Die stummen Gäste von Zweilinden
RomanvonAnny vonpanhuys.
Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.
31 Fortteyung Jiod)örud verbotenI
Wunderhübsch sah Molly Rückert aus, der Taubenblick ihrer Braunaugen grüßte Konrad wie in geheimer Zärtlichkeit.
So schien es Bettina Zweilinden
Nach dem Kaffee, den man in einer Parklaube einnahm, machten Molly Rückert und Konrad Zweilinden einen Spaziergang durch den Park, und nachdem sie ein Weilchen so nebeneinander gegangen, wurden sie beide schweigsam. Es stand plötzlich etwas Lastendes zwischen ihnen wie eine trennende Schranke. Es war, als wolle jeder von ihnen sprechen, und wage sich nicht recht heraus damit.
Molly schaute ihren Begleiter oft von der Seite an, und er dachte, die junge Baronesse warte wohl auf seinen Antrag.
Er überlegte: Sollte er sprechen, sollte er den Wunsch seiner Mutter erfüllen und die Baronesse bitten, seine Frau zu werden? Ihm war es, als ginge anstatt der eleganten frischen Molly Rückert ein wunderschönes Mädchen mit Märchenaugen neben ihm her, mit dem stolzen, freien Gange, der den Spanierinnen eigen.
Er sann, das war jetzt gerade der rechte Augenblick, an Angela zu denken! Wie sollte er es da wohl fertigbringen, die andere zu bitten, seine Frau zu werden?
Das Schweigen zwischen seiner Begleiterin und ihm dauerte peinlich lange. Sie waren jetzt bis in die Nähe des alten Pavillons gelangt, der weit offenstand. Er war vor kurzem neu möbliert worden, und nur, um endlich etwas zu sagen, fragte Konrad Zweilinden: „Wollen Sie sich einmal den Pavillon ansehen: Mutter hat ihn für mich ganz neu ausstatten lassen; wie ein schönes Zimmer ist er geworden. Ich sitze so gern darin, Mutter aber hat eine sonderbare Abneigung gegen ihn/'
Molly Rückert schien flüchtig zu schwanken, ob sie mitgehen sollte; doch dann neigte sie den Kopf und blieb an Konrads Seite.
Sie traten ein. Molly setzte sich in einen der Ledersessel, und Konrad Zweilinden sah ihr nur zu deutlich an: sie war unruhig. Sie schien darauf zu warten, er solle endlich davon sprechen, was sie beide anging. Ach, es war doch eine fatale Situation, in der'er sich befand. Er seufzte unwillkürlich ziemlich laut.
Molly schien sich als Echo betätigen zu wollen; sie seufzte ebenfalls, nur ?in wenig leiser.
Er blickte sie an, sie lächelte gequält. Und ehe er
reden konnte, sagte sie plötzlich: „Ich weiß nicht recht —" Schon brach sie wieder ab.
Er hätte beinahe gesagt: „Ich weiß auch nicht recht!" Aber ehe er die Lippen öffnete, war er sich schon darüber klar, daß es recht töricht klingen mußte.
Er fragte: „Was wissen Sie nicht recht?"
Sie wurde sehr rot und verlegen. „Ach, es ist für mich furchtbar peinlich, und ich weiß nicht recht, wie ich anfangen soll. Eigentlich dürfte ich wohl gar nicht, nein, ich meine", unterbrach sie sich, „ich möchte Ihnen gern erklären —"
Sie war schon wieder am Ende ihrer sprachlichen Begabung. Konrad von Zweilinden aber war es heiß und kalt geworden. Er zweifelte nicht mehr, Molly Rückert dauerte seine endgültige Erklärung zu lange, sie ging zum Angriff vor.
Mollys sanfte Braunaugen irrten in dem Raume umher, als suchten sie etwas. Sie hatte sich zu Hause alles so gut und genau zurechtgelegt, was sie Konrad Zweilinden sagen wollte, und jetzt fiel ihr kein einziger gescheiter Satz ein.
Sie begann wieder mit abgewandtem Blick. „Sie wissen wohl, Herr von Zweilinden, daß Ihre Mutter und meine Eltern gern möchten, daß wir uns heiraten."
Er dachte, immer mehr ernüchtert, wie geschmacklos es von der Baronesse war, sich ihm von selbst anzutragen. Sie hatte es zwar noch nicht getan, aber weit davon entfernt war sie auch nicht mehr. Mochte sie nur herumdrucksen, bis sie herausgebracht, worauf es ihr ankam. Er half ihr gewiß nicht.
Sie fragte: „Nicht wahr. Sie wissen es auch, was Ihre Mutter und meine Eltern sich schon seit langem wünschen?"
Er erwiderte kurz und höflich: „Jawohl, Baronesse."
Sie schluckte mehrmals.
„Nun ja, wir wissen es beide, und meine Eltern sind auch sehr damit einverstanden, sie finden sogar, Sie warten ein bißchen zu lange mit der Erklärung."
Donnerwetter, viel deutlicher konnte Molly wohl nicht mehr werden. Sie mahnte ihn, wenn auch durch die Blume, doch ziemlich energisch daran, endlich zu sprechen.
Ihm war die Situation kam noch unangenehm, er fand sie eher komisch.
Schon fuhr Molly Rückert fort: „Es ist mir schrecklich. Ihnen gegenüber so offen sein zu müssen; aber ich dachte mir, wir kennen uns gut. Sie werden mir nicht böse sein, wenn ich ganz geradeheraus zu Ihnen spreche. Als wir heute hierherfuhren, nahm ich mir vor, Klarheit zu schaffen."
Unglaublich war Molly Rückert, fand er, aber er war beinahe gespannt, wie sie sich weiterhalf.
Sie blickte ihn flehend an: „Sie glauben gar nicht, Herr von Zweilinden, wie gräßlich schwer es mir fällt, Ihnen davon reden zu müssen. Ich weiß. Sie haben mich lieb und mochten mich zur Frau, und —"
Sie kam schon wieder ins Stottern, und ihm bereitete es nun beinahe Vergnügen, zu beobachten, wie sie sich abquälte, ihm klarzumachen, er solle nun endlich seinen Antrag Vorbringen.
Immer unsympathischer wurde ihm die hübsche Baronesse. Er begriff gar nicht mehr, wie sie ihm überhaupt einmal hatte gefallen können. Vielleicht dachte er ein wenig altmodisch, aber sie war sehr unweiblich.
Er sagte ein bißchen ungeduldig: „Sie dürfen gerade heraus mit mir reden, — wozu so ein langes Vorwort?"
Sie faltete die Hände und saß wie ein ausgefallenes großes Schulmädel da.
„Herr von Zweilinden, lieber Konrad —". Schon wieder Stocken. Aber das „lieber Konrad" war deutlich. Sie fetzte von neuem an. „Sie tun mir so schrecklich leid, ich kann mir vorstellen, wie Ihnen zumute sein muß, wenn ich Sie bitte, mir nicht von Ihrer Liebe zu reden, weil ich sie nicht erwidern kann. Weil ich, als Sie in Spanien waren, einen Mann kennengelernt habe, den ich liebhaben muß, ob ich wollte oder nicht. Sie tun mir so leib, aber ich darf doch ohne Liebe nicht Ihre Frau werden, nicht wahr? Und ich möchte mich darüber heute mit Ihnen aussprechen, ehe ich es wage, den Ellern von ihm zu sprechen."
Konrad von Zweilinden war in des Wortes vollster Bedeutung sprachlos. Das hatte er nicht erwartet.
Mit einem Male war ihm Molly Rückert wieder sympathisch. Sogar sympathischer als je.
Sie faßte sein Schweigen falsch auf und tief weinerlich: „Bitte, seien Sie mir nicht böse, ich habe Sie wirklich gern, sehr gern sogar, und wenn der andere nicht gekommen wäre, dann hätte ich ge- i glaubt, ich liebe Sie. Sie tun mir grenzenlos leib, lieber Konrad, und ich möchte nicht, daß Sie nun sehr leiden." Sie stand auf und kam auf ihn in ganz demütiger Haltung zu. „Verzeihen Sie mir, denken Sie, ich habe es gar nicht so leicht. Denn meine Ettern möchten, ich soll Ihre Frau werden, und tch werde nicht gerade mit offenen Armen ausgenommen werden, wenn ich erklären muß, ich habe Ihnen einen Korb gegeben."
Er lächelte verstohlen. „Dann würden Sie ja ichwindeln, Baronesse, denn Sie haben mir doch gar feinen Korb gegeben."
Sie nickte. „Das ist eigentlich wahr, aber es ist doch im Grunde dasselbe. Nur daß ich Ihnen schon vor Ihrer Frage erklärt habe, ich könnte Sie nicht heiraten."
Er schüttelte den Kops. „Nein, Baronesie, es ist ein riesiger Unterschied dabei. Ich habe Ihnen keinen Antrag gemacht, weil es mir schwer wurde, weil ich nicht lügen wollte, weil ich das Wort Liebe' nicht lügnerisch benützen mochte, weil —"
Sie unterbrach ihn mit bebender Stimme: ,La, lieben Sie mich denn nicht?"
Er sah sie ernst an.
Nr. 103 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)Donnerstag, 4. Mai 1955
Standardisierung schafft Absatz.
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. — Das Beispiel des Auslandes.
Don Rudolf Wefifal.
V. A. Dringt die Standardisierung landwirtschaftlicherErzeugnisseun. ter den heutigen Verhältnissen Erzeuger und Derbraucher einen Vorteil? Vesser als Worte und theoretische Auseinandersetzungen können Tatsachen die Antwort auf diese Frage geben. Es gibt heute in der ganzen Welt kein Land von Dedeutung, das nicht in irgend einer Form die Standardisierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Angriff genommen hätte. Die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada. Veu- seeland, Südafrika und nahezu alle Länder Eu- ropas standardisieren. Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, um den erstarrten Markt in Bewegung zu bringen, ist das Ziel dieser Maßnahmen.
Mit Recht fragt man sich, wie Dänemark und Holland bei landwirtschaftlichen Erzeug» nissen ihre geradezu beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt gewinnen konnten. Diese beiden Staaten haben zusammen nicht mehr als 10,50 Millionen Einwohner und umfassen kaum 67 000 Quadratmeter Fläche! Trotzdem sind sie bei wichtigen landwirtschaftlichen Veredelungserzeugnissen Hauptlieferanten der großen Verbraucherländer Deutschland und England mit ihren mehr als 100 Millionen Menschen geworden! Kein Zweifel: Dänemark und Holland haben diese Weltstellung zu einem großen Teil durch dieStandardisierung erreicht. Allerdings kann dabei nicht übersehen werden, daß die klimatischenBedingun- gen den beiden Ländern einen großen Vor- sprung geben, der sich kaum ausgleichen läßt. Man kann dem deutschen Dauern niemals einen Vorwurf machen, wenn er im März oder April noch keine Frühkartoffeln oder Frühgemüse zu liefern vermag. Das sind unabänderliche, naturgebundene Bedingungen, mit denen auch der deutsche Verbraucher sich heute abfinden muß, wie sich unsere Väter damit abgesunden haben. Zudem vergesse man nicht, daß der deutsche. Landwirt und Gärtner durch die Treib-/ Hauskulturen, die immer mehr in der Zunahme begriffen sind, schon wenige Wochen später die gleichen Erzeugnisse in gleicher Form und Güte als deutsche Ware auf Den Markt bringt.
Auch in Deutschland beginnt man die Vorzüge der Standardisierung immer mehr zu erkennen. Markenlartosfeln, vereinzelt auch Markengemüse, Markenbutter. Markenkäse, Markenmilch usw. sind Deweis, daß diese Dewegung und ihr Erfolg immer mehr erkannt wird. Wenn neuerdings England, Italien und andere Länder ihre Anstrengungen verdoppeln, so ist das nicht nur Signal für den Landwirt, sondern vor allemfürden Verbraucher, der durch ständige Vachfrage nach den im Handel befindlichen deutschen Markenerzeugnissen dieser Bewegung weiteren Auftrieb geben muß. Daß der Erfolg der Standardisierung in hohem Maß vom Verbraucher abhängt, beweist England. Wie wäre es um den Erfolg in England bestellt, wenn nicht der Engländer anstelle der ausländischen Erzeugnisse i n erster Linie inländische kaufte? Der Appell an das nationale Gewissen des Engländers sichert der englischen Standardware den Erfolg. Auf Speisekarten in den Londoner ersten Gaststätten sieht man oft die Worte: „3n meinem Hause werden nur englische Erzeugnisse angeboten, in ihm sind nur Engländer beschäftigt und
mehr als die Hälfte aller Angestellten hat am Weltkriege teilgenommen".
Aus derartigen Beispielen sollte der Deutsche lernen, und sich diesen Spruch immer wieder vor Augen halten, wenn er im Begriff ist, beim Einkauf eine Wahl zu treffen.
Staatspräsident Dr Werner dankt der Stadt Schotten.
♦ Schotten, 3. Mai. Auf die Benachrichtigung von der Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Schotten, die Bürgermeister Menget an den Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner gesandt hatte, ging folgendes Antwortschreiben ein:
„Verehrtester Herr Bürgermeister!
„Deine grünen Banner wehen, vielgeliebter Oberwald;
blau hinauf zum Himmel sehen deine Felsen von Basalt;
silbern springt der Bach zu Tag: Grüß euch Gott vieltausendmal!"
Schotten, das fröhliche Herz des Vogelsberges, sendet mir seinen Treugruß, den ich herzlich erwidere.
Gern nehme ich die Ehrenbürgerschaft an, kommt sie doch aus einer mir so vertrauten Stadt, von der ich mit Hölderlin sage: „Mir ist die Stätte lieb, wo ich gelebt."
Sofern ich das Leben habe und das süße Licht des Tages, was die Wimper hält, trinken kann, bin ich am 2. Pfingsttag oben, wenn der Bergfrühling seine ganze Pracht über die Wiesen und Wälder unseres Berges ergießt.
Auf Wiedersehen bis dahin!
Inzwischen aber feien Sie mir und alle getreuen Schotter mit treuem Hessengruß und Hitlerheil gegrüßt! Ihr ergebener Dr. Werne r."
Grünberg ehrt die nationalen Führer.
+ Grünberg, 3. Mai. Der neue Gemeindcrat beschloß in seiner heutigen Sitzung, über deren Verlauf wir noch berichten werden, auf Antrag der nationalsozialistischen Gemeinderatsfraktion einstimmig den Reichspräsidenten von Hinden- bürg, den Reichskanzler Adolf Hitler, den hessischen Staatspräsidenten Dr. Werner und den hessischen Staatsminifter Dr. M ü 11 e r zu Ehrenbürgern der Stadt Grünberg zu ernennen. Begeistert stimmten der Gemeinderat und die Zuhörer in das vom Bürgermeister Dr. M i l d n e r ausgebrachte Sieg-Heil auf die neuen Ehrenbürger ein. Ferner wurden einstimmig folgende Straßen- Umbenennungen angenommen: Gartenstraßc in Hindenburg-Straße, Schulstraße in A d o l f- Hitler»Straße.
Ehrung der nationalen Führer auf dem Lande.
Watzenborn-Steinberg, 29. April. Der neue Gemeinderat, dessen Mitglieder sämtlich der VSDAP. angehören, fand sich im Sitzungssaal der Bürgermeisterei zu seiner ersten Sitzung ein. Der Saal war mit frischem , Grün, den Fahnen des alten Kaiserreichs und des neuen Reiches festlich geschmückt. >
Bürgermeister Schäfer begrüßte in herz-i lichen Worten den neuen Gemeinderat und for- I
derte zur einmütigen Mitarbeit an dem großen Aufbauwerk auf, soweit dies in feinen Kräften liege, stets den Grundsatz unseres Dolkskanz- lers als obersten Leitgedanken vor Augen: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Er wies dann weiter darauf hin, daß unsere Gemeinde, die sich in der Hauptsache aus Arbeitern und Kleinbauern zusammenseht, in den letzten Jahren durch die allgemein bekannten ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse einen schweren Kampf gekämpft habe und noch kämpfe. Zuschüsse des Reiches und Staates, welche an die Gemeinde als bedürftige Zufchußgemeinde gewährt wurden, hätten restlos für Arbeitsbeschaffung Verwendung gefunden. Ausdrücklich wies er weiter darauf hin, daß die finanzielle Lage der Gemeinde durchaus geordnet fei. Seine Ausführungen klangen aus in ein Treuegelöbnis zu den heutigen Lenkern des Reiches und unseres Hessenlandes. Durch Handschlag an Eidesstatt sand dann durch den Bürgermeister die Verpflichtung der Gemeinderäte statt.
Für das vor einigen Tagen zurückgetretene Mitglied Georg H e ft II. kam Balth. HäuserII. zur Aufnahme.
Gemeinderatsmitglied Ernst Häuser, als Sprecher der Fraktion, kam hierauf auf di« Mängel des seitherigen Systems innerhalb der Gemeindeverwaltung zu sprechen und gab in längeren Ausführungen die Richtlinien über die Art ihres Wirkens bekannt. Alle früheren Par- teigegcn'äft? mit ihren Fo gen sollen verschwinden, Gerechtigkeit gegen jedermann ohne Unterschied des Standes, Gemeinnutz geht vor Eigennutz,
wieseck.
X Schon um sechs Uhr weckte im Zug durch die überaus reichgeschmückten Straften die Kapelle Topp aus Gießen mit der SA. Vach der Flag- genhissung auf der Fabrik von Harries und Fest- geläute fand auf dem seitherigen „Platz der Republik" ein stark besuchter Feldgottesdienst statt, zu dem die Schulklassen mit ihren Lehrern und Fahnen geschlossen erschienen waren. An dem mit einem großen, silberglänzenden Kreuz vor dunkelgrünen Tannen wirkungsvoll aufgebauten Feldaltar predigte Pfarrer Sattler nach dem Musikstück „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" über 1. Kor. 15, V. 58. 11. a. wies er daraus hin, daß die Maifeier — seit dem internationalen Arbeiterkongreß in Paris 1889 in bewußtem Gegensatz zu allen staatlichen und kirchlichen Festen internationaler Verbrüderungstag — bei der Ablehnung weiter Kreise der offiziellen Sozialdemokratie der Kirche gegenüber (im Gegensatz z. B. der Englands) sich allen Versuchen der evangelischen Kirche entzogen hätte, die zum Ziel hatten, sie mit christlichem Geist zu erfüllen. Für den Proleten sei im neuen Reich kein Platz mehr, es gelte den noch abseits stehenden, von seinen Führern jämmerlich im Stich gelassenen Volksgenossen innerlich zu gewinnen. Vach Gebet, Vaterunser und Segen spielte die Kapelle das Altniederländische Dankgebet. Cingerahmt von Deutschland- Lied und Horst-Wessel-Lied vollzog alsdann Beigeordneter Euler die Weihe des Platzes zum Adolf -Hitler-Platz. In markanten Zügen brachte seine Ansprache den Unterschied von einst und jetzt zum Ausdruck. Sein Heilruf auf Vaterland und Führer wurde begeistert ausgenommen. Ein Platzkonzert schloß sich an. Um 14 Uhr stellte sich in der Philosophenstraße ein stattlicher Festzug auf, in dem u. a. die große Zahl des brau
waren die Grundgedanken feiner Ausführungen.
Aus Antrag der hiesigen Ortsgruppe der VSDAP. wurden hierauf c i n ft i m m i g z u Ehrenbürgern ernannt: Reichspräsident v. Hindenburg, Reichskanzler Adolf Hitler und Staatspräsident Dr. Werner. Staatspräsident Dr. Werner ist in unserer Gemeindo persönlich kein Unbekannter. Seine sachlichen Ausführungen sanden in den Versammlungen stets eine begeisterte Zuhörerschaft. Auf einstimmigen Beschluß der Ortsgruppe der VSDAP. wurden folgende Platz- bzw. otraftenum- benennungen beschlossen Kreuzplah in Adols-Hitler-Plah, Grüninger Gasse in Hindenburg st raße, Unterdors in Her- mann-Göring-Straße, Gartenstraße in Hör st-Wessel-Straße, Obergasse in 5 er* dinand-Werner-Etraße, Aepselsgasse in Schlageter-Straße. Die Kosten der Umbenennung trägt die Partei. Einem früher bereits eingereichten Antrag, der seinerzeit zurück- gestellt wurde, eine Strafte nach dem allbekannten und tödlich verunglückten Flieger Günther Groenhoss zu benennen, wurde ebenfalls einstimmig beschlossen, und zwar wird die Fahrtgasse diesen Vamen tragen Groenhoff hielt sich im Jahre 1919 einige Zeit in unserer Gemeinde zur Erholung auf
Mit einem beherzigenswerten Rück- und Ausblick des Gemeinderatsmitglieds Otto Jung und dem Gesang des ersten Verses des Horst- Wessel-Liedes nahm die feierliche Eröffnungssitzung ihr Ende.
nen Jungvolks und des Bundes deutscher Mädchen erfreute. Die Gesangvereine eröffneten die Feier im Saale und Garten von Braun mit einem Mafsenchor. Musikalische und turnerische Darbietungen, Deklamationen des BdM. und Volkslieder umschlossen die ^Übertragung der Sitlerreöe. Deutsche Tänze bildeten den 6cftluft.
Klein-Linden.
00 Der Tag der nationalen Arbeit wurde am frühen Morgen mit Posaunenchorvorträgen des hiesigen Posaunenchors an freien Plätzen unseres Dorfes und mit Glockengeläut eingeleitet. Die Iungscharen der evangelischen Iu- gendvereinigungen hielten Morgenwache mit Gebet und Gesang. Zur Schulfeier im Schulhof versammelten sich die Schüler, Lehrer und viele Ge- meindegliedcr und lauschten den Gedichtvorträgen von Schülern, Ehorvorträgen der Schulklasse von Lehrer Möller und einer Ansprache von Schulleiter Keil. Im Anschluß an die Radioübertragungen aus Berlin marschierten Kinder und Lehrer, Hitlerjugend, Jungvolk und SA. geschlossen durch die geschmückten Straßen unseres Ortes. Die evangelische Kirchengemeinde versammelte sich zum Festgottesdienst unter den Linden des Schulhofes. Der Posaunenchor eröffnete mit dem Viederländischen Dankgebet die Feier, und Pfarrer Bremmer predigte über das Bibelwvrt „QSo der Herr nicht das Haus bauet, arbeiten umsonst, die daran bauen.“ — Ebenfalls am Vormittag feierten die Bediensteten der Zigarrenfabrik Behrens im Beisein vieler Einwohner unter Hissung der nationalen Fahnen und unter Ansprachen von Werkmeister Wüst und Pg. V e u ß e r, dem Leiter der hiesigen VSBO., den Tag der nationalen Arbeit. — Die Gemeindeseier am Vachmittag im Saal des Gasthauses zu/ Deutschen Eiche war stark besucht. Pg. Stadtper-
„Nein, Baronesse; ich liebe Sie nicht! Ich habe Sie immer gern gehabt und hätte das seht wahrscheinlich, ebenso wie Sie, mit Liebe verwechselt, wenn ich nicht während meiner Spanienreise ein Mädchen kennengelernt hätte, das ich auf den ersten Blick liebhaben mußte."
Sie packte ihn vor Erregung am Arm.
„Ist das denn wahr, ist das denn wirklich wahr, ober ist es Ihnen nur peinlich, weil ich Ihnen gesagt habe, ich liebe Sie nicht? Denn schließlich ist so etwas nicht angenehm zu hören. Es hat Sie verletzt, nicht wahr, und Sie wollen nun nicht der sein, der ver« schmäht wurde?"
Er mußte laut lachen.
„Nein, Baronesse, so tragisch ist es wirklich nicht. Ich bin, ehrlich gestanden, sehr glücklich, von Ihnen verschmäht zu werden. Sie hätten mir gar keinen größeren Gefallen tun können. Meine Mutter drängte mich, ich solle mich heute mit Ihnen aus« sprechen, sie ist gegen die Ehe mit der andern, die ich liebe, und ich entsagte meiner Liebe, obwohl es mir schwer wurde, weil ich die Gründe meiner Mutter anerkannte."
Molly lächelte strahlend.
„Vielleicht lassen sich diese Gründe noch aus dem Wege räumen, wir wollen froh sein, nun wir wissen, wie wir miteinander daran sind. Und jetzt setzen wir uns recht gemütlich, und ich will Ihnen dann erzählen, wen ick; lieb habe." Sie sah in ihrer frohen Erregung bildyübsch aus, und Konrad dachte, wenn er Angela nie gesehen, bedauerte er es jetzt wahrscheinlich, daß die Baronesse einen anderen lieble.
Sie setzten sich auf das Sofa, und Molly sprach mit weicher, zärtlicher Stimme von Joachim Werbeck, dem neuen Inspektor ihres Vaters. „Dor acht Wochen kam er zu uns nach Karlshof" erzählte sie; „kurz zuvor waren Sie mit Ihrer Mutter abgereist. Ich hatte bis dahin geglaubt, Sie zu lieben, aber seit ich ihn kennengelernt, wußte ich bestimmt, ich liebte Sie nicht, und allmählich habe ich das immer stärker empfunden. Und vorigen Sonntag haben wir es uns gesagt; aber Joachim ist arm und bürgerlich. Mein Vater, der noch ein bißchen rückständig in dieser Beziehung ist, wird so schnell nicht Ja und Amen sagen", seufzte sie. Ihr Gesicht sah plötzlich blaß und bekümmert aus. „Am meisten fürchte ich, wenn er etwas merkt, wirft er Joachim einfach hinaus. Ich bin nicht allzu mutig, Vater kann so schreien, ach nein, es ist schon richtiger, .brüllen' dafür zu sagen, daß man alles tut, was er will."
Die kurz zuvor noch so strahlenden Augen trübten sich, und jetzt glitzerten Tränen darin.
Konrad von Zweilinden sah sie voll Mitleid an. „Armes Mädel", dachte er. Er kannte Baron Rückert genau. Der Baron war ein anständiger und im Grunde gutmütiger Mensch. Ging ihm aber etwas gegen den Strich, dann geriet er in maßlosen Zorn. Wahrscheinlich würde Molly nichts zu lachen haben, wenn er erfuhr, daß sie seinen Inspektor liebte.
(Fortsetzung folgt.)
Der 1. Mai in Oberheffen.
Eindrucksvolle Kundgebungen zu Ehren der deutschen Arbeit.


