Donnerstag, 26. Januar 1933
183. Jahrgang
Nr. 22 Erstes Blatt
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Kreuzer „Köln" auf derAaßrt nach Madras.
Der Kreuzer ..Köln" hat am Mittwoch Alexandrien verlassen. Während der achttägigen Anwesenheit des Schiffes wurde der Kommandant, Frcgattmkap.tLn Schniewind. in Kairo vom König von Aegypten in Audienz empfangen. Dec Besuch des Schisses begegnete bei der Be- völlecung lebhaftem Interesse. ^Kreuzer „Köln" befindet sich zur Zeit aus der Fahrt nach Madras, wo das Schiff am 8. Februar eintreffen Wird.
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Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und^ür^enAn- zeigenteil i.D. Th. Kümmel sämtlich in (Siegen.
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Schlachtschiffe vor den Philippinen kreuzten, und daß mit ihrem Eingrefien zu rechnen fei. Prinz Heinrich von Preußen als Kommandeur der deutschen Flotte werde die Amerikaner im Zaum halten. Ebenso wie in Kuba war auch in den Philippinen unter Führung des philippinischen Patrioten Aguinaldo der Aufruhr gegen die spanische Herrschaft ausgebrochen. Die spanischen Generalkapitäne versuchten vergeblich, die Revolte in blutigen Kämpfen zu unterdrücken. Wenn nun die Rebellen durch die amerikanische Flotte unterstützt wurden, so muhte sich die Lage bedenklich zuspihen. Aber auch über den Ernst der Lage in Manila war sich die große R7asse der Spanier nicht klar, man meinte, die spanischen Kreuzer würden die amerikanischen Kriegsschiffe, die keine Truppen zu landen wagten, bald vertreiben.
Es war im volkstümlichene „Teatro de la Zar- zucla". Rach einer Posse wurde allabendlich unler dem Beifall der Zuschauer ein Spott- stück auf die Bereinigten Staaten auf- geführt. Ein täppischer Riese, der als Onkel Sam autstaffiect war, ein Sternenbanner schwang und prahlerische Reifen hielt, wurde von einem flinken Spanier im Torerohut am Bart gezupft. Er bekam nach jeder Rede eine Ohrfeige, wurde ausgelacht, versuchte sich vergeblich zu wehren, fiel schließlich der Sänge nach hin und schlug sich die Rase blutig. Das primitive Stück paßte gut zu den primitiven Zuschauern, die diese Bor- stellung ganz in der Ordnung fanden. Ilm so erstaunter war man. als plötzlich mitten in der Farce der Borhang herabgelassen wurde. Der Direktor erklärte von der Rampe, es seien schlechte Rachrichten eingetroffen und die Polizei habe die Fortsetzung des Stückes ver- bo en. Erstaunen, Empörung. Tlnruhe bemächtigte sich aller ... das Ahnen eines Trauerspieles lag in oer Lust. Auf der Straße verkündeten bereits Extrablätter, daß die spanischeFlotte vor Cavite geschlagen sei und daß Manila nicht mehr verteidigt werden könnte. Auch vom Kriegsschauplatz in Kuba waren böse Gerüchte im Umlauf, die Reste des spanischen Weltreiches brachen unter den Schlägen der Rordamerikaner zusammen.
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Die Schuldendebatte beginnt
Berlin. 26. Jan. (CRB.-Funlfpruch) Der grundsätzlichen Ankündigung in dem Kommunique vom 19. Januar über die Aussprache Hoover- Roosevelt sind rasch die Taten gefolgt: England und die übrigen nicht säumigen Schuldner Amerikas, d. h. alle mitAusnahme Frankreichs. Polens und Belgiens, sind in den letzten Tagen zu Berhandlungcn in der Zeit nach dem 4. März eingeladen worden. Die Antwort Englands liegt bereits vor. Entscheidend in ihr ist die Erklärung, daß bei den eng- lisch-amcr.konischen Besprechungen über Wirtschaftsfragen wohl ein Gedankenaustausch gepflogen, aber keinerlei Ent sch e i d u n g getroffen werden kann, ehe die W c l t - Wirtschaftskonferenz in Anwesenheit aller dazu eingeladenen Staaten zusammengetreten ist.
Wenn England in dieser Weise die Bedeutung der geplanten Weltwirtschaslslonserenz, zu deren Prä, iden.en gerade eben M a c d o n a l d bestimmt worden ist, nicht verkennen lassen will, so liegt darin mehr als nur eine Prestigefrage, es ist vor allem das Bestreben, die für England lebens"eichtigen Fragen wie Goldwährung. Rem rzugszölle u. dgl. nicht unter dem Druck rein finanzieller Erwägungen entscheiden zu müssen. Bei den englisch-amerikanischen Derhand- lungcn wäre eine Festlegung Englands aus vielleicht beträchtliche Zugeständnisse an Amerika zu erwarten, während die Ergebnisse einer vielseitigen Konferenz meist so verklausuliert sind, daß sie den Regierungen praktisch eine sehr große Handlungsfreiheit lassen.
Interessant und gleichfalls von dem Wunsch nach Erweiterung des Kreises der Derhandlungs- teilnehmer bestimmt ist die englische Anregung an Amerika, auch Frankreich im März heranzuziehen. Diese auf Grund des Lausanner Dertrauensabkommens gemachte Anregung dürfte freilich den sachlichen Gegensatz zwischen dem amerikanischen und französischen Standpunkt nicht überbrücken. Frankreich halt vorläufig an feiner These von der Berbindung zwischen Kriegsschulden und Reparationen fest und fühlt sich sehr sicher in dem Bewußt- -fein, dah eine endgültige Entscheidung ohne Frankreich nicht getroffen werden könne. Hoover fordert Rückkehr zur
Goldwährung.
Tie (*teqenkiftunfl der europäischen Lchuldncrstaat-n.
Washington, 25. Jan. (IDIB.) Präsident Hoover hat im Weihen Haus die Erklärung abgegeben, er betrachte eine allgemeine Rückkehr zum Goldstandard als einzige Rettung aus dem gegenwärtigen Prozeß der „Degeneration der Weltwirtschaft". Jn den letzten vier oder fünf Monaten habe sich die Tatsache, dah viele Staaten von der Goldwährung abgegangen seien, in Amerika durch erhöhte Einfuhr billiger Aus- landprodukte fühlbar gemocht. Dieses Dumping schädige die amerikanische Landwirtschaft und den amerikanischen Arbeiter so stark, dah Mah- nahmen dagegen getroffen werden mühten. Amerika könnte sich zwar durch erhöhte Zölle schützen, ober das wurde nur bedeuten, dah auch die vereinigten Staaten sich an der wahnsinnigen Jagd der letzten 18 Monate beteiligten, innerhalb deren Europa sich ständig mit höheren Zollmauern umgeben und mit-Kontingenten eingeschnurt habe. Die Jolge sei ein immer weiterer Rückgang des Absatzes und eine allmähliche Erdrosselung des Lebens im Dirtschaslskorper der Welt gewesen. Rur sofortige Rückkehr zur Goldwährung könne die Welt vom wirtschaftlichen Selbstmord retten.
Die europäischen Schuldner st aalen, erklärte der Präsident weiter, hätten zur Zeit Verhandlungen mit Amerika mit dem Gegenstand einer Revision der Kriegsschuldenfrage begonnen. Amerika verlange als Gegenleistung, dah eben diese Staaten durch Stabilisierung der Wellwährung zur Stabilisierung der Wirtschaft beitrügen. Wenn die europäischen Staaten diese Forderung erfüllten, so würden die Preise auf dem Weltmarkt alsbald st eigen. Sollten sie sich dagegen ablehnend verhalten, so würde ein Zollkrieg beginnen, der d i e g a n , e weit ruinieren mühte. Die Lage sei äugtr- ordentlich ernst. Er hoffe dringend, dah Eng a..o und die übrigen Länder mit entwerteter Wahrung sich dieser Lrcenntnis nicht verschiiehen.
polnisches Alpdrücken.
liegen einen Block der Großmächte.
Warschau, 25. Jan. (CNB.) Ein vom „Journal de Geneve" aus London gemeldeter angeblicher Plan zur Schaffung eines B i c r - M ä ch t e - Blockes, dem England, Deutschland, Frantreich und Italien angeboren sollen, wird von der Regierungspresse zum Anlaß genommen, um den Ge danken einer Hegemonie der Großmächte entschieden ab 3 u 1 e b n e n. Das Matt der polnischen Regie rung, „Gazclta Polska", schreibt in einem ßeitaufjau, der angebliche Versuch Großbritanniens, eine Oligarchie einiger großen Mächte zu schaffen, könne als Trugbild bezeichnet werden. Da.- Werkzeug, das die Versuche zur Schaffung dieser Herrschaft weniger verhindere, bestehe in der Gestalt
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Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! • Madrid, Januar 1933.
Bor nun fast 35 Jahren brach der Krieg zwischen den Bereinigten Staaten von Nordamerika und Spanien aus. Das amerikanische Kriegsschiff „Maine" war im Hafen von Havana d ur ch eine Explosion versenkt toorben, deren Entstehung niemals aufgeklärt wurde. Aber Washington machte die Madrider Regierung Dafür verantwortlich, alle Erklärungen und Berhand- lungen wurden zurückgewiesen und Nordamerika» Nische Rough-Rider landeten in Kuba, machten mit den Rebel.en gemeinsame Sache und griffen die spanischen Truppen an. Amerikanische Kriegsschiffe zwangen die schwachen spanischen Kreuzer, sich in den Hafen von Santiago zurückzuziehen. 3n Madrid herrschte Empörung, die Menge wogte über die Puerto del Sol und versuchte den Prunkpalast der Equitable an der Ealle Alcala zu stürmen, auf dem die nordamerikanische Fahne wehte. Eine Kriegser.läruna war noch nicht er- folj. die Königin Regenkin M a r i a , h r i st i n a hatte sich mit der dringenden Bitte nach Berlin, London und Wien gewandt, im Konflikt zu vermitteln, es war zu spät, am Abend traf die Kriegserklärung in Madrid ern, und nun wurde der Polizeischutz von der Ezu.tab.e zurückgezogen. Der Alcalde von Madrid, Agutlera, stellte sich an die Spitze der tobenden Menge, hielt eine Ansprache und holte die amerikanische Flagge vom Gebäude herunter, die zerrissen und mit Füßen getreten wurde. Die Kirchen wurden geöffnet und für den Sieg gebetet.
Zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten liegt der Atlantische Ozean deshalb füllten sich die Spanier auf ihrem Festlande auch nicht direkt durch die Schrecken des Krieges bedroht, der in den fernen Kolonien, m Kuba und Puerto Rico ausgcfochten werden muhte man unterschätzte die Macht Rordamerikas, man sprach vom Krämervolk jenseits des Meeres, das nur dank den spanischen Konquistadoren und Ent- deckern eine Eristenzberechtlgung erhalten habe, und das nicht bestehen würde, hatten nicht die Könige von Kastilien Amerika erst aus dem
Richts" hervorgcholt. „Esos ,Yanquees‘ son un pueblo atrevido e ingrato" (diese .TZanquees sind ein freches und undankbares Bolk) meinte der einfache Mann auf der Straße kopfschüttelnd, „nun, man wird es ihnen schon zeigen". Die Regierung allerdings war keineswegs opt-mistifch und die ihr nahestehende Presse gab sich in vorsichtigen Artikeln Mühe, das Bolk über den Ernst des Krieges aufzuklären. Aber wie das auch in anderen Ländern geschieht, wurden fast nur Siegesnachrichten veröffentlicht.
Da plötzlich hieß es, dah auch vor Manila amerikanische Kriegsschiffe aufgetaucht seien und den Hafen blockierten, beruhigend wurde hinzugefügt. dah deutsche unb englische
einer Verschmelzung und Unterwerfung unter die rassenfremden Eroberer. Es spielten vielmehr manche Fäden nach Tokio herüber, da man in Japan die rassenverwandte kulturelle asiatische Vormacht sieht, die einst auch über das Schicksal der Philippinen entscheiden wird. Die Handelskreise, die direkt von der amerikanischen Besetzung profitieren, sind über die ihnen geschenkte Unabhängigkeit weniger erfreut und dürften gegen sie Protest einlegen, der allerdings nur eine platonische Bedeutung haben würde, da Senat und Kongreß in Washington ihren Beschluß kaum einer Revision unterziehen werden.
Der Philippinenarchipel besteht aus etwa 7000 Inseln, von denen einige ein nur winziges Ausmaß haben. Die Bevölkerung beträgt 12,5 Millionen auf einer Fläche von rund 300 000 Quadratkilometern. Die Philippiner sind keine einheitliche Rasse, obwohl alle mehr oder weniger malayisches Blut aufweisen, oft stark mit chinesischem vermischt. Es gibt Inseln, deren Bewohner noch im primitiven Zustand dahinleben und nicht die geringste Absicht zeigen, sich nach amerikanischem Muster zivilisieren zu lassen. Die Städte, namentlich Manila, sind gepflegt. Großstädtischer Luxus wird in ihnen entfaltet und die eingeborene Oberschicht steht auf der Höhe der Kultur. Was in den zehn Jahren, die die Philippinen noch unter amerikanischer Verwaltung bleiben, geschehen wird, läßt sich schwer im voraus sagen, das hängt von der Entwicklung der Vorgänge im Fernen Osten ab. Japans Vorstoß auf Peking läßt, falls er durchgeführt wird, Kriegswolken im Fernen Osten sich zusammenballen. Werden die Vereinigten Staaten auch weiter zur Seite stehen und Zuschauer bleiben? Papierene Proteste haben ihren Wert verloren, Genfer Beschlüsse des Völkerbundes sind Zeugnisse der Ohnmacht. Es ist unwahrscheinlich, daß im Laufe dieser 10-Iahresfrist nicht gewaltsame Verschiebungen der Machtverhältnisse im Stillen Ozean ftattfinben. Die Philippinen sind bestimmt, dabei eine bedeutsame Rolle zu spielen. Man darf nicht übersehen, daß sie ein Ziel der japanischen Expan- stonspolitik und ein Brückenpfeiler auf dem japanischen Wege nach Süden sind.
WieGpam'en di'ephilippinen verlor Erinnerungen an Kriegslage in Madrid.
Don unserem v. Gss.-Berichterstatter.
Präsident Hoover hatte gegen die vom Kongreß I beschl fene Unabhängigkeitserklarung der Philippinen sein Beto eingelegt. Er befürchtete nicht mit Tlnrscht, daß die an Bodenschätzen so reiche Inselgruppe eine leichte Beute der japanischen Expansionspolitik werden könne und daß dadurch im Stillen Ozean schwerwie- gende Berwickluugen und 'Verschiebungen ftatt- finden müßten. Kongreß und Senat haben sich den Gründen des Präsidenten verschlossen und haben das Beto mit der erforderlichen 3/,-Mehr- heit überstimmt. Rach 10 Jahren müssen sich die Amerikaner aus dem Inselarchipel zuruck- ziehen und die Philippinen sich selbst über« lassen. Trotzdem der Freiheitswech,el demnach auf recht lange Sicht ausgestellt ist, so ist die Llnabhängigkeitsertlärung an sich doch eine so bedeutende politische Tatsache, daß durch sie allein die diplomatischen und Machtinteressen derMächte am Pazifik berührt und verschoben werden.
Als im Oktober 1930 ein Aufstand auf der Insel Formosa ausbrach, der von den Japanern nicht ohne Mühe unterdrückt wurde, sah man in dieser Revolte nicht nur eine inner- japanische Angelegenheit, sondern maß ihr eine weitere Bedeutung bei. Man nannte Formosa „den japanischen Brücken Pfeiler" zu d e n P h i l i p p i n e n. den ersten auf dem Wege nach Australien. Für Japan, das als Mandats- Herr auch die früheren deutschen Besitzungen in der Südfee — Marianen-, Karolinen-, Palau- und Marschallinfein — verwaltet, ist Formosa zweifelsohne ein wichtiger Stützpunkt für die eigene Geltung im Stillen Ozean, darüber hinaus aber ist die Brückenpfeilereigenschaft Formosas eine der Hoffnungen Japans für die Zukunft. Es gilt, den zweiten Brückenbogen von Formosa nach den Philippinen herüberzuschlagen, und von dort nach den Mandatsinseln, in denen Zapan festen Fuß gefaßt hat und die es, selbst wenn es den Völkerbund verlassen sollte, schwerlich wieder räumen wird, ist es nicht mehr weit.
Obwohl die Bereinigten Staaten in den Philippinen eine Flottenbasis besitzen, ist man in den leitenden Kreisen von Washington doch weit davon entfernt, in dem entgegenen Besitz einen archimedischen Punkt für eigene kriegerische Pläne im Fernen Osten zu sehen. Auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz im Jahre 1921 verzichtete die Union auf die Anlegung neuer Befestigungen auf den Philippinen und auf der Londoner Flottenkonferenz fanden Besprechungen zwischen den japanischen und nordamerikanischen Delegierten über eine Reutralisierung Der Inselgruppe statt, die aber keine greifbaren Resultate brachten. -Nordamerika wäre von einer großen Sorge befreit, wenn es Sicherheiten gegen eine Besitz- ergreifung Der Philippinen Durch Die Japaner erlangen könnte. Wenn kein bewaffneter Zusammenstoß, wie ihn Die Entwicklung Der Dinge im ManDschureikonslikt befürchten lassen, zwischen Den im Fernen Osten interessierten Mächten statt- finDet, so Dürfte Japan kaum darauf ausgehen, die Philippinen durch einen Handstreich zu besetzen, eine langsame Durchdringung und Kolonisation mit feiner überschüssigen Bevölkerung, eine friedliche I a p a n i s i e r u n g der Philippinen würde Tokio vorläufig genügen. Man würde in Den Philippinen ebenso einen Schattenstaat wie Mandschukuo entstehen lassen, über Den sich Das japanische Danner schützend ausbreitet.
Nach Dem unglücklichen Kriege mit Amerika mußte Spanien im Jahre 1898 Die Philippinen an die Vereinigten Staaten gegen eine Entschädigung von 83 Millionen Dollar abtreten. Der Führer Der Philippinischen Freiheitsbewegung. t>er lange Jahre gegen Den spanischen Generalgouoerneur gekämpft hatte. Aguinaldo, erklärte Die unabhängige Philippinische Republik, er wurde aber von Den amerikanischen LanDungstruppen besiegt und im Jahre 1901 gefangen genommen. Seitdem sind die Philippinen unumstrittener amerikanischer Kolonial- besitz. Washington hat nie recht gewußt, was es mit Den Inseln anfangen sollte. Seit nun schon 25 Jahren wurde mit mehr oder weniger Regelmäßigkeit von einem Test des Kongresses der Wunsch ausgesprochen, dieses ferngelegene Besitztum abzustoßen. In einer Reihe von Magazinen setzte der nicht unbekannte amerikanische Publizist Henry L o d g e auseinander, daß das Interesse der Vereinigten Staaten an den Philippinen nur ein negatives sei. Amerika könne den Besitz dieser großen und für die Machtverhältnisse im Pazifik wichtigen Inselgruppe keiner anderen Macht gönnen, die bereits durch starken Besitz im Stillen Ozean perfreten ist. Fielen sie in die Hände von Japan, so würde Tokio auf em geschlossenes Reich von Sachalin bis zum '2Iequator blicken können unb geriete in die unmittelbare Jfau^ darschaft mit England, mit den Niederlanden und mit den Vereinigten Staaten. Es bleibe nur eine Möglichkeit, man gebe die Philippinen den Deutsch e n als Kolonie, dadurch wären alle Gefahren beseitigt. Abgesehen davon, daß Berlin dieses Danaergeschenk kaum annehmen dürfte, ist der Vorschlag von Henry Lodge niemals ernstlich erwogen worden. . .
Um Das Kolonialoroblern Der Philippinen spielt schon feit Jahren ein Krieg im Dunklen. In Manila arbeitet Die philippinische U n a b h ä n g i g t e i t s - beroegung umgeben von einem Netz entgegengesetzter Drahtzieher, die zum Teil in den Vereinigten Staaten sitzen. Den amerikanischen Zucker-
F ö n i g e n sind die Philippinen ein Dorn im Auge. Mehr als X der philippinischen Ausfuhr entfällt auf Rohrzucker, Manilahanf und Tabakwaren. Im letzten Jahre wurden 750 000 Tonnen Zucker zollfrei aus Manila nach den Vereinigten Staaten eingeführt und Die Preisgestaltung sehr zum Schaden der in Kuba interessierten Großunternehmer und Konzerne dadurch gedrückt. Die westlichen Provinzen, namentlich Kalifornien, wehren sich vergeblich gegen die unbehinderte farbige Einwanderung der Philippiner, die ohne daß gegen sie die Emwandersperre angewandt werden könnte, sich in den Städten und auf dem Lande niederlassen und durch ihre Anspruchslosigkeit die Preise drücken. Die Gewerkschaften und die einflußreiche „American Federation of Labour“ verlangen dringend die Ausstoßung der Philippinen aus der Union, um die farbige Einwanderung zu stoppen. Das Bedürfnis der Rassenabsonderung ist stärker, als alle Gründe weltpolitischer Ueberlegungen.
Während ihrer mehr als 30jährigen Verwaltung der Philippinen haben die nordamerikanischen Gouverneure, zuerst General Wood, dann Stimson, der spätere Außenminister und der frühere Kriegssekretär Dwight Davis sehr viel für die kulturelle unb wirtschaftliche Entwicklung der Inseln aetan. Straßen unb Häfen würben gebaut, Eisenbahnen angelegt, Erböllager erschlossen unb ber Plantagenbau erweitert. Jn Manila werben alljährlich runb fünf Mil lionen Registertonnen exportiert unb importiert. Die meisten Elektrizitätswerke, Fabriken unb Verkehrswege verbauten ihr Entstehen amerikanischen Unternehmern, das Nachrichtenwesen ist von den Amc- rilanern organisiert. Trotz alledem behauptet die philippinische Intelligenz ihr Eigenleben, das kulturell auf spanische Ueberlieferungen zurückgreift. Die Umgangssprache Der gebildeten Filipinos ist nicht das Englische, sondern das Spanische. Die von Den Benediktinern gegründete spanische Universitär von San Thomas, Die als eine der besten im Fernen Osten gilt, ist spanisch geblieben, unb wenn bie Jugend der gebildeten Filipinos in den Amerikanern auch nicht den Feind sieht, so hütet sie sich Doch vor
Japans Brücke über den Pazifik.
Oie Zukunft der Philippinen nach der Erklärung ihrer Unabhängigkeit von LIGA
Don E. von llngern-Siernberg.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vn'ck vrid verloa: vrühl'sche Unlveifitäls-Vuch- und Steinöruderei R. tarne in Gieren. Zchriftleltung und Grschiftsyelle: 7.
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