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Nr. 23 Allstes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWen)

28./29.Zanuar 1939

Geschichten aus aller Welt

Es

gebaut, daß tatsächlich eine aussichtsreiche Bekämpfung durchgeführt werden kann. Der beste Arzt aber kann nicht mehr helfen, wenn der Patient zu spät zum Arzt kommt

Der Vortragende stellte weiter fest, daß Stimmen gegen die sogenannte Laienaufklärung laut gewor­den seien; man bringe Unruhe in das Volk und er­zeuge die Krebspsychose. Das möge bis zu einem gewissen Grade richtig sein. Aber wenn man durch oiese Propaganda jährlich viele tausend Menschen rechtzeitig der Behandlung zuführe und rette, dann verblasse jeder Einwand.

In der Praxis habe es sich erwiesen, daß die Krebsbekämpfung viel wirksamer gestaltet werden kann, wenn der richtige Apparat eingesetzt wird. So hätten beispielsweise in Berlin auf einen ein­zigen kurzen Zeitungsartikel hin sich 500 Volks­genossen in einer Poliklinik gemeldet. Die Zahl derjenigen, die grundlos die Klinik aussuchten, sei nicht allzu hoch gewesen. Der Mangel dieser Aufklärungsarbeit habe darin bestanden, daß sie nicht periodisch wiederholt wurde.

Der Reichsausschuß für Krebsbekämpfung habe nun Aufklärungsmaterial geschaffen. Auf Merkblät­tern würden die wichtigsten Krankheitsmerkmale verzeichnet, auf Tafeln die Symptome des Krebses und seine Heilbarkeit registriert; 1935 sei ein Auf­klärungsfilm hergestellt worden, der in der ganzen Welt Anerkennung gefunden habe. Aufklärungswa­gen der Reichsarbeitsgemeinschaft für Schadenver­hütung kommen bis in das entlegenste Dorf. Selbst­verständlich werde dabei der Arzt nicht ausgeschal­tet, sondern er solle als der maßgebende Mann auf diesen Veranstaltungen sprechen. Schon in den nächsten Jahren werde es sich zeigen, daß diese Aufklärungsaktion viele Deutsche rettete, die ohne diesen Krebsbekämpfungsfeldzug vechoren gewesen wären.

Pappe brauchst.

Pappe, denkst du, Pappe und kramst im Schreibtisch, ohne Sinn, da gibt es keine Pappe. Du denkst, denkst

Und plötzlich hast du es: Oben in der alten Bucher- E^Du läufst hinauf. Die Bücherkiste steht auf dem Joden in einer Ecke unterm Dach und ist natürlich ^Nach^ungefähr 14 Minuten harter Arbeit hast du mit Hilfe eines längeren Nagels den Deckel ab. Du hättest ja bequemer ein Werkzeug holen können, aber was ein kluger Kopf ist, das schlägt sich lieber 14 Minuten mit einer Kiste herum als von unten ein Brecheisen zu holen ... .

Also graue Pappe. So einfach scheint es nicht zu fein, obenauf liegt keine graue Pappe, unten drin vielleicht, aber dazu muß erst ein Stapel Bücher heraus. .

Und da geschieht er: Ehe du willst, sitzt bu auf den nackten Bodenbrettern des Dachstuhls, lieft, lieft und läßt die graue Pappe graue Pappe fern.

Ja, dies hat man also in der Schule einst als Eselsbrücke gebraucht:Platon, Gorgias. Uebcr- setzt von Friedrich Schleiermacher." Und bann liest man sich ein Stück heraus: .

Sokrates: Ich benke, Gorgias, auch bu hast schon vielen Unterredungen beigewohnt und wirst dies dabei bemerkt haben, daß nichts leicht die Menschen es dahin bringen, das, worüber ste zu sprechen unternommen haben, gemeinschaftlich zu bestimmen, und nachdem sie so untereinander sich belehrt und gelernt haben, ihre Zusammenkunft aufzuheben, sondern wenn sie über etwas uneinig sind und einer den andern beschuldigt, er rede nicht richtig ober nicht bestimmt, so erzürnen sie sich unb meinen, der andere rede so etwas aus Mißgunst gegen sie, weil er nämlich nur um feine Ehre sich beim Gespräch ereifere, nicht aber den vorliegenden Gegenstand suche. Ja, einige gehen zuletzt auf die unanständigste Art auseinander nut 'Schimpfreden, unb indem sie solche Dinge einander anzuhören geben, daß es sogar den Anwesenden um ihrer selbst willen leid tut, auch nur solcher Leute Zuhörer gewesen zu fein.* _

kennt der alternde Casanova, daß die reine Liebe der jungen Manon^ Balletti seines wirren Lebens bester Teil gewesen sei.

Stunde unterm Dach.

Von Christian Bock.

fängt damit an, daß bu ein Stück graue

Das Herz hat immer recht

Von Armgard Thomas.

wappnen; aber sofort ergreift bas Herz, bas unzer­trennlich an Dir hängt, Deine Partei. Der Verftanb hat gut reben, bas Herz hat immer recht. Doch wenn Du mir etwas Liebes sagst, so ist mein Herz und mein Verstand einig und alle meine Gedanken. Und alles ist Dein ... Es wäre der Gipfel meines Un­glücks, wenn Du mich verließest, doch nein, dazu bist Du nicht imstande. Du liebst mich."

Die Tage der Trennung fügen sich zu Wochen und Monaten:

Weißt Du, daß es drei Monate sind, feit Du fern von mir bist. Weißt Du, daß ich ohne Dich ein Körper ohne Seele bin? O, meine Seele, kehre zurück!" r ,

In dieser Zeit wird die Liebe für Manon schmerz­lich Der Name Casanovas gewinnt schillernden Glanz in der Welt des Rokoko. Gerüchte gehen um, pikante Anekdoten und schlimme Affären. Sie er­reichen Manon. Das Mädchen muß sehr gelitten haben in dem bürgerlichen Kreise der Eltern und Verwandten, die sie bedrängten, Casanova zu ver­gessen. Aber immer noch gehen ihre zärtlichen Worte zu ihm und immer wiederholt sie:Komm zuruck.

Krebsbekämpfung und Volksaufklärung

Rechtzeitige Behandlung kann Tausende retten.

fährlich. So kam es, daß an einem der letzten Abende der Käfig nicht so sorgfältig geschlossen- wurde, wie es Vorschrift mar, und so gelangte eine junge Löwin, die sich immer als die wildeste in der Schar zeigte, unbemerkt aus dem Zirkuszelt ins Freie und schickte sich an, einen Spaziergang durch die Umgebung zu machen. Es wäre vielleicht auch alles gut gegan­gen, da das Tier in dem unsicheren Abendlicht leicht für einen großen Hund gehalten werden konnte, wenn die Löwin auf ihrem Wege nicht einem echten Hunde begegnet wäre, der vor den Karren eines Milchhändlers gespannt war.

Kaum hatte der Hund die Löwin erblickt, als er mit wütendem Gebell auf sie losfuhr. Die Löwin war über den plötzlichen Ueberfall so erschreckt, daß sie Reißaus nahm und in wildem Lauf durch die Straßen fegte, alles, was ihr in den Weg kam, überrennend. Sie machte nicht eher halt, als bis sie in einer Autogarage eine Zuflucht gefunden hatte. Der Hund aber hatte sich von dem Karren losgeris­sen und war hinter ihr hergejagt, und nun stand er vor der Garage wütend bellend, während die Löwin drinnen nicht minder erregt fauchte. Auf den Lärm waren zahllose Leute herbeigeeilt und standen ent­setzt da, als sie erkannten, was vor sich ging, aber bald kamen auch die Zirkusdiener und der Bändi­ger hinzu unb versuchten sich der Löwin zu bemäch­tigen, die alle ihre guten Lehren vergessen hatte. Sogar als der Hund entfernt war, leistete sie wil­den Widerstand und verletzte auch einige Wärter leicht, bis es endlich gelang, das aufgeregte Tier in feinen Käfig zurückzubringen.

Motorisierter Stierkampf auf der- Straße.

AS. Paris.

Die Straßen der sonst so stillen, unweit von Paris gelegenen Stadt Montes waren dieser Tage der Schauplatz eines Stierkampfes, bei dem Polizei und Metzgerburschen die Toreros und ein schlacht­reifer Ochse den Schrecken der Arena mimte. Der Ochse hatte sich auf dem Wege zum Schlachthaus durch einige kräftige Homstöße feiner Begleiter ent­ledigt und rannte, der wiedergewonnenen Freiheit froh, wie ein Besessener durch die Straßen des noch im Morgenschlummer ruhenden Montes. Die telephonisch alarmierte Polizei nahm die Verfolgung des Ochsen in dem Kraftwagen eines zufällig des Weges kommenden Priesters auf, wobei es' ihr nach halsbrecherischer Jagd durch die Hauptstraße gelang, den Ochsen in einen Hauseingang einzu­zwängen. Sie hatte freilich nicht mit der Gewandt­heit des Gehörnten gerechnet, der sich mit einem ganz erstaunlichen Satz über das Auto hinweg dem Zugriff seiner Häscher entzog. Inzwischen war aber Verstärkung aus der Bevölkerung eingetroffen, die unter der Führung der Metzgerburschen em reael- rechtes Kesseltreiben gegen den Ochsen unternahm, der, von seinen Verfolgern in die Enge getrieben, schließlich die Waffen streckte.

Hilferuf von einer einsamen Insel.

K. Toulon.

Im Indischen Ozean fahren französische Kriegs- schisse unter Volldampf zu einer der einsamsten In­seln in der Welt, um 48 Menschen zu retten, von denen ein SOS-Ruf aufgefangen wurde. Die Bot­schaft hatte folgenden Wortlaut:St.-Paul-Jnsel, Indischer Ozean zwischen Afrika und Australien. Schlecht Wetter hat uns gezwungen, alle unsere Kohlen auszubrauchen. Wir brauchen Hilfe. Wir sind 48 Personen an Bord des FischerbootesIle Bourbon". .

DieIle Bourdon" hatte St. Malo am 28. Mai v. I. verlassen, um eine Hummer-Konseroen-Fabrik auf St. Paul einzurichten. Es war ein etwas aben­teuerliches Unternehmen, das von Paris ausging und drei Jahre auf der Insel bleiben wollte, bei der ihr Fahrzeug jetzt ankert. Unter den 48 Per­sonen an Bord befinden sich fünf Frauen und zwei Kinder. Die Insel selbst bietet außer Hummern und Fischen keinerlei Nahrungsmittel. Vorräte mußten von der französischen Insel Reunion in der Nähe von Madagaskar, die 1500 Kilometer entfernt liegt, geholt werden. Die Entfernung von St. Paul nach ; Australien beträgt nahezu 1800 Kilometer, bis zum afrikanischen Festland 2300 Kilometer.

Schihütten des Parsenngebietes ermittelt weiden konnte. Eine erste Suchkolonne fuhr kurz nach Mit- ternacht mit einem Extrazug noch dem Weißfluhjoch, und da diese auch keine Spur des Vermißten fand, rückte morgens um sechs Uhr eine zweite Kolonne aus, so daß insgesamt 24 Mann den in Klosters Schlummernden suchten. Mit dem zweiten Morgen- zug traf dieser bann guter Dinge in Davos-Dorf wieder ein, und war nicht wenig erstaunt, als er an der Tafel der Parsennbahn seine eigene Vermißt- Meldung las. Sein Erstaunen soll sich in Entsetzen verwandelt haben, als er erfuhr, baß seine Sorg­losigkeit ungefähr 800 Franken kosten werbe, wäh­rend ein Telephonruf an seine Pension 30 Rappen gekostet hätte.

Und bas ist so geblieben bis auf ben heutigen Tag. Nur manchmal geht es ja wirklich um ben vorliegenden Gegenstand. Und Nicht bloß mit Schimpfreden, sogar mit Gegenständen. Es ist ganz hübsch, so ein Stück Fortschritt festzustellen.

Ein Schulbuch beim andern. Lateinische Schul- grarnmatit von Prof. Dr. Paul Harre" Richtig, Harre! ., , ,

Finger hoch:S)err Stubienrat, ich Hobe meinen Harre vergessen." Was wird er sagen? sagt er,mein Lieber, was soll bas mit Ihnen werben! Das, jetzt vor der Versetzung, kann Ihnen das Ge­nick brechen. Sie nehmen sich nicht zusammen! Wenn Sie bas Ziel ber Klasse erreichen wollen es ist noch gar nicht so lange her, ba waren das Sorgen, heute hat man bessere.

Der gute Harre:Nebensätze, bereit Handlung in die Gegenwart fällt oder vom Standpunkt ber Ge­genwart aus betrachtet wird, haben auch nach Der- gangenheitsformen den Konjunktiv des Präsens und des Perfekts. Dies gilt hauptsächlich für die Folge­sätze, die die Geltung eines selbständigen Aussage­satzes haben (§ 214 A. 1).

Dies gilt hauptsächlich für die Schulzeit, nachher gilt es nicht mehr so.

Damals, überlegst du da flattert aus dem Harre ein Zettel heraus. Was mag ba gewesen sein, auf dem Zettel steht zu lesen:

Schräger halten, Mensch!"

Was waren das nun wieder für Sorgen: Schra* ger halten?

Mit einem Mal hast du es. Ganz deutlich.

Klaffenarbeit. Ueberfetzung aus dem Lateinischen. Paule, Nebenmann, bringt nichts heraus und sitzt in großer Not. Die .Hand hat er großartig an ber Stirn, weil er boch so angestrengt nachdenken muß und unter dem Dach der Hand schielt er auf dein Heft, aber so kann er noch nichts lesen, auffälliger darf er den Kopf auch nicht drehen und da schreibt er wütend diesen Zettel:Schräger halten, Mensch! Nämlich das Heft und schiebt dir den Zettel, rups!, herüber. Du drehst dein Heft um kleine zehn Grad, und Paule ist gerettet. .

Irgend wie kam bann der Zettel in den ollen ehrlichen Harre und hat da dis heute gelegen.

Also, graue Pappe!

Herunter mit den Büchern und nicht verfuhren lassen. Weg, weg. Mathematisches Lehrbuch Phy' sik Homer, Ilias und was ist dies? (Ein schwarzes Heft liegt da noch: Deutsche Aufsatze. Sa man die erste Seite auftchlägt, findet man auf dieser geschrieben:Schon die alten Griechen ...

Ties unten in der Kiste liegt endlich das Stuck Lkaue PappL, das du juW,

Das Abenteuer hält Casanova fest. Wohl verspricht er oft, zurückzukehren. Aber die Wochen gehen hin, ohne daß sein Reisewagen die Heimatstadt der Ma­non erreicht. Wie ein Nachhall vieler sehnsüchtiger Briefe klingt ihre Frage:

Du erinnerst Dich doch noch, daß ich Dich liebe? Vergiß es nie!" Unb bann scheint es, als fei die Liebe in Manon müde geworden unb enttäuscht von immer vergeblichem Warten. Kühle Worte losen bie Verbindung, und im Sommer des Jahres 1760 geht Manon Balletti eine Ehe ein, dazu mehr die elter­liche Vernunft als das Herz ihr geraten haben mag. Sie heiratet den Architekten Francois Joseph Bwn- del, einen schon alternden Mann, und folgt ihm, ber 1774 stirbt, bald nach.

Der sehr jung Verstorbenen widmet Giacomo Ca­sanova ein zartes Gedenken. Als ber alt und still gewordene Abenteurer in der dämmernden Biblio­thek des Schlosses Dux in Böhmen seine Memoiren niederschrieb, gingen seine Gedanken auch zuruck zu Manon Balletti. Noch einmal sprach er die Worte ihrer kleinen Briefe nach und erlebte noch einmal den Schmerz der Trennung. Denn auch Casanova hat nicht aufgehört, Manon Balletti 3" lieben Zwei Tage und zwei Nächte, so schreibt er, schüttelte ihn das Fieber, als er die letzte, trennende Botschaft von ihr erhielt. Dann hat er die Briefe in einer kleinen Kassette geborgen und hat den Wagen anspannen lassen zu einer neuen Fahrt.

Mt der leisen Trauer der Erinnerungsworte de-

B e r l i n , 27. Jan. (DNB.) Eines der großen Ge­biete der Schadenverhütung ist die Krebs­bekämpfung, ein Problem, über das Professor Aulerin der Hochschule für Politik sprach. Er wies darauf hin, daß der Arzt bei einigen Erkrankungen auf die Mitwirkung des Propagandisten angewiesen ist, dem es gelingen muß, aufklärend bis in das ent­legenste Bauernhaus zu wirken. Es gebe eine Reihe von Volkskrankheiten, für deren Bekämpfung pro­pagandistische Maßnahmen mit bestem (Erfolge ein­gesetzt worden seien. Hier seien die Herz- und Ge- fäßkrcPikheiten, die Tuberkulose und der Krebs zu nennen; der Krebs fei die gefährlichste Krankheit, die wir zur Zeit kennen. Dem Staat sei die wichtige Auf­gabe gesetzt, mit allen Mitteln gegen sie anzugehen.

Grundsätzlich sei zu sagen, daß in ber deutschen Bevölkerung rund 400 000 Menschen an Krebs leiden und daß jährlich über 100 000 Menschen daran ft erb en. Der Krebs befalle den Menschen in einem Lebensalter, in dem er für ben Staat, für bie Gemeinschaft, für feine Familie noch wertvollste Arbeit leisten kann, wenn bie Kinder ihre Eltern am dringlichsten brauchen. Damit stehe bas Schicksal von 400 000 Familien auf dem Spiel. Es komme also darauf an, den 'Krebs so früh wie möglich zu erkennen unb zu behanbelm Durch Ope­ration und Bestrahlung könne ber Kranke seiner Familie roiebergegeben und wieber in ben Arbeits­prozeß eingeschaltet werben. Der Krebs zeige einige Symptome, die vom Kranken wahrgenommen wer­den können und es erleichtern, bie Krankheit zu er­kennen. Mit diesen Kennzeichen müsse der Laie ver­traut gemacht werden. Jeder habe die Pflicht, feinen Körper sorgfältig zu beobachten. Bei verdächtigen Veränderungen Knotenbildung, schlecht heilenden Geschwülsten, blutigen Ausscheidungen muß der Arzt aufgesucht werden. Die Behandlungsverfahren gegen den Krebs feien in Deutschland derartig aus-

Aus aller Wett.

Raubüberfall auf einen Güterzug.

In unmittelbarer Umgebung ber Stabt Halle, bet ber Dessauer Brücke, wurde auf den Nahgüterzug Halle-Halberstadt durch Trennen der durchgehenden Luftbremsleitung ein Raubüberfall verübt. (Ein Kraftwagen blendete den Zug an wtb während aus dem Wagen auf ben Zug geschossen wurde, er­schien ein Mann am Postwagen unb forderte unter Drohungen bie Herausgabe der Postgelder. Zufällig führte der Zug keine Postgelder mit. Den Tatern, bie unerkannt entkamen, fiel daher nur em Wert­paket unb eine leere Geldtasche in bie Hände. Bei dem Ueberfall wurden ber Zugführer und ein Post­betriebsassistent durch Schüsse erheblich verletzt. Die Reichsbahndirektton Halle hat für die Ermitt­lung der Täter eine Belohnung von 300 Mark aus­gesetzt.

Ein Kind mit dem Roller in den Rhein gestürzt unb ertrunken.

Der fünfjährige Sohn eines Friseurs in Weißen- thurrn bei Koblenz spielte mit einem Roller auf einer abschüssigen Straße am Rhein, überfuhr das Ufer- gclänber unb stürzte in bie hochgehenden Fluten. Der Junge würbe mitgerissen unb ist ertrunken. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werben.

Schneesturm im Allgäu.

Seit Freitag mittag tobt im Allgäu ein heftiger Schneesturrn, ber erhebliche Schneeverwehungen zur Folge hatte unb insbesondre ben Verkehr auf den Landstraßen stark behinderte. Zwischen Kempten und Kaufbeuren sind zahlreiche Lastkraftwagen im Schnee steckengeblieben. Der Zugverkehr erlitt bisher keine Verspätungen.

lischen Mädchen namens Phyllis Brttton hält bas durch seine Pferderennen bekannte englische Stckbt- chen Epsom in Spannung. Das junge Mädchen ist am Tage vor seiner Hochzeit mit einem Bergarbei­ter unter bisher nicht aufgeklärten Umstanden oer= schwunden, und man weiß noch nicht, wo sie sich aufhält. Bereits seit einer Woche erhielt sie fast täglich Telegramme von einem bekannten indischen Millionär namens Nusli Whaddia, in dessen Haus in Epsom sie früher als Küchenmädchen beschäftigt war und der sie von Bombay aus, wo er sich gegen­wärtig aufhält, im letzten Augenblick veranlaßte die bevorstehende Hochzeit mit dem Bergarbeiter aufzu­schieben. Nachforschungen der Polizei haben bisher zu feinem Ergebnis geführt. Auch soll das junge Mädchen sich angeblich nicht in dem luxuriösen Haus des Inders in Epsom aufhalten, wo man die Ver­schwundene anfangs vermutete. Der Bräutigam des Mädchens erhielt jedoch am Tage seiner Hochzeit einen Scheck über die Summe von 200 000 Mark, mit der Bedingung, bie Umworbene freizugeben. Trotz seiner Armut zerriß er jedoch ben Scheck und wies das Ansinnen zurück.

Ein Hund jagt eine Löwin.

B. Brüssel.

Ein aufregendes Ereignis, das aber einen ganz anderen Verlauf nahm, als man zunächst erwarten konnte vollzog sich in einer Vorstadt von Brussel. Dort gab ein Zirkus Vorstellungen, und die Sen­sationsnummer des Programms bildete die Vorfuh- rung einer Löwengruppe von überraschender Geleh­rigkeit. Alle Tiere sind in der Gefangenschaft gebo­ren und so an das Zirkusleben gewöhnt, daß es bisher niemals Zwischenfälle gegeben hat; die Zir- 1 fu&öiener hielten die Tiere auch für völlig unge-

Vor mehr als 150 Jahren starb in Paris Manon < Balletti deren Frauenschicksal es war, einen Aden- , heurerau lieben, den Glücksritter Giacomo Casa- wSl Als der Chevalier 1756 in den bürgerlichen Lebenskreis der kleinen Manon trat, hatte er schon Ui vielen Herzen ein flüchtiges Feuer entzündet und war auch selbst oft genug für Stunden und Tage ^ffnrnmt aewesen Aber nun begegnet ihm nach S Gien bie Liebelnd sie halt ihn m>fnnaen drei Jahre hindurch. Sie muß sehr schon gewesen sein, die kleine, kaum siebzehnjährige Manon Balletti im Kleid des hohen Rokoko, em bezaubern­des Bürgermädchen, das an einem Tag ben huldigenden Gruß des Chevaliers empfing.

~ rh tr1in hßr Weitgereiste, Dielerfahrene ben Glkn der Fremde und alle Wunder der Welt in das n^irfehe Sehen des Mädchens, unb feine schmei-

Abenteuer aus. Aber es scheint, ms y in

Balletti nicht ben glanzenden, ihm aeliebt, nicht den Bewunderten und 2inge]iaun ten, sondern den Menschen Giacomo Casanova^ den im letzten Grunde Einsamen, den die Unruhe durch (Europa trieb; als habe sie ihm mit ihre s Neigung die Ruhe geben wollen. Giacomo Casanova empnng diese Mädchenliebe wie ein Geschenk, und er b7qab sich gern in herzliche ^bung £rei 3a£e mar Manon Balletti heimlich die Braut Casanovas. Diese drei Jahre sind ein zartes Intermezzo zwischen seinen tollen Fahrten. Wir wissen nicht allzuviel aus dieser Zeit, denn Casanova, der sich sonst gern er­fahrener Frauengunst rühmt spricht m seinen Le­benserinnerungen nur mit leisen andeutenden Wor­ten von Manon Balletti.

Ein neues Abenteuer muß ihn endlich Imogen haben sich aus solcher Bindung 3" begeben. Als er Frankreich verläßt, folgen ihm die Briefe ber kleinen Manon, und sie empfängt^a,s<M°> «b«* «<*«*" m>nrfP wörtliche Gruße und Bekenntnisse, tfur lange fett sind dfese Miese eine Brücke zwi,chen Casanova und Manon Das Mädchen ahnt, daß Ca anova ihr nicht immer treu ist; unb doch ist ste einer Liebe sicher unb weiß, baß ferne Gebauten zu ihr zur kehren wie in eine Heimat.

^Wenn^Du^mir etwas Kummer gemacht hast, sind meine Gedanken Dir böse gesinnt und mochten sich

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Das Briefchen an die Kassiererin.

B. Montreal.

Auf einen unglaublichen Trick war ein verwege­ner Bandit verfallen, der in Toronto schon seit zwei Monaten verschiedenen Verkaufsläden einer be­kannten Schuhfabrik heimsuchte. Er kam ganz harm­los in den Laden und ohne irgendwie die Aufmerk­samkeit der Käufer zu erregen, trat er an die Kas­siererin heran, wenn gerade niemand m der Nahe war, und händigte ihr eine Karte aus, auf ber ge­schrieben stand:Geben Sie mir alles Gell», und zwar sofort, wenn Ihnen Ihr Leben heb ist. Nicht weniger als neunmal war es dem Banditen gelun­gen, mit diesem Trick zum Ziele zu gelangen Er bewegte sich so unbefangen, und die Szene vollzog sich scheinbar so ruhig, daß keiner von den Leuten im Laden auch nur im geringsten ahnte, was sich da wenige Schritte von ihm entfernt abspielte. Nur einen Fehler hatte ber Räuber bei seinem Manöver gemacht, daß er zweimal Filialen derselben Firma aufsuchte, und das wurde ihm verhängnisvoll Na­türlich war von der bedrohten Firma eine lieber» wachung eingerichtet worden, und in dem Augen­blick in dem der Kerl in einem ihrer Läden wieder das 'drohende Briefchen ber Kassiererin aushändigte, sprang ihm ein Wächter, der bie Bewegungen aller Kunden sorgfältig beobachtet hatte, in den Rucken, entwaffnete ihn und machte ihn kampfunfähig, um in bann in das Gefängnis einzuliefern.

Eine geheimnisvolle Liebesgeschichte.

AS. London.

Die romantische Liebesgeschichte eines 62jährigen indischen Millionärs mit einem 18 Jahre^alten^eng^

Der SOS-Ruf wurde von einem privaten Hörer in Amerika an der Küste des Stillen Ozeans gehört und auf vielen Umwegen nach Paris weitergegeben, wo das französische Marineministerium Kriegsschiffe im Indischen Ozean durch drahtlose Telegraphie auf. forderte, die Expeditton zu retten. Von Madagaskar aus hat man keine Antwort auf drahtlose Botschaf­ten an dieIle Bourbon" gehört. Man hegt wegen des Schicksals der Hilferufenden Besorgnis, da eine frühere Ansiedlung auf St. Paul durch eine geheim- nisvolle Krankheit heimgesucht wurde, bie an Beriberi erinnerte. Nach früheren Berichten sind auch Streitigfeiten unter ben Mitgliedern ber Ex- pebition ausgebrochen.

Ein teurer Schi-Ausslug.

AS. Bern.

Eine teure Parsennfahrt leistete sich ein (Englän- der, der, von Davos kommend, die Klosterser Ab­fahrt machte unb, weil es ihm in Klosters gut ge­fiel, sich dort amüsierte und auch noch über Nacht unten blieb, dieweil seine Davoser Pensionsmutter sich Sorge um ihren Gast machte. Da er auch mit dem letzten Zuge nicht eintraf, wurde der Parsenn- djenst davon in Kenntnis gesetzt, der die Rettungs­mannschaft aufbot, als ber Gast in keiner ber vielen

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UHL Seilersweg Nr. 67 I

adiO Telephon Nr. 3170 I

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