Ausgabe 
26.8.1933 Frühausgabe
 
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Nr.M SvübauSgabe

183. Jahrgang

Samstag, 26.Augustch35

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MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmrf und Verlag: vrühl'sche Universtlülr-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Zchriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

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Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn» zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Sieben.

Riesige Beteiligung an der Ostland-Treuesahrt. 1045 Kraftwagen und 483 Motorräder. Berlin, 25. August (TU.) Die D ft I a n b - Treuefahrt nach dem vom Reich abgetrennten Ostpreußen weist eine Beteiligung auf, wie von t einer Seite erwartet wurde. 10 4 5 Kraft- wagen und 483 Motorräder, im ganzen 1528 Kraftfahrzeuge mit über 5000 Insassen aus allen Teilen Deutschlands sind nach dem Osten unter­wegs.

Im Einzelnen halten sich mit rund je 550 Mel­dungen die Motor-SA. und SS. das NSKK. mit dem ADAC, die Waage. Es folgen dann der AvD. (83), DMB. (22), Reichswehr und Polizei (je 21), DTE. (20), NDA. (18) und Stahlhelm (17). Erfreu- lief) ist, daß auch mehrere Wagen der nationalsozia­listischen Kriegsopseroersorgung teilnehmen, die von Schwerkriegsverleßten selbst gesteuert werden. Schließlich meldeten sich beim Arbeitausschuß drei Hitlermäbel mit langen blonden Zöpfen auf Fahrrädern als Sendboten des Deutschen Touring-Clubs München. Auch die Reichs» marine beteiligt sich mit drei Sendboten- mannschasten (zwei Kraftrad-, eine Personen­kraftwagenstaffel) unter Führung des Kapitänleut, nants Born an der Ostland-Treuesahrt. Sie über­bringen die Huldigungsadressen der Marinestationen der Ost- und Nordsee. Die Abordnungen der Marine fahren mit denen des Reichsheeres g-meinfain über See nach Pillau, nehmen an der Feier am Tannenbergdenkmal teil und beteiligen sich eben­falls an der Rundfahrt über die anderen ostpreu­ßischen Schlachtfelder.

Reichswehrminister General v. Blomberg be­gab sich am Samstagfrüh im Flugzeug nach Neubeck, wo er an einem Abendessen beim Herrn Reichspräsidenten teilnimmt. Am 27. August wird Reichspräsident v. Hindenburg in Be­gleitung Generals v. Blomberg an der Kund­gebung am Tannenbergdenkmal teilnehmen. Auch der Chef der Heeresleitung, General F r h r. von Hamm er st ein und der Chef der Marineleitung, 2(bmiral Dr. h. c. Ra oder, werden den Herrn Reichspräsidenten zu dieser Kundgebung begleiten.

Der erste Tac>

Königsberg, 25. Aug. (CNB.) Am ersten Tage der Ostland-Treuesahrt waren die Landstraßen von Berlin zur pol­nischen Grenze bereits am frühen Mor­gen von Hunderttau senden belegt. Morgens brach vom Berliner Rathaus d i c Scndbotcn-Mannschaft der Stadt Berlin auf, zur gleichen Zeit startete vom Propagaudaministerium aus der Leiter der Fahrt Staatssekretär Funk, der auch die Fahrt in die Wege geleitet hat. Staatssekretär Funk ist Ostprenßc, stammt aus Trakchncn und hat die Ostland-Treuesahrt propagiert, um seiner ostpreußischen Heimat den Dank Deutschland s für ihre wegweisende Ar­beit in den letzten Wochen abzustattcn.

Am frühen Abend hatten bereits mehr als 800 Fahrzeuge die Kontrollstelle Niese - wanz bei Firchau passiert. Die Fahrt durch den Korridor verlief ebenfalls reibungslos, nur in Dirschau wurden einige Wagen von halbwüchsigen Jungen mit Stök- kcn beworfen. Königsberg glich schon am Freitagabend einem Heerlager. Ganze K rast Wagenburgen waren in den Straßen aufgefahren. Der Samstag wird weit über 1000 Wagen nach Ostpreußen bringen, und am Sonntag wird dann am Tannenberg- Denkmal die denkwürdige Huldigung an Ost­preußen stattfinüen, wobei die Scndbotcn- mannschastcn aus dem Reich dem Obcrpräsi- dentcn Koch, dessen Tatwillcn und Wage­mut die Befreiung Ostpreußens von der Ar­beitslosigkeit zu danken ist, die Botschaften überreicheir, in denen das Reich Ostpreußen huldigt und dankt.

Ministerpräsident Göring besucht Ostpreußen.

Als Gast beim Reichspräsidenten in Neudeck

Berlin, 25.Aug. (WTB.) Wie der Amt­liche Preußische Pressedienst mittcilt, hat sich der preußische Ministerpräsident Göring heute vormittag im Flugzeug zu einem osfiziellen Besuch der Provinz Ostpreußen und des Herrn Reichspräsidenten nach Marienburg begeben. Nach der Landung begab sich der Minister­präsident dann im Kraftwagen durch die Stadt zum Schloß, freudig begrüßt von den zahl­reichen Vereinen, Innungen und Schulen, die auf dem Wege dorthin Spalier bildeten. Es fand eine Führung durch das Hochschloß statt. Ministerpräsident Göring zeigte außerordent­lich lebhaftes Interesse für die schöne Marien­burg. Ein Frühstück in den Gastkammern folgte, wobei Obcrpräsiüent Koch den Mi­nisterpräsidenten begrüßte und Göring für den Empfang dankte. Vom Schloß begab sich Mi­nisterpräsident Göring zum Marktplatz, wo er vor dem alten Rathaus von einer viel­tausendköpfigen Menschenmenge begrüßt wurde. Oberbürgermeister Ebert überreichte dem Ministerpräsidenten die E h r e n b ü r - gerurkunde. Ter Ministerpräsident nahm darauf einen Vorbeimarsch der Schutz­polizei, der SS. und SA. ab und be­stieg mit Staatssekretär Meißner und Oberst von Hindenburg den Kraftwagen, um sich über Stuhm und Marienwerder nach N e u d e ck zu begeben.

Die Hungersnot in Südrußland.

Erschütternder Augenscheinbericht aus dem Nordkaukasus.-Menschenfrefferei, Malaria und Typhus. Weite Gebiete verödet. Gänzliches Versagen der Gowjetwirtschast.

London, 25. Aug. (CNB.)Daily Telegraph" beginnt heute mit einer Artikelreihe über die Hun­gersnot in Rußland. Der Verfasser gibt aus eigener Anschauung an Ort und Stelle ein erschütterndes Bild der Zustände in den Landwirtschafts­gebieten des Nordkaukasus. Bekanntlich ist den ausländischen Korrespondenten in Moskau in letzter Zeit verboten worden, ohne besondere Er­laubnis der Sowjetregierung die Stadt zu verlassen. Angesichts dieser Tatsache beanspruchen die Artikel des Daily Telhegraph besonderes Interesse. Der be­reits i m M a i verfaßte Bericht des Beobachters war ursprünglich nur für dessen Vorgesetzten und nicht zur Veröffentlichung bestimmt. In dem Bericht heißt es:

Das Hauptproblem der nordkaukafischen Land­wirtschaft ist die Hungersnot, die feit dem Spätherb st desJahres 1932 sofurchl- bare Ausmaße angenommen hat, daß die Bevölkerung tatsächlich an hunger stirbt.

In ganzen Bezirken schwindet die Bevölkerung rasch dahin, und die landwirtschaftliche Tätigkeit st e h t völlig st i l l. Der größte Teil der Kosaken des Kubangebietes wurde von der Sowjetregierung ge­waltsam aus ihren Dörfern vertrie­ben und nach ukrainischen Gebieten übergeführt. Die Zahl der noch zurückgebliebenen Kosaken ist in­folge der Hungersnot so zurückgegangen, daß große Kosakenniederlassungen im Kubangebiet fast unbewohnt sind. Die letzten Ueberlebenden werden vor Ende des Jahres durch die Hungersnot ausgetilgt fein. Vom politi­schen Standpunkt aus gesehen, ist damit die Kofaken- gefahr beseitigt.

3n den Stäbfen Krasnodar und Siavropol will der Beobachter dievolle Bestätigung" dafür erhalten haben, daß in diesen Bezirken Fälle von Kannibalismus vorgekommen feien. Der Korrespondent betont, daß die Hungersnot nicht fo sehr die Folge der lehtjährigen Miß­ernte sei, als vielmehr eine Folge der Kampagne der staatlichen Ge­treideeintreiber, die ganz brutal oor- gingen.

Ein Gebiet im Nordkaukasus mache einen etwas günstigeren Eindruckdank dem Bestehen der deut­schen Konzession Drusak". Der englische Gewährs- mann macht dann statistische Angaben über den furchtbaren Rückgang der Bevölkerung in den ein­zelnen Bezirken infolge der Hungersnot. Er er­klärte, mit eigenen Augen gesehen zu haben, daß früher blühende Dörfer fetzt völlig verlassen seien. Auch große Städte wiesen eine beträchtliche Abnahme der Bevölkerung auf. In Krasnodar seien bei einer Einwohnerzahl von 230 000 Köpfen 40 0 0 0 Hungers g e ft o r 6 e n, in Stavropol seien von 140 000 Einwohnern 50 000 dem Hunger erlegen, und die Stadt mache einen leblosen Eindruck".

3n den Dörfern, die er der Berichterstatter besucht habe, habe die Zahl der To­desfälle zwischen 30 und 40 täglich geschwankt. Die Menschen, die noch am Leben seien, befänden sich im letzten Stadium der Schwäche infolge der Entbehrungen und des Genusses von Gras, wurzeln, ver­kohlten Knochen, toten Pferden ufro. Die Mehr­heit der noch Ueberlebenden werde zweifellos, wie der Gewährsmann meint, mit dem heran­nahenden herbst weiter an der Malaria sterben, und Typhus werde wahrschein­

lich epidemisch werden. Die von der Hungers­not heimgesuchte Bevölkerung mache den Eindruck völliger Hoffnungslo­sigkeit. Die verlassenen Häuser in den

WSN. Darmstadt, 26. Aug. Unter dem Vorsitz von Reg.-Rat B e r g n e r sand in der Ab­teilung für Arbeit und Wirtschaft des hessischen Staatsministeriums eine Sitzung statt, in der Be­schlüsse über die Verteilung der dem Lande Hessen aus dem Reinhardt-Programm zu- slicßenden Mittel gefaßt wurden. Reg.-Rat Berg- ner betonte, daß alle hier behandelten Anträge von der hessischen Regierung genau geprüft, genehmigt und nach der Dringlichkeit ausgewählt seien. Der Gesamtbetrag, der von der Bank für öffent­liche Arbeiten vorläufig für Arbeitsbeschaffung zur Verfügung gestellt ist, ist 300 Millionen. Davon entfallen aus Hessen 6,6 Millionen. An­träge in hohe von 4,5 Millionen sind von der hes­sischen Regierung bereits genehmigt. Dem Lande helfen sichen demnach noch 2 Millionen zur Ver­fügung. Sie werden in den nächsten Tagen eben­falls für vorliegende Anträge nach deren genauer Prüfung genehmigt. Es wird allerdings nicht möglich fein, alle wenn auch noch so berech­tigten wünsche zu befriedigen, da die Gesamt­summe der Anträge annähernd 11 Millionen be-

CBcrlia, 25. Aug. (CAD.) Die erste Haupt­versammlung des 69. Deutschen Genossenschasis- tages in (Berlin wurde vom Vorsitzenden d:s (Sir* geren Ausschusses und des Gesamtausschustes, Derbandsdirltor SHinlel Hannover, eröffne;. Aach Degrützuirgsworten des Vorsitzenden sprach Dr. Kunze über die Stellung der Genossenschaften im nationalsozialistischen Staat und die zukünftigen Aufgaben des Deutschen Eenossenschaf.soerbandes. 3n der Herbeiführung einer nationalen Wirt­schaft und eines nationalen Geld- und Kapital­marktes werde der Rationalsozial.smus de n Z u - sammenschlußgedanken vor allem auf be­rufsständischer Dosis fördern. Die Genossenschafts- form werde deshalb zukünftig eine bedeutsame Aolle spielen, weil sie eine nationale und soziale Gemeinschaft bilde. Der Deutsche Gencssen- schaftsverband habe sich folgerichtig in die Aeichs stände des Handwerks und des Handelseingegliedert. Da das Genossen­schaftswesen mit unserem Volks um lebendig ver­bunden sei, werden die Kreditgenossen­schaften die zukünftigen Dolksban- ken fein. Zur Erreichung eines nationalen Geld- und Kap talrnark es mf.fe die z'ig llo'e Gew.rbe- freiheit in der Anlage von Geldmitteln unterbun­den werden. Dringend notwendig sei die Heu» Ordnung des Depot- und Depositen­rechts.

Städten und Dörfern fielen zusammen. Man sehe kaum Hunde oder Katzen, da sie zum größ­ten Teil von der hungernden Bevölkerung ver­zehrt worden seien.

trägt. Alle behördlichen und staatlichen Prestige­fragen traten zurück vor der großen Aufgabe, i n möglich st zweckentsprechender weise möglich st viele Erwerbslose des großen Gebietes wieder in Arbeit und Brot zu bringen. Bei der Verteilung der Mittet und der Besprechung der einzelnen Anträge wurde es als selbstverständlich angesehen, daß nicht sinnlos jedem Bezirk das Gleiche zugeteilt werden dürfe, sondern daß die großen Rotgebiete des Lan­des, die die meisten Arbeitslosen und Untcrflüt- zungsempsänger haben, zuerst berücksichtigt werden müssen. Dies find vor allem die Städte Mainz, Offenbach und Worms, bei de­nen prozentual geringste Abnahme der Arbeitslo­sigkeit zu verzeichnen ist. Die Vergebung der ge­planten Arbeiten, die zum Teil über 3 a h r e laufen, wird auch in Hessen wieder Tausende von Erwerbslosen in Arbeit unbBrot bringen. Es besteht die begründete Aussicht, daß in kurzer Zeit der erste hessische Kreis , als arbeitslosenfrei gemeldet werden kann.

Aach Einbau des Führerprinzips werde die Genofsenschaftssorm den heutigen wirtschaft­lichen Dedürfnissen angepaht werden. Die Haft­summe müsse in sich eine höhere Bewertung und gesetzliche Begrenzung nach oben erfahren. Auch die Aevifion fei reformbedürftig. Der Deutsche Genossenschastsverband habe das wich­tige Aufgabengebiet der genofsenfchastlichen Ar­beitsbeschaffung aufgegriffen. Hierbei handele es sich um die Bildung und Förderung von Zentral-Lieserungs genösse li­sch asten. Ihre Finanzierung sei über die Deutsche Zentralgenoffenschaftslaffe sichergestellt. Bei den Rcv s.onsvcrbänden würden d shalbAr­beits-Beschaffungs st eilen eingerichtet werden. Das große Reformwerk des Deutschen Genossenschaftsverbandes bedinge O r g a n i f a - tionszwang. Wilde Genossenschaften dürfe es nicht mehr geben. Erst auf dieser Basis könne die Erneuerung des genossenschaftlichen Geistes durch­geführt werden. Die nächste große Aufgabe fei die D a n k e n r e s o r m. Es müsse eine genaue Trennung zwischen Depositenbankgeschäft und langfristiger Finanzierung erfolgen. Da die Ge­nossenschaft eine Gemeinschaft der Selbsthilfe fei, müsse ihr uneingeschränkt der gemeinnützige Cha­rakter zugesprochen werden. Abgestellt auf Selbst­hilfe müsse zukünftig jede Subventions- Politik vermieden werden.

Hessen erfi(M6,6Äionen MArbeiisbeschaffmig aus dem Reinhardt-Programm.

Besondere Berücksichtigung der Noigeb ete.Noch 2 Millionen zur Verfügung.

Die Ausgaben der Genossenschaften im neuen Staat.

0er Prozeß gegen die Reichstagsbrandstister

Em Verteidiger an die ausländische ommission.

Leipzig, 25. Aug. lWTB.) Rechtsanwalt Dr. Paul Teichert, Leipzig, hat an Rechts­anwalt Branting in Paris ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:

Sehr geehrter Herr Kollege!

In einem Schreiben vom 18. d. M. an den Herrn Oberreichsanwalt wegen des die Reichstagsbrand st iftnng betreffenden Prozesses konstatieren Sie,daß die vom Ge­richt bestellten Verteidiger sich nicht an Sie gewandt haben". Diese Erklärung ist geeignet, die Oefsentlichkeit irre zu führen. Ich stelle demgegenüber fest:

1. Seit dem 29. Juli 1933 ist der gesamten Oefsentlichkeit, also auch Ihnen, bekannt, wer die vom Gericht bestellten Verteidiger sind. Der Verteidigung ist demgegenüber die Tat­sache, daß Sie Mitglied einer im Auslande wirkenden Kommission zur Untersuchung des Reichstagsbrandes seien, erst am 17. August durch die Prcsic bekannt geworden. Warum haben Sie und die Kommission in der Zeit vom 29. Juli bis 17. August nicht den einzig gesetzmäßigen Weg zu der Ihnen bekannten Verteidigung gefunden?

2. Heute erfahre ich durch Veröffentlichung Ihres Drieses vom 18. August erstmalig, wer die Mitglieder dieser Kommission sind. Danach ge­hört u. a. auch Herr Rechtsanwalt Arthur Gar­field H a y s dieser Kommission an. Herr Rechts­anwalt Hays hat mich am 7. QI u g u ft aus­gesucht, um mit mir über die Verteidigung zu sprechen, mir aber verschwiegen, daß eine solche Kommission bestehe und daß er der­selben angehöre. Warum ist mir dies verschwie­gen worden?

3. Schon am 7. August, als ich von der Kom­mission nichts wußte, habe ich Herrn Rechts­anwalt Hatzs gebeten, mir, wenn er Mate­rial besitze oder verschaffen könne, das zu­gunsten der von mir vertretenen bulgarischen An­geklagten spreche, dieses Material zur Verwendung im Prozeß zukommen zu lassen. Herr Hays hat mir obwohl er doch Mitglied dieser Kommission war erklärt, er besitze kein solches Material.

4. Am 21. August habe ich Herrn Hays erneut um Aeberlassung dieses Materials und Weiter­gabe meines Schreibens an die mir im übrigen unbekannte Kommission ersucht.

Am 15. August habe ich sowohl den in Paris lebenden bulgarischen Rechtsanwalt D e t s ch e f f, als auch den amerikanischen Rechtsanwalt Le­vi n s o n bei ihren Besuchen in Leipzig gebeten, mir etwa i m Auslande Vorhände ne s Material zugänglich zu machen.

Das Schreiben des Rechtsanwalts Dr. T e i ch e r t schließt:

Ich weiß nicht, was Sie zu der Auffassung ver­anlaßt, daß in Deutschland der Verteidiger nicht frei sei und deshalb das Matertal nicht objektiv verwenden könne. Sie verkennen damit die deutschen Verhältnisse und die deutsche Anwaltschaft, die stets frei und unabhängig gewesen ist, es auch heute ist und immer bleiben wird. Dieser Grund vermag deshalb Ihre bisheriae Zurückhaltung der gesetzmäßig berufenen Verteidigung das Verteilst- flungsmaterial zugänglich zu machen, nicht zu recht- fertigen.

Einer der in Paris lebenden Anwälte Hot mir auf meine Bitte um Beschaffung des Materials der Kommission allerdings erklärt, er glaube nicht, daß dieses Material den Angeklagten von Nutzen sein könne. Aus Ihrem neuer­lichen Schreiben ist jedoch zu entnehmen, daß Sie gegenteiliger Auffassung sind. Ich würde mich deshalb freuen und wäre Ihnen sehr verbun» den, wenn Sie veranlassen könnten, daß das der Kommission vorliegende Material nunmehr mit möglich st er Beschleunigung und Doll- ständigkeit mir übermittelt wird, um fo alle Möglichkeiten der Verteidigung auszuschopfen.