Ausgabe 
23.5.1933 Erstes Blatt
 
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Obecheffen.

KommunalpolitischeSausBad-Nauheim

WEN. Bad-Nauheim, 21. Mai. 3n der letzten Stadtratssitzung wurde der städ­tische Voranschlag für 1 933 mit den Stimmen der nationalsozialistischen Mehrheit ohne Aussprache en b I o c angenommen. Er schließt mit rund 1,6 Mill. Mark ab. Die von der Verwaltung eingesetzte Bürgersteuer kommt nicht zur Erhebung. Der hierdurch ent­stehende Ausfall, sowie der übrige Fehlbetrag wurden durch Kürzungen auf der Ausgabenseite, sowie durch Einstellung eines Rechnungsrestes aus dem Jahre 1932 ausgeglichen. Ferner nahm der Stadtrat eine Reihe von nationalsozialistischen Anträgen an. Ein Antrag setzt das Jahresgehalt Les Bürgermeisters auf höchstens 8400 Mark und das der sonstigen akademischen Beamten auf höchstens 7200 Mark fest und gleicht die Gehälter der mittleren und gehobenen Beamten diesen Summen entsprechend an. Ein anderer verbietet Nebenbeschäftigungen von Beamten, Angestellten, Arbeitern und Pensionären der Stadt, soweit sie in einem festen Gehalts- bzw. Lohnverhältnis stehen, und von deren Ehefrauen und weiblichen Familienangehörigen. Ausgenommen sind Tätig­keiten rein künstlerischer oder wissenschaftlicher Art. Als Nebenbeschäftigung gilt auch das Ver­mieten von Zimmern an Kurfremde und Durch­reisende. Der Bürgermeister wurde beauftragt, mit der Reichs- und Landesregierung Verhand­lungen auszunehmen mit dem Ziel, daß das Vermieten von Zimmern durch Reichs- und Law- desbeamte ebenfalls unterbunden wird.

Einweihung des Nauheimer Johannisberg Restaurants.

WSR. Bad-Rauheim, 21. Mai. Freitag­vormittag wurde das mit einem Kostenaufwand von 170000 Mark erbaute neue Restaurant auf dem Johannisberg, einer historischen Stätte aus der Römerzeit, mit einem schlichten Eröffnungsakt seiner Bestimmung übergeben. Er­bauer des Restaurants, das an die Stelle eines den Erfordernissen der Jetztzeit seit Jahrzehnten nicht mehr entsprechenden alten Baues trat, ist Regierungsbaurat Metzger, Friedberg. Für die hessische Staatsregierung sprachen General­direktor Meier, Bad-Rauheim und Ministerial­rat Dr. Meller, Darmstadt. Letzterer betonte die Gastfreundlichkeit des deutschen Volkes und gab in Verbindung mit der gegenwärtig für Bad-Rauheim hinsichtlich des Besuchs von Aus­ländern noch unbefriedigenden Frequenz der Zu­versicht Ausdruck, daß nach der letzten bedeut­samen Rede des deutschen Reichskanzlers das Ausland bald von seinem Irrwahn geheilt sein und seine Einwohner wieder zahlreicher als bis­her nach Deutschland und damit auch nach Bad- Nauheim zurückkehren würden.

Landkreis Gicken.

X Wiefeck, 22. Mai. Gestern abend gastierte hier die RS. - Kampfbühne Gießen mit dem SchauspielErst dann wird Deutschland frei" im vollbesetzten Saal von Gastwirt Braun. Die Aufführung gestaltete sich für die Wiesecker Be­völkerung zu einem großen Erlebnis, denn die Darsteller waren mit viel Ernst um die Wieder­gabe bemüht. Starker Beifall dankte wiederholt den Mitwirkenden und rief den Autor, Gewerk­schaftskommissar Bartholomäus, Gießen, auf die Bühne, der in eindringlichen Worten die Zu­hörer auf die ungeheuere Gefahr, von der das Stück einen kleinen Ausschnitt zeigte, hinwies und die durch das Mithelfen aller Deutschbewußten wohl für immer als beseitigt gilt. Den Mitwir­kenden A. Ausfelder, Kurt Richter, Luise Decker, Thea Petri, K. Stadi, L. Dörr und K. E s ch k e gebührt Dank für die vorzügliche

Darstellung. Mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessel-Lied schloß der schöne Abend.

* Großen-Buseck, 22. Mai. Am Samstag­abend hielt der GesangvereinSänger­kranz" in seinem Vereinslokal Wagner eine stark besuchte Versammlung ab. Der erste Vorsitzende Wilh. Seipp wies auf die nationale Erhebung hin, der sich auch der GesangvereinSängerkronz" untergeordnet habe. Zum Zwecke der Gleichschal­tung legte hierauf der Gesamtvorstand seine Acmter nieder. Der Kreiskampfbundführer Schimmel, der die Gleichschaltung oornahm, betonte in seiner Ansprache, daß die Gleichschaltung im Sinne der Reichsregierung auch bei den Gesangvereinen durch­geführt werden müsse. Der seicherige Vorsitzende, SA.-Mann Wilh. Seipp II., übernahm wieder die Führung des Vereins und bestimmte den neuen Vorstand in folgender Zusammensetzung: 2. Vor­sitzender Wich. M e l i o r, 1. Vorstand Wilh. Dreh­wald, 2. Vorstand Wich. Pfeiffer X., Schrift­führer Ferd. Damm, Rechner Ludw. Scheid, Kontrolleur Ludw. Wagner X., Beisitzer Karl Mootz und Reinh. Wagner. Der Vorsitzende er­mahnte die Sänger, weiterhin treu zur Fahne zu stehen und den Männergesang, sowie das deutsche Lied zu pflegen. Zum Schluß brachte er einSieg- Heil" auf die Reichsregierung aus. Anschließend wurden noch einige Lieder unter Leitung des Chor­dirigenten K. Nicolai vorgetragen. Mit dem Ge­sang des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes fand die eindrucksvolle Versammlung ihren Abschluß.

* Großen-Buseck, 22. Mai. Diefer Tage fand aus Anlaß der Gleischaltung des hiesigen Turnvereins im Sinne des Führers der Deut­schen Turnerschast im Saale des Gastwirts Brück eine eindrucksvolle vaterländische Kund­gebung statt, an der sich die Einwohnerschaft recht zahlreich beteiligte. Auf der Bühne des festlich ge­schmückten Saales waren die Bilder der Führer aufgestellt, umgeben von den Fahnen des neuen Deutschland, des Hessenlandes und des Vereins. Nach einem gut oorgetragenen Konzertstück des Po­saunenchors, der in dankenswerter Weise mitwirkte, marschierten die Turner und Zöglinge unter den Klängen eines Turnermarsches ein und nahmen vor der Bühne Aufstellung. Der seitherige 1. Sprecher Größer begrüßte die Anwesenden und wies auf den Sinn und Zweck der vorzunehmenden Gleich­schaltung hin. Hierauf ergriff Gauoberturnwart Paul das Wort zu einer Ansprache, in der er ganz besonders die Wesensgemeinschaft der Turner­schaft mit dem neuen Deutschland unterstrich. Die Turnersckaft kämpfe schon seit ihrem Bestehen für die gleichen Ziele, die erst von der nationalen Re­volution erreicht werden sollten. Er empfahl den Mitgliedern Größer als Führer, der einstimmig gewählt wurde. Der neue Führer dankte für das Vertrauen und wies auf die Bedeutung des Tur­nens im nationalen Staat hin. Seine Worte-klangen aus in einem Treugelöbnis zum nationalen Staat und zur Turnsache. Er verpflichtete hierauf in den Turnrat: Wilhelm Schneider als stellvertreten­den Führer und Dietmar!, Wilhelm Stephan als Oberturnwart und Wehrturnwart, Wilhelm Damm als Geschäftsführer und Werbewart und Karl Hens als Schatzmeister. Nachdem der Posaunenchor unter Leitung von H. Nicolai noch einige Konzertstücke vorgetragen hatte, wurde die Feier mit dem ge­meinsam gesungenen Deutschland- und dem Horst- Wessel-Lied geschlossen.

z Grotzen-Linden, 22.Mai. In der jüng­sten Gemeinderatssihung wurden aus Vorschlag der NSDAP. Ludwig Dern IV., Dr. Speck und von der Gemeindevertretung Weiß­bindermeister Wilhelm Schmidt und Kaufmann Gg. T e x t o r einstimmig mit den Stimmen der SPD. als Schulvorstand gewählt. Als Vertreter der hiesigen Gemeinde für die Mit­gliederversammlung der Bezirkssparkasse Gießen wurde Bürgermeister Lang gewählt. Der Ain-

trag auf Beschäftigung von Wohlfahrtsempfän­gern in der Gemeinde und älnterstühungen wur­den vertagt.

Kreis Friedberg.

Q Gambach, 22. Mai. Am Sonntag wurde beim Frühjahrsbezirkstag des Hassiabezirks Butz­bachBad-Rauheim in Treis-Münzenverg den beiden Mitgliedern des hiesigen Kriegervereins Karl Theodor Bernhard (der vor kurzem sei­nen 83. Geburtstag feierte) und Herr Karl Bol­leri. (der am kommenden Sonntag seinen 82. Geburtstag begeht), vom Bezirksvorsitzenden Amtsgerichtsdirektor Dr. Stumpf, Friedberg, im Auftrage des Präsidiums der Kriegerkamerad­schaft Hassia die Hassia-Ehrenmünze für treue Verdienste im Kriegervereinswesen ver- liehnr.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

ch G l e i b e r g, 22. Mai. Ein übler Buben­streich versetzte am Sonntagmittag die Ein­wohner unseres Dorfes in Erregung. Aus der bekannten, mehrere hundert Jahre alten Dorf- linde neben der Burg die Hauptzierde Gleibergs quollen gegen 14 Llhr aus den Astlöchern dichte Rauchwolken. Von bis jetzt unbekannten Tätern war in einer Oeffnung am Fuße des Stammes mit Papier und Zi­garettenschachteln ein Feuer entzün- d e t worden, das im Innern des hohlen Baumes zu brennen begann und sich, gleichsam wie in einem glühenden Kamin mit starkem Luftdurch­zug, rasch weiter entwickelte. Der glücklicherweise zufällig in der Nähe weilende Brandmeister der hiesigen Pflichtfeuerwehr, Kaufmann K. Leib legte sofort mit Hilfe einiger Feuerwehrleute eine Schlauchleitung, so daß schon nach wenigen Minuten die Bekämpfung des Brandes einsehte. Die unteren Oeffnungen wurden mit Erde ge­schlossen und durch die Astlöcher Wasser ge­spritzt. Rach ungefähr einstündiger Arbeit war

das Feuer gelöscht. Man hofft, daß die Brand­beschädigungen der weiteren Lebensfähigkeit des Baumes nicht hinderlich sind. Cs gebührt K. Leib und seinen Helfern Dank, daß sie durch ihr rasches Handeln der Vernichtung der schönen, unter Naturschutz stehenden Linde ver­hindern konnten. Die polizeilichen Nachforschungen nach den Tätern sind im Gange.

* Rodheim a. d. Bieber, 22. Mai. Die Bruderschaft Biebertal des Jung­deutschen Ordens hat dem Gemeinderat Rodheim zwei Anträge zur Beschlußfassung un­terbreitet, in denen die Schaffung eines S ch l a - geter-Plahes und die Anpflanzung einer Schlageter-Eiche, sowie die Benennung einer durch den Freiwilligen Arbeitsdienst unter jungdeutscher Führung ausgebauten Straße (ent­lang der Gailschen Mauer) in.Hindenburg- Straße" erbeten wird.

G. A.-Gport.

Iungfliegertreffen aus der Wasserkuppe.

Fulda und die Rhön werden an den beiden Pfingst­tagen im Zeichen des Flugsports stehen. Wie nun­mehr feststeht, wird am ersten Pfingstfeiertag auf der Wasserkuppe ein Jungfliegertreffen ftattfinben, zu dem eine Reihe prominenter Segelflieger erwar­tet wird. Am zweiten Pfingsttag wird auf dem alten Fuldaer Exerzierplatz, etwa eine Stunde von Fulda entfernt, ein Großflugtag stattfinden, den der Nationalsozialistische Fliegerbund veranstaltet, und zu dem einige Tausend SA.-Leute aus dem ganzen Bezirk Kassel erwartet werden. Man spricht auch vom Erscheinen des Ministerpräsidenten Göring, der jedoch seine endgültige Zusage noch nicht gegeben hat. Fest steht jedoch schon, daß an der Flugveran­staltung u. a. der bekannte Kunstflieger Übet teil­nehmen wird. Bei diesem Anlaß wird auch das An­denken an den im vorigen Jahr auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Segelflieger Günther G r ö n h o f f besonders geehrt werden.

Wirtschaft.

Frankfurt freundlich.

Frankfurt a. M., 23. Mai. (WDB. Drahtmel­dung.) Bei fehlenden Anregungen und nur sehr ge­ringer Publikumsbeteiligung eröffnete die heutige Mittagsbörse in sehr stiller Haltung und ohne aus­gesprochene Tendenz. Die ersten Notierungen zeigten bei kleinem Umsatz feine einheitliche Gestaltung, die Veränderungen hielten sich jedoch in engen Grenzen. Die Grundstimmung war als freundlich zu be­zeichnen, obschon aus Genf keine neue Mitteilung von Anregung vorlag und auch die bevorstehende Einigung in der Währungsstabilisierung ohne Ein­fluß blieb.

Nach den ersten Kursen zeigten die Notierungen überwiegend Ansätze zu einer leichten Befestigung, und auch die Umsatztätigkeit war zeitweilig etwas größer. Am Chemiemarkt gaben die Kurse anfangs durchweg bis zu 1 v. H. nach, dagegen eröffneten Elektrowerte meist 0,50 v. H. freundlicher, nur AEG. und Licht & Kraft blieben knapp gehalten. Montan­werte tendierten ausgesprochen uneinheitlich, über 0,50 bis 1 v. H. gingen indessen die Veränderungen nicht hinaus. Von Einzelwerten lagen Süddeutsche Zucker etwa 2 v. H. schwächer, während Akkumula­toren ihre Erholung um 2 v. H. fortsetzten. Auf den Nebenmärkten betrugen die Gewinne und Verluste nur Bruchteile eines Prozentes. Sckiffahrtspapiere eröffneten auf die dicht vor dem Abschluß stehenden Verhandlungen über Gesundung und Neuordnung in der deutschen Schiffahrt bis zu 0,50 v. H. freundlicher.

Am Rentenmarkt herrschte ebenfalls nahe­zu Geschäftsftille. Deutsche Anleihen gaben bis zu V* Prozent nach. Dagegen tendierten auch heute

wieder öprozentige Stahlverein-Bonds in fester Hal­tung, ebenso lagen Reichsbahnvorzugsaktien bei Er­öffnung % Prozent höher. Am Pfandbriefmarkt blie­ben die Kurse bei sehr ruhigem Geschäft meist un­verändert. Liquidationspfandbriefe lagen teilweise fester, dagegen Kommunalobligationen verschiedent­lich etwas leichter. Staatsrenten und Stadtanleihen tendierten ruhig. Von fremden Werten lagen Ana­tolier Eisenbahn matt und 1% Prozent schwächer.

Im Verlaufe fanden sehr lebhafte Umsätze in Schiffahrtsaktien statt, Hapag stiegen um 2 Prozent und Norddeutscher Lloyd um 2% Prozent. Auch auf den übrigen Marktgebieten ergaben sich überwie­gend Befestigungen um durchschnittlich %" bis 1 Prozent. IG. gewannen 2 Prozent, doch war die Umsatztätigkeit nicht nennenswert großer. Am Rentenmarkt stiegen Stahloerein-Bonds um insge­samt 2 Prozent, ebenso konnten sich Deutsche An­leihen auf das Abendbörsenniveau erholen. Tages- geld war weiter leicht und gu 3% Prozent unver­ändert.

Nindermarki in Gießen.

Aus dem heutigen Rinder-Nutzviehmarkt standen 770 Stück Großvieh, 166 Fresser und 192 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hoch­tragende Kühe 1. Qualität 340 bis 380 Mk., 2. Qualität 210 bis 270 Mk., 3. Qualität 115 bis 150 Mk.: Schlachtkühe a) 130 bis 250 Mk., b) 50 bis 130 Mk.: Rinder 1/2» bis 3/4jä()rig 50 bis 120 Mk., bis 2jährig 70 bis 170 Mk., tragend 180 bis 320 Mk.: Kälber das Pfund Lebend­gewicht 28 bis 36 Pf. Marktverlauf: Vormarkt lebhaft, später abflauend.

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