Ausgabe 
11.3.1933 Erstes Blatt
 
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zeitweise die Rede war, dürfte allo nicht in Frage kommen. Außenminister Paul-Äoncour wird hingegen am Abend nach Genf abreisen. Don fran­zösischer Seite wird betont, daß endgültige Pläne für Genf nicht vereinbart worden feien. Es habe sich in Paris nur um eine Unter­redung über die Lage gehandelt. Die englischen Minister würden in Genf die Wege prüfen, die zur Rettung der Konferenz geeignet erscheinen könnten. Augenscheinlich haben die Engländer den Franzo­sen noch keinen festen Plan oorgelegt. Angeblich soll zwischen Franzosen und Engländern bei dem Meinungsaustausch über die Abrüstungskonferenz, über die Weltwirlschaftskonferenz und über die Lage in Europa eine weitgehende Ueberein- st i m m u n g der Auffassungen geherrscht haben.

preußischer Landtag gleichfalls am 21. Marz.

Berlin, 10. März. (VDZ.) Der Reichskom» misfar für das preußisch« Innenministerium, Reichsminister Göring, hat den preußischen Landeswahlleiter angewiesen, die weiteren Ar­beiten zur Ermittelung des endgültigen amtlichen Ergebnisses der Reuwahl zum Preußischen Land­tag so zu beschleunigen, daß auch das Preu­ßische Parlament bereits amDiens- tag, dem 21. März, seine kon st itu- ierende Sitzung abhalten kann. Da der nationalsozialistische Abgeordnete General Litz- mann, Alterspräsident sowohl des Reichstages wie auch des Preußischen Landtages ist, muß an­genommen werden, daß die Eröffnungssitzungen beider Parlamente zeitlich einige Stun­den auseinanderliegen werden, weil Ge­neral Litzmann in beiden Häusern das Präsidium zu führen hat, bis die Parlamente sich ihre Prä­sidenten wiedergcwählt haben.

Oer neue Kurs in Bayern.

Sonntag Verhandlungen in Anwesenheit des Reichskanzlers.

Berlin, 10. März. (TU.) DieDAZ." meldet aus München, daß in der Rächt zum Freitag Innenminister Stütze! von SS.-Leuten aus seiner Wohnung geholt und nur mit Mantel und ohne Schuhe im Kraftwagen ins Braune Haus gebracht worden sei, wo kurze Zeit später der gleichfalls aus seiner Wohnung herausgeholte Vorsitzende der Bayeri­schen Volkspartei, Staatsrat Schäffer, ein­trat. Das Blatt meldet von tätlichen An­griffen gegen den Innenminister. Der Kommis­sar für das Iustizministerium, Dr. Frank 11, habe bald darauf veranlaßt, daß die beiden Herren im Wagen wieder in ihre Woh­nung zurückgebracht wurden.

Auf Anfrage erklärte der kommisfarische Iustiz- minister, daß die beiden Herren nicht auf Ver­anlassung der Partei oder SA.-Leitung, sondern lediglich auf die des zuständigen Standartenführers der SS. ins Braune Haus geholt wurden, um darüber verhört zu wer­den, ob es wahr sei, daß sie zwischen 17 und 19 Uhr einen Schi erlaß an die Mün­chener Polizei gegeben hätten. Hierüber hätten sich die SA.- und SS.-Leute ungeheuer erregt und der Standartenführer habe durch seine Maßregeln eine Aufklärung und Rechtfertigung ermöglichen wollen. Reichskommissar v. Epp habe int Ministerrat sein Bedauern über diese Vorfälle ausgesprochen. Auch der Kommis­sar zur besonderen Verwendung, Esser, habe bei einer Presfebesprechung diese Fälle als be­dauerlich bezeichnet und dazu erklärt, daß sie noch außerhalb der Verantwortung der Amtsführung durch den Reichs­kommissar lägen, da es einige Zeit in An­spruch genommen habe, bis der Reichskommissar über den polizeilichen Sicherheitsapparat habe verfügen können. Es sei Vorsorge getroffen, daß sich solche Vorfälle nicht wiederhol­ten. Durch einen Runderiah sei den SA. jede Sonderaktion verboten.

Staatskommissar Esser berichtete weiter, daß allen maßgebenden Stellen der Bayerischen Volkspartei mitgeteilt worden sei, auf feiten der Rationalsozialisten stände nichts im Wege, um raschcstens die Verhandlungen über die Bil­dung einer ordnungsmäßigen baye­rischen Regierung auf breite st er Ba- s i s durch den Landtag aufzunehmen.

Der Kommissar für das bayerische Staatsministe- rium des Innern hat das Reichsbanner Schwarz. Rot-Gold mit sämtlichen Forma­tionen einschließlich Schufo, Eiserne Front und So­zialistische Arbeiterjugend und Nebenorganisationen für das Gebiet des Freistaates Bayern ver­boten und aufgelöst.

Die neue badische Regierung.

Karlsruhe, 11. März. (WTD. Funkspruch.) Der Kommissar des Reiches für die Polizei in Ba­den, Robert Wagner, hat einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Die Aemter des Staatspräsiden­ten und Justizministers Dr. Schmitt, des Mini­sters des Innern Dr. U m h a u e r, des Kultus­minister^ Dr. Baumgartner und des Finanz­ministers Dr. Mattes sind in meine Hand übergegangen. Die Befugnisse des Staats­präsidenten und des Innenministers werden von mir selbst ausgeübt. Mit der Wahrnehmung fol­gender Geschäfte werden kommissarisch beauftragt: des Finanzministers Landtaasabgeordneter Waller Köhler- Weinheim, des Justizministers Rechts­anwalt Rupp, M. d. R., Karlsruhe, des Mini­sters für Kultus und Bildung Hauptscbriftleiter Dr. phil. Otto Wacker-Karlsruhe. Als Kommissar zu meiner besonderen Verwendung bestimme ich Poli- zeioberleutnant a. D. P f l a u m e r - Heidelberg.

Staatspräsident Dr. Schmitt wurde in seiner Wohnung zu seiner persönlichen Sicherheit i n Schutzhaft genommen.

Verhaftungen in Köln.

Köln, 10. März. (TU.) Am Vormittag drang ein Trupp SA.-Leute in eine Sitzung der Spruch­kammer des Versorgungsgerichts ein. Im Laufe einer Auseinandersetzung wurde der Leiter der Sitzung, Aegierungsrat P o e t h e n, so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden

DeuWand wartet auf LWung der Verträge.

Aadolny lehnt jede Verschiebung der Abrüstungskonferenz scharf ab.

Genf, 10. März. (TU.) Der deutsche Führer auf der Abrüstungskonferenz, Botschafter N a d o l n y , veröffentlicht in der Zeitschrift der Deutschen Liga für den Völkerbund einenStillstand oder Ab­rüstung?" überschriebenen Artikel, in dem er fest­stellt, daß die Abrüstungskonferenz weder auf dem Gebiet der qualitativen noch auf dem Gebiete der quantitativen Abrüstung im gering ft en vor­wärts gekommen ist. Durch ins Einzelne gehende Beratungen, durch Aufwerfen technischer Einzelfragen und durch Ausstellen von Fraaebogen ist das in der Hoover-Botschaft klar und einfach ge­stellte Problem so zerspalten und unklar gemacht worden, daß seine Lösung nickt näner,^ sondern ferner gerückt erscheint. Die Anreg^nf gen, Gerüchte und Absichten, die Konferenz auf sechs Monate oder sogar auf drei Jahre zu vertagen oder etwa die mageren bisherigen Ergebnisse i n einer vorbereitenden Konvention zu- sammenzusassen, ist sicher die angenehmste Art und Weise, Schwierigkeiten zu begegnen, indem man ihnen aus dem Wege geht. Ver­tagung ist immer das Losungswort derjenigen, die keine Lösungen finden können, die sich der Ent­scheidung entziehen wollen und die die Verantwortung scheuen. Im Falle der Abrüstungskonferenz, das muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, ist die Methode des Ausweichens nicht anwendbar. Gäbe es nur g e r ü ft e t e Staaten, so wäre Verschiebung und Vertagung vielleicht ein Weg, über den sich reden ließe, aber es gibt nun einmal vier Staaten, deren Abrü­stung schon seit über einem Jahrzehnt tatsächlich durchgeführt ift

Bon der vollzogenen Abrüstung und der durch sie erzeugten höchst bedenklichen Un­sicherheitslage in Deutschland aus wird die deutsche Politik alle Borschlage aus Bertagung der Konferenz rund­weg ablehnen müssen. Sie wird sich dem Gedanken einer Zwischenlösung ebenso ein­deutig versagen. Deutschland wartet seit über 13 Zähren auf die Erfüllung der im Friedens­vertrag sestgelegten Richtlinien zur allgemeinen Abrüstung und auf Wiederherstellung seiner nationalen Sicherheit. Die Zeit für Zwischen­lösungen und Beringungen ift vorbei. Biel- mehr können nur noch wirkliche Lö­sungen und Entscheidungen in Frage kommen. Es müssen Wege gefunden werden, daraus müssen wir bestehen. Die Sorge um die Sicherheit Deutschlands gestattet keinen Aufschub.

Wer ist -er Angreifer?

Die russischen Vorschläge in Genf.

Genf, 10. März. (TU.) Der Politische Aus- schuß der Abrüstungskonferenz befaßte sich am Freitag mit den Vorschlägen der Mos­

kauer Regierung, für die schwierige und seit Iahren erörterte Frage der Feststellung des Angreifers in einem internationalen Streitfall. Rach den sowjetrussischen Vorschlägen wird als Angreifer derjenige Staat erklärt, der als erster den Krieg erklärt, dessen Streitkräfte das Gebiet eines anderen Staates besehen, Bomben abwerfen oder dessen Truptzen in fremdem Gebiet gelandet wer­den. Ebenso soll die Blockade der Häsen als ein Angriff gelten, jedoch sollen Erwägungen allgemeinen politischen, strategischen und wirt­schaftlichen Charakters, insbesondere der Schuh V? ' Staatsangehörigen in Konzessionsgebieten und Finanzinteressen in keinem Falle als eine Be­gründung des Angriffes zugelassen werden. Be­sonders ausgenommen zur Begründung des Angriffes ist nach den sowjetrussischen Vorschlä­gen die innere Lage eines Landes, insbesondere Revolutionen und Gegen­revolutionen, Streiks, ein besonderes wirt­schaftliches oder politisches System, ferner der Bruch internationaler Verträge, Bruch der diplo­matischen und wirtschaftlichen Beziehungen, Boy­kott, Verweigerung der internationalen Schulden­zahlungen, Einwanderungsverbote, Bruch der Privilegien offizieller Vertreter, religiöse oder re- ligionsseindliche Maßnahmen und Grenzzwischen­fälle.

Botschafter Radolnh erklärte, der sowjet- ruff'.sche Vorschlag habe den Vorteil, eindeu­tig und einwandfrei die Merkmale für den Angriff zu klären. Die deutsche Ab­ordnung lege besondere Bedeutung auf di« vor­beugende Wirkung einer international ge­regelten Bestimmung des Angreifers. Radolny verlangte, daß die Regelung der Angreiferfrage auf eine universelle Grundlage gestellt werd«. Die Vertreter der englischen und ameri­kanischen Regierung zeigten ernste Beden­ken. Staatssekretär Eden warnte offenbar im Hinblick auf die englische Kolonialpolitik vor einer allzu starren Begriffsbestimmung des Angreifers, die eher friedensgefährdend als friedensfördernd wirken könne. Eine ähnliche Haltung nahm der amerikanisch« Beobachter ein. Dagegen suchte der Vertreter Frankreichs entsprechend dem langjährigen französisch:n Standpunkt eine starre, automatisch funktionierende Begriffsbestimmung des Angrei­fers zu erreichen, um bei einem noch so Keinen Zwischenfall das militärische Sanktionsverfahren des Artikels 16 in Gang sehen zu können. Frank­reich legte auf eine möglichst genau« und starre Bestimmung des Angreifers entscheidenden Wert im Hinblick auf das ge­samte französische Sicherheltsproblem. Die Ver­handlungen wurden mit der üblichen Ein­setzung eines R e d a k t i o n s a u s s ch u s- s e s abgeschlossen, in dem jetzt auf Grund der sowjetrussischen Vorschläge endgültig formulierte Vorschläge ausgearbeitet werden sollen.

mußte. Außer den Redakteuren derRheinischen Zeitung", E f f e r o t h und dem Reichstagsab­geordneten S o l l m a n n wurden der frühere Köl­ner Polizeipräsident B a u k n e ch t, die sozial­demokratischen Kölner Beigeordneten Dr. Mer­feld und Dr. Fresdorf, sowie eine Anzahl Führer der SPD. in Schutzhaft genom­men.

Kleine politische Nachrichten.

Der Präsident des Reichstags, Göring, hat auf Grund der Artikel 23 und 27 der Reich v Verfassung den neu gewählten Reichs­tag auf Dienstag, 21. März, 17 Uhr offiziell zusammengerufen.

Im Staatsinteresse ist der Oberbürgermeister von Königsberg, Dr. Dr. h. c. Lohmeyer, bis auf weiteres zwangsweise beurlaubt und mit der Vertretung der Bürgermeister Dr. Weber beauftragt worden.

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Zum kommissarischen Oberbürgermeister von Altona wurde der preußische Landtags­abgeordnete Drix ernannt Die vollziehende Gewalt in Altona ist auf den SS.-Führer Mo­der, M. d. R., unter gleichzeitiger Ernen­nung zum kommissarischen Stadtkommandanten von Altona übertragen worden. Die übrigen De­zernate unterstehen direkt dem kommissarischen Oberbürgermeister. Sämtliche Akten im Rathaus sind beschlagnahmt. Gegen den beurlaubten Ober­bürgermeister Brauer und den Bürgermeister Ebert, die Senatoren Elsner und S ch o e - ni n g (sämtlich SPD.) ist Schutzhaft verfügt worden.

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In einigen Zeitungen im Reich ist eine Mel­dung enthalte^ wonach beabsichtigt sei, die Deutsche Volkspartei aufzulösen. Von der DVP. wird hierzu mitgeteilt, daß diese Meldung vollkommen aus der Luft gegrif­fen ist.

Aus aller Welt.

Der Anarchist Zaugara zum Tode verurteilt.

Der italienische Anarchist Giuseppe Z a n g a r a , der am 15. Februar d. I. einen Mordanschlag auf ben amerikanischen Präsidenten Roosevelt verübte, wurde in Miami zum Tode verurteilt, weil das bisher ergangene Urteil von 80 Jahren Zuchthaus lediglich den An­schlag auf Roosevelt, nicht aber die Erschießung des Bürgermeisters C e r m a t von Chikago erfaßte. Da Eermak bekanntlich inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist, war gegen Zangara Anklage auf Mord erhoben worden.

Leichenfund bei Berlin.

In einem Walogelänöe bei Klein-Mach­now, ungefähr 400 Meter westlich der Wannsee- chausee, wurden in einer Schonung drei männ­liche Leichen aufgefunden. Eine vor­läufige Inaugenscheinnahme hat ergeben, daß

alle drei Männer erschossen worden sind. Eine größere Anzahl von Patronenhülsen verschiedenen Kalibers sind in der näheren Um­gebung des Tatortes aufgefunden worden. Die Getöteten dürsten etwa 20 bis 28 Iahre a l t fein. In den Taschen der Leichen entdeckte man lediglich geringe Geldbeträge und einige Schlüssel, während Ausweispa­piere völlig fehlten.

Rätselhaftes Berfchwinden dreier Kinder in Belgien.

Das Verschwinden des zweijährigen Kin­des eines Rotars in Reerpelt (Provinz Limburg), beschäftigt die belgische Oesfentlichkeit auf das leb­hafteste. Auch in Laeken bei Brüssel ist seit meh­reren Tagen ein Schulkind spurlos verschunden. Weiter meldet die Polizei, daß eine 15jährige Schülerin in einem Stadtteil Brüssels vermißt wird.

Schulbrand in Ostpreußen. Ein Todesopfer geborgen.

Im Rektorzimmer der katholischen Marien- schule in Osterode (Ostpreußen) brach ein Brand aus, dem, wie befürchtet wird, der Rektor S a l e w s k i zum Opfer gefallen ist. Das Rektorzimmer, die Hausmeisterwohnung und der Dachstuhl sind ausgebrannt. Bei den Auf- räumungdarbeiten fand man in einem Winkel des Rektorzimmers unter Schutt und Trümmern eine verkohlte Leiche, die bisher noch nicht einwandfrei identifiert werden konnte. Die Leiche weist Verletzungen am Kopf auf. Ver­mutlich handelt es sich um den Schulleiter, der seit dem Brande vermißt wird.

Deutscher Dentistentag in Berlin.

3n Berlin findet jetzt der Deutsche Den­tistentag 19 3 3 statt, die sachwissenschaftliche Tagung des Reichsverbandes Deutscher Den­tisten e. V. Der Tagung ist die Ausstellung Unsere Zähne" angegliedert, die im Europa- Haus gezeigt wird und der Oefsentlichleit über Zahnleiden Aufklärung geben soll und dazu dient, über die Rotwendigkeit einer geregelten Zahn­pflege und sachgemäße Behandlung zu unter­richten. Angefapgen von der Behandlung der Milchzähne bis'zum Zahnersatz, wird das ge­samte Gebiet in Wort, Bild und Modell bar» gestellt. Zwei besondere Abteilungen sind der beruflichen Ausbildung des Dentisten sowie der geschichtlichen Entwicklung Vorbehalten.

Kunst und Wissenschaft.

Der Schriftsteller Manfred kyber f.

Der Schriftsteller Manfred K y b e r in Leipzig ist im Alter von 53 Jahren g e st o r b e n. Kyber. der aus Riga stammte, war in erster Linie Tier- und Märchendichter. Sein BuchUnter Tieren" und Neue Tiergeschichten" haben ihm viele Freunde ge­wonnen. Kybers Märchen sind liebevoll gearbeitete kleine Kunstwerke. Daneben hat er Lyrik voll Zart­heit und Gedankenfülle und eine Reihe ton Dramen und Märchenspielen geschrieben.

Aus der ProvintidfbaupfftaOL

Oer Opserweg.

Von Superintendent und propst^ic.Borrmann.

Gedenke! das ist die Predigt des heu­tigen Sonntags Reminiszere, an dem wir Dolks- trauertag halten. Gedence, deutsches Volk, deiner gefallenen Helden! Mag ihr Op,er nun auch 'chon fünfzehn Iahre zurückliegen, es darf nicht Der* gessen werden, wie sie in der höchsten Rot und Gefahr des Vaterlandes in den Riß traten, wie sie sich als eine lebendige Mauer schützend vor Deutschland stellten in dem heiligen Gelöbnis: Deutschland soll leben, darum sterben wir! Mit einem Wort: es darf nie vergessen werden, daß sie sich opferten!

Das sagt sich so leicht: sie opferten sich für uns!, und war doch so namenlos schwer. Viel­leicht nicht in der ersten Zeit des Krieges, als die Begeisterung noch wie eine leuchtend« Fackel den Kampfes- und Siegesmut stärkte, obgleich es auch da nicht leicht war, alles zu lassen, was das schöne Leben dem Menschen und zumal dem jun­gen Menschen bietet; und dieses Leben hinzu- geben fürs Vaterland. Aber als die Begeisterung erlosch und nur noch die eiserne Pflichterfüllung blieb, als mit der Länge des Krieges täglich auch seine Furchtbarkeit zunahm, da wuchs in Blut und Schlamm, in Gas und Grauen das Opfer unserer Helden ins Riesengroße. Was mir einmal in den Sinn kam, als die graue, stille Schar man weiß nicht, zum wievielten Male durch die Laufgräben in die vorderste Stellung rückte, nicht wissend, wieviele zurück- kehren würden, und doch in heiliger Pflichterfül­lung schweigend und tapfer den Weg machend: dieser Weg ist ein Opferweg!, das könnt« man über all das stille, namenlos große Heldentum unterer feldgrauen Brüder setzen: ein endloser Opferweg!

Denn als das End« des Krieges da war, da war das Opfer nicht zu Ende. Es schien umsonst gebracht, aber es ging weiter. Der ganz« Weg unseres deutschen Volkes seit Kriegsende bis heute war ja nichts anderes als ein Opferweg. Opfern muhten wir deutsches Land und deutsche Freiheit, opfern unseren Wohlstand und unser« Arbeit.Opfer fielen hier, Menschenopfer un­erhört." Es war, auch in den Iahren kurzer Scheinblüte, Passionszeit in deutschen Landen, und Passionszeit ist immer Opferweg.

Run dürfen wir hoffen, daß es wieder aufwärts geht. Run wollen wir nicht mehr dem Moloch feindlicher Gier opfern. Run soll es wieder des Vaterlandes neue Freiheit, neue Größe sein, dem all unsere Opfer dienen. Aber freilich um so mehr, um so größere Opfer werden nur von dem Ein­zelnen für dies heilige Ziel verlangt. Denn die­ses heilige Ziel kann nur erreicht werden, wenn statt der Selbstsucht wieder Selbstlosigkeit in alle deutsche Herzen einzieht und jeder Deutsche bewußt und voll Verantwortung den Opferweg fürs Va­terland betritt im Geist unserer gefallenen Helden: für D:utschland! Für Deutschland leben! Wenn's sein muh, auch für Deutschland sterben können!

Das bringen wir nicht fertig aus eigener Kraft, - denn wir sind opferscheu von Ratur und nehmen Kreuz und Entsagung ungern auf uns und gehen lieber bequeme Pfade als Opferwege. Da be­gegnet uns als der Führer zu wirklich helden­haftem, weil selbstlosem Opfer der König der Pas- sionszeit, Iesus von Razareth. Er hat sich ja aus lauter Liebe allein geopfert für uns dort auf Golgatha. Seither fällt von Golgatha verklären­des, tröstendes und krastspendendes Licht auf alles menschliche Opfer und weiht es, wenn es irgend­wie einen Hauch von Selbstlosigkeit trägt, zur K genstat für viele.

So gehören Iesus und fein Opfer und unsere Helden mit ihrem Opfer zusammen, wenn man Göttliches mit Mensch! chem überhaupt vergleichen darf. Gewiß: das Lpfer von Golgatha ist einzig­artig, und ihm gegenüber, diesem für eine ganze Welt gültigen Opfer, spüren wir, wie unvoll­kommen auch das heldenhafteste unserer Opfer bleibt. Aber wir spüren auch nirgend so deutlich wie im Blick auf das Opfer Christi, daß ein Hauch von Golgatha das Opfer unserer Helden umweht. Denn auch ihr Opfer wurde ja in dem Geist jener Liebe vollbracht, die beschlossen ist in Iesu Wort:Riemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde." Darum aber glauben wir, daß auch über dem Sterben unserer Helden die Verheißung dessen steht, der durch Sterben zum Leben ging:Ich lebe, und ihr sollt auch leben!" Und in solchem Glauben endet der Opferweg unserer Helden nicht in dem furchtbarenUmsonst", das unser kurz­sichtiger Menschenverstand spricht, sondern im Licht der Ewigkeit, in dem alles Dunkle dieser Erden aufgeht in seliger Klarheit.

Aber auch menschlich gesprochen braucht der Opferweg unserer Helden und unseres ganzen Volkes nicht in trostlosemUmsonst" zu enden. Wenn wir im Geist unserer Gefallenen zu leben anfangen, endlich wieder selbstlos und opfer­bereit, wenn wir uns diese Bereitschaft zum Dienst am Volk immer wieder stärken lassen durch den Geist des einzig wahrhaft selbstlosen Helden Iesu von Razareth, dann muh es uns Deutschen gelingen, den Opferweg fürs Vaterland so zu Ende zu gehen, wie wir es uns wünschen. Dann werden wir zu Menschen, die auf den Ruf Gottes: Ich suche unter euch, ob jemand sich zur Mauer macht und wider den Riß steht für das Land, daß es nicht ins Verderben geht (Hesekiel 22, 30) antworten: Hier hast du uns alle zu deinen Befehlen! Ie mehr du befiehlst^ je mehr Siege wir zählen! Dann lernen wir die Wahrheit des Wortes verstehen; der Mensch ist nur soviel wert, als er zu opfern vermag. Und so werden wir wert unserer Helden und würdig der Rachfolge des größten Helden, un­seres Heilandes. Run gehen wir tapfer, still, weil glaubensstark den Opferweg, der noch zu gehen ist. Und er wird zum Heldenweg, an dessen Ende einDeutschland hoch in Ehren" steht.

Gictzencr Wochenmarktpreise.

* Gießen, 11. März. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110 Pf. das Pfund, Landbutter 100, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 10 bis 12, (grün) 20, Weiß­kraut 8 bis 10, Rotkraut, Gelbe Rüben je 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Unter-Kohl­rabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30

CRÖKE üad(UM£ HutSchi yfeiß/ütg -VtJi&iüigf steh g&iJie Qüafäät!

PFEILRING LANOLIN-SEIFE