Ausgabe 
13.7.1933 Erstes Blatt
 
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Ibft betrachtet werden könne, und daß die Weizen- und Zuckerverhandlungen einen befriedigenden Ver­lauf nähmen.

Auf Vorschlag des englischen Vertreters wurde ein Unterausschuß für Zinn unter dem Vorsitz des Präsidenten des Internationalen Zinnaus­schusses, Sir John Campbel eingesetzt. Die Ver­handlungen für eine Erneuerung des im August 1934 ablaufenden Zinnabkommens, sind zurzeit im Gange Eine kleine Sensation gab es im S i l her­aus s ch u ß , wo der amerikanische' Vertreter Se­nator Pitsman erklärte, die amerikanischen Staats­banken seien der Ansicht, daß eine Formulierung des Silberproblems zurzeit verfrüht sei. Die Verhandlungen wurden hierauf auf u n b e- st i m m t e Zeit vertagt.

Der Währungsunterausschuß, der auf Grund der gestern gefundenen Formel seine Arbeit wieder aufnahm, erörterte die Frage der Zusam­menarbeit der Zentralbanken. Nach anderthalbstündiger Aussprache hat es sich offenbar als unmöglich erwiesen, einen Ausgleich der verschiedenen Interessen zu finden. Es wurde beschlossen, das Konferenzbureau von dieser Sach­lage in Kenntnis zu setzen.

Zusammenschluß der deutschen Kriegs­opfer in der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung.

Berlin, 12. Juli. (WTB) In einer machtvollen Kundgebung wurde am Mittwoch im Plenarsitzungs. saal des früheren Herrenhauses zu Berlin der end­gültige Zusammenschluß aller deutschen Kriegsopfer in der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung beschlossen. Zum Führer der neuen Großorgani­sation wurde einstimmig der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Oberlindober gewählt. Reichsarbeitsminister Seldte übergab Oberlindober schriftlich den Auftrag, das neue Versor­gung s r e ch t für die Kriegsopfer auszuarbeiten.

Eröffnung der Reichsjugendführer- fchule in Potsdam

Potsdam, 12. Juli. (WTB.) Nachdem bereits am Montag der Lehrbetrieb in der neu er­richteten Reichsjugendführerfchule in Potsdam auf­genommen worden war, fand heute die feierliche Eröffnung und Besichtigung durch ge­ladene Gäste und die Presse statt. Zum ersten Lehr­gangsleiter der Reichsjugendführerschule ist der Bannführer Schramm aus Danzig berufen wor­den. Reichsjugendführer Baldur v. Schirach betonte die enge Verbundenheit der Stadt Potsdam mit der Entwicklung der nationalsozialistischen Ju­gend. Wir wollen, erklärte er, von dieser Führer­schule aus Menschen ins Deutsche Reich hinaussen­den, die im Gei st e von Potsdam die wahre sozialistische Gesinnung der Zeit hinaustragen in ihre Gefolg­schaft und so bauen und schaffen helfen an dem Aufbau des Deutschen Reiches der Zukunft, das alle Deutschen umschließen soll, die Aermsten und die Reichsten, das ein Reich sein soll, in dem das Preu­ßentum dieser Stadt seine klarste und reinste Aus­prägung findet.

Oie Verfolgung des Nationalsozialismus in Oesterreich

Wien, 13. Juli. (TU.) Aus Kärnten werden neue Maßnahmen gegen die ehemaligen Anhänger der NSDAP, gemeldet. Der Sicherheitsdirektor hat verfügt, daß der Hitler grüß verboten ist, ebenso das Tragen von Ersatzabzeichen, wofür in Kärnten schwarzweißrote Bändchen ver­wendet wurden.

Auf dem Besitz eines Herrn v. Knesebeck in der Nähe von Klagenfurth wurde durch Gendarmen eine nächtliche Durchsuchung vorgenommen. Dabei wurden angeblich in der Erde vergraben mehrere Kisten gefunden, in Venen sich ein Maschinengewehr und gegen 1OOO Schuß Munition befunden haben soll. Von Knesebeck ist ein Reichsdeutscher, der vor etwa drei Jahren nach Kärnten eingewändert ist und sich in der. führend beteiligt haben soll. Er wurde ins Landesgericht eingeliefert, wo ein Verfahren wegen Hochverrats gegen ihn eingeleitet wurde. Nach Berichten aus Vorarl­berg ist auch dort wie in Tirol und Salzburg die öffentliche Uebertragung von Reden und Vorträgen, die eine Propaganda für die na­tionalsozialistische Bewegung darstellen, oder sich gegen den selbständigen Bestand Oesterreichs ober gegen seine Regierung richten, verboten worden.

Kleine politische Nachrichten.

Die NSK. teilt mit: Der Führer empfing eine Abordnung von zehn ältesten Par­teigenossen des Gaues Ost-Hanno­ver, die ihm ein in Leder gearbeitetes Album mit den Bildern der 250 ältesten Parteigenossen des Gaues überreichten. Der Führer gab seiner Freude über diesen Besuch Ausdruck und dankte für das schöne Geschenk.

Im Preußischen Staatsrat fand, wie die NSK. meldet, eine Zusammenkunft der Gau­leiter der NSDAP, aus dem ganzen Reiche statt, auf der eine Reihe von internen Or­ganisationsfragen besprochen wurde.

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Nach einer Mitteilung derFränkischen Tageszei­tung" findet der Reichsparteitag der NSDAP. Anfang September in Nürn­berg statt.

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Aach Meldung einer Korrespondenz aus Inns­bruck sind einige reichsdeutsche SA.- Leute, die versehentlich die österreichi­sche Grenze überschritten haben, an der bayrcsch-tirolischen Grenze bei Mittenwald von österreichischen Grenzschutzorganen verhaftet und nach Innsbruck gebracht worden.

Die beide deutschen Minderheitsblätter, dieK a t - towitzer Zeitung" und der ,T)berschle- fische Kurier" wurden wegen ihres Berichtes über Vorfälle in Kostow, bei denen polnische Auf­ständische Angehörige der deutschen Minderheit überfallen haben, beschlagnahmt.

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Die Ermordung des Nationalsozialisten Klaus Klemens, der Anfang d. I. in einer Torein­fahrt in Bonn nachts erschossen wurde, hat nunmehr ihre Sühne gefunden. Der mutmaßliche Täter, der Kommunist Messinger, hatte nach einer neuerlichen Vernehmung erklärt, er sei bereit, nunmehr ein Geständnis a b - zu le gen. In seiner Zelle beging der Mörder so­dann Selbstmord durch Erhängen.

Zum Klug des Balbo-Geschwaders.

Unsere Karte zeigt die Strecke, die die 24 italienischen Maschinen bis Island zurückgelegt haben (volle schwarze Linie). Der Flug ging bann weiter bis Labrador (gestrichelte Linie), von wo Balbo nach Kanada starten wird.

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3n aller WMnlereffe für den Arbeitsdienst

Nur Oeutschland soll die Arbeiisdienstpflichi als Aufrüstung ausgelegt werden.

Berlin, 12. Iuli. (CAD. Funkspruch.) Be- kanntlich ist dem Deutschen Reiche in Genf die EinführungderArbeitsdien st Pflicht verboten worden, da es sich angeblich hierbei um eine militärische Ausbildung han­dele. Wie sich die Dinge aber in Wirklichkeit dar­stellen, beweist die Tatsache, daß in einer gan- zen Reihe von Ländern die Arbeits­oien st Pflicht bereits besteht, bzw. sich ein sehr starkes InteMsse für den Arbeitsdienst bemerkbar macht. So besteht zum Beispiel die Ar­beitsdienstpflicht in Bulgarien, und zwar schon seit dem Iahre 1921. Starkes Interesse für den Arbeitsdienst kann inSpanien.älngarn und Schweden festgestellt werden. Ansätze für den Arbeitsdienst sind auch in Polen und Litauen festzustellen. In Holland befinden sich drei studentische Arbeitslager im Aufbau. In Dänemark beginnt die Regierung den Arbeits­dienst mit Hilfe von Gesetz und Verordnung zu regeln.

Die englische Regierung ist über die Frage des Arbeitsdienstes zum mindestens in ernsthafte Erwägungen eingetreten. Inzwischen sind bereits ein Studentenlager in Wales und ein Lager in Schottland errichtet worden. Kanada hat den Arbeitsdienst unter starker Anlehnung an die Ar­mee im Iahre 1932 eingeführt. Die bisher im

Arbeitsdienst befindlichen 3000 Mann werden von aktiven Führern geführt; der weitere Aufbau ist im Gange. Richt viel anders ist es in Süd­afrika, wo einSpecial Service Corps" ge­bildet wird, dessen Gerippe die Armee ist. Das bis jetzt formierte Bataillon zählt 17 Offiziere und 1521 Mann.

In der Schweiz wird ein Arbeitsdienst von 4 Gruppen durchgeführt: dem Evangelischen Ar­beitsdienst, der sieben Lager unterhält, den vier Studentenlagern, in denen mehr als 500 Mann sich befinden, der Zentralstelle Zürich (acht La­ger) und schließlich dem Katholischen Caritasr-er- band mit sechs Lagern. In diesen 25 Lagern sind im ganzen mehr als 1000 Mann im Iahre 1 932 im Dienst gewesen und der Arbeitsdienst in der Schweiz befindet sich in flot­ter Aufwärtsentwicklung.

Schließlich hat die außerordentliche Arbeits­losigkeit in den Bereinigten Staaten den amerikanischen Präsidenten veranlaßt, im Mai dieses Iahres den Arbeitsdienst in ganz großem Rahmen auf^uziehen. Hierbei ist die Armee in allererster Lime beteiligt. Laut Etat vom 1. Iuli sind 274 375 Mann eingestellt (also weit mehr als in Deutschland), die von 5400 Offizieren geführt werden, von denen 4000 der aktiven Armee oder Marine entnommen sind.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gemüse und Obst das ganze Zahr!

Von Or. N. Bömmels-Braunschweig.

Wieviel leichter wäre es, in Deutschland lediglich einheimische Nahrungsmittel ;u verbrauchen, wenn nicht die Ernten von Feld und Garten so schnell verwelken und verderben müßten, wenn wir sie ohne die heute notwendige mühsame Arbeit über Wochen und Monate lagern könnten oder wenn wir, wie in paradiesischen Gegenden, das ganze Jahr uns der Blüte und Ernte zugleich erfreuen könnten.

So aber müssen wir unter Aufwand großer Mühe in den wenigen Wochen, die uns in unseren nördlichen Breiten zur Ernte bleiben, die Früchte bergen und sie für den Winter lagerfähig machen. Trotzdem gehen jährlich ungezählte Mengen land­wirtschaftlicher Erzeugnisse, durch mühsame Arbeit des Landmannes großgezogen, verloren. Die Sta­tistiker sagen, das deutsche Volk verliere hier jähr­lich Werte in Höhe von etwa 3 Milliarden Mark!

Um die Landwirtschaft in Deutschland recht er­tragbringend zu machen, muß die Industrie helfend hinzutreten. Sie hat drei Aufgaben. Zunächst muß sie durch sachgemäße und schnelle Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse dem Verlust wert­voller Nahrungsmittel entgegenarbeiten. Weiter muß sie eine Verarbeitung vornehmen, die Wohl- geschmack und Aroma der frischen Gemüse und Früchte nach Möalichkeit behält. Diese Konservie­rung muß so vor sich gehen, daß die Haltbarkeit der verarbeiteten Lebensmittel praktisch unbegrenzt ist. Auch das ist nicht unwichtig. Wenn es nur gelänge, die Ware lediglich für eine beschränkte Zeit etwa einige Monate lagerfähig zu machen, so würde ein wichtiges volkswirtschaftliches Erfordernis, näm­lich der Ausgleich zwischen guten und schlechten Ern­ten, nicht undurchführbar sein. Endlich aber soll die Konservierung alles vermeiden, was den Wert des Nahrungsmittels schädigt.

Diese Ziele verfolgt die deutsche Obst- und Ge- müsekonseroeninduftne, die deutsche Erzeugnisse, in den bekannten Blechdosen verarbeitet, auf den Markt bringt. Sie steht wie kaum eine andere Industrie brüderlich neben dem deutschesten aller Produktions­zweige: der Landwirtschaft. Gerade sie ist daraus angewiesen, deutsche Rohwaren unter Zuhilfenahme deutscher Maschinen und Verpackungsstoffe durch deutsche Arbeiter zu verarbeiten und sie an deutsche Derbraucker abzugeben.

Ihre Aufgabe in der deutschen Volkswirtschaft ist omit eine doppelte. Zunächst muß sie in den ge= nüfearmen Monaten des Winters und des Früh- ahres ein unentbehrliches Nahrungsmittel zur Ver- ügung stellen: auf der anderen Seite ist sie eine wichtige Abnehmerin von Erzeugnissen der deut- chen Landwirtschaft. Auf diese Weise ist sie ein dealer Vermittler zwischen Landwirtschaft und Verbraucher, weil sie ihre Produkte in Zeiten des Ueberflusses verarbeitet und in Zeiten des Man­gels abgibt.

lieber das gan« deutsche Vaterland ist die Kon- erven-Jndustrie heute verbreitet. Heute ist die Ar­beitsteilung etwa so, daß in Norddeutschland über­wiegend die Gemüsekonserven und in Süddeutsch­land die Obstkonserven-Jndustrie ansässig ist. Bon der Bedeutung der Konserven-Jndustrie für die deutsche Volkswirtschaft kann man sich ein Bild machen, wenn man bedenkt, daß in normalen Zei­ten der Wert der deutschen Konservenproduktion etwa 300 Millionen Mark ausmacht und daß rund 30 000 deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen dadurch beschäftigt werden.

So kann es nicht ausbleiben, daß die Gemüse- und Obstkonserven-Jndustrie in der deutschen Volks­

wirtschaft eine wichtige Rolle spielt und angesichts ihrer bedeutenden Äufgaben auch die Unterstützung aller verantwortungsbewußten deutschen Verbrau­cher nötig hat. Kaum ein anderes fabrikmäßig her­gestelltes Nahrungsmittel in Deutschland hat noch dieseErdnähe", diese enge Verbundenheit mit der Sonne des Sommers und der Pracht der frisch ge­ernteten Früchte wie die deutsche Konserve. Wenn bedeutende Aerzte und. Vitaminforscher immer wie­der erklärt haben, die Konserve sei ein vollwertiges Nahrungsmittel für Erwachsene und Kinder, Ge- sunde und Kranke, dann sollte auch durch den Ver­brauch dieses deutschen Erzeugnisses ein jeder seine Pflicht gegenüber der deutschen Landwirtschaft und Industrie erfüllen.

Oie Stellenvermittlung für Arbeitslose der nationalen Wehrverbände.

Lin Appell an die Arbeitgeber.

Vom Arbeitsamt Gießen geht uns fol­gende Bekanntmachung mit der Bitte um Veröffent­lichung zu:

Die von dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichsstatthalter von Hessen angeordnete Maßnahme zur Vermittlung arbeitsloser Mitglieder der natio­nalen Wehroerbände sowie der Parteigenossen mit den Mitgliednummern 1 bis 300000 hat leider noch nicht zu dem gewünschten Erfolg ge­führt. Wohl haben die Formationen der SA., SS. und des Stahlhelms sowie die politischen Kreis­leitungen die in Frage kommenden Personengruppen dem Arbeitsamt zur vordringlichen Vermittlung na­mentlich gemeldet.

Trotz des Rundschreibens der Vereinigung der Arbeitgeberverbände vom 9. 6. 33 konnten aber bis­her nur 10 derartige Volksgenossen in Arbeit untergebracht werden, obschon die Feststellungen bei den Krankenkassen ergeben haben, daß ® in ft e Hungen in die Betriebe in weit größerem Umfange erfolgt sind. Es ist dies ein Beweis dafür, daß entweder absichtlich oder aus mangelndem Verständnis der Zielsetzung der Reichsregierung nicht gefolgt wird.

Es ergeht daher der letzte Appell an alle Arbeit­geber, die Arbeitskräfte benötigen, sich der hohen staatspolitischen Bedeutung der eingeleiteten Maß­nahme bewußt zu sein und darnach zu handeln. Die unterzeichneten Mitglieder des Ueberwachunqsaus- schusfes für den Bezirk des Arbeitsamts Hießen bringen zum Ausdruck, daß sie einig und festen Willens sind, der Anordnung unserer Führer mög­lichst schnell zum restlosen Erfolg zu verhelfen. Es sind daher von nun an alle Arb eits- kräfte nur durch Vermittlung des Arbeitsamts G ie ß e n einzu st eilen. Das Arbeitsamt bürgt dafür, daß den Arbeitgebern die Kräfte zugewiesen werden, die für die besonderen Erfordernisse des Arbeitsplatzes die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen und die andererseits durch nationale und moralische Bewäh­rung dieser bevorzugten Unterbringung würdig sind.

Wagner, NSBO.-Beauftragter: Dr. List, Ar­beitsamt Gießen; Dr. Hardt, Kreisleitung der NSDAP. Gießen: Dr. Kolb, Vereinigung der Arbeitgeberverbände für Lahngau und Oberhessen: Syndikus Röhr, Handwerkskammer: W. Poppe, Handelskammer; Luther, SA.-Standarte 116; Nickel, SS.-Sturm 11/33; Schäfer, SA.-Stan- barte 222; Röhr, Stahlhelm. Kreisleitungen der NSDAP.: Kirchner, Alsfeld; Dr. Löffler, Büdingen; Seipel, Friedberg; Lang, Lauter­bach; Kromm, Schotten.

I Or. Best Landespolizeikommandant von Hessen.

Darmstadt. 13. Iuli. (WTB.) Der bisherige Kommissar für das Polizeiwesen in Hessen, Dr. Best, ist zum Landespolizeikomman- danten ernannt worden. Als solcher bleiben seine bisherigen Funktionen die gleichen.

Gründung der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Stenographenbundes.

Die Ortsgruppe Gießen des Deut­schen Stenographenbundes teilt mit:

Am Samstag hielten die beiden Gießener Ste­nographenvereine (1. Reichskurzschriftgesellschaft ..Gabelsberger" und Damenabteilung e. B. und Kurzschriftverein von 1861 mit Damenabteilung c. B.) außerordentliche Hauptver- f a m m langen ab, zu dem Zweck, beide Vereine rechtlich a u f z u l ö s e n und eine Ortsgruppe Gießen des Deutschen Stenographenbundes zu gründen. Die in getrennten Sälen versam- melten _ Mitglieder beschlossen einstimmig die Auflösung der bestehenden Vereine.

Anschließend versammelten sich die erschiene­nen Stenographen im Kaufmännischen Vereins­haus. Der Bezirksführer des Bezirks Gießen im Hessen-Äassauischen Landesverband des Deut­schen Stenographenbundes, K. H. Kuhl, eröff­nete in dem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Saale die offizielle Gründungsversammlung und wies in seinen Ausführungen auf den Zweck und die Ziele des Zusa mmenschlusses aller Stenographen in Gießen hin. Nachdem auch von anderer Seite Gründe, die für eine Ver­einigung sprechen, vorgetragen worden waren, wurde die Gründung der Ortsgruppe beschlossen und der von dem Bezirksführer vorgeschlagene staatlich geprüfte Lehrer für Kurzschrift, Georg Wahl, von der Versammlung einstimmig ge­wählt und bestätigt.

Der neue Dereinsführer dankte den Stenogra­phen für das ihm entgegengebrachte Vertrauen, dem Bezirksführer für die Bestätigung und ver­sprach, die Vereinsgeschäfte im Interesse der ein­heitsstenographischen Bewegung und zum Wohle des deutschen Volkes zu führen. Besondere Dan" kesworte richtete er an die alten Vorkämpfer der stenographischen Sache, an die Gründer beider Vereine, an die seitherigen langjährigen Vor­sitzenden K a r n b a ch und H a n st e i n , an die langjährigen Vorstandsmitglieder, an die Linier- richisleiter und an alle Mitglieder für die den Vereinen gehaltene Treue. Nachdem der Ver­einsführer die Vorgänge, warum und wie es zu einem Zusammenschluß gekommen ist, vorgetra­gen hatte, gab er die Gründe, die für eine Eini­gung sprachen, nochmals bekannt. Er teilte weiter mit, daß das stenographische Llnterrichtswcsen in Gießen nunmehr vollständig neu aufgezogen wer­den könne. Die Anfang September 1933 begin­nenden Kurse würden durch erste Fachkräfte zur Durchführung gebracht. Mitglieder der Orts­gruppe Gießen und somit Mitglieder des Deut­schen Stenographenbundes könnten zukünftig nur noch Deutsche werden. Iuden würden in die Ortsgruppe Gießen nicht mehr ausgenommen. Nichtarier könnten jedoch als Gäste gegen ent­sprechendes Entgelt am Unterricht teilnehmen. Es sei erfreulich, so führte der neue Vereinssühr^r weiter aus, daß sich die heutige Regierung ent­schlossen auf den Boden der Einheitskurzschrist stelle und ihr weitgehendste Förderung zuteil werden lasse. Hessen marschiere an der Spitze und habe die Einheitskurzschrift vor kurzem zuni pflichtmähigen Lehrgegenstand an allen Höheren, Handels- und Berufsschulen erklärt.

Die zur Mitarbeit im Vorstand von dem Ver­einsführer berufenen Stenographen, und zwar: 2. Vereinsführer Paul Dehmer L-, 1. Schrift­führer Artur Michel, 1. Rechner Karl H e ß L., 1. Schriftführer Fritz Dörfner, 2. Rechner Fritz Ziegler. Bücherwart Heinz Graf, Zei- tungswart Willi Brückmann, Beisitzer: August Siebert, Peter I ö ck e l, Andreas Merle, Elitz Rieß und Ivhanna Bohl, wurden von der Versammlung ebenfalls einstim­mig bestätigt.

Mit einemSieg-Heil" auf den Reichspräsi-' denten, den Volkskanzler Adolf Hitler, auf SA. und SS- und mit dem Absingen des Horst- Wessel-Liedes schloß die Gründungsfeier.

90. Jahreshauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav-

Adolf-Stistung.

Der Abend des 1. Festtages zur 90. Hauptver­sammlung des Evangelischen Vereins der Gustav« Adolf-Stiftung in Friedberg vereinte eine zahlreiche Festgemeinde zu dem volkstüm­lichen Gemeindeabend, in dessen Mittel­punkt nach den Begrüßungen durch die staatlichen und städtischen Behörden sowie die Vertreter der Kirchen ein Lichtbildervortrag von Pfarrer May, Cilli (Südslawien), über die Not der evangelischen Deutschen in seiner Heimat stand.

Der 2. Festtag war zunächst ernster Arbeit und wichtigen Beratungen über die Zukunft des Vereinswerkes gewidmet. In der Abgevrd- netenverfammlung erstattete der Schriftführer des Hauptvereins, Pfarrer D- Wagner, Bensheim, den Jahresbericht und gab einen Rückblick auf die Leistungen des Gustav-Advlf-Iahres 1932 mit seinen großen festlichen Veranstaltungen und seiner fruchtbringenden Arbeit im großen und im kleinen. Eine stattliche Summe als Beitrag Hes­sens zu der großen Iubiläumsgabe des Gustav- Adolf-Dereins, die Vollendung der großen Gu­st a v-A dol f°G edächtniskirche in Amöne­burg vor den Toren von Mainz und die Einwei­hung her Kapelle in Ha i n st a d t bei Seligen­stadt geben Zeugnis von hocherfreulicher Opfer­willigkeit für die Vereinszwecke trotz schärfster wirtschaftlicher Not in der Heimat selbst. Mit dem Beschluß, die 91. Jahreshauptversammlung 1934 in Erbach i. O. zu halten, wurde die geschäftliche Sitzung beschlossen.

Einen festlichen Höhepunkt der ganzen Veranstal­tung bildete wie immer die große Frauen- Derfammlungam Nachmittag des zweiten Fest­tages. Als Vorsitzende des Landesverbandes der Gustao-Adolf-Frauenvereine in Hessen eröffnete Frau Dekan Lehn (Offenbach) die Versammlung, in dem sie die ganze Jahrestagung mit einer Sym­phonie verglich, deren verschiedene Sätze und Varia­tionen bis hin zu dem schönen Finale jeder seiner? eigenen Klang habe. So will solch eine Frauenver­sammlung hineinklingen in die Herzen unserer Frauenwelt und sie an ihre Pflicht der notleidenden Diaspora gegenüber mahnen. Als Echo auf solche Mahnung wurden zahlreiche Berichte von führenden Mitarbeiterinnen der Gustav-Adolf-Frauenarbeit ge-

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