Deutschland appelliert an einen besseren Völkerbund.
Reichsaußenmimster Freiherr von Reuraih fordert neue Methoden ats Mittel einer wahren Zusammenarbeit gleichberechtigter Völker.
Berlin, 6. Noo. (WTB) Im Deutschen Club hielt Reichsauhenminister Freiherr von Neu« rath einen Vortrag, in dem er u. a. ausführte: Die für die Zukunft unseres Landes entscheidende Frage, zu deren Beantwortung das deutsche Bolt für den nächsten Sonntag aufgerufen worden ist, hat ihre nächste Ursache in der Entscheidung der Reichsregierung über den Austritt Deutschlands aus Abrüstungskonferenz und Dälkerbund. Es wäre aber ein völliger Irrtum, wenn irgend jemand im Inland oder Ausland glauben wollte, daß es sich hier um eine Fr^ge handele, die nur durch plötzliche Wendungen der Politik oder durch taktische Erwägungen veranlaßt worden wäre und die sich in der Stellungnahme ö" einem ad- gegrenzten Einzelproblem erschöpfte. Der Aufruf der Reichsregierung an das deutsche Bolk vom 14. Oktober zeigt, daß es d i e G r un d a g e n u kl- se r e r gesamten Außenpolitik sind, die jetzt zur Entscheidung stehen und daß es auf den einmütigen Entschluß von Dolk und Regierung an» kommt, der Welt einen ganz neuen Aus» gongspunkt für die kommende Entwicklung der internationalen Beziehungen zu Zeigen. Der fierr Reichskanzler hat in feinen großen Reden der letzten Wochen die wahren historischen Ursachen an» gegeben, die weit zurückreichen, nun schließlich zu unserem Fortgang von Genf geführt haben.
Der Versuch, unseren Entschluß als eine Politik der Verärgerung ober als eine Politik der Angst vor Genfer Kritik hinzustellen, ist zu lächerlich und einfältig, als daß ich es nötig hätte, ihn noch besonders zu entkräften. Natürlich gehört zur Stimmungsmache gegen Deutschland auch der unhaltbare Vorwurf,' daß wir es angesichts des klar zutage tretenden Widerstands aller großen Mächte gegen eine Aufrüstung Deutschlands darauf angelegt batten, die Genfer Abrüstungskonferenz zu sabotieren, um uns allen durch die Genfer Politik bedingten Hemmungen zu entziehen und die Hände für eine schnelle Aufrüstung frei zu bekommen. Diese Ent- stellung unferer Ansichten ist nichts anderes als die alte Verdrehung der wirklichen Sach- und Problemlage auf der Abrüstungskonferenz.
Die Krise des Völkerbundes ist nicht etwa durch den Austritt Deutschlands verursacht worden. Man verhieß im Jahre 1919 den kriegsmüden Völkern einen dauernden und gesicherten Frieden der Gerechtigkeit und schuf in Mahr - Helt einen Zweckverband, dessen vor- nehmstes Ziel nach Absicht seiner wichtigsten Mitglieder die Verewigung der in Versailles gewonnenen Machtposition und die dauernde Niederhaltung der Besiegten sein sollte. Der Völkerbundspakt ist nicht nur äußerlich zu einem VestandteU des Versailler $ t) f( e m e gemacht worden. Er hat von Anfang an auch in n e r l i ch au« diesem System al« seinem eigentlichen Fundament bestanden. So wurde er mit dem Grundübel des Versailler Vertrags behaftet, der die damals den Regierungen gestellte welthistorische Aufgabe u n - gel öst gelassen hat, nämlich die Aufgabe, das zerrüttete Europa in vernünftiger und lebensfähiger weise wieder aufzubauen.
Trotz aller ernsten Bemühungen, trotz aller zähen Arbeit der deutschen Vertreter, ist der Völkerbund im Grunde das geblieben, was er vor dem Eintritt Deutschlands war. Sie kennen alle das trübe Kapitel des Schutzes der Minderheiten, das seinerzeit bei der Diskussion der Frage des deutschen Eintritts mit Recht eine Io große Rolle gespielt hat. Die Sarge für das Schicksal der völkischen Gruppen, die durch die Grenzziehungen von 1919 von ihrem Volksstaat getrennt wurden, war eine politische Ausgabe erster Ordnung für den Völkerbund. Will jemand ernstlich behaupten, daß er dieser Ausgabe auch nur im entferntesten gerecht geworden wäre? Seit dem Bestehen des Völkerbunds sind den Minderheiten rund 7 7 0t) Schulen und rund 2700 Kirchen genommen, sind ihnen rund 11 Millionen Hektar Grund und Boden enteig- n e t worden. Mit welchem Weitblick die Vertrags- Redaktoren von 1919 dafür gesorgt haben, daß auch ein später zum Völkerbund zugelassenes Deutschland der Durchführung der Versailler Bestimmungen nicht gefährlich werden konnte, dafür ist cs bezeichnend, daß die Entscheidungen über Saarfragen -vom Völkerbundsrat nach ausdrücklicher Bestimmung des Vertrags mit einfacher Mehrheit getroffen werden können, daß Deutschland also auch als Ratsmacht nicht im- stande wäre, eine für uns unannehmbare Lösung durch sein Veto zu verhindern. Bei dcn Bestimmungen über Oe st erreich hat man dagegen wohlweislich davon abgesehen, eine solche Ausnahme oem Prinzip der Einstimmigkeit zuzulassen, da das ja unter Umständen für die Verewigung der Versailler Regelung hätte gefährlich werden können. Was nützt es, in Worten und Reden auf die Gleichberechtigung Deutschlands im Völkerbund hinzuweisen, wenn schon die Vertrags- gründ läge der Institution in so wichtigen (tragen mit der wirklichen Ausübung der Gleich- bcrechtigung in flagrantem Widerspruch steht.
3n vielen Denkschriften und Reden haben die deutschen Vertreter dargelegt, durch welche Mittel und Methoden die internationale Rechtsordnung ausgebaut und zum praktisch brauchbaren Jnstru- mcnl g e ft a 11e t werden könnte. Da» ist immer wieder an der Stellungnahme derjenigen Mächtegruppe gescheitert, deren Ziel e, war und blieb, Im konsliktsall der Anwendung der eigenen militärischen Machtmittel die moralische Deckung durch den Völkerbund zu verschaffen, ihr auf kriegerische Intervention abgestellte» Bündnissystem zu legalisieren und so die ganze v ö l k e r b u n d » m a s ch t n e r i e zu einem Hilfsmittel der Politik de» statu» quo zu machen. Richt» ist lehrreicher, al» wenn man die langen viel verschlungenen Texte von Gens z. B. mit dem Kellogg-Pakt vergleicht, der in seiner einfachen und klaren Ge- dankensührung ein eindrucksvolle» und wirksame» Friedensinstrument darstellt.
Völkerbund nicht
Da» Ziel, das sie mit Ihrem Entschluß verfolgt, ist nicht, der Friedenspolitik den Rücken zu kehren, sondern im Gegenteil, einer wahren und fruchtb aren Friedenspolitik einen neuen Impuls zu geben. Sie hofft mit ihrem Schritt, wenn nicht dem Genfer Völkerbund, so doch dem wahren Völker- bundsgedanken einen Dienst zu erweisen. Sie appelliert von dem bestehenden Völkerbund an einen besseren Völkerbund. Die Erfahrung hat bewiesen, daß da» Genfer Völkerbundsverfahren kein geeignetes Mittel ist, die
Es war nichts neues, daß der Dölkerbundsmecha- nismus in den Abrüstungsverhandlungen stets den machtpolitischen Druck nachzu- geben und in der Richtung weiterzuleiten suchte, wo man den geringeren Widerstand zu finden glaubte, in der Richtung auf Deutschland. Der Unterschied gegen die Behandlung früherer Fragen besteht nur darin, daß es dieses Mal nicht mehr möglich war, die starke Diskrepanz der Auffassun- gen und Ziele durch Worte oder Scheinlösungen zu verkleiden. So ist gekommen, was kommen mußte.
Man wird meine Ausführungen als eine Anklagerede gegen den Völkerbund bezeichnen. Der Völkerbund ist ja kein Gebilde, das die Wurzeln seiner Kraft in einem eigenen Boden hätte. Er ist letzten Endes nur ein Verfahren, nur eine p o - litifche Methode, deren sich die ihm ange- hörenden Mächte in dem einen oder anderen Sinne bedienen können und deren Erfolg von dem politischen Willen dieser Mächte abhängt. Die Politik Der uns gegenüber st ehenden Großmächte ist es also, die mit jeder (Erörterung der Dölkerbundsfragen zur Diskussion gestellt wird. Aber auch die er Politik der Großmächte tritt die Reichsregieruna durch ihren Entschluß zum Austritt aus Abrüstungskonferenz und Völkc mit einer bloß negativen Kritik entgegen.
au» Versailles herruhrendeu politischen Spannungen zwischen den europäischen Mächten ;n beseitigen. Diese Erfahrung zwingt dazu und muh dazu führen, daß jetzt andere Methoden angewandt werden, bei denen es am guten willen der beteiligten Regierungen nicht fehlt. Erst wenn es gelungen ist, das Feld der europäischen Politik zu bereinigen, daß sich die führenden Mächte wirklich auf prtn- zipiell gleichem Fuß gegenüberstehen, kann mit Aussicht auf Erfolg der versuch wieder aufgenommen werden, im Rahmen einer weltumfassenden Organisation an die gemeinsamen Ausgaben der Völker heranzugehen.
Das ist der Sinn de« Aufrufs, zu dem sich das deutsche Volk durch die Abstimmungen des nächsten Sonntags bekennen soll. Aufs neue und schärfste weisen wir die böswillige Verdächtigung zurück, daß es sich für Deutschland um nichts anderes handele, als darum, soundsoviel Kanonen, Flugzeuge und Tanks zu bekommen. Was wir wollen, ist etwas ganz anderes. Wir wollen, daß der Zustand aufhört, den man nur als eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln bezeichnen kann, daß die Unterscheidung von Völkern zweierlei Rechts beseitigt wird und daß sich die Regierungen jetzt wirklich zu einer Zusammenarbeit entschließen, an der alle Länder aufrichtig teil- nehmen können, well dabei nicht einseitige, sondern gemeinsame Ziele verfolgt werden. Es Ut ein ernster Wendepunkt. Mögen die fremden Regierungen im Bewußtsein ihrer Verantwortung in die Hand einschlagen, die wir ihnen zur Verständigung entgegen- strecken. Unser Dolk aber muß am kommenden Sonntag der Welt zeigen, daß unser neuer Appell an das Weltgewissen von dem festen Willen aller guten Deutschen getragen wird.
Welche Verbindungen liefen von den Bulgaren zur KPD.
Berlin, 6. Nov. (WTB.) Im Reichstagsbrand- stifterprozeß wird als erster Zeuge Polizeipräsident Heines- Breslau vernommen, der aus Italien zurückgekehrt ist und nachträglich zu den im Braunbuch gegen ihn erhobenen Dorwürfen aussagt. Die Angestellten des Hotels „Haus Oberschlesien" in Gleiwitz hatten bereits als Zeugen bekundet, daß Heines zur Zelt des Reichstagsbrandes In Gleiwitz geweilt hat. Polizeipräsident Heines bezeichnet die Behauptungen im Braunbuch als unglaubliche Lügen. Er sei vom Samstag, den 25. Februar, bis Dienstag, den 28. Februar, ständig in Gleiwitz gewesen, was auch aus den Berichten und Photographien in der Gleiwitzer Zeitung her- vorgeye. Er habe mitdemReichstagsbrand in keiner Weise etwas zu tun. Als der Zeuge sagt, daß er sich hier auch als Vertreter der SA. fühle und daß die SA. nicht verstehe, mit welcher Langmut die Angeklagten behandelt würden, unterbricht der Vorsitzende den Zeugen. Der Prozeß ziehe sich deshalb in die Länge, weil sehr viele Fragen gestellt würden und die ganze Angelegenheit auch ausgedehnt werde auf die Frage, inwieweit der Kommunismus überhaupt Schuld fei an derartigen Vorkommnissen.
Der Kaufmann Sannert bekundet dann, daß er früher Mitglied der KPD. und b e i d e r R o t e n Hilfe in der Zeit vom Oktober 1927 bis Oktober 1928 wiederholt laneff gesehen habe. Auch im Karl-Liebknecht-Haus habe er laneff wiederholt im Gespräch mit dem Funktionär Kratzert gesehen. Auf Fragen von Rechtsanwalt T e i ch e r t erklärte der Zeuge, nach seinen Beobachtungen habe sich laneff mit Kratzert gebrochen deutsch unterhalten. Rechtsanwalt Dr. T e i ch e r t: laneff versteht aber auch heute noch kein Wort deutsch. Der bulgarische Dolmetscher bestätigt dies. Der Angeklagte laneff bleibt bei seiner Erklärung, daß er zum ersten M a l a m 2 4. Februar nach Deutschland gekommen sei.
Der Zeuge Kratzert, der zehn Jahre lang Mitglied der KPD. und als technischer Angestellter im Karl-Liebknecht-Haus beschäftigt war, aber 1931 aus der Partei austrat, erinnert sich nicht mehr, wann und wo er Popoff und Dimitroff schon einmal gesehen habe. Es sei möglich, daß er auch mit laneff gesprochen habe. I o r g 1 e r stellt an den Zeugen die Frage, ob er den Eindruck habe, daß es der Partei ernst war mit der Bekämpfung jeder terroristischen Einstellung. Der Zeuge bejaht dies, aber b l e Unterfunktionäre hätten die Maßnahmen der Partei nicht immer so durch geführt wie sie durchgeführt werden mußten.
Oberreichsanwalt: Ist Ihnen bekannt, daß andere Unterorganifationcn wie der Rotsroutkämpferbund und die Selbstschutzoraanisationen nach wie vor auf Gewalt maßnah men hingearbeitet haben? Zeuge: Das ist richtig. Oberreichsanwalt: Ist Ihnen bekannt, daß die Parole „Schlagt die Faschisten" im RFB. und in den Flugblättern der Partciorganisation.n immer wiederholt worden ist? Zeuge: Mir ist bekannt, daß diese Parole vonRuth ui f d) e r ausgegeben worden ist, die ausgeschlossen wurde.
Oberreichsanwalt: Auch in den letzten Jahren ist diese Parole in den Flugblättern noch erschienen. Zeuge: Das ist allerdings bekämpft worden. Es war ein Erbübel des ehemaligen RFB., daß die Mitglieder dieses Bundes mit der Parteileitung vielfach nicht einverstanden waren.
Rechksanwalt Seusfert: Der Zeuge Donnert ist aus der Hast vorgeführt worden. Verbüßt er jetzt eine Strafe? Zeuge Bannert: Ich verbüße jetzt Die Strafe, die ich erlitten habe wegen der Kliquenwirtschaft in der Roten Hilfe, wo ich der Unterschlagung von Organisationsgeldern beschuldigt worden bin. Der Zeuge äußert sich in erregter Weise gegen die Leute von der Roten Hilfe. Dr. Teich i:: Der Zeuge ist also ausgeschieden, weil ihm der Vorwurf der Unterschlagung von Par- teigelbem gemocht wurde. Gleichwohl ist er rechtskräftig verurteilt. Zeuge Bannert: Ich konnte m.ch
nickt reinigen von diesem Vorwurf, weil die betreffenden Funktionäre mich vollkommen ausgeplündert hatten, auch meine Wohnung, und mir jede Möglichkeit einer Rechtfertigung nahmen. Ich wurde da- mals mehrere Tage im Karl-Liebknecht-Haus fest- gehalten und in dieser Zeit wurden sämtliche Belege, die ich über die Organisationsgelder hatte, beiseite geschafft. Dr. Teichert: Sie find einmal vom Staatsgerichtshof bestraft, das zweitemal wegen Betruges und wie ist es beim drittenmal? Zeuge Bannert: Wegen Konkursvergehens und Betruges zwei Monate und zwei Wochen.
Anwohner der Zechliner Straße erkennen in P o p o f f den Mann wieder, der viel in der Wohnung des Komunistenführers Kämpfer in der Stettiner Straße verkehrte. Der Angeklagte P o - p o f f erklärt, daß er 1932 in Moskau gelebt habe. Der nächste Zeuge Maschinenbauer Hermann M ü l- I e r bekundet, daß Popoff vom Mai bis August 1932 fast täglich bei Kämpfer verkehrt habe. Auch der Buchhalter Fritz Arendt bekundet ähnlich. Bei Kämpfer hätten in jener Zeit bis nacht» 2 Uhr Geheimfitzungen- stattgefunden, tn denen die Internationale und andere Kampflieder gesungen worden seien. Der Angestellte Althaber lagt aus, daß viele Ausländer bei Kämpfer verkehrten. Popoff habe er im Sommer 1932 öfter dort gesehen. Zwei von der Verteidigung geladene Zeugen können keine bestimmten Aussagen machen, ob es sich bei ihren Beobachtungen tatsächlich um Popoff gehandelt hat. Nächster Derhandlungstag Dienstag.
Abschluß des Propagandafeldzugs der Arbeitsfront.
Dr. Leyö Besuch bei Krupp.
Berlin, 6. Nov. (END.) Seit sieben Wochen fährt der Führer der Deutschen Arbeitsfront Staatsrat Dr. Ley durch das deutsche Land. Tag um lag hat er in diesen sieben Wochen die Stätten der deutschen Arbeit besichtigt. Nicht den Fabrikanlagen und Maschinen galt sein Besuch, sondern nur und ausschließlich d e m Menschen, der in diesen Werkanlagen und an diesen Maschinen steht. Das Ziel, das diesem Propagandafeldzug der Deutschen 'Arbeitsfront vorschwebte, ist voll erreicht. Die Besichtigungsreise des Führers der Deutschen Arbeitsfront fand ihren Höhepunkt und Abschluß mit dem Besuch der Krupp-Werke in Essen. Die Riesenkundgebung auf dem Fabrik- Hos war ein Sinnbild Des erwachten Deutschen Reiches. Dr. Ley führte aus, daß die deutsche Industrie eine herrliche Gemeinschaft der Arbeit fei. Der Nationalsozialismus werde nicht dulden, daß diese Gemeinschaft jemals wieder durch Einflüsse von außen her geschwächt werde. Im Betrieb gehörten Führer und Gefolgschaft zusammen.
Ein plan zurGeßhafimachung des Industriearbeiters.
Berlin, 6. Nov. (VDZ.) Der Leiter des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront, Selz- n e r, hat einen Vorschlag vorgelegt, der Vorschlag will den Arbeitern die Möglichkeit vermitteln, s i ch Besitz 3 u erarbeiten, und zwar ein Stück Land von etwa 1000 Quadratmeter, ein Wohnhaus und ein Wirtschaftsgebäude. Dadurch soll die S e ß - haftmachung Der deutschen Arbeitsmenschen an den Rändern der Städte und dem umliegenden Lande erfolgen. Aus dem Mietwohner der Stadt soll der Landjasse werden. Die Länder und Gemeinden hätten genügend Land für diesen Zweck. Zuerst sollen die vollbeschäftigten Industrie- Stammarbeiter für ein halbes Jahr der benötigten Bauzeit ihren Arbeitsplatz einem (Er- merbslofen überlassen und selbst gegen Erwerbslosenunterstützung den Bau ausführen, hiernach aber ihren Arbeitsplan wieder übernehmen Es soll nach dem Prinzip des wachsenden Hauses in drei Stufen gebaut werden. Die für den ersten Bauabschnitt erforderlichen 2000
Mark sollen zur Hasste die Arbeitsfront zu einem Viertel der Staat und zu einem Viertel die Hypothekenbank gewähren. Der Arbeiter mußte nach Rückkehr in die Dollbeschäftigung die 500 Mark Bankgeld zuerst, und zwar in 20 Mo- natsraten 1 25 Mark tilgen. Die restlichen 1500 Mark blieben stehen und würden nach Beendigung aller Ausbaustufen eventuell gestrichen.
Jleue Darlehen für Arbeitsbeschaffung
® e r l i n, 4. Nov. (WTB ) Don der Deutschen Gesellschaft für Oeffentliche Arbei- ten AG. (Deffa) sind in der letzten Woche im Ar- beitsbeschaffungsprogramm vom 1. Juni 1933 w e i- t e r e Darlehen im Betrage von rund 15 Millionen RM. bewilligt worden. Die Deutsche Rentenbankkreditanstalt (RKA.) hat aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm vom 1. Juni 1933 bereits Darlehen von rund 64 Millionen RM. bewilligt und damit etwa Zweidrittel des ihr zur Verfügung stehenden Ge- famtbetrages vergeben. Zuletzt hat der Ärebitaus- schuß der RKA. Bewilligungen in Höhe von 15,8 Millionen RM. ausgesprochen. Davon entfielen rund 6 Millionen RM. auf Bayern für Fluhkorrek- tionen und Forstkulturarbeiten und rund 2,6 Millionen RM. auf Flußregulierungsarbeiten an der Katzbach, der Lausitzer Neiße und dem Bober. 600 000 Reichsmark wurden für die Fortsetzung der Landgewinnungsarbeiten an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein bereitgeftellt, bei denen auch der Freiwillige Arbeitsdienst in erheblichem Umfange eingesetzt wird. Rund 700 000 RM. wurden zur Regulierung der Zwickauer Mulde und des Lungwitz-Baches bewilligt.
HankwerkenZunungeu dürfen keine Hakenkreuzsahnen führen.
Berlin, 4. Nov. (TU.) Auf eine Anfrage bei dem stellvertretenden Führer der NSDAP., Rudolf H e h, ist wie die ,X H.-Nachrichten" mitteilen, nachfolgendes Schreiben eingegangen: „Erst durch Ihr Schreiben vom 11. ds. Mts. wurde dem Stelloer- treter des Führers bekannt, daß die handwerklichen Innungen in der letzten Zeit sich Hakenkreuzfahnen als Sturmbahnen zugelegt Haven. Der Stellvertreter des Führers verbietet grundsätzlich das Führen von Hakenkreuzfahnen durch die handwerklichen Innungen, wie ich Ihnen in feinem Auftrag mitzuteilen habe".
Zur Beschlagnahme des Buchs und Volk im Weltkrieg*., Berlin, 3. Noo. (WTB.) Bedauerlicherweise hat auch das Buch „Raum und Volk im Weltkrieg" von Ewald Banse der antibeut- sehen Propaganda im Ausland Anlaß gegeben, die Friedenspolitik der Reichsregierung in Zweifel zu bringen. Das ganz« Buch ist selbstverständlich nur bi« Privatarbeit eines unverant- wörtlichen Theoretiker» und in keiner Weife maßgebend für die Politik der Reicksregierung. Im übrigen finb die strategischen Theorien, wie sie Danse in seinem Buck entwickelt, so absurd, daß sie in der deutschen Oeffentlichkeit überhaupt nicht ernst genommen werden. Das Buch ist trotzdem beschlagnahmt worden. Die Reichsregierung will damit unwiderleglich zum Ausdruck bringen, daß sie von derartigen sinnlosen Schwätzereien in aller Form abrüeft und entschlossen »st, sich ihre Friedenspolitik nicht im geringsten durch die propagandistische Ausschlachtung derartiger Prioatarbei- ten stören zu lassen.
Keine Belästigung ausländischer Studierender.
Berlin, 4. Noo. (WTBI Der Führer der Deutschen Studentenschaft Dr. S t ä b e l erläßt eine Bekanntmachung, in der es heißt: (Entgegen den eindeutigen Verfügungen de» Stellvertreters des Führers Rudolf Heß und des Stabschefs Röhm ist es an deutschen Hochschulen wiederholt vorae- kommen, daß ausländische Studierende wegen Nichterweisung des Hitter-Grußes schweren Unannehmlichkeiten und Belästi- g u n a e n ausgesetzt waren. Ich verweise jetzt zu Beginn des neuen Semesters noch einmal eindringlich auf die Verfügungen dieser amUichen Stellen.
Oer Danziger Preffekonfliki.
Einberufung des BölkerbundtzratS vorerst nicht zu erwarten.
Genf, 6.Nov. (TU.) Da» Schreiben de» Dan- ziger Dölkerbundskommissars an den Generalsekretär des Völkerbundes, in dem die Beschwerde der beiden vom Danziger Senat verbotenen Zeitungen, der so- • zialdemokratischen „Danziger V o l k» st i m m e" und de» Zentrumsblattes „Danziger Lande», zeitung" sowie die Stellungnahme de» Danziger Senats zu der Angelegenheit bargelegt wird, ist erst in den Mittagsstunden des Montag beim Volker- bundssekretariat eingetroffen. Mit einer baldigen Entscheidung über die (Einberufung des Völkerbunds- rotes wird nicht gerechnet. Das Schreiben des Danziger Dölkerbundskommisiar» soll zunächst von den maßgebenden Stellen eingehend geprüft werden, bevor cs den Ratsmächten zugesandt wirb. (Entgegen polnischen Pressemeldungen hat Kommisiar Rafting den sofortigen Zusammentritt des Bolkerbundsrats keineswegs beantragt, sondern lediglich die Aufmerksamkeit des Generalsekretärs auf eine etwaige Prüfung des Vorfalls durch den Völkerbundsrat gelenkt.
Der würdelose Versuch der Restgruppen des Dan- ziger Zentrums und der SPD., eine Aktion der Genfer Instanzen gegen die nationalsozialistische Danziger Regierung herbeizuführen, hat in der Dan- ziger Bevölkerung einmütige und lebhafte (Empörung hervorgerufen. Die „Danziaer Allgemeine Zeitung" erklärt, daß das Doraehen der beiden Parteigruppen eine Disziplinlosigkeit darstelle die von der gesamten Danziger Bevölkerung auf das schärfste mißbilligt werde
Di« Danzig-polnischen Beziehungen sind durch txe letzten Vorgänge in keiner Weise betroffen worden. Das kam auch Darin zum Ausdruck, daß Senatsprä- sident Dr. Rauschning gleichzeitig mit den Vertretern der Danziger und der reicksdeutschen Presse auch die Vertreter der polnischen Presse zur^Unter- richtung über die Sage empfangen hat. Der -Senats- Präsident hat dabei ausdrücklich betont, daß die von der nationalsoziallstischen Doniiger Regierung ein- geleitete und erfolgreich fortgesuhrte D e r st a n d i - gungspolitik gegenüberPolenundder polnischen Minderheit in Danzig unverändert weite r g e f ü h r t werden. In Danzig erwartet man, daß nicht nur Polen, sondern auch bas übrige Aus- land sich darüber klar wird, welche Gefahren für ganz (Europa heraufbeschworen werden können, wenn man die Freie Stabt Danzlgburch •


