochzeitsreise umschloß wahrscheinlich alles, was sie an feiner Seite von der Welt zu sehen bekam. Und immer tiefer redete sie sich in das Unrecht hinein, was ihr nach ihrer Meinung von ihrem Manne aus geschah. Von der Ledde fühlte, daß er leichtes Spiel haben würde.
Edelgardes dunkle, glutvolle Schönheit reizte ihn, doch noch mehr reizte ihn Acherns stolze Abwehr, einen Verkehr mit ihm anzubahnen. Das vergaß er ihm nicht. Und er würde ihn dort treffen, wo ein Mann am tiefsten zu treffen war. Dr war aber klug und sagte jetzt nichts weiter gegen Achern. Er wußte jedoch, daß in der jungen Ehe bereits etwas nicht stimmte. So sprach er jetzt von etwas anderem. Er erzählte, daß er die Molkereien von Siebert kaufen wolle, da er sich batipn ein Riesengeschäft versprach.
Edelgarde hatte dafür kein Interesse. So änderte er das Gespräch. Er war vor kurzem erst aus Berlin zurückgekehrt, nun gab er von da verschiedene Erlebnisse zum besten. Es war sogar ein sehr gewagtes dabei, aber Edelgarde lachte harmlos.
Drüben am Wald von Achern hielt ein einsamer Reiter. Fest gruben sich seine Zähne in die Unterlippe. Seine rechte Hand ballte sich. Harry von Achern hatte den Mann neben Edel-
Bürgermeistertagung des Kreises Alsfeld
fr* Alsfeld, 27. Ian. Gestern fand hier unter dem Vorsitz des stellvertretenden Kreisdirektors, Regierungsrat Strack, eine amtliche Versammlung der Bürgermeister des Kreises Alsfeld statt, die sich mit den aktuellen Fragen der Arbeitsbeschaffung im Wege des Sofortprogramms der Reichsregierung, Notstandsarbeiten und freiwilligen Arbeitsdienst, sowie mit dem Notwerk der deutschen Jugend befaßte.
Einleitend referierte Regierungsrat Strack über das Sofortprogramm der Reichsregie - r u n g. Er erläuterte dessen hauptsächlichste Bestimmungen und die finanziellen Auswirkungen für die Gemeinden.
Der Vorsitzende des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Dr. Bues, sprach hieraus über Notstandsarbeiten und freiwilligen Arbeitsdienst. Er empfahl den Gemeinden,
die Rolflandsarbeilen weiterhin zu unter- stützen, da sie immerhin eine finanzielle Lnt- laffung für die Gemeinden bedeuten und die billige Ausführung von Arbeiten ermöglichen, zumal jetzt die Möglichkeit bestehe, daß eine Verlängerung der seitherigen Veschäftigungs- dauer bei votstandsarbeiten von 13 Wochen aus 26 Wochen auf Antrag ausgesprochen werden könne.
Der freiwillige Arbeitsdienst habe sich im vergangen nen Jahre in Oberhessen recht gut weiter entwickelt. Für Notstandsarbeiten und Arbeiten des freiwilligen Arbeitsdienstes feien im Jahre 1932 etwa 3 Millionen Mark nach Oberhessen gekommen, davon entfielen etwa 1,8 Millionen Mark auf den freiwilligen Arbeitsdienst und hiervon etwa j Million auf den Kreis Alsfeld. Dr. Bues erläuterte alsdann insbesondere die Bestimmungen über die Errichtung von geschlossenen Arbeitslagern des freiwilligen Arbeitsdienstes und empfahl den Gemeinden zu diesem Zwecke den Zusammenschluß zu Arbeitsgemeinschaften Aur Förderung größerer Projekte im freiwilligen Arbeitsdienst.
$ür das Jahr 1933 sei voraussichtlich mit der Errichtung von 25 geschlossenen Arbeitsdienstlagern in Oberhessen zu rechnen.
Bürgermeister Dr. V ö l s i n g - Alsfeld machte einige ergänzende Ausführungen über das Sofort- Programm der Reichsregierung und über die finanziellen Auswirkungen für die Gemeinden auf Grund der Darlehensbedingungen, an denen er Kritik übte. Das ganze Programm fei auf der Hoffnung aufgebaut, daß es in nächster Zeit der Wirtschaft wie- der bester gehe. Um so bedenklicher fei es aber, wenn diese Hoffnung nicht in Erfüllung ginge und neue Schulden gemacht feien.
Im Anschluß an die Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, worin das Hessische Ministerium des Innern ersucht wird, darauf hinzuwirken, daß
die einschränkenden Bestimmungen über die
Veschäfligungsdauer von 20 Wochen bzw. 40 Wochen im freiwilligen Arbeitsdienst fallen gelassen werden sollen.
_3n längeren, von Begeisterung und Liebe zur Sache getragenen Ausführungen sprach alsdann Arbeitsamtsdirektor Dr. Bues über das Not - werk der deutschen Jugend, über besten Ziele und Zweck. Er wies darauf hin, daß heute etwa 1 Million junger Deutscher zwischen 18 bis 25 Jahren erwerbslos fei und dringend einer Für- sorge, besonders in beruflicher und körperlicher- Ausbildung, bedürfe. In dem Notwerk soll die arbeitslose Jugend in einem einheitlichen Geiste zusammengeführt werden, der sie später zu größeren Aufgaben defähiaen soll.
Die anschließende Aussprache ergab, daß in vielen Orten des Kreises Alsfeld das Bedürfnis nach einer solchen Einrichtung noch bezweifelt wird. Auf Anregung von Dr. SB u e s wurde beschlossen, daß die Bürgermeister der in Betracht kommenden Gemein- den Der Urbeitsamtsnebenstellen Alsfeld und Homberg ein namentliches Verzeichnis der jugendlichen Erwerbslosen einreichen, welche alsdann zu einer gemeinsamen Besprechung von dem Direktor des Arbeitsamtes eingeladen werden sollen.
Unter Punkt „Verschiedenes" gab Regierungsrat Strack mehrere ministerielle Verfügungen bekannt und richtete an die Gemeinden die Dringende Aufforderung, für rechtzeitige Aufhellung der Gemeindevoranschläge für Rj. 1933 besorgt zu sein.
Es gelangten alsdann noch eine Reihe von dienstlichen Angelegenheiten und Einzelfragen zur Aus- spräche. Besondere Sorge bereitet den Gemeinden die Beitreibung der Rückstände, weshalb größere Gemeinden jetzt dazu übergehen, eigene Dollziehungsbeamte anzustellen.
Auf Grund von Beschwerden über die Höhe der
Strompreise des Uederlandwerks Oberhessen wurde eine Entschließung angenommen, die besagt: „In Anbetracht der noch dauernd steigenden Ausgaben der Gemeinden, insbesondere der Wohlfahrtslasten, und in Anbetracht der immer mehr zurückstehenden Steuereinnahmen sind die Gemeinden nicht mehr in der Lage, Die vertragsmäßig feftge- setzte Garantiesumme für die Straßenbeleuchtung in der seitherigen Höhe zu bezahlen. Die Bürger- meistervereinigung des Kreises Alsfeld richtet daher an die Provinzialverwaltung die dringende Bitte, die Garantiesumme auf die Hälfte des seitherigen Satzes zu ermäßigen."
Hierauf wurde die anregend verlaufene Versammlung geschlossen.
ders bemüht Frau Prinzessin Hermann zu Solms-Braunsels, Frau Oberamtsgerichtsrat Brücke! sowie Pfr. G ö ck e I und Frau. Durch die Aufführung eines Spieles will der Mädchenbund am nächsten Sonntag in der Kirche feine Jubiläumsfeier begehen. — Dieser Tage hielt die Vereinigung ehern. 115er, Ortsgruppe Hungen und Umflog e n b , im „Deutschen HauS" ihre Jahresversammlung ab. Rach der Begrüßung gedachte der Vorsitzende Ludwig K a m b e i tz besonders der im vergangenen Jahre verstorbenen Kameraden. Der Erstattung des Jahresberichts und der Rech-- nungsablage folgte eine rege Aussprache. Es wurde u. a. beschlossen, die Darmstädter Ortsgruppe ehern. 115er mit der Kapelle ehern. Militärmusiker in diesem Jahre einzuladen. — Die Holzhauerarbeiten m hiesigen Gemeinde- Wald finden in diesen Tagen ihren Abschluß. Geschlagen wurden in gut acht Wochen etwa 2800
garde nicht erkannt. Aber es genügte ihm, daß Edelgarde einen Fremden unterwegs in ihrem Wagen aufnahm, mit ihm lachte und scherzte.
Als er das Pferd wandte, um heim nach Achern zu reiten, besann er sich plötzlich anders. Er ritt nach Gollwernl
Dort begrüßte man gerade die Ankommenden, als Harry von Achern drüben bei den Stallgebäuden absah, dem Knecht die Zügel zuwarf und dann mit elastischen Schritten zum Schloß herüberkam. Herrn von der Ledde wurde es reichlich unbehaglich. Sollte fein schöner Plan viell.icht g2t ff)on etzt durchkreuzt werden? H t e Achern gesehen, daß er unterwegs au Frau Edel- garde in den Wagen gestiegen war? Pfui Deubel, das hätte gerade noch gefehlt! Etwas unsicher blickte er Achern entgegen. Der nahm von ihm nur durch eine knappe Verbeugung Rotiz und begrüßte feinen Schwiegervater und seine Schwägerinnen. Ganz Auletzt wandte er sich an Edelgards. Ruhig und beherrscht klang seine Stimme, doch in seinen Augen glühte wilder Zorn.
„Verzeih, ich konnte leider nicht zur rechten Zeit da sein. Doch wie lange gedenkst du dich aufzuhalten? Ich wünsche, daß du mich nach Hause begleitest, wenn du mit deinem Vater daS besprochen hast, was dich herführte.“
„Aber, meine Lieben, ihr bleibt doch zum Essen da, — das wäre ja noch schöner!“
Herr Augsten fühlte das drohende Gewitter und wollte vorbeugen. Aber Achern sagte be- dauernd:
„Das geht leider heute nicht, wir müssen gleich wieder fort."
Herr von der Ledde sagte bedauernd:
„Oh, das tut mir sehr leid, Herr von Achern. Man hat so selten das Vergnügen, sich zu sehen. Ich begrüßte es tatsächlich als eine unverdiente Freude."
Achern antwortete ihm nicht. Er trat au seinem Schwiegervater und fragte ihn irgend etwas. Dabei spielte seine Hand mit der Reitpeitsche, und fein verächtlicher Blick ruhte auf dem berüchtigten Frauenjäger.
Edelgarde aber bäumte sich auf unter der Maßregelung, die ihr von feiten ihres Gatten kam. Jetzt gerade wollte sie hier bleiben. Was fiel ihm ein? Sie war hier doch daheim! Sie konnte bleiben, wenn sie wollte.
Herr Augsten wagte nicht mehr, feinen Schwiegersohn zum Bleiben aufzufordern. Dessen entschlossenes Gesicht verhieß nichts Gutes. Um Gottes willen, waS hatte Edel beim da nur an- §estellt? Ihm war es auch nicht recht gewesen, aß sie mit Herrn von der Ledde hier ankam. Aber das konnte doch ganz harmlos sein. Sie würde doch neben einem Mann wie Achern kaum noch Gefallen an diesem blassen Lebemann finden?
Achern trat zu feiner grau. Mit verhaltener Stimme sagte er:
Festmeter Rutz- und Brennholz. Leider sind die Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes — Verbesserungs- und Herstellungs- arbeiten an den drei Teichen und den Waldwegen — seit Ende Dezember stillgelegt, so daß die Arbeitsdienstwilligen bis auf einen geringen Teil, der durch die Gemeinde anderweitig beschäftigt werden konnte, bis zur Genehmigung der Fortführung der Arbeitsmahnahmen durch das Landesarbeitsamt wieder ohne Beschäftigung sind.
Kreis Büdingen.
*!* Echzell, 27. Jan. Auf dem Wege derNot- standsarbeit werden gegenwärtig zwei Schleifen der Horloff gerade gelegt, nachdem Arbeiten am Biedrichsgraben und an Waldwegen vollendet sind. — Bei der Verpachtung der der Psarrei Heuchelheim gehörenden, in der Gemarkung Echzell liegenden Aecker wurden für den Wetteraver Morgen (2000 Quadratmeter)
„Wenn du nicht willst, daß ich' dem — dem Herrn dort die Reitpeitsche ins Gesicht schlage, dann fährst du mit mir in einer Viertelstunde nach Hause.“
Edelgarde sah ihn furchtsam an. Mein Gott, was hatte sie denn begangen? Er tat ja gerade, als habe er sie bei einem Verbrechen ertappt. 3hre Augen ruhten auf der muskulösen Hand, die sich um den Griss der Peitsche klammerte. Linker dem Blick des Gatten verlor sie ihre Sicherheit. Sie nickte.
„Gewiß, Harry, ich muß aber erst dringend mit Papa sprechen.“
<3r lächelte flüchtig. Natürlich, sie muhte sich doch beklagen über ihn! Aber was tat es? An seinen Entschlüssen änderte das nichts. Solange sie scinm Ramen trug, bestimmte er und nicht ihr Vater.
Seine kleinen Schwägerinnen traten zu ihm. Sie mochten wohl instinktiv ahnen, daß er nicht glücklich mit der Schwester war. Lind sie hatten ihn beide gern. Er fühlte die Anhänglichkeit der zwei Mädels, und er bemü jte sich, ein paar frohe Worte mit ihnen zu plauoern. Dabei fiel es ihm schwer aufs Herz, daß er sich doch nicht so leicht von Edelgarde würde trennen können! Ihre Familie achtete er so hoch! Wenn er sich von feiner Frau trennte, dann traf auch diese zwei frohen Mädel der Skandal mit. Achern erschrak plötzlich. War es denn wirklich schon so weit, daß er sich ernstlich mit einer Trennung befassen sollte? Der Welt einen Skandal bieten?
Es durchzuckte ihn bei dem Gedanken, wie sie ringsum das Thema durchhecheln würden. Wie er und Edelgarde bann monatelang das Tagesgespräch der ganzen Umgegend waren.
Olein!
Er würde diese Ehe ertragen, und wenn sie eine Hölle wurde! Aber vielleicht änderte sich Edelgarde doch? Freilich, selbst in diesem Falle fand er kein wahres Glück mehr, sie hatte bereits zu viel eingebüht in seinen Augen.
Er entschuldigte sich jetzt für einen Augenblick und trat zu dem alten Herrn.
„Lieber Papa, du gestattest, daß ich mir deine neuen Rappen ansehe? Sie interessieren mich.“
Er ging langsam nach den Ställen hinüber. Herr von der Ledde trat zu den zwei jungen Mädchen. Sie gingen heute nicht auf seine Neckereien ein, denn sie fühlten, daß er irgendwie an der schwülen Stimmung schuld war. Es blieb eine spärliche Unterhaltung.
Edelgarde aber sagte zu ihrem Vater: „Du muht mir Geld geben, Papa, ich will unbedingt nach Berlin. Ich werde hier verrückt. Zu was für einem Leben verurteilt Harry mich! Ich bin jung. Ich habe nicht Lust, in wenigen Jahren eine alte, behäbige Gutsfrau zu fein.“
Augsten sah fein schönes Kind prüfend und zugleich traurig an.
durchschnittlich 28 Mark geboten. Zum Pachtpreis temmt noch ein 20proAcntiger Steuerzuschlag. Die Aecker wurden aus zwölf Jahre verpachtet.
Kreis Schotten.
□ ß a u b a d), 26. Jan. Der Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat auf den von der Stadt Laubach erhobenen Protest veranlaßt, daß nach Aufhebung des Lokornotivbahn- Hofs Laubach die L o k o m o t i o b e a m t e n bis auf weiteres ihren Wohnsitz in Laubach bei« behalten dürfen. — Am Dienstaaoorrnittag geriet der Arbeiter Karl Kreicker III., der bet den Planierungsarbeiten im „Froschlochgelände" beschäftigt war, unter zusammenstürzende Erdmassen, wobei er einen doppelten Beinbruch erlitt. Der Verunglückte wurde in das Laubacher Krankenhaus verbracht.
Ulrichstein, 27. Ian. Dieser Tage ereignete sich in der Umgebung ein schwerer Unglücksfall. Der 20jährige Dentist Otto D e r o v s k y aus Lorch a. Rh. hatte mit einem Kameraden eine Skitour unternommen, bei der er so unglücklich stürzte, daß er einen Schenkelbruch erlitt. Derovskys Begleiter begab sich nach dem Unfall auf dem schnellsten Wege nach Ulrichstein, während der Verunglückte nahezu eine Stunde lang bei grimmiger Kälte auf dem Schnee liegen mußte. Die eintreffenden Helfer fanden ihn halb erstarrt und bewußtlos vor. Dr. med. Druchhäuser leistete die erste Hilfe. Der bedauernswerte junge Mann wurde auf einer Tragbahre nach Ulrichstein und von dort durch die Gießener Freiwillige Sanitätskolonne nach der Chirurgischen Klinik in Gießen verbracht. Hier liegt er m'fc einem schweren komplizierten Oberschenkelbruch in bedenklichem Zustand darnieder.
Strafkammer Gießen.
* Gießen, 27. Ian. Am 22. Mai 1932 kam es auf der Straße von Nieder-Weisel nach Nieder-Mörlen zu einem Zusammenstoß Awischen einem Auto und einem Radfahrer, bei dem letzterer erheblich verletzt wurde. Gegen den Autofahrer wurde Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben und er von dem Amtsgericht Bad-Nauheim verurteilt. Die heutige Hauptverhandlung ergab, daß der Angeklagte in angemessenem Tempo den vor ihm fahrenden Radfahrer überholen wollte, vorher mehrfach Signal gab und auch so weit nach links ausbog, als er konnte. Da ihm also ein Verschulden nicht nachzuweisen war, wurde er, dem Antrag der Staatsanwal'.schaft entsprechend, freigesprochen. Der Zusammenstoß war darauf zurückzuführen, daß der Radfahrer plötzlich unveranlaht vor dem Auto auf die linke Straßenseite hinüber- gefahren war.
Am 1. März 1932 kam es in einer Wirtschaft zu Büches zwischen den früheren und den damaligen Gesellen eines Schornsteinfegermeisters zu einer zunächst wörtlichen und dann auch im Hose tätlichen Auseinandersetzung, in deren Verlaus der heutige Angeklagte seinem Gegner mit einem Messer einen Stich in den Bauch versetzte. Das Amtsgericht Büdingen hatte ihn deshalb zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die heutige Hauptverhandlung brachte mit ihren widersprechenden Zeugenaussagen keine zweifelsfreie Klärung des Vorfalles. Die Angabe des Ange» klagten, sein Gegner habe, nachdem er ihn schon so auf den Backen geschlagen habe, daß er hingefallen sei, mit dem Schultereisen gegen ihn zum Schlag ausgeholt und er habe deshalb sein Messer gezogen und gestochen, weil er befürchten mußte, der viel stärkere Gegner schlage ihn mit dem schweren Eisen tot, wurde von mehreren Zeugen bestätigt. Unter diesen Umftänben war die Behauptung des Angeklagten, er habe in Notwehr gehandelt, jedenfalls nicht zu widerlegen, und er wurde, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, freigesprochen.
Nach einer Weile fragte er: „Reist du mit Einwilligung deines Mannes?"
Sie warf den dunklen Kopf zurück.
„Nein! Dann brauchte ich mich ja nicht um Geld an dich zu wenden. Du wirst es mir geben. Papa?"
„Nein, mein Kind. Ich werde nicht die Hand dazu bieten, daß eure Ehe zerstört wird. Eine jungverheiratete Frau allein gehört nicht nach Berlin, sondern zu ihrem Mann!"
Edelgarde sah den Vater fassungslos an. Dieselben Worte hatte sie schon von chrem Gatten gehört. Und jetzt wollte auch ihr Vater ihr nicht mehr helfen, er, der ihr bis jetzt jeden Wunsch, auch den allergrößten, stets erfüllt hatte?
Edelgarde fühlte plötzlich, daß die Ehe etwas Ernstes war, etwas, was den Menschen in anderen Dahnen festhielt als bisher. Und Edelgards begann diese Ehe zu hassen, wie ein Gefängnis erschien sie ihr, aus dem sie sich nun heraus-- sehnte mit jeder Faser ihres Herzens.
„Ist das dein letztes Wort, Papa?" fragte sie mit zuckendem Wund.
„Mein letztes. Edel. Weil ich dein Bestes will, well ich weiß, daß nur deine Launen schuld sind, wenn in eurer jungen Ehe Unfrieden ist."
Sie wandte sich ab, Tränen des Zorne- in den dunklen Augen.
Sie fühlte plötzlich, daß ihr der Boden unter den Füßen zu wanken begann. Wenn die Sachen fo standen, Dann mußte sie schon in Achern bleiben. Dann mußte sie froh sein, wenn ihr Mann wieder gut zu ihr war und das Gesprochene vergaß — auch den Zwischenfall mit Herrn von der Ledde. Mein Gott, es war ja auch nichts weiter dabei gewesen! Sic wollte nun aber wenigstens einen regen Verkehr in Achern einrichten. Vielleicht lieh es sich bann ganz gut leben? Und wenn sie es verstand, dann reiste Harry mit ihr doch vielleicht noch einige Wochen in die Hauptstadt?
Langsam ging die junge Frau zurück zu den anderen. Ihr Vater folgte ihr mit bekümmertem Gesicht. Er machte sich Vorwürfe, Achern nicht besser über Edelgardes Charakter informiert zu haben. Ein Wann wie er konnte da sehr energisch entgegentreten. Vielleicht wurde aber doch noch alles gut!
Achern kam von den Ställen zurück. Herr von der Ledde verbarg nur mühsam seine ohnmächtige Wut. Er wußte ja ebensogut wie die anderen, daß Achern nur deswegen fortgegangen war, um nicht von ihm in eine Unterhaltung gezogen zu werden. Edelgarde ging ihrem Wann entgegen. Das bezaubernde Lächeln stand in ihrem Gesicht, das ihn immer wieder zu ihr gezwungen hatte. Heute verfehlte es seine Wirkung, doch er fragte freundlich: „Hast bu mit Papa gesprochen?"
i Fortsetzung folgt)


