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Weitgehender Teilerlaß von Gteuerrückstä'nden in Hessen.
Darmstadt, 21.Okt. Das Staatspresseamt gibt folgende Anordnung des hessischen Staatsministeriums bekannt:
In letzter Zeit ist erfreulicherweise eine Besserung des Aufkommens an Staats st eu* e r n festzustellen. Dies ist wohl nicht nur eine Wirkung der verschiedenen Regierungsmaßnahmen, sondern es darf darin auch ein Zeichen dafür erblickt werden, daß die Bevölkerung mehr und mehr bereit ist, ihre Steuerverpflichtungen dem neuen Staat gegenüber zu erfüllen. In der Tat muß gefordert werden, daß insbesondere die feit der Machtergreifung durch die neue Regierung anfallenden Steuern pünktlich entrichtet werden. Die Bevölkerung hat nunmehr die Gewähr, daß mit den Steuergeldern auf das Sparsamste gewirtschaftet wird. Dazu muß die Einsicht kommen, daß der Staat die Steuern zur Erfüllung seiner vielfältigen Aufgaben unbedingt braucht.
Andererseits ist die Regierung gewillt, die Abwicklung der Rückstände aus früherer Zeit nach Möglichkeit zu erleichtern. Darüber haben die Finanzämter folgende Anweisung erhalten:
Zahlungen auf Landessleuern sind, wenn der Steuerpflichtige nichts anderes bestimmt, zuerst auf das Soll des laufenden Jahres zu verrechnen. Del pünktlicher Entrichtung der laufenden Steuerraten find die Finanzämter ermächtigt, die vorhandenen Staatsfteuerrück- ftände aus den Vorjahren zinslos zu stunden. Die Abtragung dieser Rückstände soll nach einem festen plan erfolgen, der unter Beachtung der besonderen Verhältnisse des einzelnen Falles und im Einvernehmen mit dem Steuerpflichtigen vom Finanzamt auszustellen ist. Die Tilgung kann sich nötigenfalls über einen Zeitraum bis zum 1. April 1936 erstrecken. Wenn neben den laufenden Steuern diese Tilgungsraten auf die Rückstände pünktlich geleistet werden, so wird ein Teil der Rückstände niedergeschlagen, und zwar von Rückständen aus dem Steuerjahr 1932 ein Viertel, von Rückständen aus dem Steuerjahr 1931 ein
Drittel, von Rückständen aus den Steuerjahren 1930 und früher die Hälfte.
Auf je 100 Mark Rückstand sind also nur zu zahlen für 1932 75 Mark, für 1931 66,66 und für die Jahre 1930 und früher je 50 Mark anders ausgedrückt: durch die Zahlung von je einer Mark werden getilgt von den Rückständen aus 1932 1,33 Mark, für die Rückstände aus 1931 1,50 Mark und für die Rückstände aus 1930 und früher 2Mk. Zahlungen auf die Rückstände sind zunächst auf die alten Reste zu verrechnen. Die Niederschlagung erfolgt nicht erst nach der Zahlung der gesamten Rückstände, sondern Zug um Zug mit jeder Tilgungsrate, sie kann nur zurückgenommen werden, wenn der Tilgungsplan ohne zwingende Gründe nicht eingehalten wird.
Rückständige Zuschläge und Zinsen werden erlassen, sobald die Hauptschuld getilgt ist. Bereits früher erfolgte Erlasse und Niederschlagungen werden auf die neu zugebilligten Erleichterungen nicht angerechnet. Ein Entgegenkommen hinsichtlich der Rückstände kann ausnahmsweise abgelehnt werden, wenn die bisherige Nichtzahlung offensichtlich auf bösem Willen und nicht auf wirtschaftlichen Schwierigkeiten beruhte. Die Niederschlagung erfolgt unter Vorbehalt des Widerrufs für den Fall, daß die Zwangsversteigerung des Grundstückes, auf. dem die Steuern lasten, genehmigt oder das Konkursverfahren eröffnet ist.
Diese Anordnungen gelten nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für alle Steuerpflichtigen in Stadt und Land.
Sie gelten auch hinsichtlich derjenigen Rückstände, die z. B. durch Hypothekenbestellung, Bürgschaft usw. gesichert sind.
Nochmals sei betont, daß diese weitgehende Erleichterung nur dem gewährt wird, der seine laufenden Steuern pünktlich entrichtet und daneben feine Rückstände pünktlich und planmäßig tilgt.
Den Gemeinden und Gemeindeverbänden ist empfohlen worden, bezüglich ihrer Steuerforderungen in gleicher Weise zu verfahren wie der Staat.
Aus der Provinzialhaupistadi.
Louis Frech 75 Jahre alt.
Unter geschätzter Mitbürger Herr Louis Frech begeht am morgigen Dienstag, 24. Oktober, seinen 1b. Geburtstag. Der alte Herr, ein geborener Gie- Ejener, erfreut sich in weiten Kreisen der Bürger- chaft durch seine feinsinnigen und gemütvollen Schil- -erungen der Gießener Lokalgeschichte, wie auch third) seine schönen Lokaldichtungen, aber ebenso infolge seines stets freundlichen und allezeit hilfsbereiten Wesens mit Recht der besten Wertschätzung. Herr F re ch wird feinen morgigen Geburtstag außerhalb von Gießen begehen.
GegenDerkehrsunfättedurchKadfahrer
Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mit- geteilt:
Die in letzter Zeit in Gießen vorgekommenen Ver- kehrsunfälle lassen erkennen, daß an den Unfällen in ganz unverhältnismäßig hohem Maße Radfahrer beteiligt sind. Die Radfahrer werden deshalb noch- nials darauf hingewiesen, folgende Radfahrerunsitten zu unterlassen:
Fahren zu mehreren nebeneinander, anstatt hintereinander scharf rechts an der Fahrbahn, Anhängen an Fahrzeuge. Umkreisen von Fahrzeugen und ähnliche Bewegungen. Wettfahren mit anderen Fahr- zeugen oder Radfahrern. Zickzacksahren unter Bean-
spruchung eines großen Teils der Fahrbahn; Fahren unter Loslassen der Lenkstange. Unvermitteltes lieber- queren der Fahrbahn in der Fahrtrichtung ohne Rücksicht auf herannahende Kraftfahrzeuge. Mitnahme unooilchriftsmäßig großer Gegenstände. Fahren ohne ausreichende Beleuchtung oder Rückstrahler während der Dunkelheit. Mitführen einer zweiten Perston (mit Ausnahme von Kindern unter sechs Jahren, für die eine geeignete Sitzgelegenheit vorhanden ist). (§ 21 der allgemeinen Straßenverkehrsordnung.)
Jungvolk sucht Unterkunft!
Ausruf des Iungvolk-Stammes „Welfen".
An alle Gießener! Unser hiesiger Stamm ist geteilt. Eine ganze Reihe Jungvolk-Iungenschaf- ten steht „obdachlos auf der Straße", das heißt, sie haben kein eigenes Heim. Sollen diese Jungen etwa den Winter über immer draußen spielen, bei Schnee und Regen, Kälte und Tauwetter? Nein! Das darf nicht sein! Deshalb fordern wir alle hiesigen Volksgenossen auf, ihre bekannte Opferfreudigkeit zu zeigen und uns zu helfen. Sehen Sie bitte einmal xu Hause nach, ob Sie nicht irgendeinen alten Tisch oder Stuhl, der noch einigermaßen zu gebrauchen ist, haben. Und dann, die Hauptsache: Wenn wir nun in einigen Tagen wirklich Einrichtungen für
Was gibt es Neues in Italien?
Don Or. Gustav W. Eberlein, Zftom.
Vogeloasen überall.
Um den Streit über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit der Zugvögel und Singvögel zu klären, hat nun das italienische Forschungsinstitut für Biologie den praktischen Beschluß gefaßt, nach uni) nach im ganzen Lande Vogelschutzinseln einzurichten. In diesen „Oasen" — der Name ist gut gewählt, wenn man an die furchtbare Wüste der Vogelvernichtung denkt — darf weder geschossen noch mit Leimruten und Netzen gearbeitet werden. Außerdem bringt man Nistkästen an und richtet Futterplätze ein, natürlich ist es nicht so, als ob die ilalienische Wissenschaft im Zweifel wäre über den Wert der Vögel, aber sie muß sich neutral geben, um den vereinzelten Vogelfreunden zum Siege über die Masse der Vogeljäger zu verhelfen. Das kann bei dem Rückhalt, den die letzteren noch vielfach haben, nur glücken, wenn die breitesten Volksschichten, vor allem die Bauern, an Hand von greifbaren Ergebnissen auf dem Gebiete der Landwirtschaft und Obstkultur überzeugt werden.
Die Schwierigkeiten, geeignetes Gelände für die Oasen zu finden, sind sehr erheblich, herrscht doch im ganzen Königreich noch das System der Patent- jagb, die dem Schießer sogar die „Jagd" in Gärten und eingezäunten Kulturen gestattet, wenn die Einfriedigung nur so hoch ist, daß man hinüberklettern kann. Das heißt, ein Haus- oder Anwesenheits- besitzer muß einen starken Zaun oder eine Mauer von mindestens 1,80 M er Höhe errichten, wenn er vor unliebsamen Feuerbesuchen verschont bleiben will. Daher überall die abweisend hohen Mauern der Villen. Der Gutsbesitzer, der auf seinen Feldern nicht jagen lassen will, muß sich erst aus dem „Volksgut" der allgemeinen Jagdfreiheit — das heißt: der planlosen Vernichtung alles Lebenden — loskaufen, bevor er eine — besonders zu besteuernde — Tafel mit dem „Divieto di caccia“ «Jagdverbot) anbringen darf, lieber die Massen- rangftätten, wo unsere armen gefieberten Sänger suhrenweise vertilgt werden, ist schon so viel ge- fchrieben und geklagt worden, daß es sich erübrigt, noch einmal darauf einzugehen. Man versteht aber, welch ein erbitterter Widerstand von dieser Gegend her den Schutzbestrebungen entgegengesetzt wird.
Zweckmäßig fängt man also mit den Oasen bei den öffentlichen Parkanlagen der «tadle an, die überdies trefflich zum Anschauungsunterricht für die Jugend geeignet sind. Den rührigen italienischen
Tierschutzvereinen gehört unsere ganze Sympathie. Dieser Tage wurden zum Beispiel auf dem Pincio in Rom in öffentlicher Feier Hunderte von Singvögeln der Freiheit zurückgegeben, nachdem sie, weil in der Schonzeit oder mit ungesetzlichen Mitteln gefangen, beschlagnahmt werden konnten. Die Ba- lilla, Mussolinis herrliche Jugendorganisation, stellte den Rahmen. So zieht der neue Geist ein im neuen Geschlecht.
In zweiter Linie sind es. die Jagdschutzgebiete Privater oder die staatlichen Naturparkanlagen, die für die große Ausgabe in Frage kommen. So wurde soeben im Nationalpark von Stra bei Padua, einem zwanzig Hektar großen Gelände, eine Oase mit Hunderten von Nistgelegenheiten und Futterplätzen geschaffen. Die Wunderinsel Capri ist bekanntlich von Mussolini, der dort ein vollkommenes Jagd- unb Fangverbot erließ, erlöst worben. Im Geheimen wird freilich noch viel gewildert, aber wenn jeder Spaziergänger die Fallen und Netze rücksichtslos zerstört, wird den Vogeljägern die Lust allmählich schon vergehen.
An der Tibermündung hat ein bekannter Ade- ligcr Zuneigung zu den „Stimmen des Himmels gefaßt, doch wird auch dort das Lerchenschießen noch als Sport angesehen. Besser also ist es schon, unzweifelhaft Oasen zu schaffen, wo sich die Vogel bedingungslos sicher fühlen.
Die kahle Venus.
Bevor der Oktober zu Ende geht, wird das Ka- pitol befreit sein. Von der Lawine einer zwei e -
den Himmel eines anderen Italien, einer ver- iünaten Roma. Tag und Nacht arbeiten die Spitzhacken und Loren? um den Schutt abzuraumem Auch das sogenannte goldene Kapitol steht auf dos Campidoglio d’oro, von dem es bis ms M.tttlatter hinein hieß es berge genau ein Drittel der Schi tz des Erdballs. Später, als die letzten Goldgradtt und Marmorjäger abzogen, verwuchs es mit dem GY zu einem abscheulichen Klumpen.
Wenn die Rede aufs Kapitol kommt, erhebt sich sogleich die alte Streitfrage, ob man die romycye Wölfin und die römischen Adler, die on der grotze Freitreppe hausen wie der kümmerliche Anfang eines zoologischen Gartens, nicht — da zu „pro- vinzlerisch" — entfernen solle. Woraus andere erregt und in ihrer römischen Würde verletzt betonen, im Gegenteil, man solle auch die Gänle hinzufugen, die berühmten schnatternden Gänse. Denn sagen öie selbst: Ohne die Gänse kein Kapitol mehr, ohne Ka-
alle Jungenschaften haben, so können wir uns doch nicht in irgendeiner Straße aufpflanzen. Sehen Sie deshalb bitte nach, ob Sie ober Ihre Bekannten nicht ein Dachzimmerchen ober auch eine feste Gartenlaube ober einen kleinen Schuppen haben. Um diese Räume zu heizen, wären alte Oefen sehr erwünscht. Irgendeine Einrichtung haben Sie bestimmt. Ja, auch Sie können an dem großen Werke der Jugendertüchtigung mithelfen, denn ohne Heime mußte ja der Winterdienst fast völlig ausfallen.
Wenn Sie nun irgendeinen Gegenstand, den Sie entbehren können, aufgetrieben (gefunden) haben, so melden Sie dies bitte auf unserer Geschäftsstelle in der Jugendherberge Ecke Asterweg-Schillerstraße zwischen 15 und 17 Uhr. Also: Auf Wiedersehen bis morgen ober übermorgen auf ber Geschäftsstellei Die Presseabteilung des Stammes Welfen.
Anlagenkonzert
der SA Reserve-Kapelle.
Unter Leitung von Kapellmeister Bruno Hermann trat gestern die kürzlich auf Anregung und unter tatkräftiger Förderung des SA.-Reserve- Sturmbannführers S o l d a n gegründete S A. - Reserve-Kapelle Gießen mit ihrem ersten Anlagenkonzert vor die breite Oeffentlichkeit. Das Konzert fand am Hindenburgwall gegenüber dem Gymnasium statt und hatte eine sehr große Menschenmenge als Zuhörer angelockt. Die Kapelle, in deren Reihen sich zahlreiche frühere Militärmusiker befinden, erfreute mit der vortrefflichen Wiedergabe eines schönen Programms, mit dem sie sich in der besten Weise einführte. Die Darbietungen zeigten das Können der Kapelle in vielseitiger Weise und gaben ihr den berechtigten Anspruch, im Musikleben unserer Stadt als bedeutsamer Faktor gewertet zu werden. Die Zuhörer dankten den Musikern und ihrem Leiter für die vortrefflichen künstlerischen Leistungen mit starkem Beifall. Allgemein hörte man den Wunsch äußern, die Kapelle baldigst wieder musizieren zu hören. Zur Erinnerung an den Tag wurde im Anschluß an das Konzert eine photographische Aufnahme der Kapelle vor der Jo- hanneskirche von dem Photographen Pfaff angefertigt. Die Kapelle erbat hierzu ihren Begründer und Förderer, Sturmbannführer S o l d a n, in ihre Mitte.
Unkenntnis — schühtvorSchaden nicht!
Das, was unsere Väter erhofften und erstrebten, was so oft versucht und niemals gelungen ist, das „Deutsche Rationaltheater",
steht heute in greifbarer Nähe. Der Weckruf Adolf Hitlers schafft dem deutschen Theater ein gesin- nungsmäßig geschlossenes nationales Publikum. Die „Deutsche Bühne" und das Gießener Stadttheater haben sich zusammengeschlossen in der Erkenntnis, daß es unsere vornehmste Aufgabe sein muß, in inniger Verbundenheit mit allen theaterliebenden Deutschen eine große Volksgemeinschaft zu fchaffen, die mit uns für die Verwirklichung dieses großen Ideals „Deutsches Nationaltheater" streitet.
Eine schwere Arbeit liegt vor uns. Jeder Einzelne muß helfen. Der Schwerpunkt des Theaters liegt ja nicht auf der Bühne allein, er liegt auch im Zuschauerraum. Der deutsche Mensch muß wieder aufnahmebereit werden für eine wahrhaft deutsche Kultur. Es ist der Wille unseres großen Volkskanzlers Adolf Hitler, daß die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe unserer Nation geadelt werden durch die Kunst. Diese Kunst soll allen Volksgenossen zugänglich gemacht werden. Dazu verhilft „Die deutsche Bühne"
was muß ich von ihr wissen?
1. Mitglied kann jeder deutsche Bürger werden, dessen monatliches Brutto-Einkommen nicht mehr als 300 Mark beträgt.
2. Der Jahresbeitrag beträgt 1 Mark, für Eheleute 1,50 Mark, für Erwerbslose, Wohlfahrts- empfänger, Kriegerhinterbliebene und Kleinrentner 25 Pf.
3. Jedes Mitglied erhält die Vereinszeitung „Die deutsche Bühne^ monatlich, und zwar ohne zusätzliche Aufwendung.
4. Jedes Mitglied besucht während der Spielzeit allmonatlich zwei Veranstaltungen zum Preise von 1,40 Mark pro Person; als Unbemittelter sogar nur 1,20 Mark für beide Vorstellungen.
5. Spieltage sind je zweimal im Monat Donnerstag und Samstag.
6. Alle Mitglieder werden hinsichtlich der Güte der Plätze nach dem (ogenanmen Rollsystem vollkommen gleich behandelt; für Eheleute gibt es zwei nebeneinanderliegende Plätze.
7. Anmeldungen nehmen entgegen: a) Geschäftsstelle: Dr.Ruckelshausen, Goethestraße 30, b) Theater- kaffe, Johannesstraße.
Sind Sie schon Mitglied der „Deutschen Bühne"?
„Hitlerjunge Quex" im Lichtspielhaus.
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Das Gießener Jungvolk, die Hitlerjugend und der BDM. marschieren täglich abends anläßlich der Aufführungen des Films „Hitlerjunge Quex" im Licht- fpielhaus auf. — Unser Bild zeigt das Jungvolk mit feinen Wimpeln, der Hitlerjunge Bötz spricht den
Vorfpruch. — (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)
Oenwnftrationsabend der Friseure.
In Verbindung mit der Reichshandwerker-Woche veranstaltete die Friseur-Innung am Donnerstagabend im Gewerkfchaftshaus einen sehr interesian- ten Demonstrationsabend. Der Jnnungsführer, Herr Schäfer, hieß die stattliche Anzahl der Teilnehmer willkommen und begrüßte besonders den Vertreter der Handwerkskammer Herr Steinhäuser, und die zahlreichen Gäste. In seinen kurzen einleitenden Ausführungen wies er auf die gegenwärtigen erfreulichen Verhältnisse in unserem Va° terlanoe hin und würdigte die Verdienste des Reichskanzlers um die Einigung des Volkes. Das Friseurhandwerk in feiner Gesamtheit fei vereinigt und stehe geschlossen hinter dem Führer. Sodann kam der Redner auf die Mode im Friseurhandwerk zu sprechen und betonte, daß es nur noch eine Mode, und zwar eine bewußte deutsche Mode geben könne. Vor allem werde mehr Beständigkeit in der Mode angestrebt. Es seien Richtlinien über die Haargestaltung herausgegeben worden, die in Verbindung mit dem Schneiderhandwerk, mit dem der Friseur enge zusammenarbeiten solle, geschaffen werden. Unter Berücksichtigung der gegenwärtig getragenen Kleider solle die Haarmode in weib
pitol kein Rom, ist es nicht so? Und jeder nickt, um zu zeigen, daß er die Geschichte von der Errettung Roms nicht vergessen hat.
Nun kommt noch die Venus dazu, die schaumgeborene. Jeder kennt die kapitolinische Aphrodite — aber wo ist die andere, die mit der Glatze?
Venus mit der Glatze? Orrore! Unmöglich!
Und doch war sie seinerzeit hier heimisch, sie kann sich mit den wachsamen Gänsen getrost messen, sie ist ein Vorbild weiblichen Opfermutes, eines Opfermutes, der das Vaterland über die Eitelkeit stellt. Schon die ersten christlichen Schriftsteller haben das zugeben müssen, obwohl sie sonst von den „Heiden" ja nicht viel hielten und alle sündhaft weißen Statuen dem ftaltofen überantworteten.
Während der Belagerung des Kapitols, so lieft man bei den Alten, wurden die Kriegsmaschinen der tapferen Verteidiger, die Abwehrgeschütze, ausgeleiert, und es fehlte an Ersatzteilen, die Schleudern und Katapulte zu spannen. Da schnitten fick) die überlebenden Matronen die Zöpfe ab und brachten sie ihren kämpfenden Helden. Die Maschinen tonten aufs Neue in die Schlacht eingreifen und der feindliche Sturm wurde abgeschlagen. „Lieber wollten diese ehrwürdigen Frauen eine Zeitlang entstellt an der Seite ihrer Männer leben, als in voller Schönheit als Sklaven unter dem Feind!"
Und da nun die Gallier abzagen, errichteten die Römer der Venus zu Ehren eine Statue auf dem Kapitol und nannten sie die Venere calva, die Venus ohne Haar.
Selbst der heilige Augustin, berühmt durch seine Bekenntnisse, rühmte nach die heroische Tat der Kapitolsverteidigerinnen. Warum sie also nicht heute der Vergessenheit entreißen? Warum die Statue nicht erneuern?
Vielleicht kommen wir also, wenn nicht zu einer glatzköpfigen, fo doch zu einer Venus mit Muschel- topf.
Zeitschriften.
— Das Oktoberheft von „Volk und Rasse" (I. F- Lehmanns Verlag München 2 SW., Preis 70 Pf.) bringt u. a. die Festrede, die Professor Dr. Lehmann, Tübingen, anläßlich von Joseph Gottlieb Kölreuthers 200. Geburtstag hielt. Erst feit Kölreuther weiß man, daß die Insekten durch Weitertragen des Blütenstaubes die Samen der Pflanzen zur Fruchtbringung befähigen, er bewies somit die Geschlechtlichkeit der Pflanzen. Der von Kölreuther ium ersten Male experimentell betriebenen biologischen Forschungsweise verdanken wir alle wesent
lichen Erkenntnisse und Erfahrungen der Rassen- hygiene und Erbgesundheitspflege. — Dr. S. Ehrhardt berichtet über die „Rassenzusammensetzung des estnischen Volkes" und weist an Hand graphischer Darstellungen von statistisch erfaßten Körpermaßen das starke Vorkommen von Merkmalen der nordischen Rasse innerhalb des estnischen Volkes nach. Eine Bilderreihe charakteristischer Köpfe ver- anschaulicht die Ausführungen. — In seinem Auf- satz „Rassenkunde und Volksschule" bespricht Dr. Mierke die Möglichkeiten der rassischen Erziehung des Volkes durch die Schule. Darüber hinaus sollen die Lehrer für den Rassengedanken wirken durch Vorträge unter der Bevölkerung sowie durch Zusammentragen und Erforschung von Einzelbeobachtungen, nach denen die Rassenmerkmale eines Menschenschlages bestimmt werden können. — Ein Auszug aus dem im gleichen Verlag erschienenen Werke: „Volk in Gefahr" zeigt die erschreckenden Folgen der unterdurchschnittlichen Fruchtbarkeit der Vollwertigen und der überdurchschnittlichen Fruchtbarkeit der Minderwertigen. Das Heft wird in dankenswerter Weise zur Verbreitung des Rassegedankens beitragen.
— Unter dem Titel: „4 5 0 Jahre Luther" erschien eine Jubiläums-Sonderausgabe der „Jllu- ftrirten Zeitung" (Verlag I. I. Weber, Leipzig). Daß diese von Lic. Oskar Thulin, Direktor der Lutherhalle in Wittenberg, herausgegebene Sck)rift besondere Beachtung verdient, wird schon dadurch dokumentiert, daß der neue Reichsbischof Ludwig Müller das Geleitwort dazu schrieb. Berufene Männer gestalten in diesem Heft das Bild des Reformators. Den einleitenden Aufsatz „Der gegenwärtige Luther" schrieb der Herausgeber selbst. Prof. Hahne umreißt die Gestalt Luthers von feiner Abstammung her in dem Artikel „Luther als mitteldeutscher Mensch". .Luthers Gedanken über den Staat" heißt ein Artikel von Prof. F. K. Schumann. Die charakterlichen Wesenszüge deutschen Volkstums in Luther zeigt der Artikel „Luther der Deutsche" von Prof. G. Ritter auf. Luthers Einfluß weit über das deutsche Volk hinaus behandelt Prof. H. W. Beyer in dem Aufsatz „Luthers Weltbedeutung". Prof. D. I. Ficker bringt eine interessante Uebersicht über „Luthers Siegel" und Wappen, und Univers.-Musikdirektor G. Kempff läßt aufklingen „Welcherlei Musik man einst in Luthers Gottesdienst hörte". Dies ist nur ein Auszug aus dem Inhalt des Heftes, lieber 80, zum Teil farbige Bilder — darunter die monumentale erste Wiedergabe des Predellabildes vom Wittenberger Cranachattar — begleiten den Text.


