Ausgabe 
10.2.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 35 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, 10. Februar (033

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VezirkSschöffengericht Gießen.

Gießen, 8. Febr. Ein gefährlicher Gewohn­heitsverbrecher stand heute in der Person des 34- jährigenRausmanns" Edmund S t a n t k e aus Breslau vor Gericht. Er ist wegen Diebstahls vier­mal vorbestraft und wird von einer Reihe von Staatsanwaltschaften gesucht. Seine Spezialität sind Hoteldiebstähle. Seinen Lebensunterhalt will er sich durch Vorträge über seineErlebnisse im Baltikum" verdienen, die er meist in Schulen und Pensionen halten greifbare Angaben darüber kann er nicht machen. Im Mai v.J. hatte er sich unter falschem Namen auf mehrere Tage in einem vornehmen Hotel in Dad-Nauheim einlogiert und offen­bar zur Vermeidung von Schriftoergleichungen de» Meldezettel vom Hotelporlier ausfüllen lassen. Er fiel dem Hotelpersonal auf; weil er sich in den Gängen sämtlicher Stockwerke Herumtrieb und von

Helft dem Zugendnv'werk durch Besuch der Bevanstaliung im Sladtlhcatcr an, 13. Februar

einer Toilette in die andere ging. Im Hotel wohnte eine Schwedin. Als diese aus der Stadt zurückkam, wo sie sich auf der Bank 500 Mark und einen Kredit­brief auf eine hohe Summe geholt hatte, die sie in ihrem Handtäschchen aufbewahrte, begab sie sich auf die Toilette. An der Tür kam ihr ein Herr entgegen. Als sie bald danach ihr Zimmer wieder betrat, war die Handtasche, die sie aus den Tisch gelegt hatte, verschwunden. Kurz daraus war auch der Angeklagte verschwunden, der eben noch dem Zimmermädchen gesagt hatte, es solle den Ueberzug auf seinem Bett lassen, er fühle sich krank und müsse sich legen. Er blieb verschwunden, bis er im vergangenen Sommer in Donaueschingen bei einem genau in der gleichen Weise ausgesührten Hoteldiebstahl auf frischer Tat ertappt wurde. Heute leugnet der An­geklagte alles. Die Möglichkeit, in Bad-Nauheim ge­wohnt zu haben, bestreitet er nicht, er könne sich aber an nichts erinnern. Er habe in den letzten Iah- ' ren über tausend Vorträge gehalten und könne sich daher auf Einzelheiten nicht mehr entsinnen. Auch 1 im Falle Donaueschingen, wo er zu sieben Monaten Gesängnis verurteilt worden ist, hatte er geleugnet, und behauptete auch heute unschuldig zu sein, obwohl er in flagranti festgenommen wurde. Er sei nicht in der Lage, nähere Angaben zu seiner Verteidigung zu machen. Mit diskretem Kavalierslächeln deutete er an, durch zarte Rücksichten auf die Bestohlenen zum Schweigen verpflichtet au sein. Er wurde von allen Zeugen mit Bestimmtheit wiedererkannt. Die Strafe gegen den gefährlichen Verbrecher lautete auf ein Jahr sechs Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.

Wegen Betrugs im wiederholten Rückfall wurde ein junger Mann zu der gesetzlichen Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er feiner Gewohnheit gemäß als blinder Passa­gier die Eisenbahn benutzt hatte.

G.A -Sport.

Kußball: BfB. I. - Universität I.

Ein Rückspiel! Das Borspiel konnten die Grün- weißen mit ziemlich hohen Ergebnissen gewinnen. Morgennachmittag trifft man sich nun wieder; diesmal auf dem Waldsportplah. Während die BfBer ihre Leistungen in letzter Zeit ziemlich kon­stant auf gleicher Höhe hielten, haben die Stu-

Wirtschaft.

Karl Fürstenberg f.

Berlin, 10. Feor. (WTD.-Funkspruch.) Karl Fürstenberg, der Vorsitzende des Derwal- tungsrates der Berliner Handelsgesell­schaft, ist in der letzten Rächt im Alter von 62 Jahren an den Folgen einer Lungenentzün­dung gestorben.

Karl Fürstenberg wurde am 28. August 1850 in Danzig geboren. Bei der Bankfirma R. Damme trat er dort in die Lehre. Später ging er nach Berlin, wo er zunächst bei Gebrüder Si­mon, dann in der Diskonto-Gesellschaft und spä­ter bei S. Blcichrödcr tätig war. Bei Bleich- röder entwickelte er sich zu einem leitenden Dank­mann, auf den sich öic Blicke wendeten, als es im Jahre 1883 galt, die damals in Schwierigkeit geratene Berliner Handelsgesellschaft wieder flott zu machen. Er trat an deren Spitze und hat das altangesehene Institut höchster Blüte zuge- sührt.

Berlin luftlos und schwächer.

Berlin, 10. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die G e s ch ä f t s u n l u st des Publikums und der Spe­kulation wirkte sich heute in einem leichten Ab­bröckeln der Kurse aus. Die Stimmung war nicht schwach, da die Erfolge der Stillhaltekonferenz, die verhältnismäßig stabile Lage am Arbeitsmarkt, die leichten Geldverhältnisse, das festere Neuyork und eine Geschäftsbelebung am Kautschukmarkt anregten. Anderseits mahnten aber die geringere Ruhrkohlen­produktion, die schwierigen Rohstahlverhandlungen, sowie die Tatsache, daß die Diskonthoffnungen als verfrüht bezeichnet worden sind, zur Zurückhaltung.

Es ergaben sich anfangs meist Abschwächungen bis zu 1 o. H. Montane, Kaliaktien, Chemiepapiere, Gummiwerke, Gas- und Elektroaktien waren ziem­lich einheitlich bis zu etwa 1 v. H. gedrückt. Rhein­stahl und Mannesmann verloren sogar je 1,25 v. H., und Rheinische Elektrische waren sogar 2 v. H. niedri­ger. Braunkohlenwerte tendierten geschäftslos und knapp gehalten. Linoleumpapiere eröffneten etwa 0,50 v. H. fester. Kabel- und Drahtwerte lagen völ­lig geschäftslos. Von Autoaktien waren BMW. etwa 1 o. H. rückgängig. Maschinenfabriken verloren bis zu 1 v. H., Schubert & Salzer gaben 3,50 v. H. nach. Metallwerte, sowie Kunstseide- und Textilaktien la­gen umsatzlos und eher schwächer. Von Bauwerten gaben Berger 1,50 v. H. nach. Von Papier- und Zellstoffwerten waren Aschaffenburg Zellstoff mit minus 1,75 v. H. etwas stärker abgeschwächt. Braue­reien hatten kaum Kursveränderungen zu verzeich­nen. Wasserwerke blieben knapp gehalten. Verkehrs­werte, darunter Schiffahrtsaktien, büßten bis zu 0,50 v. H. ein. Banken gaben bis zu 1 v. H. nach. Im Verlaufe bröckelten die Kurse weiter um Bruchteile eines Prozentes ab, Reichsbank gingen um etwa 2 v. H. zurück.

Deutschs Anleihen lagen wenig verändert, im Verlaufe eine Kleinigkeit leichter. Reichsschuldbuch-

forberungen und variable Jndustrieobligationen ga­ben bis au 0,75 v. H. nach, die übrigen festverzins­lichen Werte waren bei kleinem Geschäft etwa behauptet. Auslandsrenten blieben vernachlässigt.

Am Geldmarkt blieb die Situation weiter leicht. Tagesgeld stellte sich an der unteren Grenze auf unverändert 4,40 bzw. 4,25 v. H., nach Privat­diskonten, Reichswechseln per 5. Mai und Reichs- schatzanweisungen per 15. September hielt die Nach­frage an.

Frankfurt vollkommen still.

Frankfurt a. M., 10. Febr. (WTB. Drahtmel- dung.) Die Unsicherheit über die Weiterentwicklung der innerpolitischen und wirtschastlichen Verhältnisse führte zu Beginn der heutigen Börse zu fast voll­kommener Geschäftsstille, zumal Anregun­gen irgendwelcher Art fehlten. Von der Kundschaft lagen eher kleine Verkaufsorders vor, so daß die Ku­lisse weiterhin eine abwartende Haltung einnahm. Das herauskommende Material, das im allgemeinen nicht groß war, wurde nur zu mäßigen Kursen an­genommen, wobei die durchschnittlichen Rückgänge von 0,50 bis 1 v. H. betrugen.

Die ersten Notierungen kamen sehr langsam zu­stande. Stark angeboten waren IG., die 1,13 o. H. verloren, nachdem bereits an der Abendbörse ein leichter Kursdruck zu verzeichnen war. Don Elektro­werten lagen Siemens 1,25, Gesfürel 0.75 und Licht & Kraft 0,50 v. H. schwächer. AEG. und Lahmeyer blieben behauptet. Am Montanmarkt kamen anfangs nur Buderus mit minus 1,13 v. H., Mannesmann mit minus 0,40 v. H. und Stahlverein mit minus 0,25 v. H. zur Notiz. Bis zu 1 v. H. schwächer er­öffneten noch Reichsbank, Aku und Zement Heidel­berg. Schiffahrtswerte waren knapp behauptet. Nach den ersten Surfen ergaben sich zunächst Besserungen von 0,25 bis 0,50 v. H., später bröckelten die Kurse aber infolge der Geschäftsstille erneut von 0,25 bis 0,75 v. H. ab.

Don Deutschen Anleihen setzten Neubesitz mit 8,75 v. H. unverändert ein, dagegen verloren Alt­besitz und späte Reichsschuldbuchforderungen je 0,75 v. H. Reichsbahnvorzugsaktien und Stahlverein­bonds konnten sich um je 0,25 v. H. erhöhen. Don fremden Werten blieben Türken und Mexikaner gut gehalten.

Am Pfandbriefmarkt bröckelten die Kurse bei kleinem Umsatz von 0,25 bis 0,50 v. H. ab. Auf den übrigen Gebieten des Rentenmarktes herrschte Ge­schäftslosigkeit. ,

Im Verlaufe entwickelte sich etwas lebhaf- teres Geschäft in deutschen Anleihen, wobei Neubesitz mit plus 0,20 v. H. bevorzugt waren. Alt- besitz und späte Reichsschuldbuchforderungen waren um 0,25 bis 0,50 v. H. erholt. Der Aktienmarkt blieb dagegen weiter ftill, doch lagen die Kurse gleichfalls um Bruchteile eines Prozents freund­licher. Tagesgeld war zu 3,25 v. H. unverändert und leicht.

denken nicht unwesentlich an Spielstarke gewon­nen. Man erwartet einen spannenden Kampf, den allerdings, zudem auf vertrautem Gelände, die BfBer auf Grund ihrer Routine doch für sich entscheiden sollten.

Schluß

des Frankfur er Sechstagerennens.

Rausch-Pijnenburg siegten mit Rundenvorsprung vor Schön-Tietz.

Frankfurt a. M., 9. Febr. Das Frankfurter Sechstagerennen, das am Donnerstag um Mitter­nacht nach 146ftünbiger Fahrt zu Ende ging, sah, wie erwartet, die deutsch-holländische Mannschaft

Rausch-Pijnenburg als Sieger mit einer Runde Vorsprung vor der Mannschaft Schön-Tietz. Die übrigen acht Mannschaften lagen zwei und mehr Runden zurück. Zwei Mannschaften waren vorzeitig ausgeschieden bzw. aus dem Rennen genommen rooroen. Die siegreiche Mannschaft hatte 3316,480 Kilometer zurückgelegt.

Daten für Freitag. 10. Febrnar.

1923: der Physiker Wilhelm Konrad Röntgen in München gestorben; 1932: der Romanschriftsteller Edgar Wallace in Hollywood gestorben.

Sie Grippe.

cp Nieder-Ge münden, 9. Febr. Die Er­krankungen an Grippe nehmen hier von Tag zu Tag zu. In einigen Fällen ist sie auch in Verbin­dung mit Lungenentzündung ausgetreten. Nachdem auch der Lehrer erkrankte, mußte die Schule ge­schlossen werden.

w Burg-Gemünden, 9. Febr. Gegenwärtig herrscht hier die G r i p p e in ziemlich starkem Maße. In manchen Häusern sind fast sämtliche Bewohner erkrankt. Auch eine erhebliche Anzahl Schüler mußte dem Unterricht fernbleiben.

Wettervoraussage.

Im Rückfeitenbereich der Skandinavienstörung ge­langt auch nach Deutschland jetzt kühlere Lust, welche unbeständiges Wetter und Abkühlung Hervorrufen wird. Bei rasch wechselnder Bewölkung, die auch durch kurzes Austzaren unterbrochen wird, treten vereinzelt noch schauerartige Niederschläge auf. Trotz des hohen Druckes über dem Nordmeer und der Biskaya wird sich noch keine durchgreifende 'Beffc- rung einftellen, sondern über Irland hat sich eine flache Störung gebildet, welche ozeanische Luft zu­führt.

Aussichten für Samstag: Kühleres, wechselnd wolkiges Wetter, zwischenzeitlich auch auf- klarend, vereinzelt mehr schauerartige Niederschläge, aus den Bergen als Schnee, um West drehende Winde.

Aussichten für Sonntag: Etwas be­ständigeres, jedoch noch wechselnd wolkiges Wetter mit Ausklaren, keine oder nur vereinzelt geringe Niederschläge, langsame weitere Abkühlung.

Lufttemperaturen am 9. Februar: mittags 10,4 Grad Celsius, abends 10,6 Grad; am 10. Februar: moraens 9,0 Grad. Maximum 10,7 Grad, Minimum 6,0 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Februar abends 3,4 Grad, am 10. Februar mor­gens 3,5 Grad Celsius. Niederschläge 0,2 mm.

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Gießen (Kaplansg.l5),9. Februar 1933

Beerdigung: Samstag, 11. Februar.

12 Uhr, auf dem Neuen Friedhof

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