Ausgabe 
25.8.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 198 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Zreitag, 25. August 1935

Eriche«»» lägltd), autze» Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Biebener Famllienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monat» Bezugspretr:

Mit 4Beilagen «RTL 195

Ohne Illustriert« . 1 80

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zernfprechanschlüste unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Sieben.

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmd und Verlag: vrühl'fche Untverstkäts-Vuch- nnö Stctnöruderci B. Lange in Stehen. Schnftleitnng und Seschästrftelle: Zchulftratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr.

Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil i.B.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Zur Saarkundgebung am Riederwalddenkmai.

Ommer näher rückt der Tag, an dem das Volk an der Saar berufen werden soll, über feine staatliche Zukunft zu bestimmen. Der ge­schlossene Wille des Volkes an der Saar, wieder vereinigt zu werden mit dem Deutschen Vater­land. liegt klar zu Tage. Mit zu den Ausgaben

am

27. August 1933

Saar Äund

Bund der Saatocrcmc.

des Bundes der Saarvereine gehört es, diesen festen deutschen Willen des Volkes an der Saar der Welt eindrucksvoll aufzuzeigen. Das war der Sinn der alljährlich veranstalteten gro­ßen Saarkundgebungen. 3n diesem Jahre soll anläßlich der 13. Tagung des Bundes der Saar­vereine vom Bieder walddenkmal aus der Bus erschallen: von dort, wo sich vom Saar- gebiet kommend, die Bähe mit dem Bhein ver­einigt, wo die Germania zum Andenken an eine einmütige Erhebung des Deutschen Volkes und an die Wiederausrichtung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 seit 50 Jahren in die gesegneten Lande schaut. Das Protektorat über die Saarkundgebung hat der Herr Reichspräsi­dent Generalfeldmarschall von Hinden­burg übernommen. Der großen Saarkund­gebung am Biederwalddenkmal am kommenden Sonntag um 17 Tlhr wird die Ansprache des Reichs- und Voltstanzlers Adolf Hitler eine ganz besondere Bedeutung geben. Seitens des Bundes der Saarvereine wird Staatsrat S i - rnon - Koblenz die Ansprache halten, ein Ver­treter des arbeitenden Volkes an der Saar wird das Treuebekenntnis der Saardeutschen ablegen. Das Programm umfaßt ferner rhetorische und musikalische Darbietungen und das Eintresfen einer Reihe von Läuserstafetten ans dem Saar­gebiet, welche Kundgebungen der verschiedensten Gebietsteile der Saar überbringen. Außer einem Drieftaubenaufflug ist am Schlüsse der Kund­gebung Auffahrt der Wassersportler auf dem Rhein und der Rahe, sowie Kundgebung der Flieger aus dem Saar- und Reichsgebiet vorgesehen. Aus dem Saargebiet sind bisher über 70 000, aus dem Reich etwa 7080 000 Teilnehmer gemeldet.

Die Ehrengäste beim Reichsparteitag.

Nürnberg, 24.Slug. (CNB. Funkspruch.) Wie wir erfahren, werden am Reichsparteitag der NSDAP, als Ehrengäste teilnehmen fast sämtliche Reichsmini st er, die nationalsozialistischen M i - nisterpräsidenten und die Mini st e r der Länder, als Vertreter des Reichspräsidenten Staatssekretär Meißner, von der Reichskanzlei Staatssekretär Lammers, Reichsbankpräsident Schacht, ferner die G a u l e i t e r d e r N S D A P., die übrigens vor den Ministern rangieren. Herzog Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha und Reichsarbeitsminister Seihte, her Führer des Stahlhelms, nehmen ebenfalls als Ehrengäste teil. Auch her Chef her Heeresleitung, General von Hammer st ein, ferner Reichswehrminister von Blomberg unh her Chef her Reichsmarine, Ad- miral Raeher, sinh gelabcn. Ferner hört man hie Namen hes früheren Obersten SA.-Führers Haupt­mann a. D. von Pfeffer, hes nationalsozialisti- then Leiters hes Berliner Staatlichen Schauspiel­hauses Hanns I o h ft, unh hes nationalsozialisti- khen Dichters Heinrich A n a ck e r. Eingelahen ist ferner her Aufsichtsratsvorsitzenhe hes WTB., Ver- aashirektor Br uckmann (München). Eine wesent­liche Gruppe her Ehrengäste besteht aus hen Ange­hörigen her gefallenen SA.-Leute, hie sämtlich em- geloben worben finb, so werben u. a. erscheinen b t e Mutter Horst Wessels d.e Angehörigen hes Berliner Sturmführers TI a i f o ro f F i "nb du-An­gehörigen Werner Doelles, her als erster Ber­liner SA.-Mann am 9. August 1925 in Berlin fiel. Die britte Gruppe her Ehrengäste bilhen b i e alt e - ft e n Mitglieber her NSDAP., hie größten­teils Mitgliebsnummern unter 100 haben.

Ser Film vom Neichsparteiiag.

«Berlin, 24. Aug. (TU.) Tie Reichspropa­gandaleitung der NSDAP, Hauptabteilung 4 (Film) teilt mit:

Bom Reichspartettag .der NSDAP-, in Nürnberg wird auf Weisung der Reichslet-

Oie Kirche -er altpreußischen Union protestiert gegen -ieAnnullierung-esMemelabkommens durch Litauen

Berlin, 24. Aug. (TU.) Der litauische Gesandte Dr. Saulys erschien am Donnerstag im Ober- kircheurat her evangelischen Kirche her altpreu- zischen Union, um eine an dessen Präsidenten gerich­tete Bote zu überreichen. 3n dieser Bote wird mit- gcteilt, daß bie litauische Regierung be- d) I o f f e n habe, bas mit dem evangelischen Ober­kirchenrat am 31. Juli 1925 unterzeichnete A b - kommen belresfenb bie evangelische Kirche des rNemelgebiels als am 24. August 1933 außer Krast gefetzt zu betrachten.

Unter anderen Gründen, bie zu dem erwähnten Beschluß geführt haben", so wird in her Bote aus- gesührt,würbe auch der Umstand in Betracht ge­zogen. bah durch bie Verfassung bet deutschen evangelischen Kirche vom 11. Juli 1933 sowie durch bie her Annahme bieser Verfassung vorhergegangenen Regierungsmaßnah­men bie Rechtslage der evangelischen Kirche her alt-preußischen Union mit her bas oben erwähnte Abkommen vom 31. Juli 1925 abgeschlossen worben war, wesentlich ab- geändert worben ist."

Der Vertreter des abwesenden Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrats protestierte gegen diese Annullierung des Abkom­mens. da er die einseitige Lösung hes einen Vertragspartners von den unbefristet über­nommenen vsrtragspflichten nicht anerken­nen könne, zumal bie Begründung des Beschlusses von völlig irrigen Voraussetzungen ausgehe. Zugleich behalte sich her Oberkirchenrat alle zur Wahrung seiner Rechte erforderlichen Schritte vor.

Zu her Kündigung des memellänbtfthen Kirchen-Ab­kommens schreibt bieKreuzzeitung' u. a.: Es be­lebt überhaupt keine rechtliche Hieran- ajfung für bie litauische Regierung, bas Ab­kommen zu fünbigen, ba irgenbwelche Aenberungen seiner ©runblage nicht eingetreten finb. Das er­wähnte Abkommen ist mit her Altpreußischen Union geschlossen worden. Durch diesen Vertrag vom 31. Juli 1925 wurde den Kirchengemeinben bes Memelgebietes bie Stellung eines rechts­fähigen Synobalverbanbs gegeben, besten Konsistorium im engen Einvernehmen mit her ost- preußischen Prooinzialkirche arbeiten soll.

Veränberungen kirchenpolitischer Art finb in Deutschlanb nur im Kirchenbunb erfolgt. Die Verfassung her neuen Deutschen Evangelischen Kirche hat bie Lage her einzelnen Lan- beskirchen in Feiner Weise veran her t. Die neue Kirche wird burch einen Vunb her V e- tenntniffe bargestellt unb ist in Feiner Weise

eine einheitlicheReichskirche". Innerhalb her All- preußischen Union, bie als Vertragspartnerin für Litauen in Frage Fommt, ist lediglich bas A rn t bes Lanbesbischofs eingeführt worben. Nach geltendem Völkerrecht wirb dadurch eine Ver­änderung des RechtscharaFters nicht bewirFt. Das KirchenabFommen über das Memelgebiet bleibt deshalb nach roie vor in ©ültigFeit unb Fann nur bann abgelöst werben, wenn her Vertrag abläuft.

Der wirtliche Sinn des litauischen Vorgehens wirb ganz beutlich, wenn man sich baran erinnert, daß auch bie memellänbische Gerichts­verfassung angegriffen würbe. Auf Firchlichem Gebiete ist durch hie Absetzung hes allgemein abge­lehnten Chauvinisten Gaigalat eine Situation geschaffen worben, bie von manchen als günstig an­gesehen würbe, in Wirklichkeit aber nurberVor- roanh einer planmäßigen AFtion war: bie Regierung in Somno erstrebt bie Bilhung einer einheitlichen evangelischen Kirche, bei her bie 130000 uniierten Deutschen

bes Tlemellanhes her litauischen Führung u n t e r ft e (11 werben sollen. Damit würben sich bie weiteren Konsequenzen von selbst ergeben: Verschwinben bes Tiemeier Konsisto- riums, Verbannung her beutschen Amtssprache unb Unterbin bung bes geiftigen Austausches mit Deutsch» l a n b, insbesonbere auch Ausbilbung her Theo­logen in Somno. Schon früher mürben ähnliche Pläne gehegt, aber nach her Entfernung bes chau» viniftifchen Führers her litauischen evangelischen Kirche konnte man vor einigen Jahren auf eine Verbesserung her Lage hoffen. Daß her alte Kurs jetzt roieber ganz bie Oberhanb gemonnen hat, zeigt bie erste praktische Folgerung, bie aus her einseitigen Zerreißung bes Abkommens gezogen roorben ist, nämlich bas Ausreiseverbot, bas über Tlitgliebcr her Memellänbi - f d) c n Synobe verhängt roorben ist unh bas ganz an bie Umftänbe erinnert, bie bem Konflikt mit bem TlemelbireFtorium im vorigen Jahre vor- ausgingen.

Heue Ausgaben für deu Arzt im öffeullicheu Dienst.

Oie Ausbildung an den Staatsmedizinischen Akademien in Berlin und München.

Berlin, 24. Aug. (TU.) Die Umbildung her früheren sozialhygienischen Akademien ist nunmehr vollendet. Die in Berlin-Charlottenburg eingerichtete Staatsmedizinische AFabe - m i e untersteht her Sachbearbeitung burch Herrn Ministerialrat Dr. Conti vom Preußischen Mini» fterium hes Innern, in München liegt bie Lei­tung bei TlinifterialbireFtor Dr. Schultze, Staats- kommistar für bas GesunhHeitsroesen in Bayern.

Die Berliner Staatsmehizinische AFahemie bient als anerFannte Ausbilhungsstätte f ü r Kreis-, Kommunal-, Schul- unb Für» sorgeärzte auch her Fortbilbung auf allen Ge­bieten her Mehizin, bie mit her Erfüllung öffentlicher Aufgaben zusammenhängt.

Bisher stanb auch für hen Arzt unb hen Mebtzin- beamten her einzelne Staatsbürger im Mittelpunkt bes Blickfelbes, sein materielles Wohl­ergehen sollte erreicht werben. Daraus entwickelte sich her Kampf aller gegen alle, mit Not unh Elenb für bie Massen bes Volkes. Nur bie weltanschau­liche Rückkehr zu ben Grundlagen bes Staates, z u Blut unb Boben gewährleistet eine Heraus­führung aus bem Elenb unb eine Rettung her Zu­kunft. Damit eröffnen sich oollftänbig neue Aufgaben für bie gesamte Aerzteschaft, bie sich stärker als bisher nicht als freier Beruf, sondern als ein Beruf fühlen soll, her im Dienfte her Volksgesundheit öffentliche Anfga - ben zu erfüllen hat. Ganz besonders trifft dies

für die im öffentlichen Dienst stehenden Aerzte zu. Diese müssen bie neuen Gebauten unb Begriffe von Volk unb Nation im Sinne her natürlichen Gemeins cha ft rassisch und seelisch oer- roanbter Menschen aus her Tiefe unbewuß­ter Empfinbung emporheben zum Grunbsatz praF» tisch-politischen Hanbelns Denn nur ein gesunbheit- lid) hochwertiges DolF ist bie Voraussetzung für einen gefestigten, von gleichem Willen, gleichem Dlutschlag burchpulsten Staat.

Es ergeben sich also auch neue Formen der Ausbildung und Schulung. Unten diesen Gesichtspunkten hat auch Ministerialrat Dr. Conti die neu gegründete, aus der bisherigen so­zialhygienischen Akademie umgestaltete Staats- medizinische Akademie in Berlin-Char­lottenburg eingerichtet. Da der Nachweis über den regelmäßigen Besuch dieser Hochschule nach den gesetzlichen Bestimmungen b e i der Mel­dung zur Kreisarzt Prüfung mit einzu­reichen ist, und da auch für den Kommunal- und Fürsorgedienst möglichst nur solche Bewer­ber berücksichtigt werden sollen, die sich an der Staatsmedizinischen Akademie die nötigen Vorkenntnisse ungeeignet haben, ist bie Gewähr ge­boten. daß in Zukunft nur solche Bewerber als Staats- und Kommunalärzte zugelassen werden, bie mit ben Erforbernissen her nationalsozialisti­schen Gejunbheitsführung genauestens vertraut sind.

tung von der Reichspropagandaleitung Haupt­abteilung 4 (Film) ein Film hergestellt, dessen künstlerische Leitung auf be­sonderen Wunsch des Führers Fräulein Leni Ricfenstahl übernimmt und dessen Oberaufsicht in Händen des Leiters der Hauptabteilung 4 (Film) Pg- Arnold R a e- ther liegt. Die technische Orgarnsatronsiet- tuiig hat Pg. Eberhard Fangauf. Frl. Lem Riefenstahl begibt sich nach eingehender Bespre­chung mit Pg. Raether anfangs kommender Woche nach Nürnberg, um dort die Vorberei­tungen zu diesem Film zu trefen. Der Film wird durch die Rcichspropagandaleitung Hauptabteilung 4 (Film) bzw. bie Landes­filmstellen der NSDAP, verliehen.

Oer Prager Zionistenkongreß.

Für Auswanderung der deutschen Juden.

Trag, 24. Aug. (CNB.) In der Plenarsitzung des Zionistenkongrestes erstattete her Vorsitzende her Exekutive, Rahum Sokolosf. bas Referat über bie gegenwärtige Lage bes Jubentums in her Welt. Währenb bas russische Judentum, einst fiihrenb in her jübischen Gemeinschaft, auf einen toten Punkt gesunken sei unb sich eine große Anzahl von Zionisten in Tobesangst in ben Gefängnissen des fernsten Sibiriens befinbe, hatten sich bie Verhalt niste in Polen in politischer Hinsicht relattv günstig entwickelt, wenn sie auch oft burch Agitation ge­stört mürben. Anberseits übersteige bie Verarmung her polnischen Juben alles, mas man als 3ubennot bezeichne. Die Ereignisse in Deutschlanb hatten einen wichtigen Teil her Gemeinschaft bes Juben- tums in eine beinahe aussichtslose -Situation ge­bracht. Nicht bie beutschen Juben, fonbern bas ganze Mische Volk sei angegriffen wenn man von her Minberwertigkeit jübischer Rasse unb Mischer Ehre spreche. Vielleicht werbe notig fein, er arte SoFoloff, baß ein erheblicher Teil her deutschen Juden mit Hilfe der Regierung unb bes Völker­bundes in geordneter Auswanderung nach anderen Ländern, vorzugsroeife nach Tal ä ft in a geht. Ein solcher legaler offener Exo­dus wäre einer langsamen Proletarisierung vorzu- ziehen. Die jetzige Lage heische gebieterisch ben Zu­sammenschluß bes Mischen DolFe^

Der Soziologe der zionistischen Organisation Dr Ruppin sprach über die AnsiedIung deutscher Juden in Palästina. Für

über 200 000 Juden in Deutschland gebe es keine Möglichkeit, in anderen Berufen unterzukommen. Cs gebe keinen anderen Ausweg als eine organi­sierte Auswanderung, die im Laufe von fünf bis zehn Jahren die 200 000 Juden, die in Deutsch­landüberzählig"" geworden sind, in andere Länder bringe. Es scheine notwendig, daß auch die Auswanderung in andere Länder a l s nachPalästina ermöglicht werden müsse. Ab­gesehen von den Vereinigten Staaten, in denen man eine Milderung der Einwande- rungsbestimmuirgen erhoffe, müßten auch die im Völkerbund vereinigten europäischen und überseeischen Staaten eine begrenzte An­zahl von deutschen Juden aufnehmen.

Der Zionistenkongreß nahm di« von der Resolu- tionskommission ausgearbeitete Entschließung über bie Stellung her Juben in Deutschlanb mit überroältigenber Mehrheit an. Unabhängig von dieser gemeinsamen Resolution des Kongres­ses schlugen die Revision! st en und die de- inokratischen Revisionisten eigene Re­solutionen vor, die jedoch abgelehnt wurden. Die Resolution der Revisionisten wendet sich an Großbritannien als Mandatarmacht über Palästina, ferner an den Völkerbund und an die öffentlich« Meinung der gesamten zivili­sierten Welt und sordert zur Ermöglichung der von ihr gestellten Ausgaben für die Einwande­rung nach Palästina die Gewährung einer an­gemessenen internationalen Anleihe an die Jewish Agency. Die beiden ab gelehnten Re­solutionen der Minderheit enthielten auch eine Voykottklausel.

MrxiflisHeMderlageinLettland Tas lettische Parlament gegen die Bekämp­fung des Lettischen Nationalsozialismus.

Riga, 24. Aua. (TU.) Das lettlänhische Parla­ment lehnte alle Anträge her lettischen Sozialdemo­kraten ab, bie von her Regierung eine scharfe Be­kämpfung bes lettischen Nationalsozialismus ver­langten. Die abgelehnten Anträge verlangten:

1. Die Regierung solle bas Bestehen unb bie Tätigkeit her nationalsozialistischen Organisationen nicht zulassen.

2. Die Regierung solle binnen zwei Wochen alle Staatsbeamten, Militärpersonen, Polizisten unb Angehörige her Schutzroehr, bie Mitglieder faschisti­

scher Organisationen sind, aus dem Dien ft ent­lassen.

3. Die Regierung solle binnen 14 Tagen sämt­lichen nationalsozialistischen in Lett­land lebenden Reichsdeutschen bie be- hörbliche Arbeitserlaubnis entziehen unb sie aus Lettland ausroeifen.

Für die abgelehnten Anträge stimmten außer ben Marxisten unb mehreren linksburgerlichen lettischen Abgeorbneten auch sämtliche jübischen Abgeorbneten. Durch bie Ablehnung sämtlicher Anträge her Sozial- bemotraten haben biese eine empfinbliche Schlappe in ihrem mit großem Aufwanb betriebenen Kampf gegen ben lettischen Nationalsozialismus erlitten. Bemerkenswert ist, baß Vertreter zahlreicher bür­gerlicher Parteien sich für eine Aenderung her Verfassung aussprachen.

Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit.

Berlin, 25. Aug. (WTB. Funkspruch.) Auf ©runb bes § 2 des Gesetzes über ben Wiberruf von Einbürgerungen unb bie Aberkennung her deut­schen Staatsangehörigkeit vom 14. Juli 1933 hat der Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit bem Reichsminister bes Auswärtigen burch eine im Reichsanzeiger veröffentlichte Bekanntistachung vom 23. August 1933 zunächst folgendeimAus- lanb befindliche Reichsangehörigen herdeutschen Staatsangehörigkeit für oerluftig erklärt, weil sie durch ein Verhal­ten, das gegen die Pflicht zur Treue gegen Volk unb Reich verstößt, bie deutschen Belange ge­schädigt haben: Dr. Alfred Apfel, Georg Bernhard, Dr. Rudolf Breitscheidt, Eugen Eppstein, Alfred Falk, Lion Feuchtwan - g e r , Dr. Friedrich Wilhelm F o e r st e r, Helmut von Gerlach, Elfriede Gohlke genannt Ruth Fischer, Kurt Großmann, Albert Grze - sinski, Emil Gumbel, Wilhelm Hansmann, Friedrich Heckert, Max Hölz, Dr. Alfred S e r r, Otto Lehmann-Rußbüldt, Heinrich Mann, Theodor Mastowski, Wilhelm Münzenberg, Heinz-Werner Neumann, Wilhelm P i e ck, Berthold Salomon genannt Jacob, Philipp Scheibemann, Leopolb Schwarzschilb, Max Sievers, Friebrich Stampfer, Ernst Toller Dr. Kurt Tucholsky, Bernhard Weiß, Robert Weißmann, Otto Wels, Dr.