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Dtomon von Margarete Antelmann
Copyright by Markin Feuchtwan ger, Halte (Saale)
(Schluß.)
GS war mi'tfkrtoeilc ganz dunkel geworden in dem einsamen Sladtpork. Jetzt blieben die beiden stehen, und im Schein einer halbhellen Lampe sah August Richter, daß MagdaleneS Augen mit einem unsagbaren Ausdruck aus ihn gerichtet waren.
Leis« zog er daS Mädchen an sich.
„Ja, Gust, ich liebe dich, liebe dich so sehr. Ich Hobe dich damals schon geliebt — habe es aber erst gewußt, als du schon fort warst."
Dann wurde es still zwischen den beiden. Ihr« Lippen hatten sich gefunden, im ersten, «nb» losen Kuh. Es dauerte lange, ehe sie sich voneinander losteil, ehe ihre glückstrahlenden Augen wieder incinandertauchten.
„Mein süßes Lieb! Du weißt nicht, wie glücklich ich bin, seitdem ich endlich weiß, daß du mich magst. Willst du wirklich meine Frau werden? Mit mir kommen, noch Lobbau, in meine Dorf- «lnsamkeit und Abgeschiedenheit? Da ist nichts von rauschendem Leben und Luxus, da gibt es nur Arbeit und Stille und Genügsamkeit. Willst du das wagen? Willst du mir folgen?"
„3a! 3al 3a!"
Ein GlückSschauer durchflog den Mann. Wieder schlang er seine Arme um den schmalen Mädchenkörper, wieder drückte er einen Kuß auf die roten Lippen, sie sich weich und innig an die seinen schmiegten.
Langsam gingen sie weiter. Magdalene befand sich wie in einem Traum. Auf einmal war da «in Mensch, der sich um sie sorgte, der sie führte, dem sie sich anvertrauen konnte: dieser Wann, den sie liebte, und nach dem sre sich so unsagbar gesehnt hatte. Auf einmal gehörte er zu ihr. Kaum auszudenken war dieses märchenhafte Glück.
Dann saßen sie in einem hübschen Restaurant.
„3ch habe Hunger, Lene", sagte August Richter. „Das Glück pat mich hungrig gemacht."
August bestellt« ein sorgfältig gewählte- Abendessen. Während des Essens plauderte er scherzend: dann fragt« Magdalene plötzlich:
„Sag jetzt endlich, Gust — woher weißt du denn meine Adresse? Wie kam es, daß du mich gefunden hast?"
„Deine Adresse? Durch deinen Chef natürlich, durch Teutobert Fischer."
„Du kennst Teutobert Fischer?"
„Ratürlich kjxn« ich ihn. Theo Fischer ist doch mein bester Freund. Er war die ganz« Zeit über bei mir in Löbbau, und er bleibt auch zunächst dort. Hat sich dort verheiratet — ist jetzt auf der Hochzeitsreise.
Ich hatte ihm alles anverkraut, als lch damals von meiner Reise zurückkam, und er hat mir redlich geholfen, dich zu finden.
Aber jetzt sage mir: Wie kam es, daß du dein ganzes Geld verloren hast? Es schien doch, als ob bd reich warst, als ich dich kennenlernte. Erzähl« mir alles genau. Vielleicht kann ich dir helfen."
„Ach Gott, Gust, da gibt es nicht viel zu erzählen. 3ch war unerhört leichtsinnig und bin hart dafür gestraft worden. Du kanntest ja meine Gesellschafterin, Joe Rowakows'a. Sie und ihr Vruder sind mit meinem Geld durchgegangen."
„Und hast du keine Anzeige erstattet? Hast du dein Bankkonto nicht sperren lassen?"
„Das mit dem Bankkonto hätte keinen Zweck gehabt. Di« Gauner haben mir alle Papiere und Ausweise geraubt: die Dank hätte mit nicht geglaubt. Und anzeigen? 3ch hatte solche Angst vor der Polizei. Man hätte mich so viel gefragt, hätte mich vielleicht auch beschuldigt, weil ich doch mit 3oe befreundet war. Da habe ich lieber gar nichts unternommen. Die beiden hatten ja auch «inen zu großen Vorsprung. Es hätte Wohl kaum etwas genutzt, wenn ich sie angvzeigt hätte."
„Du bist «in dummes Mädel, Lene. Wenn du dich wenigstens beim Konsulat in Genua gemeldet hättest ... Statt dessen bist du vom Schiss geflohen wie eine Verbrecherin, hast eine falsche Adresse in Mailand angegeben, und warst einfach von der Bildfläche verschwunden."
„Woher weiht du denn das alles, Gust?"
„Woher ich das weiß? 3ch war doch selbst in Genua, um dich vom Schiff zu holen. War dann in Mailand und habe dich natürlich im Hotel Bristol nicht gefunden. 3ch wollt« dich in deinem Unglück nicht allein lassen."
„Das alles wird immer geheimnisvoller. Und woher wußtest du, daß ich unglücklich war, daß ich Hilfe brauchte? Du bist doch in Barcelona vom Schiff gegangen?"
„3a, Lene, jetzt wirst du Augen machen. Das Schicksal hat es ganz besonders gut mit dir gemeint, wenn du dir auch die größte Mühe gegeben hast, alles zu verderben. Gib mir dein« Hand, Kind, und höre mir yu. 3ch bin dir nachgereist, um dir dein Geld w.ederzubringen."
Unbeweglich, starr, saß Magdalene da und sah August Richter an. Ganz weiß war sie geworden vor Schreck. Sie verstand kaum, was er sagte. Ihr verlorenes Geld. — Dann war sie nicht arm? Aber 3o« und Titus? — Alles drehte sich in ihrem Kopf«.
„Quäle mich nicht, ®urt. Sage mir alles. Ich kenne mich nicht mehr aus"
Fester preßte er ihre Hand. Gr hätte sie jetzt so gern in seine Arme genommen, wenn er allein mit ihr gewesen wäre.
„Du bist nicht arm, Magdalene, bist eigentlich nie arm gewesen. Hast nut nichts von deinem Reichtum gewußt. Durch einen Zufall habe ich dein ganzes Geld bekommen. Man hat die Aktentaschen verwechselt: meine Aktentasche und die
Dan IollietS glichen sich aufS Haar, und der Steward hat mir die von Iolliet gegeben und ihm wohl die meine.“
3n knappen Worten berichtete August weiter, was sich abgespielt, nachdem er in Barcelona das Schiff verlassen hatte. Magdalenes Zähne schlugen vor Erregung aufeinander, während sie zuhörte. Tränen liefen über ihre Wangen.
Sie überdachte die schreckliche Zeit, die sie durchgemacht hatte. Und alles war nicht nötig gewesen: die ganze Zeit über war sie reich gewesen, und nur ihr Unverstand hatte ihr daS Unheil gebracht!
„Sener*
Augusts zärtlicher Ruf brachte sie zur Wirklichkeit zurück.
Glücklich lachend sah sie ibn an. Jetzt durfte sie alles Bittere vergessen! Jetzt hatte sie ihren August. Daß sie wieder reich war, war recht schön: aber es war nebensächlich durch die Tatsache, daß sie den geliebten Mann besah, und daß sie bald seine Frau werden sollte.
In dem schönen Speisezimmer der guten Mutter Hahn hatte am anderen Mittag das Derlobungs- essen stattgefunden. Mutter Hahn nahm daran teil in dem schönen Schwarzseidenen, das ihr Magdalene in Berlin gekauft hatte. Außerdem kam noch Teutobert Fischer, der seinem Schreibmaschinenfräulein herzlich die Hand drückte.
„Ich hatte mir immer ein wenig Sorgen gemacht um Sie, Fräulein Winter, als ich Sie mit dem schonen Geld so umgehen sah und hörte, wie Sie es in die Winde verstreuten. Es ist ein Glück, daß Sie August Richter kennenlernten, und daß Sie einen Mann bekommen, der weiß, wie man mit Geld umgehen muß. Auf diese Weise hat das Groß« Los erst seinen rechten Sinn bekommen."
Magdalene und August waren sich einig geworden, mit der Hochzeit nicht zu lange zu warten. In vier Wochen konnte Magdalene mit allen Vorbereitungen zu Ende sein.
„Ich habe noch einen Wunsch, Lene", sagte August. „Ich möchte gern, daß du Löbbau erst siehst, wenn wir verheiratet sind. Erst als meine Frau sollst du dort einziehen. Ist dir das recht, Kind?"
„Mir ist alle« recht, Gust, was du haben willst. Ich freue mich so auf meine neue Heimat und auf das Glück, das dort auf uns wartet."
Vier Wochen später wurden Magdalene und 2Iuguft getraut. Eine kleine Feier schloß sich an, an der Mutter Hahn tellnahm, Teutobert Fischer, Theobald und Lucie.
Am Rachmittag fuhren Magdalene und August fort — nach Italien. Vierzehn Tage wollten sie unterwegs bleiben. Sie sahen Mailand und kamen dann nach Genua, wo ein frohes Wiedersehen mit den CalonniS gefeiert wurde.
Selbstverständlich geizte Magdalene nicht mit Geschenken, und als sie abreifte, drückte sie Edith Ealonni ein Kuvert in die Hand, das eine ganz
hübsche Sunnne enthielt. Einen Rotpfennig für die Güte, die ihr in so schwerer Zeit beigestanden hatte
Rach vierzehn Tagen kehrten die Reu vermählten heim.
Während der ganzen Reise hatte Magdalene am meisten von Löbbau gesprochen und von ihrer Sehnsucht nach dem Zuhause. Sie sprach von dem kleinen Gutshaus und der Wirtschaft, und wie sie sich alles einrichten wollte.
August freute sich wie ein Kind auf die lieber» raschung, die auf Lene wartete. Auf die Augen, die sie machen würde, wenn sie das Schloßgut erst zu sehen bekam.
Die Sonne strahlte, als Lene und August in offenem Wagen dem Schloßgut zufuhren. Der Wagen hielt vor dem Portal.
„Da — das ist Löbbau, Gust?" fragte Magdalene, und ihre Augen wurden groß. „In diesem herrlichen Schloß soll ich wohnen?"
„Ja, Lenekind, das ist Löbbau. Unser Schloß. Gefällt es dir?"
Strahlend reichte er seiner Frau die Hand, ihr beim Aussteigen zu helfen.
Alles war mit Blumen geschmückt, wohin man sah. Richts als Blumen und wieder Blumen. August hatte gebeten, von einem offiziellen Empfang Abstand zu nehmen. Er wollte seiner jungen Frau erst alles allein und in Ruhe zeigen. Am nächsten Abend sollte ein kleines Fest stattfinden: bei dem sollte Magdalene alte Angestellten und Arbeiter des Gutes und des Bergwerkes kennen- lemcn.
Lucie und Theobald Fischer wurden erst zum Abend erwartet.
So waren Magdalene und August ganz allein, als sie zum ersten Male gemeinsam durch das große Haus schritten. Magdalene konnte kaum sprechen vor Glück. Eng schmiegte sich ihre schmale Gestalt an den geliebten Mann, als sie bann mit ihm in dem reizenden Raum stand, den er ihr als Wohnzimmer hatte einrichten lassen.
„Bist du zufrieden, Lenekind? Gefällt es dir hier in Löbbau? Wird es dir hier nicht zu einsam fein und zu langweilig?"
„Gust, ich kann es dir nicht sagen, wie glücklich ich bin. Ri« im Leben habe ich geglaubt, daß es so viel Glück gibt Ich hatte das schreckliche Große Los verwünscht, als ich damals in Genua allein durch die Straßen schlich, als ich so unglücklich war. Jetzt aber danke ich Gott, daß ich es gc- toormen habe. Richt des Geldes wegen: aber deshalb, well ich dich dadurch tennengelernt habe, weil ich so glücklich geworden bin.
Aber ich werde nie wieder übermütig sein durch bas viele Gelb. Ich werbe bas Glück fest- halten, das große Glück, Gust, bas mir durch bich geworben ist — bas verspreche ich bir.“
In wortloser Seligkeit standen die beiden, in der Versunkenheit eines endlosen Kusses, da.
Und das alte, heruntergewirtschaflete, verkommene Löbbau war jetzt erst wirklich zu neuem, blühendem Leben erwacht
Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L. Bernard
Heuchelheim, den 10. Januar 1933.
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0114
Ruttershausen, den 11. Januar 1933.
4
Bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sind uns so viele Beweise herzlicher Anteilnahme zugegangen, daß wir nur auf diesem Wege unseren tiefgefühlten Dank sagen können.
Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Becker für die trostreichen Worte am Giabe, den Herren Fabrikbesitzer L. Rinn und Direktor G. Bergen für die ehrenden Naclirufe, dem Turnverein und den Kameraden für die Kranzniederlegung, sowie dem Gesangverein Liederkranz für den erhebenden Grabgesang. .
Auch allen denen, die uns in der schweren Zeit hilfreich zur Seite standen, herzlichen Dank.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau Friedrich Wilh. Schmidt nebst Kind.
Danksagung.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens unseres lieben Entschlafenen
L. Kann
innigen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
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