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Die Ausgabe des Vezirksverwaltungsgerichts.

Grundsätzliche Erklärungen des Landrats Or. Lotz.

Vor der ersten Sitzung des Jahres 1939 des B e - zirksverwaltungsgerichts Gießen am Samstag führte der Vorsitzende des Bezirksverwal­tungsgerichts, Londrat Dr. Lotz, die von dem Herrn Reichsstatthalter in Hessen Landesregie­rung neu ernannten Mitglieder und Stellver­treter unter Ueberreichung der Ernennungsurkun­den wie von uns am Samstag bereits berich­tet in ihr Amt ein.

Landrat Or. Lotz

machte dabei grundsätzliche Ausführungen über die Frage, ob im nationalsozialistischen Staat noch eine Verwaltungsgerichtsbarkeit am Platze fei. Er wies darauf hin, daß schon aus der Tatsache, daß der Staat die Verwaltungsgerichte beibehalten habe, zu entnehmen sei, daß auch die nationalsozialistische Staatsführung die Auffassung einer Beibehaltung der Verwaltungsgerichte vertrete. Da im Mittelpunkt unseres Lebens im nationalsozialistischen Staat der einzelne aber nur noch als Glied des Volkes Be­deutung und Anspruch auf Schutz habe, sei es im Dritten Reich nicht mehr die Aufgabe der Verwal­tungsgerichtsbarkeit, die Grund- und Freiheitsrechte des einzelnen gegenüber dem Staat sicherzustellen, sondern dem einzelnen Schutz zu gewähren gegen­über Maßnahmen der Verwaltung, wenn diese gegen die im Interesse der Gemeinschaft erlassene Ordnung verstoßen sollten. Der einzelne werde also nicht mehr geschützt als Einzelwesen, sondern nur als Glied der Gemeinschaft und in seiner Bedeutung für diese.

Der Vorsitzende verwies alsdann auf die nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten, die die Mit­glieder des Vezirksverwaltungsgerichts von 1933 bis 1938 bei ihrer Rechtsfindung hatten und die vor allem zwangsläufig daraus entstanden, daß es dem nationalsozialistischen Staat aus begreiflichen Gründen nicht möglich war, die Gesetzgebung der nationalsozialistischen Auffassung schnell genug an­

zupassen. Er verfehlte aber nicht, darauf hinzuwei­sen, daß die bisherigen Mitglieder des Gerichts all­zeit bemüht gewesen seien, ihre Entscheidungen aus nationalsozialistischer Grundeinstellung heraus zu treffen, und er dankte nochmals an dieser Stelle den ausgeschiedenen Mitgliedern für ihre verständnis­volle und für das Volk fegensreiche Mitarbeit. Er richtete an die neu ernannten Mitglieder den Appell,

Die Dolksbildungsstätte Gießen und die Orts­gruppe Gießen des Volksbundes für das Deutsch­tum im Ausland boten am Samstag einen Vor­tragsabend, der den Teilnehmern noch lange in an­genehmer Erinnerung bleiben wird. Sie hatten den Reiseschriftsteller Kurt H i e l s ch e r für einen Licht- bildervortrag in der Aula der Universität gewonnen, der über das ThemaRumänien, insbesondere das Deutschtum in Siebenbürgen" sprach.

Der Vortrag stellte das Ergebnis einer längeren Reise dar, die Hielscher auf Einladung der rumänischen Regierung in alle Teile des rumä­nischen Reiches unternommen hatte. Vor Antritt dieser Reise hatte er sich jedoch, wie er ausdrücklich betonte, bei der Gastgeberin, der rumänischen Re­gierung, vollkommen freie Hand vorbehalten, da er den verständlichen Wunsch hegte, sich völlig frei und unabhängig überall da umschauen zu können, wo es ihm geraten schien und wo e r sich nach seiner eigenen Entscheidung die besten Reiseergebnisse ver­sprach. So hat er von vornherein bewußt davon Abstand genommen, die großen Städte und die in allen Fremdenführern verzeichneten Plätze aufzu­suchen. Er ist seine Straße völlig abseits der sog. Fremdenkarawanen gezogen und hat sich mit allem Vorbedacht dorthin begeben, wo sonst kaum einmal ein Fremder sich hinverirrt.

daß auch sie im gleichen Geiste ihre Aufgaben er­füllen sollten.

Landrat Dr. Lotz streifte hierauf nochmals die Organisation der Derwaltungsgerichtsbarkeit und die Bedeutung des Vezirksverwaltungsgerichts als Mittelinstanz.

Der Referent des Vezirksverwaltungsgerichts, Regierungsrat Dr. Krüger, machte hierauf die Mitglieder in eingehenden Ausführungen mit dem Verfahren vor dem Bezirksverwaltungsgericht be­kannt.

Hierauf wurden die einzelnen Mitglieder ver­eidigt.

Von diesen Fahrten und Besuchen abseits der all­gemeinen Verkehrsstraßen wußte Hielscher in seinem etwa zweieinhalbstündigen Vortrag fesselnd zu erzählen. Er legte dabei Gewicht darauf, in un­gezwungenem Plauderton seinen Hörern all das darzubieten, was er auf diesen Reisen in überaus reichem Maße erlebt hat. Da konnte man mit' dem Redner die herrliche, wilde Einsamkeit der Kar­pathen kennen und erleben lernen, mit ihm in froher Gemeinschaft an den Ufern der Donau beim Eiser­nen Tor stehen und dann mit chm überall in der Dobrudscha herumwandern, Bessarabien einen inter­essanten Besuch abstatten und dann in mancherlei Ausschnitten Land und Leute und Leben in der weiten Walachei kennenlernen. Als Höhepunkt des Vortrages erlebte man hierauf den Besuch bei den Deutschen, den sog. Sachsen in Siebenbürgen, deren Leben der Vortragende mit viel Liebe zu diesem kernigen Stamm des deutschen Volkstums plastisch vor den Augen der Hörer sichtbar werden ließ. Da­bei verfehlte er nicht, vor allem auch die großen Werte aufzuzeigen, die unter dem Gesichtspunkt der Pflege des deutschen Volkstums in jenem Teile Rumäniens seit Jahrhunderten mit treuer Liebe be­wahrt werden und die zum Segen des Gemein­schaftsleben dieser volksdeutschen Menschen lebendig sind. Neben den seelischen Faktoren dieser deutschen

Volksgemeinschaft machte er aber auch zahlreiche sichtbare Werte und Eigenschaften erkennbar, die dort ihre sorgsame Betreuung finden, nämlich die altehrwürdigen, herrlichen Trachten, die schönen Sit­ten und Bräuche, die bewundernswerten Bauten und Handwerksarbeiten und vieles andere mehr. Daß er auch die herrliche Landschaft der Gegend um Hermannstadt und Kronstadt herum mit aller Liebe zu schildern verstand, versteht sich von selbst.

Eine große Fülle von gut projizierten Lichtbil­dern, die sämtlich eigene photographische Aufnah­men des Vortragenden auf die Leinwand brachten, bereicherten die anschaulichen Erzählungen in vor­trefflicher Weise. Die wunderbaren Bilder, Werke eines die Landschaft und die Menschen mit wahr­haft künstlerischem Blick und mit feinstem Empfin­den sehenden und erlebenden Menschen, waren An­laß zu reicher Freude und wurden oft mit Aus­rufen der Bewunderung begrüßt.

Dem Vortragenden wurde, als äußeres Zeichen des Dankes der Hörer, für die fesselnde Schilderung und für die wunderbaren Bilder starker Beifall ge­spendet. Der Kreisreferent des Deutschen Volksbil­dungswerkes, Dr, Heidt, gab dem Dank der Hö­rer in herzlichen Worten an den Vortragenden Aus­druck. ________________________________________________

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach» mittag geschloffen

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigenTeili ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 38: 10843. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Jllu- strierten-15 Pf mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig

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