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25.3.1933 Erstes Blatt
 
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Samstag, 2-».März M3

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhessen)

Nr. 72 Zweites Blatt

Mussolini und die Opposiiion.

Don unserem Dr. «.»Berichterstatter.

Rachdruck, auch mit Quelleruingabe, verboten! Meran, im März 1933.

Die faschistische Revolution mit dem M arsch auf Rom als beendet, den revolutionären Geist des Faschismus als erschöpst anzusehen, ist der verhängnisvolle Irrtum der Gegner der saschisti- fchen Bewegung gewesen. Da der König Mussolini nach dem siegreichen Marsch auf Rom am 28. Ok­tober 1924 mit der Bildung des Kabi­netts beauftragte, bedeutete dieses Man­dat eine nachträgliche Sanktion deS fa­schistisch revolutionären Angriffs durch die Krone, von feiten Mussolinis den Verzicht auf eine weitere gewaltsame Durchführung der faschistischen Revolution; ein Abbiegen von der Straste in das Parlament. Der geistig revo­lutionierende Gehalt des Faschismus behielt seine volle Stohkrast.

Run ergab sich das. Paradoxon, daß der sieg­reiche Revolutionär Mussolini, der mit seiner fa­schistischen Organisation, seinem faschistischen Frei- willigcnheer, der Miliz, die Macht im Staate facto in der Hand hielt, als Führer der faschisti­schen Partei mit seinen 37 faschistischen Abgeordne­ten in einem Parlament von 557 Abgeordneten i n erdrückender Minderheit blieb und der Ministerpräsident Mussolini, loyal an das könig­liche Mandat gebunden, durch die Opposition ge- hindert wurde, auf legalem Wege die faschistische Revolution auszubauen. Das Problem der so unvollendeten" faschistischen Revolution be- herrschte die innerpolitische Lage Italiens in den zwei folgenden Iahren. Dieses Problem zu lösen, erforderte andere Qualitäten, als die Organisa­tion einer Massenbewegung. Mit dieser Aufgabe wuchs Mussolini zum Staatsmann ganz grosten Formats.

Bei dieser Lage mustte Mussolini zwangsläufig zur Diktatur als Uebergangsstadium und zur Aenderung des Wahlrechts kommen, das ihm eine faschistische Kammermehrheit bringen sollte. Das Wah'^^l bestimmte, dast die Par­tei die die rclal v? M hrheit und zugleich min­destens 25 Prozent al.er abgegebenen Stimmen erre'chte zwei Drittel (356) aller Sitze im Parla­ment erhalten alle übrigen Parteien sich nach dem Verhältnis in die verbleibenden 179 Sitze k en sollten. Dast das Parlament eine der­artige Wah'rechtsänderung genehmigen konnte, die. wenn die Voraussetzungen eintraten, die Opposition lahmlegen muhte, erklärt sich nur aus dem völligen Unvermögen der oppositionellen Parteien die geistige Mächtigkeit des Fasch smus zu erfassen; die Kurzsichtigkeit solcher, bie, nur die Peripherie des äußeren Geschehens über­sehen. nicht in das treibende, geistige Zentrum schauen. Das Ergebnis der Wahlen war e i n Plebiszitfürden Faschismus Die Liste der Regierung erhielt 4 5, die Listen aller oppo- sitionel en Partien zusammen nur 2 5 Millionen Stimmen erreichte damit nicht nur die von der Vorlage geforderten 25 Prozent, sondern 68 Pro­zent al'er Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von über 70 Prozent, die keine Wahl bisher in Stil en erreicht hatte.

Bei der Vorbereitung dieser entscheidenden Wahlen zeigte Mussolini seine staatsmännische Ueberlegeuheit über einen Rur-Parteiführer. Wie er schon bei der Bildung seines ersten Mini­steriums das nationale Moment durch die Berufung des Marschalls Diaz zum Kriegsmini- ster, des Admirals Thaon de Revel zum Marine­minister betonte, den Fascio von der siegreichen Tricolore übcrwehen liest, so nahm er auch bei den Wahlen das Rationale als Wahlparole an, legte nicht eine faschistische Liste, sondern eine nationale Liste ass Reqierungsliste auf, und sicherte sich so auch S immen aus nicht rein faschistischen Kreisen, die sich aber mit ihm durch das Rationale verbündet fühlten, meist Rechtsliberalen und die Mitglieder des grosten Verbandes der Frontsoldaten die Abgeordneten halten an der Privilegierung der siegreichen Liste Anteil und bildeten im neüen Parlament als Fa­schistenfreunde einen Flankenschuh für die Regie­rung.

Rach den Wahlen konnte Mussolini mit Recht sagen, dast das Land in überwiegender Mehrheit hinter ihm stand, er verfügte im Parlament über eine stabile Mehrheit. Trotzdem war Mussolini bereit, mit einem Koalitionsmini­sterium zu regieren und eine sachliche Op­position anzuerkennen. Auch dieser Stand« )untt zeigt den Staatsmann: die weitaus grö- ;ere Mehrheit der Faschisten waren junge Bur- chen, die den Mut gehabt hatten, für die faschi- tische Bewegung ihr Leben einzusehcn, denen aber Erfahrungen, wohl auch vielfach die Quali­täten fehlten, den eroberten Staat zu regieren. Mussolini stellte das Etaatswohl über die Par­teirücksichten und berief durch Sachkennt­nisse und Erfahrungen bewährte Männer, auch aus den liberalen Parteien der verschiedenen Schattierungen, und aus der Volks- Partei, dem italienischen Zentrum, auf die ver­antwortungsvollsten Posten. Männer, die bereit waren, mit dem Faschisten Mussolini zusam­menzuarbeiten, verbunden mit ihm durch persönliches Vertrauen. Sie blieben aber ihrer Parteileitung unterstellt. Das doktrinäre Sich- Dersteifen auf Parteigrundsähe, ein eigensinniges Richtgeltenlassen-Wollen der Tatsache der fa­schistischen Revolution, gab der Parteileitung immer wieder einen Vorwand, die Mitarbeiter Mussolinis zurückzurufen. So trat eine chronische M i .isterkrisis ein, und ein ersprießliches Zusammenarbeiten Mussolinis mit den anderen Parteien wurde sabotiert.

Dieser unhallbare Zustand kulminierte mit der Ermordung des Iozialisti>chen Abgeordneten Matte- o 11 i durch faschistische Desperados, im Juni 1924. Mussolini für dieses Verbrechen irgendeine Mitver- antwortung zuzuschieben, ist eine böswillige Kampf­parole der Opposition, die das Verbrechen benützte, um dem faschistischen Regime den offenen Krieg zu erklären. Die oppositionellen Abgeordneten verlie­ßen das Parlament, bildeten die intransigente Aventin-Opposition mit der Absicht, das Parlament arbeitsunfähig zu machen, die Krone zu zwingen, aus ihrer Reserve herauszutreten, Musso­lini das Mandat zu entziehen und Neuwahlen aus- zuschreiben, die bei der allgemeinen Erregungüber die Ermordung Matteottis eine antifaschistische Mehr­heit bringen sollten. Im Rumpfparlament verwei­gerten die faschistenfreundlichen Abgeordneten der Regierung die weitere Gefolgschaft in der Form der Opposition der drei Expräsidenten Giolitti, Salandra, Orlando. Es ist keine Frage, daß, falls damals die Taktik der Opposition zum Sturze Mussolinis ge­führt hätte, ein blutiger Bürgerkrieg ausgebrochen wäre, der zu einer extremen Links­regierung mit den Sozialisten geführt und die Krone als Schicksalsgenosjin des Faschismus weggespült hätte. Ein so geschwächtes, innerlich zerrissenes Italien wäre dem Bolschewismus ausgeliefert ge­wesen.

In dieser höchst gefahrvollen Stunde, in der die Führer der alten Parteien völlig versagten, zeigte Mussolini allein den klaren Blick des Staatsman­nes. Er erkannte, daß nicht der Faschismus, sondern der Staat selb st in Gefahr war. Er er­kannte auch, daß man eine Revolution nicht wieder­holen kann, womit die Extremisten seiner Partei drohten, und fand den Mut, persönlich die volle Ver­antwortung zu übernehmen. Mit der Ernen­nung F a r i n a c c i's , des Führers der intransi­genten Richtung im Faschismus, die gegen jede Koalition mit anderen Parteien war, schloß er seine Rechen, und kündigte im Parlament die faschi stische Gesetzgebung an, mit der die faschi­stische Revolution auf legalem Weg mit einer nun­mehr rein faschistischen Mehrheit durchgeführt, der faschistische Staat ausgebaut wurde.

Man muß diese Zusammenhänge im Auge be­halten, um die strenge Architektur des faschistischen Staates zu verstehen: seine Einseitigkeit, seine Schärfe, sind Folgeerscheinungen der intransigenten, grundsätzlichen Opposition der anderen Parteien. Viele richtunggebende Einzelheiten des Bauplanes sanden die Zustimmung aus den Kreisen der Rechts­liberalen und des'Zentrums. Nach dem völligen Ver­sagen aller Regierungen von Nitti, Giolitti bis zu

Auf Veranlassung des Reichsministers des Innern ist anfangs März im ganzen Reichsbahngebiet der Deutsche Reichsbohnschutz zur Abwehr etwaiaer Terror- und Sabotageakte eingesetzt worden. Der Reichsbahnschutz besteht aus zuverlässigen, nationalgesinnten Bediensteten, die sich freiwillig bereit erklärt haben da^ Bahngebiet im Falle der Gefahr mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Unser Bild zeigt eine Streckenkontrolle durch Beamte des Bahnschutzes.

Facta, bei der Lähmung der Staatsmaschlne durch parteipolitischen Hader, waren alle Einsichtsvollen darüber einig, daß die staatsrechtliche Stellung des Ministerpräsidenten erweitert werden müsse, daß es notwendig geworden sei, das zu einem par­teipolitischen Instrument degenerierte Parlament wieder auf die Basis eines politischen Kontroll-Instituts zu stellen, die Exekutive vom Parlament auf die Regierung zu verlegen, und daß dies nur durch eine Aenderung der Ver­sa s s u n a erreicht werden könnte.

Aber Giolitti, als Wortführer der liberalen Opposition, setzte diesen Notwendigkeiten, denen er selbst zustimmte, das grundsätzliche Veto entgegen, Die Konstitution darf nicht angetastet werden. Der korporativ-syndikale Gedanke, der den wirtschaftlichen Ausbau des faschistischen Staates trägt, hatte in allen Parteien Anhänger, besonders bei den Sozialisten und im Zentrum. Aber die Führer der sozialistischen Partei waren nicht gewillt, die politische Beeinflussung der Gewerkschaften aus­zugeben und lehnten deshalb die Form des vom Staat kontrollierten Einheitssyndikats ab. Das Ein­stehen für die christliche Familie, die ckristliche Schule, aus der die liberale Regierung den Religionsunter­richt entfernt hatte, hätte eine tragbare Brücke zum italienischen Zentrum sein müssen. Aber all dieses sachlich Verbindende trennte die Verbissenheit einer grundsätzlich intransigenten Opposition. Nie hätte Mussolini daran gedacht, die alten, auf dem Boden des Staates stehenden Parteien aufzulösen, wenn deren Opposition sich nicht zu einer grundsätzlich antifaschistischen versteift hätte.

Man macht dem faschistisch-nationalen Staat den Vorwurf eines Partei st aates. Dieser Einwand ist nur mit einer gewissen Einschränkung berechtigt: das parteibildende Moment im Faschismus ist mit der Durchführung der faschistischen Revolution, mit der Auskristallisätion zum faschistischen Staat er­schöpst. Es wird auch die Zeit kommen, da die Ueber- bleibsel aus dieser Periode des Werdens, die Partei­hierarchie verschwindet, wie schon die einstige faschi­stische Miliz ein integrierender Bestandteil der Wehr­macht geworden ist, die faschistische Spitzenorgani­sation, der Große faschistische Rat, in die Konstitution einbezogen wurde und in seiner neuen Zusammen­setzung zu einem Staatsrat geworden ist.

Mussolini hat vor Iahren ausgesprochen:Der Faschismus ist nicht Endziel, sondern nur Mittel zum Ziel. Und es ist sehr wahrscheinlich, daß sich auch ein anderes Wort Mussolinis realisieren wird: Faschi st isch gleich Italienisch. Dann wird Italien eine moralische und politische Einheit bilden, die man nicht mehr als Parteistaat, sondern als Volksstaat aussprechen muß: die Synthese des geistigen revolutionierenden Gehaltes des Fa- schismus und der genialen realpolitischen Form­gebung durch den Staatsmann Benito Mussolini.

Abiturientenlager des freiwilligen Werkhalbjahres im Bezirk Hessen.

Es zeigt sich, daß das Interesse für bas frei- willige Werkhalbjahr für Abiturienten und Abi­turientinnen im Bereich bes Lanbesarbeitsamts Hessen (Freistaat Hessen und Hessen-Rassau) sehr groß ist. Auf zahlreiche Anfragen, welche ge­schlossenen Lager von Abiturienten im freiwilli­gen Wcrlhalbjahr beschickt werben können, geben wir nachstehend bie für unsere engere Heimat in Betracht kornrnenben Lager an, bie je, aller­dings nur bis zu einem Drittel, Abiturienten aufnehmen dürfen: Verein zur Förderung des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Hessen: Gedern, Schotten, Bobenhausen, Oberlais, Glashütten, Wöllstein, Herrnhaag, Thiergarten; für Abiturientinnen: Schotten, Als- feld, Büdingen, Friedberg. Stahlhelm: Ha­chenburg, Westernohe, Frücht, Weilmünster, An­gersbach, Gonterskirchen, Birstein. 3 u n g b e u t* scher Orben: Spangenberg, Lich, Saasen, Wallau.

Spielplan ver frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag. 26. März, Anfang 15 Uhr: Undine; Anfang 19.30 Uhr: Die Csardas- fürstin. Montag, 27. März: Geschlossen. Diens­tag, 28. März, Anfang 20 Uhr: Tiefland. Mitt­woch, 29. März, Anfang 20 Uhr: Der Barbier von Sevilla. Donnerstag, 30. März, Anfang 19.30 Uhr: Die Zauberflöte. Freitag, 31. Marz, Anfang 19.30 Uhr: Die Csardasfürstin. Sams­tag, 1. April, Anfang 18 Uhr: Götterdämmerung. Sonntag, 2. April. Anfang 19 .Uhr: Tannhäuser. Montag. 3. April, geschlossen.

Schauspielhaus. Sonntag, 26. März, Anfang 16 Uhr: Moral; Anfang 20 Uhr: Eva hat keinen Papa. Montag, den 27. März, An­fang 20 Uhr: Arnphitryon. Dienstag, den 28. Marz, Anfang 20 Uhr: Die vier Musketiere. Mittwoch, 29. März, Anfang 20 Uhr: Eva hat keinen Papa. Donnerstag, 30. März, Anfang 20 Uhr: Die vier Musketiere. Freitag, 31. März, Anfang 20 Uhr: Eva hat keinen Papa. Sams­tag, 1. April, Anfang 20 Uhr: Kollege Cramp­ton. Sonntag, 2. April, Anfang 16 Uhr: Die endlose Straße; Anfang 20 Uhr: Die vier Mus­ketiere. Montag, 3. April, Anfang 20 Uhr: Zum ersten Male: Der alte Textor.

Daten für Sams'aq, 25. März.

1801: der Dichter Rovalis (Hardenberg) in Weißenfels gestorben; 1860: der Politiker Friedrich Raumann in Störmthal bei Leipzig ge­boren.

Kieme Stadt tn HoUand.

Von Alfred Wiegend'Ück

Die mittelalterliche, dunkelbraun und matt gewor­dene Standuhr in der kleinen Halle fang mit zarten Stimmen ihr erstes Morgenlied. Wie ein Hauch wehte dieses Lied durch die Gänge, durch die Türen, hing noch ein Weilchen in irgendeiner Hausecke und verwehte dann wie ein silberner, aus einer anderen Zeit heraufgezauberter Traum. Solche Uhren und solch feine Musik findet man in den meisten hollän­dischen Häusern. Der Holländer, der das Leben am liebsten in seinem He.im verbringt, der die Straße nur geschäftlich kennt, sammelt Dinge, die seinem Da­sein Behaglichkeit verleihen können.

Vom Stadthausturm schwingt sich das große Glockenspiel über die Dächer, und die Domglocken fallen mit tiefen Dreiklängen ein Es ist, als lege sich ein anmutiger Kranz von Melodien, von Glocken­klängen und Glockenliedern über diese niederländi­schen, brabanter und holländischen Städte, und der Fremde bleibt einen Augenblick lang verwundert stehen, und horcht in die Luft hinein, aus der der klingende Regen der Töne fällt.

Indessen drücke ich die grüngestrichene Tür mit dem Türklopfer in das Schloß. Um die Linden spinnt ein leiser Nebel, und durch den Kanal wan­dert langsam ein Dampfer. Bald höre ich die schrille Glocke der Dampftramway, an der Vischbrugg steige ich in den kleinen fast dünnen Wagen, setze muh neben der niederländischen Bauersfrau auf die Bank und sehe mit einem Blick die Straße sich drehen, die Qudedieze, das etwas breite mit blaugestrichenen Fensterrahmen verzierte Haus gegenüber dem alten umgiebelten und verschnörkelten Palais, sehe zwei weiße Tüchlein winkender Kinder, und es geht am Markt vorbei, hinaus in das von Nebelschleifen um­flochtene. Land. Laut und summend steigt der Markt­lärm auf Em Bücherhändler mit Räubergeschichten, Seeabenteuern, Litaneien neben einem Flickschuster, Eierhändler neben einem Töpfer; Stoffe gibt es do, Seide, Flanell. Und kleine Taschenspiegelchen, ge­schenkt billige Zigaretten und unzerreißbares Spiel­zeug, das man vor den wilden Bubenhänden aller­dings schützen muß. Die Schor der Käufer umdrängt die Stände. Die weißen glänzend gebügelten Flügel Hauben, die goldenen Haarschnecken, Nadeln und

Muscheln, die bunten Röcke und gelben Holzpantinen, die , Klomvjes", die blauen und roten Wämse und die Pluderhosen der Männer ein Kaleidoskop

*

Das ganze Land ist von einem zarten Silberton Überflossen. Es gibt nichts Hartes, Scharfes. Manch­mal öffnet sich eine Himmelstür, dann fließt es blau und sanft daraus hervor. Eine Lichtflut über­schwemmt eine ferne Kuppel, einen dünnen schmalen Turm, wirft ein gleißendes Strahlenbündel auf den Hauch einer fernen Stadt. Die Wasser in den Flüßen und Kanälen sind glatt und leblos, nur zeitweilig verirrt sich ein Seewind über das flache Land, dann werden sie unruhig und sehen aus wie gerippte Seide.

Do taucht in der Ferne die dunkle, ungewisse Sil­houette einer unbekannten Stadt auf. Nebel wogt sanft wie eine eingeschlafene Flut, verhängt die ame­rikanische Pappelallee, die Linden und Ulmen und verzaubert einen Buchenhag, fällt schützend in weit­faltigen Vorhangteilen vor einem roten Haus hinter den Buchen nieder, in welchem zwanzig hübsche Mädchen die höhere Ausbildung genießen.

Die Stadt am Rande des Landes, umspannt von einigen kleinen Grachten rückt näher. Eine altnieder­ländische Kirche wächst nüchtern in den Nebel hinein, aus dem Tor wandert, schön geordnet in einem Zug, eine Schar weißgekleideter Mädchen, Mini­stranten in roten Röcken tauchen wie Mohnblumen auf, und kleine Kerzenlichter flackern wie Sterne.

Giebelslüchte umspinnen die Kirche; ein Brunnen steht vermummt und etwas verdrossen da und in den Fenstern liegt der Widerschein der Kerzen. Alte niederländische Häuser, Kanäle dehnen sich breit, und eine schwere eiserne Brücke trägt das Züglein rasch über die Maas in das wieder still geworbene Land hinein.

Seltsame Heine Wanderung mit flüchtigen, vom Nebel umsponnenen Bildern: von bloßsilbernen Vor­hängen verschleierte Zeitaller, von grauem Tüll umsponnene Gotik.

Ich frage nicht, wie diese kleine Stadt heißt.

Der Nebel hot sich gehoben, und eine rötliche Sonne versucht einen Schein auf die geliebten Häu­ser zu werfen und den kleinen Hasen in den Jnnen- und Außengrachten. Kotzenköpfsges Pflaster in den schmalen Straßen. Zahllose Brücken, kleine, kaum

zwei Meter lange, hochgewölbte wie ein Katzen- vuckel, und flache, langgestreckte. Und fortwährend Laubengänge, Arkaden an den Häusern. Schmale Wege an Bächen entlang unter der hohen Stadt mit eigenartigen, oft rätselhaften Nomen, die man sich aufschreiben müßte, um sie niemals zu vergessen, alte Schissertürme, schlaffe Segel an den Masten, ein Wasserbecken mit einer kleinen Schar Pinassen, Pinken und Barkassen. Ja, und wieder ein rotes Dächerwerk, und Giebel und ein Wasserturm. Höher aber, der Sonne zu, die Kathedrale, die noch immer vom flüchtigen Nebelgewoge verhängte Gotik, zahl­reiche Türme, Steinkränze, Wasserspeier, Winkel­werk, Fensterschönheiten: Musik in Stein. Auf Gra­nitsockeln Denkmäler alter «ec Helden, alter Diplo­maten; Gelehrte und Heilige. Und gleich daran, innig angeschmiegt, das kleine zierliche Häuserwerk mit den dunkelräumigen Geschäften, mit den Kauf­läden für holländisches Porzellan, Delfter Vasen und Schalen in den Schoufensterchen, lange weiße Schifferpfeifen und den Haufen echten schwarzen Tobaks.Echter Friescher Heeren Boni!"

Was hätte es für einen Sinn nach dem Namen dieses kleinen nördlichen Venedigs zu fragen, in dem man nur ein Stündchen zu Besuch ist; ist es nicht reizvoller, die Erinnerung an diese kleine hol­ländische Stadt mllzunehrnen wie einen Traum, der sich einmal ganz leise in unser Leben gefügt hat?

Im kleinen Boot unter tropischer Sonne.

Berichte von furchtbaren Qualen, die sie in einem offenen Doot unter der tropischen Sonne ausgestanden haben, erzählten die 13 Ueber- lebenden des norwegischen MotorschiffesHin- noy", die jetzt in Colombo angekommen find. Das Sch ff war mit einer Ladung Chemikalien von Antwerpen noch Honkong unterwegs. In der Rächt bemerkte der wack habende Offizier Rauch und meldete es dem Kap .an, der dem Funker so­fort befahl, den 808-Ruf auszusenden. Aber be­vor noch der Rotruf gesendet werden konnte, er­folgte eine furchtbare Explosion, bei der 14 Leute der Mannschaft getötet wurden. Die übrigen 14 retteten sich in das einzige unbeschädigte Doot, in b:m sie in drangvoller Enge zusammengepreht, sich dem hohen Meere anvertrauten. Die Hitze war groß. Ein Wann starb am Sonnenstich, die

andern waren von den erbarmungslosen Strahlen vollkommen ausgedörrt und zermürbt. Infolge der Berührung mit dem Salzwasser eiterten die Wunden, die fünf von ihnen erhalten hatten. Rachdem sie in dieser grausigen Lage zwei Tage lang ohne Rahrung und Wasser auf dem Meer Herumgetrieben waren, wurden sie von dem japanischen SchiffRap'es Maru" gesichtet und ausgenommen. Der Kapitän des Rettungsschiffes, Hirooka, berichtet:Der Rachtwachtposten be­merkte ein schwaches Aufflackern von Licht und horte Schreie. Bei dieser Beobachtung war das Schiff schon an der Stelle vorüber, und wir mußten mit Volldampf zurückfahren. Die acht Leute, die nicht so schwer verletzt waren, wurden mit Leitern an Bord geholt, bann wurde das Boot mit den fünf Schwerverwundeten herauf- gewunden. Die Schiffbrüchigen zündeten ihre letz­ten Streichhölzer an in dem verzweifelten Ver­such unsere Aufmerksamkell zu erregen, nachdem vorher sieben Schiffe an ihnen vorbeigekahren waren, ohne sie zu bemerken."

Zeitschriften.

Die neueste Rümmer der 3 l l u st r i r t e n Zeitung (3. 3. Weber, Leipzig) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Leser die große Bedeu­tung unserer Reichswehr zum Bewußtsein zu bringen. Die Entwicklung oer deutschen Wehr­macht von 1918 bis heute wird in dem Artikel Die Bedeutung der Tradition" von Generaloberst Wilhelm Heye, sowie in dem BeitragDer Weg der Wehrmacht" geschildert, in dem die verschie­denen Reichswehrminister und Chefs der Heeres­leitung von den hohen Zielen unserer Reichswehr sprechen. 3hre Aufgabe und die Mittel zur Durch­führung beschreibt General Freiherr v. Hammer- stein-Eguord in seinem ArtikelAufgaben des Heeres". Don der Machtlosigkeit Deutschlands ge­genüber den bis an die Zähne gerüsteten Rach­barn spricht der Aufsatz:Wer braucht Sicher­heit?", davon zeugen auch die vier Karten: Deutschlands Grenzen ohne ausreich-'"den Schuh". Zahlreiche Bilder aus dem Soldatcnlei n und die Porträts der Reichswehrführer bring./, dem Leser Offiziere und Mannschaften der Reichswehr näher, deren Treue und Aufopferung im Dienste des Va^ terlandes wir viel zu danlen haben.