Nr. A Erstes Blatt
189. Jahrgang
Mittwoch, 19. April 1939
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Geburtstagsbesuch aus Ungarn.
Von unserem Dr. W. A.-Korrespondenien.
B u d a p e st, 18. April
Führende ungarische Politiker kommen nach Berlin, um als Ehrengäste vom Führer anläßlich seines Geburtstages empfangen zu werden. Es sind dies u. a. der Ackerbauminister Graf Michael von T e l e k i, ein Verwandter des Ministerpräsidenten, und der Handelsminister Antonius Künder. Neben . diesen offiziellen Regierungsoertretern sind noch eingeladen worden der frühere Ministerpräsident Jmrebi, der Präsident des Abgeordnetenhauses, D a r a n y i, Franz Rajniß, ein Abgeordneter der Regierungspartei, und Andreas von Mecser, der Präsident der königl. - ungarischen Landwirtschaftskammer. Unser Korrespondent hatte Gelegenheit, vor der Abreise der ungarischen Ge- burtstagsgäste mit dem Präsidenten von Mecser,
Am 20. April
erscheint der Gießener Anzeiger in der gewohnten Weise. Die Zustellung in Stadt und Land erfolgt zu den üblichen Zeilen. Anzeigen für die Areilag- nummer werden heule bis 18 Uhr und am Freitag von 8 bis 9 Uhr in der Geschäftsstelle entgegengenommen.
Verlag des Gießener Anzeigers.
garn-Verein die alten, bis in die Zeit Martin Luthers zurückreichenden Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn mit weitgehender Förderung von Rektor und Senat der Martin-Luther- Universitüt pflegt.
General Moscardo.
Unter den fremden Ehrengästen, die zum Geburtstag des Führers in der Reichshauptstadt weilen werden, befindet sich auch General Moscardo, einer der Helden im nationalspanischen Befreiungskampf. Moscardo ist der Verteidiger des Alcazar von. Toledo, jener Stätte, die mehrere Monate hindurch von den Roten völlig eingeschlossen war und mit einer Wut sondergleichen berannt wurde, aber von ihnen nicht bezwungen werden konnte. Als der nationale Aufstand losbrach, war Moscardo Leiter der Militärschule von Toledo. Einen roten Befehl, die Bestände' der Waffenfabrik Toledos nach Madrid zu schaffen, benutzte er, um diese Fabrik auszuräumen, dann aber mit Hilfe seiner Kadetten die Waffen und Munition zum Alcazar, der über der Stadt sich erhebenden Festung,
zu schaffen. Die Verhältnisse zwangen ihn, hier Zuflucht zu suchen und abzuwarten, bis an anderer Stelle der Aufstand zur Entfaltung gekommen war. Ihm standen nur die Militärschüler und einige nationale Männer zur Verfügung, außerdem hatten sich zahlreiche Frauen und Kinder in der Festung eingefunden. Schwach war die Bewaffnung, gering die' Munition trotz des Zuzugs aus der Fabrik von Toledo. Die Roten hatten dagegen schwerste Waffen, die sie alsbald gegen den Alcazar in Ansatz brachten. Aber die Besatzung verteidigte sich, obwohl sich die Dynamiteros immer mehr an die Festung heranarbeiten und einen Teil nach dem andern in Schutt legten. Inzwischen rückte General V a r e l a heran. Je näher er kam, desto blutiger wurde der Kampf um die Festung. Bis dann vor ihren Toren die Signale der siegreich vorgedrungenen Befreier ertönten. Die Festung hatte sich gehalten, die Roten hatten eine schwere Niederlage erlitten. 72 Tage dauerte die Verteidigung. Um rascher „Schluß zu machen", boten die Roten Moscardo das Leben seines von ihnen gefangen genommenen Sohnes an, wenn er den Alcazar übergäbe. Moscardo lehnte ab; sein Sohn wurde erschossen. Nach diesem Erlebnis gehört heute die Liebe des Generals der spanischen Jugend; er hat darum schon im Vorjahr das Präsidium des Olympischen Kommitees für Spanien übernommen.
Wie Berlin heute abend erstrahlen wird.
der bereits in den ersten Jahren der Kampfzeit mit dem Führer bekannt geworden ist, eine längere Unterredung über aktuelle kultur- und wirtschaftspolitische Fragen zu führen.
Ohne weitere Umschweife begann der Abgeordnete, daß ihm als einem alten Offizier die deutsch-ungarische Freundschaft auf Grund des gemeinsamen Kriegserlebnisses eine Herzenssache sei. Darum habe er auch schon viele Jahre hindurch die persönliche Fühlungnahme und Freundschaft mit führenden Männern der deutschen Politik gepflegt, von Mecser hat jeden Reichsparteitag in Nürnberg besucht, überdies hat er seit dem Jahre 1926 die e n g st e n Beziehungen zum Reichsnährstand und alle großen Tagungen in Goslar mitgemacht. Er findet Worte bewundernder Anerkennung für alles das, was sich seit 1933 in Deutschland ereignet und zu dem großen Umschwung, zum Großdeutschen Reich geführt yat. Unerschütterlich ist seine Ueberzeugung, daß mit einer weiteren Stärkung Deutschlands, wozu auch das gute Einvernehmen mit Ungarn gehört, der Friede in der Welt und eine kulturelle und wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung der Volker gesichert seien. Hier findet der Präsident der komgl.- üngarischen Landwirtschaftskammer Worte höchster Anerkennung für den Führer, indem er von ihm als einem Spezialisten der neuen politischen Führung spricht, wie es ihn noch me- mals auf Erden gegeben hat, einer Führung, die zu einer friedlichen Machterweiterung ohne jedes Blutvergießen führt. , ,
Dann kamen wir auf die für Ungarn nunmehr glücklich abgeschlossenen kriegerischen Ereignisse m der Karpatho-Ukraine zu sprechen Die landwirtschaftliche Nutzung des etwa 1000 Hektar fassenden Bodens dieses Gebietes sei für Ungarn äußerst gering; vorwiegend würden die waldreichen Gebiete Brennholz und Bauholz liefern, weiter aber aud) noch unentdeckte Schatze an E i s e n und Erzen. Wahrscheinlich lohne es sich auch, m den Waldkarpathen nach Oel z ui b o h r e n. 2)ie mit Ungarn eine wirtschaftliche Einheit bildende Karpatho-Ukraine sei aber besonders wertvoll wegen der mannigfachen Möglichkeiten einer Ausnutzung der Wasserkraft; hier könnte nach der Anlage von Staubecken, dem Bau von Kraftwerken die Elektrifizierung Ostungarns auf eine aan{ andere Basis gestellt werden. Diese großen Bauvorhaben würden auch eine baldige ßofung des Problems der immer noch in Ungarn sehr großen Arbeitslosigkeit in Aussicht stellen, wodurch dann mit einer s o z i a l e n Befried u n g auch ein weiterer kultureller Aufschwung parallel gehen E°MU großer Wärme setzte sich Der Abgeordnete von Mecser für einen vertieften A u s bauder kulturellen Beziehungen zwischenDeutsch- Ion» und Ungarn ein Enbe Februar dieses Jahres sei in Wien ein deutsch-ungarischer -o e r ein gegründet worden, in allernächsten Z^t wurde au* ein solcher in Budapest ins Leben gerufen wer- dem Mit dem Abhalten gemeinsamer’ "
sn>;pn mie in Budapest soll bann der schon jeit lanaem bestehende deutsch-ungarische Kulturaus- E auf allen Gehören in Angriff genommen werben. Da Mecser als Präsident der unMi chen Landwirtschaftskammer besonders der beutschen Landwirtschaft nahesteht, gab abschließend noch
,va!t kwiss7nsZ> oft Ausdruck. Er" ist wirtsch f mjt öen mustergültigen Be-
trieben'und Instituten der UniversitätHalle-Wckten- bera bekannt geworden. Noch heute erinnert sich der USW-W-W Universität-Institute hatten auf ihn einen f br (ju kn Eindruck gemacht Und beim Abschied ve^i-yerre Präsident von Mecser daß er noch m> °k °m >>ayr der Universität einen Besuch abstatten . mal ein in Halle bereits 75 Jahrs bestehender UN
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Unsere Aufnahme von der Beleuchtungsprobe am Dienstagabend gewährt von der Höhe des Brandenburger Tores aus einen Blick in die soeben fertiggestellte Oft -West-Ach s e, an der viele Hunderte von Pylonen und Aufbauten angestrahlt sein werden, wenn der Führer heute abenb burch bie jubelnben Spaliere ber Berliner über bie neue Prachtstrahe fahren wirb. — (Scherl-Bilberbienst.)
Der rumänische Außenminister in Berlin
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Berlin, 18. April. (DNB.) Heute traf der königlich-rumänische Außenminister G a f e n c u auf Einladung des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop m 'Begleitung des deutschen Gesandten in Bukarest Dr. F a b r i c i u s , ju einem dreitägigen Aufenthalt in Berlin ein. Nach dem Abschrecken ber Front einer ^-Ehrenhundertschaft ge
leitete Reichsaußenminister von Ribbentrop seinen Gast im Kraftwagen zum Hotel Esplanade, wo ber rumänische Außenminister wohnt. Der Reichsaußenminister empfing sobann Gafencu zu einer längeren Aussprache über bie Deutschland und Rumänien betreffenden Fragen. Bei ber in freunbschaft- lichem Geiste geführten llnterrebung würbe eine weitgehende U e b e r e i n ft im m u n g der Auffassung über bie beide Länder betreffenden Fragen festgestellt.
Abends gab Reichsminister von Ribbentrop zu Ehren des rumänischen Außenministers ein Essen im Hotel Esplanade, an dem ber rumänische Ge- sanbte in Berlin, Crutzescu, bie Reichsminister Graf Schwerin-Krosigk und Funk, ber Chef bes Oberkommanbos der. Wehrmacht, Generaloberst Keitel, Generaloberst Milch, Reichsleiter Bo uhler, die Staatssekretäre von Weizsäcker und Dr. Keppler, Generalforstmeister Alpers, ^-Obergruppenführer Lorenz, sowie weitere namhafte Vertreter von Staat, Partei, Wehrmacht und Wirtschaft teilnahmen. Bei dem Essen führte ber Reichsaußenminister in einem Trinkspruch aus: Es ist mir eine Ehre unb Freube, Eure Exzellenz in ber Houptstabt bes Deutschen Reiches willkommen zu heißen. Ihre Anwesenheit bietet uns Gelegenheit zu einem offenen Meinungsaustausch, unb ich bin überzeugt, baß sie bazu beitragen wird, die zwischen unseren Völkern bestehen- ben freundschaftlichen Beziehungen weiter aus- z u b a u e n unb z u vertiefen. Die sich ergän- zenben Interessen ber beiben Länder sowie bie ge- beihliche Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete berechtigen zu b e n beften Hoffnungen f ü r bie Zukunft.
Außenminister Gafencu antwortete: In voller Zuversicht habe ich meine Reise nach bem Deutschen Reich angetreten, benn ich zweifele nicht baran, baß es eine Pflicht ist, an verantwortungsvoller Stelle für ein noch besseres Verständnis zwischen unseren beiden Völkern zu wirken. Unser erst kürzlich ab-
MgsschiffneubMen 1939.
Don Fregattenkapitän z. D. Mohr.
Bei faft' allen großen Seemächten gilt bas Jahr 1942 als bas große Marinestichjahr, als der Zeitpunkt, zu dem die großen Aufrüstungsprogramme in ihren wesentlichen Teilen durchgesührt unb bis auf Grund der Flottenbauprogramme auf Stapel gelegten Schiffe an die Front treten werden. Es ist deshalb von Interesse, sich über die zu Beginn dieses Jahres in Bau befindlichen, bewilligten und geplanten Kriegsschiffe einen Ueberblick zu verschaffen.
Deutschland: das einzige Land, das vertrag- .lich — durch das deutsch-englische Flottenabkommen — noch quantitativ gebunden ist, während es für alle übrigen Länder nur noch qualitative Bindungen gibt, hatte am 1. Januar 1939 auf Stapel liegend, ozw. geplant:
3 Schlachtschiffe von 35 000 t
1 Flugzeugträger „ 19 250 t
4 Leichte Kreuzer „ 7 000 t
2 „ „ „ 10 000 t
8 Zerstörer „ 1811 t
30 Torpedoboote „ 600 t
10 U-Boote „ 740 t
11 „ „ 517 t
7 „ „ 250 t .
76 Kriegsschiffe mit 219 575 t I. Ordnung.
An U-Booten wird Deutsd)lanb auf Grund bei? vorliegenden Programme im Jahre 1942 71 Ein-. Heiken besitzen, gegenüber 68 englischen Booten. Während aber oiefe 68 englischen Boote etwa 70 000 t verdrängen, beträgt das Gesamkdeplace- ment ber 71 deutschen U-Boote nur 31 282 t, also weniger als die Hälfte des englischen U-Boot- deplacements.
England: führt zur Zeit das größte Aufrüstungsprogramm seiner Friedensgeschichte burd), und ber Baubestand auf britischen Werften betrug am 1. Januar 1939:
5 Schlachtschiffe von 35 000 t
2 „ „ 40 000 t
5 Flugzeugträger „ 23 000 t
2 1. Kreuzer „ 10 000 t
9 1. Kreuzer „ 8 000 t
10 Kreuzer „ 5 450 t
31 Zerstörer von 1935—1690 t
15 U-Boote von 1520—1090 t
79 Kriegsschiffe I. Ord- nung mit zusammen 588 240 t Währenb jedoch die deutsche Neubautonnage ztt einer fertigen Gesamttonnage von nur 162 000 t treten wird, liegen die entspred)enden Zahlen für das britische Weltreich wie 588 240 t zu 1337 000 t. Die englische Marine wird demnach im Jahre 1942 über eine Gesamttonnage — nur Kriegsschiffe I. Ordnung — von 1,9 Millionen Tonnen verfügen gegenüber einer deutschen Gesamttonnage von etwa 380000 t. Die Vereinigten Staaten, Xe durch ihren Präsidenten in einen wahren Rüstungstaumel gerissen werden, bauen zur Zeit:
4 Schlachtschiffe von 36 000 t
2 „ „ 35 000 t
4 Flugzeugträger „ 14 700 t
und Mutterschiffe „ 8 625 t
2 Schwere Kreuzer „ 10 000 t
6 Leichte Kreuzer „ 8 000 t
95 Zerstörer von 1600—1850 t
34 U-Boote
' 147 Kriegsschiffe I. Ord
nung mit zusammen 528 000 t
Frankreich: hat zur Zeit einen Baubestand, der für bie französischen Staats- unb Privatwerften eine beispiellose Kraftanstrengung bebeutet unb nur durch Mobilisierung aller (Energien bes ßanbes bewältigt werben kann. Mit bem erst im Januar verkündeten Zusatzprogramm beträgt ber in Bau be- findliche, bewilligte unb geplante Bestand:
4 Schlachtschiffe von 35 000 t
2 Flugzeugträger „ 18 000 t
4 Leichte Kreuzer „ 8 000 t
11 Zerstörer „ 1 772 t
7 Torpedoboote „ 1020 t
28 U-Boote von 800—1500 t
56 Schiffe mit zusammen 350 000 t
Italien: Es ist zu beobachten, daß die französische unb italienische Seerüstung sich gegenseitig
geschlossener Wirtschaftsvertrag baut auf bie alten guten Erfahrungen unserer ehemaligen Wirtschaftsbeziehungen nunmehr neue unb — wie wir aufrichtig meinen — gleich fruchtbare Methoden. Im Interesse beider Staaten und im allgemeinen Interesse einer friedlichen Ordnung wollen wir diesem Abkommen durch unsere Arbeit zu seiner vollen unb gerechten Geltung verhelfen.
Die ausländischen Ehrengäste.
Berlin, 18. April. (DNB.) Die im Namen des Führers vom Reichsminister bes Auswärtigen von Ribbentrop zur Parade am 20. April eingeladenen ausländischen Ehrengäste treffen in ihrer Mehrzahl im Laufe des Dienstagabend unb des Mittwoch auf den verschiedenen Berliner Bahnhöfen' und auf bem Flughafen Tempelhof eih. Sie werden bei ihrer Ankunft durch Vertreter von Staat, Partei und Wehrmacht begrüßt und zum Hotel „Adlon" geleitet. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, hat die fremdländischen Generale zusammen mit einigen höheren deutschen Offizieren auf Mittwochabend zu einem Essen in kameradschaftlichem Kreise eingelaben.


