Ausgabe 
21.1.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

I

An-

ihren

Mo-

Geschichten aus aller Welt

>e Behandlung.

** Eine Fünfundsiebzigjährige. Frau

derin des Korsettenhauses Geschwister Aron.

jahres.

Metallindustrie.

Der (£ uns schreibt, in den und Mit rariich beson" 2lm Sonntag. Gcdenkse er st lünstlers Dr. Männerchores unter Leitung Schüttler, und Eichcndor

Notwerks der deutschen Jugend noch Fortbildungsmaßnahmen im Januar ang nehmen.

D-chter Erwin öuiöo Kolbenheyer einen Dort.ag überLebenowert und Lcbcnswrlung der Dichtlunst in einem Dolle" halten. Auch dieser Vortragsaornd w.rd ein literarisches Er­eignis ersten Ranges werden. (Räperes ist aus dem heut gen QIn;e genteil zu ersehen.)

Städtische Drennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Brennholzversteige- rung auS den Waldungen der Stadt Gießen (För­sterei Hochwart) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Duchenscheiter 1. Klasse 8,80 Mk. per Raummeter. 2. Kl. 6,80 Mk., Eichenscheitrr 1. Kl. 7.00 Mk., 2. Kl. 5,00 Mk., Grlenscheiter 2. Kl. 5,20 Mk.. Duchenlnüppel 1. Kl. 6.60 Mk.. 2. Kl. 6,20 Mk., Eichenknüppel 2. Kl. 4,60 Mk.. Kicfernknüppelreisig 3.00 Mk.. Duchenstöcle 1. Kl. 5 00 Mk.. 2. Kl. 4,20 Mk. per Raummeter, Buchen- rcisig 2. Kl. 16,00 Mk. per 100 Wellen. 3. Klasse

naten November und Dezember mit 685 Beratun­gen (438 für männliche, 247 für weibliche Rat- uchende) gegenüber den gleichen Monaten im Dor- ahre eine starke Zunahme der Beratungssälle zu verzeichnen. Ein sehr hoher Prozentsatz der Rat- suchenden waren Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten, zumeist Abiturienten mit noch völlig ungeklärten Berufszielen. Fehlende Unterkommens­möglichkeiten in praktischen, Reichswehr», Polizei»

JüriiütiAcn.

c he - Bund bietet, wie man n nächsten Tagen seinen Freun- Detn zwei tüustierisch und lite- bedeutsame Veranstaltungen.

Januar, f.ndet eine Eichendorff- mtcr Mitwirkung des Sprech- .riedrich Castelle und des s Ge.angvere.nsHeiterkeit" eines Dirigenten Musiklehrer . Castelle w.rd Gedcnlworte .chtungen sprechen: der Chor onsten Eichendorfs-L eder singen.

Verhütet Frostschäden!

Der normale Ablauf der Lebenstätigkeit unseres

Jenny Wohlmuth, Selter. iucg 59, kann am ; i-.,.o ------ ----- ,

Montag, 23. Januar, bei guter Gesundheit ihren 15,00 Mk.. Eichenreisig 2. Kl. 13£0 Mk. per ICO 75. Geburtstag feiern. Die Jubilarin ist die Grün» I Wellen. Duchennutzscheiter 9,00 Mk. per Raum- derin des Korsettenhauses Geschwister Aron. meter.

Die Marktlage der oberhcss.schen Metallindu- strie hat auch in der Berichtszeit eine Ver­schlechterung erfahren. Ein Tetrteb hat wegen Arbeitsmangel 50 Arbe tskräfte entlassen. Weitere Entlassungen stehen bevor. ES meldeten sich nm Schlüsse der Derichtszeit 2663 Metall­arbeiter als Arbeitsuchende gegenüber 2490 des Dormonats und 2518 des Vorjahres.

Holzgewerbe.

Die olerhessischen S^ ewerksb triebe kla ei all­gemein über Arbeitsmangel. 3m Rovemoer waren verschiedene kleinere Betriebe noch auf­nahmefähig. Verfügbar waren 1135 Personen gegenüber 1031 des Vormonats und 854 des VorjahreS.

Verkehrsgewerbe.

Auch hier hat sich die Marktlage ver­schlechtert. Don selten der Reichsbahn muhten

Polieren für B a u s ch r e i n e r, durchgeführt vom Holzarbeiterverband, Gießen. Für Januar sind vor­gesehen Kurse für Schlosser, Dreher usw., sowie Zimmerer, Glaser usw. und Elektriker in Gießen, für Maler und Weißbinder usw. in Heldenbergen, Friedberg und Garbenteich, für Schreiner in Lau­terbach und für Derkaufsangestellte und Maschinen-

chreiber in Gießen. Ferner werden im Rahmen des verschiedene

Berufsberatung.

Die Berufsberatungsabteilung hat in den

e ne Reche der ,

Sodann wird c n Donnerstag. 23. Januar, der

Oie Arbeitsmarkilage in Obecheffen

Oie Lage in den einzelnen Berufen.

Das Arbeitomt Gießen berichtet in feinem Rückblick auf die Arbeitsmarktlage Ende Dezember 1932 (ogl. die Zusammenfassung im Gießener An­zeiger vom 18. Januar) über die Beschäftigung in den einzelnen Berufsgruppen.

Land- und Forstwirtschaft.

Im Monat November konnten wir 850 Arbeit­suchende aus verschiedenen Berufsgruppen für den Holzeinschlag vermitteln. Auch im Dezember wurde eine Anzahl Leute in den Holzwald vermittelt, doch bleibt im ganzen gesehen die Dermittlungszahl gegenüber früheren Jahren weit zurück. Infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit und der damit verbunde­nen Beendigung der landwirtschaftlichen Außen- arbeiten hat auch hier die Bermittlungstätigkeit stack nachgelassen. Neueinstellungen von Gesinde zum Jahreswechsel sind nur in geringem Umfange er­folgt. Die Rosengärtnereien haben im Monat De­zember wegen Arbeitsmangels 15 Gärtner entlassen. Verfügbar waren 911 Arbeitsuchende gegenüber 746 des Vormonats und 444 des Vorjahres. Die Ver­doppelung der Zahl der Arbeitsuchenden innerhalb eines Jahres ist in erster Linie darauf zurückzu- sühren, daß sich Landwirtssöhne, die in früheren Jahren dem Arbeitsmarkt femblieben, als Arbeit­suchende zwecks Unterbringung in den Freiwilligen Arbeitsdienst dem Arbeitsamt verfügbar halten.

Industrie der Steine und Erden.

Ein Basaltsteinbruch wollte nach Fertigstellung einer größeren Notstandslieserung ftiUegen und die Belegschaft zur Entlassung bringen. Es ist aber ge­lungen, durch einen größeren Auftrag für Schotter- steine den Betrieb weiterhin aufrecht- zuerhalten. Ein anderer Steinbruchbetrieb war gezwungen, wegen Arbeitsmangels 62 Steinarbeiter zu entlassen Dem Arbeitsmarkt standen am Schluß der Berichtszeit 1545 Personen zur Verfügung gegenüber 1420 des Vormonats und 1770 des Dor-

wegen Deendigung der dorgesehenen Arbeiten 120 Zeitarbeiler entlassen werden. 830 Arbeit­suchende waren gegenüber 735 des Vormonats und 633 des Dorjchres verfügbar.

Angestelllenberufe.

Die Lage des Arbeitsmarktes für Angestellte hat sich in den beiden letzten Monaten nicht wesentlich gebessert. Lediglich im Einzel­handel war eine geringe Besserung durch das Weihnachtsgeschäft zu bemerken. Auch die Fi­nanzämter des Bezirks hatten Bedarf an Zeit- Hilfen. der durch Vermittlung des Arbeitsamts gedeckt wurde. Reueinstellungen auf Grund der Steuersche'.nvergünstgungen wurden nicht gemel­det. Die Zu- und Abgangsbewegung im Laufe der Monate war unbedeutend. Ende Dezember waren stellenlos gemeldet:

671 männl, kaufm.- u. Düroangestellte. 216 weibl. kaufm.- u. Büroangestellte. 216 m- n l e n sche Büro nzestellte.

18 männl, sonstige Düroangestellte, 8 weibl. sonstige Düroangestellte,

insgesamt 1101 Angestellte.

Die Aufnahme berufsfremder Arbeit durch An­gestellte hält an. 3n der Hauptsache handelt es sich hierbei um die Beteiligung an Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes.

Berufliche Fortbildungvmaßnahmen für Arbeitslose.

Wie in den letzten Jahren, so veranstaltet das Arbeitsamt Gießen auch in diesem QDinter für Arbeitslose bis zu 25 Jahren Kurse §ur Er­haltung und Verbesserung der be­ruflichen Leistungssähigke it. Im Hin­blick auf die durchweg lange Arbeitslo,rgkeit Der Jugendlichen, dürfte die Durchführung solcher Kurse nicht nur zweckmäßig, sondern sogar not­wendig erscheinen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren hat sich gezeigt, daß das Interesse der Jugendlichen an diesen Kursen jetzt bedeutend größer ist. Den Anfang machten im Rovember die kaufmännischen Angestellten mit zwei gut besuchten sechswöchigen älebungskur- fen in Maschinenschreiben, die von der Ceffen'.Ii5;en Handels.ehranstalt Gießen durchge­führt wurden. Ferner wurde im Rahmen der Winterveranstaltungen des Bildungsverbandes der deutschen Buchdrucker, Ortsgruppe Dießen, ein sechswöchiger Fortbildungskurs für Drucker und Setzer in der hiesigen Gewerbeschule abge­halten. Eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten findet am 29. Januar 1933 im Krausmüllersaal des Gewerbehauses, Gießen, Goethestrahe, statt. Ferner begannen im Dezember cinzehnwöchi- g c r Tlebungskurs in Einheitskurz- i d) r i f t für Angestellte, durchgeführt von der Oef- fentlichen Handelslehranstalt, Gießen, ein 8wöchl- ger Kurs in Intorsienarbeiten, Fournieren und

Körpers ist an die Aufrechterhaltung einer Tempe­ratur von 36 bis 37 Grad Celsius im Körperinnern gebunden. Treten, wie im Winter, äußere Kälte­einflüsse an uns heran, so sucht sich der Körper zu- nächst durch Betätigung einer Reche feiner Regu- lierungsoorrichtungen gegen eine äußere Abkühlung zu schützen. Die wichtigste dieser Abwehrmaßnahmen besteht in der Erweiterung und Verengerung der Hautblutgefäße. Ist deren Funktionieren behindert, dann kommt es leicht zu Frostschädigungen der Ge­sundheit. Diese finden sich gewöhnlich besonders an den von der Kleidung am wenigsten bedeckten oder dem Herzen am fernsten gelegenen Körperpartien, wie an den Ohren, der Nase, den Händen und den Füßen. Geht die Erkältung über die sogenannten Frostbeulen soweit, daß es zur Blasenbildung und zu deren Ausbrechen kommt, so spricht man von Frost zweiten Grades. Hierbei kann es durch eine starke langandauernde Kälteeinwirkung zum Ab- frieren ganzer Gliedmaßen, ja sogar zum Tode durch Erfrieren kommen, wenn nicht schnell genug geeignete ärztliche Hilfe zur Stelle ist. Glücklicher­weise sind diese Fälle schwersten Frostes recht selten.

Abgesehen' von einer sorgsamen Pflege und Ab­härtung der Haut, eines Trainings der Blutgefäße, das schon in den warmen Tagen des Sommers be­ginnen muß, lassen sich zur Verhütung von Frost- . schätzen folgende Ratschläge geben: Man trage mol- lene, warme Handschuhe und möglichst wollene Strümpfe, evtl. Ohrenklappen. Das Schuhwerk sei bequem und lasse Den Zehen einen genügenden Spielraum. Bei längerem Aufenthalt im Freien, insbesondere bei nasser Kälte mache man sich recht­zeitig Bewegung und vermeide längeres Stehen ober Sitzen. Rascher Uebergang von Kälte zu Hitze und umgekehrt ist unzweckmäßig und sollte unter­laßen werden. Wertvoll für die innere Erwärmung des Körpers ist eine gute kräftige Ernährung, vor allem reichlicher Fettgenuß. Bei schwerer Erfrie­rung bringe man den Kranken zunächst in einen fühlen Raum, gehe mit den erfrorenen Gliedern, die leicht bred)ei . besonders vorsichtig um und sorge hier, ebenso wie allen leichteren Fällen, für rasche, sachgemäße ärzl >e Behandlung.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Segen des Telefons.

(N. H.) Kopenhagen.

Die Haupttugend des Kopenhageners ist seine Neigung zur Bequemlichkeit. Er erregt sich nicht gern. Er schimpft selten. Er schläft auch gern lange. Er läuft nicht gern zu Fuß. Es gibt Leute, die nur eine Beschäftigung haben und dabei die gesunde­sten Nerven der Welt behalten: sie telefonieren. Die einzigen, die im Telefon schimpfen, sagte mir un- längst eine lelcjonfräuleinftimme, seien Deutsche in Kopenhagen.Sint som en tysker" (wütend wie ein Deutscher), ist eine dänische Redensart. Man höre: hier in Kopenhagen sterben die Nervenärzte deshalb aus, weil vor ein paar Jahren und noch früher die Khöbenhavns Telefon Aktie Selskab" zu Deutsch Kopenhagener Telefon A.-G.", als Privatinhaberin des Groh-Kopenhagener Telefon-Netzes auf den guten Gedanken kam, eineTelefonwache", eine Vorausnotierungs-Stelle" und eineTelefon-Weck- Uhr" anzufchaffen. Das geht so: will man morgens um 6 Uhr 20 geweckt werden (diesen teuflischen Wunsch kann nur ein Deutscher haben), so ruft man das sogenannteRescroetelefon" an, nennt, oft früh oder spät in der Nacht oder am Tage, seine eigene Telefonnummer und gibt seinen Wunsch bekannt. Der unsichtbare Engel Gabriele notiert, dankt und morgens rasselt die Telefonschelle, man weiß, was die Glocke geschlagen hat, man begibt sich ge- mächlich an den Apparat, dort tönt einem die Frage entgegen, ob man die und die Nummer habe? Man sagt ja. Gabriele sagt, es sei sechs Uhr 20 und wünscht artig guten Morgen. Der Spaß kostet 15 Dere.

Weiter: Man ist Junggeselle, hütet seinen Laden allein, hat aber einige wichtige Gänge zu erledigen, weshalb man erst um 11.50 Uhr wieder zu Hause sein kann. Man ruft wiederReferveteleson" an, nennt seine Nummer, läßt genannte Zeitangabe no­tieren mit dem Ersuchen, jedem, der während der Zeit bis 11.50 Uhr anrufen sollte, mitzuteilen, daß man 11.50 Uhr wieder telefonisch und auch persön­lich zu treffen fei. Gabriele nimmt auch Bestellun­gen eventueller Anrufer entgegen. Ist man bann 11.50 wieder daheim, fo bestellt man diesen Telefon­wächter ab, bekommt gleichzeitig mitgeteilt, wer in­zwischen angerufen, wer überdies auch Bestellungen gegeben habe.

Man will feinen dreiunddreißig Freunden gleich­zeitig eine dringende Mitteilung machen (jeder hat hier ein Telefon). Man braucht nicht jeden einzelnen der dreiunbdreißig Freunde hintereinander anzu- rufen. Um Himmels willen. Man ruft wieder feinen Bundesgenossen an, bittet umTelefonmöde", zu Deutschlelefonoerfammlung", gibt jede der 33 Freundesanschlüsse der unsichtbaren Helferin auf, sie verbindet gleichzeitig sämtliche 33 Freundes- anschlüsse mit dem Besitzer dieser 33 Freunde, und er gibtim gleichen Atemzug" den 33 das, was er mitzuteilen hat, bekannt. Erledigt. Innerhalb von fünf Minuten. Kostet zehn Oere bei fünf Anschlüs- fen, wobei das Gesamtgespräch nicht über zehn Minuten dauern soll.

Ein aufopfernder Polizist.

(g) London.

Auch Australien leidet unter einer empfindlichen Wirtschaftskrise. Handel und Gewerbe liegen dar­nieder, die Zahl der Arbeitslosen wächst von Mo- not zu Monat, und macht sich die übliche Begleiter­scheinung der Arbeitslosigkeit, die sog. Schwarzar­beit in fast allen Serufsarten immer unangenehmer bemerkbar. Die Regierung hat ihre Exekutivorgane angewiesen, mit den strengsten Maßnahmen gegen Schwarzarbeiter vorzugehen.

Schon wiederholt hatten Zahnärzte und Dentisten in Sidney sich bei der Polizei über einen gewissen I. beschwert, der ihnen, ohne die geringste Appro­bation zu besitzen, empfindlich ins Handwerk pfusche und durch seine niedrigeren Preise die Kundschaft wegnehme. Trotz anhaltender Beobachtungen und wiederholter plötzlicher Haussuchungen war dem Manne jedoch nicht das geringste nachzuweisen.

Da entschloß sich der Polizist Francis Warren, sich im Interesse des Allgemeinwohls und der Ge­setze zu opfern. Obwohl er ein tadelloses Gebiß be­sitzt, verband er sich die Backe und suchte in Zivil Mister .T. auf, dem er seine unerträglichen Zahn­schmerzen oorjammerte. Und Mister I. zog ihm flugs für geringes Honorar den angeblich kranken Zahn. Damit hatte er sich dem Gesetz in die Hände geliefert. Der Polizist Francis Warren jedoch darf für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, der erste Mensch gewesen zu sein, der, um einem anderen auf den Zahn zu fühlen, einen eigenen Zahn geopfert hat.

Der Flaggenmann vom Eiffelturm.

(fn) Paris.

Da es nur einen Menschen auf dieser Erde gibt, der bisher die Flaggen auf dem Eiffelturm er­neuerte, ist der Berus des Eugene Lamier in Paris, wohnhaft Eiffelturm, sogar in höchstem Maße ori­ginell. Man wurde darauf aufmerksam, daß es einen Mann mit diesem seltsamen Beruf gibt, als Lamier zum Chef über alle Fahrstuhlführer im (Eiffelturm ernannt wurde. Dabei kontrollierte man denn danz genau, was er außer feiner Auffeher- tätigteit vollbracht habe bis jetzt. Anfanas war Eugenie Lamier der jünafte Arbeiter am (Eiffelturm. So um 1889 war das. Zu Eissels Baukolonne kam er sogar, als er erst 12 Jahre alt gewesen ist.

Fünf Sous habe ich die Stunde verdient. Sechs Brücken habe ich mit Eissel gebaut. Aber immer, wenn die Flagge aus dem (Eiffelturm erneuert wer- den mußte, dann war ich zurück."

Speisezettel der Kinderspeifung durch die Reichswehr. In der Woche vom 23. bis 28. Januar hat die Kinderspeifung. die seit Anfang dieser Woche vom hiesigen Re.ch.'wehr-Bataillon in den Gießener Schulen durchge ührt wird, folgenden Spe.fezettel auszu- wei'en. Montag: Makkaroni mit Mischobst: Dienstag: Haferflocken mit Rindste.sch: Donners­tag: Dohnen mit Schweinefleisch: Freitag: Kar- tofselgemüie mit Bratwurst: Samstag: Rindfleisch mit Reissuppe. Am Mittwoch fällt die Schule aus, es findet also auch keine Kinderspeisung statt.

** Eine W i n t e r h i l f e - L o t t e r i e, von der Hessen nichts erhält. Vom Vorstand der Gießener Winternothilfe wird uns mitgeteilt: Der Landesausschuß der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege in Hessen macht darauf aufmerksam, daß von der Volkswohl-Lotterie zu Gunsten der Winterhilfe, deren Ziehung am 16. und 17. Februar ftattfinbet, die Winterhilfe in Hessen nichts bekommt, daß vielmehr der Erlös der Lotterie nur der Winterhilfe in Preu­ßen und einigen anderen deutschen Ländern zugute kommt.

Unfall im Kanalschacht. Gestern mittag gegen 12 Uhr ereignete sich an der Westanalage ein Unfall. Der 63 Jahre alte Kanalvorarbeiter Friedrich Wenz war damit beschäftigt, in einem Kanalschacht eine Holzbohle zu lösen, die bann nach oben gezogen wurde. Dabei glitt die anscheinend etwas schlüpfrige Bohle aus der Seilschlinge, stürzte in die Tiefe und fiel dem untenstehenden Vorarbeiter so un­glücklich auf den Kopf, daß er eine nicht unbedeu­tende Verletzung erlitt. Durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde der Verunglückte nach der Chirurgischen Klinik ge­bracht.

"DieAlt«rsvereinigungl882/1932 hielt dieser Tage ihre Hauptversammlung ab. Rach dem vom Vorsitzenden bzw. Pressewart erstatteten Jahresbericht haben die Bestrebungen der Verei­nigung zur Pflege des Kameradschaftsgeistes trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse all- seitige Unterstützung gefunden. Den erwerbslosen Mitgliedern wurde dank der Opserfveudigleit vie­ler Mitglieder weitgehende Unterstützung zuteil. Die Kaffenverhältnisse sind günstig, so daß der Beschluß gefaßt wurde, einen größeren Betrag zur Speisung bedürftiger Kinder zur Verfügung zu stellen. Zur bleibenden Erinnerung an die Gründung der Vereinigung wurde am eigentlichen Ludwigsbrurrnen ein Ruheplatz hergerichtet, der nach seiner Fertigstellung im Früh'ahr feiner Be­stimmung übergeben werden soll. Die Dorstands­wahl ergab die Wiederwahl sämtlicher Mitglieder des Vorstandes und des DergnügungsausschusseS.

und sonstigen Beamtenberufen werden manch» wiederum ungewollt zum Hochschulftudium drängen. Die männlichen Ratsuchenden äußerten 63, die weiblichen 26 verschiedene Berufswünsche. Don ersteren wurden folgende Berufe in angegebener Reihenfolge am häufigsten begehrt: Unentschlossen 51, kaufmännische Berufe 32, geh. mittl. Beamten- laufbahn 16, Autoschlosser 15, Bäcker und Metzger 15, Medizin 12, ak. geb. Landwirt 8: von den Mäd­chen: Unentschlossen 27, kaufm. Berufe 39, Schnei­derin 25, Haushalt 10.

Eine Reihe von Derufsanwärtern mußte auf ihre voraussichtliche Eignung geprüft bzw. auch ärztlich untersucht werden. Für das Buchdruckgewerbe wur­den sämtliche Berufsanwärter einer Eignungsunter, fuchung unterzogen. Der Gesundheitszu­stand vieler Schulabgänger läßt viel zu wünschen übrig; für nicht wenige wäre «ine Erholung vor der Lehrzeit dringend notwendig. Don 43 neu angemeldeten offenen Lehrstellen für Knaben und Mädchen konnten 24 sofort besetzt werden. In den Nebenstellensprechstunden sanden 257 Beratungen und 3 Vermittlungen statt.

Das macht er also jetzt schon feit 43 Jahren und fühlt sich äußerst wohl dabei. Aus der Höhe des Eiffelturms Der höchste Mann über Paris, hat er den Schwindel noch nicht kennen gelernt. Wenn der Wind die Flagge zerzaust hat, so bafo sie nur noch ein unansehnlicher Fegen ist, dann ruft man Lamier herbei. Es ist nicht leicht, die Flagge zu wechseln.

Sehen Sie hier die Flaggenstange hat unten zwei Meter im Umfang und oben an der Spitze ver­jüngt sie sich fo, daß sie nur zwei Zentimeter Um­fang hat. Manchmal ist der Sturm fo stark, daß ich mich feftriammern muß. Ich muß höllisch achtgeben, daß mich nicht ein unerwarteter Windstoß in die Alpen trägt ... Schließlich habe ich auch die Fahntz noch zwischen den Zähnen, während ich da herum- klettere. Aber ich hab immer gut festgehalten. Auf dem (Eiffelturm zu fein das ist mir Ersatz für alles. Ich bin auf ihm alt geworden, vielleicht macht inan die Flaygenerneuerung auch eines Ta­ges elektrisch, wenn ich nicht mehr da bin ober wenn mich doch eines Tages ein Windstoß in die Alpen trug .."

Präsident Sadi-Carnot hat ihm seinerzeit, wie allen Bauleuten, 1889 eine Medaille, einen Orden gewissermaßen, gestiftet. Es gibt nichts, worauf La mier stolzer wäre als darauf, daß er (Eiffel einst als kleiner Junge half, den großen Turm zu bauen ...

Schwieriger Rechtsstreit.

q. Madrid.

Ein spanisches Gericht verhandelte dieser Tage über einen reichlich merkwürdigen Fall. Es handelte sich um die Entscheidung, ob ein Taubstummer sich des Delikts der Beleidigung schuldig machen kann. Wohlverstanden, es handelte sich nicht etwa um eine schriftliche Beleidigung, sondern der Tatbestand war folgender:

In einem öffentlichen Kaffeehaus in C. gerieten zwei Taubstumme in einen heftigen Streit, in des­sen Verlauf, so behauptete der Kläger, der Beklagte ihn gröblich beleidigt habe, und zwar in einer Weise, die auch für die übrigen Gäste des Lokals unmiß­verständlich gewesen sei. Der Wortlaut des Gesetzes, das bei Beleidigungsklagen in Anwendung kommt, bestimmt, daß eine Beleidigung bann vorliegt, wenn ber beleibigenbe Charakter ber inkriminierten Aeußerung offensichtlich sei. Der Klagevertreter führte aus, daß eine Veleibigung auch durch Gesten, die von mehr ober minber artikulierten Ausrufen begleitet seien, erfolgen könne. Die mimischen De­monstrationen, bie ber Kläger unb Angeklagte un­freiwilligerweife dem Gericht währenb ber Vcrhand- lung barboten, schienen biefe Behauptung tatsächlich zu bestätigen. Dementsprechend stellte sich das Ge­richt nach langen Verhandlungen auf die Seite des Klägers unb verurteilte ben taubstummen Beleidi­ger zu einer angemessenen Geldstrafe.

Ganz in Gedanken ...

ti. R o m.

Ein bekannter Schriftsteller ging neulich über ben Corso Garibalbi spazieren, als er sich plötzlich er­innerte, baß er von einer befreunbeten Familie zum Abenbessen geloben war. Da er nicht kommen konnte, wollte er sich telephonisch entschuldigen. (Er ging also in eine ber öffentlichen Fernsprechstellen unb erlebigte bas Geschäst. Alsdann bestieg er eine Straßenbahn, bie ihn in seine Wohnung bringen sollte. Der Schaffner verlangte nach bem Fahrschein, unb ba sich ber Schriftsteller, ber inzwischen mit sei­nen Gebauten längst roieber bei seinem letzten Manuskript angenommen war, dunkel erinnerte, daß er vom Telefonhäuschen aus ein Stück Wegs ge­fahren war, so kramte er umständlich in den Man­teltaschen. Da fühlte er etwas Hartes, wurde un­ruhig, zögerte der Schaffner warf bereits miß- iranische Blicke: und zog zu feiner eigenen maß­losen Ueberrafdjung unb zur schallenben Heiterkeit der Mitfahrenden bas Hörrohr des Fernsprechauto­maten aus ber Tasche.

Wie er bas gemacht hat, bleibt rätselhaft. Ieben- falls versteckte er bas Corpus delicti mit einigem Erröten unb lieferte es tags barauf im Büro ber Telefongesellschaft mit vielen (Entfdjulbigungen ab.

Iapansilm.

(b) Tokio.

Die japanische Filrninbustrie nahm in ben letzten Jahren gewaltigen Aufschwung. Es ist für ben (Euro­päer interessant zu beobachten, wie sich bie Linie ber Entwicklung von ber europäischen unterscheidet. Es werben in Japan jährlich etwa gchthunbert Filme hergeftellt, bie Hälfte klassischen Inhalts unb die an­dere Hälfte modern. Dabei wird nicht wie in unseren Ländern ein Literat mit ber Abfassung bes Dreh­buches beauftragt, sondern es bient bei ben mober- nen Filmen meistens eine Zeitungsreportage zur stofflichen Orunblage. (Eine große Liebestragöb'.e zum Beispiel, die burch bie Presse geht und Aufsehen erregt, wirb in mehreren Filmen festgehalten. Die japanischen Filmschauspieler werben nicht besser be­zahlt als bie Arbeiter unb Angestellten, bie bei ber Fabrikation Mitwirken. (Ein Stärkstem gibt es nicht, schon aus bem Grunbe, weil kein großer Buh­nenbarsteller sich zum Mitwirken in einem Film hingibt". Genau wie im Anfang ber europäischen Filmfabrikation, vor breißig Jahren, hält ber be beutenbe Bühnenbarsteller bas Spielen in einem Film für eine untergeordnete Angelegenheit. Kinos gibt es überall, sogar in ben kleinsten Dörfern, und aus ber ausländischen Produktion werden amerika­nische und deutsche Filme bevorzugt.Fridericus Rex" gehörte zu den größten japanischen Erfolgen, wie auch die übrigen deutsche Filme vaterländischen und militärischen Inhalts. Die amerikanischen Mill, tärfilme werden natürlich weniger gern gesehen, ba jeder Kinobesucher dabei an die Möglichkeit eines amerikanisch-japanischen Krieges denken würde.