Ausgabe 
4.1.1933 Erstes Blatt
 
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Mittwoch. 4- Januar 1955

Nr.Z Erstes Blatt

185. Jahrgang

Rom. Januar 1933. I

Wieder einmal einJahr der Entscheidung. Für die Krisis, wie e$. heißt, für die große Po- litik, die in Wirklichkeit gemeint ist. Für jenes Europa, mit dem sich Frankreich identi,iziert, lau­tet die Frage einfach: Wie sprengen wir Deutschland und Italien ausernan- der? Wobei als richtig unterstellt wird, was noch zu beweisen wäre daß nämlich der alte Dreibund in etwas veränderter Form schon wieder vorhanden sei und nicht mehr und nicht weniger als eine Schicksalsgemeinschaft für Rom erscheine. Auch Ungarn, Du l g ar ien, durch eine königliche Heirat verbunden, und die T u r k e i gelten als bereits gewonnen. Und der bewahrte Zündstoff ist in Serbien reichlich vorhanden.

So sieht man die Dinge jedenfalls in Paris an und ruft daher mit wachsender Nervosität nach demgroßen Botschafter", einem neuen Dar- r e r e dem die gleiche Ausgabe wiederum zufalle, wie sie 1914/15 so überaus glücklich gelost worden sei. DasJournal des Debats" fügt auch sogleich hinzu wie die Sache angepackt werden müsse: Schluß mit den bisherigen Tastversuchen! Daß der Quai d'Orsay entschlossen sei, eine radikale Aenderung herbeizuführen, Italien, koste es, was es wolle, herüberzuziehen, wissenIntransigent wie .Liberte". Man müsse die Sentimentalismen über Dord werfen, nicht immer mit pathetischem Augenausschlag von der lateinischen Schwester schwärmen und die lateinische fraternite anrufen, denn es habe sich herausgestellt, daß das fascht- stische Italien für solche Mandolinenständchen taub sei. Reale Angebote, also!

Sin rauchender Trümmerhaufen. Wie die Japaner Lchanhaikwan erstürmten.

Peking, 3. Ian. (Reuter.) Aach Meldungen aus zuverlässiger chine, sicher Quelle besteht Schan- haikwan nur noch aus rauchenden Trüm­merhaufen, unter denen die verkohlten Lei­chen von 500 Soldaten und zahlreichen Zivilisten lägen. Don chinesischer Seite wird weiter erklärt, daß die Japaner bei dem Schlußangriff am Dienstagnachmittag auch Tanks einsehten, und unter dem l schen Feuer der Artillerie

der keine weiteren Kreise ziehen wird. Während von sozialistischer und linksliberaler Seite Maßnahmen des Dölkerbundes gegen Japan zum Deispiel in Form eines Doykotts befürwortet werden, hält die konser­vative Presse an der Auffassung fest, daß sich jede Aktion dritter Mächte auf Bemühungen zur Wiederherstellung des Frie­dens beschränken sollte. Erwähnenswert ist eine Aeuherung desDaily Telegraph", Groß- britannien habe keinen Grund, sich mit seinem altenund stolzen Freund und vorma­ligen Bundesgenossen Japan zu ent- zweien,das mit Recht als Hauptbollwerk gegen den Bolschewismus im Fernen Osten betrachtet wird'.

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Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich sür Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und lür den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel iämtlid) in Gie;en.

the right place!

Und so präsentierte man ihn zum Jahreswechsel dem Duce als Regenten für den Palazzo Farnese, als den ersehnten großen Botschafter.

De Jouvenel wurde mit seiner Wahl an der blauen Küsteüberrascht" und beeilte sich mit der höflichen Bescheidenheit, die den Politiker von Rang auszeichnet, zu versichern, daß er sich der schweren Ausgabe kaum gewachsen fül)le. Nimmt aber viel­leicht doch an. In der deutschen Botschaft wetzt man schon die Klingen, und der neue Herr in der Billa Wolkonsky, vonHasse11, ist froh, daß er kein o in seinem Namen hat. Denn böse Zungen verbreiten die Mär, alle die mit einem o gezeichneten Bot­schafter des Reiches in Rom hätten ihm nur Un­glück gebracht. Dor allem Monts und Bülow.

Tritt man aus den diplomatischen Lehrsälen ins Freie, in die harte Klarheit der römischen Sonne, so will es einem allerdings scheinen, als ob das Duell nicht übers Schnupftuch hinweg entschieden werden könne, als ob auch Italien dabei mitzureden habe, das Italien von 1933, das nicht das willensschwache Kind von 1914 ist. Es ist in einer Kriegsschule groß geworden, es ist mit seinen Schwachen fertig ge­worden und bringt einen ungewohnt ener­gischen Ton in das feine Spiel der Kabinette. Es fragt zum Beispiel nur: Wollt ihr eure Hand von Serbien zurückziehen, wollt ihr das Mare nostro ohne Umschweife anerkennen? Und schon wird der große Botschafter um eine klare Antwort verlegen sein.

pogramtschnaja von den Japanern besetzt.

Peking, 4. Ian. (WTD. Reuter) Wie ver­lautet, sollen trotz der Bewegungen chinesischer Truppen in der Provinz Tschili die ja­panischen Militärbehörden davon überzeugt sein, daß Tschangsuelian nicht beabsichtige, zu kämp­fen. Die hiesige japanische Gesandtschaft erklärt, daß Japan bereit sei, ein Kompromiß m i t China einzugehen, falls China es ebenfalls wünsche. Aus Tscharbin wird gemeldet, daß die Japaner die Stadt Pogranitschnaja, die mandschurische Endstatton der ost-chinesischen Bahn, besetzt haben.

Oer neue Krieg im Fernen Osten

Was sagen die Mächte zum Vorstoß Japans?

Eingroßer Botschafter" gesucht $rati ei -s Fühlungnahme in Hom.

Bon unserem römischen ^-Korrespondenten.

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Jahresbilanz der Weltwirtschaft.

Don Dr Hermann Levy, Professor an der Universität Lettin.

Wellwirtschaftlich gesehen ist das Jahr 1932 vol­ler Hoffnungen gewesen, die aber nur zum Teil in Erfüllung gegangen sind und deren zukünftige Verwirklichung an der Wende des Jahres noch zweifelhaft erscheint. Das hinter uns liegende Jahr hat einerseits und schon das allein könnte ein wirtschaftlicher Markstein sein eine endgül­tige Bereinigung der deutschen Re- jarationslei ft ungen gebracht, aber diese Bereinigung ist viel zu spät erfolgt, um etwa ofortige umwälzende Veränderungen der chroni- chen Weltwirtschaftskrise bedeuten zu können. Außerdem hat diesem Plus in der wirtschaftspoliti­schen Entwicklung sogleich ein Minus gegenüber» gestanden: Die Vereinigten Staaten haben sich einem Schuldennachlaß gegenüber ihren früheren Verbündeten und jetzigen Schuldnern unnachgiebig gezeigt und damit die Welt­wirtschaft nach wie vor mit einem Faktor belastet, der die Belebung weiter Handelsgebiete unter» höhlt.

Unzweifelhaft haben sich, besonders in der ersten Hälfte des Jahres 1932 Symptome einej allmählichen Besserung der Weltwirtschaft- lichen Lage, besser gesagt: eines gewissen Stillstan­des in der Verschärfung der seit 1929 immer hef­tiger werdenden Krisis gezeigt. Diese Besserung ging von den großen überseeischen Roh- stosf-, Nahrungs- und Genußmittel- ländern aus; es zeigte sich, daß die verhängnis­volle Usbererzeugung, die sich in einer bisher in der Wettwirtschaft noch nicht dagewesenen Häufung von Vorräten und Lagern ausdrückte, allmählich zu ver­ebben beginnt; das zeigte sich bei der Wolle in Australien, vielen Metallen der Weltwirtschaft, dem Kautschuk der so schwer bedrängten ost­indischen Gebiete, der Seide Japans, und zahl­reichen überseeischen Nahrungsmitteln. Die kleine" Rohstoffhausse, die sich hier zu entwickeln schien, wurde vielleicht als der Ausgangspunkt einer vielleicht universellen Wirtschaftsbelebung der Welt aufgefaht, da ja die überseeischen Nahrungsmittel- und Rohstoffgebiete wiederum als Kunden europäischer Industrien eine besondere Bedeutung haben. Aber der Fortbestand dieser Hausse" erscheint am Ende des Jahres keineswegs gesichert, obschon die Tatsache einer gewissen Schrumpfung der bisher vorhandenen übermäßigen Bestände, die von einer Saison in die andre hin­über einen Druck übten, fortbesteht.

Aber gerade auf diesem überseeischen Gebiete ist eine große Hoffnung enttäuscht worden: nämlich die Erwartung einer Wiederbelebung der Wirtschaft i n den Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Hoffnung war genährt worden durch das großzügige Kreditprogramm der Reconsttuktion Finance Corporation, von der man eine Ankurbe­lung der Wirtschaft erwartete, vor allem aber hoffte man, daß nach der neuen Präsidentenwahl die politische Beruhigung die latenten Kräfte einer Wohlstandsentwicklung in der Union zur Entfal­tung gelangen lassen werde. Hiervon ist nun leider wenig zu spüren. Im Gegenteil. Der englischeEco­nomist" läßt sich am 3. Dezember aus Neuyork be­richten-Die nach allen industriellen Richtungen hin erhoffte Steigerung des Order-Eingangs wie man sie nach der Präsidentenwahl erwartete, ist

ausgeblieben."

Man wird sich berechtigterweise fragen, woher es kommt, daß trotz mancher Ansätze zu einer Besse­rung, wie man sie im Jahre 1932 konstatieren kann auch für Deutschland sind unzweifelhaft solche Symptome vorhanden: Stillstand in der Steige­rung der Arbeitslosigkeit, Besserung auf ver chiede- nen Gebieten der Schwerindustrie beute von einer durchgreifenden und vor allem von einer ge­sicherten Aufwärtsbewegung noch n i ch t gespro­chen werden kann. Die Antwort ist leider nicht allzu schwer. Es gibt genügend Entwicklungen in der Weltwirtschaft gerade dieses Jahres, welche eindeutig bartun können, daß ihre Krankheit n och keineswegs an der Wurzel geheilt ist. Im Laufe des Jahres haben sich auf dem so wichtigen Gebiete der internationalen Währung immer größere Schwierigkeiten ergeben. Auch hier sind Hoffnungen und Enttäuschungen festzustellen. Eng­land hatte im Herbst 1931 von dem Verlassen des Goldstandards erhebliche Vorteile er­wartet Es hoffte einen Teil seiner Schulden (näm­lich die in Pfund Sterling zu zahlenden) mit einem Federstrich herabzusetzen, wenn das Pfund Sterling einen geringeren Wert erhalte es hoffte ferner, daß das sinkende Pfund eine Ausfuhrprämie für die englische Industrie bedeuten werde.

Diese Hoffnungen haben sich nid) t e r f ü I l t. Erstens hat der hauptsächlichste Gläubiger Eng­lands, die USA., seine Forderungen d.e in Dol­lars zu zahlen sind, nicht ermäßigt, so datz heute die englische Staatsschuld in .^funben ausgebrud, hierdurch gesteigert wird, zweitens haben bie Lan­der der Weltwirtschaft sehr prompt aus ben eng- lischen Währungs-Schachzug .^°6^t 'N^msie sich entweder dem Papierpfunde anhangten oder, wenn sie beim Golde blieben, ha"delspolitische Maß­nahmen gegen bas gefahrvolle Dalutabumping schu­fen ihre Zölle gegen England steigerten, Einfuhr­erschwerungen erließen usw. Die Folge 'st Spesen, daß die Ausfuhr Englands im Jahre 1932 gegenüber dem letzten vollen Jahre mit noch vor­handener Goldwährung, also deml Jahre 1930» er­be b l i ch durüdgegangen ist, in den ersten neun Monaten 1932 um zirka 40 v. H. und gerade am stärksten nach den Goldstandardlandern, von

und der Kriegsschiffe seien die Stadtmauern niedergelegt worden, so daß japanische In­fanterie und Kavallerie durch die Breschen in die Stadt eindringen konnten. Es habe sich e i n wilder Straßenkampf entwickelt, bei dem ein Bataillon Chinesen vollständig aufgerieben worden sei. Bald flammten durch Brandbomben zahlreiche Feuer auf, in deren Schein es zu Rah- tämpfen kam, bis die Chinesen sich in die zweite Verteidigungsstellung etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt zurückziehen mußten, wo sie sich wieder sammelten und zu neuem Widerstand rüsteten. Rach we t.'ren chine­sischen Meldungen sollen noch drei japanische Kriegsschiffe in Tschingwangtau eingetrofsen sein. Sie sollen versucht haben, Marinesoldaten an Land zu sehen, was jedoch durch die chinesischen Truppen verhindert worden sei.

Geteilte Meinung in Paris.

Die Linke fordert Intervention Frankreichs.

Paris, 5. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die Ver­schärfung des chinesisch-japanischen Konfliktes nimmt bie Aufmerksamkeit der französischen Ocffentlichkeit stark in Anspruch. Die Linkspresse, bie bie 1- ferbunbsgrunbfäfje burch Japan ver­letzt glaubt, erwartet, baß bie französische Negie­rung von sick) aus einen Schritt unternehmen werde. Die Rechtspresse bagegen, bie im mandschurischen Konflikt offen für Japan Partei er grif- f e n hatte, sucht für bie jetzige Lage ben Völkerbunb verantwortlich zu machen. So erklärt ber Außen- politiker desEcho be Paris", durch die Interven­tion von Genf fei ber Streit überhaupt nicht mehr auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, bie gemäß ben Grunbsätzen des Völkerbundes vorgenommene inter­nationale Dermittlungsaktion habe nur ein Intri­genspiel heraufbeschworen, dessen Ende man nicht absehen könne. .,

ImPopulaire" erklärt L6on Blum, Frankreich müsse unverzüglich die Initiative überneh­men und den Angreifer brandmarken und entwaffnen, die offiziellen Beziehungen zu ihm abbrechen, ihm jede öffentliche und private Unterstützung nehmen und vor allem seinen uner­schütterlichen Beschluß proklamieren, niemals eine vollendete Tatsache anzuerkennen. Wenn man daraus Hinweise, daß Japan aus dem Völkerbund ausschei- den werde, so sei zu antworten, daß em verstüm­melter Völkerbund immer noch besser sei, als em entehrter.

Besorgnis in England.

London, 4. Ian. (WTB. Funkspruch.) Der Ausbruch neuer Kämpfe an der chinesischen und mandschurischen Grenze wird von der Londoner Presse mit Bedauern und Besorgnis besprochen doch wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es sich um einen örtlichen Vorgang handele,

Die Stunde hat geschlagen, vorwärts! Der gute be Beaumarchais ist trotz feinem vielen Hin unb Her zwischen Rom und Paris mit leeren Hän­den gestorben, setzen wir also einen Mann auf ben Botschasterstuhl, einen Marfchall, mit einem Wort einen Sarrere! Hat nicht ber Senator Henri Verenger, Dorsitzenber im Auswärtigen Aus­schuß vom römischen Vottakongreß bie Überzeu­gung'mitgebracht, baß man Italien gewinnen könne, wenn man nur ben Faschismus streichle? (Unb bas ist wahr, so überschwänglich hat noch selten em Aus- Innber bas Weihrauchfaß vor bem Duce unb dem

denen man erwartet hatte, sie würben sich bas i , billige" Pfund durch Einkäufe zunutze machen.

Als Folge aller dieser sowohl finanzpolitisch wie kommerziell für England sehr unliebsamen Ent­wicklungen hat sich im letzten Teil des Jahres eine neue Pfundbaisse herausgebildet, welche nicht nur für England, sondern für bie ganze übrige Weltwirtschaft neue Gefahren bringt. Denn diese Pfundbaisse hat die erwartete Stabilifierung des Pfundes wieder in weitere Fernen geruckt und da­mit bleibt einer ber größten währungspolitischen Unsicherheitsfaktoren in ber jetzigen Weltwirtschaft bestehen. Die Zerklüftung ber Valuten, bie bis zum Jahre 1929 schon zu einer gewissen W,ederaus- aleichung geführt hatte, ist ^iber im Jahre 1332 weiter gebiehen als je, und die Mitschuld hieran trägt unzweifelhaft bas englische ^ührungsexpen- ment vom vorigen Jahre, bas in diesem Jahre eine jo ganz andre wie bie erwartete,günstige Wir­kung gezeigt hat.

Damit ist aber auch schon eines zweiten Fragen­komplexes gebacht, ber bie Wettwirtfchastslage wei­ter ungünstig beeinflußt. Nicht nur die valutansche, sondern, eng damit zusammenhängend, aud) Die handelspolitische Zerklüftung hat zu­genommen. Die erhöhten Zölle gegen das Valuta­dumping sind nur ein Teil ber Gesamtentwicklung gewesen, die darauf abziett, die weltwirtschaftlichen Länder immer mehr von einander zu trennen. Zoll­erhöhungen, Einfuhrerschwerungen, Elnsuhrkontm- gente, Bestimmungen über den Devlsenverkehr welche den Handel lähmen, sind auch cm Jahre 1 *32 dasZeichen der Zeit" gewesen. Keine Erleichterung ist hier zu verspüren, im Gegenteil bie Abmachun­gen Englands mit seinen großen Dominions und Kolonien Kanada, Südafrika, Australien und Ost­indien zum Zwecke gegenseitiger Bevorzugung ha­ben einen weiteren ..Block "/Uerhalb der Wellwirtschaft geschaffen, der, vom brittsch-impe-

Italienische Zottunionsplane.

Albanien Witt nicht.

Albanien scheint offenbar im Begriff zu sein, auf dem europäischen Schachbrett wieder eine Rolle zu spielen. Nach einer englischen Zeitungsmeldung soll es sich gegen ben Vorschlag Italiens, einen Z o 11 u n i o n s v e r t r a g abzuschließen, zur Wehr gesetzt haben. Wenn bas richtig ist, bann müs­sen plötzlich gewisse Mächte in Tirana Oberwasser bekommen haben, die nicht italienfreunblid) sind und die Albanien jetzt aufputschen wollen, sich allmählich von der italienischen Vormundschaft zu befreien. Vorläufig glauben wir aber nicht daran, daß bie albanische Ablehnung auf Einwirkungen von außen, etwa von Sübf laroien her, zurückzufuhren ist. Italien hat es verstauben, Albanien in ein ausgesprochenes Hörigkeitsverhält- n i s hineinzumanövrieren. Albanien ist für ben italienischen Nachbarn lebiglid) die eingangs» pfortezumBalkan. Italien hat ja auch in ben letzten Jahren aus Albanien einen militärischen Stützpunkt erster Drbnung gemacht, besten Ausgabe barin dejteht, bei einer künftigen Auseinanbersetzung auf bem Balkan einem italienischen Landungskorps ben Rücken zu becken. Sollten bie Italiener tatsäch­lich ben Albanern nah ege legt haben, einen Zoll- unionsDertrag abzuschließen, so Haden wir es hier doch mit einem recht interessanten Vorgang zu tun, ber an bem gescheiterten Versuch, Zwischen Deutschland unbOe st erreich ein ähnliche» Abkommen zustandezubringen erinnert. Damals war Oesterreich bereit, sich wegen seiner wirtschaft­lichen Schwäche mit uns zu einigen, es befanb sich also in einer ähnlichen Situation wie Albanien« Nur hat auch Italien mitgeholfen, die Zollunion zu zerschlagen. ,

rialen Stanbpunkt aus gesehen vielleicht ein Fort­schritt ist, vom Standpunkt der auf internationalen Austau ch gerichteten Weltwirtschaft aber lediglich eine neue gefährliche Zerklüftung bedeutet. Vor allem aber ging England, um überhaupt der Kon­ferenz von Ottawa die Wege zu bereiten, im Fruh- ahr 1932 endgültig vom Freihandel a b unb schuf ein umfaffenbes Schutzzollsystem, dessen Kern­stück bie Vorzugsbehanblung ber Ko l o - nie n ist. Aber auch bie heute golbreidjen Lanber, die sich bisher von ber Wettwirtschaftskrifis ver­schont glaubten, haben biefe im Jahre 1932 schwer zu spuren bekommen. So bie Schwe i z, deren Goldbestände heute trotz ihrer nur vier Millionen betragenden Bevölkerung an vierter Stelle unter ben Staaten ber Well stehen; bie Verkehrs- und Fremdenindustrie ber Schweiz liegt brach, well der Frembenstrom im Verebben ist, was sich wieberum aus den Dcllutaschwierigkeiten der Lan­der ergibt, deren Menschen bisher die Schweiz be­suchten, die Ausfuhr ist stark im Sinken und em größeres Defizit meldet sich im Schweizer Staats­budget.

Man kann zusammenfassen: bas Jahr 1932 hat bewiesen, baß Seime ber © e f u n b u n g m ber Weltwirtschaft vorhanben sinb. Aber diese Keime scheinen burch das Fortbestehen wirtschaftspolitischer Fehlsysteme ber Gefahr bes E r stickt wer­dens ausgesetzt. Die internationale Wahrungs­frage unb bas interalliierte Schulbenproblem sinb noch ungelöst. Ihre enbgültige Lösung wurde gleich­zeitig eine Aushebung der ^ehlleitung bes Goldes unb eine Wieberbelebung der internationalen Tauschwirtschaft bedeuten. Wirb die kommende Wettwirtschaftskonferenz diesen Fragen mit wirk­licher Energie gegenübertreten? Nur wenn sie dies tut, besteht die Hoffnung, daß bas Jahr 1933 mehr an Erwartungen erfüllen wirb als es tm abgelaufe­nen Jahre ber Fall gewesen ist.

GieheiierAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vri'd tmb Verlag: vrW'sche Univerfitäts-Vuch- und Stcinöruderei R. Lange in Gietzei. $d)riftleitung und Geschäftsstelle: ZchMraßeT.

Ißiftorenbünbel geschwungen, wie dieser Senator.) Sagt er nicht daß Rom schon mit einem Kolonial» manbat zu töbern sei? Und sollte es nicht anbeißen, nun, so kann man mindestens einen Keil zwischen Italien unb Deutschlanb treiben, indem man bem er ft en bie Kolonien bes andern offe­riert. Fangen wir mal mit Syrien an, bas ist am ungefährlichsten, sprengt aber immerhin bereits ben Weg nach Bagbab", ber ben Deutschen s o am Herzen liegt. War nicht ein Kollege Berengers ein­mal hoher Kommissar für Syrien? Doch: Henry de Jouvenel! Ausgezeichnet. The right man on