Nr. 26 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Dienstag, 31. Januar 1939
Erichen« täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Bezugspreir:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe
unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Giehea
Postscheckkonto:
Zrankfurl am Main 11686
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühlsche Uniocrfilütsörudcrci H. fange In Stehen. Schristleitung und SeschSstrftelle: Schulstrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Dormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 mm Breite 50 Rps.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.25"/, mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder., Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel ö
Das Weltbild des Nationalsozialisten
Wiederum ist der Abend eines denkwürdigen 30 Januar angebrochen, an dem der Führer in einem ebenso tiefschürfenden wie weitausholenden und alle großen Probleme Deutschlands und seiner Stellung zur Welt umspannenden Rechenschaftsbericht das deutsche Volk teilhaben läßt an seinen Freuden und Sorgen, seinem Sinnen und Mühen, seinem Stolz und seiner Zuversicht, an dem es einen tiefen Blick tun darf in die Gedankenwelt des Mannes, dessen Genie es seinen unerhörten Aufstieg aus dunkler Nacht zu strahlendem Glanz verdankt, dessen Glaube an sein Volk nie wankend wurde und dessen Bund mit diesem durch seinen 1 Weckkuf wieder zu seinem besseren Selbst erwachten deutschen Volk die herrlichsten Früchte getragen hat. Der Führer spricht an diesem 30. Januar zum erstenmal vor einem Großdeutschen Reichstag, zu dem sich die Abgeordneten des Sudetenlandes und der Ostmark mit den gewählten Vertretern aller andern Gaue des Reiches vereinigt haben. Und so gehen seine Gedanken zurück auf den Ablauf dieses Jahres deutscher Einigung, das in beispiellos stürmischer Entwicklung der Dinge seinen Entschluß reifen ließ, das Schicksal der durch den Wahnsinn der Friedensdiktate vom Reich getrennten zehn Millionen deutscher Volksgenossen in Oesterreich und im Sudetenland zum Guten zu wenden und in dem diesen Kampf um das Selbstbestimmungsrecht — von Wilson einst feierlich proklamiert, von den „Friedensmachern" dann schmählich verraten — zum Siege geführt werden konnte dank einer unerhörten Willensanstrengung und eines eisernen Festhaltens an einmal gewonnenen Erkenntnissen. So wurde das Jahr der deutschen (£vni= gung zu einem Jahr des Triumphes einer Idee, denn nicht durch das Schwert waren, wie frühere Jahrhunderte immer wieder vergeblich versucht hatten, widerstrebende Gaue zusammengezwungen worden, sondern eine Idee hatte ein Volk geeint und gegen die Widersacher dieser Idee war das Volk selbst bereit, das Schwert zu ziehen. Und wie die deutsche Wehrmacht aufgeboten und bereit war, jede Einmischung von außen zu verhindern, so wird sie auch in Zukunft niemals mehr einen Uebergriff anderer Mächte in Fragen dulden, die Deutschland als rein deutsche Angelegenheit betrachtet, P.ie Zeit, da es eine „deutsche Frage" gab, die der Spielball der europäischen Kabinette war, ist für immer vorbei. Darüber hat der Führer keinen Zweifel gelassen.
Dies Großdeutsche Reich, die endliche Verwirklichung des Traumes der Besten in Jahrhunderten deutscher Geschichte, verpflichtet zu immer erneuter tätigen Hingabe an den Geist, der es schuf, den Geist der Volksgemeinschaft, die durch die zwingende Gewalt der nationalsozialistischen Idee zum tragenden Element unseres Staatswesens wurde. Mit allem Ernst stellte der Führer wiederum die große, nie endende Erziehunasaufgabe vor die Repräsentanten des deutschen Volkes hin, diese nationalsozialistische Volksgemeinschaft immer wieder zu stärken durch die Auslese jener gläubigen Idealisten, die durch ihre charakterliche Haltung für die Formung des nationalsozialistischen Volkskör- pers die wertvollsten Elemente darstellen. Die soldatischen Tugenden der Treue, der Kameradschaft, des Gehorsams müssen die des ganzen Volkes werden, um es in den Stand zu setzen, die großen Aufgaben zu lösen, die vor ihm liegen.
Mit bitterem Sarkasmus rechnete der Führer dann mit jenen demokratischen Besserwissern ab, deren weltwirtschaftliche Doktrinen, an Hand deren sie d i e deutsche Wirtschaftspolitik in Grund und Boden kritisieren, sich Punkt für Punkt widersprechen und die nur in dem einen Punkt aufrich- ttg sind, in dem glühenden Wunsch, Deutschland vernichtet zu sehen.' Gegen Deutschlands schwierige wirtschaftliche Lage, die sich aus der Uebervölke- rnng unseres Lebensraumes ergibt, hat der Nationalsozialismus den Selbstbehauptungswillen auf- perufen, und mit stolzer Genugtuung konnte der Führer feststellen, das deutsche Volk hat diesen Kampf bereits gewonnen. Das entbindet die Mächte des Versailler Diktats jedoch keinesw-as von der Verpflichtung, das uns damals zuqefügte Unrecht des Raubs unserer Kolonien wiederaut- zumachen. Mit zwingender Loaik wies der Führer nach wie auch für die sogenannten Siegermächte aus 'dem Weltkrieg keinerlei Nutzen herausgesprungen sei. England war in den Krieg gegangen, um das deutsche Volk als unbequemen Konkurrenten vom Welthandel auszuschließen, aber die Deutschland in Versailles auferlegten Reparationen und der Raub der Kolonien, der Deutschland keine Entwicklung zur autarken Wirtschaft erlaubte, zwanaen es vielmehr geradezu, durch höchste Steigerung seines Ervorts, das Geld zu verdienen, das man ihm als Tribut abforberte. So bleibt nach wie vor das durch die Unvernunft der Friedensd'ktate ungelöste Problem drängend' die Sicherstelluna d-r Teilnahme all-r großen Nationen an den Reich- tüm-rn der Welt, denn nach wie vor bleibt für Deutschland, dem man seine Kolonien unter den unroahrhaftiaften Begründungen vorentbalt, aus dem Fehlen eines eigenen kolonialen Wirttchafts- ramns der Zwang zur äußersten Steigerung seines Exports, um unsere Ernährung sicherzustellen. Denn da eine Ausweitung unseres Lebensraums die Unvernunft der anderen gegenwärtig nicht zulaßt bleibt nur die zusätzliche Lebensmitteleinfuhr. die wir durch gesteigerten Erport bezahlen puffen. Wenn dabei unsere Handelsmethoden, die solche des redlichen Kaufmannes sind, anderen Teilnehmern am Welthandel unbeanem und lästig sind, mögen sie daran denken, daß sie selbst es sind/ die uns
Oer Führer spricht vor dem Großdeutschen Reichstag.
Wie Großdeutschland wurde. — Oie Forderung auf Rückgabe der Kolonien wird nicht verstummen. - Deutschlands Anspruch auf Teilnahme am Welthandel. — Zn jedem Falle an der Seite Italiens.
Verlängerung des ErmächNgunosgesehes.
Berlin, 30. Jan. (DNB.) Um 20 Uhr tritt der Großdeutsche Reichstag im Sitzungssaal der Krolloper zu seiner ersten konstituierenden Sitzung zusammen. Der Sitzungssaal trägt die übliche' würdige und schlichte Ausschmückung: an der Rückwand der Reaierungstribüne ein riesiges goldenes Hoheitszeichen auf weißem Untergrund, zu beiden Seiten ein großes Hakenkreuz auf dunkelrotem Grund. Die für die Zuhörer bestimmten 600 Plätze sind voll besetzt. Einige Diplomaten sind । bereits um 19.30 Uhr anwesend. Für die deutsche und ausländische Presse konnten,, da der Raum begrenzt ist und die Zahl der Abgeordneten jetzt auf 855 angewachsen ist, nur 200 Plätze zur Verfügung gestellt werden, die natürlich restlos besetzt sind. Gegen 19.50 Uhr haben alle Abgeordneten ihren Sitz eingenommen. Man sieht fast ausschließlich die braunen Uniformen der politischen Führer und der SA. sowie die schwarze Uniform der ff. Nur wenige Abgeornete sind in Zivil erschienen. Die Reichsminister, die gleichzeitig Abgeordnete sind, haben ihren Platz auf den Regierungsbänken. Auf der Tribüne im ersten Rang sieht man u. a. auch die Träger des Nationalpreises, mit dem Ehrenzeichen geschmückt, das ihnen heute der. Führer selbst überreichte. In der
Diplomatenloae, deren Plätze voll besetzt sind, be=, merkte man Die Botschafter von Japan, Spanien, Italien, Türkei, Polen, Sowjetunion, Chinas Belgien und Frankreich sowie fast alle Gesandten und Geschäftsträger.
Reichstagspräsident Göring erwartete am Eingang des Hauses den Führer. Pünkllich um 20 Uhr betritt der Führer den Sitzungssaal, begleitet von dem Reichstagspräsidenten Generalfeldmarschall Göring, Reichsminister Rudolf Heß und Reichsminister Dr. Frick sowie SA.-Obergruppenführer Brückner und ff-Gruppenführer Schaub. Die Abgeordneten begrüßen, den Führer mit lauten Heilrufen Der Führer begibt sich auf seinen Platz, und unmittelbar daraus eröffnet Reichstagspräsident Generalfeldmarschall Göring in seiner Eigenschaft als Präsident des alten Reichstages die erste Sitzung des Großdeutschen Reichstages. Er erteilt zur Wahl des neuen Präsidenten dem Reichstagsabgeordneten Dr. Frick das Wort.
Abg. Dr. Frick schlägt namens der Reichstagsfraktion der NSDAP, zum Präsidenten des Großdeutschen Reichstags den „altbewährten Präsidenten Hermann Göring" und zu seinen Stellvertretern bie bisherigen Stellvertreter Kerrl, -Esser und Dr. von Stauß vor. Durch Erheben von den Plätzen wählt der Reichstag vorschlagsgemäß das bisherige Präsidium en bloc. Nachdem bann Reichs- tagspräsibent Göring für bas neuerbings bem Präsibium ausgesprochene Vertrauen gebankt unb
12 Abgeordnete zu Schriftführern bestellt hat, gedenkt er, während sich das Haus von den Plätzen erhebt, der sechs Reichstagsabgeordneten, die seit der Wahl des neuen Reichstags verstorben sind.
Dann erhält der Frakttonsfüyrer Dr. Frick das Wort. Er bittet die Abgeordneten, das Ermächtigungsgesetz bis zum 10. Mai 1943 zu verlängern und führt dazu folgendes aus: Am 23. März 1933 hat der Reichstag bas Gesetz zur Behebung ber Not von Volk und Reich, das sogenannte Ermächtigungsgesetz, beschlossen, mit dem der Reichstag der Reichsregierung gesetzgebende Gewalt übertrug. Nach der Forderung des Führers „Gebt mir vier Jahre Zeit!" wurde dieses Gesetz bis zum 1. April 1937 befristet, und am 30. Januar 1937 hat es der Reichstag durch Beschluß auf weitere vier Jahre zur Durchführung des zweiten Vierjahresplanes des Führers bis zum 1. April 1941 verlängert. Durch ein Gesetz, das die Reichsregierung heute erlassen hat, ist die Wahlperiode des gegenwärttgen Reichstages b i s zum 30. Januar 1943 verlängert worden. Es ist zweckmäßig, daß auch das Ermächtigungsgesetz bis zum Ablauf der Wahlperiode verlängert wird, bis der dann neu zusammentretende Reichstag selbst das Gesetzgebungsrecht ausüben kann, was spätestens am 10. Mai 1943 der Fall sein wird. Einer weiter Begründung, so fügt der Abg. Dr. Frick unter dem Beifall des Hauses hinzu, bedarf der Gesetzesantrag nicht. Die Leistungen
Unser Bild zeigt Adolf Hitler während seiner Rede. In der ersten Reihe (von rechts) die Reichsminister H e ß, v o n R i b b e n t r o p, dahinter Dr Frick Dr Goebbels, von Neurath, Graf S ch w e r i n von Krosigk; zweite Reihe (von rechts) die. Reichsminister Funk, Schacht '©ürtner, Darre, Rust, Kerrl, S e l d t e und Dr. F r a n k. In der dritten Reihe sitzend Generaladmiral R a e d e r, General- oberst von Brauchitsch, Generaloberst Keitel. Auf dem Präsidentenstuhl des Reichstages Generalfeldmarschall Göring. — (Scherl-M.)
|
MWW
4
1 «
'• hl ।
. M y,
- * v
■
von deutschen Geistlichen, im Schutz des Staates,
dächtiges Interesse, würden unnachsichtlich vernichtet.
Am Ende seiner alle großen Probleme der deutschen Politik ausgreifenden und in ebenso eindringlicher wie eindeutiger Klarheit beleuchtenden Rede schilderte der Führer das Verhältnis Deutschlands zu den anderen Nationen. Er unterstrich dabei die geschichtlich tief begründete Verbundenheit mit dem italienischen Volk und ließ keinerlei Zweifel darüber, daß ein Krieg gegen Italien, welchen Motiven auch immer er entspringen möge, das Großdeutsche Reich an der Seite des italienischen Imperiums sehen werde. So wenig Deutschland einen Krieg wünsche, so sehr habe es Verständnis für die Bestrebungen anderer Völker, sich ihren berechtigten Anteil an den Reichtümern der Welt zu sichern. Niemals wieder werde her Fall ein» treten, daß Deutschland, wie einst Preußen in den Napoleonischen Kriegen, seinen Verbündeten sich
zu dieser höchsten Steigerung des Exports zwangen, zu Jahr gewaltig gestiegenen finanziellen Zuwen- Mit eindringlicher Schlüssigkeit hat der Führer die- düngen an die beiden christlichen Kirchen schlagend sen circulus vitiosus den ausländischen Kritikern zurück, wobei er erklärte, daß er, wenn die Kirchen der deutschen Handelsmethoden vor Augen gestellt diesen Zustand für sie unerträglich finden sollten, er und sie versichert, daß keinerlei Drohung Deutsch- je-erzeit zu einer klaren Trennung von Kirche und land zum Verzicht auf seine Teilnahme am Welt- Staat wie in Frankreich und Amerika bereit sein hanöel bringen werde. werde. Im übrigen standen Priester, die Diener
Mit aller Schärfe wandte der Führer sich auch Gottes und sonst nichts seien, wie viele Tausende gegen die politi che Hetzkampagne in von deutschen Geistlichen, im Schutz des Staates, zahlreichen Blättern des Auslandes. Das deutsche solche aber, die sich als Staatsfeinde betätigten — Pott wird in allen Fallen erfahren, wer die Kriegs- und nur für solche zeige das Ausland em höchst ver- hetzer sind, damit es, wenn diese elenden Verleum- r*Arv*’4'tn
der seiner Ehre einmal ihr Ziel erreichen sollten, weiß, daß es sein Schwert für eine gute und gerechte Sache zieht. Niemals aber wird dieser Lügenfeldzug uns darin irre machen können, die Judenfrage, soweit sie uns augeht, restlos und für immer zu erledigen. Ein neuer Weltkrieg, den Die jüdisch-bolschewistischen Hetzer in ihrem Haß gegen die autoritären Mächte, aber auch in engstirniger Verblendung entfesseln möchten, wird, so sagte der Führer mit prophetischem Blick voraus, die Vernichtung der jüdischen Rasse bedeuten, denn die Völker wollen nicht mehr auf den Schlachtfeldern sterben, Damit das Judentum sich an den Kriegsgewin- nen mästet. Den im Ausland dem Nationalsozia is- mus immer wieder gemachten Vorwurf der Reli- gions feindlich feit wies der Führer mit höchst präzisen Angaben über die seit 1933 von Jahr
verbluten läßt, um nachher allein zu stehen. Wie das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien das Abendland vor dem Bolschewismus retteten, so hat Japan die gleiche Rotte für Ostasien. Mit herzlichen Worten gedachte der Führer dann den Bemühungen Chamberlains und Da- ladiers um Erhaltunb des Friedens Deutschland hat, abgesehen von fernen Kolonien, keinerlei territoriale Forderungen an Frankreich und England und ist überzeugt, daß mit beiden schnell eine dauernde Verständigung zu erzielen wäre, wenn die elende Pressehetze abgestoppt werden könne. ,Jch glaube an einen langen Frieden", so erklärte der Führer mit erhobener Stimme Die Völker wollen den Frieden und brauchen den Frieden» denn alle haben so viele und große Probleme in den eigenen Grenzen, die sie ohne Erhaltung des Friedens niemals zu bewältigen vermögen. So klang die große Rede des Führers vor dem ersten Großdeutschen Reichstag aus in ein glühendes Bekenntnis zu seinem ureigensten Werk, dem Groß- deutschen Reich, das in Friede und Eintracht mit allen Völkern, aber stark und groß im Schutz seiner Wehrmacht und gegründet auf die sich aus der Kraft der nationalfozialistifchen Idee immer wieder erneuernde Volksgemeinschaft zu höchsten Leistungen fähig den Weg bergan fortzusetzen bereit ist.


