Ausgabe 
4.5.1933 Frühausgabe
 
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OerReichsstan- des deutschen Handwerks

Llmstellung in der handwerklichen Spihenorganisaiion.

Berlin, 3. Mai. (TU.) Im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates fand am Mittwoch die Voll­versammlung des Reichsverbandes des deutschen Handwerks statt, um die durch die Gleichschaltung notwendig gewordenen Umstel­lungen in allen Mitgliedsgruppen durchzuführen. Der Vorsitzende des Reichsverbandes, G e r l i e n - Hannover, legte sein Amt nieder. Er bestimmte zu seinem Nachfolger den Referenten für Handwerk und Gewerbe im Kampfbund des gewerblichen Mit­telstandes, Dr. Z e l e n i. Darauf ergriff der Reichs­kommissar für den gewerblichen Mittelstand, Dr. W i e n b e ck , das Wort zu einer kurzen Begrü­ßungsansprache. Bisher sei niemals eine vernünf­tige Mittelstandspolitik getrieben worden. Hier Wandel zu schaffen, sei die Aufgabe der neuen.Re­gierung.

Danach wurde der Leiter des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand. Dr. v. Ren­te l e n, und als sein Vertreter Dr. Zeleni in den Vorstand gewählt. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß der Sih des Verbandes nach Berlin verlegt werden soll. Hierauf ergriff Dr. v. Rente len das Wort und führte u. a. aus: Das deutsche Handwerk nehme den Ruhmestitel für sich in Anspruch, in großen Teilen aktiver Träger der deutschen Erhebung zu sein.

Die Zeil des Liberalismus sei dem Handwerk zum Fluch geworden. Das deutsche Handwerk

werde einen Entwurf für den ständischen Auf­bau des Handwerks ousarbeilen als Grundlage einer kommenden neuen Ordnung.

Der Redner streifte dann kurz das kommende Mittelstandsschutzgesetz und verlas darauf den Antrag zur Gründung eines Reichs st andes des deutschen Handwerks, der die Reu­regelung der beruflichen Organisation des Hand­werks durchführen solle. Der Reichskanzler wurde gebeten, so bald als möglich die gesetz­liche Reuordnung der Handwerks­organisationen unter Einschluß der un­selbständigen Handwerker durchzuführen.

Zum Führer des Reichsstandes des deutschen Handwerks wurden Dr. v. R e n t e l e n, zu seinem Vertreter Ze len i gewählt. Außerdem wurden 12 weitere Mitglieder des Reichsverbandes dem Präsidium des Reichsstandes zugewählt. Der Reichskanzler, der ursprünglich sein Erscheinen zur Tagung zugesagt hatte, war durch Bespre­chungen über die Statthalterfrage und durch den Empfang einer saarländischen Abordnung ver­hindert. Ihm wurde von der Gründung des Reichs st an des des deutschen Hand­werks Kenntnis gegeben mit der Bitte, die Schirmherrschaft dieser neuen Organisa­tion zu übernehmen.

Ltmbau des Reichsverbands der Deutschen Industrie.

Berlin, 3. Mai. (Sil.) Rach einer Unter- redung, die der Reichskanzler Hitler heute dem Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deut­schen Industrie Dr. Krupp v. Bohlen und Halbach gewährte, und nachdem der Reichs­wirtschaftsminister Dr. H u g e n 6 e r g die Her­ren Dr. h. c. Otto W a g e n e r und Alfred Möllers, M. d. R., zu Kommissaren des Reiches für den Reichsverband der Deutschen Industrie und für die übrige Wirtschaft mit Ausnahme der Landwirt­schaft bestellt und nachdem ferner Dr. Wagener für den Bereich des Reichsverbandes Dr. von L u ct e zu seinem Stellvertreter ernannt hat, veröffentlicht der Deichsverband der Deutschen Industrie folgende Erklärung:

Entsprechend dem Beschluß des Präsidiums vom 6. April, durch den der Vorsitzende Dr. Krupp v. Bohlen und Halbach einstim­mig zur Vorbereitung und Durchführung der Maßnahmen zur Vereinfachung und ilmgestal- tung der Industriellenverbände ermächtigt wor­den ist, wird Herr v. Bohlen die ihm übertragene außerordentliche Vollmacht dazu benutzen, um

1. auf dem Gebiete der industriellen Verbands organisation das wirtschaftlich Gegebene mit dem politisch Notwendigen abzustimmen;

2. die neue Organisation in Uebereinstimmung mit den politischen Zielen der Reichsregierung zu bringen und sie zugleich so rationell und schlagkräftig zu gestalten, daß sie der Bedeu­tung der Industrie entsprechend ein wirksames Instrument der Industriellenwirtschaft im Rahmen des nationalen, sozialen und wirt­schaftlichen Wiederaufbaues sein kann.

Diefe zweifache Aufgabe erstreckt sich nicht nur auf den Reubau des Reichsverbandes der Deut­schen Industrie selbst (d. h. insbesondere die Durch- sührung aller hierzu notwendigen organisatori­schen und personellen Maßnahmen), sondern sie umfaßt auch den großen Fragenkreis der be-l rufsständischen Gliederung derWirt»

schäft überhaupt. Vordringliches Ziel der Wirtschaft und der Industrie muß es hierbei sein, unter engster Anknüpfung an das Bestehende und unter Aufrechterhaltung des wertvollen Gutes der freien Selbstverwaltung jede ileberorganisation auszumerzen und die Organisation so einfach und wirkungsvoll wie möglich zu gestalten. Für die einzelnen aktuellen Fragengebiete, z. D. der Or­ganisation und der berufsständischen Gliederung, der auch für das Wirtschaftsleben unentbehrlichen ethischen Grundlagen der Währungs- und Kre­ditpolitik, der Steuerpolitik werden besondere be­ratende Ausschüsse bestimmt werden.

3n Anerkennung des Führerprinzips wird Herr von Bohlen in sämtlichen Ausschüssen selbst den Vorsitz unter Vorbehalt der Ernennung von Stellvertretern und die Verantwortung für die Entscheidung übernehmen.

Rach Abschluß der weiteren Verhandlungen mit den Reichskommissaren und nach Beendigung der Aufstellung eines endgültigen Planes für die Reorganisation des industriellen Verbandslebens werden die maßgebenden Gremien zu einer be­sonderen Tagung einberufen werden.

Auf -em Wege zur Arbeitsdienstpflicht.

Die ersten grundlegenden Verfügungen.

Berlin, 3. Mai. (CNB.) Der Reichs­arbeitsminister in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für den Arbeitsdienst und der Staatssekretär für den Arbeitsdienst haben, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, eine Verfügung zur Vorbereitung der Arbeitsdienstpflicht erlassen, die die Aufstellung von-S t amm-Abtcilungen anordnet. In den Stammabteilungen müssen 60 v. H. der Belegschaft Nationalsozialisten oder Stahlhelmer sein, die vor dem 20. Ja­nuar 1933 in die NSDAP, ober den Stahlhelm ein- getreten sind. Neue Maßnahmen im Arbeitsdienst

Oie von Bolanden.

Von Wilhelm Schäfer.

Der Reichenstein, dicht über Trechtlingshausen, wird heute die Falkenburg genannt; und wer die arg zerstörten Mauern sieht, glaubt nicht leicht, daß Rudolf von Habsburg mit seinem ganzen Heer die Burg noch viele Wochen lang ver­geblich berannte, als schon der Rheinstein, Sooneck und Waldeck gebrochen waren und die Ritter den Tod am Galgen erlitten hatten. Bis ihm der Hunger half; da fielen eines Tages die Brücken und ein blasser Bote schlich ins Tal mit weißem Stab, die Burg zu übergeben. Der König aber hatte den Spruch getan: Wer ritter­liche Ehre vergaß, soll als gemeiner Räuber sterben, und wollte von keiner ritterlichen Kleber» gäbe hören.

So kamen anderen Tags Philipp von Bolanden und seine Söhne, neun an der Zahl und wie ihr Vater mächtige Gestalten, mit den Knechten gepanzert und bewehrt den zerstörten Durgweg herab und traten festen Schrittes in den Lanzen­wald, womit der König sich umgeben hatte. Der sah ste finsteren Auges an, hieß dann die Ritter eine Gasse machen, so daß die Herren von Bolanden die zehn Gerüste sahen, daran sie hangen sollten. Da fiel der alte riesenhafte Mann, ben sie am Rhein gefürchtet hatten, in seine Knie und bat um Gnade vor solchem Tod. Doch als des Königs Auge sich streng von ihm und nach dem Galgen wandte und nur um seinen Mund ein hartes Lächeln zuckte, stand er aus, nahm seinen Helm vom Haupte, daß ihm die weißen Haare in der Rheinluft flatterten, und sagte, Zorn und Verzweiflung in der Stimme: Was meinen Freunden gesah, die Schande will ich tragen; nur sei gerecht an meinen Kindern: sie haben mir gehorcht als ihrem Vater, und das ist kein Verbrechen!

Hier aber trat der Jüngste von den Söhnen zu ihm hin, ein Knabe, noch blondhaarig und kühnen Auges; und obwohl er kaum die rechten Worte fand, so war doch keiner, der ihn nicht verstand: daß sie dem Vater folgen wollten, wohin er ginge, auch an den Galgen nur solle er vor keinem in der Welt als Bettler knien! Der Alte, der in dem harten Zorn des Königs ein anderes durch die Augen flammen sah, trat mit dem Knaben dichter vor ihn hin und flehte ihn um seiner eigenen Kinder willen an, daß er zum wenigsten diesem Jüngsten, als dem letzten Bolanden, das Leben schenken möge, mit dessen Jugend Gott selber Erbarmen haben würde! Als er dabei in die Knie sank und all

die andern Söhne desgleichen niederbrachen und um dies eine baten, während der Knabe wild erhobenen Hauptes stand, und eine Bewegung durch den Lanzenwald der Ritter ging bis weit hinaus: da hob der König sein Schwert mit beiden Händen hoch und stieß es zornig in den Boden: Philipp von Bolanden, einen Schwur hab ich getan, den ich nicht brechen kann. Doch wenn du meinst, daß Gott Erbarmen hat mit deinen Söhnen: ich will dich eines ritterlichen Todes sterben lassen; gib mir danach ein Zeichen, daß du mit Gott gesprochen hast, damit ich meines Schwures ledig bin!

21m andern Morgen, nach einer Rächt, da auch der Reichenstein im Feuer loderte, als die Adler­banner des Deutschen Reiches über den rauchen­den Trümmern flatterten, schritt Philipp von Bolanden ungefesselt mit seinen Söhnen zu dem langen Sandhaufen, der in den grünen Rasen gegraben war. Da standen sie in einer stolzen Veihe nach dem Alter und fest an ihnen ging der greife Ritter vorbei, faßte jeden stark ins Auge und bei dem Jüngsten stand er still und gab ihm einen Kuß auf seine düstere Stirn. Dann schritt er, gleichsam die Schritte zählend, zurück an seinen Platz, beugte den Kopf tief in den Sand und empfing den Schwerthieb. Kein Blutstrom aber quoll aus seinem Rumpf; und als sein Kopf dumpf in den Sand hinunterrollte, hob der schwere Körper sich auf, wankte ein paarmal, als ob er den Weg nicht fände, und ging dann ohne Kopf langsam und sicher wie vorhin an Sohn und Sohn vorbei bis zum letzten, vor dem er stehenblieb und fast sich beugte und die Arme hob, wie ihn zu küssen, und dann erst langsam zu Boden fiel, daß seines Blutes ein langer Streif hinfloß bis vor den Aeltesten. Da wurde König Rudolf bleich und während die Mönche in die Knie sanken und bei den Rittern eine Bewegung war, als ob ein Wind in ihre Lanzen führe, daß sie zu klingen begannen wie Geläute: trat er vor die Sohne hin festen Schrittes in das Blut des Vaters und gab einem jeden einen Schlag mit dem Schwert auf feine Schulter. So wurden die von Bolanden wieder ehrliche Ritter, weil Gott Erbarmen hatte vor menschlicher Gerechtigkeit.

Gefahren unb$reut>en des Film-Jägers

»Das ist wahrer Sport! Kein Gewehr, kein Schuß. Beobachtung der Ratur. 2llle Aufregung in erhöhtem Maß, wie sie nur die Großwildjagd geben kann. Tiere vor der Kamera, so wie sie sind ungestört, Raturdokumente zu schaffen, an die Zi­vilisation zu appellieren, um sie zu veranlassen,

dürfen nur noch anerkannt werden, wenn die natio­nalsozialistischen Dienstträgervereine oder der Stahl­helm, Bund der Frontsoldaten, als Dienstträger auf- treten. Laufende Maßnahmen der übrigen Dienst- träger sollen nur dann noch weiter durchgeführt wer­den, wenn sie volkswirtschaftlich wertvoll sind. Bei bereits anerkannten, aber noch nicht in Angriff ge­nommenen Maßnahmen der übrigen Dienstträger ist die Anerkennung zurückzuziehen. Ferner sind auch bereits Verfügungen über die Führer schulung erlassen. Alle übrigen, in der Oefsentlichkeit verbrei­teten Nachrichten greifen den Dingen vor und ent­sprechen zum Teil nicht den Tatsachen.

Oie Einladungen zu der Weltwirtschastskonferenz.

Genf, 3. Mai. (WTB.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat die Einladungen zu der Weltwirtschaftskonferenz am 12 Juni 11 ilfjr in London im Geologischen Museum an 66 Staaten, darunter acht Richtmitgliedsstaaten des Völker­bundes, verschickt. Der Vertreter der Vereinigten Staaten Rorman Davis wird der Konferenz einen Zollwaffen still st and Vorschlägen. Alle Staaten sollen sich verpflichten, während der Dauer des Zollwaffenstillstandes keine neuen Zölle einzuführen, oder die bestehenden Zölle nicht zu erhöhen. Ferner sollen keine neuen Ein­fuhrbeschränkungen vorgenommen und die bestehenden Einfuhrbeschränkungen nicht verschärft werden. Schließlich sollen sich die Regierungen verpflichten, keine weiteren direkten oder indirek­ten Prämien für die Ausdehnung ihrer Export- Industrie zu gewähren, keine Handelsdiskrimie- rungen vorzunehmen und keinerlei Dumping-Maß­nahmen zu begünstigen.

Oeutschtand und polen.

Der Berliner polnische Gesandte beim Reichskanzler.

Berlin, 3.Mai. (WTB.) Der polnische Ge­sandte Wysocki stattete dem Reichskanzler einen Besuch ab. Die Unterredung, bei der Außen­minister v. Neurath zugegen war, beschäftigte sich mit den schwebenden politisck)en Fragen, die das Verhältnis Deutschlands zu Polen be­rühren. Der Reichskanzler betonte die feste Absicht der deutschen Regierung, ihre Einstellung und ihr Vorgehen streng st ens im Rahmender b e - stehenden Verträge zu halten, und sprach den Wunsch aus, daß die beiden Länder ihre ge­meinsamen Interessen beiderseits leidenschaftslos überprüfen und behandeln möchten.

Ein gerechtes Urteil

Washington, 3. Mai. (WTB.) Der frühere amerikanische Botschafter in Berlin, Sacket, be­tonte Pressevertretern gegenüber, daß Deutsch­land eine Revolution durchmache, die eine ebenso einschneidende Umwälzung bedeute, wie die französische Revolution von 178 9, ohne daß jedoch Deutschland in die Extreme von da­mals verfallen fei. Das deutsche Volk habe die neue autokratische Regierung begrüßt, und daher voll­ziehe sich auch der Umschwung in der größten Ruhe und Ordnung.

Oer Kyffhäuserbund im neuen (Staat.

Berlin, 3.Mai. (CNB.) Wie Die Pressestelle des Kyffhäuserbundes mitteilt, empfing Reichs­minister G ö r i n g am 2. Mai den Präsidenten des Kyffhäuserbundes General der Artil­lerie a. D. o o n H o r n. Es fand eine längere Aus­sprache statt über die Stellung des Kyff­häuserbundes im neuen Deutschland. Es wurde vereinbart, daß sogleich Verhandlungen des Bundesvorstandes mit der Leitungder NSDAP, beginnen sollen. Auf Sonntag, 7. Mai, ist eine außerordentliche Sitzung des Gesamtvorstandes des Deutschen Reichskriegerbunds Kyffhäufer nach Ber­lin einberufen worden.

sich dafür einzusetzen, den Tieren den Schuh zu- fommen zu lassen, der ihnen gebührt, und zu er­kennen, daß auch der Reichtum des Landes, das einst der dunkle Erdteil war, in den Geschöpfen steckt, mit denen Gott diesen Erdteil gesegnet." Mit solchen Worten preist der bekannte Afrika- Reisende Hans Schomburgk die Erlebnisse des Film-Jägers in der afrikanischen Wildnis in..Re- clams Llniversurn". Der Film-Jäger muß alle die Eigenschaften besitzen, die man von einem weid­gerechten Jäger fordert. Dazu gehört eine ganz genaue Kenntnis des Wildes, seiner Gewohnhei­ten und seines Charakters. Denn es ist noch sehr viel schwerer, als ein Tier zu erlegen, es so zu beschleichen, daß man vollkommen natürliche und wahre Aufnahmen in freier Wildbahn machen kann. Auf seiner letzten Expedition führten Schom- burgk und seine Genossen keine Gewehre mit sich. Wenn Paul Lieberenz und ich es uns zum Grund­satz gemacht hatten und diesen Grundsatz restlos durchführten, bei keiner Filmaufnahme ein Ge­wehr auch nur in der Rähe zu haben", schreibt Schomburgk,so möchte ich ausdrücklich betonen, daß das bei Lieberenz, der am Aufnahme-Appa­rat stand, ein Zeichen unerhörten Mutes war. Ich bin durch die langen Jahre der Erfahrung zu der Lieberzeugung gekommen, daß es besser ist, selbst bei gefährlichen Aufnahmen kein Gewehr zu füh­ren, da es einen zu leicht in die Versuchung bringt, vorzeitig zu schießen. Lind wehe, wenn man in solchem Fall nicht gleich tödlich trifft! Dann be­schwört man eine Gefahr herauf, die vorher gar nicht existierte." Mit den Aufnahmen fängt man weist schon an, wenn das Tier noch zu weit ent­fernt ist. Schomburgk hat nämlich festgestellt, daß das Summen der Kamera aus das Wild einen überaus beruhigenden Einfluß hat. Auch die scheuesten Tiere, wie die Kudu-Antilopen, können diesem einlullenden Gesang des Apparates nicht widerstehen, sondern fangen ruhig an zu äsen, so daß es der Film-Expedition zum ersten Male ge­lang, diese Tiere in Freiheit festzuhalten. Eben­so ging es mit den Giraffen. Am schwersten war die Aufnahme der kleineren Antilopenarten, die man bisher im Film noch nicht gesehen hatte Da­gegen sind Aufnahmen von Elefanten und Ras- Hörnern keine Spielerei. Schomburgk, der berufs­mäßiger Elefantenjäger war, 63 Elefanten ge­schossen und dreimal unter einem Elefanten ge­legen hat, bekennt offen, daß er bei der An­näherung an diese Riesen noch immer Angst habe. Man muß ©ebu^e mit Gummisohlen anziehen und genau oen Wind studieren, um so in der gün­stigsten Richtung an eine äsende Herde heranzu­kommen. Wenn sie beunruhigt werden und wild losrasen, können sie Kamera und Mensch leicht zertrampeln...

Oer Reichskanzler zmm Ehrendoktor ernonjtf.

Stuttgart, 3. Mai. (WTB.) Die Tech­nische Hochschule h<at den Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrendoktor ernannt, ..als den Mann, der d^rch seinen sieghafte» Kampf für deutsche Ar', den Boden bereitet hat, auf dem allein eine /deutsche Baukunst wieder wachsen kann".

Aus a ller Welt.

Eisenbahnunfälle durch Blitzschlag.

Während eines heftigen Gewitters schlug der Blitz in den von München abgehenden Schnell­zug 107, der zwischen Maisach und Mannhofen auf der Augsburger /Strecke fuhr. Infolge des Blitz­schlages entstand in der Lokomotive Kurzschluß unb diese mußte au'ßer Betrieb gesetzt werden. Eine Ersahmaschine '.brachte den Zug nach Augsburg. Llngesähr zur gleichen Zeit wurde auch der Trieb­wagenzug AngsburgMünchen bei Mannhofen vom Blitz getroffen, wodurch die Siche­rungen durchlgeschlagen wurden. Der Zug konnte mit 20 Mi/nuten Verspätung seine Fahrt fort­sehen. Es ist nur Materialschaden entstanden; Personen wurden nicht verletzt.

Vorbereitungen

;um italienifchcn Transozean-Gefchwckderflug.

Die Q3op.bereihingen für den großen italienischen Geschworderflug, der unter der Leitung des Luftfahrtyiinisters Dalbo von Italien nach Rocdamexika führen wird, sind in vollem Gange. Der DawpferRoma" ist mit dem für die Zwi­schenlandungen des Geschwaders Benötigten tech­nischen Material, u. a. 400 Kisten Ersatzteile für 24 Wasserflugzeuge, bereits in Reuyork cingetrof- fcn. Dais Schiff wird vorläufig in Reuyork blei­ben, bi$> die Landeplätze festgelegt sind, die auf dem T^ansatlantikflug angeflogen werden sollen. Das AllugzeugstationsschiffWestfalen" nach feinem

/ :. Atlantikstandort unterwegs.

Dars «deutsche FlugzeugstationsschiffWest­fale? n, das als Fluginsel im sogenannten Kalmen-Gürtel" im Südatlantik zwischen Süd­amerika und Westafrika verankert werden soll, um -für die Flüge der Lufthansa noch Süd- amarika als Stützpunkt zu dienen, hat seine Pr/obesahrten beendet und ist nach seinem Stand­ort unterwegs. DieWestfalen" passierte in einer der letzten Rächte den Rord-Ostsee-Kanal.

Brutaler MebcrfaU auf einen SA.-Mann.

In Kassel wurde ein auf dem Heimweg be­griffener SA.-Mann von drei Män- nern überfallen. Die Täter hatten sich die Gesichter mit Ruß geschwärzt und schlugen mit scharfkantigen Werkzeugen den SA.-Mann, einen 34jährigen Aufseher, nieder und warfen den Bewußtlosen dann über eine zwei Meter hohe Hecke auf den Bahnkörper. Durch Vorüber­gehende konnte der Verletzte geborgen und in das Landeskrankenhaus eingeliefert werden.

Grauenvolle Bluttat aus religiösem Wahnsinn.

Als Dieser Tage der Sohn der als sektiererisch be­kannten Familie Schultheiß in Rudolstadt (Thür.) von Der Arbeit nach Hause kam, sand er seine in den 40er Jahren stehende Mutter blut­überströmt und t o t im Zimmer liegend aus. In­zwischen war von der Polizei der Ehemann Schultheiß, ein etwa 50jähriger Lithograph, aus der Saale gezogen worden, in die er sich ge- stürzt hatte, um aus dem Leben zu scheiden. Der Mann scheint die Tat in einem Anfall religiöser Wahnvorstellungen begangen zu haben.

Anschlag auf einen Expreßzug in Indien.

Bei einem Anschlag auf den Pundschab- Expreßzug, etwa 300 Kilometer von Kalkutta entfernt, wurden fünf Inder getötet und 11 verletzt. Terroristen haben den Hug zur Ent­gleisung gebracht. Die Lokomotive und zwei Wagen wurden vollkommen zusammengedrückt.

Oie Weißdornhecke.

Von Georg von der Dring.

Mein Rachbar ist Bildhauer. Er ist arm. mehr als zeitgemäß arm ist er. Er besitzt als Bildhauer einen guten Ruf, aber keine Aufträge.

In seinem Garten liegen ein Paar zerbrochene Figuren herum, wie erschlagene Krieger. Gr ist selber ein alter Soldat. Manchmal stehen wir an der Hecke, die unsre Gärten trennt und unter­halten uns. 2m Herbst sagte er einmal am Ende eines langen Gesprächs, indem er halb zornig, halb mutlos auf die entblätterte Weihdornhecke deutete:

In diesem Winter werden wir die 6a ver­heizen."

*

Den ganzen Winter über hatte ich die Hecke im Auge. Oft träumte ich von ihr. Es ist eine, hübsche, sorgfältig geschnittene Hecke, ziemlich hoc" schon, dabei breit und dicht. Es wäre schade um die Hecke. Dann sah ich zum Dach des Bild- Hauerhauses hinauf, ob der Schornstein rauc' c- Er rauchte schwach in den Winterhimmel. Die Frau ging* nähen und verdiente. Manchmal trat ick drüben ins Atelier. Der Bildhauer be­schäftigte sich mit einigen alten Oelbildern, ti man ihm zum Aufarbeiten gegeben hatte. 40 Mk. für vierzehn Tage Arbeit. Aber das Atelier war geheizt.

Die Sorge um diese Menschen wollte uns nicht verlassen. Solange aber die Hecke noch da war, schien das ärgste noch nicht eingetreten. Wir waren selber arm. Wir standen am Fenster der geheizten Stube und sahen die winterlich dürre Hecke an. Werden wir untergehen? Werden wir am Leben bleiben? Llnsre Augen fragten die Hecke. Sie wurde zum Symbol. Wenn der Bild­hauer im ©arten erschien, zitterten wir um den Ausgang.

Aber heute morgen ist der Frühling gekommen. Die Hecke hat ein Wunder vollbracht: sie gtüi.t in tausend und aber tausend Knospen und ift wie eine hellgrüne Milchstraße vor dem Schwarz der Gartenerde anzuschauen. Lind nun die Sonne durch die Wolken bricht, Punkt 12 Llhr mittags, tritt der Bildhauer in den Garten. Aus bei lasche seines weihen Kittels nimmt er eine Hand­voll Samen und Pflanzt sie, sich bückend, an der Kecke entlang in die Erde. Es sollen dort Ringel­blumen blühen.

Die Hecke ist gerettet, wir sind gerettet.

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