Nr. 18 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 21./22.Zanuar 1939
30 Lahre Schiklub Gießen.
Aus der Irühzeit des Wintersports.
MW
Die ersten Gießener Schiläufer vor einer Schutzhütte am Hoherobskopf.
den, weil sie sich so komisch auf ihren Hölzern durch ihre Gegend bewegten. Heute denkt seder rechte Junge im Alter von 10 Jahren an ein Paar Schier. Mädchen denken etwas später daran! Die Vogelsberger Bauern denken auch anders, als damals. Zumindesten denken sie: es lohnt sich! Wie weit auch war der Weg vom ersten Tasten und Suchen nach den Möglichkeiten der Beherrschung der Schier bis zu der ausgeseilten, reichseinheitlichen Lehrtechnik im Fachamt Schilauf im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen! Das kam alles nicht von ungefähr!
Es bedurfte auch im Schiklub Gießen einiger Enthusiasten. Der Verein hat sie immer in seinen
Der Schiklub Gießen kann auf ein 30jähriges Bestehen zurückblicken! Angesichts dieser Tatsache könnte man sich gewaltsam auf den Standpunkt stellen, daß das gar nichts Besonderes fei. (Turnvereine können schon auf 100 Jahre Bestehen zurück- blicken!) Aber merkwürdig: dieser gewaltsam eingenommene Standpunkt ließe sich bei genauem Zusehen nicht halten! Denn diese 30 Jahre Schiklub sind Geschichte des Schilaufs überhaupt. 30 Jahre Pionierarbeit, an der man nicht vorbeigehen kann!
Es war aber auch ein weiter Weg vom Stockreiten bis zum Temposchwung! Es liegt viel zwischen der Zeit, da die ersten 5 oder 6 Schiläufer aus Gießen in einem Eisenbahn-Abteil mitsamt ihren Schiern Platz fanden und in langer Eisenbahnfahrt nach Schotten fuhren — bis zur Gegenwart, in der der Schiklub fünf stromlinienförmige Omnibusse an schönen Wintertagen anfordern muß, um 250 Schiläuferinnen und Schiläufer bis an den Fuß des Hoherodskopfes, nach Breungeshain zu bringen. Und diese Fahrten der Hunderte sind so selbstverständlich geworden! Noch gut erinnern sich alle jene Wegbereiter des Schilaufs, wie ihnen einst die skeptischen und oft verständnislosen Blicke der Släbter folgten, wenn sie die langen Bretter geschultert trugen; sie roiff<m noch, wie sie non den Vogelsberger Bauern die „Narre" genannt wur-
Reihen gehabt, und er hat sie heute noch wie ehedem. Von den Brüdern Peppler über Neurath und Dr. Wodaege bis Althaus und Dörfner! Nie haben die Wetterlaunen des Hohen 'Vogelsberges die Liebe zu den Waldbergen erschüttern können. Wer einmal durch den Winterwald des Hohen Vogelsberges auf Schiern geglitten ist. der bleibt dabei! Aus der verschworenen Gilde der ersten 10 Schiläufer ist eine schöne Gemeinschaft von über 500 geworden. Der Schiklub zählt mit zu den größten und aktivsten Leibesübung treibenden Vereinen unserer Stadt *
Wenn auch die ausgezeigte große Linie dieser 30 Jahre das Wichtigere ist, so sind doch auch einige geschichtliche Einzelheiten des Schiklubs aller Erinnerung wert. Gründungstag war der 19. November 1908. Dr. Bernbeck und A. Pepvler gaben die Anregung zur Gründung eines Schiklubs. 14 Interessenten fanden sich zur Gründungsoersammlung ein. Im Protokoll sind ihre Namen festgehalten: Karl Becker, Dr. Karl Bernbeck, Ludwig Hoffmann, Erna Kirsch, Louis Kracke, Dr. H. Kusselinger, Karl Neurath (Schriftleiter des Gießener Anzeigers), Albert und Wilhelm Peppler. Anna Onenteli Ludwig Seibert, Helene Sievers, Julius Walter (Grünberg) und Ella Winckler. Einige dieser ersten Mitglieder gingen aus der damaligen Jugendbewegung „Wandervogel" hervor. Deshalb hieß der Verein anfäng-
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Ein Bild aus der Nachkriegszeit. Die Gilde der Schiläufer ist stattlich geworden.
Schuß im Funkhaus.
Ein Roman von Maria Ober lin.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München.
2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Evelyn beobachtet den Bruder aufmerksam.
„Hast du Aerger gehabt, Thomas?"
„Ja", meint der junge Mensch ärgerlich. „Ich komme grab von Bortefeld ..
Evelyn wird bleich.
„Du warst bei Bortefeld? Aber wieso--was
weißt du?" Sie bricht ab, begegnet dem verwunderten Blick des Bruders, er sagt kopfschüttelnd: „Hast du denn meine Suite vergessen, Evelyn? Ich habe sie doch der musikalischen Abteilung zur Uraufführung angeboten ..."
„Ach ja, richtig." Evelyn streicht stch über die Stirn. „Ich vergaß ganz. Wie ist denn das Urteil?"
Der junge Mensch lehnt sich an die Wand und trommelt nervös an der lichtblauen getönten Tapete herum.
„Nicht sendereif! Es ist ja ein Witz! Bortefeld sagt zwar, die Arbeit wäre nicht schlecht, dies sei gut und das — aber im ganzen meint er: Unreif: Unausgeglichen. Ich hätte mich übernommen, na, was soll ich dir lange erzählen, Ev! Adgelehnt, fertig! Dabei ist der Mensch so überlegen, so ironisch — so väterlich — freundlich — dabei — ach, ich ertrag das einfach nicht. Und eingebildet ist er — ganz unmöglich..." Evelyn fällt ihm schnell ins Wort.
„Sei doch vorsichtig, Thomas, drüben ist doch schon 'Bortefelds Zimmer!"
„3ft mir ganz egal! Meinetwegen können sie alle lhören, was ich von ihm denke--glaubst du, daß
•er hier im Haus beliebt ist?"
„Menschen, die mehr können als andere, sind fselten beliebt", sagt Evelyn sachlich.
Sie schweigen eine Weile. Thomas Kay lehnt müde ausgegeben, ganz erledigt an der Wand, ftarrt finster vor sich hin. Sein kluges, ein wenig hochmütiges Gesicht ist tief beschattet. Irgendwo in Der Nähe geht jetzt eine Tür auf, man hört auf= schwingende Musik, die anmutige Süße und zärtliche Eleganz des Walzers aus dem „Rosenkava- Äer..."
Thomas Kay horcht einen Moment gespannt, aber der graziöse Rhythmus beruhigt ihn nicht. Noch einmal bricht jäh seine Verstimmung aus: „Na, mich kann er gern haben, der Herr Bortefeld! Ich kann verstehen, daß ihn keiner leiden kann!" Aus Bortefelds Büro kommt grab eine Stenotypistin, sie hat die heftigen Worte gehört und geht kopfschüttelnb weiter.
„Du regst bich zu viel auf, Thomas!" sagt Evelyn. „Vielleicht ist an ber Arbeit wirklich was falsch. Arbeite sie gut burch ober schaff was Neues — laß bich nicht entmutigen!"
Dann sagt sie unruhig: Jomm, laß mich vorbei. Ich will selbst noch eben zu Bortefeld!" — „Du?" fragt jetzt ber junge Mensch ganz erstaunt. — „Was willst bu denn von ihm, Evelyn? Du gehst doch etwa um Gottes willen nicht meinetwegen? Das dulde ich aber nicht —, bas gibts einfach nicht — bu wirft boch wohl nicht wegen meiner Suite mit ihm reden?"
„Was bu dir denkst!" sagt Evelyn müde und fern. „Ich muß mit ihm reden, lieber ganz anderes."
Der Bruder starrt sie an.
„Versteh nicht", murmelt er. „Du kennst ihn doch kaum. Isis wegen deiner Lieder?"
Das Mädchen hebt langsam den Blick.
„Werd es dir noch erzählen", sagt es leise. „Später. Nicht jetzt. Später."
„Na, Evelyn, sei vernünftig, hörst bu?" mahnt der Bruder etwas beunruhigt unb sieht kopfschüttelnd in das bleiche Gesicht. Evelyn lächelt fern.
Vernünftig — — was heißt bas — — vernünftig?
Dr. Wilhelm Bortefeld erhob sich unb ging Evelyn ein paar Schritte entgegen, seine sonst kühle Haltung war etwas bewegter, herzlicher, als bei anderen.
„Bitte, Fräulein Kay, nehmen Sie Platz... so, aber bas Rauchen wollen wir lassen mit Rücksicht auf Ihren schönen Alt..." Er drückte die lange Zigarette rasch und etwas nervös in einem silbernen Aschenbecher aus. Evelyn ließ sich mechanisch in einen braunen Ledersessel fallen, ihr schmales Gesicht hatte plötzlich harte, kantige Linien.
„Ich muß um Entschuldigung bitten", sagte sie mit spröder Stimme sehr entfernt unb sehr kühl, „ich weiß, daß jetzt nicht Ihre Besuchszeit ist..."
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So ging man einst zum Schilauf!
Eine der frühesten Winterlandschafts-Aufnahmen.
gestartet. (Der Schisport war aber schon vorher von
einzelnen gepflegt worden.) Immerhin,
ber
lich Schiklub „Wanber- oogel" Gießen. Der Name gab aber zu Irrtümern Anlaß. So würbe also umgetauft! Weil man aber die bereits ange- fertigten Vereinsnabeln („&WG“) beibehalten wollte, nannte man ben Verein „Schiklub Wintersport Gießen". Das war zwar, wie man so sagt „boppelt gemoppelt" — aber ber Zweck war erfüllt. Balb würbe dem Deutschen Schi-Verbanb beigetreten. Der Verein wuchs rasch. C. I. Luther, ber bekannte Schiläufer unb Sportschriftsteller, in der Gießener „Pulvermühle" geboren, trat bei,
aufgenommen. Die erste Veranstaltung brachte gleich eine schöne Leistung. Julius Walter mürbe im 10-Kilometer-Langlauf in 40 Minuten erstmalig Klubmeister.
Eifrig wurde weitergearbeitet. Durch Vorträge (schon damals mit Lichtbildern) wurde geworben, günstige Verbindung zwischen Gießen unb Schotten wurde bei der Reichsbahn angeregt und genehmigt, Sonntags-Rückfahrkarten, Extrawagen für Schiläufer beantragt und bewilligt, Schneeberichte übermittelt, Unfallversicherungen empfohlen unb vor allem Schikurse abgehalten. Den ersten Schikurs leitete ein Norweger namens Hoyer. Grotesk die Gegenüberstellung, baß in biesem Winter ein Norweger zum Schiklub Gießen m den Schikursus ging!
Der Weltkrieg tat selbstverstänblich dem Schiklub großen Abbruch. Erst 1919 lebte ber Verein wieder auf und erholte sich nur langsam wieder, elf Mitglieder blieben auf dem Felde der Ehre. Vorübergehend tauchte sogar die Frage der Auslösung auf. Es fanden sich aber die richtigen Männer. Die Arbeit wurde wieder ausgenommen. 1923 wurde die Landschaft Hohensolms — Königsberg als Schigelände entdeckt, Wettkämpfe wurden wieder veranstaltet, ber Schilauf würbe zielbewußt sportlich betrieben, bie Jugend herangezogen und begeistert, bei manchem auswärtigen Rennen gestartet, daneben der gesellschaftliche Zusammenhang gepflegt und immer weiter am Ausbau der Sprungschanze gearbeitet. Untrennbar verbunden mit dieser stetigen zähen Förderung des Schisports im Vogelsberg sind die Namen Peppler, Neurath, Brüder Schmidt, Julius Walter, Legler, Demoll, Jäger (Zahnarzt), Schulze, Hergenröther, Jöckel, Dr. Gerster, Dr. Erhard, Dr. Wodaege, Mangold usw. Dr. Wodaege, allzu früh verstorben, war gerade in den Jahren nach, dem Kriege dem Schiklub ein eifriger Förderer. Nach ihm wurde im vorigen Jahre die aus- gebaute Sprungschanze genannt.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang eine
errang bei größeren Wett
bewerben im Reich die ersten Siege für den Schiklub Gießen, hielt Vorträge unb förderte ben Verein. Aber halb zog er nach München, blieb jeboch Mitglieb. Im Schiklub blieb man in den folgenden Jahren nicht müßig. Die erste Schi fahrt in den Vogelsberg wurde vom Verein im Januar 1909
Hoherobskopf, bisher winterliches Niemandsland, wochenlang kaum von eines Menschen Fuß betreten, wurde nun für den Schilauf entdeckt.
Von der ersten Schifahrt hieß es damals im „Gießener Anzeiger" u. a.:
„... Früh am Sonntag ging’s bann nach Rubingshain, wobei eine gefährliche Abfahrt ohne Zwischenfälle glatt genommen würbe, obwohl bie Hälfte ber Teilnehmer am Abend vorher zum ersten Male mit den Brettern auf dem Schnee gestanden hatte. Auch wurden an einer geeigneten Stelle Sprungversuche gemacht —"
Tatsächlich spukte auch schon in den Köpfen ber Pioniere eine Sprungschanze. Es entstaub auch balb eine Sprungschanze — ben Ehrgeiz mußte aber ber Schiklub mit einigen Markstücken „Anerkennungsgebühr" an bas Forftamt Grebenau bezahlen. Im Laufe ber Jahre würbe aus bem anfänglich sehr bescheibe- nen Hügel eine regelrechte Sprungschanze. Auch bie Wettkampf
tätigkeit würbe sofort
Der Junge (rechts) mit bem ehemals üblichen Schistock.
Bortefeld unterbrach sie lachend.
„Na, also, wenn Ihnen das Kummer macht. Sie sind nicht bie einzige Sünderin... Uebrigens, grab war Ihr Bruder hier, wissen Sie?"
Evelyn nickte abwesend. Bortefeld achtete nicht auf ihre zerstreute Haltung, er sah im Augenblick nur das zarte anmutige Profil, das schimmernde Goldbraun des weichen Haares, bas sich unter dem kleinen Hut hervorringelte. Reizend, buchte er. Ganz reizend, dieses Haar! Es muß wundervoll duften, wie frisch queUenbes Harz ober ganz junge Buchenblätter ...
Evelyn hob langsam ben Kopf unb sah ben Mann an, aber Dr. Bortefelb war aufgestanden unb ging burchs Zimmer.
„Ja, ber Thomas Kay!" sagte er schnell unb lebhaft. „Begabt ist er, Fräulein Kay, aber seine Arbeit mußte ich ablehnen. Begabt, aber flüchtig, keine Zucht in ber Komposition, viel Jbeen, bas wohl, überraschenb viele, viele gute sogar, aber keine geschlossene Form, alles noch zu unausgeglichen, zu jugendlich ..." Der Mann lächelte jetzt, es war ein warmes nachsichtiges Lächeln, bann sprach er schnell weiter: „Sagen Sie ihm, baß er weiterarbeitet ... bann wirb ers schaffen ... Natürlich versteht er mich nicht, ist gekränkt, hält mich für ungerecht. Im Konservatorium haben sie ihn mir zu viel verwöhnt, er muß härter angefaßt werben ... viele müssen härter angefaßt werben — hier", sagt er noch ruhig. „Später sehen sie ein, baß man ihnen selbst ben besten Dienst erweist, wenn man sie schonungslos von ihren Schwächen unterrichtet. Freunbe schafft man sich so allerdings nicht", fügt er noch ruhig hinzu. Aber es ist fast Heiterkeit in dieser Ruhe.
„Ich kam nicht wegen meines Bruders zu Ihnen", sagt Evelyn rauh. — „Das alles, was Sie sagen, weiß ich auch. Ich muß mit Ihnen reden, Herr Dr. Bortefeld ..."
Der Mann steht einen Augenblick noch an ber Wand, sieht bas Mäbchen erstaunt an. Er steht ba sehr hoch unb schlank, straff unb gesammelt. — Das Außergewöhnliche unb Fesselnbe seiner Erscheinung liegt vielleicht in dieser straffen unb männlichen Haltung, in diesen lebhaften, sehr bestimmten unb bisziplinierten Bewegungen, bie ein wenig vom Geheimnis bieses ungewöhnlichen Menschen verraten, — biefes Menschen, ber im Kriege einer ber besten unb tollkühnsten Fliegerhauptleute war, scharfer,
schneibiger Offizier unb gleichzeitig boch ber fein- fühlenbe Mozart-Interpret, der überragende Bach- Gestalter. Dinge, bie weit üoneinanber getrennt scheinen unb sich bei ihm boch außerordentlich harmonisch einen.
Das schmale Gesicht mit bem zurückgestrichenen Haar, in besten helles Blonb sich schon leichtes Silber mischt, hebt sich bem Mäbchen mit leicht Der» wunberter Geste entgegen, bie scharfen Lebensfalten auf ber Stirn bcs Dirigenten scheinen sich zu vertiefen, sein Blick — stählern blau unb sehr bezwingend — fragt.
Evelyn weicht bem Blick aus unb sieht an bem Mann vorbei. Er ist langsam roieber nähergekommen, läßt sich am Schreibtisch nieber unb wartet.
„Ich bin heute einundzwanzig geworden!" sagt bas Mäbchen leise. Es sieht bie leise, etwas lächelnbs Bewegung bes Mannes, chebt abwehrend die Hand. „Ich weiß, baß das Dinge sind, die Sie nicht interessieren können. Aber ich muß sie erzählen, sie gehören dazu." Der Mann sieht sie erstaunt an, Evelyn schaut starr an ihm vorbei. „Justizrat Geldern ist unser Berater, er übergab mir heute den Nachlaß meines Vaters. Ich habe keine Eltern mehr, sie sind tot. Beide", fügt sie schnell und hart hinzu.
„Das ist schwer für Sie!" sagt der Mann herzlich.
Mit einer heftigen Bewegung geht das Mädchen über diese Herzlichkeit hinweg.
„Darum handelt es sich nicht", sagt sie fast schroff. „Unter ben Papieren, bie ich heute erhielt, war nicht nur ber Nachlaß meines Vaters. Auch ein letzter Brief meiner Mutter, ber mir bei meiner Mündigkeit ausgehändigt werden sollte, war darunter. Ich war sehr erstaunt, denn ich wußte bis heute nicht, daß meine Mutter noch einen Brief für mich nachgelassen hatte. Und ich habe erst heute erfahren, warum sie so plötzlich starb ..." Der bleiche Mäd- chenmunb bebt, und auch bie schlanken Schultern Zittern, aber Evelyn strafft sich unb richtet jetzt einen kalten festen Blick auf ben Mann. Er hört gesammelt unb interessiert zu, es ist viel mitfühlendes Erstaunen in seinem Blick.
„Sie wissen boch, wie meine Mutter gestorben ist, Herr Dr. Bortefelb?" fragt bie junge Stimme eiskalt unb ruhig. „Es ffanb ja in vielen Zeitungen. In einem Mietszimmer in Nizza ist sie gestorben. Ein Schuß---vorbei. Als wir kamen, hatte
man sie schon begraben."
(Fortsetzung folgt!)


