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8.2.1933 Erstes Blatt
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 33 Zweites Blatt

Aus dem Reiche der Frau.

Migräne.

Eine Krankheit vieler Frauen.

Lwn Dr. meb A Bach

Hg gibt Krankheiten, die trotz quälenbster <3r- lcheinungen viel von ihrem Schrecken verlieren, wenn man sie unter dem Gesichtswinkel der Lebensgesährdung betrachtet. Hierzu gehören a. ch die Migräne-Anfälle, die vielfach de.artig fcitig au,treten, baß die Kranken für die Dauer des Anfalls völlig arbeitsunfähig sind. 3n einem dunkeln Zimmer, auf der Chaise­longue, auf dem Bette, unbeweglich liegend, fern allen Geräuschen warten die Bedauerns­werten das Ende des Anfalls ab, das häufig in einem tiefen Schlaf besteht. Aach dem Erwachen sind all.' Störungen vorüber bis zur nächsten Attacke, älnd trotz der immer wiederkehrenden Qualen und obwohl der ganze Körper in Mit­leidenschaft gezogen ist, dürfte dennoch bie M> grüne kaum jemals als lebensverkürzend gelten.

Wie z. D. die Gicht vorwiegend die Männer befällt, so ist die Migräne als Krankheit der Frau zu bezeichnen. Charakterisiert ist das Leiden durch den anfallsweise auftretenden halb­seitigen Kopfschmerz, meist in der Gegend über dem Auge und der Nasenwurzel, mitunter mehr am Hinterkopf empfunden, ein andermal mehr im Innern des Schädels sitzend. Oft ist die be­fallene Seite des Gesichtes gerötet und mit Schweis)perlen bedeckt. Die Bindehaut des Auges scheint entzündet, die Tränenabsonderung ist ver» mehrt. Es kommt jedoch auch ab und an vor, daß sich das Leiden auf beiden Seiten zugleich als StirnkoPfschmerA zeigt. Mit dem Kopfschmerz geht meist noch eine Reihe anderer störender Erscheinungen einher. Bekannt sind die tan­zenden Pünktchen, das Flimmern vor den Augen, Klingen in den Ohren und Geruchsveränderun- &Auch der Berdauungsapparat wird in Mit- nschaft gezogen; von der Appetitlosigkeit, der belegten Zunge bis zur Llebelkeit, heftigem Erbrechen und Durchfällen. Kein Wunder, das) die Kranken im Anfall das größte, oft unbezwing- liche Bedürfnis nach absoluter körperlicher und seelischer Ruhe haben. Die schwersten Formen der Migräne werden auch von psychischen Ver­änderungen, wie starke Reizbarkeit und depressive Stimmung, begleitet. Bei einer Reihe von Mi­gränekranken gehen dem eigentlichen Anfall ge­wisse Allgemeinerscheinungen wie Schwindel­gefühle, Frösteln usw. voraus.

Leider ist die Frage, worauf diese merkwürdige Krankheit beruht, noch nicht befriedigend zu be- anttoorten. Da die Migräne oftmals zur Zeit der Pubertät beginnt, um mit den Wechsel­jahren zu 'verschwinden, so liegt der Gedanke nahe, daß innige Beziehungen zwischen dem Leiden und den Keimdrüsen bestehen. Das gar nicht selten familiäre Vorkommen deutet weiterhin noch auf einen Erblichkeitsfaktor hin. Auch Ernährungsmomente scheinen in einer Ein­zahl von Fällen eine Rolle zu spielen: erlebt man es doch mitunter, daß der Genus) bestimmter Speisen immer wieder und wieder Migräne- a ta ten auslösen. Die Tatsache, daß vorwiegend Ge.stesarbeiter an Migräne zu leiden haben, muh vielleicht dahin bewertet werden, daß der Beruf unter Umftänöen einen anfallauslöfenden Einfluß auf entsprechend disponierte Menschen ausüben kann. Sonst ist alles graue Theorie: hier soll nur noch die eine Auffassung über die Entstehung der Migräne erwähnt werden, nach der das Leiden auf Gefäßkrämpfen beruhen soll.

Die Behandlung der Migräne muh zwei Ziele verfolgen: die Linderung des Anfalls selbst und die Bekämpfung der Anfallsbereitschaft.

Deutsche Nadelkunst.

Don Frei'n Hedwig von Oobeneck, Bad Warmdrunn.

Wie Perlen und Brillanten, sind A a d el- spitzen (points) die schönste Zierde der Frauen­kleidung. Von Generation zu Generation ver­erben sie sich oft als kostbarer Besitz, der gehütet und gepflegt wird. Vermag doch durch sie oft ein ganz schlichtes Kleid zu einem Festkleid um» getoanöelt zu werden. Mancher mag einwenden, daß in der jetzigen Zeit die Anschaffung für die deutsche Frau au kostspielig fei. Immer noch werden aber von Reisen nach Italien, Belgien oder Frankreich viele Spitzen mitgebracht und voll Stolz im Freundeskreis gezeigt. Dabei wird ganz vergessen, daß diese so bewunderten Spitzen auch in der Heimat, vornehmlich in Schlesien, hergestellt werden, in derselben Technik, in der­selben Feinheit und von Händen, die über die gleiche Geschicklichkeit berfügen.

Als die Weberei im Riesengebirge nach der Erfindung des mechanischen Webstuhls so bar» niederlag, daß die Handweber sich nicht mehr das Salz zum Brot verdienen konnten, und das Elend so groß wurde, wie es Gerhart Hauptmann in seinem SchauspielDie Weber" so packend bargestellt hat, lieh König Friedrich Wilhelm IV. Den Preußen belgische Spitzennäherinnen kom­men. Diese unterrichteten bie Frauen unb Mäb- chen in ben Dörfern in ber feinen Radelkunst, aufbauenb auf bie Fertigkeit, bie biefe bereits hatten unb in ihrer Tracht bei ber Ausschmückung ihrer Brusttücher unb Schürzen zum Ausdruck brachten. Diese Lehrerinnen hatten halb einen großen Zulauf, unb aus ben bescheibenen An­fängen entwickelte sich eine blühende Industrie, die sich übet die Grenze nach Böhmen ausbreitete.

Der Wert einer Aadelspitze läht sich am besten aus der Art der Herstellung erkennen. Mit einem haarfeinen Faden näht die Heimarbeiterin auf einem schwarzen Papiermuster, auf dem die Kon­turen des Musters vorgestochen sind, die Flächen mit verschiedenartigen Stichen aus, nachdem sie zuvor durch Ausnähen einiger Fäden bie Kon­turen des Musters umrissen hat. Ist die Spitze vollständig ausgefüllt, so werden die Konturen nochmals durch Auflegen mehrerer Fäden mit Langettenstichen umschnürt, so daß das Muster sauber unb plastisch hervortritt. Die Spitze, bie nur in kleinen Stücken hergestellt wirb, um bi« Sauberkeit nicht zu gefährden, muh vom schwor-

Währenb der Attacke kommen die unzähligen schmerzstillenden Wittel in Frage: In Verbindung mit heißen Handbädern, Fußwechselbädem, elek­trischer Wärmeapplikation unb bergleichen. Viel­fach werben Arbeitsunterbrechung, Bettruhe, Der- dunklung des Zimmers unb Fernhaltung von Geräuschen erforberlich sein. Die Herabsetzung ber Anfallsbereitschaft wirb man burch eine gesunbheitliche Lebensführung zu erreichen suchen. Keinen Kaffee, keinen Tee, kein Aikotin, keinen Alkohol in ber unfallfreien Zeit: bie Kost mög­lichst reizlos, wenig Fleisch, viel Obst unb Ge­müse, salz» unb gewürzarm. Ob bie sogenannte Gersonsche Diät sich bei Migräne bewähren wirb, bleibt noch abzuwarten. "Nahrungsmittel, bie bei bem einen ober anberen Migränekranken erfah­rungsgemäß Anfälle auslösen, müssen natürlich vermieben werben. Die Umgebung sollte ben

Wigränekranken Aufregungen nach Möglichkeit fernhalten. Auf geregelte Lebensweise ist größter Wert zu legen.

Ein Milieuwechsel, eine Erholungsreise be­günstigt bisweilen eine Herabminberung in ber Zahl unb Schwere ber Anfälle. Unb schließlich wirb man bei manchen Frauen, bie an Migräne leiben, bie Anfallsbereitschaft burch kleine Brom- gaben unb anderen Beruhigungsmitteln na­türlich nur unter Aufsicht des ArzteS I herab- sehen können, so daß bie Anfälle zum minbeften leichter verlaufen.

Ein Trost aber verbleibt all ben auch an schweren Formen ber Migräne leibenben Frauen, bah nämlich mit zunehmendem Alter die Anfälle milder und seltener aufzutreten pflegen, um schließlich gänzlich auszubleiben.

zen Papier abgetrennt werden. Di« Teile wer­den in ber Werkstatt von geübten Hänben zu Kragen, Meterspihen, Taschentü­chern usw. zusammengefügt. Auf biefe Weis« werben alle Spitzen hergestellt, bie unter ben ge­läufigen, leiber heute noch ausländische^ Ramen: Brüsseler points, Venice unb Reticella im Han­del sind. Iede Art hat eine traditionell« Mu­sterung, von der die schlesische Spitze sich frei­zumachen gesucht und dadurch einen eigenen Typ entwickelt hat, der demneuzeitlichenKunst- empfinden angepaht ist. Die einzelnen wer­den unauffällig gekennzeichnet. So tragen die größeren und kostbaren in den Spihenschulen ber Fürstin von Pleß in Bab Warmbrunn im Riesengebirge hergestellten Spitzen ein kleines, fürstliches Krönchen, bas irgendwo im Muster versteckt angebracht ist.

Mit Rabe! unb gaben werben kleine Kunst­werke geschaffen, bereu Wert ben Preis des Ma­terials um bas Hundertfache übersteigt, eine Veredelung, die nur aus der Hände Ar­beit ersteht. Geld, ist dadurch in das Gebirge geleitet worden unb hat seinen Landbewohnern, bie so hart bem kärglichen Boben bie Erträg­nisse abringen müssen, geholfen, bie ererbte Scholle zu halten. Darum soll bie beutsche Frau wissen, baß bie im Riesengebirge hergestellte Dabeispitze jeber ausländischenvoll- auf gleichwertig i st, unb baß sie einer Inbustrie. bie burch bie Schwere ber Zeit voll­kommen bamieberliegt, burch ben Ankauf beut* scher Spitzen toieber aufhelfen kann. Damit würbe sie bie Einfuhr auslänbischer Spitzen brosseln unb zur Behebung ber Deutschen Arbeitslosigkeit bei­tragen.

Anregungen zu einem Damentee.

Don Brigitte.

Jede Frau hat wohl ein paar Freundinnen oder Bekannte, die sie gelegentlich für einen Nachmittag zu sich einlädt. Was hat man zu tun, um diese Plauderstunbe möglichst reizvoll zu gestalten? Es ist gar nicht schwer, es gehört nur ein bißchen Um­sicht unb Liebe zur Sache dazu. Scheinbare Klei­nigkeiten sind wichtig. Man sorge für einen gut- gelüfteten, behaglichen Raum und decke den Tisch jo reizend wie möglich mit dem besten Geschirr unb ein paar Blumen. Kindergeschrei unb sonstige Stö­rungen halte man unbebingt fern. Wenn die Gäste kommen, muß alles fertig fein.

Frauenarbeit in der Siedlung.

Ein Einblick in Wesen und Aufgaben der modernen Siedlungsgemeinschaff.

Don Dr. Her.ha Siemering, Berlin.

Jeber, der mit Volkserziehung zu tun hat, gleich­viel auf welchem Spezialgebiet, hat gegenwärtig ben lebhaften Wunsch, durch eigenen Augenschein einen Eindruck vom Sieblungsme|en, vom Leden ber Menschen in ber Siedlung zu gewin­nen. Auch von ber Jugendpflege her richten sich viele Blicke unb Hoffnungen auf biefes Feld naturnaher Tätigkeit, das wenigstens für einen Teil ber Heranwachsenden Generation, soweit sie mutig und ausdauernd ist, einen Ausweg aus der Er­werbslosigkeit in ein arbeitsreiches Leben zu ver­heißen scheint. Wer um bie Pflege der weiblichen Jugend bemüht ist, der hat besorweren Anlaß, sich um ben Verlauf dieses Ausweges zu bekümmern, sich über feine Schwierigkeiten und Krümmungen zu unterrichten, weil eine fast schon banale Wahrheit das Gedeihen des Siedlungswesens in erster Linie von den Frauenkräften abhängt, die dort eingesetzt werden. Die Jugendpflegerin muß wissen, wie sich das Leben der Frauen unb Mädchen in ber Siedlung gestaltet, einmal um der Mädchengeneration, bie heute dort heranwächst, von der Jugendpflege aus bie erforderliche Hilfe zu leisten, zum anderen, um soweit sie bas ver­mag bie weibliche Jugend auf ihre Aufgaben als Sieolerfrau vorzubereiten. Erwägungen solcher Art gaben den Anlaß zum Besuch ber unweit von Stettin gelegenen Sieblung L

Heber die Oder ging die Fahrt, burch schöne Wal­dungen, vorüber an den gesegneten Feldern des Pnritzer Weizackers". In der Kreisstadt gab es einen kurzen Besuch bei der Mädchenklasse der Landwirtschaftlichen Schule, an deren hauswirt­schaftlichem Kursus gerade einige Siedlertöchter tcilnehmen. Dann führte uns bie Chaussee burch weites, welliges Land, unb schließlich bog der Wa­gen in einen sandigen Landweg ab, eine Anhöhe hinauf, über die ein eisiger Wind strich. Oben waren Arbeiter tätig, um die Straße vor Einbruch des strengen Winters zu befestigen. Unb schon waren wir mitten in ber kleinen Sieblung. Rechter- hanb ein Gasthof, weiterhin zu beiben Seiten der Straße bie gleichmäßigen weiträumig angelegten Bauerngehöfte: Wohnhaus, Scheune, Stallgebäude umgeben bei jedem dieser Anwesen ein breites Viereck, das Platz genug bietet für künftige Aus- unb Anbauten. Ein Garten gehört zu jebem Gehöft. Aber in dieser Jahreszeit wirken die neuen An­lagen kahl unb öde. Die gepflanzten Obstbäume sind noch ganz ganz klein unb müssen ihr Dasein erst behaupten. Hier gräbt ein Mädchen ein Stück ab- geerntetes Kartoffelland um; dort steht ber letzte Grünkobl in lanacn Strünken. Bei ber ersten Stelle,

die wir besuchten, ist im Sommer ein Teil ber Ge­bäude, darunter bie große Scheune, mitsamt ber reichen Ernte abgebrannt. Die auf normale Jahre berechnete Versicherungssumme bietet keinen zu- reichenben Ersatz für ben Segen dieses letzten Som­mers, und bie Besitzer klagen, daß sie sich in ber großen Hitze umsonst geplagt haben. Aber sie finb keineswegs entmutigt. Em paar Maurer, erwerbs­lose Bekannte aus Berlin, haben ben Männern geholfen, bie unentbehrlichsten Baulichkeiten noch vor bem Frost unter Dach zu bringen. Der Schup­pen, auf dessen kahlen Fundamenten ein paar ver­kohlte Ackergeräte herumliegen, soll erst später wieder aufgerichtet werden. Das Hühneroolk hat vorläufig im Hause einen Unterschlupf gesunden.

Die Frage, aus welchen Quellen bie Erträg­nisse ber Siedlerwirtschaft fließen unb bie andere, auf welchen Erzeugnissen bie Ernäh­rung der ©ieblerfamilie beruht, finb von befonberem Interesse. Wir gehen daher bei unseren weiteren Besuchen zuerst burch bie Stallungen. Kühe unb Kälber finb vorhanden, auf dem letzteren Gehöft sogar in ziemlich großer Zahl. Ueberall gibt es Ferkel in jeder Größe, dazu Säue und Mastschweine. Denn Ferkel und Schweine bilden den Hauvthandelszweig der Siedler, eins der we­nigen Mittel, um bares Geld für Betrieb und Haushalt herein zu bekommen. Dem gleichen Zweck dienen die Eier, Die von Händlern aufgefauft wer­den. Deshalb werden Anlage und Zustand des Hühnerstalls von unserer fachkundigen Begleiterin auf jedem Hof einer besonderen Prüfung unter­zogen. Auch der Roggen wird teilweise verkauft: Gemüse dagegen zieht man nur für den eigenen Bedarf, die Verkehrslage ist zu ungünstig, um es abzufetzen. Schweinefleisch, gelegentlich auch ein Hulm bilden zusammen mit diesem Gemüse, mit Milch und Eiern die Nahrung der Siedler.Wir können wenigstens nicht verhungern, wie die Ar- beitslofen in der Stadt", sagen sie. Mit dem Be­zahlen der Rente sieht es nach dem Bericht des Gemeindevorstehers freilich trübe aus. Der Haus­rat der Siedler in L. ist äußerst bescheiden, z. T. geradezu dürftig, wie das im ganzen Osten üblich ist. Küche und Wohnräume liegen im Erdgeschoß des Hauses, der geräumige Dachboden enthält noch einige Kammern, in denen die erwachsenen Kinder schlafen. Der Dachboden bietet auch Raum für mancherlei Vorräte: Räucherwaren, Bettfedern usw., wie sie die Landfrau aus ber Wirtschaft gewinnt.

Diese Siedlungen sind ausschließlich auf die Ar­beitskräfte der Siedlerfamilie gestellt. Man muß

Was man anbietet, hängt von ben verschiedenen Verhältnisse ab. Oberstes Gesetz ist, daß alles wirk­lich gut ist. Das heißt keinesfalls, daß man nur die teuersten Sachen kaufen muß. Schon für sehr wenig Gelb kann man seine Gäste gut bewirten. Reicht man Kaffee, muß er stark sein. Man achte stets darauf, daß bie Getränke wirklich heiß sind.

Für sogenannte Sandwiches habe ich einige preis­werte Rezepte, die ausprob ierf finb unb meinen Gästen immer ausgezeichnet geschmeckt haben. Ich hacke zwei Eier unb einen gewässerten Hering sehr fein unb schmecke die Masse ab mit Pfeffer, Salz, etwas Senf, einer Prise Zucker, etwas Oel unb einer Messerspitze Safran. Hiermit bestreiche ich Dünne gebutterte Weißbrotschnitten etwa messer­rückenbreit. Dieses Rezept ist sehr pikant unb aus­giebig. Ein anderes Rezept ist folgendes: Ich wiege Thomaten, gebe Salz unb Pfeffer dazu und belege bamit bie gleiche Anzahl Schnitten. Als Drittes werben recht grüne eingelegte Pfeffergurken zer­kleinert und damit der Rest ber Schnitten belegt. Dann ordnet man bie Brote nach Farben auf einer Platte an, garniert mit etwas Petersilie unb Zitro­nen unb hat eine reizend aussehenbe, geschmack­volle Schüssel. Die Sandwiches haben außerdem noch den Vorzug, daß sie ben Gesetzen ber Schlank­heit entsprechen.

Kuchen wirb heute von den meisten Frauen weniger als früher gegessen. Erfolg hatte ich stets mit frisch gebackenen Waffeln. Sie finb schnell ju- bereitet und nicht teuer. Ein Rezept dafür findet man in jedem Kochbuch.

Um eine angeregte Unterhaltung entstehen zu lassen, kann man ein paar allgemein fesselnde Themen vorher aussuchen und unmerklich zur Dis­kussion stellen. Hat einer ber Gäste etwas Inter­essanteres zu sagen, läßt man bie vorbereiteten Themen natürlich fallen. Die Hausfrau muß so heiter und liebensroürbig sein wie nur möglich. Unter keinen Umftänben darf sie über ihre Sorgen sprechen. Sie soll vermeiden, daß man sich über abwesende Personen unterhält. Wird ein Abwesen­der angegriffen, sei man sehr konsequent unb lehne jede persönliche Aeußerung ab. Geht's einmal wirk­lich nicht anders unb man wirb um feine Mei- nung befragt, fei man gütig unb schütze den Ab- wesenben, auch wenn man nicht unbedingt von ihm überzeugt ist.

Ob man seinen Gästen später Obst, Süßi^eiten unb Alkohol anbietet, entscheidet wieder Das Porte­monnaie. Glückt so ein Nchmittag einmal besonders gut unb bleibt man über bie sogenannte Abend- vrotzeit noch eine Weile zusammen, serviere ich schnell Kartoffelsalat (den ich vorbereitet halte) und

Mittwoch, 8. Februar 1933

sich gehörig plagen, um durchzukommen, und fremde Leute können nicht bezahlt werden. Deshalb so werden wir belehrt ist das wirtschaftliche Ge­deihen der einzelnen Siedlerstelle abhängig von dem sog. Familienbesatz, d. h. von der Summe an Arbeitskraft und -sahiakeiten nach Le- bcnsalter und Geschlecht ihrer ©lieber, die die Fa­milie als Wirtschaftseinheit in ihrer jeweiligen Zu­sammensetzung barftellt. Die Zusammenhänge von Familienbesatz" und Rentabilität werden neuer­dings betriebswirtschaftlich untersucht. Die Arbeits­zeiten der Frauen in Haus und Stall, in Garten und Feld sind regelmäßig länger als die der Man- ner. Bestimmte Pflichten spannen die Kinder früh­zeitig in den Betrieb ein. In L. besuchten wir eine Stelle, in der Mann und Frau, ältere Leute, be­reits allein sind, der Famillenbesatz also sehr un­günstig ist. Auf anderen Gehöften sind erwachsene unb Heranwachsende Söhne und Töchter in aus­reichender Zahl vorhanden. In einem wird die Kraft der ältesten Tochter für die Wirtschaft so wenig gebraucht, daß sie durch Schneiderarbeit für Lohn bares Geld ins Haus schaffen kann. Ein be­sonders günstiger FallI Im Winter haben die Mäd­chen im allgemeinen reichlich Zeit, die sie bisher oft mit wenig nützlichen Handarbeiten zubrachten. Jetzt sorgt die Landwirtschaftskammer dafür, daß die alten W e b st ü h l e wieder in Gang gesetzt werden. Da solche Produktion von Markt und Marktpreis völlig losgelöst unb eine rentablere Verwertung ber örtlich gebundenen weiblichen Arbeitskräfte in der landwirtschaftlich stillen Jah­reszeit nicht in Frage kommt, so lohnt es sich schon, die Hauswäsche, dauerhafte Schürzen und Woll­rocke selbst zu weben. In Verbindung mit der We­berei sucht man den Geschmack zu bilden.

Besonders belastet sind die Frauen im Sommer, wenn überall die Arbeit drängt. Da haben die Mütter keine Zeit für ihre kleinen Kinder, die ün äußersten Notfall einfach ins Bett gesteckt werden und körperlich unb geistig in der Entwicklung zu- rüaoleiben. In den letzten zwei Jahren hat man versucht, die Kleinen in Erntekindergärten zu sammeln. Bei Spielen und Liedchen sind Ge­schicklichkeit und geistige Fähigkeiten schnell erwacht. Aber der Kindersegen wird in den Siedlungen ein­geschränkt, deshalb sind Helferinnen, die die jungen Mütter in der Wirtschaft entlasten, beson­ders notwendig. Die ärztliche Versorgung der Siedler läßt noch viel zu wünschen übrig.

Dor einigen Monaten hatte in L. ein Wander- Haushaltungskursus stattgefunden, an dem fast alle Siedlertöchter zwischen 15 unb 25 Jahren teilge- nommen hatten. Jetzt wollten sie ben Besucherin­nen ihr Können beweisen und hatten sich deshalb aus eigenem Antrieb zusammengetan, um im Gasthof ein Mittagessen für uns zu kochen. Ein paar Hühner, Gemüse unb Obst hatten bie Mäd­chen aus den eigenen Wirtschaften gufammengetra- gen. Aus ihren Schätzen hatten die Mütter das Eßgerät der Gastwirtin ergänzt. Auf dem Tisch, den die Mädchen für sich und uns gedeckt hatten, fehlte es nicht an Blumen. Und nun standen sie da tn ihren blauen Lehrgangskleidern, um uns zu begrüßen und mit uns ihre Kochkunstwerke zu ver­zehren. Dabei waren sie frisch und unbefangen im Gespräch, erzählten von der eigenen Arbeit und von den Ereignissen in der elterlichen Wirtschaft. Die Siedler in L., lebendige und aufgeschlosfene Men­schen, stammen zum größeren Teil aus Nieder­sachsen, nur wenige Ostdeutsche von Geburt find darunter. Es sind Verdrängte aus dem alten An- ficblungsgebiet ber Provinz Posen, bie jetzt in Pommern zum zweiten Mal eine Heimstätte auf­bauen. Wagemutige Kolonisten, [elbftänbige Bauern, die an Arbeit und nochmal Arbeit gewöhnt find. Und doch bedürfen auch sie der bindenden Kräfte, um mit dem neuen Boden zu verwachsen. Hier liegen große Aufgaben für Kirche, Schule und Jugendpflege.

warme Würstchen. Diele Frauen kommen Direft von der Arbeit, haben flüchtig oder gar nicht zu Mittag gegeben unb verspüren Hunger. Ein improvisier­tes Essen wirb stets mit Freuide und Hallo begrüßt, wenn es noch so einfach ist.

Gibt man sich bi« Mühe, seinen Gästen dieStun- den. Die sie bei einem verbringen, in jeder Weise behaglich unb anregenb zu gestalten, wird man einen vollen Erfolg haben unb sich und den ande­ren viel Freude bereiten.

Die praktische Hausfrau.

Haltbarkeit Der Strümpfe. Seidene Strümpfe halten um fo länger, je öfter man sie wäscht. Abends in Seifenschaum DurchgeDrückt, in Essigwasser gespült, finD sie morgens wie neu und halten länger, Da sie immer weich unD elastisch finD.

Feine Wäsche stopft man am besten, in­dem man Die schadhafte Stelle mit Seidenpapier unterlegt und mit Der Maschine kreuz unD quer Darüber hinwegnäht. Bei Der Wäsche lost sich Da» Papier auf, unD Die Stopfstelle ist nach Dem Bü­geln kaum zu erkennen.

Brüchige Lackschuhe. Fangen Lackschuhe an, brüchig zu werden, so spanne man sie auf einen Leisten unb reibe die Stellen wiederholt mit Eiweiß ein. Eiweiß macht Den Lack toieDer ge- schmeidig. Man kann auch mit einem Stückchen Hartwachs, Das man in DrogenhanDlungen zu kaufen bekommt, Die brüchig geworbenen Stellen bestreichen: Der Erfolg ist Der gleiche. Mit einem wollenen Lappen oder besser noch mit einem wei­chen LeDerläppchen reibt man Die Schuhe wieder blank.

Einbrennen von Speisen. Ist eine mehlhaltige Speise ungebrannt, so rühre man nicht darin, sondern nehme den Topf schnell vom Feuer und setze ihn in ein Gefäß mit kaltem Was­ser, dadurch verschwindet Der brenzliche Geruch sofort. Dann schütte man den Inhalt in einen reinen Topf unD koche Die Speise fertig, jeDoch unter beftänDigem Rühren. Bei anberen Speisen, bie stark angeorannt finb, hüte man sich vor Zu­gabe von Wasser unb Ämrühren. Man schöpfe vielmehr bie nicht angebrannten Teile Der Speise vorsichtig in einen anderen Topf, Dessen BoDen vorher mit etwas Fett ober Wasser bebeckt würbe.

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