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Nr. 279 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)_________Dienstag, 28. November 1939

die Finsternis.

nach Hastfe gebracht, deren Auswertung im körn? menden Sommer in einem größeren Werk veröst

ditiönsfchiff führte auch zwei Flugzeuge mit sich, in diesem GMet der Antarktis von größter Bede^ die katapultiert wurden, um eine Gefährdung der tung. Bei den Flügen der deutschen ExpMtiA Flugzeuge durch Starts auf das Packeis zu ver- wurde ein Gebiet von rund 600 000 qkm ©roto meiden Der Redner schilderte zunächst den ange- entdeckt, d. h. das zum erstenmal aufgesuchte und

etwas. Eine

zuziehen bemüht ist, aber in diesem Vorhaben ernt Kameradschaftsgeist der Tänzerinnen scheitert.

Hermann Jockisch.

trat.

Dann berichtete Kapitän Ritscher in fesselnder und sehr aufschlußreicher Weise über den Verlauf der von ihm geführten Deutschen Antarktischen Ex­pedition 1938/39. Die Ausreise dieser Forscherge­meinschaft wurde mit dem für die Expeditionszwecke hergerichteten DampferSchwabenland" am 17. De­zember 1938 von Hamburg angetreten. Auf dem Schiff waren alle technischen Vorbedingungen ge­schaffen worden, um einen möglichst weitreichenden Erfolg der Expedition sicherzustellen. Das Expe-

zu laufen beginnt, so muß er den Schuldner ver­anlassen, die Schuld durch Abschlagszahlung, Zins- zahlung, Sicherheitsleistung, besondere Erklärung oder dergl. anzuerkennen. Der Schuldner unter­bricht die Verjährungsfrist auch durch Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist (VO. v. 7. 10. 39). Erfolgt die Anerkennung des Zahlungsanspruchs des Gläubigers seitens des Schuldners vhne An­gabe des Schuldgrundes (sog. abstraktes Schuld­anerkenntnis), so ist die allgemeine Verjährungsfrist von 30 Jahren maßgebend. Mangels Anerkennung seitens des Schuldners muß der Gläubiger zwecks Unterbrechung der Verjährungsfrist Klage erheben oder einen Zahlungsbefehl zustellen lassen; eine

fentlicht werden soll. Die Ergebnisse der ersten For, schungstätigke'it sind für unsere weiteren Arbeiten!

lind Plakat stehen, zog eine Zeitschrift aus der lasche und begann zu lesen. An ihrem linken Arm

Drei Dinge trugen zur Geburt der Schlange bei: erstens ein herabgelassener eiserner Rolladen, zwei- lens ein schönes, rotes Plakat und drittens ein

Geburt einer Schlange

Don Kurt G. v. Fischer.

»urch Die Straße, ytur unser ooen

| Stilleben änderte sich nicht. Das Mädchen stand da Und las.

Plötzlich aber ereignete sich doch Iran blieb auf der anderen Straß

In den ersten Tagen des Februars 1939 stellten sich die Vorboten des beginnerchen Winters ein. De« antarktische Sommer war vorbei, und nun mußtet die Expedition mit ihren Arbeiten Schluß machens Am 6. Februar 1939 wurde die Rückreise an-getre» ten, am 6. März kam das Schiff in Kapstadt an^ am 12. April traf es wieder in Hamburg ein. Ins, gesamt hat die Expeditionsfahrt 117 Tage gedauert, Die Expedition hat eine reiche wissenschaftliche Aus^ beute auf allen von ihr bearbeiteten Gebieten mit

taumelte eine Tasche.

Fünf Minuten vergingen, Straßenbahnen klin­gelten vorüber, Männer eilten ins Büro, der leb­hafte Verkehr der frühen Morgenstunden pulste k»urch die Straße. Rur unser oben beschriebenes

Für die Verjährung von Forderungen ist zur , Zeit die Bestimmung maßgebend, daß die Ver- jährungsfristen b i s auf weiteres ge - ( hemmt find (VO. v. 1. 9. 39 Art. 8 Reichsge- fetzbl. I S. 1658). Damit ist die allgemeine Vor- schrist des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 203) er­weitert, nach .der die '^Verjährung nur gehemmt wäre, solange der Gläubiger durch Stillstand der Rechtspflege, oder in anderer Weise durch höhere Gewalt (gegebenenfalls infolge Krieg) innerhalb der letzten 6 Monate der Verjährungsfrist an der Rechtsverfolgung verhindert ist. Die Hemmung der Verjährungsfrist bedeutet, daß der Zeitraum, wäh­rend dessen die Verjährung gehemmt ist, in die Verjährungsfrist nicht eingerechnet wird, das heißt nunmehr allgemein der Zeitraum vom 6. 9. 1939 bis zur Aufhebung der neuen Vorschrift. Dies gilt auch für Fristen, die für die Beschreitung des Rechtsweges oder die anderweitige gerichtliche Gel­tendmachung von Rechten vorgeschrieben sind, sowie für sonstige Fristen (z. B. Ausschlußfristen), auf die sonst § 203 DGB. ganz oder teilweise entsprechende Anwendung findet. "Im einzelnen wird folgendes zu beachten sein:

Ende 1939 laufen zunächst noch nicht ab die vierjährigen Verjährungsfristen für die im Jahre 1935 entstandenen Ansprüche der Kaufleute, Fabrikanten, Handwerker für Lieferung von Waren, Ausführung von Arbeiten usw., sofern die Leistung für den Gewerbebetrieb des Schuldners erfolgt ist, die Ansprüche auf Rück­stände von Zinsen und Tilgungsbeträgen aus 1935, von Miet- und Pachtzinsen aus 1935 für Grund­stücke, Gebäude, Wohnräume Usw., schließlich die Ansprüche auf Rückstände von Renten, Auszugs- leistungen, Besoldungen, Wartegeldern, Ruhegehäl­tern, 'Untethaltsbe^iträgen und andere regelmäßig wiederkehrende Leistungen aus 1935. Vielmehr muß, wenn die Aufhebung der Vorschrift über die der­zeitige Hemmung der Verjährungsfristen nach Ende 1939 erfolgt, noch ein Zeitraum von 117 Tagen vergehen, bevor die Verjährung ein tritt.

Das gleiche gilt für Ende 1939 hinsichtlich der zweijährigen Verjährungsfristen für die im Jahre 1937 entstandenen Ansprüche der Kaufleute, Handwerker usw. für Lieferung von Waren, Ausführung von Arbeiten und Besorgung fremder Geschäfte mit Einschluß der Auslagen, so­fern die Leistung nicht für den Gewerbe­betrieb des Schuldners erfolgt, der Land­wirte für die Lieferung ihrer Erzeugnisse, wenn die Lieferung zur Verwendung im Haushalt des Schuldners vorgenommen ist, Fuhrunternehmungen wegen des Fahrgeldes, der Fracht usw. mit Ein­schluß der Auslagen, die Ansprüche von Aerzten, Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern, Gerichtsvollziehern, Sachverständigen, Zeugen, Rechtskonsulenten, StellenveriUittlern und sonstiger Personen, die die Besorgung fremder Geschäfte und die Leistung von Diensten gewerbsmäßig betreiben, wegen ihrer Vergütung neoft Auslagen, der Ange­stellten und sonstigen Personen, die im Privatdienst stehen, sowie der gewerblichen Arbeiter (Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter) wegen der Ge­halts-, Lohn- oder sonstigen Bezüge einschließlich der Auslagen, der Arbeitgeber wegen Rück­forderung von Vorschüssen, der Lehrherren und Lehrmeister wegen des Lehrgeldes und sonstigen Leistungen aus dem Lehrvertrage, sowie weitere in § "196 des Bürgerlichen Gesetzbuches ausge­führte Ansprüche ähnlicher Art, die im täglichen Leben entstehen.

Irgendwelche Maßnahmen zur Ver h Ände­rung der Verjährung sind bei dieser Rechts­lage zur Zeit nicht erforderlich. Will der Gläubiger aber die Verjährungsftist schon mit der Wirkung unterbrechen, daß nach Aufhebung der Vorschrift über die Hemmung eine neue F r i st

außergerichtliche Mahnung oder Zahlungsaufforde. rung genügen nicht. Die auf diese Weise unterbro­chenen Verjährungsfristen beginnen zur Zeit mehr neu zu laufen, da die Verjährung, wie eingangs ausgeführtf gehemmt ist.

Die allgemeine Hemmung der Deriahrungssristen gilt u. a. auch für die Ansprüche auf Wandlung, Minderung oder Schadensersatz aus einem Kauf» vertrag, die entsprechenden Ansprüche aus einem Werkverträge, auf Schadensersatz aus unerlaubter Handlung, gegen Lagerhalter, Frachtführer, Spedi­teure, die Eisenbahn usw. nach dem Handelsgesetz­buch.

Deutsche Forscher inAeu-Schwabenland"

Kapitän Ritscher spricht in Gießen über die Deutsche Antarktische Expedition 1938/39.

ner nennen Pommern ihre Heimat, Hans Stüwe ist Mecklenburger, Paul Wegener, Harry Liedtke, Charlott Da udert und Jrmingard S ch r e i t e r stammen aus Ostpreußen. Rur Hans S ö h n k e r und Harald Paulsen vertreten das holsteinische Land. Söhnker ist Kieler, Paulsens Wiege stand in Elmshorn, wo sein Vater als Kapellmeister tätig war. Beide sollten Kaufmann werden, beide hielten es nicht aus in dem ihnen vom Vater bestimmten Beruf. Söhnker immerhin noch länger als Paulsen, der bereits nach wenigen Tagen davonlief. Er kehrte mit der Lehrstelle auch der Heimat den Rücken. Ganze sechzehn Sommer zählte er, als er Elmshorn verließ, um in der Welt sein Glück zu versuchen. Er wandte sich dem Theater zu. Aber was tauschte er ein gegen die Enge der Heimat? Ein unstetes Wanderleben mit unendlich viel Rot und Beschwernis, aber eben doch ein Leben, das ihm die Welt erschloß. Die Schmiere stellte härteste Anforderungen an den jungen Schau- spieler, der sich in vielerlei Kunstfertigkeiten bewäh­ren mußte, vom Bärtekleben und Kulissenftreichen bis zum Knöpfeannähen. Doch nie hat er es be­reut, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

Den Weltkrieg macht Paulsen als Frontkämpfer mit und zweimal wurde er verwundet. Schließlich trat er einem Fronttheater bei, und dessen feld­graues Publikum gehört noch heute zu seinen lieb­sten Erinnerungen, so dankbar war es. Dann, mit einem Male, war er in Berlin,beglückend plötz­lich", wie er es ausdrückt. Hier kam ihm zustatten, was er gelernt hatte, das Singen und das Tanzen, namentlich das Tanzen. Solche Vielseitigkeit hatte man in der Reichshauptstadt noch kaum erlebt. Die Operette gewann durch Harald Paulsen ein ganz anderes Gesicht wer konnte denn steppen wie er oder Rad schlagen oder gar einen Salto wagen? Durch ihn kam ein artistischer Zug in den bis dahm üblich gewesenen Tanz. Seit 1938 ist Harald Paul­sen Intendant des Theaters am Nollendorf platz.

Sehr früh kam er zum Film, im Jahre 1920 stand er zuerst vor der Kamera, und noch in den Tagen des Stummfilms spielte er mehr als vierzig Rollen. Das Auftommen des Tonfilms konnte die­sem Darsteller mit der klaren, pointenreichen Sprache keine Schwierigkeiten bieten, und die Pro­duzenten zogen ihn natürlich freudig zur Mitarbeit heran. Sein erster Tonfilm heißtEine schwache Stunde", sein jüngster istWir tanzen durch die Welt", den Karl Anton für die Tobis gedreht hat. Paulsen spielt hier einen Ballettmanager, der die Tanzgruppe der Jenny Hill (Lucie Höflich) zu sprengen und die jungen Mädchen zu stch hinüber-

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater-. 20 bis 22.30 UhrDie lustigen Weiber von Windsor". Gloria-Palast (Selters- ®eg):Schneider Wibbel". Lichtspielhaus (Bahn- hosstvaße):Fürst Woronzeff".

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Dienstag findet die erst^ Wieder- choluna von Nicolais komischer OperDie lustigen Weiber von Windsor" statt. Musikalische Leitung Paul Walter, Spielleitung Harry Grüneke Büh­nenbild Karl Löffler, Chöre Richard Boeck. Tanze Thea Maaß. 9. Vorstellung der Dienstag-Miete.

fröhlicher Gemeinschaft den Sieg des Lichtes über " R. B.

Wenn man sich einmal die Mühe macht und der landsmannschaftlichen Zugehörigkeit der heutigen Schauspieler nachgeht, fo kommt man zu dem Er. aebnis daß die weitaus meisten ^Künstler rm Süden beheimatet sind und nur vergleichsweise wenige aus d^m Norden stammen. Dabei fällt es weiterhin au , öaft die Schauspieler norddeutscher Herkunft saft alle in den Landstrichen östlich der Elbe 3" Haus sind und von der Waterkant komimn Carola Höhn aus ^Wesermünde ist die einzige Westelbierm. Hans Albers ist Hamburger, Karin Hardt wurde in Altona geboren, Peter Voß 1ft^orö' f riefe, Aribert Wäscher Schleswiger, ferner L - r, Heinrich George. Hilde Werß-

,/Schneider Wibbel."

Der Schneider Wibbel, tot und lebendig, wie ev zu gleicher Zeit zu sein hat, ist nunmehr auch nt den Film eingegangen, und die unverwüstlich^ Müller-Sch lössersche Komödie, die dafü« Pate gestanden hat, ist dabei in aller Treue über« nomen worden. Mit dem Schneider Wibbel ist es so, daß er in angeregter Stimung seinem oater* ländischen Herzen gegen Napoleon Luft macht und dabei sich etliche Majestätsbeleidigungen zuschulden' kommen läßt, wofür er nun vier Wochen lang ins Kaschott" soll. Aber seine schlaue Frau Fin meint, daß er, des Geschäftes wegen, gar nicht selbst diese vier Wochen absitzen sollte, das könne vielmehr ein anderer sein, vielleicht der Geselle Zimpel, der nicht so viel versäume. Der Zimpel findet sich für einen Taler pro Tag auch dazu bereit und wandert, aus­gestattet mit Wibbels Papieren, ins Gefängnis. Da aber hat der arme Kerl das Pech, an einer Lungen­entzündung zu sterben! Amtlich gesehen ist also Wib-, bei tot! Der aber sitzt mißvergnügt und sorgfältig verborgen gehalten imKabäuschen" zu Hause und darf sich nicht zeigen, woraus sich in der Folge na» türlich Schwierigkeiten ergeben, die erst restlos be­hoben werden, als die Franzosen abziehen und dis Gefahr vorüber ist, die vier Wochen vielleicht doch noch absitzen zu müssen.

Der Film machte aus der originellen Handlung schon rein äußerlich mehr, als es je dem Theater möglich wäre. Da wurde das beginnende 19. Jahr­hundert in allen stimmungsmäßigen Elementen auf« gebaut und mit großer Lebendigkeit erfüllt, unteti der allerdings auch manchmal die Klarheit des Bildes leidet. Der Staatsschauspieler Erich P o n t o stellte mit ungewöhnlichem Temperament den Schneider Wibbel"bar, Fita Benkhoff als seine Frau Fin qab ihm darin kaum etwas nach. Eine ausgezeichnete Figur gab Günther Lüders als der schüchterne Geselle Zimpel. Irene von Meyendorff und Friedrich Genfer verkörperten in einigen hübsches Szenen das Liebespaar, das in diesem Film selbst­verständlich nicht fehlen durfte. Noch viele anders ausgezeichnete Darsteller verhalfen dem Filmwerk unter der Regie von Viktor d e K o w a zu einer er­staunlichen Lebendigkeit. Mit besonderer Freude stellt man fest, daß für den Film sehr sorgfältige Kostümstudien gemacht worden waren.

Heinrich Ludwig Neunen

nehmen Verlauf der Hinreise über das Weltmeer, die am 19. Januar 1939 mit der Ankunft an der Eisgrenze ihren Abschluß fand. Aus dieser Fahrt waren, je näher die Eisgrenze heranrückte, immer mehr Eisberge zu passieren, von deren gewaltigem Ausmaß der Redner seinen Hörern eine deutliche Vorstellung gab. Alsbald nach der Ankunft des Schiffes vor dem ewigen Eis begann die For­schungsarbeit der Expedition unter weitgehendem Einfatz der Flugzeuge. Die Ergebnisse dieser Flüge teilte der Redner in eingehender Schilderung seinen Hörern mit, so daß jedermann eine anschauliche Kenntnis von den vielfältigen wissenschaftlichen Resultaten der Forscherarbeit erlangen konnte. Neben diesem Erfolg der Arbeit war Die Tatsache besonders erfreulich, daß bei allen Flügen und auch bei den Arbeiten auf der Eisfläche selbst so­wie im Bereich des ewig in Bewegung befindlichen Packeises keinerlei Unfälle zu verzeichnen warew Die Erforschung des von der Expedition in Bear­beitung genommenen Landbereichs erfolgte nicht nur in einer Anzahl Küstenflüge, sondern es wur­den auch über Hunderte von Kilometer führende Fernflüge in das Inland durchgeführt, um dort einen möglichst weitumfassenden Ueberblick über das Land, seine Formationen und seine Möglichkeiten zu gewinnen. Dabei stellte die Flugmannschaft u. a. eine Gebirgskette bis zu 4000 Meter Höhe weit im Jnlande der Antarktis fest. Die Ergebnisse die­ser Flüge waren so reichhaltig und so vielver­sprechend für die wettere forschungsmäßige Bearbei­tung dieses zum ersten Male von Menschen aufge« suchten Teiles der Antarktis, daß Kapitän Ritsche^ keinen Zweifel darüber ließ, wie wichtig es füt uns ist, die mit dieser Expedition eingeleitete gor* schungsarbett fortzuführen und zu einem vollen Er* folg auszubauen.

Der Goethe-Bund, Kaufmännische Verein und die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Arbeits­gemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" bereiteten am gestrigen Montagabend ihren Besuchern, die den Raum der Neuen Aula voll besetzten, ein Dor- ttagserlebnis besonderer Art. Sie boten ihnen die Möglichkeit, einen weitumfassenden Blick in die ferne und geheimnisvolle Welt der Antarktis zu tun und dabei einen Mann zu hören, der ihnen in reichem Maße Aufschluß über die neueste Tätigkeit der deutschen Forschung auf diesem Gebiete geben konnte.

Nach kurzen Gruß- und Einführungsworten des Geographen unserer Universität, Professor Dr. K l u t e , der u. a. in großen Zügen auf die starke Förderung der antarktischen Forschung durch das nationalsozialistische Deutschland hinwies, sprach der Leiter der Deutschen Antarktischen Expedition 1938/39 Kapitän Ritscher über die mühevolle und in vielerlei Hinsicht außerordentlich erfolgreiche Forschungsarbeit der Expedition. Nach einem ein­leitenden Blick auf die Entwicklung dieser For­schung, bei dem man u. a. feststellen konnte, daß Deutschland dabei von Anfang an mit in vorderster Front stand, machte er in großen Umrissen mit den wichtigsten früheren antarktischen Expeditionen deut­scher Wissenschaftler bekannt, wobei klangvolle Forschernamen wie Drigalsky und Filchner aus der Zeit vor dem Weltkrieg und die Entsendung des deutschen ForschungsschiffesMeteor" im Jahre 1927 nach der Antarktis in die (Erinnerung gerufen wurden. Die Machtübernahme durch den Führer brachte auch für diesen Zweig der deutschen For­schung einen gewaltigen Auftrieb, der nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht von großem Werte war, sondern auch mit seinen wirtschaftlichen Ausstrah­lungen, z. B. auf dem Gebiete des Walfangs und der daraus verstärkten Basis unserer Oelwirtschaft, zum Nutzen unseres Volkes stark in Erscheinung

wuchs sie. Nach zehn Minuten kroch sie bereits um die Häuserecke herum. Mit ihr wuchs aber auch die Kunde, die zu ihrem Entstehen Anlaß gegeben hatte. Die allerletzte Version lautete: Soeben sei ein Last­wagen mit großem Anhänger vorgefahren und hätte fünf Bottiche mit frischen Fischen abgeladen. Auch Karpfen und Forellen seien darunter gewesen. Eine Frau hatte sogar mit eigenen Augen be­obachtet, wie zwei starke Männer einen riesigen Kabeljau vom Wagen schleppten, der mit den Flos­sen wild um sich schlug.

So wartete die Schlange und wartete, und lang­sam wurden die Frauen ungeduldig, da der Roll­laden nicht und nicht in die Höhe gehen wollte, und die rückwärts Stehenden riefen zu denen m der Mitte, sie sollten doch sehen, was los sei, und Die in der Mitte riesen es weiter nach vorne, bis schließlich die zweite in der Reihe das lesende Mäd­chen auf die Schulter tippte und sagte:

Verzeihen Sie, bitte, wann sperrt die Fisch­handlung eigentlich auf?"

Das Mädchen im braunen Mantel, das die Ge­burt der Schlange verursacht hatte, blickte aus seiner Zeitschrift auf, in der es anscheinend einen spannenden Roman gelesen hatte, sah die Schlange zum ersten Male und fiel von einem Erstaunen ms ""^Welche Fischhandlung denn?" sagte es schließlich. Das Plakat gehört doch gar nicht zu diesem Ge- ^So?" sagte Frau Gruber mißtrauisch, und die anderen Frauen spitzten die Ohren.Warum haben Sie sich dann hier angestellt?

Das Mädchen brach in ein herzliches Lachen aus. Angestellt? Ich warte doch hier auf meinen Ver­lobten!"

Ein norddeutscher Schauspieler.

Aus der Stadt Gießen.

Monatswende.

Vielleicht mag unser LeitwortMonatswende" auf den ersten Blick etwas wie einen leichten Wi­derspruch in sich selbst mitsühreü, zumal wenn Vor­stellungen mitJahreswende" ober garZeiten­wende" mit ihren ungleich längeren Zeiträumen und ihren oft bis zur Gegensätzlichkeit gesteigerten Inhalten in unserem Bewußtsein mitauftauchen. Sicherlich kann sich nicht jeder Uebergang von einem Monat zum anderen neben diese größeren Brüder Meilen, aber auf der Schwelle zwischen November und Dezember will sich uns jenes stolzere Wort Dod> aufdrängen. Denn hier werden uns in verhält­nismäßig wenigen Tagen Herz und Gemüt gleich­sam durch große Spannungsfelder geführt.

Aus dem Glanz des Sommers und der Fülle des Herbstes heraus müssen wir das unaufhaltsame Ab- terben und Dahinsinken all der Herrlichkeit erleben, tiie wir noch vor Wochen mit so hungrigen Sinnen und festlichen Gefühlen in uns ausgenommen haben. Kein Wunder, daß unter dem lastenden Druck die- ie5 erschütternden Natur geschehens Schwermut bei uns einzieht und mit den immer kürzer, dunkler und kälter werdenden Tagen eine trübe Grund- liimmung uns zu überwältigen droht.

Aber schmal wie die Zunge einer Weiche im Schienenstrang legt sich an all die trübseligen Ge­danken und Gefühle leise die frohe Hoffnung auf iias wiederkehrende Licht mitsamt seinem jungen, wischen Leben. Noch gestern die kahlen Aeste und Zweige der Bäume und Sträucher im grauen liebel, aber schon dürfen wir an den kleinen, brau= nen Knospen unsere Sehnsucht nach grünen Blät­tern und farbenfrohen Blüten nähren. Die Felder inb leer und die Fluren von Menschen verlassen, während der grünende Schimmer der Wintersaaten unsere Augen aufleuchten läßt. Und schickt der No­vember feine Stürme brausend über das Land, daß Türen unb Fensterläden klappern, Laub massen in Wirbeln hochgehen und stolze Nadelbäume des Waldes in krachendem Fall ihre nährenden Wurzel- icheiben dem Verderben preisgeben müssen, so Itoren wir in diesem geisterhaften Abgesang der Na- tur doch auch das urgewaltige Motiv anklingen, das alles Faulichte, Morsche und Absterbende bricht und ftnwegfegt, um dem andrängenden neuen Leben Kaum zu schaffen.

Und geht jetzt unser Weg auch noch weiter ab­wärts durch Tage, die immer noch kürzer, dunkler und kälter werden, bald leuchten uns doch die jungen Ärahlen der Wintersonnwende entgegen wie dem Wanderer das Frührot in die dunklen Schneisen des Tannenwaldes. Ihre erlösende Wende aber vollenden Herz und Gemüt unter dem strah­lenden Tannenbaum der Weihnachten und feiern in

limges Mädchen.

Der Rolladen war ein ganz gewöhnliches Ding »us Wellblech, unten ein bißchen angeroftet, und »erschloß den Zugang zu einem Geschäft, das^in einer verkehrsreichen Straße der Großstadt lag. Das Plakat klebte daneben an der Wand und zeigte ein iilberschuppiges Meerestier und darunter in rot- ' leuchtenden, auffallenden Buchstaben den Satz. »Eßt mehr Fisch!" Das Mädchen kam in einem chlichten, braunen Mantel langsam ^rie Strafte i>erabgeschlendert, blieb genau zwischen Rolladen

j j.uu vuev uui vev Straßenseite stehen.

Sie trug eine große Einkaufstasche und sah auf- werksam herüber. Ihre Blicke musterten den herab- xelassenen Rolladen, das Fischplakat und das war- ende Mädchen darunter, und über ihre Mienen zlitt ein Zucken des Verständnisses. Dann über­querte die Frau die Fahrbahn und stellte sich ohne ifas kleinste Wörtchen, jedoch mit einem listigen I Blick neben das lesende Mädchen. In diesem Augen­blick ward die Schlange geboren.

Guten Tag, Frau Gruber, was machen Sie denn U?" sagte jetzt eine der Frauen im Vorubergehen t ijrau Gruber deutete stumm auf das Fischplakat und rieft vielsagend mit dem Kopfe. Worauf die Neu- ;, ingetommene nichts Eiligeres zu tun hatte, als ich als Dritte in der Reihe anzustellen.

Diese Zeile von drei wartenden Frauen wirkte I 'm Verkehr wie ein Magnet auf (Eifenfeilfpane. I Sie entfaltete eine unwiderstehliche Anziehungs- | traft. Sofort blieben weitere stehen.

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in tier Zeit vom 17. bis 23. November ein: Gegen Kraftsahrzeugführer mit 2 Anzeigen, gegen son- jtige Fahrzeugführer mit 3 Anzeigen, gegen Rad- iobrer mit 12 gebührenpflichtigen Verwarnungen und gegen Fußgänger mit 1 Anzeige.

Was gibt*5 denn da?" ..

Fische!" gab die Zulehtangekommene bereit- villigft Auskunft.Einen ganzen Bottich voll.

Worauf die Schlange sofort auf die doppelte Lange i ^'1'. inwuchs. Und je länger ste wurde, um jo rascher F

Die Verjährungsftage am 31. Dezember 1939

Von Dr. jur. et rer. pol. K Wuth, Äerlin.