Provinzialtag der Provinz Oberhessen.
Gestern mittag trat der neue Prooinzial- tag der Provinz Oberhessen zu feiner ersten Sitzung im Regierungsgcbäude zu Gießen zusammen. Der Sitzungssaal war zur feierlichen Begrüßung der in der großen Mehrheit des Houses zum 'Ausdruck kommenden nationalen Revolution mit schwarzweibroten Jahnen und Hakenkreuzfah- nen, sowie mit frischem Grün geschmückt; rechts und links einer großen Hakenkreuzfahne in der Mitte der nördlichen Stirnwand des Saales waren die Bilder des Reichspräsidenten, Generalfeldmarschalls o. Hindenburg und des Dolkskanzlers Adolf Hitler aufgehängt. Die Mitglieder der national- sozialistischen Fraktion waren fast sämtlich im Braunhemd erschienen. Von den fünf Mitgliedern der sozialdemokratischen Vertretung im Provinzial- tag war nur ein Mitglied erschienen, der Schreiner Wilhelm Seipp (Lollar) hat am vorigen Sams« tag sein Mandat niedergelegt, die anderen fehlten zum Teil entschuldigt. Don den 25 Mitgliedern des Provinziallags, waren 20 zugegen, ferner die Mitglieder des Provinzialausschusses, soweit sie zu den nationalen Verbänden gehören.
Rach der Konstituierung des neuen Prooinzial- tags und der Dienstcinführung, sowie der Verpslich- tung der Mitglieder hörte das Haus die nachstehende Ansprache von
Provinzialdirektor Graes:
Nachdem bei der Reichstagswahl am 5. März die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes sich zur Politik der am 30. Januar gebildeten '.Regierung der nationalen Konzentration bekannt und der Reichstag mit oerfassungsändernder Mehrheit das Ermächligungsdesetz für die Reichsregierung angenommen hat, sind in Ausführung dieses Ermächtigungsgesetzes die gesetzlichen Bertretungen der Länder, der Gemeinden und der Gemeindeverbände neu gebildet worden.
So ist denn auch der Prooinziallandtag der Pro- vtnz Oberhessen neu gebildet und heute zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten.
Meine Herren! Große Not lastet auf breiten Schichten des deutschen Volkes: überaus groß ist die Verantwortung unserer nationalen Regierung.
Ein Weg nach aufwärts kann nur gefunden werden, wenn das gesamte deutsche Volk sich geschlossen hinter die Regierung stellt und bestrebt ist. ihr die Arbeit zu erleichtern.
Es hat jeden vaterländisch empfindenden Men- schen mit liefern Schmerz erfüllt, daß unser beut- sches Volk bisher innerlich so zerrisien war, und daß sich einzelne Klassen feindlich gegenüberstanden. Das Streben, aus dieser Unglück bringenden Lage her- auszukommen und eine wahre Volksgemeinschaft auf nationaler Grundlage zu schaffen, muß von jedem Deutschen u n • t e r st ü tz t werden, denn es ist die erste Voraussetzung für einen neuen Ausstieg.
So wie die Ehrfurcht gebietende Gestalt unseres Herrn Rcichspräsidenten. Generalfeldmarfchall von Hindenburg, und der Schöpfer einer nationalen Volksbewegung von gewaltiger Gröhe. Herr Reichskanzler Adolf Hitler, sich am 30. Januar die Hande reichten zur gemeinsamen Arbeit am deutschen Volk und Vaterland, so sollen sich alle Deutschen für den Dienst an Volk und Vaterland verbinden und damit bekunden, daß sie unter Zurückstellung aller Meinungsverschiedenheiten gewillt find, im vollen vertrauen zur Reichsregierung und unserer hessischen Stpatsregierung am Neubau des Reiche» mitzuwirken.
Der Provinzialtag hat keine großen politischen Fragen zu entscheiden, aber seine Beschlüsse sind immerhin in wirtschaftlicher Hinsicht für die Provinz Oberhessen von großer Bedeutung. Auch wir wollen im Rahmen unseres Arbeitsaebietes bestrebt sein, das zu tun, was im Interesse der Gesundung unseres Volkes und feiner wirtschaftlichen Verhältnisse getan werden muß und alles unterla|- |cn, was in den großen Verwaltungs- und Wirt- fchaftsapparat störend eingreifen könnte.
Wenn jeder einzelne an seinem Platze und jede einzelne Körperschaft im Vollbewußtsein der Verantwortung zu positiver Mitarbeit bereit ist. dann dienen wir am besten dem gesamten deutschen Volke und leisten, wenn auch in kleinerem Rahmen,
der Regierung der nationalen Konzentration Unterstützung, auf die diese Regierung einen berechtigten Anspruch hat. 3n diesem Sinne lassen Sie uns an die Arbeit gehenk
Die dem Provinzialtag oorgelegten Voranschläge geben ein Bild von dem Stand der Dinge bei der Provlnzialverwaltung im engeren Sinne und bei den wirtschaftlichen Betrieben der Provinz.
Der Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben der Provinz schließt in Einnahme und Ausgabe ab mit 4 053 391 Mark. Es ist dies ein Betrag von rund 100 000 Mark weniger gegenüber dem Jahre 1932.
Der Straßenvoranschlag schloß auf der Ausgabenseite ab 1932: 2 721 000 Mark, 1933: 2 579 000 Mark, mithin im laufenden Jahr weniger 142 000 Mark. Dies ist durch folgenden Umstand begründet: Rückgang der Kraftfahrzeugsteuer um rund 57 000 Mark, Obfteinnahme weniger auf Grund des dreijährigen Durchschnitts 15 000 Mark, Wegfall des Straßenüberleitungsfonds 30 000 Mk., Wegfall von Neubauten, die im Jahre 1932 ein- gefetzt waren, mit 66 000 Mark, zusammen 168 000 Mark.
Der Staatszuschuß ist vorsorglich mit 370 000 Mk. wieder in Einnahme gestellt. Wird er vom Landtag nicht noch nachträglich bewilligt, dann können die vorgesehenen neuen Straßendecken mit einem Kostenaufwand von 370 000 Mark nicht ausgeführt werden.
Die provinzialskraßen erfordern den größten Teil der Miltel. die im Voranschlag der Pro- vin; vorgesehen sind.
Das Straßennetz der Provinz Oberhessen umfaßt rund 2300 Kilometer, davon entfallen etwa ein Fünftel auf V-Straßen, der Rest auf L-Straßen. Starkenburg hat rund 2000 Kilometer, Rheinhessen rund 1000 Kilometer.
Am 1. April 1933 waren feit dem Uebergang derKreis st raßen auf dieProoinz sechs Jahre oerfloffen. In dieser Zeit sind in der Pro- oinz Oberhessen folgende Straßenherstellun- g e n ausgeführt worden:
Kleinpflaster rund 110 Kilometer, Gußasphalt (Topeka, Teer, Makadam, Beton) rund 47 Kilometer, Halb-Tränkdecken rund 19 Kilometer, Traß Decken,
len neunen.
Es wurden ausgegeben:
a) aus Anleihemilleln einfchl. des Arbeitsbeschaffungsprogramm» 1932
b) aus sonstigen Mitteln
R21L 7 239 614 17 574 024
Zementschotter-Decken rund 60 Kilometer, Oberflächenbehandlung auf Neuwalzung rund 80 Kilometer, Oberflächenbehandlung auf aller Schotter- decke rund 111 Kilometer, Walzung ohne Oberflächenbehandlung rund 23 Kilometer, zusammen 450 Kilometer.
Hierbei sind die Arbeiten, die zur Zeit im Gange sind, noch nicht mitgerechnet.
Diese Arbeiten wurden teils aus lausenden Mil- lein, teils aus Kapilalaufnahme finanziert.
Am 31. März 1933 betrug die Reststraßenschuld der Provinz Oberhessen rund 4 945 000 Mark. Zum gleichen Zeitpunkt waren teils direkt, teils indirekt schon etwa 1 500 000 Mark an der ursprünglichen Schuld getilgt.
Zu der obigen Schuld kommt noch der Betrag hinzu, der für die Durchführung des Arbeitsbeschas- fungsprogramms der Reichsregierung für 1932 erforderlich wird.
Der erste Abschnitt des Arbeilsbefchaffung»- programm» 1932 ist durchgeführt, der zweite und dritte Abschnitt sind in Ausführung.
Vorbehaltlich der genauen Abrechnung nach Fertigstellung der Arbeiten belaufen sich die Geiamtkoften des Programms 1932 auf rund 1000 000 Mark. Hiervon gebt ein verlorener Zuschuß der Reichsanftalt in Höhe von 15 Prozent - 150 000 Mark ab. Ein Betrag von 65 Prozent = 650 000 Mark ist aus Mitteln der Gesellschaft für öffentliche Arbeiten (Deffa) darlehensweise zur Verfügung gestellt, wäh- rend 20 Prozent = 200 000 Mark aus Mitteln der Provinz bereitgestellt werden müssen. Es muß also aus dem Programm 1932 der obigen Schuld noch ein Betrag von rund 850 000 Mark zugerechnet werden.
Für das Arbeitsbeschaffungsprogramm (Gpreke- Plc n) hatten wir trotz der hohen Straßcnschmd im Interesse der oberhessischen Industrie und Arbeiterschaft Anträge gestellt im Gesamtwert von rund 350 000 Mark, von denen etwa 235 000 Mark auf die Provinz Oberhessen und 115 000 Mark auf die Gemeinden (Ortsdurchfahrten) entfallen sollten.
In welchem Umfang die Anträge der Provinzialverwaltung genehmigt werden, steht zur Zeit noch nicht fest.
Die Verzinsung und Tilgung der Straßenschuld erfolgt aus den Mitteln der Kraftfahrzeugsteuer. Der Anteil der Provinz Oberhessen an dieser Steuer ist bis zum Jahre 1930 dauernd gestiegen. Er vernichte im Jahre 1930 den Betrag von 1 215 332 Mark. Seit dieser Zeit geht infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse das Aufkommen aus der Kraftfahrzeugsteuer dauernd zurück. Das Jahr 1932 schließt mit einem Betrage von 992 346 Mark für Oberhessen ab. Infolge des Rückgangs des Aufkommens aus der Kraftfahrzeugsteuer mußte der Betrag für Schuldentilgung von 400 000 Mark pro Jahr bis auf weiteres auf 300 000 Mark gesenkt werden
Durch die neuerdings eingetretene Aenderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes (Befreiung der vom 1. April 1933 an zur Anmeldung kommenden neuen Personenkraftwagen) wird ein weiterer Einnahmeausfall zu erwarten fein. Für die Jahre 1933, 1934 und 1935 ist die Einnahme in Höhe ton 160 Millionen Mark durch das Reich garantiert.
Obwohl für die Straßen in Oberhessen. wie allgemein anerkennt wird, in Anbetracht der wirtschaftlichen Derhältnisse recht viel geschehen ist, sind die Straßen doch unser Schmerzenskind. Wir sind über den Zustand der Straßen ifn allgemeinen unterrichtet und erkennen auch die Klagen im allgemeinen als berechtigt an, aber es fehlen uns die nötigen Mittel, um den Beschwerden in vollem Umfange abhelfen zu können.
Um Ihnen ein Bild darüber zu geben, was in den sechs Jahren seit dem Uebergang der Straßen aus die Provinz geleistet worden ist, möchte ich Ihnen noch folgende Zah-
zusammen 24 813 638
In den Jahren 1927 bi- 1932 haben die wirt - schaftlichen Betriebe der Provinz Oberhessen insgesamt 2 590 000 Mark zum Ausgleich des Voranschlags an die Provinzialkasse abgeliefert. Es ist dadurch erreicht worden, daß der Steuerausschlag beibehalten werden konnte. Die Mittel kamen restlos der Strahenverbesserung zugute.
Die Finanzlage der Provinz hinsichtlich der oermögensrechtlichen Seile ist durchaus gesund. L» bestehen, abgesehen von den Strahenschul- dcn. keinerlei kurzfristige Schulden. Der voran- schlag 1933 ist unter Aufrechterhaltung der seitherigen Ausschlagsfähe ohne Fehlbetrag ausgeglichen.
Auch die wirtschaftlichen Betriebe der Provinz können als durchaus gesund bezeichnet werden.
Abg. LandtagSvizeprafident Klostermann (NSDAP.)
nahm hierauf das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. sagte: Als im Jahre 1929 ein einziger Nationalsozialist hier einzog, begegnete ihm von der damals noch herrschenden Parieimehrheil nur eins: Ucbersehen und Lächerlichmachen. Inzwischen wurde aber auch in der Provinz Oberhessen der Beweis erbracht, daß der größte Teil der Bevölkerung hinter den neuen Männern von heule stehl, daß mit dem Allen gebrochen ist und in einer beispiellosen Umwälzung auch nach außen hin gezeigt wird, daß nun etwas Neues kommen muß. Heule sehen wir nur einen Mann hier anwesend von dem lächerlichen Rest der Sozialdemokratischen Partei. Ich wundere mich über den Mut und die Kühnheit dieses Mannes, der glaubt, hier noch erscheinen zu müssen, während doch die SPD. nur eines zu tun Hal: zu schweigen und sich zu schämen und dabei noch dankbar zu sein dafür, daß sie überhaupt noch geduldet wird. Wem ein Aufenthalt im Konzentta- tionslager noch nicht genügt hat, der kann ja vielleicht noch einen Aufenthalt dort genießen.
Dieser Provinziallag Hal ein anderes Gesicht, lieber die Bedeutung des Provinziallags brauche ich nichts Näheres zu sagen, da es zwecklos ist, die Entbehrlichkeit dieser Einrichtung noch dadurch zu do« tumenlieren, daß hier lange Reden gehalten werden. Ich glaube aber auch hier zum Ausdruck bringen zu muffen, daß der Parlamentarismus im Sterben ist.
Wir wollen keine anonymen Mehrheiten, fon- dcrn Männer, die in sich der Bevölkerung dafür bürgen, daß sie alle» tun znm Ausbau eine» Staate», in dem wir leben können.
Wir haben das Vertrauen zu dem Vorsitzenden des Provinziallags, Prooinzialdireklor Graes, daß er nur das tun wird, was er vor seinem Gewissen, vor seinem Volke und vor Deutschland oer- antworten kann und was für das deutsche Volk gut ist. Wir beantragen deshalb, die ganze Tagesordnung e n bloc anzunehmen und da- durch die Möglichkeit zu schassen, daß Sachkenner zum Wohle der Provinz und ihrer Bevölkerung arbeiten köynen und nicht Leute in Sachen herein- reben, von denen sie nichts verstehen. Ich beantrage weiterhin, die Aussprache zu schließen und sofort über den nationalsozialistischen Antrag abzustimmen.
Oie Abstimmung
ergab die einstimmige Annahme des An- traas der Fraktion der NSDAP., wonach der Haushaltsvoranschlag der Provinz für das Rj. 1933, die Voranschläge des Wasserwerks Inheiden und des Uederlandwerks Oberhessen, die dazu gestellten Anträge und schließlich die Verwaltungsbe- richte einstimmig angenommen wurden.
Provinzialdirektor Graes sprach noch dem Pro- oinzialausschußmitglied K r o m m (Schotten) Dank aus für die Rechnungsprüfung.
Abg. Klostenmann (NSDAP.) richtete hierauf eine kurze Schlußansprache an den Preooinziallag, in der er u. a. sagte: Wir leben in einer unerhört großen Zeit. Ein jahrtau- sendelanger Kampf um die Einheit des Deutschen Reiches ist abgeschlossen mit einem kurzen Gesetz von 5 bis 6 Paragraphen, in denen diese Einheit jetzt verwirklicht wurde.
Wir freuen uns, daß durch unfern Kampf die Gegensätze zwischen den Klassen und Ständen überbrückt wurden, daß eine Front der schassenden deutschen Arbeit aufgebaut ist, in der die Arbeiter, Angestellten, Beamten und Unternehmer zusammengefaht sind.
Wir müssen Goll danken, daß es uns vergönnt ist, in dieser großen Zeil zu leben. Ein derartiger Sie- geszug ist noch nie in der Well dagewesen. Wenn auch heule unsere außenpolitischen Aussichten nicht ganz so günstig sind, dann bleibt uns aber doch eines zu tun: Wir müssen uns auf den Aufbau im Innern oerfleisen und hierfür innenpolitisch die letzten Kräfte mobil machen. Heule ist kein Platz mehr für Bruderkampf zwischen den verschiedensten Klassen, Ständen und den Konfessionen.
C» muh im Innern ein Block von Lr; au» unserem Volke gemacht werden, der sich auch außenpolitisch durchsetzen kann. In einigen Jahren werden wir dann den innenpolittschen Siegeszug auch außenpolitisch antreten können. Wir werden uns auch dort durchsetzen, um dem deutschen Volke, unseren Kindern und den nächsten Generationen das Leben zu ermöglichen.
Deshalb müssen wir auch dafür sorgen, daß alle Zersplitterung in unserem Volke weg- kommt, daß sich unser Volk in seiner Gesamtheit vereint, alles Fremdrassige ausscheidel, den Parlamen«
larismu» überwindet, die Personlichkeilsmerte mit'- der herausstellk und den Führerpersönlichkeiten die Möglichkeit gibt, die besten Kräfte an die Front zu stellen. Wir wollen auch hier in der Provinz Oberhessen versuchen, diese Provinz i m • m c r mehr auszubaucn z u einem Bollwerk des Nationalsozialismus, das niemals mehr zu stürmen und zu erschüttern ist, daß unsere Provinz, die in ihrem Bekenntnis zum Nationalsozialismus schon jetzt an der Spitze Deutschlands stehl, diese Stellung immer beinhalten kann.
Ich appelliere an alle Einwohner, eifrig rnilzu- helsen an der Arbeit zum Wohle unseres Volke», jeder an feinem Platze.
Wir, die wir bisher geführt haben, werden weiter- führen und alle Kräfte fo einsetzen, daß daraus eine gedeihliche Arbeit erwächst. Wir wollen auf diefe Weise an unserem Teile rnilhelsen, das deutsche Volk aufzurichten, damit es wieder frei sich erheben kann, unerschütterlich haftest und 'Arbeit und Brot Hal für alle seine Volksgenossen. Diesen Willen wollen wir bekunden in dreimaligem Sieg-Heil auf unsere Führer, den (9c- neralfeldmarschall v. Hindenburg, den Volkskanzler Adolf Hiller und unser deutsches Vaterland.
Die Versammlung stimmte freudig in diesen Ruf ein und lang anschließend den ersten Vers des Horst- Wessel-Liedes. Damit fand die Sitzung ihren Abschluß.
ZinSsenlungsattion der hessischen Regierung.
WSR. Ans Anregung de» Herrn Sfaalsfcfrc- tärs und stellvertretenden Staatsministers Jung haben die Generalversammlung und der Aussichtsrat der Hessischen Landes-Hypothekenbank A. G. Darmstadt in der Sitzung vom 17. Juni die Wittel bereitgestellt, die es der Bank ermöglichen, den Zinssatz der Auswertung s h y p o t h e k e n für das Jahr 1933 einmalig um % Prozent auf 5/: Prozent z u ermäßigen. Da die Zinsrate für da» erste Halbjahr 1933 bereits fällig ist, wird die Zins- ermäßigung bei der Zinsrate für das zweite Halbjahr 1933 in voller Höhe abgeschrieben werden.
Wit dieser Waßnahme ist ein weiterer wirksamer Schritt auf dem von der Regierung angestrebten Wege zu einer allgemeinen Zinssenkung getan worden. Die geldliche Auswirkung wird besonders auch gerade solchen Beoölkerungsteilen zugute kommen, die als Kleinrentner, erwerbslose Arbeiter, ältere arbeitslose Angestellte usw. schwer um die Erhaltung ihres Allhausbesihes kämpfen. Nicht minder dürfte es eine Erleichterung aber auch für das bodenständige klein- und Witfcl- geroerbe fein.
Pornotizen.
— Tageskalender für Dienst a g. Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus am Dranv- plah, 15 bis 17 Ufjr, Ausstellung. — Neue- Schloß: 10 bis 13, 15 bis 18 Ahr. Werbe-AuS- stellung hessischer und rheinischer Kunsttöpfereien.
Was gibt es Neues in der Medizin?
Don Or. p. Wölffel.
Zettbildung und Drüsen.
Durch Forschungen ist die immer noch viel verbreitete Auffassung, daß Korpulenz hauptsächlich durch Ueberernahrung heroorgerufen werde, von neuem als Irrtum bestätigt worden. Bei der Fett- bilbung sind als ausschlaggebende Faktoren die Schilddrüse, die Hirnanhangdrüse und die Zirbel- drüse anzusehen. Für die normale Körperenlwick« lung bleibt Vorbedingung, daß jede dieser Drüsen für sich in geordneter Weile ihre Funktionen aus« übt und daß sich andererseits die Gesamtleistung dem Gesamtbetriebe des Organismus in harmonischer Form unterorbnet. Die normale Fetlrnenge beläuft sich beim Erwachsenen auf ungefähr fünf Prozent des Gewichts, also auf etwa fünf bis acht Pfund. Einer krankhaften Fettbildung ist die schmerzhafte Fettbildung (Adipositas dolorosa) gleichzuachten, eine Form der Fettsucht, die der Behandlung oft große Schwierigkeiten in den Weg stellt. Die schmerzhafte Fettsucht ist nicht nur mit erheblichen Beschwerden verbunden, sie kann auch die DewegungSsunkttonen ernstlich behindern.
Heiße Getränke, nicht kalte, stillen den Durst.
Professor Dr. L. Heidenhain weist auf Grund ausgiebiger klinischer und persönlicher Erfahrungen darauf hin, daß — im Gegensatz zu einet weitverbreiteten Auffassung — die größere durst- sttllende Wirkung nicht von kalten, sondern von heißen Getränken zu erwarten ist. Professor Heidenhain läßt den Kranken, bei denen sich höheres Fieber zeigt, ebenso solchen, die eine Operation erst kurze Zeit hinter sich haben, grundsätzlich nur heißen Tee verabfolgen. Man hat damit in allen Füllen die günstigsten Beobachtungen gemacht. Es hat sich feststellen lassen, daß die durstlöschende Wirkung erheblich früher eintritt als bei kalten Getränken. Prinzipiell nimmt man in der chirurgischen Abteilung immer nur Tee an Stelle eines anderen heißen Getränkes, da Tee sich als das Zweckmäßigste, auch im Vergleich zum Kaffee, erwiesen V t. Llebrigens werden von den Kranken größere Teemengen leichter als größere Kaffee- mengen ausgenommen. Geht man den Ursachen nach, weshalb von heißen Getränken der Durst schneller gelöscht wird als von kalten, so hat man einen Hauptgrund wohl darin zu suchen, daß dem 'Organismus durch die Zufuhr kalter Getränke eine größere Arbeitsleistung abverlangt wird. Das hängt damit zusammen, daß der Körper die kalte Flüssigkeit er ft auf eine höhere Temperatur bringen muh. Diese Anwärmung muh immer dem Aufsaugungsprozeß vorausgehen, weil das Aus- treffen des falten Getränkes auf die Rervenaus- läufer der Magen- und Darmschleimhaut eine Dlulgefäheverengerung nach sich zieht, die längere Zeit fortdauert. Die dadurch bewirkte, geraume Zeit anhaltende Stockung des Aufsaugungsprozesses tritt naturgemäß beim Trinken warmer Flüssigkeiten nicht ein.
Witterung und Krankheitsbereitschast.
Am häufigsten treten unter meteorologischen Einflüssen Müdigkeit, Gliederreißen, Ohrensausen, Reizbarkeit, Muskelschmerzen und DUrtdruck- veränderungen auf. Reuerdings sind sogar Zu
sammenhänge zwischen dem häufigeren Auftreten von Schlaganfall und Witlerungsveränderung gefunden worden. Ebenso lassen sich Störungen der Hautfunktionen und Störungen der Derdauungs- organe, ferner Lungenembolie, Asthmabeschwer- den usw. als Folge von Witterungsumschlag nachweisen. Reben den auffälligen Einflüssen des Lustdrucksturzes und der Guftörudftcigerung ist es namentlich die Luftfeuchtigkeit, welche die häufigsten organischen Beränderungen begünstigt. Als erheblicher Faktor, der vor allem bei Luftdruckrückgang mitspielt, scheinen nach den seitherigen Beobachtungen auch die Blulgase in Betracht zu kommen, die eine Art extremen Zustand dadurch Hervorrufen, daß sie ihren Weg in den inneren Darm nehmen. Desgleichen machen sich besonders wahrnehmbare Beränderungen im Gebiete der Lungen bemerkbar, auch die Schleimhäute werden in Milleidenschast gezogen. Schließlich darf es heule als erwiesen gelten, daß eine Reihe von Herzkrankheiten, vor allem durch mehr oder minder starke Deeinträchligungen der Blulbahn, Lurch meteorologische Einflüsse begünstigt werden.
WarumiftderMenschenbLßsogefährlich?
Eine Frage, die auch bis heute ihre restlose Klärung nicht gefunden hat. Aller Vermutung nach aber droht bei Wunden, die auf einen Men- schenbih zurückgehen, deshalb so häufig Infektionsgefahr, weil beim Beißen sehr angrifsstüch- tige Bakterien aus der Mundhöhle des Täters übertragen wurden, Bakterien, denen der Ver- lehte nicht die ausreichende Abwehr in der Form genügend wirksamer Gegengifte entgegenzusehen vermag. Der Täler selber trägt diese Bakterien als ungefährlich herum, weil seine Körpersäfte anders geartet sind und deshalb den schädlichen Einfluß der Bakterien zurückweisen können. Der Menschenbiß, wie er wohl am häufigsten bei Kindern vorkommt, darf niemals, auch wenn die Bißwunde noch so harmlos und unscheinbar aussieht, als unbedenklich hingenommen werden. Tritt infolge des Bisses Fieber auf, dann zögere man nicht, unversäumt den Arzt zu Rate zu ziehen, denn gerade beim Menschenbiß liegt die Gefahr einer Blutvergiftung sehr nahe und eine solche Blutvergiftung pflegt meist recht bedenkliche Formen anzunehmen. Auch bei den ganz einfachen, also nur oberflächlichen Bißstellen, muh eine sehr sorgsame Behandlung erfolgen, und zwar vor allem durch ein gründliches Betupfen mit Jodtinktur. Dor dem Betupfen mit Jodtinktur wird die Bißstelle sehr vorsichtig mit einer desinfizierenden Lösung behandelt. Unter keinen Umständen darf man die Bißwunde auswaschen, oder an der Bißstelle herumwischen. Dadurch würde die Gefahr nur erhöht. Deshalb darf auch die desinfizierende Lösung nur durch Baden an die verletzte Stelle herangebracht werden. Ist die Bißstelle so weit behandelt, dann streut man Jodoform auf und bringt schließlich einen keimfreien Verband an. Auf jeden Fall sei man recht vorsichtig, damit nicht die anfänglich noch leicht zu behandelnde Bißwunde zum Ausgangspunkt einer hartnäckigen Verschlimmerung wird. Man übersehe nie, daß der Menschenbiß einer der gefährlichsten ist und daß ßäffigfeit hier immer Komplikationen einträgt


