Der Iraim iooi W
Vornan von Margarete Antelmann.
Copyright by Martin Zeuch fwcmger, Halle (Saale)
27 rtortlefiung Nachdruck verboten.
Teutobert Fischer weilte auf Schloß Löwen, wo am Ofkrmontag die Hochzeit Theobalds und Lucies gefeiert werden sollte.
Es war am Ostersamstag, als ihm die Post einen Brief brachte, mit einer ausländischen Marke. Privatbriefe aus dem Ausland pflegte er nicht zu bekommen: verwundert sah er sich deshalb das Schreiben an, ehe er es öffnete.
Dann las er. was Magdalene Winter ihm schrieb. Das arme Mädel schien hart bestraft zu sein für seinen Leichtsinn. Lind mit dem Großen Los war es wohl Essig. Jetzt mußte sie wieder arbeiten. Aber sie hatte Rückgrat, das kleine Ding. Arbeitete in einer Makkaronifabrik! Ra, er würde ihr natürlich helfen: bei ihm fand sie immer wieder einen Platz. Was wohl Theobald zu diesem Briefe sagen würde: er hatte sich doch neulich erst nach Magdalene Winter erkundigt!
Teutobert Fischer ging hinunter in die große Halle, in der Herr von Löwen, Theobald, Shicie und August Richter vergnügt beisammensahen. Er reichte Theobald den Brief. Der las ihn, dann sprang er wie besessen in die Höhe.
„Gust, Gustl. Da, liesl Du bist wirklich ein Glückspilz!"
August Richter las, und seine Augen vergrößerten sich vor Schrecken und vor Freude. Einen Augenblick stand er fassungslos da, dann brach es aus ihm heraus:
„Mein Gott, das arme Kind! Sofort fahre ich hinunter nach Genua, sie zu holen. Was hat sie nur ausstehen inüssen, die ganze Zeit! Wie leid sie mir tut."
„Was fällt dir ein, August?! Lind meine Hochzeit?"
„Ich denke, Theo, du wirst es selbst einsehen, daß ich keinen Augenblick mehr warten kann. Daß ich ihr sofort helfen muß."
Teutobert Fischer hatte mit großen Augen alledem zugehört. Was sollte das eigentlich heißen?
„Wollt ihr mir nicht einmal erzählen, was das alles heißen soll? Der eine redet von Glückspilz, der andere von helfen und reisen... Lind das alles wegen dieses kleinen Mädchens, das bei mir in Stellung war, und das sich leichtsinnig sein Glück verscherzt hat? Vielleicht erfahre ich jetzt den Grund dieser dunllcn Reden?"
Theobald berichtete, was sich zwischen August und Magdalene zugetragen hatte.
„Lind da wollen Sie jetzt gleich hinunterfahren und das kleine Fräulein holen, Gust?" fragte Fischer den Freund seines Sohnes.
„Ja! Ich möchte sie so schnell als möglich erlösen. Sie hat genug Leid erfahren."
„Ich möchte Ihnen einen Rat geben, Gust, als alter, erfahrener Mann. Ich kann es verstehen,
daß es Sie nach Genua treibt. Aber — folgen Sie mir, b'eiben Sie hier: lassen Sie Magdalene Winter ruhig zu mir ins Geschäft kommen, einige Tage bei mir arbeiten, ohne daß sie etwas von Ihnen hört. Es schadet ihr nichts, wenn sie eine Lehre mit auf den Weg bekommt, wenn sie den Kelch bis zur Reige leeren muh. Sie war sehr übermütig. Sie muh ein wenig gestraft werden. Das Erwachen wird dann um so schöner sein, und sie wird Ihre Liebe und Ihre Fürsorge um so besser zu schätzen wissen.
Der Brief ist an mich gerichtet. Ich werde ihr schreiben, dah sie zu mir kommen kann. Ich werde ihr natürlich auaj das Reisegeld schicken. Lind Sie, Gust, versprechen mir, erst nach Leipzig zu kommen, wenn ich Sie rufe — nicht wahr?"
„Vielleicht haben Sie recht, Herr Fisch r. Ich füge mich Ihrem Rat, wenn es mir auch noch so schwerfällt, das arme Mädchen allein zu lassen, nicht gleich zu mir zu holen. Aber — Sie los,en mich nicht zu lange warten — wollen Sie mir das versprechen?"
„Ich verspreche es Ihnen, Gust. Mir selbst liegt daran, Magdalene Winier zu hel en. D:nn eigentlich habe ich Respekt vor dem Mädel, dah sie den Kopf nicht verloren und den Kampf mit dem Leben ausgenommen hat, trotz aller Bitternisse, die ihr widerfahren sind. Sie werden sehen, Gust, dah Sie eine Prachtfrau an ihr bekommen werden."
Seit einigen Tagen arbeitete Magdalene Winter wieder bei Teutobert Fischer, sah an ihrem alten Platz, vor der Schreibmaschine. Cs war beinah, als ob sie gar nicht weggewesen wäre.
Rur dah sie stiller geworden war, dah sie nicht mehr mitmachte bei dem Geplapper der anderen Schreibmaschinendamen, dah sie still war und sehr bläh, und daß man ihrem Gesicht den Kummer ansah. Ganz durchsichtig und verhärmt sah sie aus, schaute traurig und teilnahmslos aus ihren großen Augen in die Welt.
Ihren Kollegen h?tte sie mit kurzen Worten mitgeteilt, daß sie "ihr ganzes Gclld verloren habe. Sie hatte sie gebeten, nach nichts zu fragen. Später vielleicht würde sie ihnen alles erzählen. Jetzt könne sie nicht darüber sprechen.
Man respektierte ihren Wunsch und lieh sie ungeschoren.
Rur Inge Heinzius, die immer ein wenig vorlaut war. fragte Magdalene, ob sie wieder bei Mutter Hahn wohne.
Magdalene verneinte.
Man erzählte ihr, dah Frau Hahn eine schöne Acht-Zimmcr-Wohnung besitze und dah sie sechs dieser Zimmer sehr gut vermietet habe. Auher- dcm sei ihr Mittagstisch auherordentlich gut besucht. Sie verdiene jetzt eine Menge Geld, und dos verdanke sie niemand anders als Magdalene. Deshalb sei es nur recht und billig, wenn Magdalene jetzt dort wohne.
Magdalene hatte eine Scheu gehabt, sich bei Mutter Hahn zu melden. Sie wollte sie nicht an frühere Wohltaten erinnern, wollte sich nichts von ihr schenken lassen. Lind bezahlen konnte sie den Preis nicht, den Frau Hahn heute fordern
muhte. Also hatte sie sich ein Neines Stübchen genommen, in der Rähe des Büros, und hatte Frau Hahn nichts von ihrem Hiersein mitgeteilt.
Am nächsten Sonntagvormittag klopfte es an Magdalenes Tür. Frau Hahn trat auf ihren Rus ins Zimmer.
„Lenchen! Was muhte ich hören? Sie sind hier und find nicht zu mir gekommen? Warum haben Sie das getan? Wissen Sie nicht, dah Ihr Platz bei mir ist?"
Schluchzend saß Magdalene auf ihrem Stuhl, und die alte Mutter Hahn schluchzte vor Rührung mit. Dann erfuhr die gute Frau alles, was sich zugetragen hatte.
„Oh, diese Schlange! Aber ich habe ihr gleich mißtraut, das wissen Sie, Lenchen. Wenn Sie doch nur auf meine Warnung gehört hätten! Aber es hat jetzt keinen Sinn, Ihnen darüber Vorwürfe zu machen. Haben Sie denn irgend etwas von den Betrügern gehört? Haben Sie bei der Polizei Anzeige erstattet, sie verfolgen lassen?"
„Rein, Mutter Hahn. Ich habe sie gar nicht angezeigt. Ich wollte keine Scherereien haben, und dann hatte ich Angst, selbst irgendwie mit in die Geschichte hineingezogen zu werden. Ich hatte doch keinerlei Papiere mehr und kein« Ausweise. Sie hatten mir ja alles weggenommen. Lind die beiden hatten schon einen viel zu großen Vorsprung, als ich alles merkte: man hätte sie ja doch nicht mehr erwischt. Da habe ich erst gar nicht mit der Verfolgung angefangen."
So kam Magdalene wieder zu Muller Hahn, hatte «in hübsches Zimmer, und die gute alte Frau gab sich alle Mühe, ihren Schützling zu verwöhnen. Trotzdem wich die leise Wehmut nicht von Magdalenes Gesicht: sie lag des nachts mit offenen Augen im ihrem Bett,, weinte leise vor sich hin, bis der Schlaf sie übermannt«. Ihr Glück, das sie sich verscherzt, das würde nicht mehr kommen. Den Mann, den sie liebte, den hatte sie verloren.
Alles: das Geld, die schönen Kleider, den Schmuck, das halle sie verwinden lönnen, aber das andere, das war fast nicht zu ertragen.
Das, was sie unten in Genua für Heimweh gehalten hatte, das war nichts anderes gewesen als die Sehnsucht nach August Richter, nach dem verlorenen Glück. Denn jetzt war sie wieder in Deutschland. Lind es war nicht anders als in der Fremde: sie war heimatlos und sehr unglücklich.
Cs war schon «in wenig spät, als sie eines Abends aus dem Hause trat. Sie hatte viele Briefe zu schreiben gehabt, wollte nicht aufhoren, ehe sie alles erledigt hatte.
Müde und abgespannt ging sie ihren Weg, die Augen kaum vom Boden erhebend.
Eie schrak zusammen, als jemand sie ansprach. „Magdalene ...“
Lind sie erschrak noch mehr, als sie aufschaute und August Richter vor sich stehen sah. Eie wäre getaumelt, wenn der Mann sie nicht in seinen Armen ausgefangen hatte.
Wie «ine Vision stieg es vor Magdalenes Augen auf.
Sie stand wieder auf dem Deck des großen
Schiffes, int Abendkleid: vor ihr dieser Mann, der ihr liebe Wort« sagte. Sie spürte den heißen Kuh auf ihrer Schulter, und dann sah sie ihn von sich gehen, weil sie ihn gekränkt und abgewiesen hatte.
Wie anders hatte sich ihr Leben gestaltet, wenn sie an jenem Abend ihren Hochmut beiseite gelassen, wenn sie ihr Herz hätte sprechen lassen?
Lind jetzt stand er wieder vor ihr, hielt sie mit starken Armen, jetzt, wo es zu spät war, und wo sie sich durch ihren Reichtum das Glück verscherzt hatte.
„Herr Doktor ...!"
„Sie sollen nichts reden, Fräulein Winter. Wenn es Ihnen vecht ist, begleite ich Die ein Stückchen. Dann wollen wir weiter sehen."
Magdalene wundevde sich nicht einmal, daß er ihren Ramen wußte. Es war alles so seltsam, daß er sie gründen Halle, dah er vor ihr stand ...
Langsam gingen sie durch den abendlichen Park.
„Sie sind gut zu mir, Herr Doktor!" sagte jetzt Magdalene. „Lind Sie wissen nicht, was sich seit Barcelona ereignet hat."
„Ich weih alles, Fräulein Magdalene. Aber es kümmert mich nicht. Was sich nicht verändert hat, das ist meine Liebe zu Ihnen und der Wunsch, Ihnen zu Helsen und Ihr Leben in eine sichere Bahn zu lenken. Dah vieles in Ihrem Loben nicht in Ordnung war, sah ich schon auf dem Schiff. Es hatte mich tief geschmerzt, dah Sie mein« helfende Hand zurückstiehen.
Ich weih heute, dah bös« Einflüsse cuf Sie gewirkt hatten, dah man versuchte, eine Abenteurerin aus Ihnen zu machen. Ich weih aber auch, daß Sie nicht dazu geschaffen sind, sondern daß Sie nur der Führung bedürfen, um ins rechte Fahrwasser zu kommen.
Was ich nicht weih, ist, ob Sie meine Liebe erwidern können — ob Sie mich ein ganz klein wenig gern haben, Magdalene ..."
„Richt! Sie dürfen nicht so zu mir sprechen, Herr Doktor! Ich bin nicht die, für die Sie mich halten. Ich bin arm, ganz arm...“
„Was hat das mll meiner Liebe zu tun, Magdalene? Ich liebe dich, und es ist mir gleich, ob du reich bist oder arm. Damals, auf dem Schiff, als mir mein Schicksal nicht gerade zart auf di« Füße trat, wußte ich auch nicht, ob du reich warst oder arm: da wußte ich nur, daß es um mich geschehen, dah ich dir vom ersten Augenblick an verfallen war und dich liebte.
Lind heute, nachdem ich mich monatelang um mein armes, zartes Lieb gesorgt hatte — heute ist meine Lieb« riesengroß geworden. Cs gibt heute nichts mehr für mich auf der Welt als dich, d.ch ganz allein. Gesucht habe ich dich, mit allen Fasern meines Herzens: überall habe ich dich gesucht ..."
„Gesucht! Lind ich hvbe nichts davon gewußt — war allein und verlassen?"
„Kind, du armes. Was hast du durchmachen müssen? Aber jetzt wird sich alles ändern. Doch ich weih immer noch nicht, ob du mich überhaupt haben willst, ob du mich gern hast, Magdalene?"
(Schluß folgt.)
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Die stark durchbluteten Schleimhäute sorgen für richtige Erwärmung der Atemluft und zerstören durch ihre unzähligen weißen Blutkörperchen die mit der Luft eingedrungenen Infektionserreger. Die Nase gibt innerhalb von 24 Stunden ein halbes Liter Wasser an die Atemluft ab. Das alles ist wichtig für die Erhaltung Ihrer Gesundheit.
Atmen Sie daher durch die Nase, denn sonst gelangt die Außenluft kalt, trocken und mit Keimen beladen in Rachen und Lungen, und
Sie erkälten sich. Schnupfen, Husten, Halsschmerz, Heiserkeit, Kehl
kopf- und Rachenkatarrh sind oft nur die Folgen der schlechten Gewohnheit, durch den Mund zu atmen.
Lassen Sie also die Nase zu ihrem Recht kommen, und nehmen Sie überdies von Zeit zu Zeit einige WYBERT. Wybert-Pastillen regen
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