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vorgesehen hat? Ich will dir sagen: du kommst gar nicht aus dem Hause. An der Torfahrt wird der Gärtner stehen. Willst du dich lächerlich machen und dich von ihm zurückhalten lassen?"
Magussi stampfte mit dem Fuße auf.
„Also eingesperrt!"
Oh, der Papa war klug!
Für heute mußte sie sich ja wohl fügen; es blieb ihr nichts anderes übrig, — aber morgen, wenn es die Eltern nicht anders wollten! Und kam Eduard Weiser nachher, würde sie einfach nein sagen.
„Niemand sperrt dich em! Kmd, es ist ja alles zu deinem Besten! Wenn du das nur einsehen wolltest! Und jetzt gehe, und ziehe dich um. So kannst du unmöglich angemeldeten Besuch empfangen. Soll ich dir Helsen?"
„Nein, danke! Mama! Ich gehe allein!"
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$ür die mir aus Anlaß meines 60. Geburtstages so über« aus zahlreich erwiesenen Ehrungen und Aufmerksamkeiten sage ich allen meinen tiefgefühltesten Dank.
Insbesondere meinen lieben SA.-Kameraden vom Sturm X 11/116, dem Stadtrat, dem Kamp bund des gewerb. lichen Mittelstandes, dem Kavallerieverein Gießen e. D., den Ortsgruppen, den Frauenschaften der NSDAP., der Landsmannschaft ^Ehattia", dem NED. deutscher Gastwirte, Ortsgr. Gießen, u. der Altersvereinigung 1873/1923.
Franz Soldan, Sturmführer X11/116.
Gießen, den 9. August 1933.
Laut und schrill, beinahe drohend die herbstliche Stille zerreißend, heulte eine Autohupe.
Magussi fuhr nervös zusammen und sprang auf. Das Herz schlug ihr bis zum Halse; sie hätte schreien mögen in Angst und Qual — unerbittlich kam jetzt das Schicksal auf sie zu.
Nach wenigen Minuten klopfte es an ihrer Tür; die Mutter war es, die eintrat.
„Magussi, du bist ja noch nicht angezogen? Bitte, eile dich! Papa ist mit Eduard Weiser gekommen!"
Sie rüttelte Magussi zuredend an der Schulter; das junge Mädchen saß halb kauernd am Divan, vor sich hinstierend und gar nicht darauf hörend, was die Mutter sagte.
„Magussi, du darfst die Herren doch nicht warten lassen!"
Da wandte die Angeredete ihr das Gesicht zu: „Ich habe sie ja nicht gerufen/'
Die Kommerzienrätin überhörte diese Antwort, öffnete Magussis Kleiderschrank und nahm nach kurzem Wählen ein Kleid aus feinem, pastellblauem Tuch heraus, dessen Tönung so gut zu Magussis zarter Schönheit paßte und in dem sie so reizend aussah. Sie streifte der Tochter die Bluse und den Rock ab, was Magussi mit einem gewissen starren Widerstand geschehen ließ. Frau Bunte war tief erregt über den Starrsinn der Tochter; rote Flecken brannten auf ihren Wangen. Aber sie durfte aus Klugheit kein Wort des Tadels sagen. Wie ein Automat ließ Magussi alles mit sich geschehen. Keinen Blick warf sie in den Spiegel, als die Mutter sie angekleidet hatte und sie befriedigt betrachtete. Sie nahm den Arm der Tochter und zog ihn durch den ihren.
„Nun komm!"
Da durchlief ein Zittern Magussis Gestalt; es war als ob ein Krampf sich löste; sie schluchzte auf.
„Nicht doch, Kind! Nicht mit verweinten Augen!" Frau Bunte tupfte Magussi die Tränen vom Gesicht, die wie dicke Perlen über die Wangen liefen.
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Sie lauschte an Magussis Tür; es war ganz still im Zimmer; vielleicht schlief die Tochter der Vernunft entgegen.
Pünktlich fand sich Magussi nachher zur gewohnten Zeit am Kaffeetisch ein. Sie sah sehr blaß aus. Sie trug ihr hübsches, blaues Hauskleid aus feinem Wollstoff mit vielen roten Knöpfchen und einem roten Lackledergürtel verziert.
Schweigend saßen die drei da und frühstückten, der Kommerzienrat hinter der Zeitung verschanzt; Magussis Morgengruß hatte er knapp erwidert. Als er fertig war, legte er die Serviette hin und stand auf.
„Gegen Mittag wird Eduard Weiser kommen; richtet euch also darauf ein!" sagte er kurz und bestimmt.
Magussi wurde noch blasser; sie öffnete den Mund zu einer Entgegnung; doch ein flehender Blick aus den traurigen Augen der Mutter hieß sie schweigen. Was hätte sie auch sagen sollen! Den Auftritt vom vorhergehenden Abend wiederholen und doch nichts erreichen? Nein! Man mußte den Vater eben vor die vollendete Tatsache stellen. Und die war, Eduard Weisers Werbung nicht anzunehmen und ihm den wahren Sachverhalt zu sagen. Sie kannte und achtete ihn als anständigen Menschen, zu dem man Vertrauen haben konnte.
Magussi blickte dem Vater vom Fenster aus nach; es war ihr durch den Sinn gegangen — vielleicht siehst du ihn heute zum letzten Male.
Schnell und elastisch schritt er nach der Toreinfahrt des Parkes den breiten Kiesweg hinab, auf den der Herbstwind in der Nacht bunte Blätter gestreut.
Der Kommerzienrat pflegte des Morgens nach der ungefähr zwanzig Minuten entfernten Fabrik zu gehen, — dieser Morgenspaziergang war chm bei seiner knappen Zeit unentbehrlich.
Es wurde Magussi weh ums Herz; sie legte das Gesicht auf den rechten Arm, dessen Hand den Fensterriegel umfaßt hielt, um die aufsteigenden Tränen zu verbergen.
Da trat die Mutter hinter sie, sie zärtlich umschlingend.
„Ach, Kind, fühlst du denn nicht, daß Papa es trotz allem doch gut meint?"
„Mit sich selbst, ja!" — .
Magussis weiche Stimmung war verflogen. Sie machte sich los aus der Mutter Arm und ging zu-
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„Ich hatte geglaubt, du seiest vernünftig geworden. In Güte, als ältere Freundin zur jüngeren, habe ich mit dir gesprochen, berechtigte Empörung unterdrückend, — wie ich sehe, vergeblich! Du betrübst mich tief. Ganz energisch befehle ich dir hierzubleiben! Willst du uns unmöglich machen? Voller Entrüstung sprach die Kommerzienrätin, — „ich muß wirklich an deinem Verstand zweifeln. Wie denkst du dir denn alles, — so ohne Geld in die Welt zu gehen, — in den ersten acht Tagen
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„Mama, wir wollen doch unsere Unterhaltung von gestern abend nicht wiederholen. Einmal werdet ihr mich ja doch verlieren. Ob es nun durch Heirat ist oder durch einen Beruf —"
„Das ist ein großer Unterschied. Du sprichst wie ein ganz unreifer Backfisch, handelst auch so und willst bann den Kampf mit dem Leben aufnehmen. 'Nun sei vernünftig und ziehe dich wieder aus. Glaubst du, daß Papa nicht alle Möglichkeiten
rück ins Zimmer, ordnete zwecklos ein paar Bücher, bemühte sich um die Blumen in der Blumenkrippe, schlug auf dem Flügel einige Töne an, — alles in einer großen, inneren Unruhe — und plötzlich war sie aus dem Zimmer. Die bangen Augen der Mutter hatten sie unaufhörlich beobachtet, — was ging in Magussi vor?'
Das junge Mädchen kleidete sich um — ein kurzes, braunes Faltenröckchen mit der dazu paffenden langen Bluse, den Lederhut auf das blonde Haar gedrückt und den weichen, leichten Mantel mit dem Nerzkragen — das ginge zur Reife. Zuerst wollte sie aber zu Lilo Konsilius, um ihr alles zu erzählen. Die Freundin würde sie sicher gleich mit ihrem Wagen nach Leipzig fahren, würde ihr überhaupt in jeder Weise behilflich sein. Und war sie erst bei Lilo, würde keiner sie ins Elternhaus zurückbringen!
Das hatte sie sich in der Nacht als einfachste Lösung ausgedacht. In einen kleinen Coupökosfer hatte sie das Nötigste an Wäsche, sowie zwei Kleider gepackt, um für die ersten paar Tage versorgt zu sein.
Wie schwer der Koffer doch war! Wie er an ihrem Arm zog, obwohl sie ihn erst einige Minuten trug! Sie mußte ihn ein paarmal niedersetzen, bis sie schweratmend unten in der großen Diele anlangte. Solche Anstrengungen war sie doch nicht gewohnt. Und wenn sie alle Kräfte zusammennahm — nimmermehr würde sie mit dem Koffer bis zu Lilo kommen.
„Magussi, willst du uns das wirklich antun?
Frau Bunte, die eben aus dem Wohnzimmer auf die Diele trat, fragte es mit schmerzbebender, vorwurfsvoller Stimme. Sie hatte die Tür offen gelassen; sie forderte die Tochter auf, einzutreten; es war nicht nötig, daß bas Personal Zeuge ber Unterhaltung würbe.
„Selbstverständlich hätte ich mich noch von bir
„Du denkst dir alles viel schlimmer, weil du dich in deinem Eigensinn unglücklich fühlen willst."
«Ich sage nein, Mama! Erspart es eudjr stieß Magussi hervor.
Da sah die Mutter sie groß an, — „wenn bu klug bist, fügst bu bich jetzt. Du kannst bas alles nachher mit Eduard Weiser besprechen unb ihm bie Entscheidung überlassen. Hast bu nicht bedacht, baß bu durch ihn aus Papas Bevormundung kommst?"
„Ja, Mama, du hast recht!" sagte Magussi, „bas ist mir jetzt bie Hauptsache, und das andere wirb sich dann finden."
Wie ein Lichtstrahl waren ihr die Worte der Mutter geworden, und sie dachte: Zeit gewonnen, alles gewonnen!
5. Kapitel.
Im Arbeitszimmer des Kommerzienrats saßen die beiden Herren.
„Wie gesagt, lieber Weiser, niemanden vertraue ich mein einziges Kind lieber an.als Ihnen. Wenn ich einen Sohn hätte, wünschte ich wohl, er wäre wie Sie!"
Der große, schlanke junge Mann mit dem ruhi- gen, sympathischen, energischen Gesicht und den klugen, dunkelbraunen Augen erhob sich aus dem großen Ledersessel, sich halb verneigend.
„Auf eins will ich Sie noch aufmerksam machen: in meiner Tochter romantischem Köpfchen spukt ernsthaft der Gedanke, Sängerin zu werden. Ihre Stimme ist tatsächlich wundervoll. Sie will zur Bühne. Unoerantwortlicherweise haben Freunde sie darin bestärkt. Ich habe gestern abend eine ernsthafte Aussprache mit ihr gehabt. Wollen Sie eine kleine Verstimmung meiner Tochter darauf zurück- führen."
„Meine Liebe soll Fräulein Magussi ihre ehrgeizigen Künstlerträume bald vergessen lassen. — denn mein einziges Bestreben ist, ihr Glück zu geben!" sagte Eduard Weiser in warmem Ton.
Die Augen der beiden Männer ruhten einen Augenblick groß und offen ineinander. Der Aeltere reichte dem Jüngeren bie Hanb.
„Ich weiß es. Unb darum ist mir niemand als Schwiegersohn so willkommen wie Sie. Sie werden viel Nachsicht mit Magussi haben müssen. Sie ist sehr eigensinnig und trotzig; offen unb ehrlich sage ich Ihnen bie größten Fehler meiner Tochter."
Der junge Mann lächelte leicht.
Wenn es keine größeren sind, damit will ich wohl fertig werden."
Der Kommerzienrat nickte.
„Ich will es hoffen! In allen anderen Punkten sind wir uns ja einig. Nach ber Hochzeit treten Sie in meine Fabrik ein, um sich als künftiger Besitzer einzuarbeiten. So kommt mein Lebenswerk nicht in frembe Hänbe. Denn so Gott will, werden eurem Ehebunde doch Kinder nicht versagt bleiben. — Nun kommen Sie, die Damen zu begrüßen!"
(Fortsetzung folgt.)
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