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Lr. 75 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Mittwoch,29.MSl^ 1939

Lrichenn täglich, außer Sonntags und Feiertags letlagen: Die Illustrierte Bietzener Familienblätter h,eimat im Bild - Die Scholle

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Spaniens Hauptstadt feiert ihre Befreiung.

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Unser Bild zeigt einen Ueberblick über die unter dem Regime Primo de Rivera mit modernen Geschäftshäusern geschmückte Innenstadt von Madrid. Links das Telephon-Hochhaus, seinerzeit das höchste Europas. (Scherl-Bilderdienst-M.)

E. P. Burgos, 28. März.

Das Schicksal Madrids ist besiegelt. Nachdem es etngen Abteilungen der Truppen des Generals ffcmco bereits in den Abendstunden des Montag gcungen war, in verschiedene Vororte der Hmptstadt einzudringen und die überaus stark be- feiigten Straßenzüge zu besetzen, sahen die Ma- diLer Machthaber ein, daß weiterer Wider­st nd zwecklos war.Oberst" Casado vom MdriderVerteidigungsausschuß" hielt in den Wagenstunden des Dienstag über den Rundfunk em Ansprache, in der er die Bevölkerung auf- foDerte,Ruhe zu bewahren". Obwohl Casado kenerlei sonstige Anspielung machte, begriff doch di Bevölkerung sofort, daß das Ende der ritte n Herrschaft gekommen war. Kurz dc.auf bestätigte es sich denn auch, daß sich der ^rteidigungsausschuß" entschlossen hatte, die Stadt

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(fine Karte der wichtigsten Bauten in Madrid. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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v S. LORENZO

Dem Truppen des Generals Franco fiu übergeben. Im Laufe der Nacht hatten sich i niMordwesten und Süden von Madrid starke Ab- ttlmgen der Milizen den Nationalen ergeben. Des- |)ii vollzog sich das Vorrücken der nationalspani- schn Truppen in die Hauptstadt nahezu kampflos.

sereits in den frühen Morgenstunden des Diens- lec hatten sich vor dem Sitz desVerteidigungs- rir-chusses" große Menschenmassen angesammelt, die Im.er wieder in Sprechchören die sofortige Beendi- jmg des Krieges und die Uebergabe der Stadt ver­ölten. Zu gleicher Zeit wurden überall in Madrid fvtii ß e Fahnen gehißt. Nationalspamsche Mer, die über der Hauptstadt kreisten, konnten machten, wie die Menschen irt den Straßen Fah- nr Wimpel und Tücher schwenkten und sich die Be ige zu den Straßen drängte, auf denen die na- fimlen Truppen heranmarschierten. Wie ein Lauf- tuttr verbreitete sich dann durch die Stadt die Nach- ih . daß derVerteidigungsausschuß" die Aufgabe «zlahen Widerstandes beschlossen hatte. Nach dieser Bin eilung brach die Menge in den Straßen in be» [djserte Hochrufe auf General Franco und die na- vmlen Truppen aus. Alsbald sah man auf den rjlsr von den Roten besetzten Amtsgebäuden die ctmldrote Flagge Nationalspaniens wehen. In den Nvagsstunden wurden von dem Sender Madrid »m erstenmal die Nationalhymnen und die Lieder - brsFalange gespielt. Dann brachte der Sprecher bsiSenders Hochrufe auf den Befreier Spaniens, Lrrsral Franco, und seine Truppen aus. Er er» Hirse, nun sei die Tyrannei verschwunden, Ordnung L'LMerechtlgkeit kehrten wieder zurück. Weiter wur- [fitibte Falangischen aufgefordert, sämtliche Mi- n sofort zu entwaffnen.

! x -reits in der Nacht zum Dienstag konnte von 1 « mationalfpanifchen Stellungen vor Madrid be- 1 ihegtet werden, daß zahlreiche Kommun- 1 ifien die Stadt verließen und nach Va- n-cn flüchteten. DerVerteidigungsausschuß soll (ißt! in Bewegung gesetzt haben, um seinen Mit- g liel-sern und Anhängern zur Flucht zu verhelfen. \ Kieses heißt, soll auchOberst" Casado gellohen fern.

|D?b nationalen Truppen waren in der Nacht zum L Öiiwtag bereits in das Universitätsviertel «lügödrungen und hatten den von den Roten stark 1 imebauten Madrider Vorort B e l l a v i st a be- jlejt der bei dem ersten Ansturm der nationalen ® tilgen auf Madrid im Jahre 1936 Schauplatz f^ilMutiger Kämpfe war. Ueber Bellavista rückte 115* auch Napoleon nach Madrid ein. Seit dem 1|1 November 1936 standen sich hier die nationalen Llr) Toten Truppen in harten Kämpfen gegenüber.

mtwickelte sich durch den Ausbau der Häuser i! iti ^Straßen eine einzigartige Front, an der die c Bpser sich an verschiedenen Stellen nur mit einem Wt:nb von wenigen Metern gegenüberstanden. 3hci das heftige Ärtilleriefeuer sind die Gebäude äte: Iniversität nur noch Ruinen.

Her Einmarsch der nationalspanischen Kolon- niei iach Madrid begann genau um 13.10 Uhr vom Lbri rfitätsDiertel her über die Puento de los Fran­cs ^|s Trotzdem durch die Uebergabe der Stadt die niacnalspanischen Operationen, die eine vollständige Gfifscifung vorsahen, erheblich beschleunigt werden

mußten, sind doch durch die angeordnete sofortige Besetzung Madrids keinerlei Stockungen eingetreten. Im Rundfunksender der Union Radio hat bereits ein Nationalspanier die Sendungen übernommen und gibt der Bevölkerung laufend Mitteilungen über die Entwicklung durch. Die sich auf den Straßen zum Empfang der nationalen Truppen ansammeln­den Menschenmassen vergrößern sich immer weiter. Sämtliche Geschäfte haben geschlossen, um den An­gestellten die Teilnahme an den Empfangsfeierlich­keiten für die Soldaten Francos zu ermöglichen. Alle Fenster und Balkone sind mit freudig erregten Menschen besetzt, die ungeduldig Ausschau nach den Befreiern halten. Auch die Dächer der Häuser füllen sich immer mehr mit Begeisterten. Große Freude hat unter der Bevölkerung die durch Rundfunk ver­breitete Nachricht ausgelöst, daß die Verpflegung der Stadt gesichert fei.

Unmittelbar nachdem innerhalb der Bevölkerung von Madrid die Nachricht bekannt, wurde, daß der Verteidigungs-Ausschuß" kapituliert und die Stadt Geneval Franco ausgeliefert habe, verschwanden von allen öffentlichen und privaten Gebäuden schlag­artig die Fahnen des früheren Regimes. Seit lan­gem waren von den Anhängern General Francos in der Madrider Bevölkerung rot-goldene national­spanische Flaggen in großen Mengen hergestellt worden, die nun, vermischt mit weißen Fahnen, auf einen Schlag die Hauptstraßen der Stadt schmucken. Als noch kein einziger Soldat General Francos die Madrider Innenstadt betreten hatte, gingen die Madrider Einwohner bereits dazu über, sich offen mit dem faschistischen Gruß zu grüßen. Als dann die ersten Panzerwagen und Lastkraftwagen mit nationalspanischen Truppen durch die Stadt fuhren, schallte den Befreiern ein unbeschreib­licher Jubel entgegen, der zeigte, unter welch furchtbarem Druck die Bevölkerung der Stadt wäh­rend der mehr als zweieinhalbjährigen sawjetspani- schen Schreckensherrschaft gelebt hat. Selbst Ange­hörige der raten Milizen, die in Scharen vor den herannahenden natianalspanischen Abteilungen in die Madrider Innenstadt geflüchtet waren, stimmten, nachdem sie sich ihrer Waffen entledigt und die roten Abzeichen von ihren Uniformröcken gerissen hatten, in den Jubel ein, der den nationalspanischen Trup­pen entgegenschallte.

Unmittelbar, nachdem die ersten nationalspanischen Abteilungen in Madrid eingerückt waren, kamen auch die Lebensmitteltransporte, die von nationaler Seite bereits seit mehreren Tagen vor den Toren der Stadt zusammengestellt worden waren, ins Innere der Stadt. Sie wurden mit einem Jubel ohnegleichen von der völlig ausgehun­gerten Bevölkerung, besonders den Frauen und Kin­dern, begrüßt. Während die ersten Lastzüge von Soldaten und nationalspanischen Vertrauensleuten ausgeladen und ihr Inhalt unter die Bevölkerung verteilt wurde, rollte unaufhörlich ein Lebensmittel­wagen nach dem anderen heran. Inzwischen war die Besetzung der Stadt durch nationalspamsche Truppen vollkommen durchgeführt worden. Die mit Revolvern und Karabinern bewaffneten national- spanischen Zivilisten, die im Augenblick des Zusam­menbruchs der bolschewistischen Herrschaft alle stra­tegisch wichtigen Punkte in Besitz genommen und gesichert hatten, wurden allenthalben von Abteilun­gen der nationalsvanischen Armee abgelöst.

Die politischen Flüchtlinge, die bisher seit 32 Monaten das Asylrecht der diplo­matischen Vertretungen des Auslan­des genossen haben, strömten auf die Straßen und versammelten sich zu einer Dankkundgebung vor dem Hause des Falange-Gründers Jose Antonio

Primo de Rivera, der von den Bolschewisten in Ali­cante ermordet wurde. Nach einem stillen Gedenken an diesen ersten Blutzeugen der Bewegung fang die Menge der Befreiten tief ergriffen die bisher in sowjetspanischem Gebiet streng verbotene Falange- Hymne. Aus alten Falangisten ist eine proviso­rische Z iv i lv e rw a ltun g gebildet worden so­wie ein besonderer Ausschuß für die Aufrechterhal­tung der Ordnung, dem in Madrid versteckte oder in den dortigen Gesandschaften verborgene nationale Kreise angehören. Trotz der riesigen Begeisterung und der zahlreichen Freudenkundgebungen aller Art über das Vordringen der nationalen Truppen ist es zu keinem einzigen Zwischenfall gekommen. Die Bevölkerung wahrt bewundernswerte Disziplin und die freiwilligen Mitglieder des Ordnungsdienstes sorgen für reibungslose Abwicklung aller Kund­gebungen und Geschehnisse.

AnderBeseitigungderBefestigungen und Barrikaden im Stadtinnern wird bereits fieberhaft gearbeitet. Die Zerstörungen in der eigent­lichen Stadt sind, abgesehen von einigen Verwüstun­gen durch bolschewistischen Mob, nur gering. Da-

Madrid, 29. März. (DNB. Funkspruch.) Die Truppen Francos drangen am Dienstagvormittag in die Provinz Cuenca ein und besetzten den Ort Taracon, 80 Kilometer südöstlich von Ma­drid. Auf die Kunde hiervon brach in der 70 Kilo­meter von Taracon entfernten Provinzialhauptstadt Cuenca unter den roten Bonzen eine Panik aus; der größte Teil floh. Eine Gruppe entschlossener Falangisten brachte alle Verwaltungsstellen und Ka­sernen überraschend in ihre Hand, verhaftete die zu­rückgebliebenen roten Bonzen und rief i) i e na» tionale Herrschaft aus. Die Bevölkerung schloß sich begeistert dem Aufstand an, so daß sich schon in der Nacht zum Mittwoch ganz Cuenca für Franco erklärte, ohne daß bisher auch nur ein nationaler Soldat in die Stadt eingedrun­gen war. Auf den Verwaltungsgebäuden wehen die nationalen Farben. Der Rundfunksender Cuenca er­bat die Entsendung von Truppen, denen die Bevöl­kerung einen begeisterten Empfang bereiten walle. Die rote Herrschaft habe jetzt für immer ein Ende gefunden. Cuenca war von jeher sehr national ein­gestellt. Daher hat es auch unter der brutalen roten Herrschaft unsägliche Leiden durchmachen müssen. Aus Cuenca flammt auch Jose Antonio, der Gründer der Falange, der Abgeordneter für Cuenca war.

Die Machtübernahme durch die Falangisten i n C i u d a l Real, 170 Kilometer südlich von Ma­drid, erfolgte ähnlich wie in Cuenca durch lieber» rumpelung. Angesichts des schnellen Vormarsches der Kolonnen des Generals Yague auf Ciudad Real herrschte bei den örtlichen roten Machthabern große Nervosität. Zum Teil suchten sie das Weite. Van der Front zurückströmende rote Milizen taten das übrige. Falangisten, die sich bisher in der Stadt ver­borgen gehalten hatten, besetzten mit einem Schlage die wichtigsten Gebäude und riefen über den Rund­funksender dann Francos Truppen herbei. Die Roten wagten keinerlei Gegenmaßnahmen. Die Bevölke­rung stürzte sich auf die Straßen, wo es zu begei­sterten Kundgebungen kam.

gegen sind die Stadtteile, die innerhalb des roten Befestigungsgürtels lagen, völlig menschenleer und auf das schwerste zerschossen. Sie Bevölkerung, die sich heute zum erstenmal wieder in diese Viertel wagt, steht staunend vor riesigen Granattrichtern, in denen ganze Häuserblocks verschwunden find. Die größten Schäden wurden im Stadtteil Arguelles angerichtet, wo kaum noch ein Haus bewohnbar ist. Dankbar erinnert sich die Bevölkerung der großmüti­gen Haltung General Francos, der bekanntlich be­stimmt hatte, daß gewisse Stadtteile von Madrid innerhalb der Verteidigungsgürtels völlig geschont werden sollten, falls sich dort keine militärischen Ziele befänden.

Gegen 18 Uhr begann in Madrid eine große Befreiungskundgebung, an der alle Schichten der Bevölkerung teilnahmen. In der rie­sigen Begeisterung bildeten sich anschließend große U m z ü g e, die unter dem Gesang nationaler Lieder ihren Weg durch die Hauptstraßen nahmen. Bis in die Nacht hinein hatte sich die Menge noch nicht verlaufen. Sie kostete vielmehr feit langer Zeit wie­der einmal die Möglichkeit aus, sich auch des Abends auf den Straßen frei bewegen zu können, ohne so­gleich verhaftet zu werden. So strahlt Madrid in dem millionenfachen Schein aller Lichter der Stra­ßen und Wohnungen, die heute nach fast zweijähri- ger Pause wieder eine Festbeleuchtung einschalten können und durch die geöffneten Fenster das Licht auf die Straßen fluten lassen. Mit besonderer Freude wurde die Mitteilung aufgenommen, daß Mtttwoch am Toledo-Tor nach langer Pause wieder der erste Lebensmittelmarkt abgehalten wird.

Aach modernsten Grundsätzen befestigt.

Die meisten roten Bonzen geflohen.

General Espinosa de Los Monteros, der Chef der Befreiungsarmee, bezog Quartier im TheaterCapitol". Man ist darangegangen, die roten Waffenlager zu Übernehmen. Militärkreise be­tonen, daß die roten Verteidigungsanlagen bei Madrid nach den Grundsätzen modern- ster Kriegskunst erbaut sind, wobei der Ma­terialverbrauch so gut wie keine Rolle spielte. Deut­lich könne man die Anleitung auslän­discher Sachverständiger beim Bau der Werke bemerken. Zum großen Teil ist Madrid unterminiert. Die Roten wollten auf diese Weise jederzeit die Möglichkeit haben, ganze Stadt­teile in die Luft zu sprengen. Glücklicherweise konn­ten aber alle Zündleitungen rechtzeitig übernommen werden, ohne daß irgendwelches Unheil passierte. Allein das Madrider Modell-Gefängnis war mit 30 000 Kilo Brennstoffgesichert".

Alle roten Bonzen sind im letzten Augenblick geflüchtet, mit Ausnahme einiger Mitglieder desVerteidigungsrates". Von ihnen sollen Bes - keiro und Prada, der Befehlshaber der roten Madrid-Front, verhaftet fein.General" M i - a j a s Privatwohnung ist völlig leer vorgefunden worden. Er hat feine gesamte Wohnungseinrichtung mitgenommen. Er soll sich unterwegs nach Carta­gena befinden, von wo er Französisch-Marokko er­reichen wolle.

Vor dem Fall von Guadalajara.

Madrid, 29. März. (DNB. Funkspruch.) In nationalen Militärkreisen erwartet man für heute den Fall von Guadalajara, wo sich der größte Teil der Bevölkerung bereits mehr oder weniger offen für Franco erklärt hat. Die roten Bonzen flüchteten aus der Stadt. Guadalajara istfastvöl - lig von den nationalen Truppen ein» gekreist. Die freiwillige Uebergabe der Städte in der roten Restzone ist der beste Beweis für die rote Terrorherrschaft, hinter der so gut wie keine An­hänger aus der Bevölkerung standen. Diese benutzt nun den ersten Augenblick, um das rote Joch abzu­schütteln.

Auch Murcia in nationaler Gewalt!

Madrid, 29. März. (DNB. Funkspruch.) Der Rundfunksender Murcia gab Mittwoch früh bekannt, daß sich die Stadt Murcia an National­spanien angeschlossen hat. Die nationalen Elemente haben die Gewalt in der Stadt übernom­men. In Oran (Franz.-Marokko) sind Dienstag 14 rotspanische Militärflugzeuge aus Murcia mit 48 Personen an Bord eingetroffen.

Stürmische Fortschritte an allen Fronten.

Salamanca, 29. März. (DNB. Funkspruch.) Wie der nationale Heeresbericht meldet, schritt an der Andalusien-Front der Vormarsch im gleichen Tempo wie bisher fort. Nach Besetzung des Ortes Adamuz, 30 Kilometer nördlich von Cordoba, wurde der Vormarsch in Richtung auf Linares forgefetzt. Hier haben die Nationalen die Orte Mar­molejo und Andujar in Besitz genommen und sind somit schon bis auf 30 Kilometer an Linares heran» gefommen. Nördlich davon im Abschnitt Almaden gingen die Nationalen in östlicher Richtung auf

Luenca und Liudad Real durch Handstreich der Falangisten in nationalem Besitz.