Mittwoch, 26. AprilsyZo
Giehrner Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Ht.97 Zweites Blatt
Für den Büchertisch.
Hessische Geschichte und Volkskunde
ifl Gerhard Ganzleinen
Hygiene und Raffenpflege
be-
hard otalling, Oldenburg i. O. Geb. 1 Mark. — (547.) — Ernst Rudolf Huber zeigt in dieser Schrift Gefcchren, die von größter politischer Bedeutung für Gegenwart und Zukunft find. Was das alle Deutsche Reich zugrunde gerichtet hat, der „politische Mißbrauch des Heichsgedankens und der Prozeßmöglichkeit", die traurige Zeit der Prozesse vor dem Reichskammergericht uno dem Reichshofrat, das lebt heute wieder auf. Der Slaatsaerichtshof wird zum Instrument reichsfeindlicher Tendenzen des „Parteienbundesstaates". Hubers Kritik des Leipziger Urteils ist nicht nur ein Plädoyer für die Er Haltung der Reichsgewalt, es ist der Weckruf eines Deutschen, der erkennt, daß mit diesem Urteil eine alte deutsche Krankheit das Reich zu zerfressen beginnt: der föderalistische mißverstandene „Eigen- wuchs" und der parteipolitische Egoismus.
höchster Aktualität, insofern es die heute führenden Persönlichkeiten des Reiches in Bild und Karikatur des Auslandes zeigt: wir sehen, wie die politische Bildpresse der anderen arbeitet und in welch ungeahntem Maße durch sie das Urteil der Massen beeinflußt wird. Bildsälschungen werden aufgedeckt und ihre politischen Hintergründe nachgewiesen. Und in einer Anzahl vorzüglicher Textbeiträge deutscher Ausland Berichterstatter wird die Mentalität der anderen großen Nationen gedeutet und gezeigt, warum das Ausland uns in solcher Verzerrung sieht. Damit werden uns die geistigen Waffen an die Hand gegeben, der Verkennung deutschen Wesens zu begegnen.
— Ern st RudolfHuber: Reichsgewalt und Staatsgerichtshof. Stalling-Bücherei „Schriften an die Ration", Band 42. Verlag (9er-
— Rassenpflege im völkischen Staat. Ron Prof. Dr. Staemmler. Preis geh. 2,20 Mk. 3. F. Lehmanns Verlag, München. (61.) — 3n knapper Form gibt der Verfasser seine Ansichten über die Rassenzusammensehung des deutschen Volkes, über Vererbung über die Gesetze der Fruchtbarkeit und der Auslese, über Dcvölkerungspolitik vom völkischen Standpunkt aus.
— Die Vlutgruppenbestimmung in Vaterschaftsprozessen. Gemeinverstand, lich dargcstellt von dem Hygienischen Institut der Hessischen Landesuniversität. Direktor Prof. Dr. med. Phil. Kuhn. Druck und Verlag von Justus Christ, Gießen. (£0 ) — Die Ergebnisse der Vlutgruppensorschung sind für Jugendämter, Gerichte, Rechtsanwälte, Studierende der Medizin und der Rech swi senschaft gemeinverständlich Dar- gestellt. Die sog. Blutgruppen O, A 6 und AB und schließlich auch die Blutgruppen M. N und M N werden dem Laien einfach und klar unter Fortlassung ollen verwirrenden gelehrten Beiwerkes geschildert. Es wird gezeigt, daß durch Verbindung der Untersuchung auf die Blutgruppen O, A, B uni) A B mit der Untersuchung aus die Blutgruppen M, N und M N die Aus» schluhmöglichkeiten in Vaterschaftsprozessen sich etwa verdoppelt Haden, daß heute bei gemeinsamer Anwendung beider Methoden etwa ein Drittel aller zu Unrecht Beschuldigter von der Vaterschaft ausgeschlossen werden kann und daß sich Fälle, bei denen zwei Männer als fragliche Erzeuger in Betracht kommen, diese Ausschluß- Möglichkeit sogar aus 40 Prozent erhöht Der Wert des lediglich für den Laien als Einführung gedachten Echristchens liegt in der überaus verständlichen einfachen und klaren Darstellung des Themas. Dr. med. Kranz.
— Die Sterilisierung Minderwertiger in Deutschland. Von Dr. med. A. Wichmann. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. med. PH. Kuhn. Druck und Verlag von Justus Christ in Gießen. (91.) — Aus der Abhandlung geht hervor, daß es eine unverantwortliche Kurzsichtigkeit bedeutet, nur für das lebende Geschlecht zu sorgen, daß die Gesundheit der kommenden Geschlechter für die Zukunft unseres Volkes ausschlaggebende Bedeutung hat und daß die rassenhygienische Forderung nach Unfruchtbarmachung Minderwertiger ein Gebot der Stunde ist. Die von den verschiedenen Autoren in Deutschland festgestellten Zahlen der Minderwertigen werden mitgeteilt, ebenso die enormen Unkosten, die dem Staat durch den Unterhalt
dieser asozialen Menschen erwachsen. Don sonders lokalem Interesse dürften die vom Ter
fohlen. Ä
Prof. D r. P hi laleth es Kühnste Führer frage der Deutschen. Verlag Adolf Bonz & Comp., Stuttgart. (116.) Der Hygieniker unserer Landesuniversität, der als Distriktschef in Südwestasrika, Schuhtruppenführer während des Hereroaufstandes und in zahlreichen ärztlichen Verwaltungsdienststellen der Heimat und der Kolonien die Bedürfnisse unserer Verwaltung, wenn man sie in das rechte Verhältnis zum Volkscha- ratter bringen will, tennengelernt hat, behandelt in dieser nachdcntlichen und anregenden Schrift schlechthin das Problem unserer staatlichen Organisation. De^ Verfasser geht davon aus, daß unsere deutsche Eigcnwescnhcit, die dem nordischen Streben nach Wahrhaftigkeit entspringt, wohl der Ausbildung von Persönlichkeiten dient, aber auch der Parteizersplitterung und der Zerrissenheit des Voltes Vorschub leistet, wenn es nicht gelingt, den wertvollen Kern, der in der deutschen Eigenwesenheit liegt, für den Dienst am Gemeinwohl nutzbar zu machen, ohne die Schattenseiten eines auf die Spitze getriebenen Individualismus überwuchern zu lassen. Die bisherigen Versuche hierzu lehnt Kuhn unter einleuchtender Begründung ab und kommt zu der von Moltke im preußischen Gro- ßen Generalstab und in den oberen Kommando- stellen des Heeres begründeten Zwiesührung, von deren Anwendung in allen Zweigen der staatlichen Verwaltung, wie besonders auch im Ausbau unseres Schulwesens, unserer wissenschaftlichen Einrichtungen, unserer Wirtschaft und schließlich auch des privaten Dereinswesens er sich die fuan- mäßige Heranziehung einer breiten Führerschicht verspricht, deren Fehlen dem deutschen Volke so oft schon in kritischen Augenblicken seiner Geschichte zum Verhängnis geworden ist. Die Zwic- führung, die sich vom römischen Konsulat dadurch unterscheidet, daß sie in Wahrheit nur eine Spitze hat, den Führer, dem der jüngere Zwic- führer (im Heere der Chef des Stabes) mit dem Recht und der Pflicht zur Meinungsäußerung zur Seite tritt, versöhnt Jugend und Alter, ermöglicht eine zweckmäßige Arbeitsverteilung und fördert die rechtzeitige Führerauslese. Es wird damit an Gedanken angeknüpft, die Ottmar Spann (Befreiung) und Oswald Spengler (Moltke als Schöpfer des Dorbildes für einen neuen deutschen Dearntenkörper) in ihren grundlegenden Werken entwickelt haben, aber Kuhn zeigt die Rotwendigkeit ihrer praktischen Durchführung an treffend skizzierten und einleuchtenden Beispielen aus dem öffentlichen Leben und zuletzt auch ihre Anwendbarkeit auf die Staatsführung selber, für die er sich nach Ablehnung des parlamentarischen Systems und der Erbmonarchie für eine Wahlmonarchie einseht nach dem Beispiel des sich immer wieder erneuernden englischen Adels, der katholischen Kirche, der römischen Adoptivkaiser und schließlich der faschistischen Rachfolgeordnung im modernen Italien. Kuhns anregende und aufschlußreiche Schrift verdient gerade im Augenblick einer grundlegenden staatlichen Reuordnung in Deutschland besondere Beachtung, wenn diesmal Fehler vermieden werden sollen, die dem deutschen Volk schon so oft verhängnisvoll geworden sind.
— Willy Stiewe: „So sieht uns die Welt" (Verlag Deutsche Rundschau G. m. b. H, Berlin). Preis 3,20 Mark. — 78.) — Das Buch gibt Auskunft, welche Anschauungen über Deutschland im Ausland verbreitet sind. Wir sehen Bilder, die uns den ganzen Abstand der reihend schnellen Entwicklung unseres Volkes von den langsam nachfolgenden Versuchen der anderen, diese Entwicklung zu verstehen, vor Augen führen. Stiewes Buch ist von
— Wilhelm Hoffmann, R h e i n h e s - fische Volkskunde. 1932. Verlag von Ludwig Röhrscheid in Bonn und Köln, Preis 7,50 Mk. — (19.) — Es gab eine Zeit, da die Bevölkerung der reck;tsrheinischen hessischen Landesteile mit den Rheinhessen nicht gerade harmonisierte. In Darmstadt war man nicht sonderlich erfreut, als Rheinhessen im Jahre 1816 zum Großherzogtum Hessen kam, namentlich hätte der damals regierende Großherzog lieber gesehen, wenn Westfalen feinem Staat angegliedert worden märe. Viele Jahrzehnte hin- durch glaubten die Rheinhessen, besonders die Mainzer, daß sie in Darmstadt gegenüber Oberhessen und Starkenburg zurückgefetzt würden, es bestand und besteht auch heute noch ein Gegensatz zwischen der Art der rechtsrheinischen und der linksrheinischen Bevölkerung: der Rheinhesse ist von ganz anderem Schlage als der Bewohner des Vogelsberges und der Odenwaldtäler. Deshalb ist es von Wichtigkeit, daß die Wissenschaft der Volkskunde ihre Forschungen auch auf Hessen ausdehnt. Wilhelm Hoffmann hat in feiner „Rheinhessischen Volkskunde" es mit großem Glück unternommen, Land und Leute in Rheinhessen zu schildern. Er selbst ist geborener Rheinhesse und hat die weitaus größte Zeit seines Lebens in seiner Heimatprovinz zugebracht, somit beruhen seine Schilderungen vorzugsweise auf eigenen Feststellungen. Aber er beherrscht auch durchaus die Geschichte des Landes, dem er angehort, weiß von den früheren Herrschaften, die aus dem linken Rheinufer sehr zahlreich waren, zu erzählen, und weiß auch, wie in den verschiedenen Territorien die Regierungen auf das Volksleben gewirkt haben. Er schildert die Dorfanlagen, Straßen und Häuser, redet von Trachten, verbreitet sich namentlich über Sitten und Gebräuche, über Ackerbau, Weinbau und Handwerk, über religiöse Sitten, Scherzreden, sowie über den Handel und die Verkehrsverhällnisse. Professor Maurer und Dr. Szogs liefern zu dem Buch einen Beitrag über die Volkssprache. Ungemein reichhaltiges Material ist darin verarbeitet, 74 charakteristische Abbildungen sind beigegeben, alles in allem ist Hoffmanns Buch eine Darbietung, der man nicht nur in Hessen, sondern auch über die Grenzen des Dolksstaates hinaus mit großem Interesse begegnen wird. — „
— Hessen-Rass auifches Dolksw o r - terbuch .. bearbeitet von Luise Berthold. Band II, Lieferung 6 (Metzehaupt bis Muhheinz). Marburg: Elwert 1933. 2,50 Mk. - Die sechste Lieferung des wertvollen, auch Oberhessen ein-
Politik und Geschichte.
_Theodor Mommsen: Das Weltreich der Casaren mit einem Nachwort von Prof Eduard Norden. Ganzleinen, Preis 4,80 Mark. 820 Seiten, lieber 200 Tiefdrücke auf Tafeln und 10 Landkarten. Phaidon-Verlag in Wien. — (56.) Der Verlag hat schneller, als -erwartet werden konnte, fein Versprechen eingelöst und legt nun mit einem überaus stattlichen und glänzend illustrieren Bande den fast ungekürzten 5. Band der Rörniichen Geschichte vor. Er enthält eine Kulturgeschichte der gesamten antiken Wett. Ein zweiter Teil ist aus den -Kapiteln über Literatur, Kunst und Kultur zu- lanimengelragen, die in dem Originalwerk verstreut waren. Besonderer Wert ist in diesem Band auf das Abbildungsmaterial gelegt. Es ist wiederum außerordentlich jorgfäüig vusgewählt und nut verschwenderischer Fülle und in technisch ausgezeichneter Wiedergabe geboten. Besonders begrüßenswert ist daß in diesem Bande auch das Kartenmatenal nicht zu kurz gekommen ist und auch eine große farbige Karte beigegeben wurde.
— M E. Townfend. Macht und Ende des deutschen Kolonialreiches. Verlag Günther Schulz in Leipzig C 1, fRofjftr. 5/7. preis 4,80 Mark mit 64 Bildern in Tiefdruck. — (558.) — Es ist bemerkenswert, daß in die nicht sehr zahlreiche Literatur über die Geschichte der deutschen Molonialbeftrcbungen nun zum erstenmal auch ein Engländer mit einem Buch eintritt, das auf Grund sorgfältiger Quellenforschung der deutschen Kolonial« polltik durchaus gerecht wird. Der Verfasser geht weit zurück auf die ersten Anfänge kolonialer Bestrebungen in Deutschland, untersucht dann die Bc- mÜbungen zur Gründung eigener Kolonien in der Bismarckschen Aera und schildert schließlich die gute wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Schutzgebiete unter der deutschen Verwaltung bis zum Kriege. Die Uebertragung des Krieges in die Kolonien macht auch er den Alliierten zum Vorwurf. Die letzten Kapitel find dem Kolonialfeldzug und den Bestimmungen des Versailler Vertrages über den Raub der Kolonien gewidmet.
faster in diesem Zusammenhang angegebenen Ge- sam' ürsorgekosten der Stadt Gießen sein, die 19.0 eine Höh: von 1 755 678 Mk. erreichten. Aus dem Abschnitt über die Abhllfemaßnahmen gegen die Minderwertigkeit geht hervor, daß gerade das Aufblühen der Wohlfahrtseinrichtungen die Lebensdauer der Asozialen und das Maß ihrer Fortpflanzung den Vollwertigen gegenüber steigert und daß als einzig wirksame Methode der Zukunft die künstliche Unfruchtbarmachung der Minderwertigen anzusehen ist. Hierbei wird auch der prinzipielle Unterschied zwischen Sterilisation und Kastration erörtert. Die Abschnitte über die historische Entwicklung der Sterilisation in Deutschland und in anderen Ländern sind sehr lesenswert und lehrreich. Klar und einfach wird der Standpunkt geschildert, den die Psychiater, die Rassenhygieniker und die Kirche gegenüber der Forderung nach Steril.sation Winderwer.iger einnehmen. 3n dem letzten Kapitel wird die Einstellung der Politiker verschiedenster Richtungen der Rassenhygiene gegenüber besprochen und gezeigt, daß die rassenhygienischen Bestrebungen bei den verschiedenen Dölkern verschieden sind und auch verschieden sein müssen, weil eben jedes Volk seine eigene Rassenhygiene hat. Ferner wird bewiesen, daß der von den Gegnern immer wieder erhobene Vorwurf gegen die Rassenhygiene, sie schüre den Haß der einzelnen Rassen gegeneinander, unberechtigt ist. Bei der Fülle des in der Arbeit zusammengetragenen Materials ist eine eingehendere Besprechung unmöglich. Da das klar und verständlich abaehandelte Problem heute außerordentlich aktuell und seine Lösung für die Zukunft des deutschen Dolkes entscheidend ist, dürste die Anschaffung des Heftchens in jeder Weise zu empfehlen sein. Dr. med. Kranz.
— Ein Führer zu gesunder und glücklicher Ehe nennt sich ein Buch aus der Feder eines der meistgelesenen medizinischen Schriftsteller Deutschlands, Dr. med. W. Schweisheimer: ..Dars icd heiraten, Herr Doktor?" (Wilhelm Köhler, Verlag, Winden i. W.. 160 Seiten, Preis 1,60 Wk. — 124.) — Die vielfältigen Fragen und Probleme, die vor einer Eheschließung geprüft werden sollten, alle Einzelhetten des Ehelebens, die zahlreichen gesundheitlichen Fragen, die Gesetze der Vererbung usw. werden hier von berufener Seite offenherzig aber dezent in allgemeinverständlicher Weise erörtert.
— Hitler, Eine deutsche Bewegung von E. Czech-Jochberg, völlig neu bearbeitete Auslage, 61. bis 65. Tausend. Verlag Gerhard Stallinq, Oldenburg i. O. Preis in Ganzleinen 2,85 Mark. — (47.) — Jetzt, da Adolf Hitler Reichskanzler geworden ist, verdient dieses Buch, das nunmehr in neu bearbeiteter Auflage und in 65 000 Exemplaren erschienen ist, besondere Beachtung. Hier wird von einem Gesolgmann Hitlers in einer plastischen und leidenschaftlich bewegten Sprache das Werden Hitlers und der nationalsozialistischen Be- roegung von den ersten Anfängen bis zu den Ereignissen der neuesten Zeit dargestellt. Jedem, der sich über die Entwicklung der NSDAP, und ihres Führers gut unterrichten will, sei dieses Buch emp*
schließenden Mundartwörterbuchs führt schon bis Spalte 384 und dringt fast bis zum Ende des Buchstabens M vor. Einen großen Teil seines Inhalts bilden die Zusammensetzungen mit Metzger. Metzler, Milch, Mist (über fünf Spalten!), mit, Mittel, Mucke und Mücke. Die Steigerungen durch ..mords—" gehen über das schriftsprachliche Maß hinaus: mordsschön, -schlecht, -groß stehen neben mordsdumm und -faul, neben Mordsspah und -spektakell An Kartenbildern bietet diese Lieferung die Verbreitung der Bezeichnungen für das Mietgeld (Mietpfennig, -taler, -geld, Licb- pfennig, Dinggeld, -taler), für morsch (die Birne ist milde, mürbe, moll, muck, teigig), und für Mutterschwein. Wenn auch die Zimmersliege durch ein Kartenbild vertreten wäre, könnte man das Lieber- und Gegeneinander von Wucke und Mücke klarer beobachten. Auch diese Lieferung gibt wieder eine Fülle von Anregungen: man kann nur die Aufforderung immer wiederholen, daß möglichst viele, vor allem die Schulen aller Gattungen, zur Vertiefung ihres deutsch- und heimatkundlichen LInterrichts, sich das Wörterbuch verschaffen.
Erlangen. Friedrich Maurer.
— Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins. Reue Folge. 30. Band. Verlag von Alfred Töpelmann, Gießen 1932. — Der vorliegende Band enthält die folgenden, für die Geschichte unserer Provinz und ihrer Rachbargebiete aufschlußreichen und interessanten Abhandlungen: „Sie Eisenhütte zu Hirzenhain. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Eisen- Hüttenwesens.'^ Don Lehrer Fritz Sauer (Ober- Lais). — „Salinen und Salzhandel in der Wetterau mit besonderer Berücksichtigung von Rauheim im 17. und 18. 3ahrhundert" von Dr. Elsa Blöcher in Wallau. — „Dos Archiv eines Alsfelder Patriziergeschlechts" von Prof. D. Dr. Eduard Edwin Becker in Darmstadt. — „Decken sich die .Capturae Itani et Madabrahtes' mit der späteren Gemarkung Landenhausen?", von Ka,n- merdirektor i. R. Dr. h. c. K. Th. CH. Müller in Darmstadt. — Ferner enthält der Band eine vom Herausgeber besprochene Liebersicht über die neuere Literatur zur Geschichte Oberhessens und der Rachbargebiete, den Vereinsbericht des Schriftführers über die 3ahre 1930 bis 1932, schließlich den Bericht über das Oberhessische Museum und die Gailschen Sammlungen von Museumsdirektor Professor Paul Helmke in Gießen.
Neue Dramen.
— Ernst Wiechert: Das Spiel vom deutschen Bettelmann. (Die kleine Bücherei Nr. 18.) In farbigem Geschenkband 80 Pf. Albert Langen Georg Muller, München 1933. — (94.) — Mehrere Rundfunksendungen hoben Ernst Wiccherts „Spiel vom deutschen Bettelmann" schon vor der Drucklegung berühmt gemacht Don dieser an Um- ang kleinen, ihrer Bedeutung nach großen und star ken Dichtung wird überall eine bewegende und erhebende Wirkung ausgehen, beim einfachen Lesen wie bei Aufführungen von Laienspielern, die nicht lange auf sich warten lassen werden. In der schlichten eindringlichen Weise eines Votksfpieles deutet der Dichter unser Schicksal der letzten Jahrzehnte bis zur jüngsten Gegenwart: deutsche Not und deutsche Hoffnung. — Auf die typographische Gestaltung des mit elf holzschnittartigen Zeichnungen von Willy Harwerth geschmückten Bändchens wurde ganz besondere Sorgfalt verwandt.
— HannsIohst: „o d) l a g e t c r". Schauspiel. Albert Langen Georg Müller, München, 1933. — (80.) — Iahst ist der neue Dramaturg des Staats^ theaters in Berlin: fein jüngstes Stück „Schlageter" trägt die Widmung „Für Adolf Hitler in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue". In vier knapp gebauten Akten, die die Handlung kühnen Schwungs zum Gipfel führen, formt Johst Leben und Ovfertod eines deutschen Helden in harter Zeit: er richtet ein Mahnmal auf mit der Verheißung, daß Deutschland leben wird, solange es Männer gibt, die so zu kämpfen und zu sterben wissen für die deutsche Sache und den deutschen Geist. Am Anfang ehen mir Schlageter als fleißigen Studenten be- trebt, der Heimat als ein Mann des Friedens im vaterländischen Sinne zu dienen, wie er für sie als Frontsoldat im Felde gestanden hat. Die Richrbe- jetzung ruft ihn zu neuer Tat. Nach reiflicher Ge- wissenserforschung entschließt sich Schlageter, neben dem passiven Widerstand der Regierung den aktiven der Patrioten zu entfesseln, die man die ewigen Soldaten nennen mag. Er handelt rasck) und kühn und geht, als er dem Feinde in die Hände fällt, aufrechten Mutes in den Tod — um leuchtend als ein Vorbild fortzuleben für alle aufrechten Deutschen. Aus diesem Stoff hat Johst vielleicht bas stärkste Werk geschaffen, das ihm bisher gelang. —
— Peter Martin Sampel: Alarm im Arbeitslager. Ein Schauspiel in drei Akten. 67 Seiten. 2,20 Mark. Im Dietzmann-Verlag, Leip- zig. — (11.) — Aus dem Vorwort des Verfassers: „Dieses Schauspiel beruht auf keinem bestimmten oder authentischen Vorgang: ich will mit ihm eine freie Gestaltung von Eindrücken geben, die ich auf Erkundungsfahrten in die Arbeitslager fand ... Tatsache ist, daß eine freiwillige Arbeitsdienstkolanne durch ihren Einsatz beim Waldbrand ein Dorf gerettet hat ... Was ich durch dieses Schauspiel propagieren und entzünden will, das ist das Miterleben und Beteiligtwerden an dem verblüffend neuen Einsatz der bündischcn Jugend, die in handfester Hilfsbereitschaft und Zllimeradschaft gläubig ihre eigene Gemeinschaft auf baut ..."
Deutsche Erzähler
— Hans Grimm: „Der Oelsucher von D u a 1 a". Ein afrikanisches Tagebuch In Seinen gebunden 4,80 Mk. Verlag Albert Sangen ®eorg Müller, München. — (99) — Im Jahre 1917 wurde Hans Grimm aus dem Felde gerufen, um die Geschichte vom Martyrium der Kamerun- und Togo- Deutschen vor die Oefsentlichkeit Deutschlands und wenn möglich an das Gewissen der weiteren Welt zu bringen. Der Dichter knüpfte an diesen Auftrag die Bedingung, die Sammlung sämtlicher Papiere, Verhöre, Berichte, Briefe, frei würdigen zu dürfen. Das Buch, das daraus entstand, ist das Dokument einer ungeheuerlichen Schmach, die aus blindem Haß Wehrlosen, in die Hände der Feinde gefallenen Deutschen angetan wurde. Die Erzählung beginnt als spannender Oelsucher-Roman und führt in die Dschungeln und Urwälder von Kamerun. Der Kriegsausbruch unterbricht die Arbeit des Oelfuchers. Sein Schicksal verbindet sich mit dem der übrigen Zivilbevölkerung von Duala. Und nun schildert die Erzählung den Leidensweg der Deutschen von Duala, wie sie ausgetrieben wurden gleich Hunden, abtransportiert aus ihrer Stadt unter dem von Engländern und Franzosen gerne geduldeten Spott und Hohn der Schwarzen, geöemütigt, verladen, zusammen gepfercht auf Transportdampfern und dem Haß der Franzosen ausgeliefert. Senegalneger eskortieren sie in das heiße, feuchte Flachland von Dahomey, das wegen Malaria, Dysenterie v-.d Gelbfieoer berüchtigt ist. Und hier werden die Wehrlosen, die sich nichts hatten zu Schulden kommen lassen, als eben das eine, daß sie Deutsche waren, aufs grausamste mißhandelt. — Endlich, nachdem die deutsche Regierung davon erfahren und zu Vergeltungsmaßnahmen gegriffen hatte, wurden sie nach Casablanca gebracht. 2lber für viele war es zu spät, und unter ihnen ist auch der Oelsucher tfcn Mißhandlungen erlegen. — Nur fein kleines Notizbuch kündet von dem, was er körperlich und seelisch erlitten hat.
— Hans Franck: Totalitär aliter (Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, „Die kleine Bücherei". — (96) — Der schonen Geschichte von den zwei frommen Klosterbrüde Bt sind die Titel worte dieses Bändchens entnommen. „Totalster aliter", zu deutsch „ganz anders" — fei das Jen feits, als sie fich's im Leben ausgedacht, antwortet der Verstorbene dem überlebenden Freund, dem er einmal noch erscheinen darf „Ganz anders" sind die kostbaren, teils heiteren, teils ernsten Geschichten, die hier vereinigt find. Ganz anders geht jede von ihnen aus, als der Leser vorauszuahnen meint, ganz anders ist jede einzelne, als die anderen. Nur in einem gleichen sie sich, in der ersindungs- und kunstreichen Gestaltungskraft ihres Verfassers.
— H. Friedrich Blunck: „Spuk und Lügen". Glaubhafte und unglaubhafte Geschichten. Verlag Albert Sangen- Georg Müller, München, „Die kleine Bücherei". — (98) — In all diesen neuen Geschichten des niederdeutschen Dichters Hans Friedrich Blunck lebt die Wett der Geister, lebt und webt die „wohlbekannte Schar" von boshaften und luftigen Kobolden. Ihm begegnen diese heimlich-unheimlichen Gesellen nicht nur in Natur, Wald, Wasser und Erde, wo sie von jeher zu Hauie waren: er sieht sie auch in der modernen Welt, in der Eisenbahn, im Auto, im Flugzeug ihr Wesen treiben.--Köstliche Geschichten
sind es, teils unheimlicher, teils humorvoller Art, alle aber von elementarer Lebendigkeit.


