Ausgabe 
18.3.1933 Erstes Blatt
 
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Staatspräsident Dr. Werner seit Jahrzehnten mit dem politischen Leben unseres Hessenlandes eng verwachsen und im Kampf um seine politischen Ideale zu einer festumrissenen starken Persönlichkeit geworden, die die beste Gewähr bietet für einen sicheren Kurs unseres Staatsschiffleins.

3n den anderen Ländern ist der Llebergang zu nationalen Regierungen nicht so reibungslos von- statten gegangen wie bei uns in Hessen. Würt­temberg und Raden haben nun zwar auch schon wieder reguläre Regierungen, ebenso die Hansestädte, aber in B a h e r n hat das Kabinett Held zu lange gezögert, aus der Tatsache der Wahlniederlage des 5. März die Folgen zu ziehen. Obwohl man ihm nahegelegt hatte, durch die Ernennung des Generals Ritter vonEpp zum bayrischen Generalstaatskommissar einem von Berlin aus drohenden Eingriff zuvorzukommen, verpatzte die geschäftsführende Regierung die Ge­legenheit eines guten Abgangs und lietz sich einen Kommissar des Reichs aufzwingen, der dann nach dem Rücktritt Helds eine kommissarische Regierung bildete. Die Verhandlungen zwischen Rational­sozialisten und Bayrischer Dolkspartei über ein neues verfassungsmäßiges Kabinett scheinen noch nicht weit gediehen zu sein. Vermutlich wird man erst die Entwicklung im Reich und inPreuhen obwarten wollen. Dort haben inzwischen auch die Wahlen zu den kommunalen Körperschaften einen vollen Sieg der Regierungsparteien ergeben und die ersten praktischen Folgerungen aus diesem ein­deutigen Volksvotum sind besonders in den mei­sten preuhischen Grotzstädten gezogen worden. Eine Reihe von Oberbürgermeistern, deren Wirken mit der abgeschlossenen Aera der Weimarer Koalition in Preutzen allzu deutlich verquickt war, hat ihren Posten verlassen müssen und auch sonst hat ein Großreinemachen eingesetzt, das mit fragwürdigen Rückständen aus den Zeiten des älmsturzes auf­zuräumen beginnt. Liegt hier die Gefahr der Äeberspannung und des Sichvordrängens persön­licher Motive besonders nahe, so gilt es auch bei dem notwendigen Reuausbau Mißgriffe zu vermei­den, die gerade in der kommunalen Selbstverwal­tung nicht nur ernste wirtschaftliche Folgen haben können, sondern auch den nationalen Kurs auf das schwerste diskreditieren würden. Das Bild schlimmer finanzieller Mitzwirtschaft, das einige preußische Großstädte von Rang als Folge un­angebrachter Großspurigkeit und politischen Cli­quenwesens in den letzten Fahren der staunenden Mitwelt boten, ist eine ernste Mahnung, auch bei dem Kurswechsel in den Rathäusern wieder mehr als bisher auf die Kräfte des sachlich vor- gcbildeten und erfahrenen Berufsbeamtentums zu­ruckzugreifen. Die preuhischen Kommunalwahlen haben aber auch für die große Politik ihre Be­deutung insofern, als die politische Reuorientie­rung in den Provinziallandtagen, von denen nach der Wahl zehn eine Mehrheit der Regierungs­parteien aufweisen und nur in den übrigen zwei (Westfalen und Rheinprovinz) das Zentrum seine Schlüsselstellung behaupten konnte, sowohl dem preuhischen Staatsrat wie auch dem R e i ch s r a t ein ganz anderes Gesicht geben wird. Auch hier ist mit dem Wahlergebnis des 12. März die völlige Gleichschaltung mit dem Kurse der Reichspolitik erreicht. Weder wird es in Zukunft möglich sein, dah in dem berühmt geworbenen Dreimännerkollegium in Preußen der Präsident des Staatsrats (bisher der Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer) sich Wünschen des Reiches widersetzt, noch wird die Reichsregie­rung mit irgendwelcher Opposition im Reichsrat zu rechnen brauchen.

Eine weitere Gleichschaltung ist schließlich in den letzten Tagen der Woche durch den Rück­tritt Dr. Luthers von der Leitung der Reichsbank und der Wahl Dr. Schachts zumReichs- bankpräsidenten erfolgt. Liefer Wechsel war wohl kaum zu umgehen. Dr. Luthers große Leistungen als Reichsfinanzminister beim 2lb- stoppen der Inflation und bei dem Llebergang zu einer geordneten staatlichen Finanzwirtschaft bleiben unvergessen. Auch seine Verdienste um

die Organisation der Devisenbewirtschaftung und die Aufrechterhaltung des Vertrauens m die Festigkeit unserer Währung sollen nicht geichm^ lert werden. Für eine Zusammenarbeit mit den neuen Männern der Wilhelmstrahe hat sich in­dessen, wie vorauszusehen war, trotz eingehender Fühlungnahme keine Grundlage oder, wohl tref­fender gesagt, keine Atmosphäre ergeben. Denn wenn nun wieder Dr. Schacht die Tur der Reichsbank öffnet, die er vor drei Fahren mH hörbarem Knall hinter sich zugeschlagen hat, so bedeutet das nicht, daß nun die Reichsbank- Politik eine grundsätzlich andere werden soll, wenn auch vielfach ein Wechsel der Methode Platz greifen mag. Gerade die Persönlichkeit des neuen Reichsbanipräsidenten, der im Herbst 1923 half, die Fnflation abzuwürgen, ist die sicherste Bürg­schaft gegen einen Rückfall in die geiler Der Fnflationswirtschaft, an deren Ende das Grab der deutschen Mark stand. Damals deckte die Regierung ihren Finanzbedarf durch die Roten­presse. Sie gab der Reichsbank Schahwechsel, für die diese Roten hergeben mußte, die dann in den Verkehr gepreßt wurden, bis dies Verfahren sich dadurch totlief, daß die Geldzeichen schnMer entwerteten als sich neue Herstellen ließen. Das Reichsbankgesetz vom 3. August 1924 schob einer neuen Fnflation einen Riegel vor, indem es die ^Unabhängigkeit der Reichsbank von politischen Einflüssen der Regierung bestimmte. So trägt also auch der neue Reichsbankpräsident dank dieser gesetzlich gewährleisteten Unabhängigkeit die al­leinige Verantwortung für die Geldpolitik des von ihm betreuten deutschen Roteninstituts. Daß Dr. Schacht diese Unabhängigkeit zu wahren weiß, hat er bewiesen, als er im Dezember 1929 den Rei^si.nanzminister Hilferding zwang mit der uferlosen Ausgabenwirtschaft Schluß zu machen. So wird Dr. Schacht der beste Garant dafür sein, daß bei der Bereitstellung von Mit­teln für die Arbeitsbeschaffung, die natürlich das A und O aller Maßnahmen der Reichsregierung sein mutz, die Kirche im Dorfe bleibt und eine Grenze innegehalten wird, die dem Reiche die Abdeckung der Reichsbankkredite in absehbarer Zeit ermöglicht.

So hat die Regierung der nationalen Konzen­tration, gestützt auf den Wahlsieg des 5. März, in wenigen Tagen das erreicht, um das die meisten Regierungen während ihrer ganzen

Amtsdauer und doch meist erfolglos gerungen hoben die absolute Gleichschaltung aller politi­schen Kräfte in Deutschland. Die Regierung kann nun also, ohne Hemmungen und Wider­stände befürchten zu müssen, an deren 2llis- raumung frühere Reichskanzler ein gut Teil ihrer Kräfte verzetteln muhten, an die Aufbau- und Reformarbeit gehen, die sie sich vorgenommen hat. und von deren Erfolg wird es we^ntlich abhängen, ob es ihr gelingen wird, auch die Gleichschaltung zwischen Volk und Regierung zu erreichen. Denn das Wahl­ergebnis des 5. März hat ja nur wenig mehr als die Hälfte der Wähler für die das Kabine^ Hitler stützenden Parteien ergeben. Run auch das Vertrauen der anderen Hälfte des Volkes für sich zu gewinnen, ist das Ziel, das sich der Kanzler nach seinen eigenen Worten gesetzt hat. Und bei aller Hochachtung vor der Kunst der politischen Propaganda, wie sie der neue Reichs­minister Dr. Goebbels meisterlich handhabt, glauben wir doch immer noch, daß Leistungen am wirkungsvollsten und dauerhaftesten überzeugen. Die erste wird die Schaffung eines neuen Rechts st aates sein müssen. Fede Revolu­tion hat Begleiterscheinungen, die weder von menschlichen Gesichtspunkten aus, noch aus Grün­den der Staatsautorität gebilligt werden können. Eine politische Umwälzung geht auch selten ab ohne die Sprengung alter Rechtsnormen und Vergewaltigung von Verfassungsparagraphen. Aber eine Revolution darf nicht Dauerzustand werden. Eine Revolution, die im Urteil der Ge­schichte rein erscheinen will, muß alles daran setzen, auch die Ansätze zum Bürgerkrieg zu er­sticken und Uebergriffe zurückzuweisen, so gering­fügig diese auch, gemessen an der stürmischen Ent­wicklung dieser Tage, manchem erscheinen mögen. Die Kundgebungen des Reichskanzlers zeigen den ernsten und entschiedenen Willen, den entfesselten Strom in ein neues Bett zu leiten. Der Reichs­tag, dessen Eröffnung am kommenden Dienstag in der Potsdamer Garnisonkirche nach dem Wil­len des Reichskanzlers zu einem festlichen Staats­akt ausgestaltet wird, wird die Aufgabe haben, zu legalisieren, was in diesen Tagen außerhalb der gültigen Rechtsnormen geschehen ist, und der Reichsregierung die von ihr geforderte Ermächti­gung zu geben, auf der neuen Rechtsgrundlage nach ihren Plänen weiterzubauen am neuen Reich.

Die Ausschaltung der Kommunisten aus den Parlamenten.

Reichsrat und Staatsrat ausschließlich in der Hand der Regierungsparteien.

Berlin, 17. März. (ERD.) Die Durchführung der Ankündigung des Reichsinnenministers Dr. Frick ^Keine Kommunisten mehr in deutschen Parlamenten" bleibt der Fni- tiative der Länderregierungen überlassen. 3n Preuhen dürfte mit einer Anordnung zu rech­nen sein, nach der die Kornrnunften aus dem Landtag, aus den Provinziallandtagen, Kreis­tagen, Stadtverordnetcnversammtunge.i und Ge­meindeversammlungen ausgeschlos sen wer­den, da sie nach ihren Zielen staatsfeindlich und gegen Reich und Staat eingestellt sind. Durch diese Maßnahme werden die Mehrheitsver­hältnisse zugunsten der Regie­rungsparteien noch weiter ver­schoben.

Der R e i ch s r a t setzt sich aus 66 Mitgliedern zusammen. Fn allen Ländern bestehen national­sozialistische bzw. nationalsLzialist.sch-deutschnatio­nale Regierungen, die nur hinter der Regierung stehende Reichsratsmitglieder benennen. Bon den 26 Preuhenmitgliedern werden 13 von den

Provinzialausschüssen gewählt, in denen nach Ausschaltung der Kommunisten klare Re­gierungsmehrheiten vorhanden sind. So ergibt sich, dah der Reichsrat sich nur aus Rationalsozialisten und Deutschna­tionalen zusammensetzen wird. Eine derartige hundertprozentige Regierungsmehrheit in dieser Kontrollinstanz hat es noch nie gegeben.

Der Preußische Staatsrat setzt sich aus 81 Mitgliedern zusammen, die von den Provinzial- landtagen gewählt werden. Die Regierungsparteien haben, nachdem sie nach Ausschaltung der Kommu­nisten auch in Westfalen und im Rhein­land in die Mehrheit gelangt sind, die Möglichkeit, ausschließlich Anhänger der neuen Preußenregierung, die noch in diesem Mo­nat gewählt wird, zu wählen. Vielleicht wird man im Westen und in Oberschlesien auch einige Zentrumsleute in den Staatsrat wählen. Die Ausschaltung der Sozialdemokraten im Reichsrat und im Staatsrat steht, wie wir hören, bereits fest.

Schul-und dienstfrei ani21.JNärz Zur Feier brr Eröffn»! g des neuen Reichstags.

Berlin, 18. März. Am 21 März, dem Tage der feierlichen Eröffnung des neuen Reichstages, wird in der Reichsverwaltung durchweg Sonn­tagsdienst gehalten. Lohnabzug oder Lohnkür­zung werden nicht vorgenommen. Die Wehr­macht hat ebenfalls dienstfrei. Sie feiert den Tag durch Feldgottesdienst mit anschließendem Appell und Ansprache der Standortältesten. Die Standortältesten haben einen Vorbeimarsch abzu­nehmen. Die militärischen Feiern sind zeitlich so zu regeln, daß 1 2.4 5 Uhr das Deutschland­lied gesungen wird. Während des Liedes ist in den Artilleriestandorten ein Salut von 21 Schuß abzugeben. Ferner sind von 18 bis 19 Uhr Platzkonzerte zu veranstalten. Sämtliche Reichsbehörden flaggen vorschriftsmäßig nach dem Erlaß des Reichspräsidenten mit der schwarz- weiß-roten Fahne und der Hakenkreuzflagge. Die Landesregierungen werden für die Dienstgebäude der Landes- und Kommunalbehörden ebenfalls Be­flaggung anordnen.

Der Reichsinnenminister hat die Unterrichtsmini­sterien der Länder gebeten, für den 21. März U n - terrichtsausfall anzuordnen.

Aus afler Wett.

Grotzfeuer in einem Holzlager.

Fn Melsungen brach in dem Holzlager der Firma Bernhard Speie r aus unaufgeklärter Ursache Feuer aus. Die Flammen fanden in den großen Holzvorräten reiche Rahrung, und bald war alles in ein Feuermeer gehüllt. Die Feuerwehr nahm mit sechs Rohren den Kampf gegen das Feuer auf, konnte aber nicht verhin­dern, dah der ganze Holzschuppen mit Fnhalt verbrannte. Dagegen konnten die angrenzenden Gebäude gerettet werden. Bei den Löscharbeiten ereignete sich ein Tlnglücksfall. Feuerwehr­hauptmann Stange wurde von einem brennen­den Holzteil getroffen und erheblich verletzt: er wurde dem Krankenhaus zugeführt. Es wird allgemein Brandstiftung vermutet. Die Ermitt­lungen werden noch fortgesetzt. Der Besitzer ist durch den Brand empfindlich geschädigt, weil er nur zum Teil versichert ist.

Explosion auf einem norwegischen Dampfer.

An Bord des norwegischen DampfersHiunoy" ereignete sich 300 Meilen von Colombo (Ceylon) entfernt eine Explosion, der 15 Personen zum Opfer Gefallen sein sollen. Die 13 Ueberlebenden, von denen fünf schwer verletzt sind, retteten sich mit einem Boot, das von einem japanischen Dampfer gefunden wurde.

3m Keller verbrannt

Fn einem Hauskeller in Elberfeld, dessen Tür von innen verschlossen war, wurde ein etwa 30jähriges Mädchen mit brennenden Klei- d e r n aufgefundcn. Obwohl man sofort daran ging, die Flammen zu ersticken, erlag die Un­glücklich ' ihren Verletzungen. Die Feuerwehv benackrichtigte die Mordkommission. Die näheren Tlmstäno. Der Ang'l genheit sind noch ungeklärt. Zugzusammenstoß in China. 50 Tote, 70 verletzte.

Zwischen Tschengtschiatun und Supingkai stich in einer der letzten Rächte ein Güterzug gegen einen haltenden Personenzug. 50 Reisende wurden getötet, mehr als 70 verletzt.

Schwere Zuchthausstrafen für Autoräuber.

Die 5. Strafkammer beim Landgericht I Berlin fällte das Urteil in dem Prozeß gegen d ie Autoräuberkolonne Rindfleisch. Der Hauptangellagte, der Autohändler Georg Rind­fleisch, erhielt wegen Bandendiebstahl und schwerer Urkundenfälschung fünf Fahre Zuchthaus und fünf Fahre Ehrverlust, der Spediteur Paul H e h n e wegen Beihilfe zum

Rachdruck verboten!

26 Fortsetzung

Wie sie ihn bezwang

Driginalroman von 3 Schneider-Foersil.

Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S.

Und als sie nichts darauf zu sagen wagte, wurde er beredt. Er komme eben von Ostia herein und habe dort ein entzückendes Landhaus gemietet. Ganz nahe am Strand. Drei Zimmer nur und Neben­räume. Es wäre auch Platz für ihre Zofe, falls sie diese mitzubringen wünsche.--

Soll das schon heute abend sein?" wollte sie wissen.

Natürlich heute, Carissima. Ich habe dir doch gesagt, daß ich nur noch acht Tage vor mir habe. Wgs sind acht Tage, Liebes! Für wann soll ich einen Wagen schicken? Keinen? Aber du kommst doch! Läßt mich nicht vergeblich warten mit meiner großen Sehnsucht nach dir!"

Sie wollte kommen, ja!

Bis wann?" drängte er knabenhaft ungeduldig.

Vielleicht gegen sieden Uhr." Er solle in St. Paolo auf sie warten Das versprach er denn, schlug vor, erst noch ein wenig ins Grüne zu fahren, dann allen­falls noch ein Bad zu nehmen und Dannach, was bin ich für ein verliebter Mann, Liebling! Was tust du jetzt?" Und als sie ihm berichtete, daß ftc noch Briefe zu schreiben habe, sagte er, er wolle nicht mehr länger stören. Sie möchte pünktlich sein.

Als sie den Hörer weglegte, mußte sie erst noch eine Weile reglos für sich stehen bleiben. Es war xu viel auf einmal und zu rasch gekommen. Zu rasch gekommen, das war es. Sie hatte nicht mit seinem Eintreffen in Rom gerechnet. Und Dann--viel­

leicht wäre es möglich gewesen, sich trotzDem vor ihm zu verbergen, aber sie hatte Die Situation selbst heraufbeschworen, hatte ihn gelockt, Schritt um Schritt, Etappe um Etappe unb nun gab es ein­fach kein Zurück mehr. Sie mußte Den Weg schon zu EnDe gehen.

In Den Garten zurückkehrenD, frug sie nach Joe, Der nicht mehr zu sehen war. Das Mädchen melDete, Der Herr sei zur Hauptpost gefahren.

Es mar schwül, trotz Des Schattens den die Bäume unb Sträucher warfen. In Ostia würde es kühl fein. Unwillkürlich brannten ihre Wangen auf. Wenn Vater Merlin das wüßte! Er glaubte sie bei Der Mutter in Wien unD sie saß hier unD verführte seinen Sohn. Der GeDanke machte sie Doch ein klein bißchen lächeln.

Joe BranDt kam über Den Kies unD hatte ein resigniertes Achselzucken, daß er mit leeren Händen erschien.

Keine Briefe?" fragte sie ungläubig.

Nichts!"

Sie wurde besorgt.Wie ist das möglich?" Ein unb derselbe Gedanke durchkreuzte sie fast gleich­zeitig. Sollte Merlin schon nach Ichenhausen ge­schrieben haben unb der Vater erzürnt über sie fein9 Aber auch von Wien war keinerlei Nachricht eingetroffen. Die letzte Mitteilung datierte vom Anfang Der vorigen Woche. Sie schrieb sonst ziemlich regelmäßig.

Frau von Guielmo, Die nach Den jungen Leuten suchen kam, beschwichtigte ihre BeDenken. Was sollte man auch immer schreiben, Frau Maria wußte sie

Doch in besten Händen, möglich auch, daß sie keine Zeit gefunden hatte. Man mußte nicht eben alles gleich in solcher Schwärze sehen. Morgen werde Dann sicher Nachricht eintreffen.

Es war für Stephanie nur ein halber Trost. Aber immerhin Doch besser als keiner. UeberDies Durfte sie kein Jammergesicht aufsetzen, wenn sie mit Jörg zusammentraf. Wenn Die Sache mit Joe BranDt nicht gewesen wäre, hätte sie nun zu ihm fahren unD Dann in einer zärtlichen StunDe ihr Geheimnis lüften können. Wie Die Dinge aber nun lagen, war Dies unmöglich.

Sie ging nach ihren Zimmern und läutete nach dem Mädchen. (Srft hatte sie gedacht, zwei Toiletten für Ostia würden genügen. Nun wurden es sechs, die sie in dem Koffer verstaute. Die Zofe würde die Hüte dazu aussuchen und sie bringen. Sie stand vor Den offenen Schränken unD fanD immer wieder et­was, Das sie noch mit ans Meer haben wollte. Einen BaDeanzug aus Wolle und einen anDeren aus feiner vergißmeinnichtblauer Seihe, mit Hellen Sternen Darin.

Sie sah nach der Uhr und erschrak. Wie die Zei­ger rückten! Als sie in malvenfarbenem Straßen- kleid nach dem Garten herunterkam, nickte ihr Frau von Guielmo befriedigt zu.Du kannst Dich sehen lassen. Ueberhaupt Dünkt mich jetzt Des Inkognitos genug. Sage ihm Die Wahrheit, wenn er Dich wie- Der in Den Armen hält, und er ist entwaffnet."

Wie gerne ich Das tun wollte!" stimmte Die junge Frau zu.Aber erst muß ich von Diesem Verpachte gereinigt sein, sonst zerschlage ich mir womöglich Das, was ich schon erreicht habe.

Wünschest Du, Daß ich Die Sache in die Hand nehme?" fragte Die Tante.

Um Gottes willen, nein!"

Man konnte vorläufig nichts tun, als warten. Punkt ein halb sieben Uhr traf Stephanie in Sankt Paolo ein. Sie sprang aus Dem Auto und sah sich um, aber ein Bettelmönch mit seinem Eselsgespann nahm ihr Den Ausblick. Als er vorüber war, sah sie Hans Jörg auf her anberen Seite her Straße stehen. Er riß ben Hut ab unb übersprang ben Fahrbamm. Beinahe hätte ihn ein Rennwagen mit sich gerissen, benn hie Fahrzeuge, bie jetzt zu Feierabenb ans Meer hinausjagten, waren Legion. Der Asphalt war glatt wie ein Spiegel unb schillerte in ber Sonne. Arm in Arm warteten sie auf einen günstigen Augenblick, baß bie Wagenkolonne ihnen ein lieber« queren ber Straße erlaubte

Unb als sie bann enblich glücklich brüben stauben unb bie Kathebrale ihren Schatten über sie warf, zog er Stephanie rasch an sich unb küßte sie.

Sie rückte ihren Hut zurecht unb lachte ihn an.

Nun wollen wir sehen, ob bas Auto, bas ich für 7 Uhr bestellt habe, noch immer nicht zur Stelle ist."

Es war ha. Man hätte in alle Ewigkeit auf« einanber warten können, benn Merlin hatte ben Treffpunkt vergessen unb ber Chauffeur stieß ein gellendes Hupensignal nach bem anDeren in Den Abend. Er lachte Über das oanae Gesicht, als seine

War auch Merlin selbst bei seiner Frau, wer konnte wissen, welch wahnwitzige Zwischenfälle sich ergeben hatten. Als sie bann endlich kam, vermochte sie erst keine Erklärung abzugeben, benn ob der Fülle der Fragen, Die über sie hereinbrachen, war es unmöglich für sie, selbst zu Wort zu kommen.

Joe Brandt war Der einzige, Der nur mit ben Augen Bescheib erheischte Aber solange ber Lärm , ber Gäste unb Verwanbten bie Räume erfüllte, war nicht baran zu henken, ohne Zeugen mit ihr zu reben.

Enblich fanb Stephanie eine Gelegenheit zu ent­schlüpfen. Sie sah Joe im Garten unb tarn zu ihm herabgeeilt. Der Ernst in ihrem Gesichte kündete nicht eben Erfreuliches. Er fiel aus allen Wolken, als Stephanie ihm Mitteilung machte, welcher An­sicht ihr Mann war.

Ich soll Sie--ober vielmehr Sic, Baronin,

sollen ihn mit mir hintergehen?"

So hat er gesagt, ja!"

Ich fahre sofort zu ihm ins Hotel!"

Sinb Sie verrückt geworben?" entsetzte sie sich. Das wäre ber Höhepunkt. Ich werbe jetzt einen Expreßbrief an meinen Schwiegervater schreiben unb einen nach Wien an meine Mutter. Die beiben sinb bie einzigen, bie ihm beweisen können, wie ungerechtfertigt sein Verdacht ist. Vorläufig läßt sich sonst nichts tun!"

Er sah sie hilflos an.Haben Sie je gedacht, daß sich die Dinge so entwickeln können?"

Sie schüttelte den Kopf. Grenzenlose Ratlosigkeit stand in ihrem Gesichte.

Ich nehme nur an", sagte Brandt, während sie unter dem Schatten der Magnolienbäume dahin­schritten,er zieht selbst Erkundigungen bei seinem Vater ein. Dann ist die Katastrophe schon fertig. Alles wird sich dann aneinanderreihen wie die Glie­der einer Kette. Daß ich mit Ihnen nach Wien kam, daß wir hier sind, daß"

Hören Sie auf!" bat sie gequält.Vielleicht ver­traue ich mich Oehme an." Aber auch bas schien ihr eine Unmöglichkeit. Einmal schon hatte sie ihn zu Hilfe geholt unb Hans Jörg war sofort dahinter- gekommen. Ob sie bas ein zweitesmal riskieren sollte, war mehr als fraglich.

Eines ber Mäbchen tarn gelaufen unb bat sie ans Telephon. Vielleicht war bie Katastrophe schon im Anzuge. Sie lief bie Stufen hinauf und frug in den Apparat, horchte unb liest beinahe ben Hörer fallen. ---Woher wußte er ihre Nummer?

Merlin erfunbigte sich nach ihrem Befinden. Ob er seine Aufwartung machen könne--unb ob

sie ihres Versprechens eingedenk sei, _

beiden Fahrgäste nun auf ihn zukamen.Ecco, Signore!"

Er öffnete ben Schlag unb sah, mit welcher Behut­samkeit ber schöne Mann bas junge Weib hineiuhob. Liebesleute! Va bene! Da hatte er keine Eile ans Ziel zu kommen. Die waren überall selig.

Aber bann raste er doch mit ben beiden dahin, benn schließlich ist es keine Ehre, so ein halb Dutzenb ober mehr Kollegen an sich vorüber zu lassen. Man mußte zeigen, daß man wie biese fahren konnte, ohne baß es Trümmer gab.

Er hatte sich nicht getäuscht. Der Signor mar irgenbein ausländischer Duce. Der bezahtte ohne mit her Wimper zu zucken, die Taxe, bie er ver­langte, unb gab ein Trinkgelb obendrein. Tat bas einer, wenn er normal war?

Das Nest, bas Merlin für sich unb fein Glück ausgesucht hatte war wirklich entzückenb. Er batte es einer (Englänberin weggekapert, bie, obwohl sechsfache Millionärin, hoch um ben Preis für biefen paradiesischen Winkel gefeilscht hatte wie ein Markt­weib. Nun waren sie für acht Tage Besitzer dieser Herrlichkeit.

Während Stephanie an Hans Jörgs Arm durch bie gepflegten Räume schritt, entdeckte sie eine neue Eigenschaft an ihm. Er war nicht bloß ein Genie. Er hatte auch Sinn für Schönheit unb wohnliches Behagen. Blumen stauben in hohen Vasen. Die Erker trugen bunte Sträuße unb in ber Mitte eines her kleinen Tische prangte eine Schale in tiefstem Weinrot.

Gefällt es bir?" frug er gütig.

Sie brückte nur ihre Wange an seine Schulter und bot ihm bie Lippen.

Das Mädchen kam zehn Minuten später unb begann mit Auspacken. Der Abend war so köstlich schön, daß sie noch an ben Stranb gingen unb eine Strecke weit ins Meer schwammen. Haub in Hanb tarnen sie zurück unb aßen mit Appetit. Alle Sorge war wieher von ihr abgefallen. Es schien ihr, als sei es nie anders gewesen. Er mit ihr unb sie mit ihm. Die lange, lange Zeit bes Alleinseins in Ichenhausen versank. Er khnte in einem ber Stühle unb blies ben Rauch seiner Zigarre in bie wellig flimmernde Luft. Als sie b'e Hand über bie Augen heckte, frug er:Wo bist hu eben gewesen?"

Bei bir!" sagte sie lächelnh.

Er streifte bie Äsche ab unb betrachtete sie fvr- schenh:Ich meine mit beinen Gedanken!"

Die waren auch bei bir, Hans Jorg!"

Hm"

Du glaubst es nicht?" Der Blick, mit bem sie zu ihm hinübersuchte, zeigte maßloses Erschrecken. Sie vergaß, daß sie nicht Stephanie für ihn war, sondern eine völlig Fremde, bie nichts vor ihm zu fürchten hatte. Sie konnte ben Druck nicht abschütteln, mußt» immer wieher baran denken, wessen er sie be­schuldigte. Wie eine Mauer stieg es zwischen ihnen auf. Sie sah Berge -n türmt unb nirgends einen Paßweg, ber barücer führte.

(Äortfehuna fotdt.l