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spielsweffe bei der Abwehr von Flieger-Tiefangriffen und bei der Abwehr feindlicher Krad- (Kraftrad- fahrer-) Schützen.

Da ist beispielsweise inmitten des Regiments aus dem Marsch ein MG-Zug, der die Fliegerabwehr übernommen hat. Ein pferdebespanntes Protzfahr­zeug besteht aus seinem Hinteren Teil aus einem zweirädrigen Karren, auf dem ein Zwillings-MG. montiert ist, bedient von dem ständig feuerbereit sitzenden Schützen auf einem allseits drehbaren Sitz. Da diese Zwillings-MG.s, die ein besonderes Visier für Fliegerbeschuß haben, auf dem Drehstuhl auch ihrerseits noch in jeder Richtung schwenkbar sind, entsteht über ihnen keintoter Trichter", der nicht von der Geschoßgarbe bestrichen würde.

Auf das KommandoAchtung, Tieffliegerangriff!" spritzt die marschierende Truppe nach allen Seiten auseinander in Deckung. Im gleichen Augenblick ist der Karren mit dem Zwillings-MG. von dem Protz­fahrzeug losgeklinkt. Während die Bespannung im Galopp ebenfalls Deckung sucht, eröffnet der Schütze an dem Zwillings-MG. bereits das Feuer. Da er schon auf tausend Meter Entfernung wirksam feuern kann und die doppelte Geschoßgarbe der beiden MG.s zur Wirkung bringt, ist die Chance für den angreifenden Flieger selbst bei der hohen Eigen­geschwindigkeit nicht allzu groß, falls er nicht ganz überraschend herunterstoßen kann. Die zerstreute Truppe unterstützt mit ihren Feuerwaffen selbswer- ständlich den Kameraden auf dem Fliegerabwehr- fnrren. Mit ähnlicher Schnelligkeit vollzieht sich die Abwehr angreifender feindlicher Kradschützen. Die Gewehre des MG.-Zuges werden blitzschnell frei ge­macht, auf die Lafetten gesetzt, die griffbereit an dem Karren hangen, und nehmen dann das Feuer auf.

Nahkampf,ein infanteristisches Olympia

dann geht es

kampfbahn, wo er Gelegenheit

und feiner Waffe sicher geworden, hinaus auf die Naykampsbahn, wo

Ein besonderes Kapitel für sich ist die spestali- ierte Ausbildung im Nahkampf. Was auf die- em Gebiet heute geübt und gezeigt wird, ist Kampf­port in der Vollendung. Die Rolle, die dieBraut des Soldaten", das Gewehr, von jeher gehabt und die der Krieg bestätigt hat, ist neuerdings in der seit etwa zwei Jahren bestehenden Nahkampf­schule noch ganz wesentlich erweitert worden. Der Infanterist lernt an mannigfachen Beispielen, daß sein Gewehr im Nahkampf nicht etwa überflüssig oder gar störend, sondern bis zum Augenblick des direkten Kampfes Mann gegen Mann eine ebenso leistungsfähige wie wichtige Waffe ist. Da lernt der Soldat in einer Weise, die gegen die frühere fast exerziermäßige Gefechtsart geradezu sportlich auf­gelockert ist, aus dem Stand oder im Vorgehen und auch im laufenden Vorwärtsstürmen blitzschnell selbst plötzlich auftauchende Gegner mit wohlgeziel­ten Gewehrschüssen zu bekämpfen. Natürlich wird das zuerst in allen Variationen auf den verschiede­nen Schießständen geübt. Ist er dort seiner selbst

bekommt, sich gegen plötzlich auftauchende Gegner und gegen allerlei verschmitzte Abwehrmittel mit Erfolg durchzusetzen.

Es ist erstaunlich, welche Treffsicherheit schon diese übenden Infanteristen stier nach erst einjähriger Ausbildung und zweiwöchigem Aufenthalt in der Infanterieschule zeigen. Kaum einer, der nicht bei diesen hochinteressanten gefechtsmäßigen und man muß es noch einmal betonen sportlich höchst reiz­vollen Schießübungen in der Nahkampfbahn selbst gegen plötzlich auftauchendePappkameraden" bei vier Gegnern seine vier Treffer hat. Dabei wird mit gutem Erfolg auch der neu aelehrte H ü f t - schuß auf Entfernungen unter zehn Meter ange­wandt, wobei das Gewehr um 90 Grad nach links verkantet, also mit horizontalem Kolben an der Hüfte aehalten wir; in dieser Stellung gibt der Schütze seinen überraschenden Schuß ab, vermeidet die Ver­zögerung, die durch das sonst übliche Hochnehmen des Gewehrs eintritt, und hält den Gegner nieder, bis er ihm chließlich einen Bajonettstoß versetzen kann. Das rüher geübte exerziermäßige Bajon'et- tieren, das sich im Weltkrieg als überholt heraus­gestellt hat, fällt heute weg; der Schütze stößt mit dem Bajonett so, wie es jedem am besten von der Hand geht. Bei allen diesen Schießübungen wird der Soldat planmäßig dazu erzogen, daß er nach jedem abaeaebenen Schuß sofort ganz automatisch mit dem bekannten schnellen Ruck am Gewehrschloß wieder lädt, so daß er im Gegensatz zu der Praxis aus der Dorkriegs- und ersten Kriegszeit stets ein schußfertiges Gewehr zur Verfügung hat.

Es versteht sich von selbst, daß die Ausbildung mit einer so wichtigen Waffe wie der Handgra­nate besonders sorgfältig erfolgt, vor allem mit einem möglichst genauen Zielwurf. Auch hierbei kommt der kämpferische und der sportliche Ehrgeiz wieder voll auf seine Rechnung, wenn beispiels­weise zwei Mann in einander auf Gefechtsentfer­nung gegenüberliegenden Grabenstücken oder Schüt­zenlöchern sich gegenseitig mit Handaranaten-Ziel- würfen (selbstoer ländlich mit Uebungshandgranaten) zu erledigen Der uchen und nun dabei, je nach dem Fall der gegneri chen Granate, sich entweder nieder­ducken oder, wenn es zeitlich möglich ist, die Granate zurückzuwerfen, so daß sie den gegnerischen Werfer selbst vernichtet, oder sich blitzschnell aus ihrem Loch Herauswersen, wenn die Granate den Standort des Schützen selbst trifft. Aber setzen wir einmal den Fall, daß ein Infanterist im Gefecht keinerlei Schuß­waffe mehr zur Hand hat. Nun, dann ist er noch lange nicht verloren; er greift zu dem kurzen Jn- fanteriespaten, einem höchst gefährlichen Schlag­instrument, oder zum Messer. Und wenn er über­haupt nichts mehr Waffenähnliches hat, was ja auch Vorkommen kann, dann springt er dem Gegner mit Jiujitsu-Griffen an, die, richtig an­gesetzt, selbst einen bewaffneten Gegner schnell zu Boden bringen können.

Schließlich sahen wir noch das kriegsmäßige Auf­rollen eines stark verteidigten Grabenstückes durch einen Stoßtrupp, bei dem vor allem die Hcmd- granatenroerfer sich hervortaten. Der Verteidiger des Grabenstücks errichtete zuletzt ein Schnelldrahthinder­nis im Graben. Auch das hielt den Stoßtrupp nicht auf, eine geballte Ladung, über die Deckung gewor­fen, riß mit Donnergetöse das gesamte Himrernis in taufend Fetzen, der Weg war frei. Und endlich verfügt jedes Infanterie-Regiment noch über einen kompletten Reiterzug in Stärke von einem Of­fizier, vier Unteroffizieren und 27 Mann. Der Zug dient in erster Linie zur Nahaufklärung. Mann und Roß werden mit der gleichen Sorgfalt wie bei der Kavallerie geschult, sich in jedem Gelände, in jeder Situation und bei jedem Hindernis richtig zu benehmen unb ihre Gefechtsaufgabe auf jeden Fall durchzufustren. Ueberrafcht hört man bei den Vor­führungen des Reiterzuges, daß die Hälfte aller Pferde der Wehrmacht bei der Infanterie verwendet werden!

Gewehr mit Bajonett, Handgranate, zweierlei Ge­schütze, Kraftfahrzeuge, Maschinengewehre, Granat­werfer, Panzerabwehrkanonen, Iiujitsu, Reiterdienst nun bestreite noch einer, daß die moderne Infan­

terie tatsächlich die vielseitig st e unb inter­essanteste Waffe ist! Jeder, der nicht irgend- ein technischer Spezialist ist, findet in der Infanterie ein soldatisches Betätigungsfeld, dessen vielfache Möglichkeiten um so anregender sind,- je höhere An­sprüche der Soldat selbst an seine körperlichen unb geistigen Fähigkeiten zu stellen vermag. Im übrigen hat schon allein die hier gegebene Schllderung sämt­licher Waffen unb Kampfarten der Infanterie ge­zeigt, daß auch eine gewisse Anzahl von Speziali­sten verschiedenster Art in ihr sehr wichtige Funktio­nen haben.

Oie Geholtsbezüge der Unteroffiziere.

Wer Berufssoldat werden will, muß sich zu einer Dienstzeit von mindestens 12 Jahren verpflichten. Die Unteroffizierslaufbahn umfaßt die Dienstgrade des Unteroffiziers, Unterfeldwebels, Feldwebels, Ober- unb Haupt- unb Stabsfeldwebels, die im Wege der Beförderung erreicht werden können. Die Ge­haltsbezüge schwanken bei dem Ledigen in Orts­klasse A zwischen 149 und 188 RM., bei dem Der-

Redner an

heirateten zwischen 198 und 255 RM. Der lediae Be­rufssoldat erhält daneben freie Kleidung und Unter- kunft, für die Verpflegung werden nur geringe Ab- züge gemacht. Der Verheiratete hat ebenfalls An­recht auf freie Bekleidung. Der Wert der Gehalts­bezüge erhöht sich dadurch erheblich. Militäranwärter erhalten nach zwölfjähriger Dienstzeit als lieber« gangsbeihilfe 750 RM., die in zwei Zwischenstufen bei 18 Dienstjahren auf 1800 RM. steigt. Diese Bei­hilfe konnte niedriger bemeffen werden als die sonst nach 12 Dienstjahren zu zahlende Dienstbelohnung, da die Belohnung der Militäranwärter in der Ueber- nahme in den Beamtenberuf besteht. Das kürzlich in Kraft getretene Wehrmachtfürsorge.- und Versor­gungsgesetz berücksichtigt aber auch, daß nicht jeder Unteroffizier Lust und Neigung für den Beamten­beruf hat. Wer daher in das freie Erwerbsleben übertreten will, erhält eine Abfindung von 8000 Reichsmark, dazu die Dienstbelohnung, die nach zwölf Dienstjahren 1200 RM. beträgt und alle zwei Jahre um je 200 RM. bis auf 1800 RM. steigt.

die Nation.

1932 6,4 v.H. unb im Jahre 1937 23 v. H. Ins­gesamt ist der Anteil der im Inland gewonnenen Textilrohstoffe überhaupt im Jahre 1937 auf 40 v. H. gestiegen. In demselben Jahr führten wir für 687,9 Millionen RM. Textilrohstoffe ein; 1938 nur für 645 Millionen RM. Um diese Ziffer richtig zu bewerten, muß man bedenken, daß im Vorjahre die Einfuhr aller übrigen Rohstoffe sich auf 2,28 Milliarden und die von 1938 auf 2.32 Milliarden belief. So hat an der Steigerung der Gesamtroh­stoffeinfuhr die Einfuhr der Textilrohstoffe nicht teil genommen.

So half uns die Synthese, die uns von der Natur gesetzte Schranke zu überwinden. Aber die Entwicklung ging weiter. Die Kunst der Syn­these wurde vertieft. Bei der Herstellung von Kunst­seide und Zellwolle, von textilen Fäden ober Flok- fen müssen wir von dem von der Natur geschaffe­nen Zellulosematerial ausgehen. Allein damit war die Chemie noch nicht zufrieden. Sie wollte Fäden aus den billigsten Ausgangsstoffen. aus Kohle und K a l k, die uns in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen, erzeugen. Das ist heute ge­lungen, wenn auch diese Fäden aus Kohle unb Kalk vorerst nur für technische Gewebe verwendet werden.

H. Schr.

3um 125. Todestage Johann Gottlieb Fichtes.

Im Jahre 1813, als die Studenten der Berliner Universität ins Feld zogen, um Deutschland endgül­tig aus der Gewalt des Korsen herauszufechten, hielt der Professor der Philosophie Johann Gottlieb Fichte seine Abschiedsrede. Es wäre sein heißester Wunsch gewesen, als Prediger und Redner mitzu- ziehen, um dieKriegführer in Gott einzutauchen", aber fein Angebot wird abgeschlagen. Ein Jahr darauf bringt (eine Frau von Den Verwundeten, die ie pflegt, ein ansteckendes Fieber mit nach Haus, das ihren Mann befällt und am 29. Januar 1814 dahinrafft.

Wenn wir heute nach 125 Jahren an die Tobes­tunde dieses Mannes denken, so schauen wir zurück in eine entschwundene Welt des deutschen Geistes. Entschwunden ist sie und doch wieder eigentümlich nah. Jene Studenten, die Fichte vor ihrem Marsch ins Feld angefeuert hatte, waren sie nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt wie jene Scharen deutscher Jünglinge, die mit Liedern auf den Lippen und Deutschland im Herzen vor Langemarck in den Tod gingen? Und steht uns nicht der Mann Fichte zuerst als politischer Redner in einer Zeit tiefster deutscher Not vor unserem inneren Auge, wenn wir ein Bild in uns aufrufen, ohne vorher in einem Handbuch der Philosophie geblättert zu haben?

Sehen wir tiefer in das Leben und Wirken die- es Mannes, so erkennen wir einen unbändigen unb kraftgeladenen Menschen, dessen ganze Natur darauf angelegt war, zu wirken, sich in Taten zu entladen. Daß sich bieje ungeheure Willensenergie in gewaltige Denkleistungen umsetzte, ist ein Symbol für jene Wegstrecke des deutschen Geistes, die wir heute als deutjchen Idealismus bewundern und ver­ehren, gleichzeitig aber auch als abgeschlossen er­kennen. Fichtes Leben unb Wirken begleitet eben jenen Umschlagspunkt der deutschen Entwicklung von einem staatlich gestaltlosen Reich zum deutschen Staat der Gegenwart und Zukunft.

Noch wird ein politisches Ereignis wie die fran­zösische Revolution im deutschen Volk rein geistig ausgenommen unb verarbeitet. So steht auch Fichtes erste Lebenshälfte unter den Idealen eines revolutio­nären Weltbürgertums, eines Kosmopolitismus, eines abstrakten Menschheitsbegriffes. In diese rein geistige Welt brechen die Erlebnisse unb Eindrücke der Napoleonischen Kriege. Wie hier aus dem ab­strakten Denker der glühende Redner an die deutsche Nation wird, ist eines jener geheim­nisvollen Kapitel in der Geschichte des deutschen Geistes, das nicht mit billigen Worten und einfachen Sätzen erklärt werden kann. Auch in den hier vor- getragenen Lehren vom Volk und vom Deutschen inb immer noch bie jungen Vorstellungen in das abstrakte Begriffskleid des Idealismus gehüllt, in ihrem tatsächlichen Gehalt brechen sie aber bereits zu unmittelbarer politischer Wirkung durch. Mitten in den verschlungenen Gehegen von 'Metaphysik und Sprachphilosophie erhebt sich die Idee des po­litischen Volkes. Diese Idee ist aber in den

Zeiten ticffter politischer Ohnmacht der Deutschen etwas, das erst verwirklicht werden muß. Somit ist für Fichte Volk etwas Werdendes, rückt die Bestim­mung der Deutschen in bie Zukunft.

Fichte sieht, daß ohne politische Selbständigkeit sogar die Sprachgemeinschaft eine zweifelhafte Wirk­lichkeit ist, daß Wissenschaft und Kunst leere Gefäße bleiben, wenn sie nicht in eine geschlossene Natio­nalität eingebettet sind.

So entwickelt er denn auch in seinen Reden den ausführlichen Plan einer deutschen N a - tionalerziehung und denkt den Staat als eine Erziehungsgememschaft zum Volke. Fichte denkt sich einenZwingherrn zur Deutschheit", der das in seiner Begriffswelt metaphysisch vorhan­dene deutsche Volk auch zur geschichtlichen Wirklich­keit macht. Fichte hofft hier auf Preußen unb nimmt damit die Entwicklung der Zukunft vorweg.Also her einen Zwingherrn zur Deutschheit", heißt es in einem Entwurf zu einer politischen Schrift aus dem Frühjahr 1813.Mache sich unser König dieses Ver­dienst." Preußen trägt hier die Aufgabe der Zu­kunft.Der Geist seiner bisherigen Geschichte zwingt es fortzuschreiten zum Reich." '

So bezeichnet Fichte eine entscheidende Station der deutschen Selbstbesinnung. Im Bereich des Gei­stigen erobert er das Reich. Er schöpft den Begriff der Dolkwerdung der Deutschen, damit das Ziel einer Ueberwindung der dynastisch-territo­rialen Zersplitterung. Die Einheit des Volkes ist für ihn etwas, bas ständig neu erzeugt werden muß. Sie muß in den Herzen der Deutschen verwurzelt sein. Nur daraus quillt die lebendige Vaterlands­liebe, Hingabe, Einsatz und Opfer. Die deutsche Ein­heit unb damit bas Reich ist bas Ergebnis einer ununterbrochenen Erziehungsarbeit. In einer Ju­gend, bie durch eine solche Erziehung geprägt wor­den sei, habe ein Staatein Heer, wie es noch keine Zeit gesehen" hätte. Mit dieser nattonalpolitt- schen Erziehung allein schon wäreeine Nation unter Waffen gestellt".

Es bedeutet durchaus kein. Hineingeheimnissen gegenwärtiger Wirklichkeit in bie Fichtesche Begriffs- Welt, wenn wir heute diese Gedanken als wahrhaft prophetisch erkennen. Dies kann auch gelten für (eine Vorstellung von einemZwingherrn zur Deutschheit. Ursprünglich war dies bei Fichte ein fonftrierter Gegenbegriff zu Napoleon. Heute, angesichts der weltpolitischen Ereignisse des vergan­genen Jahres, verstehen wir auch diesen Begriff in unserem Sinne. Weder preußische noch österreichische Dynasten waren zu dieser Rolle befähigt genug. Noch einmal sollte Deutschland in eine tiefste Er­niedrigung fallen. Aus ihr erst erstand ein neuer Redner an die deutsche Nation, dem es vom Schick­sal gegeben war. auch zum Täter zu werden, die Deutschheit als Reich und Staat gegen innere Zer- spaltenheit unb äußeren Widerstand zu erzwingen.

Dr. Max Dachauer.

Chemie erschließt die

Wett.

Von den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters.

XIV.

WiedieKunstsetdeindjeWelttam

Im Jahre 1656 erschiendes Deutschlands Wohl­fahrt" des großen Chemisten Glauber, den man mit großem Recht den deutschen Boyle genannt hat und den einen Alchimisten zu schimpfen eine recht abgeschmackte Sache ist. Um zum Wiederaufbau [eines Vaterlandes nach der entsetzlichen Kriegszeit beizutragen, schlägt er vor, die chemische Produktion der Zeit auf heimatlichen Roh, und Bodenproduk- ten aufzubauen. Er schreibt dieses:Deutschland ist von Gott sonderlich hoch begäbet mit allerhand Bergwerken... mangelt nur an erfahrnen Leuten, welche dieselbe zu recht wissen zu bringen... Warum sind wst so schlecht, daß wir unser Kupffer nach Frankreich oder Hispanien, und das Bley in Holland unb Venedig schicken, Spanischgrün unb Bleyweiß daraus zu machen, Denen mir es hernach so theuer abtauffen müssen? Ist unser Holtz, Sand unb Aschen in Deutschland nicht so gut, Crystallinisch Glas daraus zu machen, als jenes zu Venedig oder Frankreich ... ?"

Und etwa 10 Jahre später wendet diesen natio­nalsozialistischen Grundgedanken der englische Ge­lehrte Robert H o o k e , der den Aufbau des Pflan­zengewebes aus Zellen entdeckte, auf bie textile Faser an. Er wollte sein Land von Den Risiken der Ernte, der Qualitätsschwankung unb schließlich auch der Spekulation unabhängig machen. 1734 hat bann ein Franzose, der Physiker RSaumur, in seiner Geschichte der Insekten , das Programm ver­kündet, künstlich einen Faden zu schaffen, der der Naturseide ähnlich sei.

Allein nicht aus derartigenUtopien", nicht auf ©runb einer planmäßigen Bearbeitung dieses spe­ziellen Problems, sondern im Flusse allgemeinen technischen unb wissenschaftlichen Fortschritts gelang es bem Deutschen Schönbein, einen in dieser Richtung schöpferischenZufall" gedanklich zu mei­stern. Das war im Jahre 1845. Schönbein experi­mentierte. Er behandelte Baumwolle, die damals für alle Welt unb auch für die Gelehrten inter- effant war, mit einem Gemisch von konzentrierter Salpeter, unb Schwefelsäure. Daß ihm bann auf einmal sein Laboratoriumsofen in bie ß u f t flog, konnte er nicht ahnen. Aber Schön- dein ging den Gründen dieser Erplosion nach in Deren Donner zögernd und vorsichtig die Zeit Des

ersten künstlichen textilen Rohstoffs heraufzog. So entdeckte er zunächst die Schießbaumwolle und, da er weiter experimentierte, bann die Kol­lodiumwolle. 1886 gelang es dann dem Gra­sen Hilaire de Chardonnet, der von der in Aether unb Alkohol gelösten Kollodiumwolle aus­ging, sie durch ein Glasröhrchen von 0,1 Millimeter Düsenöffnung unter Druck von 30 bis 40 Atmo­sphären trieb, einen schimmernden seidigen Faden zu erzeugen. Man begann unmittelbar mit Der Fabrikation, unb von biefer Zeit batiert der Sieges­lauf bieses neuen Textilmaterials. Diese Nitrat- kunstseibe ist bie älteste Art ber Kunstseide. Heute wird sie praktisch kaum mehr hergestellt. Ihr Roh­stoff ist Die Baumwoll-Linters. Wir aber verfügen Darüber nicht.

Mit Dem alten CharDonnet-Verfahren, künstliche Fasern zu schaffen, wären wir wohl kaum sehr weit gekommen. Es konnten aber bessere unb volks­wirtschaftlich wertvollere Verfahren, Kunsffeide her­zustellen, entwickelt werben, die auch zur synthe­tischen Gewinnung deutscher Zellwolle führten. Um Kunstseidegarn zu gewinnen, braucht man Zellstoff. In der Haupffache H o l z z e l l st o s f. In gerin­geren Mengen eben auch Zellstoff aus Den zum mechanischen Spinnen nicht mehr geeigneten, an Baumwollsamen haftenden Kurzhaaren. Bisher war es das Holz Der Fichte, Das in ber Hauptsache er­schlossen unb zur Gewinnung von Zellwolle benutzt würbe. Für 1938 jedoch war schon die Umstellung auf Buchenholz ungeordnet, damit das Fichtenholz für die Papiererzeugung reserviert bliebe.

Unter Den drei verschiedenen Verfahren, Zellulose aus organischen zellstoffhaltigen Ausgangsstoffen zu erschließen, die in ihnen enthaltenen Makromoleküle einzufangen und in einen Faseroerband zu ordnen, ist das sogenannte Viskose-Verfahren das erfolgreichste. Zur Zelluloselösung kommt man durch eine doppelte Umsetzung des Zellstoffs. Durch Be­handlung ber Zellulose mit Natronlauge gibt es zunächst als Zwischenprodukt Die Alkali-Zellulose. Diese wird Der Einwirkung des Schwefel-Kohlen­stoffs ausgesetzt. Es bildet sich das lösliche Zellulose­produkt, das Tanthat. In verdünnter Natronlauge gelöst, ergibt es die Viskose.

Etwa 85 v. H. aller Kunstseidegewinnung und 95 v. H. aller Zellwollproduktion erfolgen nach dem Diskoseoerfahren. Der Anteil der synthettschen Faser an der Versorgung Deutschlands mit Bekleidungsrohstoffen betrug im Jahre

Wehrhaftes Holland.

(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

Gr. Amsterdam, 25. Januar.

Wenn man die heutige Einstellung des Hollän­ders zu militärischen Dingen etwa mit der von 1935 vergleicht, so ist sie nicht wieDerzuerkennen. Jahrzehntelang waren militärische Fragen für den Durchschnittsburger Angelegenheiten, mit denen sich Die beschäftigen konnten, Die man Dafür bezahlte. Diese Einstellung beruhte teils auf Gedankenlosig­keit, teils auf dem Vertrauen in die kollektive Sicherheit, die man von ber Genfer Liga behütet glaubte. Der Militärdienst war, vom Standpunkt des Durchschnittsholländers betrachtet, vom Zettoer­lust abgesehen, nur eine lästige Beschränkung der persönlichen Freiheit. Dom Staat aus wurde nichts unternommen, um der wachsenden Gleichgültigkeit, wenn nicht gar Ablehnung, Einhall zu gebieten. Im Gegenteil, das Parlament gab in feinet Mehr­heit das Vorbild dafür unb behandelte alle Fragen Der Landesverteidigung als zweitrangig und neben­sächlich.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, wenn heute in allen wehrpolitischen Schriften und Veröffentlichungen in erfter Linie immer wieder zur geistigen Aufrüstung als Voraus- feijung Der Wehrhaftmachung des Vol­kes aufgerufen wird. Die Königin ist im vori-

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gen Jahre mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit vorangegangen. So wenig Handgreifliches man sich damals Darunter vorstellen konnte, so sehr bat er im Lause weniger Monate Sinn und Inhalt be­kommen, und mit Stolz stellte unlängst ber Nieuwe Rotterdamsche Courant" fest, daß sich Die Haltung des Volkes jchon so weit geändert hätte, baß Luftschutzkeller nicht mehr Gegenstand des Spottes, Laufgräben in bewohnten Ge­genden nicht mehr Seltenheiten, Heranziehung von Zivilisten zu Grenzbefestigungen Selbst­verständlichkeiten und Debatten über Wehrstagen Alltägliches sind. Dabei wachse überall Das Ver­ständnis dafür, daß heute nicht mehr Zeit zum bloßen Reden fei.

Es ist tatsächlich unleugbar, daß sich die Einstel­lung der breiten Bevölkerung zu militärischen Din­gen grundlegend gewandelt hat. Dabei ist besonders kennzeichnend, daß sich diese Einstellung von jeg­licher Parteipolitik gelöst hat. Pazifis­mus und Militarismus einst bie Schlagworte von in Parteien gruppierten leidenschaftlichen Dok­trinären, hört man heute nicht mehr und, sofern sie noch fallen, bleiben sie in Der Masse ohne Wider­hall. Das Volk wird sich zunehmend bewußt, daß das Widerstandsvermöqen eines Landes nicht allein von rein militärischen Faktoren sondern bestimmend mit von dem Durchhaltevermögen der gesamten Be­völkerung abhängt.

Die praktischen Folgen dieser geistigen Wandlung kommen täglich mehr zum Ausdruck. Waren die überstürzten Abwehrvorbereitungen Der Zivilbevöl­kerung im September vorigen Jahres noch von Der Angst diktiert, so ist heute die Beteiligung fall der gesamten Bevölkerung beispielsweise am Luftschutz zu einer besonnen en Mitarbeit geworden. Die Derdunkelungsüdung, die vor kurzem die gesamte Proviniz Süd-Holland umfaßte, war von Den Millionen Menschen bereitwillig mitge« macht worden. Im höchsten Grabe kennzeichnend ist ferner Der Beschluß Des friesischen Provinzial- rates, für die elektrische Zentrale der Pro­vinz Leeuwarden aus provinzialen Mitteln drei Luftabwehrgeschütze zu kaufen und für ihre Bedie­nung das nichtmilitärische Personal ber Zentrale ausbilben zu lassen; gleichzeitig sind übrigens die Fabriken Der Umgebung aufgefordert worDen, eben­falls Die gleichen Dorsorgemaßnahmen zu treffen. So etwas wäre vor Drei Jahren noch unmöglich gewesen und allein schon der Gedanke, Die Arbeiter der Zentrale zur Bedienung der Geschütze heran­zuziehen, hätte zumindestens in der Linkspresse einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Heute ist dieser Gedanke schon selbstverständlich geworden.

Selbstverständlich sind auch die anderen Vorberei­tungen, die überall im Lande getroffen werden, so, daß die Ingenieure der Wasserwerke dafür eigens in Utrecht zusammengekommen sind, um über den wirksamsten Schutz der Trinkwasserversor­gung zu beraten; daß der Schutz der Kunst- schätze organisiert wird; daß sich schließlich das Parlament binnen Kürze mit jenen sieben wehrwirt­schaftlichen Gesetzen befassen wird. Deren Eingriffe in Das gesamte Volksleben alle bisherigen Zumutun­gen an die holländische Zivilbevölkerung weit in den Schatten stellen. All dieses wird von der breiten Be­völkerung höchst ernsthaft hingenommen und auch gutgeheißen. Man muß, wie gesagt, Holland vor wenigen Jahren gekannt haben, um diese grund­legende geistige Einstellung, die noch offensichtlich im Werden ist, zu erkennen unb zu würdigen. Und warum und woher dieser jähe Wandel? Die Gründe, die man hört, bleiben an ber Oberfläche. Der tiefste ©runb bürste in bem wiebererwachten N a - t i o n a l g e f ü h l zu suchen sein. Man rüstet sich unb bereitet sich vor, um, komme was wolle, Host länber zu bleiben.