Nr. 127 Erstes Blatt
183. Jahrgang
ßreitag, 2. Juni 1935
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.
Heraus aus -er Krise!
Die Reichsregierung will durch ihren großzügigen Plan der Arbeitsbeschaffung das Schwungrad der Wirtschaft wieder in Gang bringen, damit dieses Schwungrad nach und nach alle anderen Räder wieder in Bewegung setzt. Es geht über Menschenkraft, den Produktionsapparat im ganzen Umfang wieder auf einmal in Gang zu bringen und es gehört schon Wagemut dazu, den Versuch da zu unternehmen, wo er die sicherste Aussicht auf Erfolg hat. Das Schlüsselgewerbe der Bauindustrie ist als das große Schwungrad ausersehen, den Produktionsapparat anzukurbeln. Erhebliche Schwierigkeiten hat sicher die Finanzierung gemacht, denn sie muß so hieb- und stichfest sein, baß nicht nur die Währung unerschüttert bleibt, sondern auch der notwendige Kapitalbildungsprozeß in Gang kommen
Frankreichs Schrei nach Sicherheit.
„Alles, was die Franzosen sagen, bezieht sich nicht Im mindesten auf die Sicherheit ihres Staates, sondern auf die Sicherheit ihrer Oberherrschaft."
General von Elausewih (1831).
„wenn das französische verlangen nach Sicherheit über die derzeitige, durch die französische Militärmacht und die Schuhverträge gewährleistete Sicherheit hinausgeht, dann bedeutet es nichts weniger als die Vernichtung Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns. Dies wird die Welt aber niemals zulassen. Frankreich erfreut sich in Wirklichkeit einer größeren Sicherheit als irgendein europäisches Volk feil zwanzig Jahren." Senator vorah (1931).
kann. Die Lösung, die fehl gefunden wurde, verletzt in keiner Weise die Dcckungsgrundsätze für die Reichsmark und die Bestimmungen des Bankengesetzes über die Diskontierung von Wechseln. Der Forderung wird Genüge getan, daß die Umlaufszeit der Wechsel drei Monate nicht überschreiten darf und daß sie nach mehrfacher Prolongation aus ordentlichen Haushaltsmitteln in den Jahren 1934 bis 1938 eingelöst werden müssen. Trotzdem werden die umlaufenden Mittel zur Entlohnung neuer Arbeits- kräfte um den Betrag von einer Milliarde vermehrt. Die Arbeitsschatzanweisungen werden in der Wirtschaft als zusätzliches Geld wirken, ohne die Währung zu gefährden. Dafür bürgt das volle Einverständnis des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht mit den getroffenen Maßnahmen. Die eine Milliarde Mark wird jedoch nicht sofort und im ganzen Umfang eingesetzt werden können, aber auch gerade das bietet die Sicherheit, daß jede Kreditausweitung durch die Schaffung neuer Produktionswerte gedeckt wird. Das technische Verfahren ist so ausgedacht, daß immer nur gewisse Spitzenbeträge zum Zuge kommen, so daß die Kreditausweitung durch die Arbeitsschatzwechsel nicht einmal in einer Steigerung des Notenumlaufs zum Ausdruck zu kommen braucht.
Wer Großes erreichen will, muß auch Großes wagen. Die Reichsregierung hat das mit ihrem Arbeitsbeschaffungsplan auch getan, denn sie setzt viel auf eine Karte, um alles damit zu gewinnen. Sie kann das nur tun» weil s ic sich auf das Vertrauen des ganzenVolkes stützen kann, denn mir das gegenseitige Vertrauen von Regierung und Volk bringt auch den stahlharten Willen hervor, aus der Wirtschaftskrise heraus- zukommen. Wir müssen den Wiederaufstieg aus Der Tiefe beginnen, wir können also auch keine Zeit damit vertrödeln, Gewaltkuren an der Wirtschaft zu versuchen, so lange diese so krank ist, daß Kuren Dieser QIrt unter Umständen tödlich wirken. 3c eher und schneller wir uns alle dafür einsehen, an dem Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft mitzuarbeiten, desto eher kann die Reichsregierung selbst zuversichtlich daran gehen, den Schutt der letzten vierzehn Jahre wegzuräumen.
Wie hoch die Zahl der Krisenopfer sein wird, um die der Arbeitsmarkt entlastet werden kann, läßt sich nicht voraus berechnen, da ja alles auf das schnelle Ineinandergreifen des Räderwerkes im Wirtschaftsplan der Regierung ankommt. Es sollen 400 000 Tiefbauarbeiter eingestellt werden, ohne daß sie zunächst in ein Dienst- oder Arbeits- Verhältnis im Sinne des Arbeitsrechtes eintreten. Ihnen wird der Betrag der Arbeitslosenhilfe, vermehrt um eine Vergütung von 25 Mark für vier Arbeitswochen und eine tägliche warme Mahlzeit gegeben. Man wird einmal unter den Erwerbs- losen Umfrage halten müssen, ob ihnen das starre Prinzip des vollen Lohnes in einem Geben ohne Beschäftigung und bei den Almosen der Wohlfah^ lieber ist als eine Ausfüllung ihres Dasers durch (Arbeit bei gleichzeitiger, wenn auch zunächst noch geringfügiger Verbesserung ihrer mate^ellen Daseinsgrundlage. Dabei ist stets zu beachten, daß hier keine endgültigen Zustände geschaffen werden sollen, daß hinter diesen Maßnahmen vielmehr die Aussicht auf eine immer weiter greifende Belebung der Wirtschaft steht, die schließlich allen arbeitswilligen Deutschen ein auskömmliches Dasein verbürgen soll.
Heber allen Grundsätzen der arbeitende Mensch. Er steht auch über den Forderungen der technischen Entwicklung, über der Maschine. Deshalb sieht dieser Generalangriff auf die Arbeitslosigkeit vor, dag vor allem menschliche Arbeitskraft ein-
Die Unterbrechung der Abrüstungskonferenz.
Oie erste Lesung des englischen Konventionsentwurfs beendet.
Oer Hauptausschuß vertagt sich bis zum 3. Juli.
Heftige Opposition der kleinen Mächte.
Genf, 1. Iuni. (WTB.) Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz hat zu den Beschlüssen des Erweiterten Präsidiums und dem weiteren Gang der Abrüstungskonferenz Stellung genom- m-m. Gleich zu Beginn entfaltete sich eine heftige Opposition, insbesondere seitens der Staaten, die im Präsidium nicht vertreten sind. Der Vertreter Jugoslawiens legte einen scharfen Vorbehalt ein, dem sich verschiedene andere Delegierte, meist Vertreter kleinerer und mittlerer Staaten, anschlossen. Der französische Außenminister Paul-Boncour verwahrte sich dagegen, daß der englische Entwurf als Grundlage der künftigen Abrüstungskonvention erklärt werde, bevor überhaupt die erste Lesung zu Ende sei. Es entwickelte sich eine uferlose Debatte, in der es zeitweise so schien, als ob die gestrigen Beschlüsse des Präsidiums umgestoßen würden.
Henderson faßte das Ergebnis der Aussprache in einem einstimmig angenommenen Vorschlag zusammen. Danach vertagt sich der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz nach Erledigung der er st en Lesung, also voraussichtlich in wenigen Tagen. Als äußerste Frist für den Wiederzu- sammcntri11 des Hauptausschusses ist der 3. Juli festgesetzt worden. Die technischen Ausschüsse der Abrüstungskonferenz sollen inzwischen weiter tagen, bis ihre Arbeiten abgeschlossen sind. Die Entscheidung darüber, ob der englische Entwurf als Grundlage für die künftige Abrüstungskonvention angenommen wird, soll erst am Schluß der ersten Lesung getroffen werden.
Frankreichs Kontrollwünsche.
Genf, 1. Juni. Der Hauptausschuß hat bann in erster Lesung bie Kontrollbestimmungen b e 5 englischen Entwurfes dehanbelt, bie sich im wesentlichen auf bie Einsetzung eines Abrüstungsausschusses beziehen. Es ist bezeichnenb, baß bie französische Delegation, bie sich bisher peinlichst sorgfältige Zurückhaltung auferlegt hatte, nunmehr mit einer Flut von Anträgen hervorgetreten ist, bie barauf abgestellt finb, bie im allgemeinen elastisch gehaltenen englischen Vorschläge zu verschärfen.
Das Kontrollprogramm, bas im Hauptausschuß vorn französischen Kronjuristen in Anwesenheit van Paul-Boncour entwickelt würbe, enthält folgenbe Punkte:
1. Einfügung eines „Canbesoerräfer- Paragraphen", wonach sich bie Regierungen verpflichten, bie Veröffentlichung ober Bekanntgabe von Mitteilungen burch nichtbeamtete Persönlichkeiten über bie Verletzung bes A b- rüflungsabfommens unter keinen Umständen gerichtlich zu verfolgen. Diese Immunität wird sogar den Beamten garantiert, falls biefe ihre Vorgesetzten über bie Verletzung bes Abrüstungsabkommens erfolglos unterrichtet haben.
2. Veröffentlichungen ber Protokolle ober ber Dokumente bes ftänbigen Abrüstungsausschusses bes Völkerbundes beim Jnvestigationsverfahren dürfen in keiner weise eingeschränkt werden.
3. Der ständige Abrüstungsausschuß Hal m i n b e - ff e n s einmal jährlich in jebem Staat ein regelmäßiges Inveftigakionsverfah- r e n über den Rüstungsstand vorzunehmen, die durch besondere Ueberroadjungsorgane durchgesührl werden. •
4. 3m Falle einer durch Klage oder Investigation festgestellten Verletzung des Abrüstungsabkommens hat der ständige Abrüstungsausschuß sofort der betreffenden Macht eine Frist für bie wie- berherstellung bes normalen Zustan - b e s ju sehen. Vie Durchführung btefer Verpflichtung wird durch einen besonderen Ueberroadjungsaus- fchuß kontrolliert. Falls infolge der Verletzung des Abrüstungsabkommens ein Krieg ausbricht, fo wird der betreffende Staat von sämtlichen Völkerbundsmitgliedern als der Schuldige im Sinne der Sanktionsbestimmungen des Artikels 16 des Völkerbundspaktes erklärt.
Welches Schicksal diese französischen Anträge haben werden, wird sich vermutlich erst bei der zweiten Lesung des Entwurfes zeigen. In der allgemeinen Aussprache schlossen sich heute die Vertreter Polens und der Kleinen Entente vorbehaltslos den französischen Anträgen an. Die amerikanische Delegation stimmte den französischen Anträgen grundsätzlich
zu, behielt sich aber ihre Stellungnahme zu den Einzelheiten vor. Die Frage der Sanktionen, die Frankreich fordere, müsse außerordentlich sorgfältig geprüft werden. Botschafter R a d o l n y wiederholte, daß Deutschland bereit ist, jedes Kontrollverfahren anzunehmen, das auch von allen anderen Staaten angenommen werde. Paul-Doncour erklärte, daß die auf der Konferenz so oft ersehnte Gleichberechtigung hier ihre Verwirklichung finde, da Frankreich bereit fei. in ber Kontrolle die Gleichberechtigung aller Rationen anzuerkennen.
Die erste Lesung des ganzen englischen Ab- rüstungskonventionsentwurfes wurde am Abend vom Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz abgeschlossen. In den Schlußbestimmungen wird die Konvention auf einen Zeitraum von 5 Jahren begrenzt und die Einberufung einer neuen Abrüstungskonferenz vor Ablauf dieser Periode vorgesehen. Die Vertrelev Frankreichs, Polens und der Kleinen Entente legten V o r b e h a 11 e ein zu dem letzten Artikel deS Entwurfes, der bestimmt, daß mit dem Inkrafttreten der Konvention die Bestimmungen deS militärischen Teiles der Verträge pon Versailles, St. Germain und Trianon durch die neue Konvention ersetzt werden.
OieOollfuß Regierung setzt -enKampf fori
Maßlose Ausfälle Vaugoins.
Wien, 2. Juni. (TU.) In einer christlichsozialen Versammlung hielt der christlich-soziale Parteiobmann und Heeresminister V a u g o i n eine Rede gegen die Rationalsozialisten, wie er sie in dieser Schärfe noch nie gehalten hat. Er erklärte u. a., die Partei sei eine ganz uw- österreichische Partei, wenn Landesinspektor Habicht behauptet, daß die österreichische Regierung Bettelgänge zu den Rationalsozialisten unternommen habe, so sei das gerade Gegenteil wahr. Landesinspekteur Habicht habe einen Korb bekommen. Seit den Rationalsozialisten klar geworden sei, daß die Christlich-Soziale Partei und die Regierung unter gar keinen Umständen daran denken, mit ihnen zusammenzugehen, hätten sie einen Kampf eröffnet, der geradezu unerhörte Formen annehme. Dieser Kampf sei jedoch noch nicht zu Ende. Bevor noch in diesem Sommer der längste Tag vorüber ist, so erklärte Daugoin, wird Ordnung fein. Wir sind mit dem republikanischen Schutzbund fertig geworden, wir werden auch mit den Hakenkreuzlern fertig werden. Vaugoin teilte noch mit, daß er den Erlaß unterzeichnet habe, durch den die alte österreichische Uniform im österreichischen Bundesheer wieder eingeführt werde. Bekanntlich trug seither das österreichische Heer Uniformen, die denen der deutschen Reichswehr weitgehend angepaht waren.
Deutscher Protest in Wien.
Wien, l.Juni. (TU.) Wie verlaufet, hat die deutsche Gesandtschaft in Wien wegen der bei dem Reichs t ags ab g e o rdne t en Habicht vorgenommenen Haussuchungprote- stiert. Habicht ist bekanntlich P r e s s e a 11 a - chee der deutschen Gesandtschaft in Wien und genießt damit das Recht der Ex
territorialität. Deutscherseits sieht man in der Haussuchung eine Verletzung der Exterritorialität.
Ungewöhnliche Polizeimaß» nahmen in Innsbruck.
Reichsdeutsche Ttudentcn der Universität Innsbruck ausgewicsen.
Innsbruck, 1. Juni. (TU.) Irn Zusammenhang mit ben letzten Kundgebungen wurden eine Reih« reichsdeutscher Studenten der Innsbrucker Universität mit sofortiger Wirkung ausgewiesen. Auch deutschen Studenten aus dem Banat, bie mit Stipenbien bes VDA. in Innsbruck ftubieren, erhielten ben Ausweisungsbefehl.
Die Tiroler Lanbesregierung hat am Donnerstag außerordentliche Maßnahmen getroffen. Die Polizei würbe angewiesen, Kundgebungen mit allen Mitteln sofort zu unterdrücken. Ausländer, die sich an Kundgebungen beteiligen, sollen sofort über bi« Grenze geschafft werben. Außerbem würbe verfügt, baß in Innsbruck ab 20 Uhr sämtliche Haustore geschlossen fein müssen. Die Sperrstunbe für alle Restaurants unb Cafehäuser ist auf 23 Uhr vorverlegt worden. Am Vormittag wurden Passanten mit nationalsozialistischen Parteiabzeichen von Heimwehrleuten überfallen, niedergeschlagen und bes Abzeichens beraubt.
Eine zweifelhafte Hilfe.
Die österreichischen Gegenmaßnahme«.
Wien, 1. Juni. (WTB.) In den vom Mi- nifterrat beschlossenen Gegenmaßnahmen gegen die deutschen Ausreifebestimmungen sehen die Wiener Reuesten Rachrichten eine sehr zweifelhafte Hilfe, abgesehen davon, daß den bedrohten Erwerbszweigen mit acht Millionen Schil-
gesetzt werden soll. Auch bie Steuerfreiheit für die Anschaffung von Maschinen und Gerätey finbet ba ihre Grenze, wo dis Maschinenbeschaffung später menschliche Arbeitskräfte überflüssig machen könnte. Die zinslosen Darlehen, die Amnestie auf der Grundlage von Spendenscheinen, die freiwillige Spende, die Erinreihung der Hausangestellten in die steuerliche Stellung des erwerbslosen Familien- Mitgliedes und bie Ehestandsdarlehen runden den großzügigen Plan zu einem in sich fest geschlossenen Ganzen.
In den Bestimmungen über die Ehestandsdarlehen wirkt sich die Auffassung aus, daß die Frau in erster Linie der Familie als Gattin und Mutter, nicht aber dem Beruf und der Wirtschaft gehört. Darum gerade soll die Eheschließung in den Fällen finanziell gefördert werden, wo sie das endgültige Ausscheiden der Frau aus dem beruflichen Leben zur Folge hat und einen Arbeitsplatz für einen männlichen Erwerbslosen schafft. Wenn sich die Hoffnung verwirklicht, daß auf diesem Wege schon in einem Jahre 150 000 Chen finanziert werden, die sonst nicht zustande gekommen wären, so werden ebensoviel Arbeitsplätze geschaffen, wie Frauen ihrer wahren Bestimmung zugeführt werden. Die Regierung ist sich offenbar bewußt, daß sie die Mißverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt nicht mit Zwang und nicht schematisch ändern kann, aber sie schafft starke Anreize und neue Voraussetzungen für eine Entwicklung zu gesunderen und natürlichen Verhältnissen.
Mit diesem Wirtschaftsplan ist organisch d i e Entschuldung der deutschen Landwirtschaft verbunden, die in dem Gesetz in
Angriff genommen wird, das die Reichsregierung aus Vorschlag des Reichsernährungsministers nach Ueberwindung vieler Hindernisse angenommen hat. Immer wieder muß betont werden, daß es sich nicht um eine Entschuldung der Landwirtschaft an sich handelt, also auch nicht um Steuer- oder Zinsgeschenke an einen einzelnen Berufsstand, möge er noch so wichtig sein, sondern es handelt sich um eine Maßnahme, die der wirtschaftlichen Entwicklung dadurch Rechnung trägt, daß nicht nur Deutschland, sondern auch andere große Industrieländer in Zukunft mehr als früher auf den Binnenmarkt angewiesen sind. Das Wesentliche dieser Politik kommt auch in dem Entschuldungsgesetz zum Ausdruck, denn die Entlastung der Landwirtschaft soll in der Hauptsache dadurch erzielt werden, daß sie wieder angemessene Preise für alle Erzeugnisse erhält. Dann wird auch der Zinsspiegel weiter gesenkt werden können, da bei dem Wiederaufstieg der Wirtschaft nicht nur die Krisenopfer vom Arbeitsmarkt weggezogen werden, sondern auch der Kapitalbildungsprozeh wieder in Gang kommt. Wenn das geschieht, wenn also neues Kapital für die Produktion zur Verfügung steht, so wird sich der Zinssatz nach Angelt und Rachfrage regeln, mit dem Ergebnis, daß er für die Landwirtschaft nach und nach wieder auf den Zinsspiegel einschwenkt, der für landwirtschaftliche Kredite vor dem Kriege üblich war. Die Binnenmarkt- Politik sorgt auch dafür, daß die deutsche Landwirtschaft hinsichtlich ihrer Erzeugungsbedingungen nicht mehr dem mörderischen Wettbewerb überseeischer Agrarländer preisgegeben wird.
Wenn wir aus ber Krise herauswollen, müssen wir alle ohne Unterschieb bes Berufs unb bes Staubes auch unter Opfern mithelfen. Die Regierung kann allein nicht Wunder wirken, wenn nicht bas ganze beutfche Volk bie gewaltige Aufgabe unterstützt, bie fünf Millionen Krisenopfer roieber in ben Wirtschastsprozeß ein- zureihen. Darum kann nicht bringlich genug gefordert werben, baß alle Deutschen, bie dazu in ber Lage finb, von ber Gelegenheit Gebrauch machen, burch freiwillige Spenden für bie nationale Arbeit für eine Ausweitung ber Produktion Sorge zu tragen. Jebe Leistung, bie in bie- fern Zusammenhang aufgebracht wirb, ist nicht ein Opfer, fonbern auch eine Sicherung bes Besitzes, eine Sicherung ber Wirtschaft, sowie enblich eine Sicherung bes beutschen Volkstums auf ganze Geschlechterfolgen hinaus. Indem bie Reichsregierung gleichzeitig darauf aufmerksam macht, baß ein um- fassender Neubau des Finanz- unb Steuersystems in Vorbereitung ist, gibt sie einen neuen Anreiz, jeden nur möglichen Wagemut einzusetzen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Dieser Wagemut ist ja nicht zum wenigsten bisher dadurch gedrosselt worden, daß eine von Jahr zu Jahr wachsende Steuerlast nicht nur jeden Ertrag wegnahm, sondern auch die Wirtschaft außerstand setzte, Unternehmungen auf lange Sicht vorher zuverlässig einzuschätzen und auszurechncn. All« Gelenke der Wirtschaft sollen von hemmenden Steuern entlastet werden, um fo eine Steigerung der Produktion zu erreichen, die auch genügt, den Ertrag ber abgebauten steuern burch ben normalen Gang ber Pro» buttionsausroeitung wieder hereinzubrin- ge n.


