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7.1.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 6 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 7. Januar (935

sehr interessanten Religion und die Mit dem Beginn machte sich der Der Pfahlgraben von der Gießener

Einblick in die Kultur, die Lebensweise der Germanen, des römischen Vormarsches römische Einfluß bemerkbar. (Limes) lief nur 8 Kilometer

der hiesigen Germanenfiedlung war der Düns- berg, auf dem die Gauburg stand. Der Vor. tragende gab sodann einen

ZUM Besten der Gießener Winternothilfe Bunter Abend im Gtadttheater.

Germanensiedlung entfernt. Es ist deshalb er­klärlich, daß die römische Kultur gerade auf die naheliegende Gießener Germanensiedlung stark einwirkte. Hier überschnitten sich %toei Kulturen. Die Germanensiedlungen gingen dann zur Zeit der römischen Revanchefeldzüge unter, etwa als sich der Germanikuszug 15. n. Ehr. in Richtung nach Rorden (Kassel) über Gießen bewegte. Die späteren Germanensiedlungen sind etwa in der Rödgener Straße «Sandgrube) feststellbar. Die Kultur dieser Siedlung weift stark fränkischen Einfluß auf. Sie bestand unter dem Ramen Arsenheim und ist einwandfrei im 8. Jahrhundert zu belegen. Rach dem Fall des Pfahlgrabens (260 n. Ehr.) machte sich mehr und mehr der fränkische Einfluß bemerkbar, wovon auch ein fränkisches Gräberfeld auf dem Trieb zeugt. Man farm Gießen etwa als das nördlichste Siedlungs­gebiet der Franken bezeichnen. Wenn man so will, wäre der ursprüngliche Raine Gießens Arsen- heim gewesen. Später werden dann Saltarisa. das nachmalige Selters, etwa in der Gegend des heutigen Bahnhofs, und Wiesich, das jetzige Wiefeck, urkundlich erwähnt. Zum Schluß sprach der Redner über den Einfluß des Christentums auf die ^germanische Kultur. Die interessanten Ausführungen wurden von den zahlreichen Zu­hörern mit starkem Beifall ausgenommen. 3m Anschluß entwickelte sich eine lebhafte Aussprache, die noch manches über Orts-, Familiennamen und Eigentümlichkeiten aus der Frühgeschichte Gießens zutage förderte. Herr Szczech gab auf An­fragen aufschlußreiche Einblicke in die Forschungs­arbeit. Vertrauensmann Schwarz schloß die Veranstaltung mit herzlichem Dank an den Vor­tragenden und die Zuhörer.

** Carusos Stimme auf neue Schall­platten. Das Musikalienhaus Ernst C h a I - Her (Reuenweg) bringt in diesen Tagen eine Reuheit heraus, die von vielen Freunden der gu­ten Schallplatte begrüßt werden wird. Die..Elek- trola" hat in jahrlanger Arbeit und in schwie­rigen Experimenten durch ein besonderes Verfah­ren eine akustische Platte, die vor 20 Iahren von Carusos Arien und Liedern gemacht wurde, zu neuem Leben erweckt. Die alte Platte war nach dem heutigen Stande der Technik der Schall­plattenherstellung mangelhaft in der Wiedergabe des Orchester-Klangkörpers, anderseits aber auch so beschaffen, daß die Stimme Carusos nicht in der Klangschönheit wiedergegeben wurde, die ihr tatsächlich eigen war. Mit großer Sorgfalt ging man zu Werke. Wenn man die neue Platte hört, die im Musikalienhaus C h a l l i e r jedem Inter­essenten gerne vorgeführt wird, bann glaubt man sich dem großen Sänger unmittelbar gegenüber. Die Stimme in ihrer Mannigfaltigkeit des Aus­drucks, in lebendigster Klangfarbe feiert gewisser­maßen Auferstehung in dieser neuen Platte der Elektrola", und so vermag die Stimme Carusos heute wieder zu begeistern, wie sie so viele schon begeistert hat. Interessant ist dabei zu wissen, daß die Orchesterbegleitung der ursprünglichen Aufnahme vollständig in Fortfall gekommen ist und durch eine völlig neue orchestrale Anterma- lung (nach dem neuesten Stand der Aufnahme­technik) ergänzt wurde. Bisher ist nur eine Platte in dieser neuen verbesserten Form herausgebracht worden. Man hörtHüll' dich in Tand nur... (ausBajazzo") undAch so fromm, ach so traut" (ausMartha"). Interessenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht.

der Feldscheune konnte bisher noch nicht einwand­frei klargestellt werden, jedoch dürfte die Wahr­scheinlichkeit einer fahrläisigen Brandstiftung durch den verbrannten Mann selbst nicht von der Hand zu weisen sein.

** Der Autounfall auf der Mar­burger Chaussee. Von Herrn Walter D o r st als Betroffenen bei dem kürzlich gemel­deten Autounfall auf der Marburger Chaussee zwischen der Karlsruhe und der Weilersburg er­halten wir im Anschluß an die vorgestrige Mit­teilung des Autofahrers eine Zuschrift, in der ausgeführt wird, daß zwei einwandfreie Zeugen wegen starken Rebels ihre Fahrräder in Richtung Lollar geschoben hätten, als plötzlich hinter ihnen ein Auto in schneller Fahrt herangekommen sei und sie überholt habe. Angesichts der schnellen Fahrt des Autos habe einer der Zeugen mit dem Scheinwerfer seiner Fahrradlampe die Rümmer des Autos festgeftellt, wodurch bann später die Ermittelung deS Fahrers gelang. Unmittelbar nach dem Ueberholen der Radfahrer hörten diese lautes Schreien und Dann Bremsen des Wagens. Beim Hinzueilen hätten die Zeugen bemerkt, daß der Wagenschlag geöffnet wurde und jemand her- ausrief. Beim Annähern der Zeugen hätte sich dann das Auto mit großer Geschwindigkeit nach Lollar zu in Bewegung gesetzt, ohne sich um den bewußtlosen jungen Mann zu kümmern. Gleich nach dem Unfall fei festgestellt worden, daß sich an dieser Stelle weit nach links eine Bremsspur von fünf Meter befinde, die beweise, daß der Auto­fahrer den Unfall bemerkt haben müsse. Da diese Spur weit nach links weise, sei zu verstehen, daß der scharf auf seiner rechten Seite gehende junge Mann angefahren wurde. Rachdem nunmehr beide Beteiligte sich zu der Angelegenheit geäu­ßert haben, schließen wir die weitere Erörterung des Vorganges und überlassen es den Feststel­lungen der Polizei, endgültige Klarheit über den Unfall zu schaffen.

* Heimatkundlicher Abend int DHV. Im Rahmen des Winterbildungsplans der Orts­gruppe Gießen im Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Verband sprach am Donnerstag Mu- seumsassistent Szczech überDas frühgeschicht­liche Gießen". Man sei bei der Forschung der frühgeschichtlichen Zeit in der Hauptsache auf Dodenfunde angewiesen, daneben auf Aufzeich­nungen fremder Vöiker. Das heutige Gießen war etwa um die Zeit Christi Sumpfgelände und unbewohnbar. Die älteste Gießener Siedlung, die bis in Die Steinzeit zurückreicht, hat auf dem Trieb gestanden, der in Der Geschichte Gießens überhaupt eine bedeutend Rolle spielt. Später sind Dann Siedlungen auf dem Rodberg festzu- stellen. Es waren Germanen, und zwar Chatten, die hier siedelten. Sie waren ziemlich boden­ständig und wanderten wenig. Die Gießener Siedlungen stellten etwa die südlichste Grenze Der Chattensiedlung Dar, Deren Hauptgebiet Das Land um ©Der unD Werra war. Der Mittelpunkt

suchern Gelegenheit bieten soll, Erfrischungen zu sich zu nehmen. Man hat in Anbetracht der Zeit- umstände darauf gesehen, daß Die Preise für Die Erfrischungen sich in niedrigen Grenzen be» toegen, damit jedermann die Möglichkeit hat ohne gebührliche Belastung seines Geldbeutels sich ein Glas Bier, ein Glas Wein oder der­gleichen zu leisten. Die Besucher werden jeden­falls erstaunt fein, wie billig an diesem Abend Erfrischungen im Stadttheater zu haben sein werden.

Die Eintrillspreise für die veranslaliung sind so gestaffelt, daß allen wirtschaftlichen Möglich.

lichkeilen Rechnung getragen wird.

Cs ist eine Anzahl Plätze zu je 3 Mk., vorge­sehen, daneben Plätze zu je 2,50 bzw. 2 bzw. 1 Mk und sogar zu 50 Pfennig. Der größte Teil der Plätze entfällt auf Die mittlere Preislage, es ist aber auch noch immer genügend Raum für die Besucher reserviert, Deren Geldbeutel nur eine Ausgabe bis zu 1 Mk. zuläßt. Für die niedrige Bemessung der Eintrittspreise war Die Erwägung maßgebend, daß man unter allen HmftänDen ein volles Haus haben will.

Durch diesen bunten Abend soll unseren Mit­bürgern Gelegenheit gegeben werden, ihre Hilfsbereitschaft zum Besten der Notleidenden mit einer eigenen Erholung von den Sorgen

und Mühen des Alltags zu verbinden.

Möchten recht viele dem Rufe der Winterhilfe- Ausschüsse Folge leisten und diesen Wend be­suchen, damit dem Werke der Rächstenliebe aus dieser Veranstaltung eine starke Stühe werde!

* Platzkonzert unserer Militär­kapelle. Bei günstiger Witterung findet am morgigen Sonntag 11 Uhr in der Süd- a n f a g e ein Platzkonzert unserer Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauße statt. Dortragsfolge: 1. Regimentsgruß! Marsch, Steinbeck: 2. Ouvertüre zur OperetteDie schöne Helena", Offenbach: 3. zwei Stücke ausSigurd Iorsalfar", Grieg, a) Rordlandsvolk, b) Königs - lieb; 4. Geschichten aus dem Wiener Wald! Wal- jer, Strauß; 5. Rendezvous bei Franz Lehar!, Cine Auslese aus Lehars Meisterwerken, Hubry.

'"GeprüfteGeschäftsstenographen. Tie letzte Geschäftsstenographenprüfung Der In­dustrie- und Handelskammer Gießen konnten fol­gende Mitglieder der 1. Reichskurzschriftgesell- fchast E. V. Gießen mit Erfolg ablegen: Abt. 180 Silben: Erna Reininger; Abt. 150 Sil­ben: Karl Bree; Abt. 120 Silben: Alfons Klei n, Karl Marth, Christel Emmel, Richard Günther. Die Zahl der geprüften Geschäftsstenographen der Reichskurzschriftgesell­schaft erhöht sich damit auf 61.

** Die Technische Nothilfe lädt alle Not- Helfer aus Gießen und Umgebung, sowie alle An­gehörigen technisch-praktischer Berufe, die Nothelfer werden wollen, anläßlich des Jahreswechsels auf Donnerstag, 12. Januar, 20 Uhr, in dieStabt Mainz" zu einer Versammlung ein, in Der über Die internen Fragen Der Teno gesprochen wirk». Auch sollen Die Nothelfer neu gesichtet unD eingeteilt werden. Wer am Erscheinen verhindert ist, wird gebeten, sich im Laufe Der kommenden Woche schrift­lich oder mündlich bei Der O. G. Gießen, Stephan- straße 11, Fernruf 2034, zu melden. Man beachte Die heutige Anzeige.

Der Tote bei dem Dirklarer Scheunenbrand fest gestellt. Der heu­tige Polizeibericht meldet: Rach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis konnte die Identität des bei dem Feldscheunenbrand bei Birklar fast völlig verbrannten unbekannten Mannes mit größter Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. Es dürfte sich um den Gärtner Arno Küster, geboren am 13. Iuli J882 zu Barigau (Thüringen), handeln, der sich vorwiegend in der hiesigen Gegend auf­hielt und bei Arbeitslosigkeit in Feldscheunen übernachtete. Während der Weihnachtsfeiertage hielt er sich in Rockenberg auf, wo er auch schon bei dem dortigen Bürgermeister in Arbeit stand. Dieser und seine Angehörigen erkannten die ihnen vorgezeigten Reste von Den Kleidungs­stücken als mit Bestimmtheit von den Kleidern Küsters herrührend an. Die Arsach« Des Brandes

Aus Oer Proviuzialhauptstavt.

Vom feierkleid.

Don Reinhold Braun.

Was Du bist, sei ganz: Arbeit ober Feierglanz! Bleibst Du immer Herr Der Grenze, blühen Dir Des Glückes Kränze.

Fröhliche Lebenskunst".

Beim Worte vom Feierkleid kommt mir eine Der rounDer|'amen Frauengestalten Wilhelm Raabes in Den Sinn: Die Frau Claudine von Der Katzenmühle. 3Hr Warten auf Die enDliche Heimkehr ihres Dämo­nisch umhergetriebenen Sohnes ist in tiefster Seele ein Tun, ein Sich-bereiten. Wie er aud) heimkehren mag, selbst als ein verfolgter Berbrecyer: Sie hat FeiertagskleiDer gewebt, Die sie mit ihm tragen will, FeiertagskleiDer Der Seele. So schafft sie mit einer erschütternDen Tapferkeit an sich selbst, an Der Lichtheit unD Schönheit ihres Herzens, Damit Der Sohn aus seinem wirren Dunkel in Den klaren, stillen Glanz Der Mutter trete, Daß ihm Heilung roerDe nach Dem wehen, sturmreichen Alltag seines Lebens in Der Feiertäglichkeit Der mütterlichen Liebe, Damit er Den zerrissenen, schmutzigen Wan­derrock abstreife, Das heißt, abtue all' Unrast, WilD- heit unD Dunkle Gebärde unD seinen inneren Men­schen in ein neu GewanD hülle, auf daß wieDer fein Bestes, an Das Die Mutter immer noch glaubt, hervortrete!

Ferner muß ich beim Worte vom FeierkleiD an die Bettina Denken, Die einst an Goethe schrieb: Wenn ich mit Dir sein will, reinige ich mich von Der alltäglichen BeDrängnis, wie eine, Die Feier- fltiDer anfegt."

Erweisen wir nicht allen. Die aus Der Schwere Der Zeit zu uns kommen, Den besten Lebens- und LiebesD'ienst, wenn wir nach Dem Worte jener FreunDin Goethes hanDeln?

Nahen wir einanDer nicht allzusehr unD allzuoft in unfern AlltagskleiDern, D. h. schleppen wir Den ganzen TagesplunDer nicht mit uns mit? Hängt uns nicht Die ganze Schwere Der Zeit zuweilen recht sichtbar an? Man könnte bei vielen manch­mal auf Den GeDanken kommen, Daß sie meinen, Der hängenDe Kopf unD Der sorgenkrumme Rücken gehören heut' zur guten Sitte. SinD wir nicht oft, wenn mir beieinanDer sinD, wie Menschen, Die in einer engen, lichtarmen Stube um einen großen Kummerpacken herumhocken unD ihn wehleiDig einer über Die Maßen wichtigen Betrachtung unter­ziehen unD alles anDere, was Doch noch an Gutem unD Schönem in Der Welt ist, vor allem Die Be­stimmung unserer eigenen Seele, Darüber ganz vergessen!

Wir sollten uns wirklick Bettinas Wort zu Her­zen nehmen unD mit solchen GeDanken uns zuein­ander auf Den Weg machen, auch in unfern vier Wänden.

Zählt Doch Die StunDen zusammen, in Denen ihr Daheim wirklich einmal beieinanDer sitzt wie Men­schen, Dieein FeierkleiD angelegt haben. Und Das Glück Des Lebens hängt Doch schließlich von Diesen StunDen ab!

Das Wort vom Feierkleid ist Das Wort von Den wahren Hochstunden unseres Daseins, Der Ruf zum wirklichen Menschsein, Die ForDerung von Der be­reiten Seele, Dem lichten Wesen, Dem guten Willen zur echten Freude, ja, es ist das Wort vom Heim­weh nach den ewigen Quellen. Eine Zeit aber, Der Das Wort vom FeierkleiD ein Aergernis ist, rennt in Den seelischen ToD, und Die allgemeine Glück- losigkeit ist ihr traurigstes Zeichen.

Das Wort vom FeierkleiD ist Das von Der wahr­haften Kraft Der inneren Gesundheit und Der ewi­gen IugenD Des Geistes. Wo aber Der Geist (ebenDig gehalten wirD, Durch Den rechten Wechsel von Tun unD Feiern, Da siegt am EnDe Doch Das Göttliche, dessen schönster, erhabenster AusDruck immer noch Der reine, Der liebende Mensch ist!

Inventur-Ausverkauf.

Mit Spannung haben viele Hausfrauen auf den Beginn des Inventur-Ausverkaufs gewartet. Sein unmittelbarer Anschluß an das Weihnachts­geschäft hat zweifellos bei manchen Einkäufen für die Feiertage eine gewisse Rolle gespielt. Man sparte am Weihnachtsetat etwas ein, um für die billige Kaufgelegcnhcit in den Inventurtagen genügendMunition" in der Geldbörse zu haben.

Die große Kauf-Offensive kann nun beginnen! Am kommenden Montag nimmt der Inventur­ausverkauf feinen Anfang, um vom 9. bis 22. Ja­nuar das Feld und das besondere Interesse unserer Frauen zu beherrschen. Es ist ja auch in der Tat eine Freude, unter den vielerlei Herr­lichkeiten des Inventurausverkaufs auswählen und kaufen zu können in dem Bewußtsein, für das dabei aufgewandte Geld erheblich größere Mengen an Waren zu erhalten, als einige Wochen vorher. Für manche Hausfrau und für manches junge Mädchen ist der Inventurausver­kauf geradezu das Ereignis: er ist für sie vielleicht noch wichtiger als der Weihnachts­einkauf. Sie sind sich der ausgedehnteren Reich­weite ihrer Geldmittel bewußt und haben dabei die Aeberzeugung, daß sie auch beim Inventur­ausverkauf für ihr gutes Geld einwandfreie Qua­litätsware erhalten. Dieser doppelte Gesichtspunkt macht die Freude des Einkaufs in diesen Tagen aus. Rur ein Bedauern mag dabei hier und da laut werden: daß nämlich diese Einkaufsgelegen­heit nur zwei Wochen andauert. Um diese knappe Spanne Zeit nach Kräften zu nützen, beginnen di« weiblichen Einkaufs-,,Feldherrn" schon am ersten Tage der Inventurverkaufs-.,Schlacht" ihre Operationen. Das Aussuchen ist bei der Reich­haltigkeit der Waren und angesichts der billigen Preise mitunter feine leichte Sache.Wer die Wahl hat, hat die Qual." Leider soll es auch Vorkommen, daß trotz der stark gesenkten Aus­verkaufspreise die Geldbeutel-,.Munition" ziemlich rasch zur Reige geht. Da heißt es dann, in den Plänen und Wünschen eine gewisse Umgrup­pierung vornehmen, die oft erst inmitten der Kauf-Schlacht" vor sich geht. Wenn aber dann unsere Hausfrauen und Haustöchter auch manche Hausherren und Iunggesellen, die in den Tagen des Inventurausverkaufs sich plötzlich als erfahrene Einkäufer erweisen den Kampfsieg­reich durchgefochten" haben, ist die Freude über den Erfolg groß.

Die andere Seite", der Geschäftsmann, sieht dem Verlauf des Inventurausverkaufs ebenfalls mit allerlei Wünschen und weitgespannten Hosf- nungen entgegen. Er gönnt feiner Kundschaft die Freude, sich zu den herabgesetzten Preisen mit Waren versorgen zu können, denn er weiß, daß auch er dabei auf seine Rechnung kommen wird. Als ganz selbstverständlich sieht er es an, daß

Um dem Gießener Winterhilfswerk zur Linderung der Rot in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft neue Geldmittel zuzuführen, wird am nächsten Samstag, 14. Ianuar, ab 20 Uhr, im Stadttheater ein Bunter Abend veranstaltet. In uneigennütziger Weise haben sich das Ensemble des Stadttheaters, der (Bauer- ' sch« Gesangverein und mehrere Damen und Herren des künstlerischen Lebens unserer Stadt für diesen Abend der Rächstenliebe zur Ver­fügung gestellt.

Ls ist ein vielseitiges Programm vorgesehen, das den Besuchern genußreiche Stunden be­reiten wird.

Ter erste Teil des Abends wird mit einem Prolog eingeleitet werden, den Dr. Werner Bock gedichtet hat und den Intendant Dr. Prasch sprechen wird. Hierauf werden Chorgesänge des Bauerschen Gesangvereins unter der Leitung seines Chormeisters, Universitätsmusik­direktors Prof. Dr. Temesvary folgen. Im weiteren Verlaufe des ersten Teils der Dortrags­folge werden Fräulein G r a e f und Fräulein Zimmer ein Konzertstück für zwei Geigen un­ter Klavierbegleitung von Frau L u l e y zu Ge­hör bringen. Fräulein Ange Bach wird mit tanzkünstlerischen Darbietungen erfreuen. Den Ab­schluß dieses Teiles der Darbietungen wird der Bauersche Gesangverein unter Leitung von Prof. Dr. Temesvary bringen.

Im zweiten Teile des Programms wird von dem Ensemble des Stadttheaters ein heiteres Spiel aufgeführt werden, über das in den nächsten Tagen Räheres mitgeteilt wird.

Zwischen den beiden Programmteilen wird eine Erfrischungspause liegen, die den Br­

auch beim Inventurausverkauf die Kundschaft hin­sichtlich der Qualität und des Preises vor allem zufriedengestellt werden muß. Er ist sich bewußt, daß b fr ed g e K.iufer für ihn et.i w rt oller Fak­tor für den späteren Geschäftsgang darstellen. Und darum gibt er sich alle Mühe, den Inventuraus­verkauf nach jeder Richtung hin zu einem guten Sprungbrett zu gestalten. Während die Kund­schaft von diesem Sprungbrett aus ihrem Ziele der billigen und guten Versorgung zustrebt, er­hofft sich der Geschäftsmann nach dem Absprung ein möglichst weitgehendes Flüssigwerden" seines Geschäfts durch vermehrten Umsatz und möglichst weitgehende Räumung des Lagers, zugleich aber auch nach der Kassenseite hin, deren Stärkung chn in den Stand sehen soll, sein Lager wieder neu auszustatten, um dann mit vermehrten Zugstücken den Anreiz auf das kaufende Publikum auszu­üben. Bei diesen Bemühungen herrscht begreif­licherweise starker Wettbewerb um die Gunst des Publikunks. Man sucht durch vorteilhafte und überzeugende Angebote in den Spalten der Hei­matpresse die Käufer schon vor dem Antritt ihrer Cinkaussgänge zu gewinnen. Das ist ein kluges Verfahren, denn in der Tat orientieren sich' die Kauflustigen heutzutage noch mehr als früher an Hand der Ankündigungen, die sie in den Anzei­genspalten vorfinden, für den Inventurausver­kauf. And der Kaufmann wird dabei am besten abschneiden, Der neben feinem guten Warenan­gebot und vorteilhaften Preisen möglichst laut in die Trompete des Werbefeldzuges stößt, Die noch immer durch Die Heimatpresse Den am weitesten tragen Den Schall ins LanD hinausschickt.

Inventurausverkauf! Vierzehn Tag« nur Dauert seine Herrschaft. Möchte bei seinem Abtreten von Der Schaubühne Des Tagesgeschehens überall Zu- frieDenheit herrschen, Damit sein Rachfahre im Hochsommer wiederum einen so sreunDlichen unD hoffnungsfrohen Empfang finDe, wie Der jetzige!

Jugend in Aoi, helft sie lindern!

Born Arbeitsamt Gießen wird uns mitgeteilt: Für Die Speisung im JugenDnotwerk, wozu Der Herr Reichspräsident aufgerufen hat, sinD für Oberhessen beim Arbeitsamt Gießen zum An­fang gemeinsamer Hilfe in Den letzten bei­den Tagen angemelDet worden.

3 fette Schweine, gestiftet von Gutspächter Lar­berg, Hofgut Wickstadt, Gutspächter Reif, Sor-- £eim, unD Oekonomierat .1., 1 feister Hirsch von Der Furstl. Verwaltung BüDingen, 10 Zentner Kartof­feln von Gutspächter Seifert, Obbornhofen, 30 Zentner Kartoffeln von Gutspächter Mohr, Rül­fenrod, ferner insgesamt 48 Zentner Kartoffeln, 7 Zentner Korn, 1 Zentner Linsen, Bohnen, Wei­zen, Schmalz, Kraut, Möhren sowie ein Betrag von 15 Mk., gestiftet aus Schwalheim von Den Landwirten Jehner, Wwe. Weiß, Bürgermeister Dietz III., W. Fleischhauer, Karl Dietz II., Reimer, Hrch. Zehner, Ad. Krauch, Hensel III., K. Reimer II., Hrch. Eckart, Ph. Fritzel, Jak. Bauer, Kratz, Wwe. Lahm und Hermann Müller.

Allen Gebern herzlichen Dank! Weitere Anmel­dungen van Spenden für die Speisung im Jugend- notmerf nimmt das Arbeitsamt Gießen entgegen. Für Die Abholung wirb Sorge getragen. Schnelle Hilfe tut not, Denn es warten in Oberhessen runD 2000 JugenDNche auf Die Verwirklichung Des Ju­gendnotwerks.

Gießener Wochenmarktpreisc.

' Gießen, 7. Ian. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120, Land- butter 100 bis 110 Pf. das Pfund, Kochbutter von 80 Pf. an das Pfund, Matte 25 bis 30 Pf. Das Pfund, Käse 5 bis 10, Eier, ausländische, 11 bis 12, inländische 12 Ps. das Stück, Wirsing,. gelb, 8 bis 10, grün 12, Weißkraut 6 bis 8, Rot­kraut 8 bis 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rü­ben 8 bis 10, Spinat 20, Anter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 100, Zwie­beln 10, Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörr­obst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Rüsse 35 bis 40, Iunge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Enten 80 bis 90 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück: Kartoffeln 2,50 Mk. p. Ztr.

ivornvtt.;cn.

Tageskalender für Samstag: Reichsbund der Zivildienstberechiigten, 20.30 Ahr: Familienzusammenkunft imAquarium". 224er, 20 Ahr: Familien treffen imAndres". Ar­tillerieverein, 20.30 Ahr: Monatsversammlung

imHessischen Hof". Kriegerverein, 20 Ahr: Stiftung3- und Winterfest im Cafe Leib. L'.chispielhaus, Bahnhofstraße:Der Schützen­könig". Astoria-Lichtspiel«, Seltersweg:Der Rächer des Tong".

Tageskalender für Sonntag: Studttheater, 15 bis 17.30 Ahr:Aschenbrödel". 19 bis 22 Ahr:Im weißen Rößl". Reichs­bund der Kinderreichen, 14.30 Ahr: Kundgebung im Kath. Vereinshaus. Gießener Konzertver- im, 17 Ahr, Aniver,itäts°Aula: Das Zilcher- Trio. Westanlage 31, 20.15 Ahr: Öffentlicher Dortrag. Bund Der Lahnfr-unde, 16 Ahr: We.hnach!feier im Kath. Vereinshaus. Goethe- bunD, 11.15 Ahr, Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Hochland-Sin'onie". Lichtspielhaus, Bahnhof- strahe:Der Schützenkönig". Astoria-Lichtsviele, Seltersweg:Der Rächer Des Tong".

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 8. Ianuar, 15 Ahr, Zum letztenmal Das WeihnachtsmärchenAschen­brödel", sechs Bilder mit Musik, Gesang und Tanz von Görner-Stiegmann, Spielleitung Bolck-Moehl-Bäulke. Märchenspiclprese. Ende 17.30 Ahr. 19 Ahr als Fremdenvorstellung außer Abonnement zu ermäßigten Operetten­preisen die Operetten-RevueIm weißen Rößl" von Müller-Bcuatzky; Spielleitung Hub- Moehl-Bäulke. Ende nach 22 Ahr. Als 15. Vorstellung im Dienstag-Abonnement Erst­ausführung Der KomödiePolitik Der Weiber­röcke" von Reil Grant unter Der Spielleitung von Wolfgang Kühne, am Dienstag, 10. Ia­nuar, von 20 bis 22.15 Ahr. Mittwoch 11. Januar, als 14. Vorstellung im Mittwoch-Abon­nement erste Wiederholung Der KomödiePolitik Der Weiberröcke". Gewöhnliche Preise. Spiel- Dauer von 20 bis 22.15 Ahr. Für Freitag, 13. Ianuar, sieht Der Spielplan eine WieDer- holung Der SilvesterausführungStöpsel" vor, Schwank von Arnold und Bach.