Ausgabe 
22.3.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

au| tz^iert Kler OiboifN* Ltz

ML ige. ' ^ölei.

Rühmen

>^kS? ' b&N«,

r, S!°S-Ä"E w«5 in 'ZolorflugZeuge"' VVr r?®s gsslüge erl o g' Lars ausfuhrt-

E«lar. s * H2,Ot Shring^ 6"es. ®c$!<

K *

P2(0:0) Ms Srotzen^' Garben

6-

Leun. V rf1L>lunflen

* reizt sich fein °''A°r, & K

Sürdjte n,Kt°utru lesen, "^e, bie dich be- ff Her °ber, bu lieft ew° »ne Lew!- M- Es lohnte sich ßefegemeinfdjafien, le uufrurusen. - Gepflogenheit, ein heinungsjahrs aus ntmachen. Gegen- eine her wichtig. >schc fialfufation): rbgefetzt unb ans. 1 Äahre Ist, wenig. !>ze, lein Geschäft M W sucht bas r Sortimentsbud). ' Das ist traurig! Nein: ber Leser mmer lieber mmer mieber bas | Jen unb: (ein eige« i hüben.

n kurzes Geschehen besonders lebenbig bann klappe, nach- U, nimm Feber unb' It bes Gelesenen, sg lschreiben, unb bann unb vergleiche dein en - nicht, um dich m zu erkennen, wie leben zum Ausdruck s hättest besser ma- u bekommst bei sol­ang von bem, was h be(janbcln heißt, len Ertrag bieten, streben wieberhvlt. abpunkte bieten bir ur Beurteilung von ) auch zum Erken- ch eine gegrünbete, gebilbet host (ober, >er einem Teil bes jchem Durchdenken, vor Rätseln stehst), ng bei anbern. Diese t gemocht, wenn bu chost stänbest. Mit enbet ihr wohltuenb Buch, bas bir ge- , Deinen Geschmack rurückhaltenb bamit, te bu glaubst oer- ilich, wenn es dich ,is treibt, prebige ilj: dafür ober ba- verleihen - davon r nicht satt-. m°" ist zwiefach oeW st bitter zu Horen) fS: «'L

S e«i» 'b' irb er nicht »s0l>

Mittwoch, 22. März 1933'

183. Zahrgang

Nr. 69 Erster Blaff

Oer Tag von Potsdam im Echo des Auslandes

Rahmen und im Kundes"' fest. Das Herriot im September Völkerbundspolitik, der feen Turiner-Rede vom eigenen realpolitischen antwortlichkeit

Paris, 21. März. (1BIB.) Der englische Pre­mierminister Macdonald und der britische Staatssekretär des Auswärtigen Sir 3 o h n Si­mon sind in Paris eingetroffen. Die Verhandlungen mit Ministerpräsident Daladier und Außenminister Paul-Boncour begannen kur; daraus in dec eng­lischen Botschaft. Ls wurde darüber folgende amt­liche Mitteilung ausgegeben: Die franzöfifchen Mi­nister haben ihren Kollegen für die Informa­tionen gedankt, die diese ihnen brachten und die es ihnen erlauben werden, die ihnen unterbrei­teten Vorschläge einer eingehenden Prüfung zu un­terziehen. Die Minister der beiden Länder werden binnen kurzem aufs neue miteinander in Verbindung treten. Die französischen Mi­nister haben ihren Wunsch beteuert, baß im Inter­esse des europäischen Friedens im Rahmen und im (Bei ff e des Völkerbundes eine ver­trauensvolle Zusammenarbeit zwischen den vier europäischen Mächten, die ständige Mitglieder des Völkerbundes sind, eingeführt werden möge.

Ration, aus den Trümmern des Weltkrieges, aus der groben Rot der Zeit zu der Bewegung führte, aus der er die deutschen Menschen mit dem Willen zu einer neuen Volksgemeinschaft er­füllen wollte, zu der einzigartigen Erhebung -führte, die die Voraussetzung zu dieser Stunde in Potsdam war. Der Reichskanzler sagt im Grunde nichts Reues, aber der Ton, Form und Vortrag seiner Rede lassen erkennen, daß nach seinem Willen ein neuer Zeitabschnitt beginnt, daß die Revolution zu Ende tst und daß jetzt alle Volksgenossen, die guten Wil­lens sind, zusammengeschweibt werden sollen unter den Symbolen der alten Grobe und der jungen Kraft".

An einzelnen Stellen der Rede Hitlers unter­streicht Hindenburg die Worte seines Kanzlers durch ein energisches Kopfnicken. Unb wieder ist nur Hindenburg als der lebendige Mythos des deutschen Volkes, als die Verkörperung des unerschütterlichen Lebenswillens und der n-ver­siegbaren Kraft der Ration im Raume. cI8 der Kanzler die Versammlung auffordert, sich oa er­heben und in demütiger Ehrfurcht dem greifen Feld marsch all zu baldigen.

Dann ruht Hitlers Hand in derjeni­gen Hindenburgs. Wir erleben in dem Raunt dieses nationalen Heiligtums sinnfällig lebendig den Schwur, den das alte Deutschland mit dem neuen verbindet und im Herzen schwö-

Macdonalds Mißerfolg in Paris.

Frankreich will Mussolinis plan zwar prüsen,hält aber an der Völkerbundslinie fest

Auch ohne die sehr aufschlubreiche Begleit­musik der Pariser Presse konnte aus dem Kom­munique herausgelesen werden, daß es Mar- donald nicht gelungen ist, seine französi­schen Kollegen für eine auch nur grundsätzliche Zustimmung zu dem Plan eines Viermächte­paktes zu gewinnen. Daladier und Paul-Boncour wollen in den Vorschlägen Macdonalds nur

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer Ins zum Nachmittag vorher.

Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» hlamcanteigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20' , mehr.

Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und Für den An­zeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich m Gieren.

ist die Linie der von verkündeten französischen Mussolini in seiner gro- 23. Oktober mit der ihm Zielklarheit die Der­ber vier europäi-

ren Tausenbe mit, die Augenzeugen sind, be­seligt in dem Bewuhtsein. diese einzigartig« Stunde der deutschen Geschichte, vielleicht und hoffentlich den Geburtstag eines neuen gröberen und stolzen Reiches mit Augen und Ohren erleben zu dürfen.

Ein Choral verklingt. Lind jetzt erhebt sich der Feldmarschall noch einmal. Ein leiser Or­gelton tönt wie überirdisch durch den Raum, wäh­rend ein greises Haupt hinter dem Gitter ver­schwindet, das den Weg zur Bahre des groben Königs öffnet. Wie tiefstes reli- gioses Erschauern läuft es in diesen Minuten über der stehenden Versanzmlung, bie ihren Cckc- harb und ihren Helden, den lebendigen Ausdruck unseres nationalen Stolzes und Strebens und unserer volkhaften Kraft jetzt stumme Zwie­sprache halten toeib mit dem groben König. 3n dieser Minute steht Hindenburg zwischen dem kraftvollsten unb besten Vertreter bes alten Preu- bentums und dem Führer zum neuen Deutsch­land und legt im Geiste ihre Hände ineinander.

Als Hindenburg wieder im Kirchenraum er­scheint. wirkt in allen die Ergriffenheit noch mi­nutenlang nach. Die grobe Stunde ist zu Ende. Trauben in der leuchtenden Frühlingssonne war­tet die Menge, um die Führer des Reiches und ins neue Reich, um den geschlossenen Bund ju­belnd zu begrüben.

schen Grobmächte und die sich daraus er­gebende Rotwendigkeit ihrer ständigen Fühlung­nahme über alle groben Fragen entgegengestellt hatte.

Daß Frankreich sich gegen diese auch von England anerkannte Notwendigkeit hartnäckig sperrt ist bereits die zweite Enttäuschung, die Mac­donald von seiner kurzen Kontinentalreise nach

ein beunruhigender Machtfaktor geworden ist. Gleichzeitig werden die Beziehungen zum Vorkriegsdeutschland und zum monarchischen Gedanken mit unverkennbarem Mibtrauen unter­sucht. 3mQU atin' fragt Philip Barras, ob der Geist von Potsdam, der in Deutschland noch ganz lebendig sei, den Geist der Restau­ration bedeute. Bisher sei kein Anzeichen dafür vorhanden. Das moralische Prestige Hitlers im Reich gestatte daran zu zweifeln, dab er daran denke. Die Anwesenheit zahlreicher Abordnungen der Z e ntrumsjugenb in weihen Hemden habe auch zu denken gegeben. Man könne darin einen Beweis dafür sehen, dab hinter den groben schönen, aber etwas unbestimm­ten Zeremonien dieses Landes ein Gedanke wach sei und es fertig bringe, das Material eines festen politischen Gebäudes für morgen zu sammeln.

Saint Brice vertritt im3 o u r n a (" die Ansicht, daß die gegenwärtige Regierung auf einer unpro­portionierten Koalition beruhe. Ein Bündnis der Nationalsozialisten mit dem Zentrum sei nicht aus- zuschließen. Es sei um so wahrscheinlicher, als Hitler dieses Bündnis benötigt, um die Verfassung von Weimar unter normalen Bedingungen abzuändern

Petit Parisi en" schreibt: Es handle sich nicht nur um ein nationalsozialistisches Fest, das

(Erldjemt täglich, auf}« Sonnlags unb Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gienen« Familienblatter Heimat m Bilb Die Schalle

monat$:Bcjugsprels:

Mit 4 Beilagen RM 1 95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. - 25

Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Hernsvrechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anlchrist für Drahlnach- richten Anzeiger Liehen.

Postscheckkonto: frTonUurl am Ifiatn 11686.

Informationen" sehen und halten im übrigen am Gedanken einer Zusammenarbeit i m G e ist des "Bölter-

gestern in Potsdam gefeiert wurde, sondern u m einen nationalen Akt, der dazu berufen war, eine neue Aera in den Geschicken Deutschlsnds zu eröffnen. Der Tag von Potsdam habe ein Drei­faches gebracht: geräuschlose Beerdigung der Wei­marer Republik, Taufe des neuen Deutschlands und Weihe Adolf Hitlers. Die Franzofen hätten drei­fachen Anlab, darüber nachzudenken.

Römisches Echo.

Rom, 21. Marz. (WTB.) Bon der römischen Abendpresse wird die historische Bedeutung des Ta­ges mit lebhafter Snmpathie gewürdigt. Mit glei­cher Sympathie wird die vaterländische Begeiste­rung der Hunderttausende geschildert, die in Pots­dam zusammengekommen waren, und die tiefe, fast religiöse Ergriffenheit, mit der die Abgeordneten selbst die Reden Hindenburgs und Httlers aufnqh- men. Aus der Rede des Reichskanzlers werden be­sonders die Stellen gegen d i e Kriegs« fchuldlüge und g e g e n b i e ewige Tren­nung in Sieger und Besiegte sowie der Passus heroorgehoben, in dem der Reichskanzler Hitler sich als aufrichtiger Freund eines Friedens bekennt, unter dem endlich die Wunden verheilen können.

als ob nur noch ein Mann den _ ganzen Raum erfüllte. Klar und eindringlich strömen die ganz einfachen und doch so bedeutsamen Worte an die von ihm erwählten Führer des Reiches und an die Vertretung des deutschen Volkes aus fei­nem Munde. Rur an wenigen Stellen steigert er seine Stimme. Rur zweimal unterstreicht er seine Worte durch eine Handbewegung, und alle fühlen die verpflichtende Eindring­lichkeit in diesen Augenblicken.Ich toeib er toenbet sich etwas zur Rechten, zu Hitler zu­rückdab Kanzler und Regierung mit f e st e m Willen"der feste Wille" wird scharf her­vorgehobenan die Lösung dieser Hauptauf­gabe Herangehen." Roch einmal macht Hinden­burg eine Handbewegung nach beiden Seiten zu den Volksvertretern, als er die Tlnterstützung des schweren Werkes fordert.Die klare Erkenntnis der Lage und der Rotwendigkeit"das alte Preußen" unddas stolze Deutschland", das sind die Stellen, die Hindenburg klanglich stark unterstreicht.

Dann geht Hitler zum vergoldeten Podest. So wie er heute spricht, ist er ganz herausgewach­sen aus der Atmosphäre der Volksversammlung. Er ist von der geschichtlichen Bedeutung der Stunde offenbar ganz tief durchdrungen. Er spricht als der Wann, der Deutschland nun führen soll. Kurz zeichnet er den Weg. der aus dem geschichtlichen Zwiespalt der deutschen

Hause mitbringt. Eine erste lag in dem alsbald fest- zustellenden Mißerfolg seines Auftretens in der Abrüstungskonferenz; fein Plan, der die Konferenz retten sollte, ist, wie so mancher vorher, entsprechend einer schon eingewurzelten Konferenz unter Blumen begraben" worden. Wie vor einem Jahre erscheint auch jetzt wieder das O st e r f e |t als wahre Rettung der Konferenz, indem es eine gewisse natürliche Unterbrechung der Ar­beiten und damit einen neuen Zeitgewinn für direkte Besprechungen zwischen den hauptbeteiligten Mächten herbeiführt.

Dje völlige Berfahrenheit der Konferenzsituation und die Verlegenheit, in der sich die englischen Mi­nister befinden, kann sich auch nicht deutlicher er­geben als aus der Tatsache, daß der englische Außen­minister das Herankommen der Ostcrpause nicht einmal abgewartet hat, sondern den Kcmferenzpräsö benten Henderson gestern von Paris aus telephonisch veranlaßt hat, schon jetzt die Unterbre­chung der Konferenz und damit die mehr­wöchigen Verschiebungen der weiteren Aussprache über den Macbonalbplan in die Wege zu leiten.

Amerika schaltet sich ein.

Washington, 21. März. (TU.) Hohe politische Kreise gaben am Dienstag einen amerikani­schen Plan bekannt, der ein europäisches Ab­rüstungsabkommen anstrebt. Der Plan besagt:

1. Die Vereinigten Staaten sind f ü r e i n e M i t - arbeit am Mussolini-Plan. Sie treten darüber hinaus für ein Abkommen über eine Gewaltverzichtanwendung in Europa für die Dauer der nächsten zehn Jahre ein Dabei soll der Kellogg-Briand-Vertrag zu Grunde gelegt werden, ohne aber Amerika im Falle von Vertragsverletzungen irgendwie zu verpflichten.

2. Die Bestrebungen der europäischen Länder be­züglich eines endgültigen Abkommens über d i e Landrüstungen wurden im Interesse der Erhöhung des gegenseitigen Vertrauens gebil­ligt.

3. Amerika bietet seine Mitarbeit beiderAus­stellung der Ziffern für ein derartiges lieber- einkommen an ober will wenigstens ein lieberem kommen auf Grund des Mufsolmiplanes erleichtern.

4. Die Regierung der Vereinigten Staaten tritt dafür ein, alle europäischen Länder in den Mussolini-Plan aufzunehmen.

London, 3. März. (WTB. Funkfpruch ) Die großen Feierlichkeiten bei der Eröffnung des neuen deutschen Reichstages in Potsdam wer­den von der englischen Presse in größter Auf­machung und spaltenlangen Berichten wieder- gegeben. In eindrucksvollen Ueberschriften wird besonders der feierlichen Zurückweisung der Kriegsschuldlüge durch den Reichs­kanzler Beachtung gewidmet. Die redaktionellen Aeußerungen der Blätter nehmen mit echt eng­lischer Ruhe entsprechend ihrer politischen Tleber- zeugung Stellung und suchen sich über die ge­genwärtige und künftig^ Lage in Deutschland klar zu werden. Vielfach wird der Gedanke aus­gesprochen, daß der Reichstag sein eigenes Be­gräbnis begangen habe, und daß es mit der Demokratie einstweilen in Deutschland zu Ende sei.

Der liberaleR e w s Chronicle" gibt der Hoffnung Ausdruck, Deutschland möge einsehen^ daß seine Interessen im Augenblick nicht in der Wiederbelebung alter Streitigkeiten oder der Stellung unzeitgemäßer und unmöglicher For­derungen liegen, sondern darin, dem immer leb­hafter werdenden Wunsch der Völker Europas zu entsprechen, der auf ein friedliches und achtungsvolles Verhältnis mit al­len Rachbarn und nicht zum mindesten mit Deutschland abzielt. Die rechtskonserva­tiveM o r n i n g P o st" sagt, die deutschen Republikaner würden jetzt einsehen, daß einer ihrer großen Fehler darin bestanden habe, dem Volk nur Parteigezänk geboten zu haben, anstatt wenigstens die AnsPe eines offi­ziellen Zeremoniells zu schaffen und so die Loyali­tät der Allgemeinheit zu fördern. Den besten Wegweiser zum Verständnis der Entwickelung, die am 30. Januar in Deutschland begonnen har, glaubt «Worning Post" in einer Stelle der Breslauer Rede des Vizekanzlers von Papen zu finden, wo der Staat von Weimar als ein Staat von Gnaden der vormaligen Feinde bezeichnet wurde, die das deutsche Voll im Zustande dauernder Tlnterlegenheit hüt- ten halten wollen.Morning Post" gibt der Ansicht Ausdruck, daß die Hauptfundamente des Dismarckschen und des Weimarischen Regimes verschwinden und durch etvKas erseht werden sol­len, was mehr dem System Mussolinis ent­spreche. .

D a i l h T e l e g r a p h" behauptet, die gestrige Feier bedeute die Verwerfung der Demokratie, der bürgerlichen Rechte und der Friedensidee durch die Mehrheit der deatschen Wählerschaft und fühlt sich befugt, Zweifel daran zu äußern, daß die neue Regierung einer Staatskunst fähig sei, die zu heilen und aufzubauen verstehe. Don ähnlichem Geiste der.Unfreundlichkeit getragen ist auch ein Leitartikel derTimes". Er bringt historische Betrachtungen über Friedrich den Gro­ßen, die den König so darstellen, wie ihn der Zerrspiegel feiner zeitgenössischen Gegner ge­schildert haben mag. Das Blatt stellt zwar fest, daß niemand dem Reichspräsidenten v. Hindenburg Größe, oder dem Reichskanzler eine bemerkens­werte Fähigkeit auf dem Gebiete der Redekunst und der politischen Strategie absprechen könne, schließt aber daran eine sehr unfreundliche Be­sprechung der innerpolitischen Vorgänge in Deutschland. Es handele sich zwar um Dinge, die Deutschland allein angingen, ein Uebergreifen auf das Gebiet der Außenpolitik würde jedoch die sofortige und unvermeidliche beklagenswerte Folge haben, Deutschland zu iso­lieren und die fremden Regierungen zu einer ge­meinsam gegen Deutschland gerichteten Politik zu- sammenzuschweihen.

Der Eindruck in Frankreich.

Paris, 21. März. (TU., Sämtliche Pari­ser Blätter raumen den Vorgängen in Pots­dam einen hervorragenden Raum ein. Im redak­tionellen Teil tritt die Feststellung in den Vor­dergrund, daß Deutschland von neuer inne­rer Kraft beseelt, geschlossen hinter sei­nem Führer steht unb, daher für die Rachbarn

Oie große Stunde. I

Don unserer Berliner Redaktwn.

Potsdam, den 21. März 1933.

Alles bas, was in beim frifdjen sonnigen Früh­lingstag an Klingen unb Singen burch deutsche Lande ging, an Jubel der wehenden Fahnen unter dem drohenden Schritt ber Soldaten unb ber brau­nen unb felbgrauen Bataillone, alles das, was ins­besondere die Wallsahrt ungezählter Ta u |enbe in bie Stadt des großen Königs führte, bas fanb feinen Sinn unb Höhepunkt in ber einen Stunde an ber Gruft Friebrichs des Großen.

Den Millionen Deutschen, bie bie Stimmung bie- s« weltgeschichtlichen Stunbe nicht nur mit ben Ohren, fonbern mit allen Sinnen erleben durften, strahlten Stolz, heiße Freude u n b t i e f e s Glück aus feuchtschimrnernben Augen. Dicht ge­längt warteten bie Menschen auf ben beiden hohen Emporen des seltsam barocken Rechtecks der Pots­damer Garnisonkirche. Von allen Pfeilern unb Vorsprüngen des golbgeschmückten Marmors grüßen bie stolzesten Zeichen preußisch-beutscher Geschichte, bie Fahnen glorreicher Regimenter aus zwei Iahrhunberten. An allen Wänben ber Empo- reu, Tafel neben Tafel, geschmückt mit bem Ester- nen Kreuz unb mit ben Namen von Kämpfern aus ben Helbischen Zeiten beutscher Geschichte seit 1813.

Heute hat jeder, ber bas schönste Ehrenzeichen erringen konnte, die Brust nicht nur mit bem Bank), fonbern mit bem Kreuz felbft geschmückt, bas Kreuz auf ber Friebensuniform, am felbgrauen Stahlhelmrock ober am Braunhemd, so fühlen sich die Menschen in dieser Kirche verbunden mit den großen Traditionen der preuhisch-deutschen Ge­schichte, mit denen dies Heiligtum der Nation erfüllt ist. und aus deren Geist das Dritte Reich wieder aufgebaut werden soll.

Veteranen in ber Generalsuniform unb im ab­geschabten schwarzen Rock, bie mit bem Felbmar- scholl selbst es an Jahren ausnehmen können, teils auf Krücken, werben auf ihren Platz geleitet. Sie nennen biefe Stunbe als bie tiefste Beglückung unb Hörste (Erfüllung ihres zur Neige gehenben Lebens.

Das Summen im Gedränge der leuchtenden Uni­formen aller Art unb bes feierlichen wchwarz legt stch als Musik von braufeen antünbigt, baß bie Gottesbienste zu Enbe sinb, und bafe ber Felb- mar schall kommt. Zunächst erscheinen die Abgeordneten der nationalsozialisti- schen Reichstagsfraktion in ben braunen unb schwarzen Uniformen ber SA. unb SS. in ge- fdjlollenem Zuge. Sie füllen ben Block zur Rechten bes Sessels, ber bem Reichspräsibenten vorbehalten

Auf der Stuhlreihe zur Linken nehmen jetzt drei Braunhemden Platz. Mein Auge kreuzt den Blick mit einem frischen Iungengesicht, das mir so oft in politischem Kampfgespräch gegenüber saß. ohne Uniformrock, ohne Hoheitsabzeichen der SA. an der Uniform, nur im einfachen Braunhemd dieser Junge ist heute Reichskommissar von Baden . . . Du hast recht behalten mit deinem ganz reinen sieghaften Idealismus, Ro­bert Wagner, mit deinem Kampfeifer, der dich so früh und so besonders eng mit Adolf Hiller zu gemeinsamem Kampf und zu gemeinsamem Leid verband. Heute darfst du wie wir alle im Banne jener mythischen Erscheinung verweilen, die das Werden des ersten Reiches erlebte, und heute, ne­ben Adolf Hiller sitzend, das neue Reich segnet. Die neuen Staatspräsidenten von Württemberg und Hessen neben ihm im Braunhemd. General Epp, der Reichskommissar von Bayern, er­scheint in brauner Galauniform und grüßt seine drei Kameraden mit dem Hitlergruß. Am Ende dieser Stuhlreihe neben Epp nimmt der Vize- kanzler von Papen Platz. Die Länderreihe ist beseht. Gleichzeitig hat sich auch die Minister­reihe gefüllt. In der Kaiserloge erscheinen etwas ! im Hintergründe Mitglieder des Hohenzollcrn- hauses.

Die Sonne wirft ihre Strahlen durch die Fenster auf die roten Sessel, auf denen der Reichspräsident, der Reichskanzler und der Reichstagspräsident vor dem vergoldeten Podest unter der Kanzel Platz nehmen sollen. Orgelton erfüllt den Raum. Draußen erllingt die Rational­hymne. Geleitet von seinem Staatssekretär, dem Sohne, gefolgt von Hitler und Göring erscheint im Kirchenraum die reckenhafte Gestalt des Man­nes, in dem sich deutsches Schicksal seit zwei Ge­nerationen verkörpert. Es ist wohl keiner unter uns, der nicht von tiefster Ehrfurcht erfüllt wäre In dem Augenblick als die Gestalt mit dem schneeweißen Haupt langsam seinem Platz zu- schritt, dem Haupt, in dessen Erinnerung an das bewußte Miterleben und Gestalten der deutschen Auseinandersetzung von 1866. des Jubels beim ersten Versailles, des Jammers beim zweiten Versailles lebt und der nun der Jugend des erwachten Deutschlands die Tore geöffnet hat zur Gründung eines neuen Reiches. Die ganze Versammlung steht. Aus dem machtvol­len Block der Braunhemden recken sich hunderte von Händen zum Hitlergruß tote zum Schwur. Die Vertreter der Länder recken ebenfalls die Hand empor. Schweigend und ergriffen stehen die Uebrigen. Der Feldmarschall grüßt mit dem Stab zur Kaiserloge, zu den Ländern, zur Reichs­regierung. zu den Volksvertretern. Einen Augen­blick steht er mit gesenktem Haupt, in offenbar tiefer Ergriffenheit vor bem Altar, ehe er sich niederläßt.

Während die Melodie des Chorals sich nieder­senkt, fährt sich Hindenburg einmal mit der Hand über die Augen. Keiner, der nicht bei dieser Be- toegung ein tiefes Erschüttern fühlt. Jeder ahnt, toas in dieser Stunde im Geiste dieses Mannes vorgeht. Dann steht der Marschall und es ist,

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Crrtf und verl-a: VrLhl'sch- UnIveistlSlr-vuch- und Steinöraderel R. £me In Sieben. Sflriftltifnng und Seschästr'tk'le: St'itT^e 7.