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Anlaß.ti s nur saf es tun; &
Berliner Werkpausenkonzert mit Furtwängler.
Berlin, 19. Dez. (DNB.) Am 21. Dezember 1939 veranstaltet die Deutsche Arbeitsfront, NSG. Iraft durch Freude", Gau Berlin, in Verbindung pit dem NS.°Musterbetrieb Stock & Co. in Berlin- Karienfelde von 12 bis 13 Uhr ein Weihnachts- Verkpausenkonzert. Es spielt das Berliner philharmonische Orchester unter Leitung pn Staatsrat Dr. Wilhelm Furtwängler. Das Programm beginnt mit der Egmont-Ouvertüre von keethoven. Es folgen „Till Eulenspiegels lustige ktreiche" von Richard Strauß, „Die Moldau" von Smetana und das Vorspiel zu den „Meistersingern" 6)n Richard Wagner. Damit recht viele Volksgenossen dieses künstlerische Ereignis miterleben können, wird d-r Deutschlandsender das Konzert übertragen.
Oer Kriegsbetreuungsdienst des Neichsjugendführers.
Der vom Reichsjugendführer ins Leben gerufene Lriegsbetreuungsdienst erfaßt allein in der Jen- tale 2500 hauptamtliche Jugendfuh- rer, die im grauen Rock ihre Pflicht tun, darüber hinaus in den Gebieten und Dbergauen, in den Lannen und Untergauen auch alle Führer der unteren Einheiten. 2500 Feldpostpäck- chm sind seit Kriegsbeginn von der Zentrale alle V Tage hinausgeschickt worden, jedes mit einem disonderen Charakter, denn die Betreuten waren Sortiert worden, auf einem besonderen Frage- ihre Wünsche mitzuteilen. So wird dafür ge-
1. Wünscht die Regierung, daß wir die Inlands- erzeugung heben oder nicht?
2. Falls ja, wird sie dafür sorgen, daß wir genügend Lebertran erhalten können?
3. Wird sie dafür sorgen, daß wir genügend Futtermittel zur Verfügung haben, um die Jung- Hennen großzuziehen?
Sv sicht die engEsche Ernährungslage aus!
angewiesen sein wird." Soweit fn »hr.»« enMch- Laadwirtschast vorhanden ist f0^n® ®‘c mgst-n- für da- nächste Jastr alle An tr°naÜn?°n machen, mehr zu erzeugen. Allerdings -ißt sich U Erzeugung nicht über Nacht organisieren B„i„ t“? wirtschaftlicher Korrespondent °
Suardian" weist beispielsweise daraus hin Ä Landwirte wohl im Sinne der Reai/runas^n g-n b,e Absicht gehabt hatten, ihr Grasland umzu' brechen, doch hab-i es a n M a , ch l n - n u n d A^r . beiterngefehlt.
Außerdem ist Produktion eine Kostenlache Di- Zeitschrift .Farmer and Stock Breeder“ London hat nun Anlaß zu zahlreichen Klagen. Zwar lelen di- Futt-rmittelpr-ife festgesetzt wo^rden^ oL non allen Seiten kamen Klagen, daß st- doch oestieaen seien „D>e ganze Geschichte ist ein groß^-- 2 u r ch e i n a n d e r'. Die Zeitung stellt sest dasi di- Landwirt- abgewartet hatten, bi-sich die Ding?eim spielten, aber es müsse bald eine Aenderuna ein- treteu, wenn d,e Landwirtschaft ihre Aufgabe er. Jufitn foße. Sie verliere ihre Leut-, weil sie ihnen nicht die Lohne zahlen könne, welche den Arbeitern pon den Geworben geboten würden, die Staat-aut. träge aus führten. 1
h-ber die Futtermrtteklage wird dem „Pester Lloyd aus England berichtet, daß man die Einfuhr derart vernachlässigt (!) habe, daß infolae der Futtermittelknavpheit das erlassene Weizenver- fütterungsverbot aufgehoben werden mußte. Auf dem Jerstenmarkt steigen die Preise weiter
Daß nach dem „Daily Herold" die Schweinehaller 'hre Schweine unter 30 Kilo Gewicht -erkaufen, ist ebenfalls im Mangel an Futter- zetreide begründet. Ferner veröffentlicht die ena- $ lisch« Fachzeitschrift „Feathered World" eine Leser- :? mfrage zu der Forderung der Regierung, den ;.llu s fall der Eiereinfuhr durch gesteigerte ^IZnlandserzeugung einigermaßen wettzumachen- Da : Dir zu weniger als 60 v. H. Selbstversorger sind missen wir unsere Hühnerbestände vergrö^rn. Um ■iter Küken großzuziehen, müssen sie Lebertran be- ß kommen. Man schätzt, daß 6 Millionen Junghennen im nächsten Jahr erforderlich sind, um den Ein- ührausfall wettzumachen. Auf folgende Fragen an !'ie Regierung konnten wir bis jetzt keine Antwort
Schatten:
ie^>er insbesondere alle die Bücher und -Jellschrlften bekommt, für die er sich aus seinem bisherigen Arbeitsgebiet in der Jugend heraus besonders interessiert. In diesen Tagen sind 2500 -US e 11) n a s p ä tf d)ß n fertiggestellt worden, neben Zeitschriften, Unterholtungs- und Fachliteratur auch Spiele und Süßigkeiten Fn großen Mengen, außerdem einheitlich für alle Päckchen ein ge- brurfter ausführlicher Ueberblick über die Jugend- eit Tannengrün, Weihnachtssternchen zum Schmuck des Tannenbaums und ein Brief des c ^slMendführers. g(e[^e planvolle und lau- lende Betreuung wird in den Untergliede- rungen für die Führer der unteren Einheiten durchgefuhrt. Der Kriegsbetreuungsdienst gilt aber auch allen Angehörigen. Diese sind nicht nur regelmäßig Gäste der Jugend bei ihren Veranstaltungen, sondern sie wenden sich auch an die Führe- rmnenschaft des BDM., wenn sie irgendwelche Hilfe benötigen, die ihnen dann zur Verfügung gestellt
Oer Weihnachts- und Neujahrsurlaub im Ersahheer.
Dos Oberkommando des Heeres hat den Urlaub öer Ersatztruppen zu Weihnachten und Neujahr geregelt. Hiernach können biszu 50 v. H. je Stab oder Einheit beurlaubt werden, und zwar find die Beurlaubungen auf zwei gleich starke Raten zu verteilen. Bei der Urlaubserteilung find in erster Linie Verheiratete und die Soldaten zu berücksichtigen, die entweder aus truppendienstlichen Gründen oder wegen sehr großer Entfernung ihres Heimatortes einen Urlaub noch nicht erhol» t e n konnten. Angehörige des Ersatzheeres, die bei Urlaub die Reichsbahn nicht benutzen, können für die Feiertage, vom 24. bis 26. Dezember oder vom 31. Dezember bis 1. Januar, unabhängig von den Prozentzahlen beurlaubt werden, soweit die dienstlichen Verhältnisse es zulafsen.
Aus aller Well.
Die Goelhemedallle für Adolf Sandberger.
2)er Führer hat dem ordentlichen Professor Geheimen Regierungsrat Dr. Adolf Sandberger in München aus Anlaß der Vollendung feines 75. Lebensjahres die Goethemedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Sandberger ist in Würzburg geboren. Er studierte Musikwissenschaft in Berlin und München, wurde 1892 Kustos an der Hof- und Staatsbibliothek in München, habilitierte sich dort 1894 unb wurde 1900 ordentlicher Professor der Musikwissenschaft an der Universität München. Neben einer Reche musikgeschichtlicher Werke komponierte er mehrere Opern (,Ludwig der Springer", „Der Tod des Kaisers"), ChöreLieder, Kirchenmusik, Klavier- und symphonische Werke.
Brandstifter zum Tode verurteilt.
Das Schleswig-Holsteiner Sondergericht hat am 18. Dezember den fast 19 Jahre alten Artur Walle r aus Bilsen, Kreis Pinneberg, wegen vorsätzlicher Brandstiftung zum Tode verurteilt. Waller hatte in der Nacht zum 14. Dezember in Bilsen aus Rache die Mühle feines Arbeitgebers, des Mühlenbesitzers Wilcke, a n g e z ü n- d e t. Dabei ist ein Gesamtschaden von 100 000 NM. entstanden, darunter allein an Futtermitteln 60 000 RM. Wer sich heute an lebenswichtigen Gütern des deutschen Volkes vergeht, hat Milde nicht zu erwarten.
Vollstreckung von Todesurteilen.
Am 19. Dezember 1939 wurde der am 17. November 1911 in Frauenkirchen geborene Franz Bogner hingerichtet, der vom Sondergericht Wien wegen Mordes zum Tode verurteilt worden war. Bogner lauerte in Frauenkirchen Frauen, an denen er sich ohne Grund rächen wollte, weil sie ihn nicht erhört hatten, auf, um sie aus dem Hin- terhalt zu erschießen. Zwei verletzte er, eine — ein 16jähriges Mädchen — tötete er dabei..
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Am 19. Dezember 1939 ist der vom Sondergericht Königsberg (Pr.) wegen Verbrechens nach § 4 der Verordnung gegen Volksschädlinge zum Tode und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte Kurt I e w o r r e k aus Gelsenkirchen hingerichtet worden. Jeworrek hatte sich Mitte Ottober 1939 in Insterburg als Verwandter eines im Polenfeldzug Gefallenen ausgegeben, sich an dessen Nachlaß vergriffen und unter Ausnutzung des Mitleids seiner Volksgenossen umfangreiche Betrügereien begangen.
Reiche Goldader in Westsibirien.
In der Gegend von Tscheljabinsk wurde eine äußerst reiche Goldader entdeckt. Innerhalb von drei Tagen haben einige Bergarbeiter 12 Kilo Gold zum Vorschein gebracht. Besonders interessant ist der Umstand, daß der Feingehalt des Goldes sich mit zunehmender Tiefe der Goldader erhöht.
Auf Neuseelands höchstem Berge verschollen.
Nach über 25 Jahren klärt sich jetzt eine Tragödie auf, die sich kurz vor Ausbruch des Weltkrieges in den Bergen Neuseelands ereignet hat. Im Februar des Jahres 1914 versuchte der junge Lon
doner Rechtsanwalt Sydney King den fast 3800 Meter hohen Mount Cook, den höchsten Berg Neuseelands, zu erfteigen. In Begleitung zweier ortseingefeffener Bergführer machte sich King auf den Weg. Alle drei Männer kehrten niemals Zurück. Jetzt, nach über 25 Jahren, entdeckten einige Bergsteiger auf dem Hockstetter Gletscher Kleidungsstücke, die anscheinend King gehört hatten. Wenige Tage später gelang es auch, die Leiche des Verunglückten zu bergen. Aus der Tatsache, daß einer der Führer auf der anderen Seite des Berges aufgefunden wurde, glaubt man schließen zu können, daß die drei Männer erst, nachdem sie den Gipfel erreicht hatten, beim Abstieg von einer Katastrophe überrascht wurden, über deren Natur näheres nicht bekannt ist.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer empfing in der Neuen Reichskanzlei in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen vonRibbentrop zur Überreichung ihrer Beglaubigungsschreiben den neuernannten Kaiserlich Japanischen Botschafter Saburu Ku- r u s u, sowie den neuen estni chen Gesandten Rudolf M ö l l e r s o n.
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Als letztes Umsiedlerschiff traf am Montag der Dampfer „Orotawa" mit 271 Rückwände- rern aus Reval in Gotenhafen ein. Insgesamt sind über 40 000 baltendeutsche Umsiedler durch den Ueberseebahnhof geschleust worden. Gegen hundert Helfer sind hier oft Tag und Nacht tätig gewesen.
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Wie „Aftonbladet" berichtet, wurden die englische und die französische Botschaft in Moskau von der GPU. unter besonderen Polizeischutz gestellt. Diese Maßnahme wirb durch den steigenden Haß der Bevölkerung in Ruß- land gegen die beiden Westinäch'te erklärt. In Moskau haben bereits verschiedene Versuche zu antienglischen Kundgebungen stattgefunden.
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Nach Blättermeldungen gestalten sich die unlängst wiedenaufgenommenen französisch-schweizerischen Wirtschaftsverhandlungen sehr schwierig, namentlich infolge der Ausdehnung des Handelskrieges durch die Weft- rnächte. Es steht noch nicht fest, wie lange der schweizerische Unterhändler, Direktor Hotz, in Paris bleiben muß. Frankreich verhandelt auch im Namen Englands mit der Schweiz über einige Fragen des Handelskrieges.
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König Leopold von Belgien besichtigte zusammen mit einigen Generalstabsoffizieren die an der Küste angelegten Befestigungen und nahm in Ostende einen Vorbeimarsch der Truppen ab.
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Der Oberste Rat für öffentliche Arbeiten in Italien hat die Pläne zur Regulierung des Tibers von Rom bis zu seiner Mündung und zur Einrichtung eines Flughafens genehmigt.
Todesstrafe für einen Dolksfchädling.
Lpd. Hanau, 19. Dez. Ende November war auf dem Bahnhof in Steinau nachts ein Mann verhaftet worden, der kurz zuvor einen Einbruch verübt hatte. Es stellte sich heraus, daß es sich um einen Schwervverbrecher handelte, der bereits 22 Jahre im Zuchthaus zugebracht hatte. Der Täter, der 41jährige Heinrich Haber aus Niedersimten im Kreis Pirmasens, hatte sich jetzt vor dem Sondergericht wegen acht schwerer Einbruchsdiebstähle im Kinzigtal, einem versuchten Einbruchsdiebstahl und einem weiteren Einbruchsdiebstahl, begangen unter Ausnutzung der zur Anwendung von Fliegergefahr getroffenen Verdunkelungsmaßnahmen zu verantworten. Der Angeklagte wurde zum Tode und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Schlachtoiehmarkt (Schlacht- oiehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main in Gießen kosteten: Ochsen 35 bis 45,5, Bullen 41 bis 43,5, Kühe 10 bis 43,5, Färsen 30 bis 44,5, Kälber 25 bis 65, Schafe 40 bis 43 Rpf. je Vz kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10, Klasse bl (135 bis 149,5 kg) 1,10, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10, c (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (unter 100 kg) 1,02, e—f (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,10, i (Altschnei- der) 1,10, g2 (andere Sauen) 1,02) h ((Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: regelmäßig, zugeteilt.
Nhein-Mainische Börse.
Tendenz ruhig.
Frankfurt a. M., 19. Dezember. Die augenblickliche Unternehmungslust an der Börse ist sehr gering, so daß auch am heutigen Tage das Geschäft einen sehr ruhigen Verlauf nahm. Indessen erhielt sich die feste Grundstimmung, da sich kleine Anlagekäufe fortsetzten, während Angebot kaum heraus kam.
Die Kursfeststellungen am Aktienmarkt vollzogen sich meist nur mit Mindestbeträgen. Auch die heute eingeführten neuen Reichsbank-Anteile hatten nur sehr kleines Geschäft und kamen mit 102 zur Notiz. Montanwerte lagen etwas fester, insbesondere Klöckner mit 123,50 (121,75); Verein. Stahl gewannen 0,65 v. H. aus 100,25, Buderus 0,75 v. H. auf 99,75 und Hoesch 0,40 v. H. auf 109,65. Elektro- paprere lagen uneinheitlich, meist ergaben sich aber Erhöhungen von 0,50 bis 1 v. H. JG.-Farben weiterhin still und unv. 164, Scheideanstalt 1 v. H. höher mit 223. Erneut fest lagen Heidelberger Zenrent mit 147 (145), im übrigen kamen vorerst noch Adlerwerke mit 99 (98.50) und Zellstoff Wald- hos mit 113,25 (113) zur Notiz.
Der Rentenmarkt lag gleichfalls stiller bei wenig veränderten Kursen. Am Pfandbriefmarkt setzte sich Nachfrage fort Reichsanleihealtbesitz knapp gehalten mit 138,65 (138,75), dagegen De- kdsama I stst mit 142,40 (141,50), ferner Reichs- bahn-VA. 127,13 (126,75). Industrie- und Stadtanleihen lagen still und kaum verändert, 4,50 v. H. Darmstadt v. 26 nach Pause 93,75 (94,50). Liquidations-Pfandbriefe schwächten sich z. T. bis 0,25 v. H. ab.
Das Freiverkehrsgeschäft war weiterhin belanglos. Tagesgeld unv. 2 v. H.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M, 20. Dez. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war etwa folgende Marktlage: Es kosteten Kälber 30 bis 65 RM, Hämrnel 30 bis 50, Schafe 25 bis 42, Schweine 50 bis 56 RM. Marktverkauf: Das ausreichend vorhandene Vieh wurde zugeteilt.
Hauptschriftkeiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: 'Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen. Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und-Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 5 vom 1. Dezember 1939 gültig.
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CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35
3 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Horst lockt das Tier mit leisem Schnalzen, Koni iber wiehert beleidigt und geht zur Seite. „Na, tarn nicht!" Der junge Mann kehrt sich wieder dem 6te zu, doch plötzlich steht er wie angegossen und lörrt eine Gestalt an. die sich in diesem Augenblick hi Wasser aufrichtet und mit langen Schritten und U:gestreckten Armen ans Land kommt. Es ist ein Zankes, hochbeiniges Mädel mit sonnenbraunen Webern.
Welch eine Ähnlichkeit zwischen dem Tier und kr Frau, denkt Horst entzückt, wie schön, und bleibt inner noch stehen, ohne sich zu rühren, bis er niertt, daß er hinter Strauchwerk verborgen ist tu? von der Badenden nicht gesehen werden kann. So duckt er sich und schleicht heimlich zu seinem to rpg zurück. Sein Gesicht ist voll Lachen, er steigt <in und beginnt frech und laut zu hupen. Anne ist Sabe dabei, den zweiten Stiefel über das Hosen-
1 zu ziehen, erschrickt ein wenig und Koni schert empört. Doch als das spaßige Autochen dem Waldweg in die Lichtung einbiegt, scheut Pferd nicht einmal und Anne muß lachen. In «in unglücklichen Ding sitzt ein junger Mann. Er W aus, entpuppt sich als großer, gutgewachsener Ege, macht eine tadellose Verdeuaung und fragt: »Ktrzeihen Sie, wie komme ich hier zur Bade- aifalt?"
Lnne hat den Stiefel an. Um ihr Lachen zu ver- «rgen, schaut sie starr auf ihren Hemdärmel, krem- Ptft ihn langsam hoch und antwortet trocken: „@tne Wanftalt haben wir nicht. Mer wenn Sie baden Men, bitte sehr, in zwei Mnuten gehört der Mn;e ©tränt) hier Ihnen." Dabei überlegt sie, aber- MLs erschreckend: Welch ein Glück, daß er nicht pty Mnuten früher kam, und sie nimmt sich vor, ’Qutunft nur noch im Badeanzug zu schwimmen.
Jades verbeugt sich der junge Mann und Jagt, ti lindet es herrlich, daß man hier baden kann, und wie man mag. „In Berlin gibt es das allerdings außerhalb der Stadt auch , jagt er. firme kehrt sich ihm zu, und während sie den freiten Aermel auftrempelt, mustert sie ihn auf
merksam, dann steht sie auf. „Kennen Sie Berlin? Kommen Sie aus Berlin?"
„3a, das heißt nein, ein paar Tage zuckeln der Knirps und ich schon auf der Landstraße umher. Wir lieben die Landstraße, müssen Sie wissen, und genießen sie mit Andacht. Bitte bleiben Sie ruhig sitzen, ich will Sie nicht vertreiben, mit meinem Bad eilt es nicht. Sie kennen gewiß diese Gegend, ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir sagen konnten, wo ich mich augenblicklich rumtreibe."
Horst holte eine Karte aus dem Wagen, breitet sie auf dem weißen Sand aus und gleich darauf kauern beide, der Mann und das Mädel nebeneinander, und ihre Finger fahren hin und her über das Gestrichcl der Sttaßen und Flüsse, über die Dünkte der Städte und über das ganze norddeutsche Land, das in bunter Äderung vor ihnen ausgebreitet liegt. Horst fängt an zu erzählen. Natürlich erst von der Fahrt. Er holt auch ein Zigarettenetui aus der Tasche, macht es auf und reicht es ihr. „Sie rauchen doch?"
„Gewiß", sagt Anne.
In der Höhluna seiner Hände entzündet er das Streichholz für sie, und als sie den Kopf neigt, um die Zigarette der Flamme nahezubringen, sieht sie, daß er schlanke, starke Finger hat. Sie hebt das Gesicht wieder, bläst den Rauch in die Luft, geht bis zur Föhre, an der noch immer Konis Sattel und Zaumzeug liegt, fetzt sich und lehnt sich mit dem Rücken gegen den rissigen Stamm. Sie zieht die Beine an sich, legt die Arme um die Knie und sieht dem Fremden kritisch entgegen. Er hockt sich zu ihren Füßen in die Sonne und zündet sich langsam und etwas umständlich eine Zigarette an.
„Wie leben Sie nun eigentlich in Berlin?" fragt sie, und Horst Nielsen erzählt von der Universität, von gelegentlichen Theaterbesuchen, von Konzerten und von einer billigen Bude im Norden der Stadt, deren Hauptattraktionen eine imitierte Palme und in einer Vase drei verstaubte Pfauenfedern sind.
Das alles hört sich Anne geruhsam an. Sie hat die eine Hand auf die Erde gestemmt, mit der anderen hält sie die Zigarette. Sie lehnt den Kopf hoch gegen den Stamm und schaut in das grüne Beschwinge der Zweige und Aeste. Und während der Fremde von der großen Stadt erzählt, sieht sie wieder die langen, langweiligen Straßenzeilen schreckhaft deutlich vor sich. Sie denkt an den Birkenhof, an das weiße Haus, an die gestreifte, helle Markise, an die Wiesen und die Heiterkeit drinnen und draußen. Herrgott, denkt sie, ich habe ja gar nicht gewußt, wie sehr ich dies alles hier liebe, und
Klariffa und auch Franz Pegel. Sie schluckt heftig, fast erschrocken. Horst Nielsen sieht, wie ihre Kehle zittert. Er denkt daran, wie sie aus dem Wasser kam, und fühlt: sie ist schön — ich möchte sie küssen.
Aber gerade in diesem Augenblick senkt Anne den Kopf und springt auf, ganz so, als habe sie seine Gedanken erraten. Er greift nach ihrer Hand. „Wollen Sie fort? Sie dürfen nicht fort. Seit Tagen habe ich mein Mittag einsam und allein verzehrt, heute müssen Sie mir Gesellschaft leisten."
Anne lacht. Sie macht eine krause Nase vor Vergnügen. „Was für ein Diner haben Sie denn in Vorbereitung?" sagt sie.
Horst macht ein sehr ernsthaftes Gesicht. „Bitte geben Sie mir Ihre Hand, verehrtes Fräulein, ich werde es an Ihren Fingern abzählen." Und er fängt mit dem Daumen an, bettet ihn in feine große, warme Hand, sieht zärtlich auf den schmalen Finder mit dem gutgepflegten rosaroten Nagel und sagt: „Nummer eins, Erbssuppe, meine Spezialität aus la Erbswurst bereitet. Ich kann sie sogar besser als jene junge Frau kochen, die viermal zum Krämer kam und jedesmal zwei Erbswürste verlangte, beim vierten Male aber tadelte: Wenn die Würste wieder platzen, dann weiß ich wirklich nicht, was ich machen soll."
„Au", lacht Anne, „ist das ein Witz?"
„Es soll Tatsache sein." Horst hält immer noch des Mädchens Daumen fest, und nun nimmt er den Zeigefinger dazu. „Zweiter Gang, Rührei und Bratkartoffel, aber ich kann auch Eierkuchen machen, ganz wie Euer Gnaden befehlen. Und der dritte Gang", jetzt hält er auch den Mittelfinaer fest, „ist Waldmeisterpudding. Sie werden in Ihrem Leben sowas Grasgrünes noch nicht gegessen haben. Ich war gestern selbst erftaurrt über die Farbe, aber er schmeckt ganz gut und kann auch einen Puff vertragen. Ich hatte ihn über Nacht vvrs Zell ge» stellt, es hat tüchtig darauf geregnet, glauben Sie aber nicht, daß er an Farbe und Festigkeit einge- büßt hat. Die erste Hälfte habe ich heute zum Frühstück verzehrt, den Rest trete ich Ihnen selbstverständlich gern ab."
Anne lehnt sich hintenüber. „Nein", ruft sie. „Sie sind sehr liebenswürdig, aber geteilte Freude ist doppelte Freude, wir wollen Ihr flaschengrünes Produkt gemeinsam verzehren. Also los, fangen wir schon mit der Arbeit an, ich stelle mich als Helferin zur Verfügung."
Doch Horst Nielsen hält noch immer ihre drei Finger in seiner Hand und gibt sie nicht frei. „Wir waren beim dritten Gang", jagt er und umschließt
jetzt auch den Ringfinger. „Also, vierter Gang durch den Wald, fünfter Gang ins Wasser und Schluß." Damit hat er ihre ganze Hand in der seinen, beugt den Kopf nieder und drückt einen kaum fühlbaren Kuß auf ihren Daumen.
Anne erschrickt, noch nie fft ihr ein Mann, vor allem ein fremder Mann, so nahe gekommen. Sie springt auf, sagt hastig und ängstlich: ,Lch kann natürlich nicht bleiben, die zu Haufe wissen ja gar nicht, wo ich bin."
Aber Höcht ist schon geschäftig, er nimmt ihre Reden scheinbar nicht ernst. „Die zu Hause", sagt er, „werden sich schon beruhigen, wenn Sie ein bißchen später kommen." Sein Oberkörper verschwindet im Innern des Knirpses, nur die Beine sind zu sehen und seine Stimme hört sich an, als hätte er ein Tuch vor dem Mund. „Ob man", fragt er, Kartoffeln im Seewasfer kochen kann?
Anne ist zu der Kiefer gegangen, unter der Konis Sattel liegt, sie hat die feste Absicht loszureiten, obwohl sie sich selbst eingesteht, daß dieses kleine Abenteuer, das so ganz aus dem Rahmen aller Erlebnisse fällt, sie reizt. Sie weiß wirklich nicht, was mit ihr los ist. Als sie aber jetzt seine Stimme hört, lacht sie doch wieder unb kommt sich albern vor, weil sie absolut keine Ahnung hat, wie sie sich in das Erlebnis finden könnte. Einen Augenblick lang sieht sie Klarissa vor sich, bas sehr besorgte alte Gesicht, doch als sie nun an ber Föhre steht, macht sie eine Bewegung mit der rechten Hand durch die Luft, die alle, aber auch alle Bedenken wegwischt. Mt einem Ruck kehrt sie sich wieder dem Wagen zu: „Neben ber Wiese gibt es eine Quelle, die sehr gutes Wasser hat. Man kann es sogar trinken."
„Fein, holen wir uns bas, bann gibt es eine Tasse Malzkaffee hinterdrein." Horst kriecht Mll hochrotem Kops aus dem Wagen und schleppt Kartoffeln, Eier, eine Bratpfanne, Spirituskocher und Kochtöpfe zum Strand, wo er aus Steinen eine Art Schutzwall für den Kocher baut. Dann nimmt er den Teekessel und kommt Anne mit strahlendem Gesicht und langen Schritten entgegen.
Sie sind übermütig und ausgelassen wie zwei Kinder. Sie fassen sich an die Hände, tollen über bie Wiese, Koni muß kommen, und Horst darf dem Pferd die Nase stteicheln. Zunächst läßt Konifere sich das nur mit. schiefem Seitenblick gefallen, aber als bie beiden mit gefülltem Wasserkessel wieder zurückmarschieren, trabt bas Tier brav hinter ihnen drein.
(Fortsetzung folgt)


