Ausgabe 
14.2.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 38 Erstes Blatt

^83. Jahrgang

Dienstag, ^.Zebruar (955

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

VniS und Verlag: vrühl'sche UniverfitälL-vuch- und Stetnöruderei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchlllftraße Z.

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlumschein und für denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Dietzen.

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immunalobligaliontn. i Kurse infolge der überwiegend etwas ,50 aus 109,25 v. h. larkte Allbcsitzanleihe erungcn bis zu 0,25 niedriger. Neubesitz- Wesitzanleihe 67,13, i.-Äahloemn-Aond» ibnnf=@oMommü- ch.-NassoiiischrLan- 1 86,90, Reichsbant rann 62, W 36,15, m. 27,40, 23, Licht & Kraft 93, 15 109,25, Lahmeycr inheich Stamm 99,75,

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gebt. Sie Getreide- Dilles Geschäft, unb verändert. Lediglich chcr. Das Angebot mbar von der Land­geübt tirrb. Das Joggenmehl sofort Futtermittel neig« ej sehr kleinem G-- e Tonne, afleä eizen 203,50 bis M te für Drauztvecke z 135; Weizenmcyl. mit Mtanliw«* ncM iöOproz. Lius- zenkleie 7,« Sojaschrot 10 bis 75 Erdnußkuchen

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5.5*6

13.15

Randnoten.

Die langwierige Intendantenkrise des Berliner Slaatstheaters hat nun ihre endgültige Lösung gefunden und zwar in einer Doppelführung, einer Zweiteilung der Vollmachten, die vom Generalintendanten i e t i e n schon seit langem erwogen wurde. Der Reichskommissar für das preußische Kultusministerium hat, wie schon gemeldet, den Generalintendanten des Deutschen Nationaltheaters in Weimar, Dr. Franz U l b r i ch , zum - Schauspielbirektor mit der Amtsbezeichnung Intendant" und den Schriftsteller Hanns I o h st zum ersten Dramaturgen mit künstlerischen Voll­machten berufen. Damit wird die ursprüngliche Mel­dung von der Ernennung Iohsts zum Staatstheater- Intendanten mindestens formell eingeschränkt. Die Zweiteilung bedeutet aber keineswegs, wie mehr­fach geäußert wurde, einen Verzicht auf den Dra­matiker Johst, der unter den vielen Namen der Jntendantenliste an erster Stelle stand (während Ulbrich überhaupt nicht erwähnt wurde), denn Johst wird mit seinen großen Vollmachten zweifellos den entscheidenden Einfluß auf die künstlerische Leitung des Staatstheaters ausüben, während der neue Intendant hauptsächlich die geschäftlichen Angelegen­heiten führen wird.

Dr. Dlbrich wurde im Jahre 1925 als Nach­folger von Ernst Hardt nach Weimar an die ureigenste Stätte der Pflege und Lleberlieferung der Klassik berufen, und trotz seines stillen und zurückhaltenden Wesens ist er mit energischer und zielbewußter Arbeit den seinerzeit sehr schwieri­gen Theaterverhältnisfen des Landes Thüringen begegnet. Zeitweilig wurde i£m die wirtschaft­liche Oberleitung aller thüringischen Landes­theater übertragen; Dr. Ulbrich versuchte eine ausgedehnte Planwirtschaft durchzuführen, die aber nicht gelang. Da der Spielplan des Wei­marer Rationaltheaters in erster Linie auf den Klassikervorstellungen aufgebaut war und sein Generalintendant unter Vermeidung aller Experi­mente dieses Prinzip konsequent durchführte und nur in großen Abständen, dann aber einwandfrei und erfolgreich ein modernes Drama zuließ, kann über seinen Wert und seine Eignung für die erste Bühne des Reiches kein Urteil gebildet werden, ehe die Ziele und der beabsichtigte Kurs bekannt sind.

Wann der neue Intendant sein Amt antreten wird, ist nicht genau bestimmt, da sein Vertrag mit der thüringischen Regierung noch ein Jahr läuft, und diese über seine vorzeitige Entlassung bis jetzt keine Entscheidung gefällt hat. Dagegen wird Hanns I o h st seine künstlerisch entscheidende Stellung be­reits in dieser Woche einnehmen. Der Dramatiker Johst ist mit seiner Schwungkraft und ehrlichen Begeisterung gewiß die denkbar beste Ergänzung für die stille, aber zähe Beharrlichkeit, die das Tem­perament bei Ulbrich ersetzt. Johst begann als Ex­pressionist und war u. a. Mitarbeiter der links­radikalen ZeitschriftDie Aktion". Später schwenkte er nach rechts ab, wurde Kulturpolitiker desVöl­kischen Beobachter" und gehört zum engsten Freun­deskreis Hitlers. Zu begrüßen ist es jedenfalls,.daß die leidige Jntendantenkrife, die den Ruf Berlins als Theaterstadt keineswegs verbesserte, nun end­lich behoben wurde. Hoffentlich erfüllen die beiden neuen Männer die vom kritischen Publikum in sie gesetzten Erwartungen und führen das Berliner Staatstheater in sachlicher Arbeit und künstlerischer Unvoreingenommenheit zurück zu seiner früheren Stellung als eines der repräsentativsten Bühnen Deutschlands.

*

Wieder einmal ist deutschen Ingenieuren, Tech­nikern und Arbeitern ein großer Wurf gelungen: sie haben aus dem 5100-Tonnen-DampferWest­falen" die erste schwimmende F l ug - zeug-Jnsel der Welt geschaffen. Während man sich in Amerika über die Zweckmäßigkeit des Daus vonrichtigen" oderfalschen" Flugzeug- Inseln streitet, ist man in Deutschland flugs an die Arbeit gegangen. Daß Deutschland nur an den Bau einerfalschen" Flugzeug-Jnsel^denken konnte, ist bei Berücksichtigung seiner Finanzver­hältnisse klar. Die Insel ist also in Wirklichkeit nur ein für den besonderen Zweck umgebau- irr Dampfer, der im Südatlantik verankert wird, um als Stützpunkt für den wahrscheinlich noch in diesem Jahre perfekt werdenden Flug­verkehr zwischen Europa und Südamerika zu die­nen. Bon der Einrichtung eines luxuriösen Hotel­betriebes hat man vollständig abgesehen. Die Sach­lichkeit, das Nüchterne dominieren. Man wird aus derWestfalen" landen, die Benzinkanister ausfüllen, etwas Proviant an Bord nehmen und dann wieder starten können. Man wird auch die Möglichkeit haben, auf der Insel ein neues Flug­zeug zu chartern, wenn die Maschine, mit der man öic Insel anflog, nicht mehr recht funktioniert. Es ist gut, seine Phantasie, angestachelt durch den Ufa-^ilmFP 1 antwortet nicht", nicht allzu sehr schweifen zu lassen. Flugzeuginsel bedeutet T a n k- * rm e u.n $ Werkstatt auf hoher See.

22us ist nun das Charakteristische an der schwimmenden Insel? Welche besonderen Ein» richlungen sind vorhanden, welche Erfindungen Üud hier praktisch angewandt worden? Zunächst ist schon rein äußerlich der Auszug des Schiffes sonderbar. Es fährt einher wie eine Dame der achtziger Jahre, d. h. es zieht eine mächtige Schleppe hinter sich her. Der Laie wird dahin belehrt, daß diese Schlarpe ein Schlepp- se 9 e l sei, das den Flugbooten erlaube, auch bei höchstem Seegang glatt bei der Insel zu lan­den. Ein Kran befördert den Apparat an Bord. Der Start erfolgt durch Abschuß vom Katapult, und zwar soll das jetzt auf der Westfalen" montierte so beschaffen sein, daß das Flugzeug mit unerhörter Geschwindigkeit

Der Kampf gegen die Weltwirtschastskrisis.

Oie Vorbereitung der Kriegsschuldenkonferenz von Washington.

Englands Richtschnur.

Macdonald zu dem Versuch einer Gesamt- Vereinigung bereit

London, 13. Febr. (TU.) Der Kriegsschulden- ausschuß des englischen Kabinetts hielt am Montag seine fünfte Sitzung ab, an der auch der Washing­toner Botschafter Sir Ronald L i n d s a y teilnahm. Der Bericht über diese Besprechungen wurde am Nachmittag dem Gesamtkabinett vorgelegt.

Im Unterhause ^klärte Ministerpräsident Mac­donald auf die Frage, ob die Washingtoner Ver­handlungen aus die Kriegsschulden be­schränkt bleiben sollen, folgendes:Die englische Regierung hat sich damit einverstanden erklärt, daß gleichzeitig mit den Schuldenverhandlungen zwischen England und Amerika auch die Welt- fragen erörtert werden, an denen beide Län­der gegenseitig interessiert sind. Der Zweck der Ver­handlungen besteht darin, den Handel wieder zu beleben und die Wohlfahrt der Welt wieder herzustellen. Die Regelung der Kriegsschulden ist zwar wichtig für die Wiederbelebung Des Welthan­dels, aber die englische Regierung hat stets aner­kannt, daß auch andere wirtschaftliche und fi­nanzielle Fragen der Erledigung bedürfen. England würde sich freuen, mit Amerika in einen das ganze Gebiet umfassenden Meinungsaustausch einzutreten.

Auf die Frage des Oppositionsführers Lansbury, ob dem Hause eine Andeutung über d i e Art der von der englischen Regierung be­absichtigten Verträge gemacht werden könne, sagte Macdonald, er habe immer wieder er­klärt, daß, soweit die Kriegsschulden in Frage kämen, die englische Regierung ein Abkommen mit Amerika anstrebe, das England die Fort­setzung seiner europäischen Politik ermögliche. Das von der Sachverständigenkonferenz aufgestellte Arbeitsprogramm für die Welt­wirtschaftskonferenz umfasse die auch mit Amerika zu erörternden Fragen.

Die nunmehr dreiwöchigen Auseinandersetzun­gen über das Programm der in der Hoover- Roosevelt-Erklärung ange.ündigten englisch-ame­rikanischen Berhandlungcn haben zu einem*21 ad)- geben Englands in dem entscheidenden Punkt geführt. Das Ergebnis der Aussprache des eng- lisch:» Kabinetts mit dem Botschafter in Washing­ton, der die Absichten Roosetel.s aus persön­licher Fühlungnahme kannte, wurde von Mac­donald gestern im Unterhaus mitgeteilt: das Einverständnis der britischen ^Regierung mit einer gleichzeitigen Diskussion der K r i e g s s ch u l d e n f r a g e und der welt­wirtschaftlichen Probleme. England ist bereit, mit Amerika in einen Gedankenaustausch über den Gesamtkomplex einzutreten. Das englische Kabinett hat sich also der vom Schatzkanzler Reville Chamberlain in öffent­lichen Reden sehr entschieden vertretenen Ab­neigung gegen diese Verkoppelung zweier Pro­bleme nicht angeschlossen. Eine sachliche Ein­schränkung des englischen Zugeständnisses kann freilich in der Erklärung Macdonalds erblickt werden, daß das von dem Sachverständigen» ausschuß für die Weltwirtschaftskonferenz aus­gearbeitete Programm alles umfasse, was für die Verhandlungen mit Amerika in Betracht komme. Cs ist zu erwarten, daß im Rahmen dieses Programms Chamberlain mit um so größe­rer Zähigkeit seinen Standpunkt in den Amerika besonders interessierenden Währungs- und

|3ollfragen verteidigen wird. Den Stütz­punkt der englischen Haltung bildet nach wie vor die Reparationslösung von Lausanne, auf die Macdonald ebenso wie auf die neue englische Aktivität bei den Abrüstungsverhand- langen anspielte, wenn er die Hoffnung aus­sprach, daß die Einigung mit Amerika es Eng­land ermöglichen werde, seine europäische Politik fortzusehen.

Hoover fordert wirtschafts­politische Umkehr Europas.

Washington, 13. Febr. (WTB.) Zur Feier von Lincolns Geburtstag hielt Präsident Hoover im Republikanischen Klub in Reuyork eine An­sprache, in der er von den schweren Schä­digungen sprach, die der Weltwirtschaft durch die Länder zugefügt würden, die vom Gold­standard abgingen oder die Einfuhr durch Kontingentierungen erschwerten. Ins­gesamt hätten 44 Staaten die Goldwährung auf­gegeben oder den Goldverkehr scharf eingeschränkt, und die Welt treibe durch Deberflutung mitbilligenExportwaren. durch Vox - z u g s t a r i f e und durch Quotensysteme einer Erschütterung des ganzen Weltwirtschafts­gebäudes zu. Die Vereinigten Staaten von

Amerika behandelten alle fremden Staaten in gleicher Weise, und ihre Zölle seien, wenn man die Herstellungskosten der anderen Länder in Gold umrechne, niedriger als die der meisten ausländischen Staaten. Amerika könne sich nö­tigenfalls schützen, aber es werde niemals die Goldwährung verlassen, da das seinen vollkommenen Ruin bedeuten würde. Hoo­ver richtete sodann einen Appell an das Aus­land, baldigst wieder, wenn auch nicht notwen­digerweise in der früheren Höhe, zum Gold­standard zurückzukehren. Die Welt brauche eine mutige, energische Zusammenarbeit, wenn nicht die ganze Zivilisation zusammen­brechen solle.

Eine Streichung oder Revision der Kriegsschulden würde an sich die Welt­wirtschaft nicht beleben. Außerdem könnte Eu­ropa feine Schulden bezahlen, wenn es we­niger für Rüstungen ausgäbe. Er gebe jedoch zu, daß der Transfer Schwierigkeiten mache, und sei daher für den Vorschlag empfäng­lich, Zahlungen der Alliierten zu einem Spe­zi a l f o n d s zu benutzen, durch den die Rück­kehr zum Goldstandard erleichtert würde. Wenn aber Europa nicht zum freien Goldverkehr zurückkehre, so treibe es Amerika in völlige Isolierung und die ganze Welt zum wirtschaftlichen Ruin.

Das Unrecht des polnischen Korridors.

Englische Stimmen zum Hitler-Interview.

Berlin, 13. Febr. (TD.) Zu der intSunday Expreß" erschienenen angeblichen Unterteilung mit dem Reichskanzler Hitler wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß verschiedene Aus - f ü h r u n g e n, die dem Reichskanzler in den Mund gelegt würden, nicht gefallen seien. Die Dnterredung sei dem Obersten Etherton als Vertreter derDaily Mail" und der ihm an- geschlossenen Presseorgane bereits am 7. Fe­bruar schriftlich übergeben worden. Die Art der Veröffentlichung entspreche nicht den Abmachungen.

Die Erklärung Hitlers, daß der polnische Korridor an Deutschland 3 u r ü tf ge­geben werden müsse, wird vomDaily Expreß" in großer Aufmachung kommentiert. Hitlers For­derung schasse eine Lage von allererster politischer Bedeutung, indem sie die umstrittenste und gefährlich st e Frage der europäischen Politik direkt in das Scheinwerfer­licht der Welt [teile. Die Reden des Partei­führers Hitler könnten, so schreibt das Blatt, vom offiziellen Deutschland ignoriert werden. Aber die Erklärung des Reichskanzlers Hitler sei eine For­derung, d i e nicht unbeachtet bleiben werde. Dadurch sei die Frage ein internationales Problem.

Ost preußen sei immer noch vom ganzen übrigen Deutschland durch einen von Polen verwal­teten ßanbftreifen abgetrennt. Der Hafen von D a NL i g sei vom industriellen Deutschland abge­schnitten. Das umstrittene Land des polnischen Kor­ridors sei von Leuten bewohnt, die in übermal- tigenber Mehrzahl Deutsche seien. 13 Jahre lang sei ber Protest Deutschland gegen bie Regelung ber Ostgrenze stetig gewachsen. Polen I selbst habe keine Illusionen über bie Schwierigkeiten |

gehabt, ben Korribor aufrechtzuerhalten. Es habe Riesen summen für eine Armee aus- gegeben, bie jeber beutschen Aktion widerstehen könne solange Deutschlands militärische Stärke durch die Abrüstungsklausel des Versailler Vertrages ge­fesselt bleibe. Frankreich habe seinerzeit durch seine Anleihepolitik der goldenen Kugeln in Osteuropa einen Ring von Ländern aufgebaut, die Polen gegen Deutschland unter ft ü ft - t e n.

Das Echo in Warschau.

Die Negierung wartet ab. Tie Ocsfcnt- tichtcit nervös.

Warschau, 13. Febr. (TD.) Wie an zustän­diger Stelle versichert wird, beabsichtigt die pol­nische Regierung nicht, amtlich zu der Dnterredung des Reichskanzlers mit dem Vertreter desSun­day Expreß" Stellung zu nehmen, da die Re­gierung diese Dnterredung nicht als amt­liche Erklärung auffaßt. Während also die Warschauer Kreise sich mehr abwartend verhalten, ist die R a t i 0 n a l d e m 0 k r a t i e unter dem Eindruck der Kanzlererklärung offensichtlich nervös geworden. So kritisierte ein national- demokratischer Abgeordneter am Montag im Sejm die Außenpolitik der Regierung. Inzwischen sei es soweit gekommen, daß Reichskanzler Hitler eine beispiellose Erklärung wegen des Korridorgebietes abgegeben habe. Die Rational­demokratie erklärte, das polnische Volk werde den Korridor verteidigen und keine Handvoll polnischer Emde abtreten. In einer Entschließung bringt die nationaldemo­kratische Sejmfraktion zum Ausdruck, daß die Kanzlererklärung den Frieden der nächsten Zu­kunft gefährde.

in die Luft geschossen werde. Was das heißt, geht aus folgendem hervor: Eine der gebräuch­lichen Ozeanmaschinen wiegt 330 Zentner. Soll das Flugboot vom Katapult richtig starten, dann muß es einenAbstoß" erhalten, der es ihm er­laubt, in zwei Sekunden auf 150 Stundenkilometer zu kommen. Diese Geschwindigkeit wird jetzt auch erreicht. Die Firma Heinkels baut die Startvor­richtungen derWestfalen". Die Energiequelle ist Preßluft.

In wenigen Tagen wird man die schwimmende InselWestfalen", die sich gegenwärtig auf einer Probefahrt längs der englischen Küste befindet, um ihre Seetüchtigkeit, Widerstandskraft, Schlepp- segel und Katapulte zu erproben, den Vertretern der deutschen Presse vorführen. Dann wird sich Gelegenheit bieten, die Leser genau über die Dnterkunftsräume der Bewohner, über die Werk­stätten, über die Lage der Benzin- und Wasser­tanks, über die Radioanlagen, über die meteoro­logische Station und über dieVergnügungs- möglichkeiten" der Insel zu informieren. Bewährt sich dieWestfalen", dann wird mancher in Ham­burg oder Bremen oder Lübeck oder Kiel ver­rostende Kahn, für den es keine Fracht mehr gibt, von derKette losgemacht" und dem Leben wiedergegeben werden können.

Oer Lleberwachungsausschuß erneut aufgeflogen.

Berlin, 14. Febr. (VDZ.) Unter Beteiligung der Vertreter aller Parteien trat der Reichstags­ausschuß zur Wahrung d^r Rechte der Volksver­tretung unter dem Vorsitz des Abg. Löbe am

Dienstagvormittag wieder zusammen. Als Löbe die Sitzung für eröffnet erklärte, setzte bei den Rationalsozialisten tosender Lärm ein, der minutenlang andauerte. Löbe gelartg es nicht, eine Erklärung vor dem Ausschuß abzugeben. Abg. Dr. Frank II. (Ratsoz.) erklärte: Ich stelle fest, daß der Vorsitzende nicht imstande ist, die Sitzung zu leiten, weil die größte Fraktion des Hauses und damit die Vertreterin des deutschen Volkes es nicht dulden wird, daß ein Marxist und Verleumder weiter die Ausschußverhandlungen leitet. Da der Vorsitzende somit verhindert ist, den Ausschußvorsih zu führen, übernehmeich als stellvertretender Vorsitzender die Leitung der Verhandlungen. Dr. Frank begab sich zu dem Platz des Vorsitzenden. Die Vertreter der Sozial­demokraten und Kommunisten verließen darauf den Saal.

Dr. Frank eröffnete darauf nochmals die Sitzung, und zwar mit einem Rachruf für diie Opfer der Katastrophe von Reunkirchen. worauf er die Sitzung des Ausschusses zum Zeichen der Trauer für geschlossen erklärte.

Die Sozialdemokraten und Kommunisten wur­den, als sie den Saal verliehen, von den Ratio­nalsozialisten beschimpft. Der Abg. M 0 r a t h (D. Dp.), der sich gleichfalls der Ausgangstür genähert hatte und eine Zigarre rauchte, wurde von einem nationalsozialistischen Abgeordneten tätlich angegriffen. Er erhielt einen Faustsch 1 ag in den Rücken. Als er sich das energisch verbat, wurde er von den Nationalsozialisten aus dem Saal gedrängt. Dnter allgemeiner Dnruhe gingen die Ausschuhmitglieder auseinander.

Protest der Deutschen Dolkspartei.

B e r (i n, 14. Febr. (VDZ.) Der Führer ber Deut­schen Volkspartei Dingelbe y hat nach Bekannt­werben ber Vorgänge im Uebcrwachungsausschuß bes Reichstags sofort beim Reichstagspräsi- benten Göring unb beim Vorsitzenden ber na­tionalsozialistischen Reichstagsfraktion, bem Reichs- innenminiftcr Dr. Frick, telegraphisch schärfsten Einspruch erhoben unb volle Genugtuung für bie Mißhanblung bes Abg. Morath durch nationalsozia­listische Abgeorbnete verlangt.

Reichsausschußtagung des Gewerkschastsringes.

Berlin, 10. Febr. (TD.) In der 14. Reichs- ausschußtagung des Gewerkschaftsringes betonte der Vorsitzende der freiheitlich-nationalen Ge­werkschaften, Gustav Hartmann, die Rot- Wendigkeit zur Sammlung aller Kräfte inner­halb der Arbeitnehmerschaft unter Beiseitestel­lung alles dessen, was trennend wirken könnte. Der Generalsekretär des Gewerkschaftsringes, Ernst Lern m er, erklärte: Der Gewerkschafts­ring habe alle Bestrebungen zur Behebung der Arbeitslosigkeit unterstützt, die Durchführung der Randsiedlung gefördert und sich für Maßnahmen eingesetzt, die die Siedlung als solche bezwecken. Die Organisationen des Gewerkschaftsringes seien sowohl bei der Durchführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes, als auch am Rotwerk der deut­schen Jugend beteiligt. Den Bestrebungen, die sozialen Rechte der Arbeitnehmerschaft in be­denklicher Weise zu beschneiden, müsse mit ganzer Willenskraft entgegengetreten werden. Es fan-

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