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14.1.1933 Erstes Blatt
 
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schlimmster Bedeutung. Und es gab so viele gute Kameraden! Mitten unter ihnen teilte er sederzeit mit irgendeinem oder mehreren die Gaden, die ihm die Mutter sandte. Ohne jede Verwundung endete für Harry von Achrrn der Krieg.

Unkraut! dachte er bitter. . .

Er studierte dann Rechtstvissenschaft, war einige Male daheim auf Achern gewesen, da der Vater sehr hinfällig war. Es schien, al« wolle sich das alte, herzliche Verhältnis wieder den Weg bahnen da starb der Vater ganz plötzlich an einer Er­kältung. Ein Jahr später starb auch die Mutter in HarryS Armen. Aun stand er allein auf der Welt. *

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Herr von Achern sagte:

£u verläßt das Schloß. Ich kann dich öor* läufig hier nicht mehr sehen. Gs dürfte für dich ohnehin einstweilen besser sein. Wenn du noch einen Funken Mitleid in dir hast, dann müßte es dir das Herz umdrehen, wenn dieses schöne Kind einst als junges Mädchen ein Krüppel ist. Durch deine Schuld! Du bleibst jetzt hier in deinem Zimmer. Das Weitere wirst du hören."

Tagelang hatte Harry gewartet. Aur der alte Joseph Wimpert brachte ihm das Essen, sah ihn vorwurfsvoll an und ging dann wieder still hmaus. Wie verfemt kam Harry von Achern sich vor. Niemand kümmerte sich um ihn. Dann aber stand doch einmal sein Vater im Zimmer.

Mache dich fertig, in zwei Stunden fahrt der Zug nach L. Du wirst dort die Georgenschule besuchen. Die Abmeldung bei deiner bisherigen Schule ist besorgt. Verabschiede dich von deiner Mutter!" Ä

Ohne ein Wort der Entgegnung zog Harry sich an. Der Vater stand teilnahmslos da, und doch wartete er verzweifelt auf ein paar Worte, nut denen sich Harry nach Pia erkundigte. Vielleicht hätten diese Worte das Vaterherz versöhnlicher gestimmt. Doch nichts geschah. Harry hatte ein trotziges Gesicht, und um den Mund lag em harter Zug. Seufzend wandte Herr von Achern sich ab.

3m Zimmer seiner Mutter stand Harry dann aufrecht und trotzig. .

Ich habe niemanden mehr, sie hat nur alles gestohlen auch dich!"

Jetzt standen ein paar große Tranen in den Augen des Jungen. Frau von Achern zog ihn an sich. Sie beherrschte sich nur mühsam: sie durfte ihm das Scheiden nicht schwer machen, und es muhte doch nun einmal sein. Denn dah darin ihr Mann unerbittlich blieb, das wuhte sie nur aU§tein alter Junge, einmal muht du sowieso fort von Achern. Ein Mann muh einmal in die Welt hinaus. 3d> glaube ja immer noch an dich. Niemand denkt, dah du es absichtlich getan hast: alle meinen, dah es ein unglücklicher Zufall war. Aber es ist schon besser, wenn du jetzt gehst. Papa wird dich von selbst holen, wenn Gras über die Geschichte gewachsen ist und wenn wenn Pia geheilt wird. 3d) hoffe es bestimmt, Harry, damit dieser Vorwurf von dir genommen wird."

Harry kühte seine Mutter herzlich, aber noch

immer fragte er nicht nach Pia. Da legte sich ein bitterer Zug um Frau von Achems Mund. Sie stand dann am Fenster und sah dem Wagen nach, in dem Harry neben dem Vater Platz ge­nommen. Und nun sahen sie nebeneinander mit verbissenen Gesichtem. Sie sah dem Wagen nach, bis er am Waldrand verschwand, und sie dachte an die Worte ihres Gatten:

Schon einmal brachte das wilde Blut eines Achern Unglück über einen Menschen. Wenn Harry dieses Erbe der Achern in den Adem hat, bann ist Theo von Achern, der Pfarrer, der einzige, der dieses Erbe bändigt"

Brigitte von Achern dachte an den finsteren Mann, den noch nie ein Mensch hatte lachen sehen. Dort also muhte nun Harry seine 3ugcnt> verbringen. Furchtbar!

Langsam ging die Schlohherrin durch den hohen Ahnensaal. Von der Wand sahen die Achems auf sie herab. Und dort war auch Harry, der jähzornige Ahne, der einst seinen Aachbar derart ins Gesicht schlug, dah der dann das Augenlicht verlor. Tas war lange her, aber von diesem Achern, dem Jähzornigen, erzählte man sich iw Tors noch manches. Und heute fiel eS Frau Bri­gitte ganz besonders auf, wie sehr ihr Harry auch äuherlich diesem Urahnen ähnlich war. Der schön geschnittene, trotzige Mund, das dunkle, leicht gewellte Haar, die hohe, schlanke Figur, die dunklen, leidenschaftlichen Äugen.

Frau von Achern ging langsam weiter, sah ein Weilchen in das Gesicht der Ahnfrau Life- lotte, die als Qlonnc gestorben war, und verlieh an der anderen Seite den Saal.

Aach Monaten weilte Pia wieder in Achern. Ter Schlohherr wandte sich stets erschüttert ab, wenn das Kind auf ihn zukam. Das rechte Bein schleppte Pia nach, sie war ein Krüppel. Em Krüppel durch die Schuld seines einzigen Sohnes! Tarüber kam Herr von Achern nie hinweg.

Tie Jahre vergingen, der Krieg tarn. Er brachte Lothar von Achern als Hauptmann der Reserve an die Front Harry als Kriegsfreiwilligen. Sie sahen sich einmal nach einer heihen Schlacht, nach der verschiedene Trnppenteile untereinanberge- würfelt waren. Sie reichten sich die Hand: hier auf diesem Felde muhte man sich versöhnen, denn der Tod konnte schon morgen den einen ober den anderen mitnehmen. Aber das alte, heimliche Verhältnis kam nicht wieder, das fühlten sie beide.

Einige Monate nach diesem Wiedersehen erhielt Herr von Achern einen Lunaenschuh, der ihn tn die Heimat brachte und ihn felddienstunfahig machte. Harry aber blieb draußen, suchte den Tod und fand ihn nicht. Tie Hölle von Arras dünkte ihm besser als das Leben bei dem fünfteren alten Mann der ein Zuchtmeister war in des Wortes

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er daran dachte, daß er in ein paar Tagen ge­zwungen war. seiner Pflegeschwester gegenüber- zustesten. Ader einmal muhte es doch sein.

Er schloß das Fenster und kleidete sich au«. Tod) sein Schlaf war nicht erquickend. Schwere Träume quälten ihn, und in der Frühe fühlte er sich wie gerädert. Die ersten Morgenstunden brachten ihm gleich wieder Aerger: die alte Mamsell lief ihm mit freudig erregtem Gesicht in den Weg.

.Guten Morgen, gnädiger Herr", knickste sie und wollte eilig weiter.

Er hielt sie zurück.

Was ist los. Mamsell? Warum strahlen Vie so?" _

Verlegen sah sie an ihm vorüber, dann aber sagte sie: , , .

.Weil doch das gnädige Fräulein heute henn- kommt." , _

Sr ärgerte sich, daß er gefragt hatte, mW meinte nur; .Ach ja, natürlich, da freuen Sic sich ist mir sehr verständlich."

Sie lachte beglückt und erzählte drüben ihrem alten Freund, dem Inspektor Pätzold, daß der gnädige Herr wohl nicht mehr so unzugänglich sei, wenn eS sich um Fräulein Pia handle. Dann flitzte sie schon wieder weiter, denn eS gab doch noch alle Hände voll zu tun.

Und wo Harry von Achern auch hinkam auf feinem schönen Besitztum, überall traf er auf frohe Gesichter. Bitter fragte er sich:

.So also hat sie es verstanden, sich beliebt zu machen?!" e

Harry stand hoch aufgerichtet da und blickte der Eintretenden entgegen. Eine schlanke, zarte Gestalt trat über die Schwelle. Ein schwarzes Trauergewand umschloß die feingliedrige Mad- chengestalt. Achern blickte wie gebannt in die wunderbaren Augen, die im tiefsten Blau aus dem weißen Gesicht strahlten. Ohne daß er wohl recht wußte, was er tat, ging er ihr entgegen, gab ihr die Hand.

Willkommen daheim Pial"

Das Mädchen aucLc zusammen. Die kleine Hand zitterte in der seinen. Aach nie hatte er sie beim Aarnen genannt. Er wußte selbst nicht, wa« er von sich denken sollte. Und ein tiefe«, tiefes Schuldbewußtsein drückte ihn nieder, als er jetzt sah, wie sie den rechten Fuß nachschleppte. Er konnte seine Erschütterung nur mühsam verbergen. Rasch schob er ihr einen bequemen Sessel zurecht, und in seinem Innern klang es: durch deine Schuld, nur durch deine Schuld!

Ihre kleinen Hände lagen gefaltet im Schoß- Auf ihrem jungen Gesicht lag ein einziges, große« Weh.

Daß ich Achern so leer wiederfinden muß!" sagte sie leise. Tief war der goldblonde Mäd hen- köpf gesenkt. (Fortsetzung folgt.)

Pia war seit vielen Jahren in einem bekannten Pensionat in Berlin untergebracht, da sie eine erstklassige Ausbildung auf jedem Gebiet erhalten sollte. So hatte Herr von Achern eS angeordnet. Harry hatte ihr seinerzeit den Tod d:S Vaters und später auch den der Mutter milgeteilt. Beide Male war sie nicht gekommen. Und Harry hatte verächtlich gelächelt. Das war also ihre Tochter­liebe! Er wußte ja nicht, daß seine Mutter ihr einmal alles erzählt und daß sie nur nicht mehr heimkam, weil e r hier weilte. 3n den nächsten Tagen aber würde sie kommen, denn das hatte der Vater so bestimmt: da sie vor kurzem erst neunzehn Jahre alt geworden war, so galt noch immer das sür sie, was Herr von Achern testa­mentarisch über sie bestimmte.

Ein Windstoß fuhr gegen das Fenster. Harry von Achern sprang auf. Wie lange mochte er denn so gesessen haben? Wahrhaftig, es war drei Uhr nachts.

3m Kamin war das Feuer ausgegangen, un­heimlich still war es im Schloß, nur in der Aatur draußen tobte es weiter. Ganz langsam ging Harry von Achern in sein Schlafzimmer hinüber, wo der alte Joseph auf einem Stuhl eingenickt war und nun ganz entsetzt in die Höhe fuhr. Gutmütig schickte der junge Dchloßherr ihn zu Bett und ging dann noch eine Weile sinnend auf und nieder. Er kannte sich selbst nicht mehr. Gegen jeden Menschen war er verträglich, er besaß viele Freunde, und nur gegen Pia wollte dieser Haß nicht weichen. Ein Hoffnungsstrahl war in ihm: vielleicht würde sie von selbst gehen, wenn sie mündig war? Die paar Jahre b.s dahin mußte sie allerdings noch in Achern bleiben. Er würde während dieser Zeit eine größere Reise unternehmen, denn auf seinen Inspektor konnte er sich ja verlassen. Ja, daS würde noch das beste sein! . ,

Ordentlich erlöst war Harry, daß er ,eht einen Ausweg sah, um dem lästigen Beisammensern auf Achern auf diese Weise entfliehen zu können.

Aach, einer Weile öffnete er das Fenster, sah In die kalte, unfreundliche Aacht hinaus. 3m Innern spürte er immer noch die Unruhe, wenn

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