Ausgabe 
13.5.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

trage bcS Reichsministers D r. Goeb­bels in Athen weilende D r. Leyhausenüber die Weltbedeutung der Dichtkunst. Die Dichtkunst des jungen Deutschlands, so führte er il a. aus, wolle auf geistigem Gebiet die Olym­piade erweitern und damit den wah­ren Gei st des Friedens unterstützen. Er überbringe die Einladung an alle Nationen, zur «Olympiade des Dramas", um eine neue gei­stige Internationale zu schaffen, eine Inter­nationale in höherem, rein geisti- g e n Sinne. Eie vermöge allein ein Friedens­werk über Jahrhunderte hinaus zu schaffen. Die Idee fand begeisterten Beifall bei allen Anwesenden. Griechenland erhofft einen Sieges­zug dieser von der neuen deutschen Negierung proklamierten Idee. Die Stadt Delphi hat Dr. Leyhausen zu ihrem Ehrenbürger ernannt.

tausche- deutscher und italienischer Opern zwischen Rom und Berlin und anderer Maßnahmen im Sinne einer geistigen Annäherung der beiden Nationen hinzuwirken. Reichsminister Dr. Goebbels erklärte weiter, daß er sich im Hin- blick auf das in nächster Zeit in Deutschland zu er- wartende Pressegesetz ganz besonders auch über die Erfahrungen unterrichten werde, die mit dem italienischen Presserecht gesammelt wurden.

Die Olympiade des Dramas.

Griechenland begeistert über den Vorschlag von Dr. Goebbels.

Athen, 10. Mai. (SU.) In der Aula der Universität sprach in Anwesenheit des griechi­schen Ministerrats, des Diplomatischen Korps und zahlreicher Geisteswissenschaftler der im Auf-

Aufbau eines neuen deutschen Volksrechts.

Oie Minister Kerrl und $ronf sprechen auf einer großen Zuristenkundgebung in Berlin.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident v. Hindenburg emp­fing den Reichsminister des Auswärtigen, Frei­herrn v. Reurath, zum Dortrag über die außenpolitische Lage.

Berlin, 12. Mai. (DDZ.) Unter dem Leit- wortFür deutsches Recht und deutsche Rechts­pflege" fand in Berlin eine große Kundgebunz statt, zu der der preußische Iustizminister und der Reichskommissar für die Gleichschaltung der Justiz in den Ländern, im Einvernehmen mit dem Präsidium der preußischen Anwaltskammern und dem Bund nationalsozialistischer deutscher Ju­risten eingeladen hatte. Der neue Dorsihends der Anwaltskammern Rechtsanwalt Dr. N e u - b e r t begrüßte die Vertreter der Regierungen und Parlamente, die Spitzen der obersten Gei richte, der Hochschulen und der Wirtschaft.

Oberpräsident Kube,

der Führer der nationalsozialistischen Preußenfrak- tion sckliderte den Zerfall Des Rechts in den letzten 14 Jahren, erinnerte an die Femeprozesse, die ein Iustizskandal für alle Zeiten bleiben würden und stellte ihnen das schleppende Verfahren oder die überhaupt nicht erfolgte Verurteilung in großen Korruptionsskandalen gegenüber. Kube erinnerte dann an die ungerechte Behandlung, die gerade die Nationalsozialisten vielfach vor den Gerichten gefun­den hätten. All das habe in den breiten Massen der Nation eine I u st i x t r i f e ausgelöst, an der das deutsche Richtertum, soweit es unpolitisch war, be- stimmt unschuldig gewesen sei. Der Richter soll ge­recht sein, aber die Objektivität findet ihre Grenze da, wo es sich um Fragen der Nation handelt. Die Lebensinteressen der Nation hat der Richter rücksichtslos über das formale Recht zu stellen. Wir danken dem preußischen Kabinett, daß endlich einmal zwei Mörder wieder enthauptet worden sind. Sor­gen wir dafür, daß Richter und Volk, Rechtspflege und Nation wieder eins werden.

Der preußische MizministerKerrl

erklärte: Seit jenem mit goldenen 'ttern in der Geschichte verzeichneten 30. Januar, wo der ver­ehrungswürdige Reichspräsident dem Führer der lungen Ration die Hand reichte, sind Wünsche und Traume verwirklicht worden, denen das nationale Deutschland durch Jahrhunderte vergeblich nach- hing. Diejenigen, die heute die Macht in Reich und ©toat in der Hand haben, wissen genau, daß man nicht von oben herunter Gesetze machen kann sondern daß man nur das in Gesetzesform prä­gen kann, was in Wahrheit schon im Volk innerlich erschaffen und Wirklich­keit geworden ist. Der sozialistische Drang ^.ur Gemeinschaft lebt im Menschen und findet seinen Ausdruck schon in der Familie.

4 nn toirft du das Höchste erreichen können nach der göttlichen Ordnung, wenn du willig ausgehst in dieser sozialistischen Gemeinschafts­ordnung, die aus deinem Blut ist, die du lieben muht, weil dein Blut es so will, weil der kotegorische Imperativ in deinem Blut erklingt. Hitler bringt die Vollendung der Kant- schen Lehre. Dieser kategorische Imperativ ist ein sozialistischer, aus dem Blut gewachsener- Du sollst wissen, daß du als Einzelner nichts bist, sondern die Ration alles sein muß für dich! (Lebhafter Beifall.)

Das Recht, das von außen kommt, ist nichts, nur das Recht, das mit uns geboren ist, wird uns zum Glück führen können. Freiheit ist nach deutscher Gesinnung nicht Zügellosigkeit, sondern Zucht und Ordnung. Zum Recht gehört die Pflicht, und aus der Pflicht erwächst das Recht. So muß das kommende Recht gebildet werden, das Recht, das mit uns geboren ist und dem wir seine Auswirkung in der Wirklichkeit verschaffen wol­len. Es ist nicht abhängig von irgendwelchen Buch­staben und Paragraphen, und es ist nur mög­lich durch diePersönlichkeitdesdeut- schen Richters. Derkönigliche Richter" nur wird königliches Recht in Deutschland schaffen ton­nen, nicht der Paragraph, nicht das Buchstaben- recht. Wir müssen hinweg von der Lieberfülle der Gesehesmacherei.

Reichskommissar und bayerischer Mizminlfler Dr. Frank IL,

der Führer des Bundes nationalsozialistischer deut­scher Juristen, kennzeichnete den Nationalsozialismus als letzte, ganz große germanische Revolution. Zum erstenmal wieder ist es möglich, daß der Begriff der Rasse Eingang in das Recht findet und daß das Recht nicht als Domäne abstrahieren- der Geisteskunststücke vegetiert, sondern sich zurück­verlebendigt in das Bewußtsein des Volkstums. Dr. Frank erklärte, er wolle ausdrücklich feststellen, daß der Kampf um das deutsche Recht eine nationalsozialistische Angelegen­heit ist und ausschließlich von den Machtexponenten dieser Bewegung geführt wird. (Beifall.) Bis spätestens Ende dieses Monats werde es in ganz Deutschland nur noch eine große Juristenorganisation, die nationalsozialistische, geben. Wir müssen unseren Geist genau so rücksichtslos i n d i e Gerichtssäle und in den Dorlesungs­bereich der Fakultäten tragen, wie wir es in anderen Lebensbereichen des deutschen Volkes getan haben. Wir haben vom deutschen Volk die Macht bekommen, dem Volk sein Recht wie­der zurückzugeben. Wie es in Bayern be­reits geschehen ist, so werden wir im ganzen Reich dafür sorgen, daß die Prüfung aus römischem Recht augenblicklich in jeder Form eingestellt wird. Dem­gegenüber wird in den Vordergrund zu treten haben der Umbau der Erziehung des jungen Menschen zum Recht überhaupt, zum Bewußtsein der Erkenntnis, daß das Recht kein letztes Ziel sein kann, sondern immer nur Mittel zum Zweck. Eine rich­terliche Objektivität, die identisch ist mit der Ver­kennung dieses Zwecks, ist ein Mißbrauch des Rich- tertums. Der deutsche Staat wird in Zukunft An­spruch darauf erheben können, daß seine und des Volks Interessen auch die Basis der richte rlichen Objektivität sind. Sitte Neutralität ist vom Uebel oder sie ist Heuchelei. (Beifall.)

Das Tempo der nationalen Revolution bestimmt unser Führer. Niemals aber wirb der Bund natio­nalsozialistischer Juristen von der Forderung ab­lassen, daß alle Juden restlos aus jeder Form des Rechtslebens herausmüssen. (Stürmischer Beifall.) Dr. Frank kündigte an, daß die Strafrechts-

- reform baldigst in Angriff genommen werden soll, ebenso die Reform des Zioilprozesses.

Noch im Laufe der nächsten Woche werde eine um­fangreiche Novelle zum Strafgesetzbuch 1 vom Reichskabinett angenommen werden, in der olle ersten und dringenden Wünsche befriedigt wer­den sollen, wie die Verschärfung der Strafen auf dem Gebiet der Untreue, der Korruption und der Tierquälerei, die Beseitigung der Strafbarkeit stu­dentischer Mensuren usw. Der Staat ist nicht gewillt, die Humanitätsduselei vergangener Epochen fortzu­setzen. (Beifall.) Wir stellen in den Mittelpunkt unserer Arbeit das Volk, und den Verbrecher werden wir so jagen, daß er das Zittern vor dem Staat lernen soll.

Dr. Frank kündigte dann an, daß als Gegenstück zur Front der deutschen Arbeit schon bald die Front des deutschen Rechts gebildet sein werde, die ebenfalls den Führer Adolf Hitler bitten werde, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Die Kluft zwischen Justiz und Volk ist für alle Zeiten in Deutschland geschlossen. (Stürmischer langanhaltender Beifall.)

Oie weiteren Redner.

Der Dekan der Juristischen Fakultät der Berliner Universität Geheimrat H e y m a n n erklärte im Auf­trag sämtlicher Dekane der juristischen Fakultäten auch der übrigen deutschen Universitäten, sich zur Mitarbeit an dem großen Ziel der Erneuerung des deutschen Rechts bereit

Der stellvertretende Vorsitzende im Präsidium der Preußischen Anwaltskammer Graf von der Goltz erklärte, die Anwaltschaft begrüße den n e u e n S t a a t, sei doch in ihm Platz nicht für den Verschleierer des Unrechts, sondern für den Helfer am Recht und damit am Volk.

Als Vertreter Deutschösterreichs erklärte der Landesleiter Oesterreichs im Bund nationalsozia­listischer deutscher Juristen Dr. B e r t i s a u : Wenn es eine Regierung eines absterbenden Systems über sich brachte, die Minister des befreundeten deutschen Reichs agitatorisch zu nennen, so weise ich das im Namen von Hunderttausenden von Deutschöster. reichern e n t s ch i e d e n z u r ü ck. Mit Ihnen werden wir um ein deutsches Recht kämpfen, und es wirb unsere Aufgabe fein, ein neues Recht im großen nationalsozialistischen deutschen Staat Adolf Hitlers zu schaffen!

Der Landesleiter Preußen im RS.-2uristen- bund Ministerialdirektor Dr. Freister gab unter stürmischem Beifall als amtliche Er­klärung des preußischen Justizmini- st e r s bekannt, daß diejenigen aus dem Kampf im Deutschlands Freiheit, die vom alten tem zu Mördern erklärt wurden, jetzt feier­lich st zu Helden der Ration erklärt werden. Da gebe es keine Rachprüfung nach formalem Recht und keinen Richterspruch, das Gewissen des Volks habe gesprochen. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland, die nationalsozialistische Bewegung, das Staatsoberhaupt und den jungen Führer Adolf Hitler, sowie mit dem gemeinsamen Ge­sang des Horst-Wessel-Lieds fand die Kundge­bung ihren Abschluß.

Dollfuß verbietet eine Wiener Tagung des Nationalsozialistischen

Zuristenbundes.

Wien, 11. Mai. (END.) Die Tagung des Na­tionalsozialistischen Deutschen Iuristenbunde«, die für Samstag, den 13. Mai abends vorgesehen war, ist nach Mitteilung der Gauleitung Wien der NSDAP, verboten worden. Dagegen findet die für Sonntag, den 14. Mai vormittags an­gesetzte Gedenkfeier zur 2 5 0. Wieder - kehr der Befreiung Wiens, die eben­falls verboten wurde, bereits am Samstag um 8 Ahr statt. Reichsjustizkommissar Minister Dr. Frank, der preußisch«? Iustizminister K e r r l, der Präsident des Preußischen Staats­rats Dr. Ley und die übrigen Herren aus Ber­lin treffen am Samstagnachmittag auf dem Flug­platz in Aspern ein.

Der Gemeinüerat der Heimatstadt des R e i ch s- statthalters Sprenger, Oberhausen in der Pfalz, hat in seiner Sitzung vom 7. Mai Sprenger zum Ehrenbürger ernannt

*

In der konstituierenden Sitzung des Mecklen - burg-Strelitzer Landtags erklärte der Präsi- dent, der nationalsozialistische Abgeordnete Scher­nau, daß seine Fraktion nunmehr die Gleich, s ch a l t u n g in vollem Umfange verlange. Er habe deshalb den bisherigen Staatsrat Dr.Stichtenoth zum Staatsminifter ernannt. Staats- Minister Dr. Michael (DNVP.) gab eine Erklärung ab, daß er sich weiterhin als im Amt be­findlich betrachte.

Nach Rücktritt des bisherigen Präsidenten Dr. Brandes wurde der Leiter der Agrarpolitischen Abteilung der NSDAP. Walter Darre zum Präsidenten des Deutschen Land­wirtschaftsrates ernannt.

Reichswirtschaftsminister a. D. Dr h. c. Hamm hat seinen Urlaub als geschäftsführendes Prä- sidialmitglied des Deutschen Industric- und Handelstages erbeten und erhalten. In das geschäftsführende Präsidium wurden hin­zugewählt: Kommerzienrat Haensel, Berlin; Hecker, Hannover: Dr. Kilpper, Stuttgart; Kuebarth, Königsberg: Dr. Kurt Schmitt, Berlin (Allianz), Dr. Freiherr von Schrö­der, Köln; Dr. Lu er, Frankfurt a. M.; Dr.' Tengelmann, Essen, die sämtlich der NSDAP, nahestehen.

Der Zentralverband deutscher Haus­und Grundbesitzeroereine hat im Sinne der nationalen Regierung die organische Umstellung seines Vorstandes vollzogen. Das Präsidium setzt sich nunmehr zu ammen aus: Major a. D. Rönne- b e r g als Der rauensmann des Reichskommisiars für die Wirtfcha t, Dr. W a g e n e r, Josef Humor- München, Abg. Metz. Berlin. Für die angeschlosse- nen Verbände werden sofort die ^ür ihre einheitliche Umstellung notwendigen Richtlinien herausgegeben.

*

Der Schweizerische Bundesrat hat das Tragen von Parteiuniformen und Abzeichen verboten. Zuwiderhan­delnde Personen werden mit Geldstrafen bis zu 1000 Schweizer Francs bestraft. Gegen Aus­länder kann außerdem Ausweisung bis zur Dauer von 10 Jahren hinzutreten.

Die Kirche islkeinTaubenschlag"

Starker Rückschlag der Kirchenaustritts­bewegung.

Berlin, 10. Mai. (DDZ.) In unterrichteten Kreisen der Evangelischen Kirche wird erklärt, daß im Zusammenhang mit dem nationalen Er­wachen des deutschen Volkes die Kirchen­austrittsbewegung nicht nur einen st a r- ken Rückschlag erfahren habe, sondern daß sehr zahlreiche Wiedereintritte in d ie Ev angelische Kirche erfolgt sind. So erfreulich diese Rückkehr zur Kirche sei, so müsse man bei dem Rückstrom doch eine gewisse Vorsicht walten lassen, denn die Kirchs sei kein Taubenschlag. Wer zur Kirche zurückkehren wolle, müsse in erster Linie d i o notwendigen inneren Voraussetzun­gen mitbringen. Einzelne Kirchenregierungen hätten daher schon verfügen lassen, daß vor der Wiederaufnahme in die Kirche in jedem Cinzel- salle erst eine seelsorgerische Rück­sprache erfolgen solle. Am zweckmäßigsten er­scheine es, wenn diejenigen, die den Wieder­eintritt vollziehen wollten,, sich zunächst mit dem für sie zuständigen Geistlichen in Verbindung setzten.

In der Praxis habe sich besonders auch gezeigt, daß vielfach Eltern, die vor längerer Zeit in unüberlegter Weise ihre Kinder vom Reli­gionsunterricht abgemeldet hatten, kurz vor der Konfirmation die Kinder einfach wieder anmeldeten, um sie kon­firmieren lassen zu können. Da an sich der volle Religionsunterricht und der ganze Konfirmanden­unterricht die Voraussetzung für die Konfirmation seien, dächten die maßgebenden Kirchenstellen an die Einrichtung eines Notunter­richtes.

Begründungen.

Von Waldemar Bonfels.

Der vielgereiste Dichter derBiene Maja" und derJndiensahrt" stellt der deutschen Presse aus Capri folgende Ausführungen zur Verfügung.

Es ist über den Antisemitismus als gei­stige Forderung des deutschen Menschen ein allge- mein oerjtändliches Wort zu sagen, da eine Fülle (o falscher Einstellungen, so entstellter 'Begriffe und kleinlicher Forderungen die Gemüter bewegt oder manches allzu rasche und unvorsichtige Urteil des Auslandes verständlich wird. Spricht man pier, in Paris und London mit gebildeten Juden |o hort man Einschätzungen des Deutschtums und der neuen Regierung, die weit unüberlegter und vor- eihger sind, als sie in Berlin in Kreisen der gebilw beten Deutschen jemals über bas Judentum ge­hört worden sind. Was aber ärger und ärgerlicher berührt als diese beiläufigen und rasch vergäng- lichen Aeußerungen entflammter Temperamente ist d.e beziehungslose und trostlose äußerlich orientierte Einstellung der eigenen Landsleute, die die beut- |dje Bewegung gegen ben überhanbnehmenben Ein- fluß jüdischen Wesens verteidigen.

Die Disputationen enden zuweilen ober gewöhn- damit, baß ein empörter ober beletbigfer Fremb- ftammiger mit Leibenschaft unb Ueberzeugung be= bauptet, seine Starninesgenossen würben einzig prer Tugenben wegen verfolgt, unb ihre Bebränger feien eine Horbe desitzgieriger Barbaren, bic sich in blinder Wut auf florierende Warenhäuser stürzten. Etwas anders liegen die Dinge in Deutschland.

Die Begleiterscheinung der Straße unb Gasse, unvermeidlich bei starken Umwälzungen eines Vol­kes, unb jeden Volkes, sind von gebildeten deutschen Menschen und der Regierung weder gewollt noch veranlaßt worden; sie zum wesentlichen Merkmal der ganzen Bewegung zu machen, ent- Ipröche etwa dem Urteil eines Bibelforschers, der Christus für einen notorischen Trinker erklärte, weil er bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein ver­wandelt hat. Die entscheidenden Ursprünge der gan­

zen leidenschaftlichen Erhebung gegen die lieber- macht fremden Einflusses wirkt sich naturgemäß als Lärm auch auf der Gasse aus, aber sie ruhen unb wirken in ganz anberen Tiefen unb suchen ganz anbere Hohen ber Läuterung.

Zunächst geht es uns burchauch nicht um einen Rangstreit, die Betonung von besser ober geringer, von wertvoller ober wertloser als Vergleich zwischen Deutschen unb Juben sollte qleich- mutiger verklingen, aufrecht erhalten läßt sich je- boch unentstettbar ber einfache Begriff ber Ver- schiebenheit, unb darum geht es wesentlich. Der Jude ers als wir, unb biefer Unterschieb wirb zunächst m einer ost übersehenen Tatsache beutlich, und zwar in ber Altersverschiedenheit ber Völker, tue Juben haben schon vor etwa breitaufenb Jah- ren eine außerorbentlich ausgesprochene völkische Ki.ttun emt N^w^aemeinschaft unb e'inc

* nfm« fHlC Demschen bagegen besitzen erst !5't . fünfhundert Jahren eine feftgelegtc

Schriftsprache. Von diesem Standpunkt aus, der ^i-n° QnJ?eren Gültigkeit haben mag, läßt

J.t Ieid,Lrul?9er unb sachlicher betrachten, was ^inachst entscheidend auf den weiten Gebieten der Geisteskultur und des Seelenlebens trennt, so aus­schlaggebend und sogar vernichtend trennt, daß die ment^nn? m SS*??* Unb. Handels, ber Tempera« mente unb Gewohnheiten darüber ins Nichtige ab« iinn*A6mnn/5r bnbelt s'6) hier nicht mehr um bas ledern um bas seelische unb geistige

& x tafelns selbst, um bie organische Entfal- f E Unb ^Wachstum bieses Lebens in völ­

kischer unb religiöser Gemeinschaft

geklärte, Überhelle unb kritisch Überspitzte aniemp ^» -Udischen Menschen ist, immer weit unb allgemein volkerentwicklungsgeschichtlich betrachtet em viel zu penetrantes Element der Einwirkung

-IUn9xrC-5 VE' da cs ben in natürlichem Beburrms unb im eigenen Rhythmus fortschreiten­den Prozeß des Werdens unb Seins in eine X BiIbbfürUhern1^ ^ufgelichtetheit reißt. Um9 ein Bilb für den Vorgang zu brauchen, ben es mir deutlich zu machen gilt; Jede Blüte des Seelenlebens uno der geistigen unb religiösen Forderung, des Herkommens unb ber Ideenwelt wird gewaltsam ausgezerrt s.e wird dem höchsten, dem heiligsten (gement ihres Wachstums, ihres Daseins entrissen, dem Geheimnis. 11 '

Im Geheimnis ruhen und wirken, walten und ge­deihen die Kräfte eines Volkes, das seine Zeit der Kultur und Blüte noch nicht hinter sich hat, wie alles Wachstum im Geheimnis atmet. Mit ihm, dem Ge­heimnis, verbinden sich die Empfindsamkeit des Keimens, Befangenheit und eine Verletzbarkeit der Gemütskräfte, sowie der Wille auch zum eigentüm­lichen Unwert unb ber Freiheitsdrang, auf die Klänge des eigenen Gewissens zu lauschen.

Der tödliche Feind nun, der Andacht und Glau­ben verwirrt, ist der Vorwitz, der Witz im Sinne geistiger Ueberheblichkeit ober Enbgültigkeit, da er an Stelle bes Humors tritt, baß heißt an Stelle ber liebevollen, artzugehörigen Verstänbniskraft für bic Beschaffenheit unb Notwendigkeit auch ber beson­deren Schwächen unb Fehler. Goethe sagt ein­mal ben prachtvollen Satz:Es ist leicht, witzig zu sein, wenn man vor nichts Respekt hat." Diese Re­spektlosigkeit ist bei allem Intellekt und aller Senti­mentalität ber Mischen Natur, offentunbig ober latent, bas zehrende Gift an der Unbefangenheit des deutschen Gemüts.

Wer geschärften Sinnes, auf rechte Art empfind­lich, zeiterfahren und herzlich beteiligt, den Klang des letzten Wortes gehört hat, wird daran erinnert worben fein, wieweit dieser einfache unb hohe Be­griff, ber Begriff desdeutschen Gemüts", in die Regionen des Fragwürdigen und Lächerlichen ge­zerrt worben ist.

Damit ist bas Wesentliche berührt, ber tiefe dunkle Klang ber Ablehnung, bie verborgene Vor­sicht, der Gegenwille, bie bie Völker vor bem Ju­dentum warnen, unb wahrlich nicht nur ober zuerst das deutsche Volk. Hier liegen bie Wurzeln ber Wi- berjtänbe, geboren aus bem Unterbewußtem für bie Gesahrbuny ber eigenen Natur als Mutter bes Gei­stes und feiner Entwicklung. Hier trübt bas jüdische Wesen jedes klare Wässerchen schon an der Quelle.

Wirkung ist um so oefährlicher, als sie atmo« sphansch ist, tm Beginn für bic Unbefangenen kaum nachweisbar, unb in der Entfaltung oft von schein­barem Vorteil.

Die Gegner unferer Bewegung haben in den meisten Fallen keine richtige Vorstellung davon, ie weit dieser Einfluß in Deutschland gegangen ift. 3d) toJfe bie im Praktischen erkennbaren Tat- fachen, be» Kandel, die Bank oder bie Börse hier aus bem Spiet, es geht mir nicht um die Dertei-

bigung vergänglicher Güter, aber in Deutschland be­stimmten in den letzten Jahrzehnten die Juden, wel­cher Maler, Bildhauer oder Musiker Beachtung zu finden habe. Sie entschieden darüber, welche Schriftsteller und Dichter eines Verlegers würdig feien, und die Großftadtpreffe bot zu überwiegenden Teil im Inland und Ausland das Tagesangesicht Deutschlands im Spiegel der jüdischen Auffassung. Sie beherrschten die Kritik, und wir erfuhren durch sie, wieviel Achtung wir verdienten.

Dem unpolitisch eingestellten Staats- und Klein­bürger sind diese Tatsachen auch in Deutschland bis vor kurzem noch zum auten Teil unbekannt gewe­sen, wie den meisten Ausländern, und ich betone noch einmal, in ernster Sorge um ben Ruf meiner Sachlichkeit: Kein Werturteil soll diese Aus­führungen rechthaberisch ober einseitig in bas zwei­felhafte Licht voreiliger Parteinahme brängen, unb der unwürdige Ton bleibe fern, wohl aber soll die Frage Gültigkeit behalten: Ist es das Recht eines Volkes, feine Wefensdinge in der Wahrheit ober im Geist feiner eigenen Beschaffenheit zu führen, zu lieben, zu verwerfen unb zu pflegen? Gefragt haben wir oft, mit viel heimlichem Leid und man­cher Enttäuschung nach diesem Recht, jetzt wirb es behauptet unb genommen, unb ich sehe nirgends, baß mehr genommen worben ist.

Unb um noch einmal aus ben Nieberungen der Tagesfragen bie Helligkeit unb rechte Güte bes Wil­lens zur Eigen-Art zu gewinnen: Es ist uns mit einiger Erkenntlichkeit nicht unwillkommen gewesen, in ber Ratio ber überlichteten Dorgestoßenheit man­cherlei zu erfahren unb zu wissen, was wir im Grunbc nicht haben glauben können, aber in Wahr­heit tragen mir boch Verlangen danach, nur das zu wissen, was wir glauben können, das heißt, was wir sind.

Man beginnt Sinn für diese Tatsachen und Ein­stellungen zu gewinnen, aber es ist wichtig für sich unb anbere, bie Grünbe dafür aus weiterer Einsicht unb Tiefe zu erhalten, unb bie Disputation aus den Gefilden gewöhnlicher Interessen zu verbrän« gen. Was aus solchen Nieberungen an Wiberspruch aufsteht, ist ohne Belang für bie heraufdrängende Freiheit neuer Kräfte. Was darüber verloren gehen mag, soll ertragen werden. Es ist immer noch bes­ser. auf eigene Art ein Gescholtener zu fein, als auf fremde Art ein Gelobter.