Nr. 257 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Donnerstag, 2. November 1933
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Dr Erhebt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein unö für den An« zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich m Biegen.
Ein »olt, ein Witte, eine Tai!
Oer Führer in Weimar -Em neuer November der deutschen Ehre wird alte Schmach löschen.
Weimar, 1. Nov. (WTB.) Der Führer ist gegen 17 Uhr mit seiner Begleitung im Flughafen Erfurt eingetroffen und begab sich im Kraftwagen direkt n a ch W e i m a r. Die Zufahrtsstraßen zum Flughafen und die Straßen der Stadt waren mit dichten Menschenmengen besetzt, die dem Führer jubelnde Ovationen darbrachten. Es war dem Wagen des Reichskanzlers oft nicht möglich, zu passieren, da er wiederholt von der begeisterten Menschenmenge im Nu umzingelt war. In schnellem Tempo fuhr dann die elf Wagen starke Kolonne, an der Spitze das Auto des Führers, nach Weimar. In Weimar sind die Straßen und Plätze, vor allem der Fürstenplatz, voll von Menschen. Weimar hat wohl selten solche Menschenmengen in seinen Mauern ausgenommen. Die großen Zufahrtsstraßen sind voll von Wagen und Krafträdern. Die Reichsbahn läßt eine große Anzahl Sonderzüge verkehren, die unaufhörlich im Hauptbahnhof Weimar einrollen. Schon in den frühen Nachmittagsstunden begann sich das Zelt, das besonders für diesen Tag hergerichtet wurde und 50 000 Menschen faßt, zu füllen. Schon seit 14 Uhr konzertiert dort eine SA.-Kapelle. Zum Aufbau des gewaltigen Zelts waren seit Freitag voriger Woche 18 0 Arbeitsdienstwillige aus verschiedenen Arbeitsdienstlagern Tag und Nacht beschäftigt.
Um 20 Uhr begann die große Kundgebung i n der Weimar-Halle, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Fahnen und Blumen grüßten von den Wänden, Transparente wiesen in eindringlicher Sprache auf Deutschlands Kampf für Gleichberechtigung und seinen Friedenswillen hin. SA.-Abordnungen mit mehreren hundert Sturmfahnen und Standarten sowie eine Kompanie des Reichswehrinsanterieregiments 15 hatten Aufstellung genommen. Der Platz des Führers war mit Blumen geschmückt, zahlreiche Briefe aus der Bevölkerung waren nicdergelegt. Wenige Minuten nach 20 Uhr erschien der Führer, von brausenden Heilrusen empfangen. Reichsstatthalter Sauckel begrüßte ihn. Dann ergriff der Reichskanzler das Wort.
Oie 'Rebe beet Führers
Unter tosender Zustimmung der Massen führte Adolf Hitler einleitend aus, daß er, so wie er bisher im Kampf bewiesen habe, daß er sich unzertrennlich fühle mit dem Volk, er sich auch heute nicht scheue, in einer schicksalhaften Stunde wieder zum Volk zu gehen. Er tue es in der Ueberzeugung, daß das Schicksal der Nation nur dann zu ihrem Segen gestaltet werden könne, wenn das Volk selbst an dieser Gestaltung lebendigen Anteil nehme. Niemals aber sei die Notwendigkeit größer gewesen, daß das Volk sich selbst zu dem Wege bekennt, der allein Rettung bringt, als setzt am 12. November.
Die Frage, die uns heute vorgelegt werde, sei eine entscheidende: Ls handele sich nicht nur um unsere Lhre, sondern darum, ob wir unseren Rang als gleichberechtigtes Volk in der Welt wieder einnehmen wollen oder ob wir darauf verzichten und die Folgen auf uns zu nehmen bereit seien, die sich aus einem solchen Verzicht ergeben.
Der Führer stellte noch einmal in ergreifenden Worten das Bild unseres heroischen Kampfes, die Entwicklung der Bewegung vor Augen, die das Steuer des -Schiffes, das zu zerschellen drohte, herumgeworfen habe, um einen anderen und besseren Kurs zu steuern. Es sei selbstverständlich, daß für eine solche Bewegung der Tag der Machtübernahme nicht der Abschluß des Kampfes sein könne, sondern nur der Beginn der Erfüllung dessen, für das man gekämpft und was man dem Volk jahrelang durchzuführen versprochen habe. (Stürmische Zustimmung.) Der Führer sprach von der Kühnheit des Programms und der gewaltigen Bedeutung dessen, was die Bewegung bereits erreicht habe und von dem sich viele heute noch keine rechte Vorstellung machen könnten. „Wenn es heute noch in Deutschland Leute gibt, die sagen, wir fügen uns nicht ein in euere Gemeinschaft, sondern wir werden nach wie vor da sein, dann antworte ich; Ihr werdet vergehen, aber nach euch wird eine Jugend kommen, d i e nichts anderes mehr kennt! (Brausender langanhaltender Jubel.) Vor denen, die auch heute noch glauben, diese geschichtliche Entwicklung nicht anerkennen zu können, werden wir die Nation beschützen, die Jugend aber werden wir für diesen neuen Staat erziehen.
Deutschland wolle den Frieden, aber auch seine Lhre und gleiches Recht, wenn man glaube, uns etwas diktieren zu können, dann ohne unsere Unterschrift. „Ich bin nicht Reichskanzler geworden, um anders zu handeln, als ich 14 Jahre lang gepredigt habe. Wir bekennen unszu denen,die nureinWortbe- sitzen." (Stürmischer Beifall.) Deutschland habe abgerustet. Run mögen die anderen folgen. IBenn ein Volk auf dieser Welt das Recht habe, sich bedroht zu fühlen, dann feien wir es. Niemals werde er sich vor einer Drohung beugen. „Ich habe es nicht getan in den 14 Jahren, in denen wir um die Wacht kämpften, und tue es auch heute nicht."
Diese Wahl soll der Welt beweisen, daß das ganze deutsche Volk hinter dem Wunsch
nach Frieden genau s o stehe wie vor feiner Ehre. „Dieser Appell wird der Welt zeigen, wer mehr Recht hat, im Namen eines Volkes zu reden: die, die glauben, unserem Volk die Ehre nehmen zu dürfen, ober wir, die wir die Ehre, das Recht und die Freiheit unseres Volks vertreten und verteidigen. Am 12. November treten wir vor diese Welt hin als ein Volk, ein Wille, ein Entschluß und damit auch eine Tat. (Anhaltende Heilrufe.) Es wird einst die Zeit kommen, da man neben den schicksalhaften Tag des November 1918 einen anderen schicksalhaften Tag setzen wird: den 12. November 1933 (Lebhafter Beifall und anhaltende Heilrufe), neben den Novembertag der deutschen Schande einen zwei- ten Novembertag der deutschen Ehre!"
(Brausender Beifall und nichtendenwollende Heilrufe.)
Nach der Kundgebung in der Weimarhalle begab sich der Kanzler unter Dem Jubel der Bevölkerung zum Riesenzelt, wo ihm die 50000 mit einem Sturm der Begeisterung empfingen. Noch einmal gelobte Reichsstatthalter Sauckel dem Führer die Treue aller Volksgenossen Thüringens. Ein kurzes Trompetensignal unterbrach die Ovationen der Massen und der Kanzler richtete noch einmal eindringliche Worte an die Menge, die eine kurze Zusammenfassung dessen waren, was er bereits in der Weimarhalle gesagt hatte. Das Deutschland-Lied erklang und Adolf Hitler verließ unter dem Jubel der Massen das Zelt.
Deutschland als Vorkämpfer des Friedens.
Reichspropagandaminister Dr. Goebbels spracht in Stuttgart.
Stuttgart, 2. Nov. (TU.) Die Stuttgarter Stadthalle, in der Reichsminister Dr. Goebbels am Mitwochabend sprach, war schon Stunden vorher von über Zehntausend Personen bis zum letzten Platz besetzt. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches und tosenden Heilrufen der Menge schritt Dr. Goebbels durch das lange Spalier der SS., begleitet von Reichsstatthalter Murr, Ministerpräsident Mergenthaler und den anderen württembergischen Ministern.
Dr. G o e b b e l s führte dann u. a. etwa folgendes aus: Unsere Revolution hat nicht erst am 30. Januar begonnen. Sie ist vielmehr 14Jahrelangvor- bereitet worden. Die Revolution, die wir gemacht haben, hat in der Tat das ganze öffentliche Leben Deutschlands umgewälzt. Wir haben aus benKlassen u n d S t ä n d e n e i n V o l k geformt. Wir haben das Bewußtsein, daß sich unsere Kraft einmal mit der Kraft des deutschen Volkes vermählen würde. Wir haben nicht kapituliert vor den Drohungen des Bolschewismus. Wir haben vielmehr den Gegner in die Knie gezwungen. Die Partei wurde Staat, die Ansichten, die wir vertreten hatten, wurden nun von einem ganzen Volk übernommen. Daß wir heute ein Volk sind, ist darauf zurückzuführen, daß wir uns als Volk kennengelernt haben. Wir besitzen heute in Deutschland den einzigen Autoritätsstaat, den es in Europa, außer Jta- lien, gibt. Wer wäre vermessen genug, zu denken.
daß unser System je einmal gestürzt werden könnte. Unsere Feinde sollen wissen, wie schwer es ist, uns die Macht wieder zu nehmen. (Tosender Beifall.) Unsere nationalsozialistischen Kundgebungen standen nicht im Zeichen der Revanche, sondern der Arbeit, des Friedens, des Zusammenschlusses, der lieber- Windung der Parteien und unserer inneren Einigkeit. E s ist nicht wahr, daß die Völker den Krieg lieben. Die Völker lieben vielmehr den Frieden. Dieser wird nicht erhalten dadurch, daß man ein anderes Volk entrechtet. Wir haben auf das Wort der Welt, die uns Gleichberechtigung versprach, vertraut. Wir haben bis zum letzten I-Punkt den Buchstaben und den Geist des Versailler Vertrages erfüllt. Unterdessen rüstet die Well und bewaffnet sich bis an die Zähne. Wir werden niemals einen Vertrag unterschreiben, von Dem wir mit bestem Wissen und Gewissen überzeugt sind, daß er nicht gehalten werden kann. Ein oonHitler unterschriebenerDertragwird eingehalten. Nur, wenn ein Volk im Besitz seiner Ehre ist, kann es überhaupt den Vertrag einhalten. Am 12. November schlagen wir der Welt die gefährlichste Waffe aus der Hand, nämlich die Behauptung, daß am 12. November zwischen dem deutschen Volk und der Regierung ein Gegensatz bestände. Ich glaube, wir sind die Bahnbrecher eines glücklicheren Europas. Das deutsche Volk wird uns am 12. November seinen Segen geben.
Em Wo« des Soldaten zur Volksabstimmung.
Neichswehrminister von Blomberg über den Sinn des 12. November.
Poro e:Ia!
Berlin, 1. Nov. (TU.) Unter der Ueberschrift: „Parole: Ja!" veröffentlicht Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg in der Berliner Börsenzeitung folgende bemerkenswerte Ausführungen zum 12. November:
Wenn am 12. November das deutsche Volk an die Wahlurne tritt, dann geht es nicht um einen Streit der Parteien, nicht um innerpolitischen Zank wie in vergangenen Jahren, es geht um die Lebensfrage der deutschen Nation. Frieden und Gleichberechtigung heißt die Losung. Deutschlands Kampf in Genf um die Abrüstung der hochgerüsteteten Staaten, um dieses einzige im Versailler Vertrag für Deutschland sprechende Recht hat kein Ergebnis aehabt. Nirgends in der Welt, außer bei Deutschland und seinen einstigen Verbündeten eine tatsächliche Abrüstung; überall in der Welt außer bei Deutschland unveränderte Kriegsstärken, vermehrtes Kriegsmaterial, neue Rüstungskredite. Deutschland allein liegt in Fesseln. Die ihm zugestandene Gleichberechtigung ist nicht erfüllt. Deshalb unser Abschied.
Uns treibt nicht der Wunsch nach Aus- rüstung und nicht der Wille zum Krieg. Wir wollen kein Wettrüsten und fordern keine Angriffswaffen, wir fordern nur ein Recht, das jedem anderen Staat unbenommen ist, das Recht auf Sicherheit.
Deutschland will Frieden. Es will in Ruhe seinen Staat neuaufbauen; es will ungestört die Wunden heilen, die ein unglücklicher Krieg und ein unseliger Frieden der deutschen Wirtschaft schlug. Es will dem deutschen Menschen das Glück der Arbeit wiedergeben. Nie hat ein Staatsmann vor aller Welt seinen Friedenswillen eindringlicher verkündet als der deutsche Reichskanzler; nie hat ein Führer so ehrlich sein Volk zur Bekundung dieses Friedenswillens zur Abstimmung gerufen, wie Adolf Hitler. Wir deutschen Soldaten folgen ihm. Wir deutschen Soldaten haben die Schrecken des Krieges kennengelernt, wie kein anderer Soldat der Welt. Wir deutschen Soldaten wissen, daß ein Krieg der Zukunft ein Krieg der Völker sein würde. Wir deutschen Soldaten wollen deshalb mit Adolf Hitler den Frieden.
Dieser Friedenswille gibt uns das Recht, zu fordern, daß man dem deutschen Soldaten die Waffen gibt, ohne die er den Frieden nicht erhalten
kann, die Waffen, die er aur Verteidigung seiner Heimat b r a u ch t. So ist der Sinn von Volksabstimmung und Wahl am 12. November. Wer von Abstimmung und Wahl fernbleibt, der schädigt Volk und Staat. Wer eine ungültige Stimme abgibt, der stimmt für Deutschlands Gegner. Wer am 12. November nicht „Ja" sagt, ist ein Verräter an Deutschland. Noch nie bisher hat die Wehrmacht beklagt, daß ein kluges Gesetz ihr das Stimmrecht versagte. Jetzt vor der Schicksalsfrage des 12. November tritt sie mit schmerzlichem Bedauern zur Seite; denn für den deutschen Soldaten gäbe es nur eine Parole und die heißt: I a 1
Oer Neichsstand des deutschen Handwerks zum 12. November.
Berlin, 1. Nov. (CNB.) Der Reichsstand des Deutschen Handwerks hat einen Aufruf zum 12. November erlassen, in dem es u. a. heißt: Das deutsche Handwerk bekennt sich am 12. November geschlossen zur Politik des Führers und Volkskanzlers AdolfHit- l e r. Es hat den Schritt der Reichsregierung mit aufrichtiger Zustimmung und ungeteilter Befriedigung begrüßt. Mit dem Volkskanzler und mit allen deutschen Volksgenossen will es eine Politik des Friedens und der internationalen Verständigung, aber nur unter der Voraussetzung, daß ein dauerhafter Friede auf echter Grundlage die Ehre der deutschen Nation und ihre Gleichberechtigung unter den Völkern wahrt.
Freilassung und Landesverweisung Panters.
Berlin 1. Nov. (CNB.) Wie wir erfahren, ist angeordnet, daß der englische Journalist Panter, der vor einigen Tagen unter dem Verdacht der Spionage in München in Haft g e - nommen wurde, auf freien Fuß gesetzt wird. Nach Abschluß der Ermittlungen war das Ergebnis dem Oberreichsanwalt vorgelegt worden. Dieser hat nach Prüfung des Materials keinen Anlaß gesehen, die formale An - klage zu erheben. Andererseits hat Panter seine journalistische Tätigkeit in einer Weise ausgeübt, die sein Verbleiben in Deutschland unerwünscht erscheinen läßt. Er wird daher des Landes verwiesen werden.
Das Palästina-Problem
Die Unruhen in Palästina, dem „heiligen Lande", lenken ihre Aufmerksamkeit erneut auf dieses Staatswesen, das als englisches Mandats-Land regiert wird. Die Vorgeschichte dieser sonderbaren Staatengründung ist bekannt. Ehemals zur türkischen Provinz Syrien gehörend, war Palästina wegen seiner heiligen Stätten sowohl für die Christen aller Bekenntnisse, wie auch für die Anhänger des Islam ein Land, das stets besonderes Interesse in Anspruch nahm und den Reiseverkehr fast aller Nationen auf sich zog. Trotzdem die amerikanischen, englischen und russischen kirchlichen Niederlassungen und Stiftungen viel Geld nach Jerusalem und an-
Weißt Ou:
daß acht Jahre hindurch die deutsche Abrüstung durch fremde Kommissionen peinlichst nachkontrolliert worden ist?
dere Städte getragen haben, war d i e wirtschaftliche Entwicklung in der Vorkriegszeit in bescheidenen Grenzen geblieben. Das Alttürkentum hatte nur geringe volkswirtschaftliche Energien zu entfalten, es war zufrieden, Steuern aus den Provinzen des weiten Reiches herauszuholen und war in Palästina noch speziell damit beschäftigt, Streitigkeiten unter den Anhängern dort vertretener religiöser Richtungen zu schlichten.
Das Judentum spielte zahlenmäßig eine be» scheidene Rolle, seitdem die Zerstörung Jerusalems seine Anhänger in alle Weltteile zerstreut hatte. Trotzdem war es das ideelle Ziel des Zionismus, das Land der Väter zu seiner nationalen Heimstätte zu machen. Die zionistische Agitation hat in Europa und Amerika wohl in den Kreisen Der ärmeren Mischen Bevölkerung Anklang gefunDen, Die Mehrheit Der in Den westlichen Kulturlänbein lebenDen JuDen hat diese Bewegung abgelehnt, allenfalls finanziell unterstützt. Das Ganze schien eine Utopie zu sein — bis der Weltkrieg kam.
England suchte Sympathien, wo es nur möglich war. Eines seiner Kampfmittel war die Deklaration des konservativen Politikers Lord Balfour vom 2. November 1917, wonach den Juden die E r r i ch - t u n g einer „nationalen Heimstätte" in Palästina versprochen wurde. Von Aegypten aus begann im Weltkriege die Offensive der Engländer gegen die arabischen Provinzen der Türkei, vor allem auch gegen Palästina. Jahrelang haben schwache türkische Streitkräfte, von deutschen Bataillonen unterstützt, diese Angriffe wesllich des Jordans abgewiesen. Mancher deutschen Mutter Sohn schrieb wohl enttäuscht nach Hause, daß das Land, in dem einst „Milch und Honig" floß, über- wiegend eine graue Wüste sei. Viele deutsche Soldaten sind in diesem Sande begraben. Schließlich sank der Halbmond von den Städten Palästinas herab, Die Türkei verlor ihre Provinzen in Syrien unD Arabien, Die Siegermächte teilten Die Beute auf.
England machte nun Die große Geste, seine Versprechungen gegenüber Dem JuDentum Der Welt ein- zulösen: am 1. September 1922 rourDe Die 23 er- f a ff u n g Palästinas verkündet. Es steht unter einem englischen Oberkommissar, Der die Verwaltung leiten und Ruhe und Ordnung im Lande sichern soll. Das zionistische Weltkomitee hat im Lande eine eigene halbamtliche Vertretung. Daneben aber läuft Das weltpolitische Interesse EnglanDs, das mit Palästina den Landweg von Aegypten nach dem Irak und weiter die Verbindung bis ins ferne Indien in Der Hand hat. Die Flugzeuge halten die schnellste Verbindung mit London aufrecht. Das vielbegehrte Del aus den Quellen von Mofful wird in langen Rohrleitungen durch Palästina geführt und in den dor- tigen Häfen in die Tankschiffe Englands gefüllt. Die Lebensfragen Englands sind also bei diesen „idealen" Gedanken Der Mischen Heimstätte voll gewahrt morDen, zumal auch Das benachbarte Oft« jorDanlanb von englischen Vasallen regiert wirb.
Vierzehn Jahre haben genügt, um das kulturelle Gesicht Palästinas vollkommen zu ändern. Während es früher ein von jeglicher Zivilisation unberührtes Land gewesen ist, dessen Bewohner ein vom Weltgetriebe abgesondertes, beschauliches Dasein führten, ist Palästina heute durch die fortschreitende Modernisierung ein Gebiet geworden, in dem sich die kulturelle Atmosphäre Europas an den Brennpunkten des öffentlichen Lebens entscheidend aus- drückt. Heute gibt es in Palästina eine ganze Reihe moderner Straßen, Die von eleganten Automobilen befahren werben. Der alte ägyptische Holzpflug mußte bem amerikanischen Dampflug weichen. Das Lanb verlor immer mehr seinen ursprünglichen Charakter unb verwanbelte sich in eine Stätte europäischer Probuktion. Charakteristisch ist hierfür die unglaublich rasche Entstehung ber berühmten Ju- benstabt Tel-Aviv bei Jaffa, bie in weniger als zehn Jahren geschaffen würbe unb Jerusalem überflügelte. Währenb Palästina früher ein wüstes, wegloses Lanb gewesen ist, wirb es heute von einem engen Eisenbahnnetz burchzogen. Moberne Hochbauten sinb keine Seltenheit. In rascher Folge wurden Dampfmühlen, Zement- unb Delfabrtfen errichtet, unb am Toten Meer würben Riesensalz- geroinnungsanlagen ausgebaut. Von befonberef Wichtigkeit ist bas Jorban-Kraft- und Stauwerk, bas ganz Palästina unb Transsor- banien mit elektrischem Strom versorgt. Die nord-


