an der Hütte selbst oder an der Gebäudewand ehv aelassen ist, laufen können, um dem Hund größere Bewegungsfreiheit zu geben. Die Einstreu muß in der feuchten und kalten Jahreszeit jede Woche erneuert werden. Zweimal im Jahre sollte die Hütte mit schwachem Lysol-Schmierseifenwasser ausgewaschen werden. Wo es möglich ist, gibt man in das Einstreustroh einige Hände voll grünes Farnkraut, da der Farnkrautgeruch von tierischen Schmarotzern, wie Flohen, Läusen und Zecken, gemieden wird, den Geruchssinn des Hundes aber nicht beeinträchtigt.
Der Tierhalter hat nicht nur die durch das Gesetz vorgeschriebene Pflicht einer sorgfältigen Tierhaltung und Tierpflege, sondern er ist als Angehöriger der deutschen Volksgemeinschaft auch sittlich verpflichtet, den gerechten und billigen Forderungen der Schützer unserer vierfüßigen Freunde zu entsprechen.
Schutz öer Tiere bei Luftangriffen.
Weh bleibt bei Fliegerangriffen dort untergebracht, wo es zu leben gewohnt ist. Abgesehen von Grünlandgebieten oder größeren Betrieben mit zeitweiligem Weidegang ist dies der Stall. Hier sind die Tiere splittersicher, bei entsprechender Vorsorge auch kampsstoffsicher. Bei Weidegang, wobei diese Voraussetzungen fehlen, ist ein Zusammendrängen aus kleinen Flächen zu vermeiden; die Koppeln sind deshalb unterzuteilen, für Tarnungsmöglichkeiten durch Saumgruppen oder Schuppen ist zu sorgen.
(Sießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Schlachtviehmarkt (Schlachtviehoerteilungsmarkt) in der Diehversteigerungshalle Rhein-Main in Gießen kosteten: Ochsen 36 bis 44,5 Rpf., Kühe 19 bis 43,5, Färsen 40 bis 44.5, Kälber 40 bis 64, Schafe 42 bis 46 Rpf. je Pfund Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10 RM, bl (135 bis 149,5 kg) 1,10, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10, c (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (unter 100 kg) 1,02, e—k (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,10, i (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen) 1,02 und h (Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: regelmäßig, alles zugeteilt.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 30. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Kühlhauseier, Klasse A 11%, Wirsing, % kg 10, Weißkraut 7, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 7 bis 9, rote Rüben 9 bis 12, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 18 bis 20, Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 60, Aepfel 15 bis 25, Birnen 15 bis 20, Nüsse 40, Blumenkohl, das Stück 45, Endivien 40, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Rpf.
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♦* Beförderungen bei der Gießener Kriminalpolizei. Mit Wirkung vom 1. Dezember 1939 wurden der Kriminalsekretär Johann
Oehlenschläger zum Krintincklobersekretür imb der Kriminaloberassistent Hermann Reher zum Kriminalsekretär befördert. Unseren herzlichen Glückwunsch zur Beförderung.
** 40 Jahre im Dienst der Biebertal- bahn. Am 1. Januar 1940 kann der Oberschaffner Andreas Haus aus Bieber auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Biebertalbahn zurückblicken. Er ist bei allen Fahrgästen der Bahn eine bekannte Persönlichkeit und genießt allenthalben große Wertschätzung. Seit 40 Jahren gehört er auch zu den treuen Beziehern bÄ- „Gießener Anzeigers". Wir beglückwünschen den Jubilar zu seinem Dienstjubi- läum.
** Einsendung der Lohn» und Wehr- steuerbelege 193 9. Die Finanzämter Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Grünberg, Hungen, Lauterbach, Nidda und Schotten fordern zur Einsendung der Lohn- und Wehrsteuerbelege für das Kalenderjahr 1939 auf. Die Aufforderung sei sowohl den Betriebsführern als auch den Gefolg- schastsmitgliedern dringend zur Beachtung empfohlen.
** Einlösung der Stadttheater- Stammiete. Die Einlösung der vierten Rate der Stammiete hat an der Theaterkasse, Johannes- straße 3, an folgenden Tagen zu erfolgen: ant Dienstag, 2. Januar, für die Dienstag-Mieter, am Mittwoch, 3. Januar, für die Mittwoch-Mieter und am Donnerstag, 4. Januar, für die Freitag-Mieter.
Aus Der engeren Heimat.
Tiere find sehr rauchempfindlich und feuerscheu, jede Verqualmung von Stallungen ist gefährlich. Deshalb Vorbereitungen treffen, um bei Feuer aus» bruch Ställe mit Umsicht schnell räumen zu können.
Verängstigtes, beunruhigtes Vieh tritt von der Krippe zurück, die Umbindekette spannt sich, der Knebel löst sich nicht aus dem Ring, die Tiere brüllen, reißen, zerren an der Kette. Da gilt es, für schnelles und leichtes Losmachen und für das Herausbringen aus dem brandgefährdeten Stall Sorge zu tragen. Hilfsmittel wie Stallhalster, Blenden aus alten Säcken und Tüchern zum lieberwerfen über den Kopf, Not- oder Strickhalster bereithalten!
So ins Freie verbrachte Tiere versuchen in brennende Stallungen zurückzulaufen, sie wollen wieder an die gewohnte Futterkrippe, was durch behelfsmäßiges Aufstellen im Freien verhindert werden muß.
Ein Tier allein steht nie, gibt keine Ruhe, deshalb stets mehrere zusammenstellen.
Nichts unversucht lassen, um Verluste an wertvollen Fleisch-, Fett- und Milchspendem zu verhindern.
Sie Herstellung von Apfel-Tee.
Mancher wird auf feiner Lebensmtttel'karte vergeblich nach seiner Leezuteilung gesucht haben. Da oer Tee aber ein Laubbaum oder Strauch des wärmeren Oftasiens ist und formt seine aufbereiteten Blätter einen Einfuhrartikel darstellen, müssen wir uns dieses Getränk zur Zeit verkneifen. Nun, das tun wir gern, um so mehr, als gerade der Tee durch heimische Produkte leicht ersetzbar ist. Da ist zum Beispiel der Apfel-Tee. Selbst kritische und verwöhnte Gemüter, die ihn bei mir zum ersten Male kosteten, bezeichneten ihn als durchaus trinkbar und wohlschmeckend. Die Apfelschalen werden in den meisten Fällen als werttos fortgeworfen. Das ist vom volkswirtschaftlichen und hauswirtfchafttichen Standpunkt aus falsch. Mr trocknen sie auf einer Horde über dem Herd oder auf dem Ofen, aber Nicht zu lange. Wenn die Schalen trocken, aber noch elastisch sind, werden sie durch die große Scheibe des Fleischwolfes gegeben. Das so erhaltene Apfel- Tee-Produkt hat'eine große Aehnlichkeit mit dem handelsmäßigen Apfel-Tee. Es wird mit heißem oder kochendem Wasser aufgebrüht und leicht gesüßt genossen. Auch getrocknete Brombeerblätter und Hagebuttenschalen können bei gemengt werden und geben dem Tee eine feine Würze. Sie können jetzt noch gesammelt werden. Dieser Apfel-Tee ist kein ..Ersatzmittel", sondern ein durchaus wohlschmeckendes Getränk, das schon seit langem viele Freunde hat.
Ratsherren-Sitzung in Alsfeld.
A Alsfeld, 29. Dez. In der letzten Rats- herrenfitzung des Jahres 1939 am Donners- taa gelangte der Voranschlag der Gewerbeschule für das Rechnungsjahr 1940 zur Vorlage. Er bewegt sich in Einnahme und Ausgabe mit 11 769,56 RM. Der staatliche Zuschuß zu den persönlichen Kosten ist mit 4124,56 RM. in Ansatz gebracht. Die Gesamtleistung der Stadt, einschließlich der sachlichen Ausgaben," beläuft sich auf 7485 RM. Die Ratsherren hatten gegen den Voranschlag nichts gu erinnern, der daraus vom Bürgermeister in oer angegebenen Höhe festgestellt wurde. Die Schülerzahl, die in den beiden letzten Jahren eine erhebliche Zunahme erfahren hat, beträgt im laufenden Wintersemester 62.
Den wichttgften Punkt der Tagesordnung bitbete die Uebereignung des Gewerbeschul- gebaudes an die Stadt Alsfeld. Bürgermeister Dr. D ö l f i n g gab einen Bericht über die gegenwärtige Rechtslage hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse des Gewerbeschulgebäudes, das ursprünglich dem Ortsgewerbeverein Alsfeld gehörte und in das Eigentum von dessen Rechtsnachfolgerin, der Kreishandwerkerschast Alsfeld-Lauterbach, kraft Gesetzes übergegangen ist. Der Bürgermeister legte die Notwendigkeit einer Erweiterung des Schul- gebaudes im Hinblick auf die zunehmende Schüler- zahl und den weiteren Ausbau der Berufsschule dar, worüber bereits ein Vorprojekt mit einem Kostenaufwand von etwa 120 000 RM. vorliege. Da Voraussetzung für die Ausführung dieses Bauvorhabens das Eigentum der Stadt an dem Gebäude ist, werden gegenwärtig Verhandlungen mit der Handwerkskammer Darmstadt geführt wegen Uebereignung des Gebäudes an die Stadt Alsfeld gegen einen entsprechenden Kaufpreis. Der von der Handwerkskammer gemachte Vorschlag auf eine Summe von 30 000 RM., zahlbar in 20 Jahren, wurde grundsätzlich gutgeheißen. Die hierüber noch zu führenden näheren Verhandlungen mit der Handwerkskammer werden demnächst von dem Bürgermeister geführt werden.
Für den Betrieb des Reichsarbettsdienstes in feinen baulichen Anlagen in der verlängerten Jahn- straße ist für die Stromversorgung die Errichtung eines Transformatorenhaufes notwendig geworden. Gemäß den Vertragsbestirn- murtgen mit dem Ueberlanbroerf Oberhessen in Friedberg wurde beschlossen, 31 Quadratmeter von
dem städttschen Grundstück an das Ueberlandwerk Oberhessen kostenlos abzutreten.
Infolge Ablaufs der Pachtzeit war die Neu- Verpachtung der Stadt bleiche vorzunehmen. Die Stadtbleiche, eines der idyllischsten Plätzchen am Rande der Stadt mit dem unter Denkmalschutz stehenden Bleicherhaus mit seiner uralten Eiche, befindet sich seit bereits 75 Jahren im Besitz der Familie des gegenwärtigen Pächters Falkenhainer. Gemäß dem Gesuch des gegenwärtigen Pächters wurde beschlossen, diesem die Stadtbleiche auf weitere neun Jahre zu den seitherigen Bedingungen zum Jahrespachtpreis von 500 RM. weiter zu verpachten. Dem Pächter wurde zugleich die Auflage gemacht, das anschließende städtische Schwimmbad, wie seither, als Bademeister zu betreuen. Er hat das erforderliche Hilfspersonal dafür zu stellen.
In nichtöffentlicher Sitzung wurde über den Verkauf eines städtischen Hauses und von einem städtt- schen Gelände verhandelt.
75 Lahre »Hossia-Eprudel" Bad Vilbel.
* Vilbel, 30. Dezember. Die Firma H a f f I a • Sprudel in Bad Vilbel kann an der Jahreswende auf ihr 75jähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma befindet sich seit Anbeginn im Besitz der Familie Hinkel. Während der langen Zeit des Bestehens haben drei Generationen der Familie die Geschicke der Firma geleitet. Aus kleinsten Anfün- gen heraus hat sich die Firma besonders in den letzten Jahrzehnten zu einem beachtlichen Faktor der deutschen Brunnenindustrie entwickelt.
Landkreis Gießen.
Leihgestern, 30. Dez. Die Bautätigkeit in unserer Gemeinde war in diesem Jahre nicht sehr rege. In der Bahnhofstraße, deren Ausbau nur langsam vorwärtsgeht, wurden drei neue Wohnhäuser im Rohbau errichtet, die im nächsten Jahre fertiggestellt und bezogen werden können.
+ Grünberg, 29. Dez. 3n der letzten Zeit hat hier der Tod in die Reihen unserer Alten mehrere Lücken gerissen. So verstarb im Alter von 80 Jahren die Witwe Anna Richard. Ihre 82 Jahre alte Schwester Katharine Sauber folgte ihr an Weihnachten im Tode nach. Außerdem starben an den Feiertagen noch die 87 Jahre alte Witwe Margarete Roth und Heinrich (Brüning, der ein Alter von 78 Jahren erreichte. — Im alten Schloß brach am Donnerstagabend ein
Kaminbrand aus. Gegen 20 Uhr bemerkten die Bewohner der Dienstwohnung, die neben den Räumen des Forstamtes Grünberg liegt, starken Rauch und Brandgeruch. Hauptbrandmeister Haas und einige Leute der Freiwilligen Feuerwehr, die schnell zur Stelle waren, konnten eine weitere Ausdehnung des Feuers verhindern. Die Brandgeräte waren zur Bekämpfung des Feuers nicht nötig. Jedenfalls hat die frühzeitige Entdeckung des Brandherdes ein größeres Schadenfeuer verhütet.
§ Laubach, 29. Dez. Die Eheleute Karl Hof-
KrümenLLÄ
mann und Frau Katharina, geb. Seim, feierten in körperlicher und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 78., feine Frau im 76. Lebensjahr. Viele Ehrungen würben dem Jubelpaar zuteil. Die Glückwünsche des Reichsstatthalters und des Landrats überbrachte Bürgermeister H ö g y. — Unter großem Iraner ge- folge wurde der 17jährige kaufmännische Lehrling Walter Rühl zu Grabe getragen, der beim Hantieren mit einer Schußwaffe im Büro seines väterlichen Betriebes tödlich verunglückt war. Den schwer geprüften Eltern wendet sich die Teilnahme der gesamten Bevölkerung zu, zumal sie vor drei Jahren einen neunjährigen Sohn verloren haben, der sich infolge eines Sturzes vom Fahrrad eine Handverletzung zuzog und nach einigen Tagen einer Starrkrampfinfektion erlag.
Rundfunkprogramm
Sonntag, 31. Dezember.
6 Uhr: Frühkonzert. Es spielt Hermann Hage- stedt mit feinem Orchester. 7: Nachrichten. 8: 2Bir fingen Den Sonntag ein! Es singt ein Soldatenchor. 8.40: Dichter unserer Zeit: „Der tapfere Schwabe.* 9: Es blasen die Trompeten ... Lieder und Märsche. 9.30: Das alte Jahr muß bringen sein Licht dem neuen Jahr. Es singt die Rundfunkspielschar 8 Frankfurt a. M. der Reichsjugendführung. 10: Im Glockenklang deutscher Dome grüßt die Heimat die
Gedenket der hungernden Vögel! Schuht dte Tiere vor der Kälte!
Front. Verbindender Text: Ernst Nebhut. 11: Im Schritt der Geschichte. Deutsche Dichter und Komponisten im Zeichen historischer Ereignisse. 12.30: Nachrichten. 12.40: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Uns gehört der Sonntag! Ein Reigen sorgloser Melodien. 14.45: Für unsere Kinder: „Die Schneekönigin". Ein Funkmärchen nach Andersen. 15.25: Volkstum und Heimat: „Bauer im Wald". Bilder aus dem winterlichen Spessart. 16: Große» Wunschkonzert für die Wehrmacht. 17: Nachrichten. 19.10: Berichte. 19.30: Reichssendung. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deutschlandsender. 22: Nachrichten.
Montag, 1. Januar.
6 Uhr: Hafenkonzert auf dem Dampfer „Wadai" der Deutschen Afrika-Linien. 7: Nachrichten. 8: Wik finaen das neue Jahr ein! Der Cyor des Reichssenders Frankfurt. 8.45: Ansprache zum neuen Jahr. Von Herbert Scheffler. 9: Froh ins neue Jahr. 10: Gläubiges deutsches Herz. Eine Stunde der Besinnung am Feiertag. „Zu neuen Ufern führt ein neuer Taa". 11: Festliches Konzert. 12: Das Tier und mir. Unterhaltsames und Belehrendes aus dem Frankfurter Tiergarten. 12.30: Nachrichten. 12.40: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Musik zur Unterhaltung. 16: Großes Operettenkonzert. Ausführung: Solisten, der Chor und das große Orchester be.s Reichsfenders Frankfurt. 17: Nachrichten. 17.45: Klingende Liebesgaben. Eine fröhliche Sendung de»
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CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN Was
10 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Klarissa sieht es, aber sagt kein Wort, und die Augen der Frau vom Birkenhof bekommen einen starken, innigen Glanz.
Heute bestimmt Klarissa, daß Butterkuchen gebacken werden soll. Für alle Leute soll Kuchen gebacken werden. Marie ringt die Hände „Aber Frau- (ein Wegner, es ist doch noch kein Erntefest, und wir haben sowieso alle Hände voll zu tun. Was wird das für eine Arbeit sein — die vielen Menschen und bann für alle — satt — Dutterkuchen."
Klarissa ist schon mit ihrem Pferd davon; sie kehrt sich um und nickt der Köchin zu: „Du wirst es schon schaffen, Marie. Los, Bursche, wir haben keine Zeit. Weg ist sie, und Marie kann sehen, wie sie fertig wird.
Es gibt Butterkuchen — satt Butterkuchen! Hoho, das ist eine Sache! In der Küche schwillt bie Arbeit zum Uebermaß an, und Marie braucht überhaupt nicht sagen, was getan werden soll; bie Frauen summen eifrig wie bie Dienen umher. Der Backofen wird geheizt, ber Krämerbursche aus Balke bringt auf seinem Motorrad Hefe und Rosinen, es fängt an nach schwelendem Holz, nach gärendem Teig, nach Butter und köstlichen Dingen zu duften.
In der großen Mulde, in ber sonst der Drotteig geknetet wird und bie vor über hundert Jahren den Gäulen durchziehender Russenhorden zur Tränke diente — man sieht noch, wo die Tiere das feste Eichenholz angenagt haben —, geht unter den Hän- den der Frauen ein goldgelber Butterkuchen nach dem andern hervor. Und schon laufen sie zum Back- ofen rüber, fünf hintereinander, auf jede Hüfte eines der mächtigen Bleche gestemmt.
Satt Butterkuchen! Weiß man, wie diese Kunde über bie Felder und Aecker flattert? Sie ist da und w.'< _aei*»rgetragen. Da klingen unter Staub und (Blut vielstim«: Q«ober auf, wie die Mädchen und Frauen sie jrit undenklichen Zeiten auf den Feldern gesungen haben. Seht, Se Sensen blitzen heller als vorher, und die Dbertörp<i ber Frauen schwingen rascher. Ja, sie wiegen auf und ab, als striche Ost wind über das Feld
Nach Feierabend gibt es auf dem Buckenhof '77^ Kuchen, und Kläre, die es gewöhnt ist in B rPn st KüZ nebenbei rnctt in_ fitt Kyndist'-ri zu gehen, rounbert sich itt'-r bi ehrende, mit der alle, Manner wie Frauen, essen
Auch Klarissa und Anne schmeckt es; sie vergessen ihre Müdigkeit über die Freude am Essen. Sogar Luise Pegel, die neben Kläre sitzt, lächelt zum ersten- mal seit dem Unfall ihres Mannes wieder.
Kläre denkt: „Wie leicht ist doch diesen primitiven Menschen eine Freude bereiter, und es kommt ihr vor, als halbe sie nie zu ihnen gehört. Ihre Söhne hingegen sind anders. Ihre Söhne sitzen zwischen den Schnittern und stopfen sich wie diese mit Kuchen voll. Sie haben auch geholfen, oho, so ist das nicht. Rudolf durfte den lahmen Fuchs zum Stall bringen und Frank ist stundenlang neben der Mähmaschine hergelaufen. Das war nun nicht gerade nötig, aber trotzdem ist er jetzt hungrig wie ein Wolf. Sie essen mit ihren Freunden, den Schnittern; sie fingen mit ihnen plattdeutsche Lieder. Gut, daß Kläre die nicht hört, sie wäre über den Inhalt entsetzt. Die beiden Jungens sind auch ganz und gar nicht traurig darüber, daß sie auf dem DirkeNhof bleiben sollen, wenn die Eltern ins Ausland gehen. Sie sind kräftige Burschen von sieben und zehn Jahren, täppisch wie junge Jagdhunde und ungebärdig wie die. Kinder sind sie, gefüllte Knaben, doch, was außer der Gesundheit in ihnen steckt, ist noch ungewiß. Klarissa meint, daß in keinem ein Bauer steckt, aber ist sie nicht doch gegen die Jungen von vornherein eingenommen? Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Klarissa sitzt Anne gegenüber und schaut in ihr schmales, von der Arbeit und der Luft gerötetes Gesicht. Sie findet, daß Ann« älter und erwachsener aussicht. Franz Pegels Unfall ist ihr wohl sehr nahegegangen. Ihr Gesicht ist kein Kind er gesicht mehr, es ist ernsthaft und wie durchblutet von der Freude an Arbeit. Und plötzlich macht Klarissa etwas, das Kläre und Irene Waitz sonderbar finden; sie streckt der Nichte die Hand über den Tisch hin und sagt: „Ich danke dir, Anne."
Anne sieht auf, sie weiß im ersten Augenblick nicht, wofür. Als sie aber in Klarissas Augen sieht, weiß sie, was gemeint ist. Sie reicht der alten Frau ihre Hand und beide umschließen sich zu festem, kameradschaftlichem Druck. Auch Luise Pegel wird eine Hand hingestreckt, und Anne lacht: „Siehst du, Tante Klarissa, jetzt bin ich doch Gutslehrling geworden."
Die Frau vom BirkeNhof aber schüttelt den mäch- tigen Kopf, und in ihren Augen ist ein solches Leuchten, daß die junge Anne ganz spontan ihre L'pp- auf die Finger der Tante preßt. Und wie- der schwingt Verstehen zwischen diesen bei» den Frauen, als Klan'', leise sagt: „Lehrling? Nein, Anne — Nauer."
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T"'" ^ieafer ich- wirklich der Aufenthalt auf ?of verleidet zu fein. Sie sagt das nicht
geradezu, o nein, aber sie nörgelt. Wenn die Sonne scheint, sagt sie, daß der Staub sie umbringt. Regnet es, macht das schlechte Wetter sie melancholisch, doch sie reist nicht ab.
Klarissa findet das sonderbar. Neben aller Arbeit, dte sie in diesen Wochen leistet, wundert sie sich darüber, daß chre Nichte Kläre immer noch auf dem Birkenhof bleibt. Warum — ist .zwischen den Eheleuten doch irgend etwas vorgekommen? ©ie findet, daß Kläre nicht zu durchschauen ist. Aber Klarissas Sorge ist unnötig, wirklich, das ist sie. Kläre gehört zu den Frauen, die sagen: Ein Mann soll alles essen, aber nicht alles wissen, und so weiß der Gesandtschaftsrat Joachim Ziegler nicht, daß seine Frau sich auf dem Birkenhof alles andere als wohl fühlt. Er ist froi), daß die Söhne bei Klarissa bleiben können, die er zwar wenig kennt, aber schätzt. Im übrigen hat er so viel zu tun, daß es ihm ganz lieb ist, wenn er ungestört seiner Arbeit nachgehen kann. Frau und Kinder sind nicht da, die Wohnung ist still unb ziemlich verödet. Gut, er gehört nicht zu den Männern, die sich durch diese Umstände vereinsamt fühlen. So ist alles bei dem Ehepaar Siegler in bester Ordnung, und Klarissa braucht sich nicht zu sorgen.
Endlich kommt doch ein Telegramm von Joachim. Er bittet feine Frau, zu kommen und die Söhne mit- wbringen, da er sich von seinen Kindern verabschieden will. Er muß schon in einer Woche die Reise tiis Ausland antreten.
Schön und gut, auch dieses. Jetzt ist Kläre wieder in ihrem Element, jetzt zeigt es sich, wie sie ist und was sie kann. Koffer packen, die Wagen be- stellen, nichts Notwendiges vergessen in all diesem Trubel, der für Klarissa aufregender ist als die ganze Erntezeit. Sie, da ist auch Kläre Ziegler an ihrem Platz. Sie treibt die Mädchen des Hauses an, daß sie wie eine Schar auf gescheuchter Vogel hin und her flattern, treppauf, treppab geht der tolle Reigen, und Kläre sicht ruhig über dieser Hast. Als die Wagen vorfahren, sieht sie aus wie ein strahlender Sommermorgen, elegant und unberührt von aller Aufregung, vornehm in ihrem gutsitzenden, hellen Kostüm. „Geben Sie mir den Staubmantel, Marie", unb während sie ihn überzieht, sagt sie zum Chauffeur: „Warum quälen Die sich so mit dem Koffer ab, man sieht doch mit einem Mick, daß er da nicht hineinpaßt, bringen Sie ihn in den zweiten Wagen." Ja, Kläres Augen sind überall, alles was recht ist. Mit einem Blick und einem Wort bringt sie Ordnung in dieses Chaos von Koffern, Handkoffern und Taschen.
Von Klarissa und Anne kann man das nicht sagen, sie haben unruhige Augen -und hastige Bewegungen. Sie fahren mit zur Kreisstadt, denn heute abend geht Annes Dampfer in See. Und das
ist es nun, sie haben sich diese Reise leicht vorge- stellt, lieber Gott, sieben Tage durch die Welt, da» ist ein Katzensprung sozusagen. Aber nun zeigt e» sich, daß beiden die Trennung schwer wird. Klarissa denkt: „Wenn ich zurückkomme, ift Anne nicht da, und das Haus ist groß und leer ohne das Kind-"' Für Anne aber versinkt schon jetzt der Birkenhof, und das schmerzt, als würde ein junger und starker Baum entwurzelt. Sie gehen beide, ganz verloren an ihre Gedanken, umher. Da ist es gut, daß Kläre noch hier ift, die an alles denkt: „Vergiß den Schirm nicht, Anne. Am besten, du steckst ihn noch da in den Koffer. Hast du auch die Schlüssel?"
Natürlich hat sie die Schlüssel vergessen, ja, und die Handtasche liegt auch in ihrem Zimmer. Sie rast die Treppe heraus. Oben steht es wüst aus. Das Bett ist noch nicht gemacht, alles liegt herum wie nach einer Schlacht. Annes Heimweh macht schon jetzt einen tollen Sprung.
Endlich fahren die Wagen ab. Sie sind alle, fo gut es geht, verstaut. Menschen und Gepäck sind untergebracht. Die Mädchen stehen und winken, Marie meint. „Komm gut wieder, Anne." Ihre Stimme schrillt wie ein Angstschrei. Anne schluckt an Tränen. Sie sitzt mit Irene Waitz und den Jungen im zweiten Wagen. Als sie am Birtenwäldchen vorüberkommen, können sie an einer Stelle durch die Stämme auf den Acker sehen, der hinter dem Wald beginnt. Anne dreist den Kovst weil sie den Ausblick liebt. Irene Waitz wendet sich auch im Sitz. So sehen sie beide, daß ein Mann in hohen Schaftstiefeln breitbeinig auf dem Feld steht. Es ist der letzte Acker, von dem das Korn noch nicht eingebracht ist. Er wendet ihnen den Rücken zu und kehrt sich nicht um, obgleich er bi« Wagen wohl hören mußte. Das ist Paul Würz, der Gutsverwalter Paul Würz, und er wendet sich nicht um, er hebt nicht die Hand und winkt, nein, das tut er nicht. Breitbeinig steht er da und ruft einem der Feldarbeiter zu. Man hört feine Stimme, die Worte verficht man nicht. Es ist ja auch einerlei, unwesentliche Worte. Irene kchri sich mit einem Ruck zurück, sie sitzt blaß und still da, mit verschlossenem Gesicht. Anne sieht, daß auch Irene an Tränen schluckt, und so haben sie beide ihren Kummer und denken wohl, daß er hart und unbarmherzig ist. Die eine fährt aus der Heimat fort, nur sieben Tage wird sie fern fein, aber sieben Tage können angst machen. Die andere ist verliebt. Jung und verliebt ist sie, aber Paul Würz hat sich nicht umgedreht. Er hat ihr nicht zugelächelt und gewinkt. Ihre Liebe ist von Eifersucht zerfetzt. Sie ist auf Anne Wegner eifersüchtig, die sie so schön findet wie keine zweite Frau unter allen, bie ste kennt. Und sie haßt Anne, well sie schön ist.
(Fortsetzung folgt)


