Ausgabe 
18.1.1933 Frühausgabe
 
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Mittwoch, 18. Zanuar 1955

185. Jahrgang

Nr. 15 Krübaussave

GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

End und Dtrlea: vrLHI'Iche UnivrifilätrGnch- und Stcinörudcrei R. fange in Sietzen. Lchristieitung und Seschästsitel-: Schu"tratze 7.

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Dolitilt Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Blumschcin unb'ür denAn. zeigenteil i.V.TH.Kümmel fämtlich in Biegen.

Hiller bei Hugenberg in Berlin.

Oie Umbildung der Reichsregierung. - Oas Zentrum erstrebt parlamentarische Lösung?

Berlin. 17. Ian. (I1L) Im Vordergrund der polnischen Erörterungen stand am Dienstagvormil- tag die Frage, wie die politische Lage aus Grund der Besprechung zwischen kaas und Schleicher zu beurteilen ist. In parlamentarischen krei en neigt man der 'Ansicht zu. daß fraas in seiner Un­terredung keineswegs eine so scharfe Ableh­nung gegenüber dem plan auf Einbeziehung hugenbergs in das Kabinett vertreten hat, wie sie das Blatt der christlichen Gewerkschaf­ten.Der Deutsche", vertrat. Kaas dürfte vielmehr eine vermittelnde Stellung einnehmen. Er scheint einer Umbildung des Kabinetts mit Einbeziehung hugenbergs nicht ab­geneigt zu sein, dürfte aber wohl vorerst die Klä­rung einer Reihe von politischen Fragen zur Vor­aussetzung sowie Zustimmung des Zentrums machen. Der Hauptpunkt dieser Forderungen dürfte die An- icht des Zentrums sein, datz die Lösung auf parlamentarischem Dege gefunden wer­den mülle und datz einautoritärer Kurs ä la Po­pen" nicht gesteuert werden dürfte. Ls scheint da­her. als ob das Zentrum darauf zusteuert, datz die Vertagung des Reichstages auf dem Wege über ein Ermächtigungsgesetz erfolgt, das der Regierung eine Arbeitspause bis zum h e r b ft gibt. Die Haltung des Zentrums zielt danach darauf ab, von den Forderungen hu­genbergs die eine oder andere herunterzuhandeln. Die Entscheidung über diese Verhandlungen würde daher erst nach der Klärung der Haltung Hitlers möglich sein. Man hat jedoch den Eindruck, als ob die" Ratio nalsozialislen nicht bereit seien, eine so lange parlamentarische pause zuzu­gestehen. sondern eine Vertagung des Par­laments auf zwei Monate erstreben, völ­lig offen ist natürlich auch, wie sie sich zu der Ab­sicht auf Umbildung Les Kabinett Schleicher stellen. Kommt es mit den Rationalsozialiflen zu keiner Einigung, so ist alles offen.

Heber die mehrstündige Unterredung, die am Dienstag nach Eintreffen Hitlers in Berlin zwi­schen Hiller und hugenberg stattgefunden hat, verlauten von beiden Seiten keinerlei Einzelheiten. Zur politischen Bewertung die­ser Unterredung verdient jedoch festgehalten zu wer­den. datz sie längst vor den lippischen Wah­len, al,o auch v o r der Unterhaltung zwischen dem Reichskanzler v. Schleicher und Dr. hugen­berg vereinbart und nur wegen der Wahlen hin­ausgeschoben worden war. Die Unterredung sand daher unabhängig von den Verhand­lungen statt, die seil einer Reihe von Tagen der Reichskanzler v. Schleicher mit dem doppelten Ziele einer Klärung der parlamentari­schen Lage und einer Umbildung der Reichsregierung führt.

Gerade was diese Bemühungen des Reichskanz­lers angeht, so sind ihre Aussichten eigentlich schon durch die Tatsache hinreichend gelenn eichnet, datz Adolf Hitler von sich aus nicht die Ini- Native zu einer Besprechung mit dem General v. Schleicher zu ergreifen gewillt ist, aber auch der Reichskanzler höchstwahrscheinlich nicht an Adolf Hitler herantreten wird. Mut- matzlich wird G ö r i n g als Relchstagsprä ident die Fühlung mit dem Reichskanzler aufnehmen. Im

übrigen find alle nationalsozialistischen Aeutzerun- gen der letzten Zeit unverändert auf die Forderung abgeslellt, datz der RSDAp., also Adolshitler, die R e g i e r u n g s f Ü h r u n g und Regie­rungsverantwortung überlassen wer­den müsse. Unter diesen Umständen kann es nur auf ein Biegen oder Brechen zwischen der RSDAp. einerseits und der Regierung bzw. dem Reichspräsidenten andererseits kommen.

Die Haltung des Zentrums ist auch am heu­tigen Abend in dieser Frage noch immer nicht ganz eindeutig, wenn auch dieGerma­nia feststellt, in politischen Kreisen gewinne die Auffassung immer mehr an Boden, datz das Er­

gebnis dieser Tage nicht Verständigung, sondern Kamps sein werde. Gleichzeitig unterstreicht eine offiziöse Zentrumsauslassung, datz Zentrum und Bayerische Volkspartei stets unter ganz sicheren Voraussetzungen für eine Ver­ständigung eintraten und weiter eintreten, denn sie mützten es ablehnen, datz wegen einseitiger parteipolitischer wachtbeslceb ungen. die offensichtlich bei den Rationalfozialisten noch im­mer vorhanden feien, die ruhige Wirtschafts­führung erneut gestört werde und sich die Lage aus dem Arbeitsmarkt, die gerade jetzt fühlbare Ent­lastung aufweisc, wiederum verschlechtere. In der gleichen Linie liegt eine Auslassung des Blattes der

Landwirifchast und Industrie.

Forderungen der Landw.it Hast. I Ludwigsburg, 17. Ian. (TU.) Auf einer von annähernd 1000 schwäbischen Bauern besuchten | Kundgebung des Landwirtschaftlichen hauptverban- des Württemberg und hohen,zollern hielt u. a. der rheinische Bauernsührer Freiherr von Lüninck (Bonn) eine Rede über die N o t der deutschen Landwirtschaft. Anspielend aus die jüngsten Zusammenstöße der R e i ch s r e g i e r u n g mit dem Reichslandbund stellte er u. a. fest:

Es gibt feine Gegensätze zwischen Industrie und Landwirtschaft, aber das Wohl der Landwirt­schaft ist das einzige Wittel, auf die Dauer die Jndustriekrisis zu beseitigen. Das Blühen der Industrie hängt davon ab, datz die Landwirt­schaft wieder ihren Absatz findet.

Die bekannte scharfe Entschlietzung des Reichsland­bundes mutz als ein heftiger Ausdruck der ungeheu­ren Verzweiflungsstimmung und der tiefsten Er­bitterung, die in der ganzen deutschen Landwirt­schaft herrscht, angesehen und bewertet werden. Es ist, solange die Verkaufspreise der Landwirtschaft 20 v. h. unter den Dorkriegspreisen liegen und die Verkaufserlöse der Industrie und des Handels sich durchschnittlich 10 bis 20 Prozent über den Vorkriegspreisen bewegen, berechtigt, von einer Aus­plünderung der Landwirtschaft zu sprechen.

Der heutige Stand der landwirtschaftlichen pro- duklionstechnik gestattet eine Agrarproduktion aus deutscher Scholle, die dem Lrnährungrbe- dürfnis von 65 bis 70 THiüionen Menschen genügt.

Im Anschluß an die Kundgebung, bei der noch eine Reihe anderer Redner sprach, wurde an den Reichskanzler und den Reichsernäh- rungsminifter ein Brieftelegramm abgesandt, in dein es u. a. heißt, daß Verzweiflungsstimmung und Radikalismus rasch um sich greifen, da in die von der Reichsregierung neuerdings in Aussicht gestellten Agrarmaßnahmen kein Vertrauen mehr gesetzt werde.

In letzter Stunde wird durchgreifender Schutz der bäuerlichen Wirtschaft und darüber hinaus sofortige Einleitung einer Südhilfe gefordert!

Kundgebung desHejsischenLandbundeS

WER. Friedberg, 17.3an. Der Landes­vorstand des Hessischen Landbundes hat

dem Präsidium des Reichslandbundes folgendes Telegramm zugehen lassen:Erwei­terter Landesvorstand Hessischen Landbundes steht einmütig uni) vorbehaltlos hin­ter Reichslandbund und seiner Entschlie­ßung und erwartet unbedingtes Festbleiben. Dr. v. H e l m o l t, Landesvorsitzender."

Oie Ansicht der Industrie.

(Solingen, 17. Ian. (ERD ) Anläßlich sei­ner Amtsniederlegung im Vorsitz der Industrie- und Handelskammer zu Solingen verabschiedete sich Geheimrat Duisberg von seinen bisheri­gen Mitarbeitern in einer Rede, die einen kurzen Lleberblick über die Vergangenheit und einen Aus­blick auf das neue Iahr gab. In seiner Rede be­merkte Geheimrat Duisberg u. a. zum 'Wirt­schaftsprogramm der Reichsregie­rung vom 28. August 1932, es scheine,^als ob das große Wag n rs gelingen sollte, wenn auch zunächst nur zögernd und schrittweise.

Trotz der politischen Widerstände und trotz zahlreicher handelspolitischer Schwierigkeiten, die aus der schweren Rotlage der Landwirtschaft entstanden, muffe festgcstellt werden, datz Zei­chen für eine Besserung vorhanden seien.

Insbesondere die chemische Industrie Hütte schon mehrfach von einer Belebung ihrer Cefchäststättg-- teit berichten können: sie hielte auch jetzt noch an. Olad-vcm die IG.-Farbenindustrie feit Oktober bis Ende des Iahres 1932 schon 4000 Arbeiter und Angestellte wieder in Vrot und Arbeit ge­nommen hätte, wären im Ianuar 1933 aufs neue 400 Arbeiter in den Leunawerlen eingestellt wor­den. Doraus'etzung für eine Fortsetzung der Bes.e- rung fei, datz die im Herbst v. I. eingeleitetc1 Wirtschaftspolitik auch von d r Regierung Schlei­cher tenfequent fortgesetzt toiiroe.

Zu den aktuellen Problemen der Weltwirt­schaft übergehend, führte der Redner u. a. aus, mehr und mehr habe sich in der ganzen Welt die Erkenntnis von der

Rotwendiokeit neuer wirtschaftspoliiifher Zu­sammenarbeit aller an der We.tlvirtschaft De- tcillgten

durchgesetzt. Es sei inzwischen eine selbstverständ­liche und feststehende wirtschaftliche Tatsache ge­worden, daß die Schuldnerländer ihre Schul­den nur in Form von Waren beglei­chen können und daß die Gläubiger ihre Han­delspolitik dementsprechend einzustellen hätten.

Das ewige Reich.

ZnmR ichsgründu gstag am 18.Januar.

ileberall in den deutschen Gauen wird heute des Tages der, Gründung des Deutschen -Ke t» ches am 18. Ianuar 18 7 1 im Spwgelsaal des Schlosses von Versailles gedacht. Die Er­innerung an dieses gewaltige geschichtliche Ge- so h-n re» deutschen Volkes stimmt auch inmit­ten'ber Rot dieser Zeit alle guten Deutschen innerlich froh, nicht minder aber auch die Tatsache, datz das Reich Bismarcks, trotz mancherlei innerer Gegensätze und Rückschläge, allen ©türmen zum Trotz fest und unerschütterlich steht. Der heu­tige Erinnerungstag sei deshalb gefeiert als eine Verpflichtung gegenüber der großen deut­schen Vergangenheit und als ein Gelöbnis gegenüber der deutschen Zukunft.

Es gibt, von dieser Warte aus berachtet, tem Erstes, Zweites oder Drittes Reich, es gibt kein Erotzdeutjches, oder Kleindeutfches Reich, stmdern es gibt allein das ewige Reich der Deut­schen. Von dem Cherusker Armin an, der zum ersten Male die deutschen Stämme in einem Staats­gebilde zufammenzufossen versuchte, bis zu Bis- marck, dem jenes Teilwerk gelang, das uns heute noch erhalten geblieben, ist die Geschichte der Deut­schen die Geschichte des ewigen Reiches deut­scher Ration. Dieses Reich war immer mehr eine Verheißung, als eine Wirklichkeit. Gerade des­halb aber ist das deutsche Volk niemals erstarrt, sondern in seiner Seele und in feinem Herzen jung geblieben. Mögen andere Staaten in ihrer national- staatlichen Geschlossenheit eine Aufgabe erblicken, die Idee des ewigen Reiches bedeutete mehr. Es gibt das englische Imperium, wie es das römische Imperium gab. Es gibt die Vereinigten Staaten von Amerika, den französischen Nationalstaat und die russische Sowjet-Union. Das Reich hat nichts mit ihnen gemein. Es ist eine höhere Wirk­lichkeit als ein staatliches oder wirtschaftliches Zweckbündnis. Es ist auch nicht jener Auftrag, der in dem Wort vom deutschen Wesen, an dem die Welt genesen soll, einen etwas allzu billigen Nieder­schlag fand. Aber es ist die Mission, alle Gegen­sätze der Welt in der Fülle des deutschen Seelen- tunis barmonisch zu vereinigen und eine staatliche und wirtschaftliche Ordnung aufzurichten, die allen Völkern der Erde Vorbild und Ziel zu fein vermag. Von diesem Prinzip der Ordnung und der Bändi­gung des Chaos aus ist die Reichsidee tatsächlich weltrevolutionär.

Bismarck wußte, daß das in den Etmgungs- tragen d:s vergangenen Jahrhunderts geborene Reich nichts Fertiges war. Der Alpdruck der letzten Jahrzehnte im Leben des großen Kanzlers rührte von der Erkenntnis her, datz ein allzu schnell reich gewordenes und seiner Formen un­sicheres Geschlecht für alle Ewigkeit starr er­halten wollte, das dem genialen Staatsmann und Reichsgründcr selbst nur als ein ileber- gcin?sbau vvrgeschwebt hatte. Denn Bismarck wußte um die inneren Gesetze des Wachsens. Längst waren nicht alle deutschen Stämme im Reiche vereinigt. Die Oesterreicher und die Deutsch-Böhmen z. B. standen außerhalb. Konrad Ferdinand Meyer und Gottfried Keller fangen noch.Geduld, es kommt die Zeit, da wird ge­spannt, ein einig Zelt ob allem deutschen Land. Heute erscheinen sowohl Elsaß-Lothringen, als auch der deutsche Teil der Schwei- der Re-.chs- idee entfremdet, und allein in der flämischen Bewegung R.ederdeutschlands erwacht immer stärker das Heimweh nach einem großen euro­päischen Block deutscher Sprache unb deutschen Volkstums.

Daß das Reich Weltkrieg und Revolution, Ruhrkampf und Friedensdiktate. Inflation und innere Wirren überwunden hat, ist ungeheuer viel. Es ist das Verdienst des deutschen Volkes, weni­ger der deutschen Staatlichkeit, die nur allzu ost seit Tismarcks Abgang bis heute versagt hat. Aber das Zusammenhalten in der Einheit des R e- g-nügt niu)t. Denn das Reich ist eine Aufgabe, kein Abfinden mit der Ge­genwart. Die Reichsaufgabe ohne Rücksicht auf Parteien und Einzelmeinungen herauszuarbeiten, wird der Sinn einer jeden Reicysgründungsfeier zu sein habem Das ewige Reich der Deutschen hat sich zu allen Zeiten in zwei Formen einer und derselben Idee verwirklicht: in der deut­schen Staatlichkeit, oder im deutschen Machtanfpruch, und in der deutschen Gei­stigkeit. oder in der schöpferischen Kraft des deutschen Seelentums. Wo in der Geschichte die deutsche Innerlichkeit den Machtanspruch recht- fertigte und wo der Machtanspruch beseelt war von der Innerlichkeit, da erfüllte das Reich seine Aufgabe als Vorbild und Sinn dieser Welt. Die deutsche Staatlichkit einschließlich der Ordnung seiner Wirtschaft ist heute reformbedürf- tig. Mer dieseReichsreform" ist nun einmal ke.ne Derwaltungsangeiegenheit irgendeiner Re­gierung.

Sie kann allein durchgeführt werden von einem Staatsmann, oder von einer Gemeinschaft von deutschen Menschen, deren Seelen ganz von den mütterlichen Strömen der deutschen Innerlichkeit gespeist tce.b.n. Die Pf.ege dieser geistigen und kulturellen Werte, aus denen die staatlichen ^a- tcn emporwachsen. lag immer bei den Stämmen. Diese Stämme, einschließlich derer, die noch un­ter fremder Staatlichkeit leben, dürfen nicht ver­gewaltigt werden. Gleichzeitig aber darf das kulturelle Eigenleben der etämme nicht die klare Staatlichkeit der Reichsführung beeinträchtigen. Erst wenn der rechtverstandene Gei st von Weimar, der die deutsche Innerlichkeit verkörpert, in der Tat des großen Staatsmannes mit dem rechtverstandenen Geist von Potsdam, der den Machtanspruch des Staates

versinnbildlicht, vereinigt w.rd. wird es wieder ein eigentliches Reich geben. Diesem R^ch oer Zukunft, diesem ewigen Selber Den t - schen von dem das Lied singt:Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt!" dienen wir allein durch das nüchterne, sach­liche vnc um derSache selbst willen ge­tane Werk des Tages.

Oie gestrige G tzung des Reichskabmetts.

Berlin. 17. Ian. (Sil.) Das Reichskabi - nett, das am Dienstag um 16.30 ilfjr xufam- mengetreten war, tagte b.s in die späten Aoend- stunden. Es befaßte sich zunächst eingehend mit finanztechnischen Fragen wobei die Steuererhebungstechnik für das Hausyalts^a.)r 1933 eine besondere Rolle spielte. Die Avsich.en der Regierung gehen dahin, künftig eine ein­fachere Erhebungsweise amuwenden. Im Verlaus der Sitzung wurden auch die weiteren Dur g - s ch a f t e n f ü r H a u s r e p a r a t u r e n , W o h- nungsteilungen usw. beteiligt.

sich der seinerzeit bereits beteilligten 50 Millionen Mark für ähnliche Zwecke beläuft sich der Ge­samtbetrag für dieses Gebiet nunmehr auf rund 100 Millionen Mark. Unter anderem dürften künftig auch Zuschüsse für die Teilung von Reubauwohnungen, sowie für die Um­wandlung von Geschäftsräumen in Wohnräume bewilligt werden.

In der Sitzung nahm dann die Siedlungs- Politik einen breiteren Raum ein, wobei es

sich u. a. darum gehandelt haben dürfte, die S.edlungspolitik dem System des Vollstrek- kungsschuhes anzupassen. Es darf nach wie vor als der entschiedene Wille des Kanzlers be­zeichnet werden, die Siedlung tatkräftig durchzuführen. Die umfang eiche Tagesord­nung der Kabinettssihung am Dienstag dürfte sich ferner noch auf die deutsch-schwedischen Han- delsvertragsveehandlungen erstreckt haben.

Für Mittwoch ist keine Kabinettssitzung in Aussicht genommen, so daß anzunehnen ist, daß in der Dienstagsihung alle Punkte der Tages­ordnung erledigt werden konnten.

Oer Voltstreckungsschutz.

Heute Veröffentlich ng der Notverordnung.

Berlin, 17. Jan. (TU.) Der Reichspräsident empfing am Dienstag den Reichsminister der Ju­stiz, Dr. G ü r t n e r , zum Vortrag über die auf dem Gebiete des D o 11 st r e ck u n g s s ch u tz e s ge­planten Maßnahmen. Wie die Telegraphen-Union erfährt, wird die Verordnung am Mittwochabend imReichsgesetzblatt" veröffentlicht werden.

Lanicrungsunfähige Güter ausgeschlossen?

DerDörsencourier" berichtet Einzelheiten über die Neuregelung des Vollstreckungsschutzes. Wie das Blatt wissen will, hat das Reichskabinett einen Vol Ist reckungs schütz für aus dem Siche­rungsverfahren des Ost Hilfegebietes als nicht mehr sanierungsfähig ausfcheidende landwirtschaftlichen Betriebe abgelehnt. Mit der Unterzeichnung der vom Kabinett angenommenen Verordnung durch den Reichspräsidenten werde, so jagt das Blatt weiter, die Bahn für eine groß­

zügige Inangriffnahme des Sied­lungswerkes im Osten frei.

Eine Ausdehnung des Vollftrcckungsfchutzes auf das ganze Reich werde lediglich für den Schutz der Vollstreckung bk Gegenständen des beruflichen Vermögens, also des lebenden und toten landwirt­schaftlichen Inventars in Frage kommen. Man sei nicht so weit gegangen, das g e s a m t e B e t r i e b s- vermögen unter diesen bedingungslosen Voll­streckungsschutz zu stellen. Der Z i n s e n d i e n st solle grundsätzlich aufrechterhalten werden, so datz Erschütterungen des Realkredites in größe­rem Umfange durch die neuen Bestimmungen nicht hervorgerufen werden könnten.

Die Sozialversicherung 1931/32

Erhebliche Fehlbeträge.

Berlin, 17. Ian. (WTB.) Rach einer vom Reichsversicherungsamt herausgegebenen Stati­stik beliefen sich im Iahre 1931 die B e i t r a g s -- einnahmen in der Sozialversicherung auf 3 Milliarden Mark, die Gesamt­ausgaben auf 3.5 Milliarden Marl. Ein Einnahmeüberschuh war nur noch in der Angestelltenversicherung zu verzeich­nen. Die Arbeitslosenversicherung wies auf der Einnahmeseite 1411 Millionen Mark und auf der Ausgabenseite 1531 Millionen auf. Das Iahr 1932 brachte eine Fortsetzung der un­günstigen Entwicklung. Reben den Ein­nahmen haben sich aber auch die Ausgaben in­folge der Einschränkung der Leistungen im Iahre 1932 erheblich verringert.