machen, wie alle Vorbereitungen sorgfältig und gut organisiert getroffen werden. Die Hessen-Nassau- Fahrt des BDM. muß in diesem Jahre ein voller Erfolg werden. "Auskunft erteilen alle Dienststellen des BDM. und der Jungmädel sowie die Gruppenführerinnen. Anmeldungen werden dort bis Anfang April angenommen.
„Lache mit uns."
Im Bemühen um unterhaltsame Fcierabendgestal- tung weilte am gestrigen Montagabend das Gau- variete „Lache mit uns!" zum dritten Male in unserer Stadt. Es gab im Gloria-Palast ein Gastspiel mit völlig neuem Programm.
Die Vortragsfolge machte dem Titel des Varietes olle Ehre. Dafür sorgte von vornherein der Ansager A. Rommel, der seine Zuhörer von der richtigen Seite zu nehmen wußte. Während des ganzen Abends hielt er sie in bester Laune und wußte dabei auch die Mitwirkenden des Abends kameradschaftlich in das beste Licht zu rücken. Eine Unzahl von Scherzen ließ er im Laufe der drei Stunden von Stapel und löste damit die Heiterkeit in allen Spielarten von vergnüglichem Schmunzeln bis Pim schallenden Gelächter aus. In bunter Folge rollte vor den Augen der aufmerksamen Besucher — das Haus 'war bis auf den letzten Platz besetzt — ein Varieteprogramm ab, das an Vielseitigkeit kaum zu überbieten, war. Zunächst imponierte das Jo- Tello-Ballett mit gymnastischen und akrobatischen Tänzen, bei denen die vier Tänzerinnen eine erstaunliche Gelenkigkeit bewiesen. Mit einem ungarischen Tanz sicherten sie sich besonderen Beifall. Ottilia Z i k a zeigte sich als mondäne Erscheinung, sprach und sang Chansons mit ihrer eigenartigen Stimme uüd sicherte sich ebenfalls dankbaren Beifall. Mit größter Aufmerksamkeit verfolgte man dann die künstlerische Produktion, die Hans Ha r t h- muth in wenigen Minuten vor den Augen aller entstehen ließ, indem er in einem ungemein lebendigen plastischen Porträt aus Lehm feine Schwiegermutter umstellte und dann in ernster Arbeit fein hochentwickeltes Talent mit einer Darstellung Richard Wagners erkennen ließ. Rei und Schelt bewiesen als Springer bzw. als kornische Akrobaten ihr Können. Mit erstaunlicher Sicherheit und gutgespielter Tolpatschigkeit fiel einer der Partner über Tisch und Stühle, so daß der Eindruck erweckt wurde, daß er dabei jeden Augenblick alle seine Knochen brechen müßte. Aber es schien nur so! Viel Bewunderung fand der Meisterfechter G l a d i o s , der mit seinem Partner Kämpfe mit scharfer Waffe focht und auch an einigen Beispielen sein ausgefeil- tes Können bewies. Hermann Held, der Humorist, zeigte sich von einer so unwiderstehlichen Komik, die schon ihre Wirkung tat, bevor er Überhaupt den Mund aufgemacht hatte. Als er dann auch noch mit wenigen Worten seine Scherze und Witze an den Mann brachte und seine Zuhörer dabei veranlaßte, um mehrere Ecken zu denken, war sein Erfolg schon nach wenigen Minuten sicher. Den Abschluß des Programms bildete eine große artistische Nummer, der Auftritt der drei Veronas, die auf Rollschuhen eine Fülle von Geschicklichkeit, Anmut und Kraft entwickelten, daß die Zuschauer keinen Augenblick' die Augen von der Bühne ließen und ihre Anerkennung'noch während der Darbietungen durch lebhaften Beifall zum Ausdruck brachten.
Dankbar für diesen Abend der NS.-Gemeinschast .Kraft durch Freude" verließ man das Haus.
Verkehrserziehung vom 27. Mrz bis 6. April.
NSG. Im Kampf gegen die Verkehrssünder haben sich bis jetzt die Verkehrserziehungsaktionen, die vom RSKK. und der Polizei durchgeführt wurden, stets als besonders vorteilhaft erwiesen. Einer der Hauptgründe für die Bewährung ist der, daß eine Verkehrserziehungsaktion großen Stils nach den gemachten Erfahrungen .sich immer auf eine Verkehrsverfehlung beschränkt. Erinnere man sich des Jahres 1936: Damals wurde gegen das verkehrswidrige Hupen vorgegangen, und die Zahl der Verkehrssünder, die hierbei entdeckt, verwarnt oder bestraft wurden, war nicht gering. Die Folge aber war unverkennbar eine einwandfreie Verkehrsdisziplin in diesem Punkt.
Vom 27. März bis 6. April wird nun abermals im ganzen Rhein-Main-Gebiet eine derartige große Derkehrserziehungsaktion ftattfinden. Diesmal handelt es sich um eine Aktion gegen diejenigen Verkehrssünder, -die die überaus wichtigen „Vorfahrtsbestimmungen" noch nicht beachten.
Die Statistik beweist, daß diese Verkehrsdisziplinlosigkeit mit einem besonders hohen Prozentsatz an der heute noch viel zu hohen Verkehrsunsallziffer beteiligt ist. Anderseits darf angenommen werden, daß alle Verkehrsteilnehmer inzwischen genügend Zeit und Möglichkeit gehabt haben, um sich mit den Vorfahrtsbestimmungen restlos vertraut zu machen.
Wie stets, so ist auch diesmal das RSKK. an dieser Lerkehrserziehungsaktion maßgeblich beteiligt. Wieder einmal wird das NSKK. an diesen Tagen eine wichtige Erziehungs- und Aufklärungsaktion leisten, indem es den Verkehrsteilnehmern, die auch heute mit den Verkehrsvorschriften noch immer nicht restlos vertraut sind, die Möglichkeit gibt, an einem besonders für diesen Zweck eingerichteten NSKK.-Derkehrsunterricht teilzunehmen.
Die Motorstandarte 147 führt Schulungen in dem Sturmheim des NSKK. in Gießen, Seltersweg 87, durch.
Rundfunk in jedes deutsche Haus!
Mit dem Rundfunk-Werbewagen
NSG. Wie bereits im Oktober 1937, so fährt auch in diesem Jahre der Nundfunkwerbewagen der Amtsleitung Rundfunk in der Reichspropaganda- Icitung^ im gesamten Monat April durch die Kreise und Städte unseres Gaues. Der Einsatz dieses Rundfunkwerbewagens bezweckt, durch Vorführungen den Volksgenossen, insbesondere auf dem Lande, einen Einblick in die Arbeit des deutschen Rundfunks zu gewähren und denen, die noch nicht Rundfunkhörer sind, zu zeigen, welche kulturelle, erzieherische, unterhaltende und politische Bedeutung der Rundfunk für jeden einzelnen hat.
Die Veranstaltungen werden von den Hauptstellenleitern Rundfunk der NSDAP, durchgeführt. In Nachmittags- und Abendveranstaltungen wirdl der Besucher in leicht faßlicher, unterhaltender und teilweise auch lustiger Form in das Aufgabengebiet des Rundfunks eingeführt. Tonfilme und Schallplattenkonzerte, die von hervorragenden Apparaturen wiedergegeben werden, sind die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.
Um die Begeisterung der Volksgenossen, Rundfunk zu hören, auch wirtschaftlich wirksam werden zu lassen, finden in dem jeweiligen Veranstaltungsort unter Mitwirkung der örtlichen Rundfunkhändler sorgsam ausgewählte Rundfunkschauen statt, die einen Ueberblick über die zur Zeit auf dem Markt befindlichen Rundfunkgeräte geben. Dort kann der Volksgenosse, der noch Unklarheiten über Fragen technischer.oder finanzieller Art hat, bereitwilligst und unverbindlich Auskunft erhalten. Selbstverständlich kann er jedes Gerät, für das er sich interessiert, genauestens prüfen, um so aus der Fülle der zur Verfügung stehenden Apparate das ihm geeignetste Gerät auszuwählen.
Der Rundfunkwagen kommt im Monat April 1939 im Gau Hessen-Nassau u. a. in folgende Orte:
Im Kreis Büdingen führt der Kreishauptstellenleiter Rundfunk in der Zeit von 21. bis 23. 4. 1939 Veranstaltungen in folgenden Orten durch: am
durch den Gau Heffen-Naffau.
21.4.1939 in Büdingen; am 22.4.1939 in Nidda; am 23. 4.1939 in Schotten.
Der Kreis We11erau führt feine Veranstaltungen vom 25. bis 27. 4.1939 durch, und zwar am 25.4.1939 in Reiskirchen; 26.4.1939 in Annerod; 27. 4.1939 in Fauerbach (Höhe).
In allen genannten Orten des Gaues Hessen- Nassau gibt der Rundfunkwagen zunächst bei seiner Ankunft, die um die Mittagszeit liegt, ein Konzert von Schallplatten bekannter deutscher Rundfunkkünstler, die in heiterer Form zu dem Thema Rund* funkhören Stellung nehmen. Jeweils am Nachmittag findet eine Schülerveranstaltung statt, mit Tonfilmen und Schallplattenkonzerten.
Selbstverständlich wird der Nundfunkwagen sich immer den örtlichen Verhältnissen und ihrer Bedürfnisse anpassen, um so sein Programm von einer gewissen Schablone freizuhalten. Einheitlich wird je- doch der große Rundfunkabend in jedem Ort durch- gcführt. Jeder Besucher des Abends nimmt an der Verlosung von Volksempfängern, deutschen Kleinempfängern und sonstigen Tombolagaben teil. Es hat sich bisher immer gezeigt, daß mit den Gewinnen aus der Verlosung den Besuchern eine große Freude bereitet werden konnte. Es ist zu wünschen, daß die Veranstaltungen von allen besucht werden, die noch nicht Rundfunkhörer sind und daß sie sich von den Darbietungen erfreuen lassen, um zu dem Entschluß zu gelangen, auch ein Mitglied der großen Familie der Rundfunkhörer zu. werden. Damit haben sie die Möglichkeit, an dem großen historischen Geschehen unserer Tage so teilzunehmen, daß der Eindruck für sie ein einmaliger bleiben wird.
Außer den politischen Ereignissen ist der Rundfunk weiter dazu berufen, Freude, Unterhaltung, Erholung und Belehrung zu bieten. Je größer der Kreis der erfaßten Volksgenossen ist, d. h. je schneller die Zahl der Rundfunkhörer, steigt, um so eher wird das Ziel erreicht, das der Führer in die Worte geprägt hat: „Rundfunk in jedes deutsche Haus!"
Arbeitstagung der Gchießwarte
im Kreisverband Gießen des NS.-Reichskriegerbundes.
Kuchen auf Sasthaustifchen sind zu bedecken.
Lpd. Die Bemühungen der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, bei den Gaststätten und Kaffeehäusern eine hygienisch einwandfreie Verschließung der auf den Tischen aufgestellten Desserts, Kuchen, Torten und anderen Ge- bäcken zu erreichen, haben fast überall einen vollen Erfolg gehabt. Da man aber in einzelnen Lokalen auch jetzt noch gelegentlich eine ungeeignete Ausstellung solcher Lebensrnittel beobachten kann, richtet die genannte Wirtschaftsgruppe an die wenigen noch rückständigen Betriebe eine letzte ernste Mahnung, das Ansehen des Gaststättengewerbes nicht weiterhin durch Vernachlässigung einer selbstverständlichen Pflicht zu schädigen.
Im Schützenhaus zu Gießen tagte am Sonntag der Kreisverband Gießen des NS.-Reichskriegerbundes mit den Kameradschafts-Schießwarten.
Kreisschießwart Hanf hieß die Kameraden willkommen und begrüßte besonders den Kreis-Krieger- führer Dr. Monnard. Besonderer Gruß galt weiter den neu hinzugekommenen Kameraden aus der „Laubacher Ecke", sowie den neu eingegliederten Kameradschaften.
Nach der Einführung hielt der Kreis-Kriegerführer Dr. Monnard eine Ansprache, in der er darauf hin
wies, daß nunmehr, nachdem der NS.-Reichskrieger- bund durch Befehl der Führers eine Gliederung der Partei geworden ist, der Bund auch noch die Geneh- migun.g bekommen habe, das Hoheitszeichen an der Mütze und auf der rechten Brustseite (wie die Wehrmacht) tragen zu dürfen. Diese Tatsache verpflichte die Kameraden erneut, sich rückhaltlos für die Belange des NS.-Neichskriegerbundes einzusetzen.
Ein Rückblick auf das Jahr 1938 stellte fest, daß der Kreisverband Gießen feinen guten Platz, den er gewohnt ist, zu halten, weiterhin besitzt. An Schieß
auszeichnungen wurden int Kreisverband erschossen: 2 Liegerplaketten, 8 große Kyffhäusernadeln, 12 gvl- bene, 32 silberne und 54 bronzene Nadeln und 9 ff* Abzeichen. Dieses Ergebnis gehört zum guten Durchschnitt, doch ist im Jahre 1939 bei einer nunmehrigen Mitgliedschaft von etwa 6000 Kameraden eine wesentlich höhere Beteiligung an dem Nadelschießen zu erwarten. Auf den Wettkampf 1938 kann der Kreisverband Gießen sehr stolz sein, denn es wurden ihm für die prozentuale Beteiligung 10000 Patronen zu- gesprochen, die im Anschluß an die Tagung verteilt wurden.
Kreisschießwart Hanf dankte den Kameraden für ihre Mithilfe, denn gerade die Schießwarte sind in der Kameradschaft neben dem Kameradschaftsführer die wichtigster: Männer.
In der Tagung wurden die neue Wettkampfordnung, das Ehrennadelschießen, die Ausschreibungen für den Wettkampf 1939, Stärkemeldungen und andere wichtige Angelegenheiten des Schießdienstes eingehend besprochen. -
Neu ist die Einteilung der Mannschaften für den Wettkampf 1939, wo nunmehr alle Kameraden unter 50 Jahren in Klasse A und alle älteren Kameraden in Klasse B schießen. Der Wettkampf beginnt in diesem Jahre bereits im Mai/Juni. Um möglichst ein noch besseres Resultat zu erreichen, werden die Kampforte wesentlich vermehrt. Aus der Tagung der Kreisschieß- warte in Kassel ist besonders hervorzuheben, daß der Landesgebietssührer Exz. Fett ausdrücklich erklärte, der Schießdienst sei Pflicht der Kameradschaft.
Zum Schluß dankte Kreis-Kriegerführer Dr. Monnard zunächst seinem Kreisschießwart für die Arbeit und den Erfolg, gleichzeitig dankte er auch den Kameradschafts-Schießwarten, die, jeder an seinem Teil, mitgeholfen haben zu diesem Erfolg. Er bestellte Grüße an die Kameradschaftsführer und forderte die Kameraden auf, den alten Soldatengeist bei ihren Kameraden zu wecken und hochzuhalten, damit alle durch rege Beteiligung am Schießdienst beweisen, daß sie als NS.-Reichskriegerbundsmitglieder dessen würdig sind, daß uns der Führer dazu erhoben hat. Hierauf brachte der Kreisführer ein Sieg-Heil auf unseren herrlichen Führer und das Vaterland aus. Damit mürbe die Tagung beendet.
Anschließend fand ein Schulungsschießen statt mit Verteilung von Ehrengaben. Es errangen: 1. Preis Kam. Kern, Kameradschaft 116er; 2. Preis Kam. Briegel, Kameradschaft Hausen; 3. Preis Kam. Ma- gel, Kameradschaft Annerod; 4. Preis. Kam. Jakobi, Kameradschaft Leihgestern; 5. Preis Kam. Schäfer, Kameradschaft Dorf-Gill; 6. Preis Kam. Hanf, Kreisschießwart Gießen; 7. Preis Kam. Becker, Kameradschaft Göbelnrod; 8. Preis Kam. Münch, Kameradschaft Großen-Buseck; 9. Preis Kam. Jäger, Kameradschaft Holzheim; 10. Preis Kam. Steller, Kameradschaft Steinbach.
Die vier Ehrenscheiben erschossen: 1. Kam. Briegel, Hausen; 2. Kam. Benderoth, Klein-Linden; 3. Kam Koschnick, Utphe; 4. Kam. Jäger, Holzheim.
Apriltermin für die Kraftfahrer.
Der 1. April 1939 ist ein wichtiger Termin für die deutschen Kraftfahrer, soweit sie Kraftfahrzeuge besitzen, die vor dem 1. 4.1938 erstmals zugelassen worden sind. Es tritt nämlich dann die Vorschrift des § 50 der neuen Straßenverkehrs-Zulassungs' Ordnung in Kraft, wonach die Einschaltung des Fernlichts durch eine blau leuchtende «Lanipe im Blickfeld des Fahrzeugführers angezeigt werden muß. Bei Krafträdern und Zugmaschinen mit offenem Führersitz kann die Einschaltung des Fernlichts durch die Stellung des Schalthebels angezeigt werden. Die Vorrichtung zum Anzeigen der Einfch//- tung des Fernlichts soll ungewolltes Blenden w hüten, wenn der Kraftfahrer im Zwielicht, beim
Kacton Rh
Das Wöchen Mcikie.
lioman von Walther kloepffer.
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31. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich finde keinen Puls. Wo schaffen wir ihn denn hin? Möglichst tief in die Büsche. Da entdeckt ihn kein Schwein. Bis der gefunden wird, sind wir über alle Berge. Faß doch an, Mensch, und zittere nicht so. Oder soll ich alles allein tragen?"
Hatjchek riß sich zusammen und nahm Tinser bei den Beinen.
„Einen Brief für Herrn Doktor Holl!" rief das platinblonde Fräulein vom Aufnahmebüro und schwenkte ein rahmgelbes, längliches Kuvert.
„Geben Sie ihn her. Danke." erwidert Holl und riet nach Form und Schrift sofort auf die Absenderin. Na endlich, dachte er befriedigt und riß den Umschlag auf. Tagelang hatte er auf Anruf, auf einen Brief, auf sonst ein Lebenszeichen von Maxie gewartet. Nichts, Grabesruhe. Er wurde nervös und gereizt bei diesem Hinwarten, das die Argumente allmählich verschob und immer mehr verblassen ließ. Bevor Holl den Briefbogen entfaltete, hielt er ihn an die Nase, was' eine kleine Vorfreude und ein Extragenuß war. Das Papier roch ganz zart nach Maxie. Ja, doch ein gutes Mädchen! dachte er beglückt. Lange hat es gedauert, laß mal sehen, Montag bis Freitag, also von ihrer Rückkunft bis heute — aber gekommen ist sie doch, und das ist die Hauptsache. Und jetzt wollen wir nicht länger zögern: was schreibt sie denn?
„Nach dem Vorgefallenen haben wir uns wohl nichts mehr zu sagen. Ich löse hiermit das Verhältnis.
Maximiliane Hegemann."
Die Wirkung dieser Zeilen auf Holl geschah etappenweise. Erster Dedanke bei bidgefalteter Stirn: Was soll das heißen? Das ist doch Blech, was sie da schreibt! Was ist denn schon Großes vorgefallen? Möchte ich wissen. Wegen dem bißchen Krach? Kind,' tritt dir bloß nicht auf die Schleppe. Zweiter Gedanke: Diese wenigen Zeilen auf Bütten enthalten auffallend viel Gemeinheiten! Fehlende Anrede, gletscherkühle Unterschrift, beleidigende Kürze und nicht zuletzt die Tatsache, daß für sie nun alles aus ist. Dritter Gedanke: Schön, Fränkin Hegemann, können Sie haben! Wie das gnädige Fräulein befehlen! Und erst ganz hinterher kamen als wirkungsvoller Abschluß Gemütswallungen wie Enttäuschung und wütende Traurigkeit.
So ein kleines blondes Biest! Da hatte er ja einen wahren Ausbund von Wankelmütigkeit aufgegabelt, und nicht nur wankelmütig, sondern auch kokett, oberflächlich und treulos, eine nette Mischung. Nach einem bißchen Balgerei einfach zu Tinser überlaufen! Ihre sogenannt^ „große Liebe" nichts als Spielerei und Strohfeuer. Und er Esel hatte daran geglaubt und hätte ein Eckhaus darauf errichtet. — Ein abscheulicher Schmerz, einer von der Sorte, die einem vor Wut das Wasser aus den Augen treiben kann, fraß an ihm herum und ließ ihn Ungeschicklichkeiten begehen.
„Meinen Sie nicht, daß der Verband zu dick wird?" wagte die Einlegerin Törgiedel einzuwenden, die Holl eben in der Kur hatte. Er befand sich, als Maxies bösartiger Brief eintraf, im Verbandzimmer und wickelte bereits die dritte Binde um ein geschwollenes Panaritium. Dr. Holl entfernte schweigend die letzte Binde. Abschiedsbrief und Sprechstunde paßten glänzend zusammen. So mochte er’s. Als die Leute endlich verarztet waren, gesellte sich Kistenmacher zu ihm.
„Holl, du machst ja ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter! Schlechte Nachrichten von Bobs?"
„Geh zum Teufel mit deinem Bobs!" knurrte Holl. Dieser besorgte Idiot brachte ihn noch zur Verzweiflung.
Holl riß feinen weißen Mantel herunter und fegte ins Labor. Labor war gut, nein, prima! Hier mar man endlich allein und durfte sich gehen lassen. Hier roch es nach verständigen und zuverlässigen Dingen, nach HC, nach Ammoniak und bitteren Mandeln. Hier war alles, glasklar, durchsichtig und wohltuend. Hier hatten Frauenspersonen gottlob keinen Zutritt, dieses Otterngezücht mit Lippenstift und verlogenen Schwüren. Holl ließ sich krachend auf einen Drehschemel fallen, schraubte an einem Bunsenbrenner herum, rieb ein Zündholz an und verbrannte mit unbewegtem Gesicht Maxies Brief. Dann verfiel er in dumpfes Grübeln.
Na und jetzt war eben alles aus. Schön! Konnte man nicht ändern. Den Gesandten wurden die Pässe zugestellt, hieß so etwas in der Diplomatensprache. Daraufhin gab es nur eines: den ganzen Krempel hier hinschmeißen und sein Hütchen nehmen. Es ging nicht an,-länger auf einem Posten zu bleiben, den man der Fürsprache dieses Fräulein Hegemann verdankte. Holl stand auf, fuhr sich mit zehn Fingern durchs Haar, verspürte keine Erleichterung und durchmaß lärmend den Gang zwischen Arbeitstisch und Chemikalienschrank. Plötzlich kamen ihm die Röhrchen in den Sinn, und er marschierte hinüber zum Brutschrank. Heute mar jener Tag. den er sich als letzte Frist gesetzt hatte. Er öffnete die metallene Tur, an der er seit acht Tagen nichts mehr gemacht hatte, und hob mit gespanntem Gesicht das Gestell
mit dem Nörchen heraus. Er ging ins Helle damit und prüfte das Ergebnis.
Die Röhrchen linh — er hatte sie mit A kenntlich gemacht —, sie waren mit gewöhnlichem Schweineblut gefüllt, sahen graubraun aus und schillerten vor Verwesung. Die Röhrchen rechts, mit dem Zeichen B und einem Zusatz von Antikörper X versehen, erweckten den Eindruck von normalem Blut. Bis jetzt war alles vortrefflich und nach Wunsch. Aber was würde das Mikroskop dazu sagen? Holl feilte eines der A-Röhrchen auf und schnupperte daran. Pfui, das stank wie die Pest, wie fauliges Fleisch, das lange Tage gelegen hat. Die Autolyse, die Selbstzersetzung, ^batte ihr Werk vollbracht. Gut so! Dann öffnete Holl eines der B-Röhrchen. Kein Verwesungsgeruch, flüssig, ordentliche Farbe. Er brachte mit der Pipette einen Tropfen in die Zählkammer und einen zweiten auf den Objektträger des Mikroskops. Der Anblick durch die Vergrößerungslinsen war herzerfrischend und wunderbar: rote, weiße Blutkörperchen, Lymph- zellen, Verhältniszahlen und Gehalt an Blutfarbstoff, alles richtig und nach Vorschrift. Alles unverändert und biologisch einwandfrei, so eben, wie es sich für normales Schweineblut gehörte.
Holl ließ den zurückgehaltenen Atem erleichtert entwischen und hatte einen ganz großen Augenblick. Er war am Ziel. Der von ihm gefundene und Antikörper X getaufte Stoff hatte die Fähigkeit, die Selbstzersetzung von tierischem Blut zu verhindern. Holl bekam Kopfschmerzen von so viel Erfolg. Blieb noch der Versuch am lebenden Tier. Holl griff mit zitternden Fingern zwei B-Röhrchen aus der Reihe und steckte sie in die Brusttasche seines Laboratoriumsmantels. Dann besah er sich die beiden größeren Gläschen im Gestell, die mit dem Blut der Anna Schwiebus. Gläschen A zeigte bereits die ersten Spuren der Zersetzung, Gläschen B schien unverändert. 'Wenn nicht alles trog, wirkte Antikörper X auch auf menschliches Blut. Man mußte noch etwas abwarten; die Zeit war noch zu kurz, um ein endgültiges Urteil zu fällen.
Holl trug das Holzgestell zurück in den Heiz- schrank. Dann besorgte er sich eine Rekordspritze, Tupfer und Heftpflaster. Er verließ, völlig ein- gencbelt in feine Gedanken, das Labor und begab sich in den Tierzwinger. Seine Augen brannten nach innen, und auf der Stirn lag ihm feiner, kühler Schweiß. Er war noch viel zu benommen, um fein Glück in alle Winde zu schreien. Der Wärter legte bei feiner Ankunft zwei Finger an die Mütze.
„Ich muß eine Einspritzung machen, Huber. Geben Sie mal eines von den Jungschweinchen her!"
„Jawoll, Herr Doktor! Vielleicht dieses da?"
Das Tier trug den Stempel 6 am Rücken. Der Wärter hielt es fest, und Holl suchte nach der Vene. Dann bekam Ferkel 6 den Inhalt der zwei B-Röhrchen eingespritzt; Heftpflaster, fertig, ab. Das Tier quiekste ein wenig, mehr aus Angst als aus Schmerz, dann rannte es mit tollen Sprüngen da* von.
Holl lehnte beobachtend am. Gatter des Geheges. Sieh mal, du kleiner, rosiger Kerl, dachte er, du darfst mithelfen, der Menschheit einen Dienst zu lei» ften, und weiß es gar nicht. Ferkel 6 trottete an den Trog, den der Wärter mit neuem Futter füllte. Es grunzte, schnüffelte, fraß und schlapperte, was das Zeug hielt. Ferkel 6 benahm sich um kein Haar anders als jedes andere hungrige Schwein. Gut, gut! dachte Holl befriedigt, blieb noch eine Weile und befahl dann dem Wärter: „Paffen Sie mir auf das Tier gut auf. Dieser Versuch ist sehr wichtig. Ich gehe jetzt zum Essen. Wenn sich etwas Beson- deres begibt, rufen Sie mich gleich."
„Sie können sich darauf verlaßen, Herr Doktor!*
Holl ging ins Krankenhaus hinüber. Er klingelte nach dem Essen, ließ aber die Speisen fast unberührt wieder abtragen. Wie konnte cs einem an einem solchen Tage schmecken. Auch nahmen seine Kopfschmerzen zu. Ich mutz an die frische Luft, dachte er und verließ das Zimmer. Er schlenderte über den Fabrikhof, zum Tor hinaus, auf das offene Land zu, das sich hinter dem Werk breitete. Als er eine Zeitlang gegangen war, befand er sich in der Nähe des Hegemann-Wäldchens. Hier ist gut fein, dachte er. Hier ist gleich eine ganz andere Luft. Vielleicht vergehen die Kopfschmerzen. Er legte noch ein paar Schritte zurück, kletterte über den Holzzaun und warf sich in das verwilderte Gras am Waldrand.
Der Boden war etwas kühl von den Regem güffen der verwichenen Tage, aber die Sonne gab sich alle Mühe, ihn zu erwärmen. Holl vergaß die Röhrchen B und das Ferkel 6 und war mit einem* mal wieder bei dem unzuverlässigen Mädchen Maxie. Wo zum Kuckuck sollte man fernerhin den Glauben an die Menschen hernehmen, wenn ein Wesen wie Maxie versagte? Ein Mädchen, nut dem man feierliche Versprechen getauscht hatte und das man von Grund auf zu kennen meinte? wie die Sache lag, gab cs nur eines: alle Zuneu gung mit Stump! und Stiel aus sich ausrotten und auf den „Komposthaufen der Erfahrungen" merfen- So einem Geschöpf durfte man als Mannsbild nicht nachtrauern. Diese Weiber machten es sich lkich«' weiß Gott! Erst verrücken sie einem den Kopf w> Nettfein und und ihren verschiedenen runden D'N- gen, und bann, wenn sie genug hatten, wurden sie fahnenflüchtig.
^Fortsetzung folgt!)


