Oer Abbau -er weltlichen Schulen in Preußen.
Berlin, 28. ^cbr. (TU.) Der Reichskommis- sor für das preußische Kultusministerium hat angeordnet, daß von Ostern d. I. ab in dieSam- melschulen und Sammelklassen für Kinder, die am Religionsunterricht nicht teilnehmen. Lernanfänger nicht mehr ausgenommen werden. Die Sammelschulen und Klassen laufen in den folgenden Jahren jahrgangsweise ab. Soweit sie in den nächsten Sauren noch weitcrbestehen, finden Neuaufnahmen von Schülern, die nicht schon früher Eammelschulen oder -Klassen besucht haben. nicht mehr statt. Unterricht in Lebenskunde oder sogenannter Moralunterricht wird in den Volksschulen außerhalb der Sammelschulen und -klassen nicht mehr erteilt.
Lernanfänger, die einer Religionsgesellschaft angehören, sind nach den allgemeinen Bestimmungen in die bestehenden Volksschulen einzuschulen. Solche, die einer Religionsgesellschaft nicht angehören, sind in diejenige Volksschule einzuschulen, die ihrem früheren Religionsbekenntnis oder, falls sie einem Bekenntnis niemals angehört haben, dem gegenwärtigen oder früheren Religionsbekenntnis der Eltern entspricht. Falls ausreichende Feststellungen nicht getroffen werden können, bestimmt die Schulaufsichtsbehörde oder die Schuldeputation die Schule.
Die durch die jahrgangsweise Aufhebung der Sammelschulen und Klassen freiwerdenden Lehrkräfte sind gemäß ihrem Religionsbekenntnis anderen Schulen zuzuweisen. Angestellte Lehrkräfte, die einem Religionsbekenntnis nicht angehören, sind nach ihrem früheren Bekenntnis anderen Schulen zuzuweisen.
Verwendung deutscher Kräfte im Kundfunk.
Berlin, 23. Febr. (TL) Wie amtlich mit- geteilt wird, hat der Dundfunkkvmmissac des Reichsministers des Innern, Dr. Krukenberg, die Re'.chLrundfunkgesellfchaft auf die Rotlage hingewiesen, in der sich zur Zeit mit vielen anderen Volksgenossen, ganz besonders auch Vertreter der deutschen Kun st und des deutschen Schrifttums befinden. Sie stelle den Rundfunk als den Wohl größten kulturellen Auftraggeber vor besondere Aufgaben. Die Befolgung des schon wiederholt gegebenen Hinweises im Programm, weitestgehend nur deutsche Kräfte zu beschäftigen, die nicht anderweit durch Anstellung oder feste Mit- arbeitsvertrage verpflichtet sind, genüge nicht. Aus staatspolitischen Erwägungen heraus erachte er es vielmehr für wünschenswert, bei Reuabschlüssen für Darbietungen irgendwelcher Art grundsätzlich nur Deichs- deutscheund Angehörigeehemaliger reichsdeutscher Gebiete oder stam- mesverwandter Länder zu berücksichtigen. Vereinbarungen mit Ausländern, aber nur insofern zu tätigen, als festftehe. daß deren heimatlicher Rundfunk umgekehrt Reichsdeutsche in entsprechender Weise zu seinen Darbietungen heranziehe, oder daß ein besonders außenpolitisches Interesse die Ausnahme rechtfertige. "
Oer Kampf geqen den Versailler Bertraq.
Berlin. 28. Febr. (WTD.) Der Arbeits- ausschuh Deutscher Verbände hat den Reichsinnenminister Dr. Frick gebeten, auch in feinem jetzigen Wirkungskreis Einfluß auf den weiteren Kampf gegen den Versailler Vertrag zu nehmen. Jnsbeson^e.e bezeichnete der Arbeitsausschuß es als notwendig, im Schulunterricht immer wieder auf den Versailler Vertrag hinzuweisen. 3n der Antwort des Reichsinnenministers heißt es u. a.: Rach meiner äleber- zcugung gehört es zu den wichtigsten und vordringlichsten Aufgaben nationaler Regierungs- Politik. insbesondere die Heranwachsende Jugend über Bedeutung und Inhalt des Versailler Diktats zu unterrichten. Die Kenntnis dieses für Schicksal und Entwicklung unserer Ration ausschlaggebenden Vertrags muh zum Bestandteil der
politischen Bildung deS Deutschen werden. Es ist daher e.ne Selbstverständlichleit, dah der Versailler Vertrag und seine Auswirkungen in den Mittelpunkt des historischen und staatsbürgerlichen Unterricht« in den Schu» len. Fortbildungsschulen und Hochschulen gestellt werden. Ich begrühe es. dah der ArbeitSausschuh deutscher Verbände unter Berücksichtigung der Bedürfnisse in den Schulen jetzt eine besondere Schrift über das Versailler Diktat herausgibt. Sobald ich im Besitz der Schrift bin, wr^de ich mich im Sinne Ihre« Antrags mit den zuständigen Ministerien der Länder inS Benehmen setzen.
Zuspitzung -er Lage in Genf.
Genf. 28. Febr. (TL, Die Lage auf der Abrüstungskonferenz verschärft sich täglich- Die Sabotageversuche aller wirksamen Abrü- stungsmahnahmen durch die französischen Slaaten- gruppen mehren sich in beschleunigtem Tempo. Die Aussprachen sind ausschließlich darauf abgestellt. Deutschland t) i<e Verantwortung f ü r das Scheitern der Verhandlungen zuzuschieben. Keine Sitzung vergeht ohne Zusam- menstöhe uyd scharfe Auseinandersetzungen. Die Abstimmungen werden kaum mehr ernst genommen, da die mei st en Mächte sich der Stimme enthalten und die französische Staatengruppe ihre Beschlüsse oft gegen die Stimmen sämtlicher übrigen Großmächte durchsetzt. Die Konferenz besaht sich gegenwärtig ausschließlich mit politischen Fragen, die mit der Abrüstung kaum mehr im Zusammenhang stehen. Die Verhandlungsleitung der Präsidenten Henderson und Madariagaist völlig auf die französischen Wünsche abgestellt.
Der HauptauSschutz nahm Dienstag einen französischen Vorschlag an. nach dem die „t>or» militärische Ausbildung" in die Dienstzeit der kontinental-europäischen Armeen mit einberechnet werden sollen. Der italienische Vertreter widersetzte sich den französischen Vorschlägen mit großem Rachdruck offenbar im Hinblick auf die zahlreichen faschistischen Balillos. Pierre Cot suchte anhand eines direkt a u f Deutschland eingestellten Beispiels den Rachweis zu erbringen, dah in Zukunft eine militärische Lleberlegenheit Deutschlands gegenüber Frankreich im Falle der Angleichung der Heeresshsteme bestehen würde, falls eine vormilitärische Ausbildung der jungen Leute zwischen 18 und 21 Jahren nicht in die offizielle Militärdienstzeit eingerechnet würde. Der italienische Vorschlag, die gesamte Frage dem Effektivausschuh zu überweisen, wurde auf Vorschlag Hendersons abgelehnt und der französische Vorschlag der Anrechnung der vormilitärischen Ausbildung auf die Militärdienstzeit angenommen. Botschafter Radolnh nahm weder an der Aussprache, noch an den Abstimmungen teil.
Die Verhandlungen im Luftfahrtausschuß stocken noch immer, da alle Versuche, die deutsche Regierung zu einer Teilnahme an der Behandlung der Internationalisierung' der zi- vilen Luftfahrt zu bewegen, gescheitert sind. Die Locarnomächte haben sich auf eine Formel geeinigt, in der für alle europäischen Mächte ein Verzicht auf die Gewaltanwendung im Konfliktfalle ohne Erwähnung der Locarnobestimmungen ausgesprochen wird. Der Völker- bundsrat befaßte sich mit dem englisch-französischen Vorschlag eines für alle Mächte geltenden Verbots der Waffenausfuhr nach Bolivien und Paraguay.
lige Aufklärung Über die Vorgänge dieser Tage, ihre Hintergründe und über die Schuldigen zu erhalten.
Schwere politische Zusammenstöße in Wormö.
Worms, 1. März. (WTB. Funkspruch.) Nachdem sich am Dienstagnachmittag bereits politische Zusammenstöße ereignet hatten, bei denen e i n junger Nationalsozialist durch einen Messerstich in die Lunge schwer verletzt worden war, kam es in der Nacht zum Mittwoch abermals xu einem schweren Zusammenstoß vor dem Volkshause. Der Wirt des Volkshauses wurde durch einen Herzschuß getötet. Ein Mädchen wurde durch einen Schuß schwer verletzt. Bei einem Zusammenstoß zwischen politischen Gegnern in der Löwengasse wurde ein Mann durch einen Bauchschuß getötet. Zn das Wormser Krankenhaus ist in der Nacht ein Mann eingeliefert worden, der einen Stich in den Hals erhalten hatte. Die gesamte Wormser Polizei war während der Nacht auf dem Marktplatz zusammengezogen.
polizeiliche Durchsuchungen in $ronffurt
WSR. Frankfurt a. M., 27. Febr. Wie überall in Preußen, wurden auch hier polizeiliche Durchsuchungen vorgenommen. L a. erschienen Kriminalbeamte bei der sozialdemokratischen »Volksstimm e". wo sie alte Wahlplakate von früheren Wahlen beschlagnahmten und etwa 20 Exemplare der heutigen Ausgabe der »Volks stimme" Mitnahmen. Bei der kommunistischen »Arbeiter-Zeitung", die bereits auf vier Wochen verboten worden ist, ist LLher noch keine Durchsuchung erfolgt.
Meine politische Nachrichten.
Reichsminister Göring spricht beute um 19.30 Uhr über öie deutschen Sender zur Notverordnung gegen die kommunistische Gefahr.
Anläßlich der kommunistischen Brandstiftung im Reichstag und der aufgedeccten Lnsturzpläne der KPD. wird De.chstanzi.er Hitler am Donnerstagabend um 20.30 Ahr im Deutschen Rundfunk über „Weltgesahr des Bolschewismus" sprechen.
Das Reichsgericht hat das vom Reichsinnenministerium beantragte Verbot der „M ü n ch e n e r Neuesten Nachrichten" für unzulässig erklärt.
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Der Breslauer Regierungspräsident Happ ist seines Postens enthoben. Der Polizeipräsident von Aachen, Dr. Brems, und der Polizeipräsident von Recklinghausen W ü n d i s ch, sind beurlaubt worden. Wündisch, der der Staatspartei angehört, war früher als Regierungsdirektor Leiter der politischen Polizei im Berliner Polizeipräsidium, dem die Bekämpfung und Ueberwachung der rechtsradikalen Bewegung unterstand.
Der Landrat und Polkzeidirektor von Hanau, Kaiser, ist beurlaubt worden. Die Amtsgeschäfte sind vom Regierungsassessor Fitte übernommen worden. Landrat Kaiser gehört der SPD. an.
Die Kommissare des Reichs in Preußen haben den Ministerialrat im Reichswirtschaftsministerium Geh. Regierungsrat Dr. jur. Claußen zum Staatssekretär im preußischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit ernannt.
Aus aller Welt.
Elf Todesopfer eines Dorfbraudes in Aegypten.
Bei einer Feuersbrunst, die das in des Rähe von Port Said gelegene Dorf Kar- puti heimsuchte, sind elf Personen in den Flammen umgekommen. 150 Dorfbewohner sind ohne Obdach.
Lergwerksunglück in Südafrika. — 14 Tote.
In Johannesburg sind zwei europäische und 12 eingeborene Bergarbeiter durch E i n st u r z in den 2000 Meter tiefen Schacht eines Kronbergwerks tödlich verunglückt. Man glaubt, daßdaS Unglück durch Versagen des elektrischen Stroms | zur Kontrolle der automatischen Bremse hervor- i gerufen wurde.
Echo der Berliner presse.
Berlin, 28. Febr. (CNB.) Der Reichstagsbrand und die Maßnahmen der Reichsregierung bilden fast das einzige Thema der Berliner Abendblätter. Die der Regierung nahestehende Presse begrüßt einstimmig das scharfe Voraehen gegen den kommunistischen Terror. — „Den roten Mordbrennern wird das Handwerk gelegt!" so schreibt der „Angriff" und sagt: Jetzt aber ein radikales Ende gemacht! Was muß noch mehr geschehen, als daß ein 24jähriger ausländischer Kommunist im Auftrag russischer und deutscher Parteistellen dieser Weltpest den Reichstag in Flammen ausgehen laßt! Wie weit sind wir jetzt noch davon entfernt, daß brave Bürger als Geiseln an die Wand ge st eilt werden, daß das Gesindel aus seinen Löchern heroor- kriecht, um mit den Plünderungen zu beginnen, daß der Mob die Gefängnisse öffnet, daß man dem Bauern den roten Hahn aufs Dach setzt? Was ist denn nod) sicher in guter Hut vor dem verbrecherischen Zugriff dieser Blutbanden? — Der „L o k a l a n z e i g e r" bezeichnet die Maß. nahmen gegen die kommunistische Reichstagsfraktion und gegen die kommunistische Presse nach dem Ge- schehenen und nach der Aufdeckung des weiteren Programms von Aufruhr, Terror, Brandstiftungen als Selbstverständlichkeiten. Diese Maßnahmen dürften aber jede Beunruhigung der ordnungsliebenden Bevölkerung überflüssig machen. Wie man diese sofort getroffenen scharfen Maßnahmen als Beweis äußerster Entschlossenheit gucheihen müsse, werde man es auch als ein Zeichen zuversichtlicher Stärke billigen, dah die Regierung von der äußersten politischen Maßnahme, von dem Verbot der KPD. noch absehe.
Die »Dörsenzeitung" unterstreicht den Zusammenhang des Brandanschlags mit dem gefundenen Material im Liebknecht-Haus. Cs sei klar, dah die KPD. hinter dem Anschlag auf den Reichstag stehe. Es sei sicher, dah die Kommunisten sich nicht so rasch entmutigen ließen, und dah sie nicht vor dem er st en Faust schlag kapitulieren würden. Die Ruhe in Deutschland unter allen Am- ständen aufrechtzuerhalten sei angesichts der durch die kommunistischen Pläne geschaffenen Lage nur mit Hilfe von drakonischen Maßregeln möglich. — Die »D A Z." führt aus, die KPD. habe in Deutschland, solange sie isoliert kämpfe, wohl die Macht, Verbrechen zu begehen, aber nicht mehr
die Macht, politische Entscheidungen herbeizufüh- ren. Wir würden nun sogar wahrsa-einlich aus Moskau und von der offiziösen KPD.-Leitung die alte Phrase hören, daß die Partei den »individuellen Terror" aufs schärfste verurteile. Trotzdem bleibe selbstverständlich die K P D., die ihre Mitglieder auf die Mörder- schulcn nach Rußland schicke, unbedingt für die nach den amtlichen Feststellungen bestehende illegale Betätigung der Partei ebenso verantwortlich, wie für bolschewistische Terrorakte einzelner Kommunisten, auch wenn es sich, wie in dem vorliegenden Falle, um e'ncn holländischen Spartakisten handele. Denn die III. Internationale der kommunistischen Verbrecher hänge untereinander genau so zusammen, wie die Gangster in den Großstädten Amerikas.
Der „B ö rs e n - C o u r i er" (dem.) fordert rücksichtslose Ahndung jeder erweisbaren Schuld, um so mehr, als eine, und nicht die leichtestwiegende Folge des Brandverbrechens die Erschwerung sachlicher Aegierungs- arbeit im ungün st lasten Augenblick sei. Reichsregierung und Preuhenregierung seien in der Vorbereitung der Wahlen begriffen; sie wollten auf Grund ihres Programms und des Wahlergebnisses den neuen Reichstag um eine Ermächtigung für längere Zeit ersuchen. Diese sachliche Auseinandersetzung politischer Kräfte müsse jetzt, unmittelbar vor den Wahlen, durch eine Polizeiaktion größten Stils unterbrochen werden, durch Untersuchung und Ahndung, mit ihrem ganzen Gefolge von Ausnahmematzregeln. Jede Schuld müsse geahndet, aber der Brand müsse gelöscht wer de n, politisch und auch seelisch.
Der „Deutsche" (Christ!. Gewerkschaften), der ebenfalls Tat und Täter aufs schärfste verurteilt, gibt der Hoffnung Ausdruck, dah man den oppositionellen Gruppen, die mit den Terroristen nichts zu tun hätte, die Daseinsberechtigung nicht bestreite.
Die „German! a" appelliert an die Ruhe und Besonnenheit von Volk und Regierung. Das deutsche Volk werde in feiner überwältigenden Mehrheit die Reichsregierung in allen Maßnahmen unterstützen, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung in diesen kritischen Stunden notwendig und geeignet seien. Es | habe den dringenden Wunsch, eine baldige und völ- l
Gießener Etadttheaier.
Franz Arnold: „Da stimmt was nicht!"
Da stimmte in der Tat verschiedenes nicht, aber zu Fasching nimmt man es wobl nicht so genau; und übrigens war es für manchen von Interesse, Franz Arnold, den man bisher nur in Firma Arnold & Bach kennenlernte, auch einmal ohne den treuen Kompagnon zu erleben.
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Hochstaplergeschichten sind in der Literatur wie in der rauhen Wirklichkeit leider seit langem keine Seltenheit mehr; und die, Spezialität der falschen Prisen und andern unechten Fürstlichkeiten hat ebenfalls seit geraumer Zeit manches von der originellen Frische des ersten Einfalls eingebüßt.
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Herr Arnold kam auf die Idee, die Sache schwankeshalber mal von der andern Seite her unter die Leute zu bringen. Sein Trick ist dabei, daß in diesem Stück der Prinz, dessen Echtheit von vornherein als ziemlich anrüchig und fadenscheinig bezweifelt wird, sich Im Laufe der Ereignisse tatsächlich als der richtige erweist. Den falschen bekommt man pikanterweise überhaupt nicht zu Gesicht, nicht mal im letzten Akt, wo sich doch traditionell eine ausgiebige Demaskierung zu vollziehen pflegt. * *
Der Herr Generaldirektor, der feine angegriffenen Bilanzen durch eine fürstliche Heirat feiner Tochter zu sanieren sucht, ist einem frechen Schwindler aufgesessen. Die Tochter ist von dieser geschäftlichen Transaktion wenig erfreut, was ihr niemand Übelnehmen kann, da sie den ihr zugedachten Gemahl nicht wenigstens vorher einmal zu Gesicht bekommt. Oder vielmehr: sie bekommt ihn zu Gesicht, aber sie weih nicht, daß er es wirklich ist. Sondern sie denkt, es ist der neuengagierte Chauf- feur, mit dem sie eine Hochzeitsreise, wenn man das so nennen kann, an die Riviera macht. (Da stimmt was nicht.)
Der zweite Trick ist älteren Datums, aber heute noch allgemein beliebt und im Gebrauch: daß nämlich auf der Bühne dauernd Dinge verhandelt werden, die der Zuschauer längst durchschaut hat, während von den Mitspielenden die meisten gar nicht
und die andern nur unvollkommen Im Bilde sind. Unfehlbares Rezept für alle Schwänke und viele Lustspiele.
Dem Prinzen, der gar nicht weiß, wie er zu der Ehre und zu der weiten Autoreise kommt, macht die Chauffeurrolle sichtlich viel Vergnügen, und er findet auch nichts dabei, sich allerhand Freiheiten zu leisten, die sonst mit dergleichen verantwortungsvollen Stellungen nicht verbunden zu sein pflegen. Und dem jungen Fräulein Annelore ist das gar nicht mal so unangenehm; sie tut bloß so.
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Auf eine Verlobung zum Schluß braucht übrigens nicht erst hingearbeitet zu werden, da die bei- den — dank der neckischen Gerissenheit des unsichtbaren Hochstaplers — bereits standesamtlich getraut sind. Es kann sich also nur darum handeln, die Scheidung einzuleiten. Aber schon bei der Vorbesprechung merken beide Partner, daß ihnen eigentlich gar nichts mehr daran liegt. Zumal statt der obligaten Entlarvung diesmal eine einwandfreie Legitimierung des vermeintlichen Schwindlers vorausgegangen ist. Jetzt ftimmts.
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Herr Hub hatte den Schwank inszeniert und ließ es sich angelegen sein, die dankbaren Komplikationen der drei Akte In Faschingslaune zu blühender Entfaltung zu bringen. Da er selbst — stimmlich nicht besonders disponiert, aber sonst in großer Fahrt — den schwer bedrängten Generaldirektor spielte, konnte es nicht ausbleiben, daß das kleine Ensemble allmählich von seinen stürmischen Tiraden im Stile des dicken Wallburg angesteckt wurde. — Herr Löffler hatte für das Iagdschlößchen und das Hotelzimmer an der Riviera hübsche Dekorationen entworfen.
Den Prinzen gab Herr Wrede munter, schlagfertig und mit Humor. Lisel Beling, anfangs bös und schmollend, fand an der Entwicklung ihrer komischen Hochzeitsreise sichtlich immer mehr Geschmack. Kühne machte standesgemäß den fürstlichen Onkel; Frl. Berger in der etwas intri- fanten Salondamenrolle der Sabine; Herr Heyer verbindlich und umgänglich als Geheimrat. In kleineren Aufgaben: Michel, Walther-Lede- rer,Heck, Geiger und Steten.
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Das Publikum schien recht animiert und klatschte freundlich. hth.
Blutgruppen und Blutflecken.
Die Blutgruppen- Lehre ist in der gerichtlichen Medizin In erster Linie deswegen beachtet worden, weil es dadurch unter Lmständen möglich wird, eine zweifelhafte Abstammung zu begutachten. Aber die größte kriminalistische Bedeutung, die ihr zukommt, liegt in der Identifizierung von Blutflecken, wie Prof. Müller-Heß in der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift" ausführt. Wenn festgestellt wurde, dah verdächtige Spuren an Waffen, Kleidern oder sonstigen Gegenständen am Tatort eines Verbrechens von Menschenblut herrühren, ist es häufig entscheidend, festzustellen, ob dieses Blut etwa von dem Verletzten oder Getöteten oder von einer anderen Person, etwa dem mutmaßlichen Täter, herrührt. Die Blutgruppenbestimmung kann für die Aufklärung der Tat von größter Wichtigkeit sein. »Ich habe wiederholt Fälle bearbeitet", schreibt der Verfasser, »wo der Beschuldigte unter dem Eindruck des ihm vorgehaltenen Antersuchungs-Ergebnisses das Verbrechen eingestanden hat. Meist geschieht das dann, wenn die bis dahin vorgebrachten Ausreden durch die vergleichende Dlutgruppen-Bestimmung widerlegt werden konnten. Der positive Rachweis, daß Blutflecke von einem ganz bestimmten Menschen herrühren, ist nicht zu erbringen, aber die Möglichkeit einer individuellen Anterscheidung überhaupt bedeutet, abgesehen von den tatsäch- lichen Ergebnissen, häufig einen psychologisch stark wirksamen Faktor, der auch im Zivilverfahren, besonders bei Anterhaltsprozessen, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Im ganzen ist die praktische Bedeutung der Blutflecken-Diagnose um fo größer, je enger der Perfonenkreis der der Tat Verdächtigen ist." Leider muß man sich dabei häufig mit kleinsten Spuren begnügen, und dadurch wird die Untersuchung erschwert. Natürlich kann die Dlutgruppenbestimmung an Flecken nur dann Wert haoen, wenn zugleich die Gruppenzugehörigkeit des Opfers und des Verdächtigen festgestellt werden kann. Zu diesem Zweck ist es notwendig, daß in allen Fällen von Mord, Todschlag oder tödlich endenden Körperverletzung die Dlutgruppen-Zugehörigkeit an der Leiche sobald wie möglich festgesetzt ist, wie das auch schon mancherorts, z. D. in Baden, eingeführt ist. Don großer kriminalistischer Bedeutung hat sich sodann die Tatsache erwiesen, daß die Blutgruppen- Merkmale sich nicht nur im Blut, sondern auch in anderen Körpersäften, besonders im Speichel,
im Magensaft und im Sperma vorfinden. Es gelingt sogar, selbst an den Spuren angetrockneten Speichels, der an Zigarettenspitzen haftet, noch die Gruppenbestimmung vorzunehmen.
Erinnerung an Schliessen.
Dem Gedächtnis des Generalstabschefs Grafen von S ch l i e f f e n widmet General von Kuhl im Märzheft von Delhagen Lr Klasings Monatsheften eine gehaltvolle Studie, die nicht allein den militärischen, sondern auch den menschlichen Eigenschaften Schliessens gerecht wird. Der geniale Mann hatte erkannt, wie ungeheuer wichtig der Fleiß für außerordentliche Leistungen ist, und wie er an sich selbst die höchsten Ansprüche stellte, so auch an seine Mitarbeiter. Die Sonn- und Feiertage waren nach seiner Ansicht dazu bestimmt, größere Aufgaben, für die man längere, ungestörte Arbeitszeit brauchte, zu Hause zu bearbeiten. Mehrere Jahre lang klingelte am Weihnachtsabend in Kuhls Wohnung ein Bote, der sein Weihnachtsgeschenk in Gestalt einer von Schlieffen auf Grund einer bestimmten Kriegslage entworfenen Aufgabe brachte. Er wäre sehr erstaunt gewesen, wenn nicht bereits am ersten Weihnachtstage die Bearbeitung in seinen Händen gewesen wäre. Am zweiten Weihnachtstage traf, von ihm verfaßt und geschrieben, die Fortsetzung der Aufgabe ein. In diesen operativen Studien ging er ganz auf. Er konnte kaum erwarten, bis er, wenn die Aufgaben ausgegeben waren, die Entschlüsse der Führer in Händen hatte. Sein Gedächtnis war ungewöhnlich. Dach Jahr und Tag wußte er noch genau, was man ihm bei früheren Gelegenheiten vorgetragen hatte. Man mußte als Abteilungschef sehr auf der Hut und seiner Sache völlig sicher sein, wenn man ihm Vortrag hielt. Er erwartete von jedem unbedingte Beherrschung seines ganzen Arbeitsgebietes. Eines Tages verlangte er beim Vortrag von einem Abteilungschef Auskunft darüber, ob eine fremdländische Eisenbahnlinie viergleisig ausgebaut sei. Der Abteilungschef bejahte dies, überzeugte sich aber nach dem Vortrag durch Nachforschung davon, daß er sich geirrt hatte. Als er nach acht Tagen wieder zu seinem regelmäßigen Vortrag kam, bekannte er dem Grafen Schlieffen seinen Irrtum. ..Ich habe es Ihnen auch nicht geglaubt", war die trockene Antwort.


