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4.3.1933 Erstes Blatt
 
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DerVrandffistervan -erLübbe

Die Ermittlungen der politischen Polizei.

Berlin, 3. März. (WTB.) Der Leiter der politischen Polizei teilt als Ergebnis der Er­mittlungen über den verhafteten van der Lübbe u. a. folgendes mit: Als einer der Brandstifter des Deutschen Reichstags wurde nod) am Abend der Brandstiftung am Tatort der hollärcküsche Staatsangehörige Marinus van der Lübbe verhaftet. Der Täter, der im Reicbstaqsaebäude selb st ergrif-

fen wurüe, war nur mit einer Hose oekleidet, weil während des Brandes seine Oberkleider Feuer gefangen hatten und er sich ihrer ent­ledigen muhte. Daß van der Lübbe in Ver­bindung mit der KPD. steht, steht außer Frage, van der Lübbe ist der Polizei als kom- munistischer Agitator bekannt. So wurde er 1931 von der Polizeiverwaltung Gro­nau i. W. festgenommen, weil er in diesem Ort Ansichtskarten kommunistischer Tendenz, die er von der Partei zum Vertrieb erhalten hatte, ohne die erforderliche polizeiliche Erlaubnis ver­kaufte. van der Lübbe war mit den kommunisti­schen Richtlinien überDas Verhalten des Proletariers vor Gericht" durchaus vertraut, van der Lübbe ist hinsichtlich seiner eigenen Be­teiligung in weitem Llmfang geständig. Inwieweit die bisherige Untersuchung begründete Verdachtsmomente hinsichtlich der Mitwir­kung dritter Personen ergeben hat, kann im Interesse des schwebenden Verfahrens und der Rechtssicherheit zur Zeit nicht gesagt wer­den. Der Leiter der politischen Polizei gibt nun­mehr die markantesten Photographien des van der Lübbe der Oeffentlichkeit be­kannt mit dem Ersuchen an die Bevölkerung um Mitteilungen, wer den Täter bzw. seinen Umgang kennt. Gleichzeitig wird auf die ausgesetzte Belohnung in Höhe von 20 000 Reichsmark für zweckdienliche Mitteilungen durch den Herrn Polizeipräsidenten hingewiesen.

Maßnahmen gegen -ie Kommunisten in Hessen.

Darmstadt, 3. März. (Lpd.) Am Donners­tag wurde auf Wunsch des Innenministers und im Einverständnis mit dem Landtagspräsidenten von der Polizei eine Durchsuchung des Landtagsgebäudes, insbesondere des kommunistischen F r a k t i o n s z i m m e r s vorgenommen. Eine erste Durchsuchung des auf­gefundenen Materials ergab nichts Belastendes, doch ist das Material vorsorglich von der Polizei beschlagnahmt worden. In Mainz wurden von der Kriminalpolizei in den Woh­nungen kommunistischer Funktionäre, in den kom­munistischen Derkehrslokalen und besonders in der kommunistischen -Zentrale in der Rochusstrahe Haussuchungen vorgenommen, bei denen umfangreiches Material, Flug- und Propaganda­schriften und Drucksachen beschlagnahmt wurden. Waffen wurden nicht vorgefunoen. Zwei Kommunisten wurden verhaftet, kommunistische Parteinsahnen eingezogen und beschlagnahmt. In der vergangenen Rächt wurden aus dem feuer­festen Gebäude bei den Kalkbrüchen in Mainz-Dudenheim drei bis vier Zentner Spreng st off, darunter zwei Zent-

Landschaft an der Haardt.

'Bon Lina Staab.

Der frühe Winter ist nicht die Zeit, an der Haardt zu wandern, in den kurzen und lichtlosen Tagen ziehen sich die Berge in sich selbst zurück. Aber nach Weihnachten beginnt die Zeit eines starken, hellen Lichtes. Dann haben die Konturen jener Mauer, die die Ebene wie ein mächtiger Wall abschließt, eine herbe und zugleich fröhliche Klarheit, sie behaupten sich mit federnden Linien, mit großzügigem Schwung und mit kindlicher, in sich ruhender Anmut gegen einen gelblichen Himmel. Ein paar Wochen lang nehmen sie das lockere Braun und Grün des Vor- ftühlings voraus, dann fällt noch einmal Schnee, und dann muß man an einem sonnigen Tag am Haardtrand entlang wandern. Vielleicht jenen Weg, der von Neustadt über viele Berge und durch wenige Täler nach Bad Dürkheim führt, ein Weg, der so unmerklich und anmutig den Wellenlinien dieses langgestreckten Bergkammes folgt, daß er den Schritt tänzerisch beschwingt.

Die Wingerte sind weiß mit vielen braunen Stri­chen nackter Reben, ein wirres Kindergekritzel. Dann bringt ein Dorf am halben Hang ein paar Farb­flecke ins Bild, Pastelltöne nur, leicht zu verwischen. Gleich danach steigt der Weg steil an. Drunten liegt, flach hinausgedehnt, die Ebene, nicht mehr bunt und lustig vom Ornament ihrer Felder und Straßen, kreisend um die vielen farbigen Flecke der Dörfer, weiß nur und braun, fremder und größer und kaum die Linie des Horizonts preisgebend, lieber der Ebene flimmert der Himmel noch ungewiß, aber über dem Walde flammt er in so gläsernder klarer Bläue, wie er im Frühsommer über Toscana steht.

Die nächste Wegbiegung noch, und die weite Ebene liegt hinter einem, als sei sie nie gewesen. Der Wald ist voll einsamer Größe und Stille, schweigsam und abgewendet. Tiefe Schluchten sind eingeschnitten, und dahinter Berge, Berge, immer wieder Berge, fast unheimlich quellend, als erstünden jetzt noch immer neue Kuppen, als bedrohten sie einen, hier, wo keine Menschen mehr sind. Aber nicht einmal das wollen fle: tm leichten Dunst scheinen sie zurückzufliehen, mer weiter, sie lassen jeden allein, unheimlich allein...

Das ist der unendliche und unerschöpfliche Reiz dieser Landschaft, daß Anmut und Größe, offene Heiterkeit und verschlossener Ernst nebeneinander

ner Donarit, gestohlen. Die Täter sind bis jetzt noch nicht ermittelt. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft weilen noch am Tatort.

SchwereKommunistenschießerei inKöln

Köln, 3. März. (TU.) Heute abend gegen 20 Uhr kam es in Köln in der Elsaß-Strahe zu einem schweren politischen Zusammenstoß. Ein Zug N a» tionalsozialisten, begleitet von einem Po- lizeimannschastswagen, durchzog diese Straße, die in einem der besten Wohnviertel der Innenstadt liegt, aber von vielen Kommuni st en be­wohnt wird. In der Straße herrschte zuerst eine auffallende Ruhe. Doch wurde plötzlich, wie ein Augenzeuge berichtet, aus den Häusern und von den Dächern herunter mit Pistolen, Maschinenpistolen und schweren Schußwaffen a u f den Zug geschossen. Auch sollen Hand­granaten geworfen worden sein. Die Polizei leuchtete die Dächer ab und konnte die Schützen im Anschlag sehen. Sie eröffnete sofort das Feuer und wurde nach kurzer Zeit durch ein starkes Polizeiauf­gebot, das nunmehr auch mit schweren Waffen ein- ariff, verstärkt. Nach längerem Schießen trat soweit Ruhe ein, daß die Polizei an die Durchsuchung der Hauser gehen konnte. In einem Umkreis von etwa fünfzehn Straßen wurde der ganze Ver­kehr ab gesperrt. Die aus den angrenzenden Altstadtvierteln in das betreffende Gebiet einmün­denden Straßen sind mit Schutzpolizei besonders stark besetzt. *

In Köln kam es zu einer Schiehereizwi- schen Kommunisten und Angehörigen eines katholischen Verbandes. Dabei wurde ein Angehöriger des Katholischen Verban­des durch Halsschuh getötet, ein Kom­munist verlor durch Brustschutz sein Leben. Zwei weitere Kommunisten wurden schwer verletzt.

In Düsseldorf wurde ein Zug Äational- sozialisten aus Dachlucken und Keller­fenstern beschossen. Hierbei wurde der Ra­tionalsozialift Iulius Hoffmann durch Herz- schutz tätlich getroffen. Eine Zivilperson. Friedrich Marquardt, ist durch Querschläger erschossen worden. Eine weitere Person wurde schwerverletzt. Ein starkes Polizeiaufgebot nahm die Durchsuchung des Häuserblockes vor.

Berliner Versammlung des Jung- deutschen Ordens polizeilich aufgelöst.

Berlin, 3. März. (ERB.) Der Iung - deutsche Orden veranstaltete heute abend eine Versammlung, in der der Hochmeister Arthur M a h r a u n über die Aufgabe der durch den Iungdeutschen Orden vertretenen »nationa­len Opposition" und über den vor einigen Wochen herausgegebenengroßen Plan" des jungdeutschen Sofortprogramms zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit sprach, der vor allem die Besiedlung einer Million Bauernstellen ^um Gegenstand hat. Als der Redner eine Bemer­kung machte, in der der überwachende Polizei­beamte eine Verhöhnung der Regierungspolitik erblickte, wurde die Versammlung aufgelöst. Unter Tumult und Pfuirufen gingen die Teil­nehmer auseinander.

Kleine politische Nachrichten.

Wie amtlich mitgeteilt wird, hält die Reichsregie, rung die Kürzung der Tariflöhne, wie sie letzthin mehrfach vorgenommen oder verlangt worden ist. wirtschaftlich für unfrucht- bar. Das Kabinett wird sich am Dienstag mit die­ser Frage beschäftigen.

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Der Leiter der am 1. April d. I. aufzulösenden Reichsforschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen Dr. Fritz Baade ist mit soforti­ger Wirkung.beurlaubt worden. Gleichzeitig ist seine Bestellung zum Reichskommissar bei der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft widerrufen worden. Baade gehört der SPD. an.

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Der Reichstagsabgeordnete Thälmann, der Vorsitzende des Zentralkomitees der KPD., ist Freitagnachmittag inCharlottenburgver- haftet worden.

Die thüringische SPD.- Presse hat als Auflagenachricht die Rede des

wohnen und daß sie uns darum immer aufnimmt, wie wir auch zu ihr kommen mögen. Das macht sie mütterlich und reif: hinter ihrem Ernst ist ein Lä­cheln bereit, ihre Heiterkeit feat in der liefe einen dunklen Ton. So spiegelt sie in ihrer Haltung die Geschichte dieses Landes, der vielen Kriege, die immer wieder seine Fluren verwüsteten und seine Städte und Dörfer zum Himmel flammen ließen, der friedlichen Jahrzehnte, die getrost wieder neu aufbauten für eine ebenso ungewisse Zukunft. Hübsch und anheimelnd sind die Forsthäuser am Haardt­rand. Es gibt noch ein paar alte aus der Zeit, da das Geschlecht der Leininger Grasen, das reich und großzügig und lebensfroh war, feine Jagden hielt. Es gibt Forsthäuser mit kleinen Freitreppen und verwitterten Barockfiguren, mit steinernen Schilder­häuschen auf einem kleinen Hügel. Die Wirtsstuben in diesen Forsthäusern sind sich alle ähnlich: niedrig und ein wenig verräuchert, an der einen Wand aus» Ke Tiere, ein bißchen verstaubt und zerrupft.

tzblaue Spiegel auf dem Häherflügel ist blind geworden, der Bussard sieht ein wenig kahl und kläglich aus, der Fuchs hat Haare lassen müssen und hebt ein bißchen unentschlossen die Pfote, und der Eberkopf übertreibt den grimmigen Ausdruck.

Am frühen Nachmittag find selbst die Nordhänge der Wälder nur noch nachlässig gepudert, und wo die Berge nach Süden abfallen, rauscht schon der volle grüne Strom der Kiefernwipfel in die Täler, als sei er nicht mehr zu bändigen. Er wird bald alles Grün, das noch zögert, mit sich reißen: schon liegt über den Hängen, die mit niedrigen Kastanien bestanden sind, der zarte lila Duft, den die Ka­stanienwälder nur einmal im Jahre haben, wenn die rötlichen Reiser zu glänzen beginnen, und manch­mal, wenn man aufsieht, steht der Himmel schon hinter lauter Knospenzweigen. Hie und da öffnet sich jetzt der Weg und aibt einen schmalen Ausblick in die Rheinebene frei. Das ferne Bild ist ver­schleiert und verschwindet rasch, um lockender an der nächsten Lichtung wieder zu kehren. Dann tritt man aus dem Wald heraus und hat, aetrenni durch einen Taleinschnitt, die Klosterruine Limburg vor sich. Konrad II. verwandelte sie, die Stamm­burg der salischen Frankenherzöge, in ein Kloster, nachdem sein Sohn auf einer Iagd sich zu Tode gestürzt hatte. Am gleichen Morgen ritt der Kaiser nach Speyer und legte den Grundstein zum Dom. Mit den Augen kann man den Weg, den er ritt, zurücklegen durch die schimmernde Ebene,

bis dort hin, wo am Horizont, schwimmend und undeutlich, der Kaiserdom im letzten Licht dieses Tages sichtbar wird. Hier, von Süden gesehen, offenbart D e Ruine nicht die stolze, einsame Gröhe, die ihr noch im Verfall geblieben ist und die man am stärksten erlebt, wenn man zwischen den mächtigen Säulenresten der Basilika hindurch nach dem Chor hinsieht. Ieht liegt sie ohne räum­liche Tiefe vor uns, halb ausgewischt vom Schnee, ein alter Stich auf einem vergilbten Blatt.

Durch Wingerte sie reichen überall an der Haardt bis hinauf zum Waldrand geht man eine halbe Wegstunde bis zu dem Dörfchen See­bach, dessen Klosterruine stiller, versteckter, aber kaum weniger schön ist als die der Limburg. Einst hat das Kloster adelige und durch Gelehrtheit berühmte Rönnen beherbergt. Lieber der Vierung des Kreuzbaues erhebt sich noch die vieleckige Kuppel mit den Blendarkaden, aus den zer­brochenen Fenstern des Seitenschiffes quillt der Efeu in wuchernden Ornamenten, drängend, ver­schlungen, wie die frühe Gotik sie um Kapitelle und Kreuzstäbe legte. Sie sind vergangen, über­wuchert von dem Llrbild, aus dem sie einst her­vorgingen.

Wie am Anfang führt der Weg wieder durch das wirre Kindergekritzel der Rebzeilen. Alle Wege an der Haardt beginnen und endigen so. Hinter uns die bläuliche Schneedämmerung, vor uns, vereinzelt wie frühe Sterne, die ersten Lich» ttter von Bad Dürkheim, diesem freundlichen Städtchen, das in seiner Haltung so entzückend zwischen Winzerdorf und Kurort schwankt. Hier, wo der Wald durch ein paar steile Stratzen fast bis in die Stadt hineinwächst, ist es leicht, einen Tag aus Schnee und Sonne zu Ende zu bringen, irgendwo auszuruhen und hinter halbgeschlossenen Lidern die Bilder noch einmal erstehen zu lassen, ein wenig nachgedunkelt, weil sie durch unsere Augen gingen, aber hell genug, das Lächeln die­ser Landschaft für immer zu bewahren.

Oer staatsgefährliche Druckfehler.

Gin Bespiel für die schwierigen Aufgaben, die des japanischen Sehers beim Druck englischer Texte harren, bietet eine Geschichte, die aus Tokio be­richtet wird. Ein Schriftsteller veröffentlichte hier eine englisch geschriebene Schrift mit dem Titel »Die gegenwärtige Lage der Erziehung in 3a*

Reichskanzlers Adolf Hitler im Ber­liner Sportpalast erhalten und muß diese Rede am Samstag unter der LieberschriftRede des Reichskanzlers über den Marxismus" ab­drucken.

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Im Gebäude des Vorwärtsverlages und int Haufe des deutschen Metallar­beiterverbandes fand eine Durchsuchung nach verbotenen Schriften statt. Lieber das Ergeb­nis kann noch nichts gesagt werden, da die Durch­suchung noch im Gange ist.

Im Zusammenhang mit der polizeilichen Aktion ist der Chefredakteur desVorwärts", Viktor Schiff, zur Vernehmung in das Polizeipräsidium eingeliefert worden. Gleichzeitig fand auch eine Durchsuchung seiner Wohnung statt.

Der Erste Strafsenat des Kammergerichtes ver­urteilte den früheren Studienrat Fritz Arndt wegen vollendeten Verrates militärischer Geheimnisse zugunsten Polens zu fünf Iahren Zuchthaus und 10 Iahren Ehrver­lust und Zulässigkeit der Stellung unter Polizei­aufsicht. Der Verurteilte hatte den polnischen Be­hörden im deutschen Abwehrdienst beschäftigte Personen namhaft gemacht.

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Auf feiner Rückreise von Genf hat der litauische Außenminister Z a u n i u s sich in Berlin aufgehal­ten und dem Reichsaußenminister Freiherrn v. Neurath seinen Besuch abgestattet.

Der Gouverneur des Staates Reuhork, der fast die ganze Rächt mit dem Gouverneur der Bundesreservebank konferierte, hat für den ganzen Staat Neuyork ein Bankmorato­rium b is zum 6. März angeordnet. Man nimmt an, daß die Reuyorker Effektenbörse und die anderen Märkte betroffen werden.

Aus Tokio wird mitgeteilt, daß die Stadt Iehol von den Japanern eingenom­men worden sei.

Aus aller Welt.

vereitelter Sabotageakt.

In dem Betriebe der Deutschen Mineraldl- AG. (Seurag) in Mihburg (Hannover) ist ein Sabotageakt . größeren Limfanges verübt worden. Linbekannte Täter haben an drei Ben­zintanks von je 500 Kubikmeter Inhalt sämt­liche Ventile geöffnet und die äußerst gefährliche Flüssigkeit auslaufen lassen. Der Anschlag wurde rechtzeitig bemerkt, so daß nur 200 Tonnen ver­loren gegangen sind. Durch Abpumpen und Ab­leiten der Flüssigkeit ist jetzt jede Gefahr einer Explosion beseitigt. Im übrigen sind weitgehende Sicherheitsmaßnahmen für die Zukunft getroffen.

Raubmord an einem Geldbriefträger in Thorn.

In Thorn ist ein Geldbriefträger er­mordet und beraubt worden. Der Mörder, der von auswärts zugereist war und sich bei einer Witwe eingemietet hatte, soll Müller heißen. Er hatte an sich selbst einen Betrag von 5 Zloty abgesandt. Als ihm der Briefträger das Geld brachte, wurde er von dem Verbrecher erdolcht. Dem Mörder sind 3500 Zloty in die Hände ge­fallen.

Grohfeuer in Königshofen (Thüringen).

Auf dem großen Doppelgut des Landwirts Sachse in Königshofen bei Eisenberg (Thur.) ent­stand ein Großfeuer, dem die Scheunen, die Wirtschaftsgebäude und Stallungen mit großen Ernte- und Futteroorräten, sowie vielen landwirt­schaftlichen Maschinen und Geräten zum Opfer fie­len. Der Schaden wird auf 80 000 Mark geschätzt. Da das Feuer gleichzeitig an drei Stetten ausgebro­chen war, vermutet man eine Brandstiftung mit politischen Hintergründen, da sich der Gutsbe­sitzer als Reder im Junglandbund stets als über* | zeugter Gegner des Bolschewismus erwiesen hat.

Aus der proviuzialhaupistadt.

Bannwald.

Von Reinhold Braun.

Der alte Förster und ich schritten vom Kamm des Gebirges hernieder dem Walde zu.

Bald umfing uns das groteske Gebild des so­genanntenBannwaldes". Das ist ein Stück Baumwall, der dem großen, domhaften Walde vorgelagert ist.

Dieser Bannwald empfängt als Erster den vom Kamm herniederbrechenden Sturm. In ihm krallt dieser sich ein mit seinen gigantischen Fäusten: gegen ihn dröhnt und prescht er feine Wildwetter- Schwaden, Hagel, Schnee und Regen.

Was im Sturme steht, wächst langsam, aber gut und kümmert sich wenig um das Aeuhere. Die Schönheit braucht Ruhe. Dazu steht dieser Daum­wall hier, daß die Schönheit und das Gute und der Friede in dem großen Walde dahinten ge­deihen können.

Da standen die Bannwald-Tannen, in ihren Moospelzen und grünsilbrigen Flechtengehänge mit zerrissenen Flanken und ausgewirbelten Kro­nen: jede Tanne das Sinnbild herrlicher Eigen­willigkeit und Einmaligkeit, eine stille, starke Sturmkameradschaft! Keine glich der andern, und d«h fügten sie sich dienend, opfernd zu einem sinn­vollen Ganzen zusammen.

Haltet mich nicht für närrisch", sprach der alte Grünrock,ich kann's nimmer lassen: wenn ich hier durchkomme, dann muß ich immer dieser und jener Tanne gut tun. Dann bin ich halt so zärtlich, wie wenn ich meiner Alten daheim übers Gesicht streiche!"

Lind wirklich: So tat er denn auch. In seiner Gebärde, die dem alten Knorren von Forstmann seltsam anstand, lag es wie Andacht und Dank. Selten habe ich so tief, ja ich möchte sagen er­schütternd, die Harmonie zwischen einem Menschen und der ihn umgebenden Ratur empfunden wie damals. Im Bannwald die echte Bannwald- Ratur dieses Försters!

Da mußte ich an die Zeit und ihre über» stürmten Menschen denken und an die Rotwen­

digkeit recht vieler Bannwald-Raturen in unse­ren Tagen!

Biele können es bis zum letzten Atemzuge fein. Die andern aber, die es bis zu dem Zeitpunkte waren, da ihre Kräfte es nicht mehr hergaben, denen sei ein geschütztes Plätzleinim großen Walde" gegönnt!

Die Welt des deutschen Bannwaldes, Iung- holz und Altholz, in schöner Einträchtigkeit! So muh es sein! Anders schaffen wir es nicht! Wir wollen nicht nur immer und allein nach, der Iugend hin unseres Daseins Gewicht legen! Rur die Gemeinsamkeit junger und alter Schul­tern wird's zwingen! Lind sinnvoll wird der Kamps und der Sieg sein! Lind darin liegt's: Aus jedem Sturms etwas lernen und mit jedem immer noch zäher und demütiger werden!

Die echten Bannwald-Raturen aber sind die. die nicht viele Worte machen, sondern die wissen, daß die stille Tat auch auf scheinbar verlorenem Posten alles ist! Die Hauptsache bleibt: Fest- ftehen, kämpfen, solange die Kräfte reichen, die­nend sich vor das Ganze oder einen bestimmten Lebenskreis stellen! Lind in allem Zer stürm t- werden ein Sinnbild der Treue und der Hoff­nung bleiben!

Bannwald-Raturen: Auf die innerste Kraft kommt es schließlich an, auf die Echtheit und Reinheit der Gesinnung! Lind der letzte Winkel unseres deutschen Lebens bedarf solcher Ra- turen! Keiner dünke sich zu gering! Ieder kann es werden, der ein liebendes, gläubiges, tapfe­res Herz hat! Wir wollen einander dazu helfen und erziehen!

Kein Aushang her Wahlergebnisse.

Wie uns vom Polizeiamt Gießen mitgeteilt wird, ist für den morgigen Wahltag in der gleichen Weise wie bei früheren Wahlen dieBekanntgabeder Wahlergebnisse durch Aushang an den Verlagsgebäuden der Zeitungen polizeilich verboten.

pan". An einer Stelle hatte nun der Verfasser ausgeführt:Im Oktober 1932 erklärte die ganze medizinische Fakultät der Liniversität in Tokio, daß sie in Streik träte, um dadurch die Wieder­einsetzung ihres Dekans, Dr. Rukada, der 5um Rücktritt gezwungen wurde, durchzusetzen. Bei die­ser Gelegenheit entnahmen 700 medizinische Stu­denten Blut aus ihrem Zeigefinger (engl. fore- finger) und unterzeichneten mit dem Blut einen feierlichen Eid, daß sie nicht zu ihren Studien zurückkehren würden, bis ihr Dekan ihnen zurück- gegeben sei." Der Verfasser las die Korrekturen seiner Schrift sechsmal. Das ist die Mindestzahl, die in Iapan gefordert wird, wenn Irrtümer in einem englischen Text vermieden werden sollen. Dann gab er die Genehmigung zum Druck und wiegte sich in der Gewißheit, daß der Text nun ohne einen Druckfehler erscheinen würde. Aber leider harrte seiner eine schlimme Enttäuschung. Als die Schrift, schön gebunden, erschienen war und in zahreichen Exemplaren an japanische Päd­agogen sowie an Fachzeitschriften in England und Amerika versandt wurde, da wurde die Auf­merksamkeit des Autors auf die peinliche Tatsache gelenkt, daß statt des Wortesforefinger foreigner" (Ausländer) zu lesen war. Rach dem Text, wie er dastand, hatten also die japanischen Studenten ihren Eid mit dem Blut von Aus­ländern unterzeichnet. Dem Verfasser lief es eis­kalt übet den Rücken, als er sich die möglichen diplomatischen Folgen vergegenwärtigte. Viel­leicht würde man den Iapanern den Vorwurf machen, daß sie Fremde schlachteten, um mit ihrem Blut Eide zu unterzeichnen? Voller Entsetzen stürzte er zu dem Drucker, um ihn zur Rede zu stellen. Dieser erklärte, er habe sehr wohl gesehen, daß das Worttorefinger" geschrieben war, aber da er nicht wußte, was das fei, habe er geglaubt, der Autor meinetoreigner", ein Wort, das dem Setzer sehr geläufig war: so hatte er also ganz bewußt die unheilvolleVerböserung" vorgenoiri- men. Der Verfasser liefe sich von ihm eine schriftliche Erklärung geben, daß ein Irrtum und em Druckfehler vorliege und hat sich nun an alle. ausländischen Stellen, die das Buch erhielten, mit der Erklärung gewandt, dafe die Feindschaft ge­gen Ausländer in Iapan noch keineswegs die Höhe erreicht habe, wie dies aus dem Druck­fehler geschlossen werden könnte.

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