Ausgabe 
2.12.1933 Viertes Blatt
 
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Bücher unter dem Weihnachisöaum.

Politik und Geschichte

heute Wirklichkeit geworden sind. So gehört sein Werk, das die Brücke vom alten zum neuen Deutsch-

roir

Kapitalisten

Kinderbücher und Iugendschristen

Eindruck kommen kann.

G. Th.

tbzw. 8,20 TU. in j)a(bleber) erschienen. (520) Aus der schlichten Darstellung seines Lebens ersteht das Bild eines Mannes, der >ede Situation, vor die er gestellt wird, mit unerhörter Klarheit und Ein­fachheit erfaßt, der rasch zu einer Entscheidung kommt und sich dann auch mit seiner ganzen Per- on hinter diese Entscheidung stellt. In seinem ganzen Leben zeigt sich nicht ein einziger Wider- pruch in der Kette dieser aufeinanderfolgenden (Ent- cheidungen Mit einer geradezu seherischen Zuver- icht hat er im Jahre 1919 an Dinge geglaubt, die

sein wollen. Die tänzerische Gestaltung (Musik nach Melodien von Johann Schein) ist einfach, auch für Jüngere leicht zu bewältigen. Für die Kleidung der Kinder werden kurze Anregungen gegeben, doch kann hierin jeder nach den vorhandenen Mitteln frei verfahren. Nach einem klar ausgezeichneten Plan des Tanzplatzes folgt in vier Teilen das kurz­weilige Spiel selbst, das die Fröhlichkeit der Tito- lauszeit in einer jedes Kinderherz ansprechenden Form zum Ausdruck bringt.

Das lustige Kinderbuch. Herausge­geben von Erich Georgi und Hilde P e i s e r. Ein Saminelbano. 160 Seiten Mit 70 Bildern im Text von W Goeryen und einer Grammophon, platte. Ganzleinen mit farbigem Schutzumfchlag. 4,20 Mark Herold-Verlag R & E. Lcnl Stutt­gart. (442.) Erich Georgi und Hilde Peiler haben hier ein Kinderbuch mit überaus lustigem Inhalt zusammengestellt. Kurze und längere heitere Geschichten wechseln in bunter Reihenfolge ab mit amüsanten Anekdoten. Scherzen, Witzen, Basteleien, mit neuen Kaiperlestücken, Scherzbildern usw. Die Namen der Mitarbeiter wie Richard Zoozmonn, Josephine Siebe, Auswald-Heller. Fritz Müller- Partenkirchen u. a bürgen dafür, daß dieses Buch das hält, was der lustige Titel verspricht. Die dem Buch bei gegebene Grammophonplatte wird von den Kindern mit Begeisterung immer wieder gespielt werden.

Josephine Siebe: Die neue Hei­mat. Eine heitere Geschichte aus einer kleinen Stadt. 104 Seiten. Mit einem Titelbild und 16 Text- bildern von Gertrude Eolsman. Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag 2 Mark. Herold-Verlag RLE Lenk, Stuttgart. - (439.) - Ein präch­tiger Junge ist der kleine Mutz. Tapfer hilft er seinen Eltern die Sorgen des Alltags erleichtern. Da taucht eines Tages ein unbekannter Onkel au , der der Familie em Heim in einem kleinen Städt­chen bietet. Leicht wird es ihnen nicht, die alte traute Dachstockwohnunq in der Großstadt zu ver­lassen. an die sich für alle so manche liebe Erinne­rung knüpft. Allerhand Schwierigkeiten stellen sich dem erhofften sorglosen Leben in der Kleinstadt ent­gegen. Aber überall .zeigt sich Mutz als ein tapferer Junge, der Augen und Obren offen hält, ein biß­chen Detektiv ipielt und sich durch sein frisches We­sen auch die Freundschaft seiner neuen Schulkame­raden gewinnt, so daß er schließlich mit feinen Eltern wirklich eine neue Heimat findet.

mir im Saufe meines wahrlich an Seltsamkeiten nicht armen Lebens begegnet sind' - seinen Kampf mit der grausamsten Widersacherin,dem Lowenge- icht" einen Kampf aus Leben und Tod, in dem Bona mit Ausnahme seiner Künstlerschaft alles Gluck seines Lebens einbüßt. Den Hintergrund die- « unerhört bunten Romans bildet das im Frei- h'eitskampi gegen Frankreich lodernde Spanien.

Will Vesper: Der Pfeifer von Nic- i a s h a u s e n. Eine historische Erzählung. 75 6. Geb. 1,30 TU. Verlag Bertelsmann, Gütersloh. (386) __ Will Vesper gestaltet hier einen alten

Stoff bekannt als die Wallfahrt nach Niclas- hausen zu einer historischen Erzählung. (Ein uner- bittliches Schicksal wächst aus dem Leben des Pfeifer- hänslin, der eine gewaltige Bauernbewegung entfacht.

Gertrud von le Fort: Das Reich des Kindes. Legende der letzten Karolinger. (Die kleine Bücherei-, Band 27.) In Pappe geb. 0L0 TU. Albert Langen I Georg Muller, Verlag, München. 1933 (482) Erstaunlich, daß eine Frau die Kraft besaß, den großen Stoff io be­zwingend zu gestalten: Karls des Großen Reich zer­brochen. die Letzten seines Geschlechts gescheitert, die Krone einem Kinde zugefallen, das ihrer Last er­liegt. Im Untergang ihres Kindes erahnt die Kö­nigin Uta. eine unvergeßliche Frauengestalt von rein­ster Hoheit, das alsbald neu erstehende, daserfte" Reich. Eine reine Dichtung, die bei aller histori- schen Treue ihren Stoff ins Mythisch-Legendäre erhebt.

staatlichen Tendenzen bildet den Abschluß der Schrift. Dos Buch vermittelt allen politisch interessierten Gebildeten einen klaren Ueberblid über die für Deutschlands Außenpolitik so ungeheuer wichtigen Entwicklungen. Für den Unterricht aller Lehranstal- ten stellt die Schrift alles nötige Material bereit.

DerVolks-Hindenburg- ist soeben im gemeinsamen Verlag der Firmen S. Hirzel und Bi­bliographisches Institut AG. in Leipzig als eine un­gekürzte, illustrierte Volksausgabe von Hindenburgs Selbst-BiographieAusmein em Leben- zu dem volkstümlichen Preise von 5,80 TU. in Seinen

land schlägt, als Spiegelbild einer großen Führer- Persönlichkeit und zugleich als Denkmal vom Helden- kampf des deutschen Volkes zum wertvollsten Besitz unserer Nation. Der Verlag hat neben mustergülti­ger Ausstattung dem Werk zum erstenmal auch eine Reihe von Bildtafeln beigegeben, die den Marschall als Offizier, als Führer, als Mann der Nation zei­gen. Zu den Bildern kommen sechs ausgezeichnete mehrfarbige Karten der Kriegsschauplätze hinzu, so daß das Ganze die Gestalt des Feldmarschalls noch lebendiger heraustreten läßt, als es in der bisheri­gen Ausgabe der Fall war. Möge diese billige Volksausgabe den Weg in jedes deutsche Haus und vor allem in die Hände der jungen Nachkriegsgene- ration finden!

Geschäfte mit b e m Tob! Hinter ben Kulissen der französischen Rüstungsinbustrie-, von F W. von Derften. Kart. 2,40 Mark. Hansea­tische Derlagsanstast AG., Hamburg 36. (463) Das ungewöhnlich spannende Buch zeigt, baß das Abrüstungsproblem auch eine unb bies nicht zu- letzt wirtschaftliche Frage für Frankreich ist. Die geheimen Fäden, bie von ber französischen- stungsindustrie zur Regierung unb zur Genfer Kon- fcren; führen, werben hier aufgedeckt, Absichten unb Wirkungen enthüllt, bie Hintermänner dieser unseli- gen Verquickung von Politik und Geschäft ins helle Licht der Oefsentlichkeit gezogen. So erleben hier, wie einem kleinen Gremium von Kapita jedes Mittel recht ist, um zu' geschäftlichem Profit zu kommen, selbst wenn über dieses Treiben auch der Friede der Welt gefährdet wird. Der Bericht von F. W. v. Oertzen ist ein nüchterner Tatsachen­bericht, ber gerabe durch die spannende Aufzeich­nung unwiderlegbaren Materials, seine Wirkung nicht verfehlen wird!

Deutschland, Deutschland über alles. Das Jahrbuch des neuen Deutschland. Leiv- zig 1933. K. F. Koehler Verlag. Ganzleinen 4,80 Mark. (522.) Wer deutscher Jugend eine rechte Freude bereiten will, ber lasse sich dieses Jahrbuch kommen Wenn man in dem stattlichen Leinenbande blättert und sieht bie über 200 anregenden Bilder und bie vielen fesselnden Beiträge von und über Hindenburg, Hitler. Göring, Goebbels, Selbte, Gras Luckner. Horst Wessel, Schlageter. Gronau, Czech. Jochberg, Dominik, Bogislao o. Selchow, Kampf der SA., die Skagerrakjchtacht, Arbeitsdienst, das Hakenkreuz, Luftkampf, Luftschutz. Segelflug, Wal- fijchfang, DieNiobe", Sport, Reichswehr, Funk­technik, Wunder der Technik, die TankschlaHt bei Cambrai, ein Hitterjunge fährt zu Musiolini, schule ber Lokomotivführer, die fernlenkbareZähringen", wie ein Buch entsteht, Deutschland in der Welt vor­aus u v a., dann weiß man, hier ist das rechte Geschenk für unsere Jugend! Die Vielseitigkeit dieses Buches ist ein Ausdruck deutscher Wesensf >'>e im guten Sinne. Wer aus deutscher Wesenheit heraus Freude und Belehrung sucht unb schenken will, der findet beides in diesem wohlfeilen, schönen Buch m reichem Maße.

Edmund Kih: Das Urwaldmädel. Ein deutsches Mädchen in Chile. Mit vier farbigen Bildern von Richard sapper. 96 Seiten Oktav. Halbleinen 2 Mark. Thienemanns illustrierte Zwei- mark-Bücher. K. Thienemanns Verlag Stuttgart. (552.) Durch diese spannende und humorvolle Erzählung, die durch lebensvolle Bilder illustriert ist, lernt bie Jugenb das Leben ber tapferen lieber- secdeutschen kennen, benen bas Vaterland immer bas Teuerste bleibt. Ein aktiver Offizier hat sich nach bem Weltkrieg im südlichen Chile eine neue Existenz geschaffen. Grete feine 17jährige Tochter, hilft ihrem Vater mit ihrer ganzen jugendlichen Tatkraft. Das frische Urwalbkind ist bei allen Landsleuten und bei ben Jnbianem aus Pampa unb Korbillere gern gesehen. Gewiß werben auch alle jugendlichen Leserinnen unb Leier bas UruxHb- möbel als ihre Altersgenossin ins Herz schließen unb etwas von dem Lebensmut ber brutschen Pio­niere in sich aufnehmen.

Das Nikolausspiel Von Ilse Bert- holb-Baczynski Hart. 1 Mark Verlag von B G. Teubner in Leipzig unb Berlin 1933. (570.) Ein lustiges lanypiel neu geschrieben für Buben. Mädchen unb alle, bie mit ihnen fröhlich

Karl Hans Strobl: (Bona unb bas Löwengesicht. Roman. In Aalbieber 3,50 Mt. Polksoerbanb ber Bücherfreunde. Wegweiser-Verlag G m. b. H. Berlin-Charlottenburg 2. Goya, der Maler und Zeichner des Seltsamen unb Geheimnis­vollen (Bona, ber Stierkämpfer unb Messerstecher. Gewaltmensch ber Kunst unb der Liebe. Hofmaler und ingrimmiger Spötter über Hof unb Adel die­ser Mensch voller Widersprüche unb Rätsel ist ber Held eines spannenden Romans. Strobl, ber Dich­ter bes Phantastischen und Dunkeloerboraenen. läßt Goya selbst erzählen:Die seltsamsten Dinge, bie

Deutsche Erzähler.

Ina Seibel: Der Weg ohne Wahl, Roman. 308 Seiten. In Seinen geb. 5.50 Mt. Deut- sche Verlags-Anstalt, Stuttgart unb Berlin. (467) Daß Ina Seibel heute in Deutschland zu den schöpferischen Frauen gehört, deren Leistung den strengsten Maßstäben standhält, brauchte nach dem Wunschkind" nicht mehr ausdrücklich bekräftigt zu werden, wird dennoch abermals überzeugend barge­tan gerade in diesem jüngsten Werk, dessen Thema, rein stofflich betrachtet, vermutlich jedem Geringeren unrettbar in die Niederungen der Kolportage ent­glitten märe. Das eben Romanhafte in diesem Buch, das Spannende, Ungewöhnliche, Abenteuerliche und Phantastische des Motivs, kann nicht entscheidend fein für bie letzte Wertung: obwohl die Handlung, äußerlich gesehen, ihren Höhepunkt in einer >n di­rekter Rede dramatisch vermittelten Schwurgenchts- verhandlung findet, liegt doch die Bedeutung des Buches, der herzbewegende unb unvergeßliche Ein- bruck eben einer ganz dichterischen Gestaltung nicht hierin: er gründet sich vielmehr auf die fepr 3ar* Beschilderten Beziehungen zwischen wenigen Men- hen, schicksalhaft angesponnen feit langem, unter- grünbig weiterwirkend, sich entfaltend und endlich lösend und bindend zugleich in ben gewitterschweren Hochsommertagen kurz vor bem Ausbruch des gro- hen Krieges 1914. Nicht das Aeußere also, sondern bas Innere, das Hintergründige und Unterbewußte, ober zum mindesten die ungemein bestechende Ber- quickung von sinnlichen und übersinnlichen Elemen­ten machen in diesem Roman das Eigentliche aus, geben ihm Rang unb Gewicht unb erheben ihn über ein paar Dutzenb billiger Unterhaltungsgeschichten in ben reinen unb herben Luftraum des echten Kunstwerkes. Dabei kreist auch biefe Erzählung wie- ber um die Motive, die fett jeher im Werk der Ina Seidel eine bedeutungsvolle Rolle gespielt haben: Der Weg ohne Wahl" darf, ohne engherzige Fest- legung auf einen begrenzenden Gattungsbegriff, eine Kindheitsgeschichte genannt werden, eine tra­gisch umleuchtete freilich und schon entrückt ber an- mutig-heiteren Welt besHauses zum Mond": eine Seelengeschichte auch unb ein Entwicklungsroman ist dieser Bericht vom Leben des Geschwister- unb Künstlerpaares Merula unb Manuel Martius-Orley. Mit zarter Hand, aus menschenkunbigem Herzen ist die Losung einer unheilbar scheinenben Ver­strickung in das schwere gemeinsame Erlebnis ihrer Rinberroeü gestaltet: bie Begegnung mit bem klu- gen unb gütigen Arzt Rasmus führt, schon im An- aesicht bes ungeheuer zur Entlobung brängenben Krieges, eine dennoch beglückende und befreiende Wendung zu neuem Leben herauf. In solchem Jn- einanberklingen ber beiden Entscheibungsstunben, ber kleinen unb ber großen, ber menschlichen unb ber übermenschlichen, findet bas Buch einen Abschluß voll reifer, selbstverständlicher Einfachheit unb tiefer, beruhigender Harmonie.y

Hans Friedrich Blunck:Werdendes D o l r. Romantrilogie (Stelling Rotkinnsohn. Die Geschichte eines Verkünders und seines Volkes." J>ein Hoyer. Ein Roman von Herren, Hansen und Hagestolzen."Verend Fock. Die Mär vom gott­abtrünnigen Schisser".) Preis in Seinen geb. 6,80 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller, Mün- chen.(518) Diese drei Romane sind keine nach Aktenstaub unb Hanbschristenmober schmeckende Chronik, sie sinb vom heißen Atem bes wirklichen Geschehens burchglühtes Leben. Die Personen ber Hanblung, so historisch echt sie auch sinb, haben nicht das geringste von der gewaltsamen Echtheit musea ler Oelporträts in Prachtwams unb Halskrause, sondern sie reiten, jagen, lieben, fahren zur See, kämpfen um Ehre, Freiheit unb Gott, streiten für Volk unb Heimat, ringen mit Zweifel, Teufel unb Tob. Da ist ber erste, Stelling Rotkinnsohn. Das Volk hält ihn, der Christ unb doch nicht Christ, vornun- Mannten Gott" kündend durch die Lande zieht, für denweihen Knecht Gottes", den Heiland er aber sucht einen anderen Gott als den der Priester Wodans und Christi, er sucht benGott in uns" unb wirb dabei schuld am Untergang seines Volkes. Unb bann ber anbere, Hein Hoyer, er sucht nicht in weit und menschenabgewandten Träumen, er sucht (Bott, das breite Schwert in ber Hand unb im bichtesten Kampfgewühl, er, ber hansische Felbhauptmann, ber seine Heimatstadt Hamburg rettet aus ber Bedräng- nis durch äußere Feilide und aus der schleichenden, haßvollen Zwietracht der Bürger, Zünfte, Stände unb Aemter. Die Geschichte von Berenb Fock ist bie Mär vom gottabtrünnigen Schiffer. Aber sein Ab­fall von Gott ist nicht der Frevel des Gottesleug­ners, er schreit nach Gott aus qualvollster Sehnsucht. Jahrhunderte fährt er in Abenteuern, Fährnis und Not durch bie Welt, bis Liede und Selbstaufopfe­rung ihn wieder zu Gott führen. In dieser Dichtung ruhen Lebensmächte, die von Jahr zu Jahr stär­kere Wirkung ausstrahlen.

Walter von Molo: Holunder in Polen. Roman. Paul Zsolnay, Verlag, Berlin, Wien, Leipzig, 1933. (336) Der neueste Ro­man Molos gestaltet die Ereignisse, die sich aus einem westpreußischen Gutshos ablpielen, als 1918 die Polen in Westpreuhen einbringen. Der Helb bes Romans ist ein junger Hauslehrer, eine Gestalt, wie Molo sie liebt unb In derBobenmatz"-Trilo- gie schon einmal gezeichnet hat: ein Mensch, ber nur aus bem Gefühl lebt, ber über alle Konvention hin­weg zu ben Menschen spricht unb sie aus ihrer Ge­bundenheit zu läsen versucht eine Mischung von Heiligem, Dichter unb Helden. Seine Liebe zu ber jungen Gutsherrin, die an einen alten Mann ge­bunden ist, wirb schön unb rein geschilbert. Diese Liebesgeschichte unb bie Gestalt der Gutsherrin Re­nate sinb bas Beste an bem Roman. Renate ist ein­fach, lebenbig, ^jart unb fest dabei; sie wächst an bem schweren Schicksal, das über sie unb über bas ganze Land hereinbricht ohne ber Uebcrfpannt- beit Holunders zu verfallen. Im übrigen ist ber Roman ein etwas unglückliches Gemisch aus zweier­lei Stilelementen. Die Geschichte Holunders ist durch­aus romantisch gegeben, oft anmutig unb fein, meist aber verworren unb von gewollter Tiefe, bie politischen Ereignisse bagegen sind grausam reali- stisch eingeführt, so daß man zu keinem einheitlichen

Joachim v. Kürenberg:Der letzte^ TertrauteFriedrichs desGroßenMar. chese Lucchesini". Pappe 5,20, in Leinen 5,80 Mark. Universitas, Deutsche Verlags - AG., Der- [in W. 50. (512) Der junge italienische Diplo­mat findet vorn Hofe der Este nach einem kurzen Aufenthalt bei Maria Theresia zu Friedrich dem Großen und tritt als Vorleser in ein nahes Ver­trauensverhältnis zum Großen König. Ja, dieser macht ihn sogar zum Vollstrecker seines politischen Willens:Wenn die Schmeichler das Ohr meines Neffen haben, muß Er vor ihn hintreten und sagen: ,das geht nicht an! Seine Majestät der alte König haben mir befohlen, daran zu erinnern, daß es hier um alles, um Dynastie, um Preußen geht!' Das wird Er für mich tun, nicht wahr, Marquis?" Nach dem Tode Friedrichs spielt Lucchesini unter einen Nachfolgern als Staatsminister eine entschei­dende Rolle. Die neue Jugend versteht er nicht mehr. 1806 wird er von Louis Ferdinand und der Frei- heitspartei gestürzt. Das Buch macht in Form von kurzen, packend gestalteten Szenen dem Leser jene hochinteressante Zeit mit vielen ihrer bedeutendsten l Persönlichkeiten ungemein lebendig.

Wilhelm Kotzde-Kottenrodt: Wil- helmus von Nassaus n. Ein Mann und ein Volk. In Seinen gebunden 4,80 Mark. Ver­lag I. F. Steinkopf, Stuttgart. (465) Ich möchte fast sagen, hier hat der Dichter sein Meister- werk geschahen. Man sieht, was er erzählt, hat vor Augen die Landschaft, die er schildert, unb gewahrt die Personen, die er auftreten läßt, in blutvoller Gegenständlichkeit. Mit sicheren Strichen zeichnet er die Menschen und die sie umgebende Umwelt. Diese Anschaulichkeit ist ein Zeichen bes Epikers von Got­tes Gnaden. Der Verfasser hat ein deutsches, kräfti­ges und gesundes Buch geschaffen, und solche Werke ind gerade jetzt vonnöten, wo es gilt, gegen die Vergiftung der Volksseele zu kämpfen. Hier zählt Wilhelm Kotzde-Kottenrodt zu den besten unb wert- vollsten Kampfgenossen. Der Frühlingswinb, ber Heuer burch Deutschlanb braust, ihn spüre ich auch in bemWilhelmus von Nassauen" wehen, unb deshalb ist mir bas Buch schon jetzt ein lieber Freund geworben. Pros. Dr. Karl Esselborn, Darmftabt.

Prof. D r. Otto Hoehsch: Die weit- politische Kräfteverteilung seit ben Pariser Friebensschlüssen. 6., umaear- beitete unb fortgeführte Auflage (48 S), 8°. Mart. 1,50 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (315) Das Buch unseres ftänbigen außenpoli­tischen Mitarbeiters ist eine trotz der Kürze voll- tänbige Darstellung der Staatenbeziehungen bis zur Gegenwart. Klar treten in biesem System die Bestrebungen Frankreichs und der übrigen Sieger des Weltkrieges zu Tage, die Pariser Verträge und ihre Machtoerteilung als ewig zu stabilisieren. Der Verfasser hebt die Statik im System der Pariser Verträge, dieLiquidation" bes Krieges, bie Welt- Wirtschaftskrise unb bie Dynamik in ben Staaten- beziehungen ooneinanber ab. Ein Blick auf bie über-

Philosophie.

D r. Walther Schmied-Kowarztk: Ethik. Mu Berücksichtigung pädagogischer Pro­bleme. A. W. Zickseldt. Verlag, Oslerwieck-Harz. 1932. 161 Seiten. Gebunden 6,30 Mark.(258) Schmied-Kowarzik, Dozent an unserer Landes- Universität, legi uns eine idealistische Ethik vor, die vor allem gegründet ist auf den Gegensatz der Werte des Angenehmen und des Nützlichen einer- eits, der idealen Werte andererseits. Nur das an den idealen Werten ausgerichtete Verhalten de» Menschen hat sittlichen Charakter. Zu eng aber wäre es, eine Ethik einseitig auf bie idealen Werte bes Altruistischen, Sozialethischen festlegen zu wol­len. Sittliche Bedeutung haben auch die Schopfun- ! en, die der Wahrheit und der Schönheit dienen. Sittliche Bedeutung hm ferner die Verbundenheit mit dem Heiligen. Cs gibt nicht nur Pflichten gegen andere, sondern auch solche gegen sich selbst, gegen (Bott und gegen ideelle Werte. Der ärgste Feind aller wahren Ethik ist der Naturalismus, ber die moralischen Phänomene aus wesensfremden Ge­sichtspunkten zu deuten unternimmt und den Schmied-Kowarzik trefflich kritisiert (6. 15 ff.). Nicht in gleichem Maße überzeugend ist m. E. die Widerlegung des Relativismus (S. 127 ff.). Gewiß widerspricht bie Jndivibualität ber Verpflichtung bes Einzelmenschen in seinem Sofein unb unter den konkreten Umständen nicht einer allgemein­gültigen Rangordnung der Werte, aber damit ist noch nicht die Berechtigung erwiesen, eine bestimmte Rangordnung der Werte (insbesondere innerhalb ber ibealen Werte) als allgemeingültig auszugeben. Die Nichtanerkennung einer bestimmten Rangord­nung als aUeinoerbinblid) beruht auch nicht auf partieller Wertblinbheit Es lassen sich oerschiebene Menschen denken, bie alle für leben erdenklichen Wert Sinn unb Derstänbnis haben und doch zu oerschiebenen Rangordnungen gelangen, weil sie die einzelnen Werte verschieden stark schätzen. Daß ben einzelnen Werten bestimmte Intensitäten bes Erfühlens als die allein angemessenen eindeutig zugeordnet seien, läßt sich m. E nicht erweisen, nicht einmal behaupten, allenfalls glauben Solcher Meinungsverschiedenheiten ungeachtet verdient bie vorliegende Schrift Beachtung und Wertschätzung. Sie ist in gutem Sinne modern, gründet sich auf umfassendes Wissen, läßt die Realitäten nicht außer Acht, gibt viel Eigenes unb ist klar unb anregend geschrieben. (Erörterungen über Ethik unb Päda- gogik sowie über Ethik unb Metaphysik runden eine Darstellung ab, bie in knapper Form eine große Fülle von Problemen ber allgemeinen unb konkreten Ethik behandelt. E.

Theodor Litt: (Einleitung in bie Philosophie. Leipzig - Berlin (Teubner) 1933, 332 Seiten. Geb. 6,40 Mark. (327) Diese (Ein­leitung führt sich selbst ein alsbie aktuelle unb billige, geradezu Ipannenbe Einführung in bas »Philosophieren' selbst, vom Standort des heutigen philosophischen Denken» aus ..." Schweigen wir vom Preis als einer unphilosophischen Seite der Angelegenheit, so müffen wir diese» Urteil als be­gründet bestätigen. Es gibt keine Einführung in die Philosophie, die in gleichem Maße modern wäre, in gleichem Maße auf den Hohen ber zeit- genössischen Philosophie roanbelte. Und an ber Spannung fehlt es deshalb nicht, weil es Litt, wie kaum ein anderer versteht, die großen Probleme in einen Zug ber Gebauten einzuorbnen, ber einen in jebem Augenblick voll Interesse auf bas Rom- menöe harren läßt. Dieser Zug ber (Bebanfen selbst, geführt von bem ZauberwortReflexion", ist höchst originell, mag auch im übrigen Litt nicht die philo­sophische Tradition oerleugmn, in ber er steht: die Tradition des deutschen Idealismus von Rant bl» Hegel, die noch immer, wenn auch vielfach ab,ge­wandelt, die Stunde regiert. Freilich: bas Buch ist nicht leicht, eigentlich mehr schon fürVorgerückte'. Doch mag es der Anhänger getrost versuchen, mit ihm einzuhrinaen in bi» Tiefen, bie sich bem be­sinnlichen Menschen in, über unb hinter ben Regli- täten auftun. An Klarheit unb bildlicher Kraft dc» Ausdrucks hat es Litt nicht fehlen lassen, um die subtilen Untersuchungen dem Verständnis des Lesers nahe zu bringen.

Dr. Julius Schmidhauser: Der Kampf um das geistige Reich 390 Seiten. Hanseatische Derlagsanstalt, Hamburg, 1933. Leinen 9,50 Mark. (283) Wer dieses Buch zur Hand nimmt, mochte wohl angesichts seines beträchtlichen Umfanges verzagen. Aber wer es begonnen hat zu lesen und einer derjenigen Leser ist,an die es allein gerichtet fein kann". Ist so gefesselt, daß er weiß, er wird es zu Ende lesen Man stelle sich nicht vor, daß es sich hier um eine sensationenreiche ober sonstwieangenehme" Lektüre handelt. 6» werden an den Leser hohe Anforderungen gestellt, auch zwingt ihn manche Wiederholung zur G'duld. Man erwarte auch nicht neue Rezepte, zu denen der geistige Patient unserer Zeit voll neuen Hoffens unb Lertrau.'ns greifen möchte. Die letzten Ziele, um bie es dem Verfasser geht, leuchten mystisch auf, treten noch nicht als klare Richtpunkte für unser Handeln vor uns hin. Vielleicht liegen sie jenseits dieses Buches, an dessen Ende ein neues Werk des Verfassers angefünbigt wirb Da» Reich der Sohne, und bas ist wohl jenes geistige Reich, um bas ber Kamps gehen soll. Vorläufig haben wir nur einen Kampf acaen , näm'ich einen Kamps gegen alle» Eigenwillige, Sonderlüchtige, Selbstgenügsame und darum Satanische Dieser Rampt aber führt die Gegner auf den Plan, die achtenswerten Gegner. Ein Mann, frei genug, um im Vergangenen und Gegenwärtigen beides: Sendung unbUngeschick zu sehen, beschwört geistige Gestalten. Und in wel­ches Licht er sie stellt, das ist es, was uns fesselt. Zwei Jahrtausende durchwandern wir an ber Hand eines Führers, dessen Geist Erstaunliches umfaßt. Aber dieser Führer ist keinRelativist , wir wan- dem nicht durch ein Museum, hier geht es um Be­kenntnis. Vieles wird verneint, fast alles teilweise verneint: die Anwandlungen bes G Uftes, bes Willens und des ohnmächtigen Gefühls, bie An­maßungen ber Kirche, bes Staates unb der Gesell­schaft, die Einseitigkeiten bes Logos unb bes Han­delns, bas Auseinander von Erlösung und Schöp­fung Bejaht wird da» Ineinander, die Durch­dringung. Alles ist bezogen auf den Gedanken der Universität und iyrer Ausgabe. Aber e» wird doch nicht Hochschulpolitik getrieben, es wird überhaupt nicht Politik getrieben. Es geht dem Verfasser um das Ganze,um bie geistige Verfassung, die aut ber Ganzheit aller Lebensgebiete beruht unb in bef alle anderen Derfassunaen des menschlichen und ge- meinschaftlichen Lebens ihre Grundlage haben". E-