Ausgabe 
6.12.1933 Zweites Blatt
 
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Geschichte sie lebenskräftig und widerstandsfähig äu erhalten, ihnen das sichere Gefühl ihrer Zuge­hörigkeit zu ihren Brüdern und «Schwestern tm Reich zu geben, sie daher auch in dos große Winterhilfswerk einzuschließen, ist Pflicht des deut­schen Mutterlandes. In der Erkenntnis des unge­heuren Wertes dieser gewaltigen deutschen Front da draußen für unser Gesamtvolk, fördert und stützt der Führer den VDA., wünscht er, daß die Kennt­nis seiner großen und mannigfachen Aufgaben weiter und tiefer Wurzel schlage im deutschen Volke. 3m Dienste dieser Aufgabe steht auch der Nach­

mittag der Frauengruppe. Mögen dem Nus viele folgen! Näheres ist aus der morgigen Anzeige er­sichtlich.

* Zuschneidevorführung. Am morgi­gen Donnerstag, am Freitag und am Samstag fin- den täglich zweimal die Vorführungen eines neuen, palentamtlich und gesetzlich geschützten Zuschneiüe- verfahrens statt, das wie man uns mitteilt auf dem Gebiete der Hausschneiderei eine Umwäl­zung darstellen dürfte. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.

AS-Lehrerbund des Kreises Gießen.

Unter außerordentlich starker Beteiligung hielt der NS.-Lehrerbund des Kreises Gießen am Sams« taaobend und nachmittag im Restaurant .Liebigs- höhe" seine Dezember-Pslichwersammlung ab. Das Orchester des Bundes, das inzwischen auf eine stattliche Besetzung und bereits zu einem recht har­monischen Klangkörver angewachsen ist, leitete mit einem Marsch die Versammlung ein und trug, wie auch der Chor des Bundes, sehr zur Verschönerung bet. Rektor N e b e l i n g begrüßte die Kollegen und gab in der Folge eine Reihe geschäftlicher Mit­teilungen bekannt, denen die Versammlung insbe­sondere gewidmet war. Die Versammlung sei ein­berufen worden auf die besondere Veranlassung des Gauobmanns, Ministerialrat Ringshausen. Die Lehrerschaft von Hessen und Hessen-Nassau sei nunmehr zu einer hessischen Erzieherge­meinschaft vereinigt worden und stehe unter der Leitung von Ministerialrat Ringshausen.

Die ganie zukünftige Arbeit des J15CB. stehe im Zeichen der Reichsreform, und da dürfe niemand untätig sein.

Für den Untätigen sei kein Raum in der Volks­gemeinschaft. Außerdem müsse jeder zum Opfer be­reit fein. Es gelle auch nicht, immer nur an die Rechte des Einzelnen zu denken, sondern an die Pflichten der Gemeinschaft gegenüber. Die Erzieher müßten im Hinblick auf die Pflichterfüllung vor- bildlich sein. Eine wahre Gemeinschaft bleibe nur durch Bereitschaft, Opfersinn und Dienst aufrecht­erhalten. Ein Staat, in dem jeder nur egoistische Ziele verfolge, könne nicht bestehen. Zeder solle dankbar sein dafür, daß er Mitarbeiten und Opfer bringen dürfe für den Neubau Deutschlands. Das, was bisher in der kurzen Zeit von 8 Monaten ge­leistet worden sei, müsse als erstaunlich bezeichnet werden. Man wolle in Zukunft nicht klagen, son­dern tragen. Man dürfe aber auch nicht müßig sein im Kampf gegen die Not. Zum Bau des neuen Reiches feien zwar die Lehrer reichlich spät ange­treten, bei einem Bau könnten aber auch nicht alle Handwerker zu gleicher Zeit beginnen. Arbeit aber fei für jeden genug vorhanden. Zn seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich Rektor N e b e l i n g mit rein geschäftlichen Erörterungen. Was die Jung- lehrer anbetreffe, so solle diese Frage rasch beseitigt werden Schon sei es gelungen, dafür zu sorgen, daß es bald keinen Junglehrer mehr gebe, der ohne Beschäftigung sei. Er wies aber besonders auf den Beitrag zum Haus der Deutschen Erzie- her hin. das in Bayreuth erstellt werden und ein

Zeugnis deutschen Kulturwillens fein solle. Don hier aus soll der deutschen Erzieherschaft immer neue Kraft zuströmen. Es sollen Kurse abgehalten werden, deren Arbeit dem ganzen Dolke dienstbar sei. Schließlich beschäftigte sich der Redner mit dem Verhältnis des NSLD. zum Phllologenoerein und erhob die Forderung, daß sich der Philologenoer­band endgültig der nationalsozialistifchcn Erzieher- schäft eingliedere. Es dürfe in Zukunft keine andere Eczn^ergemeinschaft mehr bestehen, denn der

3m 715CB. könne jeder in den entsprechenden Fachschaften arbeiten und seine Arbeit pflegen. Jeder Hobe darin Gelegenheit, sich vollwertig und ganz zu entfalten.

Dom l.Zanuor ab trete für den NSLB. eine Mit- gliederscherre in Kraft, und nachher würden nur noch jene aufgenommen, die neu zum Berufe kom­men.

Die Arbeit in den einzelnen Arbeitsgemeinschaften werde nun ausgenommen. Zeder Lehrer müsse in einer der Fachgruppen mitarbeiten. Möglichkeiten seien in den Pflicht- und Wahlfächern genug gegeben (der Redner erläuterte den Ausbau der Arbeitsge­meinschaften). Zn den Arbeitsgemeinschaften sollten aber nicht endlose Aussprachen geführt werden, son­dern zielbewußt aufbauende Arbeit, über die auch Rechenschaft abgelegt werden solle.

Die Arbeit in diesen einzelnen Arbeitsgemein, schäften mühte auf die nationalsozialistische Weltanschauung gegründet sein.

Nach einer Pause ergriff der stellvertretende Kreisobmann Dr. Leonhardt das Wort und beschäftigte sich kurz mit der Sachlage zwischen NSLB. und Philologenoerband, und zwar in Be­rücksichtigung der jüngsten Situation. Eine Doppel- Mitgliedschaft sei, so führte er u. a. aus, nach dem 1. Januar nicht mehr möglich. Es gelte, an einem Ziel zu arbeiten, Einzelinteressen zurückzustellen und für die Jugend das Beste zu schaffen. Der NSLB. sehe mit Vertrauen in die Zukunft, denn der Nationalsozialismus werde auch im Erzieher- stand langsam aber sicher seine Wege gehen. Nachdem das Orchester mit einer symphonischen Darbietung in sehr guter Wiedergabe erfreut hatte, beschloß Rektor Nebeling mit einigen weiteren geschäftlichen Mitteilungen die anregende Ver­sammlung. In einem dreifachenSieg-Heil!" auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler und mit dem aemeinfamen Gesang des ersten Verses des Horft-Wefsel-Liedes klang die Tagung aus.

Tagung des AS.-Amlebundes Oberheffen Nord

Am Sonntag fand eine Tagung der N S. Aerztefchaft von Oberhessen Nord im Hotel Viktoria zu Gießen statt.

Der Obmann des NS.-Aerztebundes Pg. Dr. Kranz (Gießen), eröffnete die Sitzung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Tagung ein derartiges Interesse gefunden habe, wie es der überfüllte Saal beweise.

Den ersten 23ertrag hielt der hessische Familien­forscher

pg. Pfarrer Knodt, Bad-Aaubeim, über das ThemaFamilienforschung". Der Dortragende behandelte vor allem folgende Fragen:

1. Die große volkserzieherische Bedeutung der Familienforschung als der Grundlage aller Rassen» sorschung.

2. Praktische Wege und Winke zur Familien- forschung.

3. Förderung einer planmäßigen Familienfor- schung als Grundlage einer neuen deutschen Eu­genik.

Aus den angeführten Aussprüchen großer deut­scher Männer ging hervor, daß wir uns in der Familienforschung selbst erkennen und in der Ge­schichte unserer Ahnen die Geschichte unseres Volkes, daß wir nicht Einzelwesen sind, sondern Glieder einer Kette, Blätter auf einem Baum und Träger einer Erbmasse.

FamiNenslerdcn ist Dolkssterben. Familien- entartnng ist Dolksentartung. Familienauf­stieg ist Volksaufstieg.

An einem Stammbaum sehen wir, wie aus einem Baar ein Dolk werden kann. An der Ahnentafel er­kennen wir die blutsmäßige Verwandtschaft aller Volksgenossen. Es ist als eine Großtat unseres Führers zu bezeichnen, daß er uns alle durch das Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeam­tentums gezwunaen hat, uns wieder mit unseren Vorfahren zu beschäftigen. Die Hauptguelle der Fa- milienforschung sind die K i r ch e n b ü ch e r , die als ein Ehrendenkmal der Kirche bezeichnet werden müssen. Um sie zu schützen und die Fami- liensorschung jedem Deutschen zu erleichtern und zu verbilligen, hat der Vortragende sowohl dem Reichs- discbof, als auch dem Sachverständigen für Rasten- künde im Reichsmiinsterium. Dr. Gercke, einen diesbezüglichen Vorschlag unterbreitet.

Die Familienforschung ist in der Lage, jeden Standesdünkel und klafsengeist ,n beseitigen, da fle beweist, daß In jeder Ahnentafel alle Stände von den höchsten bis zu den ein­fachsten vertreten find.

Die Ahnenprobe, die heute das Reich von jedem Beamten verlangt, ist nichts neues, lonöern etwas uraltes. Ferner wurde auf die verschiedensten Quel­len und Hilfsmittel der Familienforschung hingewie- fen. (Das deutsche Geschlechterbuch mit seinen 70 Bänden, von denen der Dorttagende die Hessen- Bande bearbeitet, und die deutsche Ahnengemein, schäft, die sich jetzt in Berlin befindet.s Zweck aller Familienforschung im Dritten Reich ist nicht ein persönliches, ionbern ein völkisches Dollen, nämlich die Grundlage zu schaffen zu einer das ganze Dolk umfassenden E r b g c f u n b : c t s - pflege. Aerzte, Geistliche und Lehrer find beru­fen, hier zusammenzuwirken.

Den zweiten Vortrag hielt der neue Direktor der hiesigen Universitäts-Neroenklinik,

Pg. profeffor ör. Hoffmann, (3imn, über dieErbprognose in der Pfychia- t r i e". Der fortschreitende Verlust wertvoller Erb­massen durch die dauernde Abnahme der Geburten­zahl sowie die zunehmende Ausbreitung von Erb­übeln und Erbkrankheiten in unserem deutschen Dolke muß notgedrungen eine Entartung der kom­menden Generation zur Folge haben.

Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Tlach- wuchses, das am 1. Januar 1934 in Kraft treten soll, ist eine der Maßnahmen unserer nationalsozialistischen Regierung, welche zn- künstige Geschlechter vor der drohenden Ge­fahr eines rassischen Unterganges bewahren soll.

Schon seit Jahren ist der medizinischen Dererdungs- forschung bekannt, welche Krankheiten erblich sind und nach welchen Gesetzen sie sich durch Generatio­nen hindurch übertragen. Kranke und minderwertige Erbmassen spielen vor ollem auch bei Geistesstörun­gen, Geistesschwäche und bei der charakterlichen Ent­artung eine hervorragende Rolle Bei den vom Ge- setz erfaßten psych.schen Krankheiten uyd Adnormi- täten lehrt uns die Betrachtung der Familien, daß in ihnen die erbliche Belastung mit psychischen Stö­rungen ein oft grauenvolles Unwesen treibt. Den Kranken selbst bedeutet ihr Kranksein Elend und Qualen, den gesunden Angehörigen seelische Not und wirtschaftliche Lest: Kasten und Fürsorgeeinrichtun­gen müssen Unsummen von Geldern opfern, die von tüchtigen, arbeitsfähigen Menschen aufgebracht wer­den. Chronische unheilbare Krankheiten, w e sie un­ter den Geistesstörungen so häufig sind, zehren an der gesamten Wirtschaft, die produktiven Zielen die- nen soll.

Die Erbkrankheiten zu verhüten, die kranken

Erbmassen auszumerzen, das ist der Sinn des Gesetzes.

So bestimmt das Gesetz, daß die Kranken, die an bestimmten erblichen psych chen St rungen und Anomalien leiden, unfruchtbar zu machen sind, falls nach ärztlicher Erfahrung mit großer Wahrschein­lichkeit ein erbkranker Nachwuchs zu erwarten ist. Die Forschungen des letzten Jahrzehnts führen uns mit erschreckender Klarheit vor Augen, wie hach in den einzelnen Fällen die Erkrankungswahrscheinlich- keit der Nachkommen einzuschätzen ist, so daß bis 50 o H In einer Geschwisterschast von der Erbkrank- heit befallen sein können. Dies aibt uns die Wei- sung, n-d) der im Sinne des Gesetzes verfahren werden soll im Intereste des Volksganzcn zum Wohle der kommenden Geschlechter.

Linficht in den Ernst der Lage und veranlwor- tungsbewußtsein für die Gemeinschaft sollen diesem gewaltigen Werk zum Siege verhelfen.

Im letzten Teil der Tagung fand eine Mitglie­derversammlung statt, in der von dem Be- zirksodmInn über die Richtlinien referiert wurde, nad) denen die rastenhygienische Arbeit des NS Aerztebundes fortgesetzt wird EinSieg-Heil'" auf den Führer schloß die eindrucksvolle und an An­regung reiche Tagung.

Gemeindeabend der Mtthänsgemeinde.

In der Fülle der winterlichen Veranstaltungen nehmen die Gemeindeabende unserer Kirchengemein­den einen besonderen Platz ein. Sie zeigen die Kirche auf neuen Wegen, Wurzel zu fasten im Volk und zu werben für den Kirchenaedanken. Daß die Ge­meindeabende der Matthäusaemeinde eine starke Anziehungskraft ausüben, hat auch der Gemeindeabend am oonntag im Caf6 Leib bewie­sen. Er zeichnete sich aus durch Geschlossenheit und Reinheit und entartete nicht, was leicht die Gefahr ist, in ein Allerlei von Anregung und Unterhaltung.

Eröffnet wurde der Abend durch zwei Choräle der Choraloereinigung der Stadtkirche un­ter Leitung des Organisten der Stadtkirchc, Herrn Heinz Simon. Es ist erfreulich, zu sehen, wie der Chorleiter in zäher und bewußter Arbeit im Laufe von zwei Jahren einen Chor schuf, der sich hören lasten kann. Der dreistimmige Frauenchor:Nun laßt uns Gott dem Herrn dankfagen und ihn ehren" sprach besonders an. Die Sängerin des Abends, Fräulein von der Heydt, sang Lieder von Bach, Ed. Rößler, A. Winterberger, Reger. Sie hat einen sympathischen Sopran und gewinnt sofort die Hörer durch ihren beseelten und schlichten Vortrag. Kraft- voll kam das Lied Nößlers heraus: .Emmanuel! Der Herr ist hier"-, vortrefflich aetang ihr das Lied der Maria an der Krippe, von A. Winterberger oer­tönt. Fräulein B. Möller begleitete am Klavier. Zum erstenmal hörten wir das Trio der Herren Studienrat Dr. Hillenbrandt (Cello), stuck. K. Rabenau (Violine), Studienreferendar P. Zoll iKtavier). Die Herren spielten Schuberts herrliches Klaoiertrio Es-Dur vom Jahre 1826, jenem glücks­reichen Jahr der Schubertschen Muse, dem wir eine Reihe der vollendetsten Gaben verdanken: Streich­quartette und zwei Messen, die große C-Dur-Sqm- phonie, die LiederzyklenWinterreise" undSchwa- nengefang". Mit JRedjt stellte man neben Schuberts Klaoiertrio das herrliche Klaoiertrio C-Moll von L. v. Beethoven. Die Herren spielten mit Hingabe. Virtuos geradezu spielte Herr P. Z o l l den Klavier­part: Cello und Violine erfreuten durch Weichheit des Tones und Wohlklang der Musik.

Die Gemeinde begrüßte Pfarrer Mahr als Ge- meinbepfarrer. Er wies auf die Kirche und ihre Bedeutung im Leben hin: wie sie uns durch ihr Da­fein und ihren Ruf mitten hieinstellt in ein heiliges

Geichehen, das unserem Leben erst Sinn und Ord­nung gibt, wie sie Gemeinschaft begründet im ©lau- ben, und wie rechtes Gemeindeleben gleichen muß dem Adventskranz in den Häusern, gestochten aus vielen einzelnen Tannenzweigen und doch verbunden zu einer starken Einheit, tragend die L chter des Advents, die Hinweisen auf das Heil der Welt. Daß jeder von uns ein Hinweis auf Christus, Botschafter (Hjrifti werden müsse, führte Stubentenpfarrer Tucker nachher in seiner packenden, gewlstrnan- fastenden Aussprache aus. Er sprach von dem Wi­derstand heute gegen Christentum und Kirche, von jener Richtung tn unserem Dolk, die das Christen- tum für den größten Verderb unseres Volkstums hält und dem nordischen Glauben das Wort redet. Demgegenüber wies der Redner darauf hin, wie das Christentum geradezu die stärkste «rast unserer Vor­fahren war, deutlich im Heiland, in den großen Gottvertrauensliedern aus dem 30jährigen Krieg. Wunderbar richtete der christliche Glaube die deut­schen Menschen auf: in Luther und In Bismarck schließen Deutschtum und Christentum einen unzer­trennlichen Bund. Die große ParoleGemeinnutz geht vor Eigennutz" kann nur gelernt werden, wo Menschen sich beugen vor Christus, dem Mann des Gemeinnutzes, und mit ihm verwachsen. Christus bedeutet nicht nur Erinnerung, sondern Gegenwart; er bedeutet die Revolution unseres gesamten Ledens.

Den Schluß des Abends machte das Advents- spiel von Franz Herwig, vom Bühnen- volksbund herausgegeben, in drei Bildern Welt und Menschen schildernd, die In der Not des Lebens sehnsüchtig sich verzehren nach dem Licht, ihre Seele verlieren an die Welt, und nur wenige sind es, die die Stimme Johannes des Täufers hören, die zur Buße und zum Himmelreich führt. Das Stück stellt große Anforderunaen an eine Spielschar. Die alt­bewährte Spielichar der Gemeinde wußte der Schwierigkeiten Herr zu werden Johannes den Täu­fer spielte stuck. K. Müller, Frau West Fräulein Dora Kern: auch die übrigen Rollen tagen ijt guten Händen.

Ueberreich war das Programm des schönen Abends. Solche Gemeindeabende sind ein wertvolles Mittel, kirchliche Gemeinschaft zu festigen und den Ge­meindegedanken hinienzutragen in die große Öf­fentlichkeit.

Der Obstbau im Kreise Gießen.

Eine bemerkenswerte Versammlung des Obst» und Gartenbauvereins Gießen.

Zur Gleichschaltung des Obst- und Gartenbau­vereins Gießen fand am Sonntag im Hotel Hopseld eine außerordentliche Hauptversammlung statt, in der sämtliche Mitglieder des Vorstandes ihre Sein- ter niederlegten. Um eine ungestörte Weiterarbeit zu ermöglichen, war auf schriftlichem Wege durch den Kreisbauernführer, Gutspächter Dorrs ch u ck von Hofgut Friedelhausen, der seitherige 1. Bor- sitzende, Garteninspektor Rehnelt (Gießen) zum vorläufigen kommissarischen Führer ernannt wor­den. Von den übrigen Vorstandsmitgliedern haben die Herren Löwer, Ampt, Hahn und Simon ihre Aemter bis zur endgültigen Regelung durch die zuständige Bauernkammer behalten. Daher tonn­ten die vorgesehene Erstattung des Jahresberichtes und die Kassenablage bis nach dem Beginn des neuen Jahres verschoben werden.

Die Mitteilungen über die Ergebnisse der letzten Obstbaumzählung in Hessen, wie im Reich lauten wie folgt:

Stadt und Gemarkung Gießen haben 24 000, darunter 2000 noch nicht tragende, Obftbäume und über 300 Pfirsiche. An zweiter Stelle im Kreise Gießen folgt Dich mit rund 12 000 Bäumen. Der volksstaat Hessen besitzt ins­gesamt 5 Millionen Obffbäume. Das entspricht einer Zunahme von fast einer halben Million

Bäume seit der letzten Zählung von 1913.

Im ganzen Reich sind an Aepfeln 69,5, Dirnen 26, Pflaumen, Zwetschen, Reineklauden und Mirabel- len 36, Kirschen 9 Millionen Bäume vorhanden. Der Anbau von Steinobst, namentlich der Aprikosen, ist allgemein stark zurückgegangen. Die Abnahme der Süßkirschen dürfte auf Verheerungen während des strengen Winters 1928/29 zurückzufichren (ein. Das sollte eine Mahnung an die Gemeinden bedeuten, billiges Land, das für die Süßkirsche geeignet ist, damit zu bepflanzen. Der Obstverbrauch in Deutschland ist, unabhängig von wirtschaftlichen Verhältnissen, fortgesetzt im Steigen begriffen. Eine Zunahme von Pfirsich ist gegenwärtig auch in sol­chen Landesteilen zu bemerken, in denen sesther diese Obstart kaum gezogen wurde.

Der anschließende Vortrag über Obstsorten, zu dem über 30 verschiedene Aepsel und einige Winter- birnen ausgestellt waren, ließ durch die lebhafte Aussprache erkennen, daß man dem Thema alle

Aufmerksamkeit entgegenbrachte. Zur Besprechung kamen die drei bekannten ReichsobstsortenSchöner von Boskop", »Zakob fieber undOntario" unter Angabe ihrer bekannten Fehler und Vorzüge, die zum allgemeinen Anbau weiter empfohlenen ilepfel und Birnen für Oberheffen, außerdem die sogenann­ten Liebhabersorten für den geschlossenen Garten.

Zufammensafiend kann berichtet werden, daß es gegenwärtig unter den immer noch nach Hunderten zählenden Kernobstforlen nicht eine gibt, welche überall mit gleichbefriedigendem Erfolg angebaut werden kann.

Das wird wegen der verschiedenen klimattschen und Bodenoerhältnisie wahrscheinlich immer so bleiben. Außerdem gibt es bestimmte, früher allgemein als vorzüglich anerkannte Obstbaumsorten, die im Laufe der letzten Jahre für allerlei Krankheiten anfällig Seworden sind und darum auf dieS ch w a r z e i st e" zu setzen sind. Don Aepfeln gehören hier- her: Große Kasseler Renette, Kanada-Renett--, Kai­ser Alexander, Harberts Renette, Muskat-Renette; von Birnen: Amanlis Butterbirne, Gute Luise, Diels - Hofrats, Napoleons - Butterbirne, Pastoren­birne und in vielen Lagen auch Williams Christ­birne. Alle diese Sorten faulen stark am Baum und werden auch dann schorfia, wenn rechtzeitig und genügend gespritzt wird, so daß sie entweder um­gepfropft, ober durch Neupflanzung anderer ersetzt werden müssen.

Schädlingsbekämpfung allein genügt nicht, um gutes pbst aus den eignen lisch und den Markt zu bringen.

Ebenso wichtig, in vielen Fällen ausschlaggebend, sind die Anwendung von Volldünger, reichliche Wassergaben bei trockenem Untergrund (bereits früh­zeitig) und Lockerhalten des Bodens. Ein Fehler ist es auch, wenn Immer nur frühzeitig tragende Obst­sorten zur Anpflanzung kommen, denn diese ver­langen nicht nur mehr Nahrung als allgemein geboten werden kann, sondern sie sind auch früh abgetragen und werden bann mehr als andere von Krankheiten heimgesucht. Nachdem der Bauer auf seinem Erbhofe damit rechnen kann, daß die Früchte des von ihm gesetzten Baumes auch noch den Enkeln und Urenkeln zukommrn können, sollten wieder die alten Sorten mehr Beachtung finden.

Große Strafkammer Gießen.

Ein Einwohner aus Homberg war vom Gießener Schöffengericht wegen Vergehens gegen die Deoisen- oerorbnung zu einer Geldstrafe von 80 Mark ver­urteilt worben. Die von der Staatsanwaltschaft zum Zwecke der Erhöhung der Strafe eingelegte Berufung war insofern erfolgreich, als das zweit­instanzliche Gericht die Strafe auf 300 Mark erhöht. Im Jahre 1930 unterhielt der Ange­klagte bei einer Baseler Bank ein Konto von etwa 5000 Mark in Schweizer Franken umgewanbelt, ohne den Betrag der Reichsbank anzubieten. 1932 kaufte er bann von einem Teil dieses Geldes IG.- Färben-Aktien und für den anderen Teil Gold- Pfünbbriefe von Frankfurt. Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

Der Viehhändler Sally Sonneberg aus Langsdorf schädigte eine Kaste in Höhe eines Be­trages von 18000 Mark Durch das Geständnis des Angeklagten wurde festgestellt, daß er 66 Wech- sei gefälscht und an die Kasse rociteracqeben hatte, daß er weiterhin eine Kreditbürgschaft fälschte und sie mit falscher Unterschrift versah. Der Angeklagte trieb diese einzelnen Straftaten längere Zeit. Ent­sprechend dem Anttag des Staatsanwalts erkannte das Gericht auf zwei Jahre Gefängnis. Außerdem trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens.

Unter Ausschluß der veffenttichkeit hatte sich das Gericht mit dem zur Zeit in Strafhaft sitzenden Hugo Filan zu befassen, dem die Anklage Be­trug, fahrlässige Körperverletzung und ein Ver­brechen im Sinne des § 176 Z. 3 zur Last legte. Der Angeklagte, der schon vorbestraft ist, gab sich u. a. bet einer Frau als Arzt aus und machte die Frau hatte ein Beinleiden gänzlich unfach­männische Eingriffe, so daß sich der Zustand der

Frau wesentlich verschlechterte. Das Urteil lautete auf ein Jahr zwei Monate Gefängnis, nachdem der Vcrrreter der Anklage ein Jahr vier Monate beantragt hatte.

Der Kaufmann Hans Koppmaier und das Hausmädchen Ottilie Eller in Gießen wurden feiner Zeit durch das Gießener Schöffengericht wegen fortgesetzten Verbrechens der Urkunden­fälschung in Tateinheit mit Betrug Koppmaier zu drei Monaten, die Eller, seine Braut, zu einem Monat Gefängnis verurteilt Beide Angeklagten verfolgten dagegen Berufung. Die Eller nahm gestern ihr Rechtsmittel zurück. In der geftrigen Hauptverhandlung ergab sich folgendes: Kopp­maier war Provisionsreisender bei einem 6tutt- aarter Zeitschrlsten-Derlag. Der Angeklagte gab Bestellscheine auf, die er mit in Arbeit stehenden volljährigenBeziehern" unterzeichnete. In Wirk- lichkett handelte es sich aber um minderjährige Personen, die eine solche rechtsgeschäftliche Ver­pflichtung nie eingehen konnten. Auf diese Weise versuchte der Angeklagte, sich in den Besitz der ver­einbarten Provision zu setzen. Dabei war ihm f-ne Braut behilflich Das Gericht wies sowohl die Be- rufuno des Angeklagten, als auch die der Staats» anwaltschaft zurück und bürdete bezüglich der des Angeklagten ihm d'e Kosten au'. Im anderen Falle ttö-tt die Staatskasse die Kosten.

Schließlich stand noch eine Beruftmgsfache des rar Zeit in Butzbach sitzenden Hausierers Friedrich Kuhn zur Verhandlung, der anläßlich ein»* Schreib-ns an das Gericht in der übelsten Weise zwei Beamte von Butzbach befeibiate und bes­iegen vom hiesigen Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ent­sprechend dem Anttag des Bertreters der Anklag* wurde die Berufung zurückgewiesen.